Argentinien : Fitch warnt vor Gefahr einer Staatspleite, Regierung senkt Steuern und Abgaben


Die Rating­agen­tur Fitch hat am Frei­tag­abend die Ein­stu­fung der Kre­dit­wür­dig­keit Argen­ti­ni­ens gleich um zwei Stu­fen auf “CCC” gesenkt. Dem­nach sei­en damit even­tu­el­le Zah­lungs­aus­fäl­le nur bei einer güns­ti­gen Ent­wick­lung ver­meid­bar. Der Aus­gang der Wahl im süd­ame­ri­ka­ni­schen Land habe die poli­ti­sche Unsi­cher­heit erhöht und die Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen emp­find­lich ein­ge­engt, urteil­ten die Exper­ten. Zudem dürf­te sich das volks­wirt­schaft­li­che Umfeld ver­schlech­tern, was die Wahr­schein­lich­keit einer Staats­plei­te erhö­he.

Bei den lan­des­wei­ten Vor­wah­len in Argen­ti­ni­en am Sonn­tag hat­te der lin­ke Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Alber­to Fernán­dez dem libe­ra­len Amts­in­ha­ber Mau­ricio Macri eine emp­find­li­che Nie­der­la­ge zuge­fügt. Der Oppo­si­ti­ons­kan­di­dat erhielt 47,6 Pro­zent der Stim­men, wäh­rend der amtie­ren­de Prä­si­dent ledig­lich auf 32 Pro­zent kam. Ange­sichts der hohen Infla­ti­on und der star­ken Abwer­tung des Peso in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­ten sich zuletzt vie­le Wäh­ler von Macri und sei­nem libe­ra­len Wirt­schafts­kurs abge­wandt.

Vie­le Anle­ger fürch­ten offen­bar einen Wahl­sieg von Fernán­dez und sei­ner Vize­kan­di­da­tin, Ex-Prä­si­den­tin Cris­ti­na Kirch­ner. Die ehe­ma­li­ge Staats­chefin steht für eine pro­tek­tio­nis­ti­sche Wirt­schafts­po­li­tik. Die Vor­wah­len gel­ten als wich­ti­ger Stim­mungs­test für die Prä­si­den­ten­wahl im Okto­ber.

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Der rech­te bra­si­lia­ni­sche Prä­si­dent Jair Bol­so­na­ro kün­dig­te am Frei­tag an, sein Land wer­de das süd­ame­ri­ka­ni­sche Staa­ten­bünd­nis Mer­co­sur ver­las­sen, wenn sich nach den Wah­len eine mög­li­che neue Links­re­gie­rung im Nach­bar­land gegen die geplan­te Öff­nung der Märk­te stem­men wer­de.

Die Märk­te haben signa­li­siert, dass sie Argen­ti­ni­en eine lin­ke Regie­rung nicht noch ein­mal ver­zei­hen wer­den. Unter­neh­mer wer­den nicht inves­tie­ren, bis die poli­ti­sche Lage dort geklärt ist”, sag­te Bra­si­li­ens Prä­si­dent.

Ende Juni hat­ten die EU und der Mer­co­sur den Auf­bau der welt­weit größ­ten Frei­han­dels­zo­ne beschlos­sen. Über den Abbau von Zöl­len und Markt­schran­ken soll der Han­del zwi­schen den bei­den Wirt­schafts­blö­cken ange­kur­belt wer­den. Bra­si­li­en ist die mit Abstand größ­te Volks­wirt­schaft im Mer­co­sur, zu dem neben Argen­ti­ni­en auch Uru­gu­ay und Para­gu­ay gehö­ren.

Inzwi­schen kün­dig­te Macri eine Rei­he von Erleich­te­run­gen für Arbei­ter und Unter­neh­men an. Der argen­ti­ni­sche Prä­si­dent ver­sprach Steu­er­sen­kun­gen für Arbei­ter und Ange­stell­te, eine Stre­ckung der Abga­ben für klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men, Boni für Beschäf­tig­te im öffent­li­chen Dienst und eine Anhe­bung des Min­dest­lohns. Zudem soll der Ben­zin­preis für 90 Tage ein­ge­fro­ren wer­den. (dpa)

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RT Deutsch


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