Digitales Armageddon : Geknackte Quellcodes bedrohen kritische Infrastruktur


von Vlad Geor­ge­scu 

Tat­säch­lich mar­kiert der Monat Mai 2019 einen Wen­de­punkt. Denn zum ers­ten Mal gelang­ten Hacking Units nicht an die Daten von Mil­lio­nen Nut­zern, son­dern an den Hei­li­gen Gral eines jeden Soft­ware­ent­wick­lers : den Quell­code. Als reich­te dies allein nicht aus, setz­ten die Hacker einen drauf – und klau­ten wich­ti­ge Pro­gram­mier­zei­len von Syman­tec, Trend Micro und McA­fee, jenen Unter­neh­men also, die mit ihren Anti­vi­ren und End­point-Pro­tec­tion-Tools unzäh­li­ge kri­ti­sche Infra­struk­tu­ren welt­weit absi­chern sol­len. Und bis­lang als fes­te Grö­ße im Kampf gegen die Orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät gal­ten.

So arbei­tet Trend Micro “seit 2013 mit Inter­pol zur Bekämp­fung von Cyber­kri­mi­na­li­tät zusam­men”, wie Wiki­pe­dia der­zeit noch voll­mun­dig beschreibt. Noch 2016 – im Zeit­al­ter der Bits und Bytes eine digi­ta­le Ewig­keit – ver­kün­de­te das japa­ni­sche Unter­neh­men einen sen­sa­tio­nel­len Erfolg :

Der japa­ni­sche IT-Sicher­heits­an­bie­ter Trend Micro hat zur Fest­nah­me des Anfüh­rers eines inter­na­tio­na­len kri­mi­nel­len Netz­werks bei­getra­gen. Die­ser steht im Ver­dacht, mehr als 60 Mil­lio­nen US-Dol­lar durch die cyber­kri­mi­nel­len Metho­den ‘Busi­ness Email Com­pro­mi­se’ (BEC) und ‘CEO Fraud’ erbeu­tet zu haben”, hieß es damals in der ent­spre­chen­den Mit­tei­lung des glo­bal ope­rie­ren­den Cyber­un­ter­neh­mens.

Nicht min­der selbst­be­wusst gab sich der US-ame­ri­ka­ni­sche Gigant Syman­tec – und trug auf dem Inter­pol World Con­gress 2015 sei­ne Sicht­wei­se von Cyber­stra­te­gie vor. Dass Syman­tec zu den Speer­spit­zen der ame­ri­ka­ni­schen Cyber­ab­wehr zählt, galt bis Mai die­ses Jah­res als Bin­sen­weis­heit. Eben­so sei­ne Nähe zur Natio­nal Secu­ri­ty Agen­cy (NSA). Schon vor einem Jahr­zehnt dozier­ten Fach­leu­te der pri­va­ten Fir­ma vor Fach­leu­ten der NSA – kei­nes­falls unge­wöhn­lich, denn auch rus­si­sche und chi­ne­si­sche Pri­vat­un­ter­neh­men tau­schen sich mit den Cyber­be­hör­den ihrer Län­der aus.

Was jedoch heu­te unter Cyber­ex­per­ten als digi­ta­les Arma­ged­don zählt, ist die Tat­sa­che, dass aus­ge­rech­net jene Cyber­ab­wehr-Gigan­ten des Wes­tens ihre eige­nen Quell­codes nicht vor dem Zugriff durch exter­ne Hacker zu schüt­zen ver­moch­ten, die bis­lang selbst der NSA und Inter­pol bera­tend zur Sei­te stan­den.

Denn einer Hacker­grup­pe, die sich Fxmsp nennt, gelang es bereits im März die­ses Jah­res, ins Netz der Gebeu­tel­ten ein­zu­drin­gen, wie das IT-Por­tal Blee­ping­Com­pu­ter unlängst berich­te­te.

Damit gelangt womög­lich unschätz­bar wich­ti­ger Quell­code, der auch hier­zu­lan­de einen Groß­teil der kri­ti­schen Infra­struk­tu­ren schützt, in die Hän­de der gut betuch­ten Orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät. Denn die von Fxmsp gefor­der­ten Sum­men lie­gen im Bereich von 250.000 bis eine Mil­li­on US-Dol­lar, wenig Geld für Orga­ni­sa­tio­nen, die allein mit einer Boot­la­dung Koka­in eine hal­be Mil­li­ar­de Dol­lar und mehr erwirt­schaf­ten. Den Code kau­fen, um am Ende die Straf­ver­fol­ger zu über­wa­chen – was bis­lang hol­ly­woodreif war, ist seit Mai 2019 Rea­li­tät.

