Analyst stuft bevorstehenden “Todesstrahl”-Test der USA als Bluff ein


Das US-Mili­tär hat sich vor­ge­nom­men, sei­ne Welt­raumin­fra­struk­tur aus­zu­bau­en, um bei der Ent­wick­lung ihrer Anti-Satel­li­ten-Fähig­kei­ten immer gegen­über Russ­land und Chi­na einen Schritt vor­aus zu sein. Die Bemü­hun­gen Washing­tons zie­len auf mehr Red­un­danz ab, um im Fal­le des Abschus­ses ame­ri­ka­ni­scher Satel­li­ten durch eine der bei­den geg­ne­ri­schen Natio­nen sicher­zu­stel­len, dass genü­gend vie­le Satel­li­ten im Orbit ver­blei­ben wür­den und somit ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen auf dem Boden nicht gänz­lich ohne Kom­mu­ni­ka­ti­on und nach­rich­ten­dienst­li­che Auf­klä­rung daste­hen. Aber das Pen­ta­gon will zudem auch ein wei­te­res “coo­les neu­es Spiel­zeug”, um — hypo­the­tisch — bal­lis­ti­sche Rake­ten wäh­rend ihrer Auf­stiegs­pha­se zer­stö­ren zu kön­nen.

Der Bud­get­vor­schlag für 2020 sieht 304 Mil­lio­nen Dol­lar für welt­raum­ge­stütz­te Rake­ten­ab­wehr­waf­fen mit einem leis­tungs­star­ken Laser und einem neu­tra­len Par­ti­kel­strahl vor, berich­tet Defen­se One. Der größ­te Teil des Bud­gets soll in das letzt­ge­nann­te Aggre­gat flie­ßen, wobei ein Expe­ri­ment geplant wird, das irgend­wann vor 2023 anbe­raumt wer­den soll.

Die­ser neu­tra­le Par­ti­kel­strahl, auch Orbi­tal-Ionen-Kano­ne genannt, ist eine Vor­rich­tung, die Ato­me ioni­sie­ren und in einem Magnet­feld auf nahe­zu Licht­ge­schwin­dig­keit beschleu­ni­gen soll, um dann die wie­der neu­tra­li­sier­ten Par­ti­kel auf ein Ziel zu schie­ßen. Sobald sie ihr Ziel errei­chen, erzeu­gen sie inten­si­ve Wär­me und kön­nen — im Gegen­satz zu einem Laser­strahl — nicht mehr durch Spie­gel abge­wehrt wer­den. Im Grun­de genom­men ähnelt das “Todes­strah­len” der frü­hen Sci­ence-Fic­tion-Zeit.

Aller­dings gibt es dabei einen Haken : Die Aus­rüs­tung, die zur Erzeu­gung sol­ches Strahls benö­tigt wird, wäre viel zu mas­siv, um sie leicht im Welt­raum ein­set­zen zu kön­nen. Zumin­dest war das beim letz­ten Mal der Fall, als das Pen­ta­gon mit sol­cher Idee spiel­te. Im Jahr 1989 star­te­ten US-Mili­tär­for­scher im Rah­men des Pro­jekts Beam Expe­ri­ments Aboard Rocket (BEAR) eine Höhen­for­schungs­ra­ke­te mit einer Strahl­vor­rich­tung an Bord.

Beam­te des US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, die letz­te Woche eine Kon­fe­renz zu die­sem The­ma abge­hal­ten haben, schei­nen heu­te vor­sich­tig opti­mis­tisch zu sein hin­sicht­lich der Fort­schrit­te, die für die­se Tech­no­lo­gie in den letz­ten drei Jahr­zehn­ten erzielt wur­den. “Ener­gie­er­zeu­gung, Strahl­for­mung, der Beschleu­ni­gungs­mes­ser, der erfor­der­lich ist, um dort­hin zu gelan­gen, und alles Nöti­ge, um die­sen Strahl zu neu­tra­li­sie­ren : Die­se Fähig­kei­ten sind aus­ge­reift. Und es gibt Tech­no­lo­gi­en, die wir heu­te zur Minia­tu­ri­sie­rung nut­zen kön­nen”, so ein hoch­ran­gi­ger Beam­ter.

Der sehr öffent­lich­keits­wirk­sa­me Cha­rak­ter der Ankün­di­gung des Expe­ri­ments deu­tet jedoch dar­auf hin, dass es doch mehr mit Ronald Rea­gan und sei­nen Auf­trit­ten gemein haben könn­te. Der repu­bli­ka­ni­sche Prä­si­dent hat­te die Sowjet­uni­on bekann­ter­ma­ßen dazu drän­gen wol­len, ihre Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben unnö­tig zu erhö­hen, indem er die Stra­te­gic Defen­se Initia­ti­ve vor­an­trieb, die von den Medi­en auch “Star Wars” genannt wur­de — ein (letzt­lich über­be­wer­te­ter) Plan einer welt­raum­ge­stütz­ten Rake­ten­ab­wehr, die angeb­lich die ato­ma­re Abschre­ckung Mos­kaus wir­kungs­los machen soll­te.

Viel­ver­spre­chen­de Ver­tei­di­gungs­sys­te­me wer­den in der Regel von füh­ren­den Natio­nen unter abso­lu­ter Geheim­hal­tung ent­wi­ckelt”, beton­te der RT-Mili­tär­ana­lyst Michail Cho­da­renok. “Das geziel­te Durch­ste­chen die­ser Infor­ma­tio­nen an die Medi­en kann auf eine mög­li­che stra­te­gi­sche Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne hin­deu­ten.”

Cho­da­renok stell­te das rela­tiv klei­ne Bud­get für die­se angeb­lich bahn­bre­chen­de Waf­fe in Fra­ge und erklär­te, es wür­de nicht ein­mal aus­rei­chen, “drei F‑35, also Kampf­jets der fünf­ten Genera­ti­on” zu kau­fen. Er glaubt, dass das Expe­ri­ment eher ein Signal an die Wis­sen­schaft­ler sein könn­te, dass eine sol­che Tech­no­lo­gie sehn­lichst gewünscht wird und die Arbeit fort­ge­setzt wer­den müs­se — nur für den Fall, dass jemand eine glän­zen­de Idee hat, wie das in die Pra­xis umge­setzt wer­den könn­te.

Ein Par­ti­kel­strahl könn­te in der Tat viel­ver­spre­chend sein, wenn er bal­lis­ti­schen Rake­ten bekämp­fen kann — und vor allem Hyper­schall-Marsch­flug­kör­per, also die Art von Waf­fen, die die USA mit den ihnen der­zeit zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln tat­säch­lich nicht bekämp­fen kön­nen, so Cho­da­renok wei­ter. Und den­noch wür­den die USA behaup­ten, dass sie über die Tech­no­lo­gie zur Her­stel­lung eines rea­li­sier­ba­ren Pro­to­typs ver­fü­gen, die ins­be­son­de­re im Hin­blick auf klei­ne, leis­tungs­star­ke Strom­quel­len mög­li­cher­wei­se jeg­li­che Pro­por­tio­na­li­tät sprengt.

Mehr zum The­ma — SDI rel­oa­ded – Die Wie­der­kehr des „Krieg der Ster­ne“

RT Deutsch


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