China, Russland und Weltall : Von Trump favorisierter Top-Militärberater plädiert für neue Atomwaffen


Die Her­aus­for­de­run­gen für die Streit­kräf­te der USA lagen schon immer auch fern ihrer Staats­gren­zen und zie­len wohl auch künf­tig auf die­se Wei­se auf den Erhalt der US-Hege­mo­nie.

In der ver­gan­ge­nen Woche hat US-Army-Gene­ral Mark Alex­an­der Mil­ley zudem das Ziel des Erhalts des “Groß­machts­frie­dens” und die damit ver­bun­de­nen drei Haupt­punk­te für die Zukunft skiz­ziert : US-Atom­waf­fen­ar­se­na­le müs­sen moder­ni­siert wer­den, das Welt­all wird eine wich­ti­ge Are­na des Krie­ges und Chi­na ist der Haupt­feind.

Gene­ral Mark A. Mil­ley hat Kampf­ein­satz­er­fah­rung in Afgha­ni­stan und im Irak gesam­melt, ist bereits Gene­ral­stabs­chef sei­ner Teil­streit­kraft und Donald Trumps favo­ri­sier­ter Kan­di­dat für den Pos­ten des Top-US-Mili­tär­of­fi­ziers, des Vor­sit­zes des Joint Chiefs of Staff und damit des wich­tigs­ten Mili­tär­be­ra­ters des Prä­si­den­ten, wel­chen der­zeit Joseph F. Dun­ford inne­hat.

Trump hat Mil­ley im Dezem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res zum Vor­sit­zen­den der Joint Chiefs of Staff ernannt. Nach­dem Mil­ley 2015 Stabs­chef der Armee gewor­den war, “half” er, laut CNN, den “Über­gang der Armee weg von groß ange­leg­ten Auf­stands­be­kämp­fungs­kam­pa­gnen an Orten wie dem Irak und Afgha­ni­stan zu über­wa­chen und sich statt­des­sen auf Her­aus­for­de­run­gen Russ­lands und Chi­nas zu kon­zen­trie­ren”.

Der Vier-Ster­ne-Gene­ral, ein Befür­wor­ter höhe­rer Mili­tär­aus­ga­ben, wird zitiert, die USA wer­den “die Rech­nung des Metz­gers mit Blut bezah­len”, wenn sie schwach wer­den.

Neue Sei­den­stra­ße als Pro­vo­ka­ti­on

Auf die Fra­ge des Vor­sit­zen­den des Senats­pa­nels, des repu­bli­ka­ni­schen Sena­tors James Inho­fe aus Okla­ho­ma, wor­über sich Mil­ley am meis­ten Sor­gen mach­te, im Hin­blick auf die US-Kon­fron­ta­ti­on mit Chi­na und Russ­land, ant­wor­te­te Mil­ley :

Ich den­ke, die aller­ers­te Num­mer eins für mich und die Num­mer eins, die für das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ange­ge­ben wur­de, ist die Moder­ni­sie­rung, Reka­pi­ta­li­sie­rung der Atom­tri­as der Nati­on. Ich den­ke, das ist ent­schei­dend. Zwei­tens, wür­de ich sagen, ist das Welt­all. Es ist ein neu­er Bereich der mili­tä­ri­schen Ope­ra­tio­nen.”

Mit dem Auf­bau der nuklea­ren “Tria­de” sind inter­kon­ti­nen­ta­le bal­lis­ti­sche Rake­ten, stra­te­gi­sche Bom­ber und nukle­ar bewaff­ne­te U‑Boote gemeint.

Ich den­ke, Chi­na ist die größ­te Her­aus­for­de­rung für die natio­na­le Sicher­heit der USA in den nächs­ten 50 bis 100 Jah­ren”, beton­te der Gene­ral wei­ter­hin.

Chi­na habe durch die US-Kriegs­ein­sät­ze im Mitt­le­ren Osten gelernt und nut­ze die­se Beob­ach­tun­gen, um die Ent­wick­lung sei­nes eige­nen Mili­tärs vor­an­zu­trei­ben, so der der­zei­ti­ge Gene­ral­stabs­chef.

Chi­na ging durch uns zur Schu­le”, sag­te Mil­ley, als er auf eine Fra­ge des demo­kra­ti­schen Sena­tors Tim Kai­ne aus Vir­gi­nia ant­wor­te­te.