Ent­schei­dend für die poten­ti­el­len Käu­fer ist näm­lich nicht der Code per se. Denn Hacker kön­nen, frei­lich ille­gal, mit Hil­fe von ehe­ma­li­gen NSA-Werk­zeu­gen wie GHIDRA und ande­ren Tools ohne­hin jene Tei­le des Codes sicht­bar machen, die nicht ver­schlüs­selt sind. Ent­schei­dend für zah­lungs­wil­li­ge Cyber­kri­mi­nel­le ist viel­mehr der Ein­tritts­weg in die Hei­lig­tü­mer von Syman­tec und Trend Micro oder McA­fee – und die Erkennt­nis, dass Fxmsp offen­bar in der Lage ist, die­sen Weg zu gehen. Mit­un­ter auch als Auf­trags­ar­beit.

Alles neu macht der Mai

Der Fxmsp-Angriff ist für sich allein betrach­tet ein Desas­ter, doch zur Kern­schmel­ze der Cyber­si­cher­heit tra­gen meh­re­re Fak­to­ren und wei­te­re auf­ge­flo­ge­ne Cyber­at­ta­cken bei.

So muss­te der deut­sche Spe­zia­list CITRIX zuge­ben, sechs Mona­te lang nicht den blas­ses­ten Schim­mer davon gehabt zu haben, über­haupt ange­grif­fen wor­den zu sein. Dass sich Angrei­fer ein hal­bes Jahr lang voll­kom­men unbe­merkt im Fir­men­netz­werk bewe­gen und ganz neben­bei per­so­nen­ge­bun­de­ne Kun­den­da­ten absaug­ten, zeigt vor allem eins : Die Repu­blik steht vor einem digi­ta­len Trüm­mer­hau­fen.

Schlim­mer geht’s nim­mer, möch­te man mei­nen. Mit­nich­ten. Auch City­comp, zu des­sen Kun­den Por­sche und VW zäh­len, sah sich die­sen Monat mit dem digi­ta­len GAU kon­fron­tiert – der deut­sche IT-Spe­zia­list muss­te ein­räu­men, Kun­den­da­ten an die Angrei­fer ver­lo­ren zu haben.

Die jet­zi­gen Cyber­at­ta­cken betref­fen prak­tisch alle IT-Struk­tu­ren des Wes­tens, vor allem inner­halb Deutsch­lands.

Für die glo­ba­len Black-Hat-Angrei­fer sind das gute Nach­rich­ten, scheint der letz­te Damm doch gebro­chen zu sein. Denn nahe­zu unbe­merkt von der Öffent­lich­keit – und nicht ein­mal von Edward Snow­den publik preis­ge­ge­ben –, basier­te die Cyber­ab­wehr vor allem auf einem ele­men­ta­ren Gedan­ken : Nicht der Schutz durch Soft­ware allein, son­dern erst die “Koope­ra­ti­on” zwi­schen Pro­zes­sor und Soft­ware soll­te Com­pu­ter und Anla­gen schüt­zen – gehei­me Angriffs­flä­chen auf den Pro­zes­so­ren wie­der­um wür­den, so der ursprüng­li­che Gedan­ke, im Not­fall eige­ne Cyber­an­grif­fe erleich­tern.

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Domi­nanz sowohl auf dem Gebiet der Hard­ware als auch der Soft­ware schien auch die Domi­nanz der Cyber­ab­wehr zu gewähr­leis­ten. Dass die­se auf Pro­zes­sor­ebe­ne aller Wahr­schein­lich­keit von Beginn an kon­zi­pier­ten Ein­tritts­pfor­ten auf­flo­gen, hat vor allem eine beun­ru­hi­gen­de Kom­po­nen­te : Die NSA selbst scheint ihre Cyber­waf­fen und Dienst­ge­heim­nis­se nicht mehr unter Kon­trol­le hal­ten zu kön­nen.

Denn auch Wan­naCry und Not­Pet­ya, die 2017 die Welt im Atem hiel­ten, sind eigent­lich Abkömm­lin­ge aus dem tech­nisch betrach­tet durch­aus bril­lan­ten NSA-Reper­toire – und gel­ten als ers­tes Indiz dafür, dass die US-Cyber­ab­wehr ohne Edward Snow­dens Ent­hül­lun­gen mas­si­ver wackelt denn je.

Die übli­chen Ver­däch­ti­gen – Cui bono ?

Dass aus­län­di­sche Cyber­diens­te aus Russ­land, Chi­na oder dem Iran tech­nisch in der Lage sind, soge­nann­te APT-Angrif­fe (Advan­ced Per­sis­tent Thre­at) durch­zu­füh­ren, ist alt­be­kannt. Doch die jet­zi­ge Wel­le dürf­te ihnen eben­so unge­le­gen kom­men wie dem Wes­ten. Denn anders als die orga­ni­sier­te Cyber­kri­mi­na­li­tät ver­fol­gen aus­län­di­sche Cyber-Nach­rich­ten­diens­te in ers­ter Linie die lei­se und unauf­fäl­li­ge Über­nah­me von kri­ti­schen Infra­struk­tu­ren.

Auf die­se Wei­se las­sen sich Unter­neh­men und staat­li­che Ein­rich­tun­gen aus­spio­nie­ren oder, sofern es zu einem mas­si­ven Kon­flikt käme, auch mal lahm­le­gen. Nichts ande­res betrei­ben auf der ande­ren Sei­te die NSA und ihre fach­lich nicht min­der bewan­der­ten Cyber­krie­ger des bri­ti­schen Government Com­mu­ni­ca­ti­ons Head­quar­ters (GCHQ). Gera­de für deut­sche Unter­neh­men stellt sich ob sol­cher Kon­stel­la­tio­nen nicht mehr die Fra­ge, ob sie gehackt wer­den wol­len, son­dern von wem.

Gleich­wohl wer­den immer wie­der die glei­chen Mus­ter bedient. So wer­den Unter­neh­men wie Kas­pers­ky und Hua­wei im Wes­ten auf Druck der USA arg­wöh­nisch beäugt, obwohl sie wesent­lich zur glo­ba­len Cyber­ab­wehr und -kom­mu­ni­ka­ti­on bei­tra­gen. 

Doch die jet­zi­ge Angriffs­wel­le trifft alle. Den Wes­ten, weil er ganz offen­sicht­lich zu gro­ßen Tei­len sei­ne Cyber­ab­wehr­fä­hig­keit ver­lo­ren hat, und sei­ne Gegen­spie­ler, weil es am Ende nichts mehr aus­zu­spio­nie­ren gibt, wenn der Trend anhält, son­dern bri­san­tes Mate­ri­al schlicht­weg gegen BTC ver­scher­belt wird. 

Womög­lich geht es am Ende somit nur um eine so pro­fa­ne Sache wie ums Geld. Das eben­so fit­te wie berüch­tig­te Hacker­kol­lek­tiv Dark Over­lord jeden­falls sucht mit pro­fes­sio­nel­len Stel­len­an­zei­gen im Dar­knet Mit­ar­bei­ter – und bezahlt ihnen nach Sich­tung der Bewer­bungs­un­ter­la­gen rund 77.000 Euro pro Monat.

Man darf es auch anders sagen : Wes­ten hin, Osten her – Pecu­nia non olet.

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Mehr zum The­ma — Aus­ge­rech­net Kas­pers­ky half der NSA auf die Spur zum Mega­da­ten­klau

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Venezuela : Maduro schlägt Neuwahlen für Parlament vor


Madu­ro äußer­te sei­ne Absich­ten in einer Rede am Mon­tag, auf dem er erneut sei­ne Bereit­schaft zu fried­li­chem polit­si­chen Dia­log mit der Oppo­si­ti­on beton­te. Tei­le die­ser hat­te in den ver­gan­ge­nen Wochen mehr­fach ver­sucht, sich mit Gewalt an die Macht zu put­schen. Die Streit­kräf­te des Lan­des blie­ben der demo­kra­tisch gewähl­ten Regie­rung jedoch loy­al und ver­hin­der­ten somit grö­ße­res Blut­ver­gie­ßen. 