Sie haben uns im Ers­ten Golf­krieg, im Zwei­ten Golf­krieg sehr genau beob­ach­tet. Sie beob­ach­te­ten unse­re Fähig­kei­ten. Und in vie­ler­lei Hin­sicht haben sie die­se nach­ge­ahmt, und sie haben vie­le der Leh­ren und Orga­ni­sa­tio­nen über­nom­men.” 

Peking nut­ze “Han­del als Druck­mit­tel zur Errei­chung sei­ner natio­na­len Sicher­heits­in­ter­es­sen (…) und der One Belt, One Road ist Teil davon”. Er sag­te, Chi­na kon­kur­rie­re in ers­ter Linie um Res­sour­cen, um sein Mili­tär zu finan­zie­ren und zu ver­bes­sern sowie sei­ne Wirt­schaft auf­zu­bau­en und zu betrei­ben.

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Mil­ley beschrieb den mili­tä­ri­schen Auf­bau der USA in der vom Pen­ta­gon als “Indo-Pazifik”-Region bezeich­ne­ten Regi­on, wel­che die Haupt­are­na in einer Kon­fron­ta­ti­on mit Chi­na wäre. Die­ser besteht, so der Gene­ral, aus 370.000 US-Trup­pen, 2.000 Kampf­flug­zeu­gen und 200 Schif­fen.

INF ist Geschich­te – hier zeigt sich war­um

Mil­ley wur­de auch gefragt, ob er es für “hilf­reich” hal­te, kon­ven­tio­nell bewaff­ne­te, land­ge­stütz­te Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten in der Regi­on zu plat­zie­ren, um chi­ne­si­sche Inter­es­sen dort abzu­schre­cken, was er klar bejah­te.

Der im Jahr 1987 zwi­schen Washing­ton und Mos­kau geschlos­se­ne INF-Ver­trag ver­bann­te die­se Waf­fen, wur­de aber zu Beginn die­ses Jah­res von der Trump-Admi­nis­tra­ti­on unter dem Vor­wand auf­ge­ho­ben, dass Russ­land die Vor­ga­ben angeb­lich ver­letzt habe. Weder wur­den Bewei­se für die­se Behaup­tung vor­ge­legt, noch Ein­la­dun­gen Mos­kaus zum Beweis des Gegen­teils ange­nom­men. Zwar hat Mos­kau mehr­fach betont, dass es den Ver­trag bis­her immer ein­ge­hal­ten habe und die maxi­ma­le Reich­wei­te des rus­si­schen land­ge­stütz­ten Marsch­flug­kör­pers 9M729 480 Kilo­me­ter betra­ge, das Waf­fen­sys­tem hät­ten US-Beam­te sogar direkt inspi­zie­ren kön­nen. Auch nach der Auf­kün­di­gung des Ver­trags erklär­te Mos­kau, dass es sich an die Vor­ga­ben des INF-Ver­trags hal­ten wer­de, solan­ge die USA die­se nicht bre­chen.

Bereits im Ver­lauf der Kün­di­gung durch Washing­ton zeig­te sich, dass die USA damit auch auf Chi­na abziel­ten, das Peking nicht zu den INF-Ver­trags­par­tei­en gehört und auch mit der Ent­wick­lung von Rake­ten auf den mili­tä­ri­schen Auf­bau der USA in der Regi­on ant­wor­tet.

Beson­ders besorg­nis­er­re­gend schei­nen dem Gene­ral Chi­nas mili­tä­ri­sche Fort­schrit­te

Chi­na ver­bes­sert sein Mili­tär sehr, sehr schnell”, so Mil­ley. “Das ist kein Hype. (…) Sie über­tref­fen uns bei For­schung und Ent­wick­lung sowie bei der Beschaf­fung.”

Chi­na sei der­zeit “Geg­ner” und nicht “Feind”, womit im mili­tä­ri­schen Bereich unter­schie­den wird und “Feind” sich auf akti­ve bewaff­ne­te Kon­flik­te bezieht, doch offen­bar steht dem­nach der Über­gang vom “Geg­ner” zum “Feind” an.

Die unter dem Vor­wand einer rus­si­schen Bedro­hung ent­wi­ckel­ten tak­ti­schen nuklea­ren Rake­ten­spreng­köp­fe, wel­che von U‑Booten gestar­tet wer­den, beschrieb Mil­ley als wich­ti­ge Waf­fe, wel­che “wir in unse­rem Arse­nal haben müs­sen, um mit jedem poten­zi­el­len Geg­ner fer­tig zu wer­den”.