Das Par­la­ment, in dem die Oppo­si­ti­on domi­niert, wur­de im poli­ti­schen Pro­zess an den Rand gedrängt, nach­dem eine ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung beru­fen wur­de, die auf­grund von poli­ti­schen Sabo­ta­ge­ver­su­chen des Par­la­ments vie­le legis­la­ti­ve Rech­te auf sich selbst über­trug. In der ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung stel­len die Regie­rungs­par­tei­en eine Mehr­heit dar.

Soll­te der selbst­er­nann­te “Inte­rims­prä­si­dent” bei den Par­la­ments­wah­len ver­lie­ren, wür­de es sei­nen Ver­su­chen, an die Staats­spit­ze zu gelan­gen, ein Ende berei­ten. Bis­her sind­al­le sei­ne Ver­su­che, sich zu eta­blie­ren, im San­de ver­lau­fen.

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USA : Wahlen drehen sich nur noch um Identitätspolitik (Video)


Das mit Ber­nie San­ders und Joe Biden aus­ge­rech­net zwei alte wei­ße Hete­ro-Män­ner die Nase vor­ne haben, gibt allen Frau­en, Far­bi­gen und Homo­se­xu­el­len die Gele­gen­heit, auf ver­meint­li­che struk­tu­rel­le Unge­rech­tig­kei­ten zu ver­wei­sen. Eine Art Schutz­schild gegen jede Form des Schei­terns. Denn wür­den sie nomi­niert und dann die Prä­si­dent­schafts­wahl ver­lie­ren, wäre wie­der genau das der Grund dafür.

Mehr zum The­ma — USA : Die neue “Hil­la­ry” heißt Joe Biden (Video)

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USA : Wahlen drehen sich nur noch um Identitätspolitik (Video)


Das mit Ber­nie San­ders und Joe Biden aus­ge­rech­net zwei alte wei­ße Hete­ro-Män­ner die Nase vor­ne haben, gibt allen Frau­en, Far­bi­gen und Homo­se­xu­el­len die Gele­gen­heit, auf ver­meint­li­che struk­tu­rel­le Unge­rech­tig­kei­ten zu ver­wei­sen. Eine Art Schutz­schild gegen jede Form des Schei­terns. Denn wür­den sie nomi­niert und dann die Prä­si­dent­schafts­wahl ver­lie­ren, wäre wie­der genau das der Grund dafür.

Mehr zum The­ma — USA : Die neue “Hil­la­ry” heißt Joe Biden (Video)

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USA : Wahlen drehen sich nur noch um Identitätspolitik (Video)


Das mit Ber­nie San­ders und Joe Biden aus­ge­rech­net zwei alte wei­ße Hete­ro-Män­ner die Nase vor­ne haben, gibt allen Frau­en, Far­bi­gen und Homo­se­xu­el­len die Gele­gen­heit, auf ver­meint­li­che struk­tu­rel­le Unge­rech­tig­kei­ten zu ver­wei­sen. Eine Art Schutz­schild gegen jede Form des Schei­terns. Denn wür­den sie nomi­niert und dann die Prä­si­dent­schafts­wahl ver­lie­ren, wäre wie­der genau das der Grund dafür.

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War Russland das Ziel der “Honigfalle” für Strache ?


von Zlat­ko Per­ci­nic

Was am 24. Juli 2017 in einer Vil­la etwas außer­halb von Ibi­za-Stadt, der Haupt­stadt der gleich­na­mi­gen Balea­ren­in­sel, pas­siert ist, gehört zum Stan­dard­re­per­toire eines jeden Geheim­diens­tes, der etwas auf sich hält. Die Zuta­ten für die soge­nann­te Honig­fal­le (Honey Trap) sind denk­bar ein­fach : Das meist männ­li­che Ziel wird in einer neu­tra­len und locke­ren Umge­bung von attrak­ti­ven Frau­en – und manch­mal auch Män­nern – dazu gebracht, Geheim­nis­se aus­zu­plau­dern, oder durch kom­pro­mit­tie­ren­de Beweis­auf­nah­men erpress­bar gemacht.

Der bri­ti­sche Inlands­ge­heim­dienst MI5 warn­te 2008 in einem 14-sei­ti­gen Bericht vor “chi­ne­si­schen Honig­fal­len”, die mit sol­chen Metho­den im Ver­ei­nig­ten König­reich Wirt­schafts­spio­na­ge betrei­ben. Der israe­li­sche Geheim­dienst Mos­sad lock­te so den Whist­leb­lo­wer Mor­de­c­hai Vanunu in Rom in die Fal­le, nach­dem die­ser 1986 Geheim­nis­se bezüg­lich des israe­li­schen Atom­pro­gramms an die Sunday Times wei­ter­gab. Auch Russ­land nutz­te die­se Tak­tik immer wie­der. Dass das nicht immer gut­geht, zeig­te der Fall Anna Chap­man, die im Juni 2010 in den USA auf­ge­flo­gen war und kur­ze Zeit spä­ter im Rah­men eines Gefan­ge­nen­aus­tauschs nach Russ­land aus­ge­lie­fert wur­de.

Wer auch immer Heinz-Chris­ti­an Stra­che vor zwei Jah­ren auf Ibi­za in die Fal­le lock­te, wuss­te ganz genau, was er tat. In sei­ner Rück­tritts­re­de am 18. Mai sag­te er, dass der Kon­takt zu der ver­meint­li­chen rus­si­schen Inves­to­rin über einen “deut­schen Bekann­ten der Dame” her­ge­stellt wur­de, der wie­der­um in Kon­takt zu FPÖ-Frak­ti­ons­chef Johann Gude­nus stand. Ob Gude­nus den “deut­schen Bekann­ten” schon län­ger kann­te oder hier gezielt das Ver­trau­en zum schwä­che­ren Glied der bei­den FPÖ-Poli­ti­ker auf­ge­baut wur­de, ist nicht bekannt.

Es soll hier nicht dar­um gehen, die Poli­tik, die Gesin­nung oder die Äuße­run­gen der invol­vier­ten Per­so­nen in Schutz zu neh­men oder zu rela­ti­vie­ren. Was Stra­che gesagt hat­te, ist für eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie nicht trag­bar und muss­te kon­se­quen­ter­wei­se zum Rück­tritt sei­nem Pos­ten füh­ren. Dass dann auch Gude­nus von allen sei­nen Ämtern zurück­ge­tre­ten und sogar aus der FPÖ aus­ge­tre­ten ist, war unter den gege­be­nen Umstän­den fol­ge­rich­tig.

Das bedeu­tet aber nicht, dass man die Metho­de der Honig­fal­le zur Erlan­gung kom­pro­mit­tie­ren­den Mate­ri­als ein­fach aus­blen­den darf. Auch das Timing der Ver­öf­fent­li­chung des Vide­os nur sechs Tage vor dem Beginn der EU-Par­la­ments­wah­len, die als “Schick­sals­wahl für Euro­pa” bezeich­net wer­den, wirft Fra­gen auf. Es heißt, dass Spie­gel und Süd­deut­sche Zei­tung, die das Mate­ri­al nach eige­nen Aus­sa­gen ent­we­der “vor gut einer Woche” (lt. Spie­gel-Redak­teur Mar­tin Knob­be am 19. Mai) oder “im Lau­fe die­ses Monats” zuge­spielt bekom­men haben, nach­dem es in Öster­reich nie­mand ver­öf­fent­li­chen woll­te.

Die Reak­tio­nen deut­scher Poli­ti­ker, die selbst­ge­fäl­lig mit dem Fin­ger auf die “Rechts­po­pu­lis­ten” und “Nazis” in Öster­reich zeig­ten und im Fal­le der SPD-Füh­rung sogar vor der Ent­schei­dung von Bun­des­kanz­ler Sebas­ti­an Kurz (ÖVP) Neu­wah­len for­der­ten, brach­te den Spie­gel schnell in Bedräng­nis. Der Vor­wurf von Wahl­ma­ni­pu­la­ti­on lag in der Luft, wie selbst der ehe­ma­li­ge BND-Chef August Han­ning gegen­über der Bild sag­te. Des­halb sah sich der Spie­gel ver­an­lasst, am 19. Mai eine Erklä­rung zu ver­öf­fent­li­chen, was aller­dings kaum eine über­zeu­gen­de Ant­wort auf die drän­gends­ten Fra­gen dar­stell­te. Des­halb leg­te Spie­gel-Redak­teur Wolf Wied­mann-Schmidt gegen­über der dpa nach und erklär­te, die Auf­nah­men sei­en nicht gezielt kurz vor der Euro­pa­wahl ver­öf­fent­licht wor­den :

Wir haben das Video im Lau­fe des Monats bekom­men und aus­ge­wer­tet. Und als wir uns dann sicher waren, dass es authen­tisch und echt ist, haben wir gesagt : Dann publi­zie­ren wir das Video.