Vor knapp einem Monat hat­te das Pen­ta­gon ein vom der­zei­ti­gen Vor­sit­zen­den der US-Mili­tär­be­ra­ter, John F. Dun­ford, beauf­trag­tes Doku­ment mit dem Titel “Joint Publi­ca­ti­on No. 3 – 72 Nuclear Ope­ra­ti­ons” ver­öf­fent­licht, aber dann wie­der zurück­ge­zo­gen. Über 60 Sei­ten wird dar­in dar­ge­legt, wie Atom­waf­fen künf­tig von den USA ein­ge­setzt wer­den sol­len. Anders als im Kal­ten Krieg soll es dem­nach nicht mehr um die gesi­cher­te gegen­sei­ti­ge Zer­stö­rung (MAD) gehen, son­dern um die Wie­der­her­stel­lung “stra­te­gi­scher Sta­bi­li­tät”.

In dem Pen­ta­gon-Doku­ment wird davon aus­ge­gan­gen, dass “der Ein­satz von Atom­waf­fen den Umfang einer Schlacht grund­le­gend ver­än­dert und zu Situa­tio­nen führt, in denen Kom­man­dan­ten gewin­nen müs­sen”.

Der Ein­satz von Atom­waf­fen kön­ne den Ver­lauf einer Kam­pa­gne radi­kal ver­än­dern oder beschleu­ni­gen und könn­te ein­ge­setzt wer­den, nach­dem eine kon­ven­tio­nel­le Kam­pa­gne geschei­tert gewirkt hät­te.

Die Inte­gra­ti­on von Kern­waf­fen­ein­sät­zen mit kon­ven­tio­nel­len und spe­zi­el­len Ein­satz­kräf­ten ist für den Erfolg jeder Mis­si­on oder Ope­ra­ti­on uner­läss­lich.”

Im April bezeich­ne­te Mil­ley Russ­land als “exis­ten­ti­el­le Bedro­hung” für Washing­ton.

Wegen der rus­si­schen nuklea­ren Fähig­kei­ten sind sie das ein­zi­ge Land auf der Erde, das in der Lage ist, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu zer­stö­ren”, sag­te der Gene­ral­stabs­chef bei einer Bud­get­ver­hand­lung vor dem House Armed Ser­vices Com­mit­tee. Die­se Fähig­keit zu haben bedeu­tet nicht, dass Russ­land der­zeit pla­ne, sie zu nut­zen, füg­te er hin­zu.

Mos­kau wird wahr­schein­lich “unse­re Inter­es­sen für die nächs­ten 20 Jah­re bedro­hen, wenn es ver­sucht, die Kon­trol­le über his­to­ri­sche Ein­fluss­sphä­ren zurück­zu­ge­win­nen und die euro­päi­schen Wirt­schafts- und Sicher­heits­struk­tu­ren zu ihren Guns­ten zu gestal­ten”, warn­te Mil­ley.

Als Argu­ment für ein 780-Mil­li­ar­den-Dol­lar-Bud­get des Pen­ta­gons für 2020 beton­te Mil­ley, dass Län­der wie Chi­na und Russ­land auf aggres­si­ve Wei­se Moder­ni­sie­rungs­pro­gram­me ver­fol­gen”, um die mili­tä­ri­sche Domi­nanz der USA zu unter­gra­ben.

Bereits 2015, als Mil­ley Stabs­chef der US-Armee wur­de, skiz­zier­te er Russ­land als “exis­ten­zi­el­le Bedro­hung”.

Ange­sichts der Span­nun­gen mit dem Iran gestand Gene­ral Mil­ley ein, dass der Rück­zug der USA aus dem Atom­ab­kom­men von 2015 Washing­tons Mög­lich­kei­ten erschwe­re, eine Koali­ti­on zu bil­den. Er erwar­te aber kei­nen Krieg mit dem Iran.

Gene­ral Mil­ley stell­te sich hin­ter die Ankün­di­gung des Pen­ta­gons, kei­ne F‑35-Jets an die Tür­kei zu lie­fern, wenn sie rus­si­sche Luft- und Rake­ten­ab­wehr­sys­te­me vom Typ S‑400 erwirbt.

Die S‑400 ist ein rus­si­sches Sys­tem, das gebaut wur­de, um Flug­zeu­ge wie die F‑35 abzu­schie­ßen”, zeig­te sich Mil­ley über­zeugt.

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RT Deutsch


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