Abge­se­hen von der im Raum ste­hen­den Wahl­ma­ni­pu­la­ti­on der bevor­ste­hen­den EU-Wah­len, bei denen bis­her sämt­li­chen Umfra­gen zufol­ge ein Rechts­ruck zu erwar­ten ist, fällt beim Auf­zug der geschicht­li­chen Dar­stel­lung des Ibi­za-Skan­dals durch die Süd­deut­sche Zei­tung und Spie­gel vor allem eines auf : Russ­land.

Mehr zum The­ma — Reak­tio­nen aus Deutsch­land auf Stra­che-Rück­tritt in Öster­reich 

Die Frau, die den Lock­vo­gel in dem Video spielt, wird stets als “ver­meint­li­che rus­si­sche Olig­ar­chin” bezeich­net, wäh­rend die öster­rei­chi­schen Medi­en von einer “ver­meint­lich rus­si­schen Inves­to­rin” spra­chen. Hier fängt bereits das Framing an, eine Olig­ar­chin ist nega­tiv kon­no­tiert und ruft eher ein Bild von unsau­be­ren Geschäfts­prak­ti­ken auf, als wenn sie ein­fach als Inves­to­rin bezeich­net wür­de.

Spä­tes­tens seit der Pres­se­kon­fe­renz von Stra­che am Sams­tag­mit­tag (18. Mai) war klar, dass die­se Frau (auch) eine Let­tin ist. Doch bei den bei­den deut­schen Medi­en­häu­sern blieb sie eine ver­meint­li­che rus­si­sche Olig­ar­chin. Erst in Neben­sät­zen wur­de spä­ter kurz dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie (auch) einen let­ti­schen Pass hat. Sie stell­te sich als Aljo­na Maka­ro­wa vor, Nich­te von Igor Maka­row, Nr. 1116 auf der For­bes-Lis­te mit Kon­tak­ten zum rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin.

Das Pro­blem dabei : Maka­row hat gar kei­ne Nich­te. Auch die Frau in dem Video ken­ne er nicht, sag­te Maka­row gegen­über For­bes. Doch die­se Klar­stel­lung haben bis­her (Stand 20. Mai) weder Spie­gel noch Süd­deut­sche Zei­tung gebracht.

Mehr zum The­ma — Öster­reich : Stra­che nennt Video geheim­dienst­li­ches, poli­ti­sches Atten­tat, um Regie­rung zu spren­gen

Statt­des­sen ergeht man sich in Berich­ten wie “Wie die FPÖ Russ­land lie­ben lern­te”, wo man sich auf­grund der “engen Kon­tak­te” nach Russ­land “immer wie­der nach ihren Moti­ven fra­gen las­sen” muss. In die­sem Bericht vom 20. Mai ist die Frau schon gar nicht kei­ne “ver­meint­li­che” Rus­sin mehr, son­dern es wird als eine Tat­sa­che dar­ge­stellt : “die jun­ge Rus­sin”. Wei­ter heißt es, Stra­che habe in dem Video von einem Maxim Schewt­schen­ko gespro­chen, den er 2005 getrof­fen haben soll. Laut Stra­che han­del­te es sich dabei um den “dama­li­gen per­sön­li­chen Bera­ter von Putin”, der ihm einen Plan vor­ge­schla­gen haben soll, “wie wir stra­te­gisch zusam­men­ar­bei­ten”.

Wie bei Aljo­na Maka­ro­wa gibt es hier eben­falls ein Pro­blem. Maxim Schewt­schen­ko gibt es zwar tat­säch­lich, doch war er nie “per­sön­li­cher Bera­ter von Putin”. Er ist ein bekann­ter Jour­na­list und Mode­ra­ter, der Putin immer wie­der hef­tig kri­ti­siert hat. Es gab hin­ge­gen tat­säch­lich einen Schewt­schen­ko, der in dem frag­li­chen Zeit­raum ein Bera­ter des rus­si­schen Prä­si­den­ten war. Aller­dings heißt er nicht Maxim, son­dern Wla­di­mir. Es stellt sich daher auch hier die Fra­ge, wen Stra­che tat­säch­lich getrof­fen hat, oder ob er den Namen falsch wie­der­gab oder der Süd­deut­schen Zei­tung ein Feh­ler unter­lau­fen war.

Dass der Ex-Vize­kanz­ler und die FPÖ in der Tat gute Bezie­hun­gen zu Russ­land pfle­gen, ist hin­läng­lich bekannt. Bekannt ist auch, dass eini­gen Herr­schaf­ten in den Haupt­städ­ten der EU und auch in den USA die­se guten Bezie­hun­gen ein Dorn im Auge sind. Ins­be­son­de­re, dass die Schlüs­sel­res­sorts wie Innen- und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um in den Hän­den der FPÖ waren, sowie mit Karin Kneissl eine Ver­trau­te Putins im Außen­mi­nis­te­rin war, die eben­falls für eine aus­ba­lan­cier­te­re Außen­po­li­tik gegen­über Russ­land ein­steht, wur­de hef­tig kri­ti­siert.

Das Miss­trau­en gegen­über Wien ging sogar so weit, dass die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel ihren Amts­kol­le­gen Sebas­ti­an Kurz bereits im Janu­ar 2018 in einem per­sön­li­chen Gespräch davor gewarnt hat­te, dass die FPÖ “sen­si­ble Infor­ma­tio­nen” an Russ­land wei­ter­ge­ben könn­te. Der Lin­ken-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Andrej Hun­ko for­der­te eben­falls die Ein­stel­lung der geheim­dienst­li­chen Zusam­men­ar­beit mit Öster­reich, weil er befürch­te­te, dass die “neue, stramm rech­te Regie­rung das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung (BVT) zum Schutz befreun­de­ter, rechts­ex­tre­mer Bewe­gun­gen oder zur Ver­fol­gung poli­ti­scher Geg­ner instru­men­ta­li­siert”.

Zuletzt hat­te sich auch Tho­mas Hal­den­wang, Chef des deut­schen Inland­ge­heim­diens­tes, zu den “erheb­li­chen Risi­ken” der nach­rich­ten­dienst­li­chen Zusam­men­ar­beit mit Öster­reich geäu­ßert. Für CDU-Sicher­heits­po­li­ti­ker Patrick Sen­s­burg stellt die FPÖ eine “Belas­tung für die Geheim­dienst­ko­ope­ra­ti­on in Euro­pa” dar, wie er dem Han­dels­blatt sag­te. Als Mit­glied im Par­la­men­ta­ri­schen Kon­troll­gre­mi­um des Bun­des­tags, das die deut­schen Geheim­diens­te über­wacht, dürf­te er über die Atmo­sphä­re in den Diens­ten durch­aus infor­miert sein.

Könn­te es also sein, dass die­je­ni­gen, die Stra­che und Gude­nus in die Honig­fal­le gelockt haben, die FPÖ aus der öster­rei­chi­schen Regie­rung drän­gen und Öster­reich wie­der enger an sich bin­den woll­ten ? Die von eini­gen deut­schen Poli­ti­kern gefor­der­ten Neu­wah­len wer­den nun im Sep­tem­ber auch statt­fin­den. Dass das Video just vor den EU-Wah­len ver­öf­fent­licht wur­de, war dann eher noch ein ange­neh­mer Neben­ef­fekt als ursprüng­li­che Absicht, um den befürch­te­ten Rechts­rutsch wenigs­tens etwas abzu­fe­dern.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

Mehr zum The­ma — Mer­kel ange­sichts des Stra­che-Video­skan­dals : Müs­sen ent­schie­den gegen Rechts­po­pu­lis­mus vor­ge­hen

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Deutsche Pharmakonzerne hinken Konkurrenten aus USA und Schweiz hinterher – Studie


Die Bera­tungs­ge­sell­schaft Ernst & Young (EY) hat laut der DPA am Mon­tag in Frank­furt eine Stu­die zur Ent­wick­lung der welt­weit größ­ten Phar­ma­fir­men vor­ge­stellt. Sie ent­hüll­te, wie sich die deut­schen Top-Phar­ma­un­ter­neh­men Bay­er, Boehrin­ger Ingel­heim und Merck in die­sem Umfeld schla­gen.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken