Für Hinrichtungen in USA begehrt — Deutsche Firma verschifft illegal Tiergift


Die Olden­bur­ger Staats­an­walt­schaft ermit­telt gegen ein Phar­ma­un­ter­neh­men wegen des Ver­dachts ille­ga­ler Expor­te gif­ti­ger Sub­stan­zen in die USA und nach Asi­en, was gegen die EU-Fol­ter-Richt­li­nie und das Außen­wirt­schafts­ge­setz ver­sto­ßen wür­de.

Mit­ar­bei­ter der VET Phar­ma im nie­der­säch­si­schen Frie­soy­the sol­len vie­le Ton­nen der Injek­ti­ons­lö­sung “Beu­tha­na­sia-D” in die USA ver­schifft haben. Das Mit­tel ist zwecks “schmerz­frei­er und schnel­ler Eutha­na­sie” aus­schließ­lich für Hun­de zuläs­sig. Aller­dings wird der Haupt­wirk­stoff des Mit­tels, Pento­bar­bi­tal, in den USA auch ein­ge­setzt, um Men­schen hin­zu­rich­ten.

Vor­sätz­li­che Mani­pu­la­ti­on von Export­da­ten

Seit dem Jahr 2011 wird das Gift in der EU-Anti-Fol­ter-Ver­ord­nung geführt und unter­liegt stren­gen Export­be­schrän­kun­gen. Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um erteilt offi­zi­el­le Export­ge­neh­mi­gun­gen in die USA ledig­lich, wenn der Ver­bleib des Gift­stoffs lücken­los geklärt ist. Damit soll ver­hin­dert wer­den, dass das deut­sche Gift in US-Gefäng­nis­sen gegen Ver­ur­teil­te ange­wen­det wird.

Doch laut dem Durch­su­chungs­be­schluss des Amts­ge­richts Olden­burg sol­len Mit­ar­bei­ter der VET Phar­ma die­se Export­re­ge­lung bewusst und in beträcht­li­chem Umfang umgan­gen haben.

Allein zwi­schen Novem­ber 2017 und Janu­ar 2018 sol­len ton­nen­wei­se Mit­tel im Wert von 200.000 Euro in die USA ver­schifft wor­den sein. Nicht nur gab es dafür kei­ne Geneh­mi­gung, die VET-Phar­ma-Mit­ar­bei­ter sol­len die Export­da­ten auch noch vor­sätz­lich mani­pu­liert haben.

Die Lie­fe­run­gen gin­gen zunächst an ein US-ame­ri­ka­ni­sches Schwes­ter­un­ter­neh­men, die Inter­vet Sche­ring-Plough Ani­mal Health. Zwei wei­te­re Lie­fe­run­gen sol­len nach Japan gegan­gen sein, wo die Todes­stra­fe eben­falls wei­ter­hin Bestand­teil des Rechts­sys­tems ist.

Im Febru­ar 2018 konn­te ein wei­te­rer geplan­ter Trans­port vom Haupt­zoll­amt Bre­men gestoppt wer­den. Die Fir­ma VET Phar­ma Frie­soy­the GmbH gehört zum US-Phar­ma­rie­sen Merck Sharp & Doh­me (MSD).

Zwar hieß es von der Staats­an­walt­schaft Olden­burg, es gebe bis­her kei­ne Erkennt­nis­se “über den kon­kre­ten Ein­satz der phar­ma­zeu­ti­schen Erzeug­nis­se in Ame­ri­ka”, aller­dings lau­fen die Ermitt­lun­gen wei­ter. Nach Durch­su­chun­gen der Räu­me der Zweig­nie­der­las­sung wür­den Daten und Unter­la­gen aus­ge­wer­tet.

Sub­stanz zur Hin­rich­tung in den USA knapp

Da das Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­ge­neh­mi­gung vie­le Jah­re kei­nen Export von Pento­bar­bi­tal geneh­mig­te und auch ande­re euro­päi­sche Her­stel­ler nicht mehr in die USA gelie­fert hat­ten, wur­de der Stoff für die leta­len Injek­tio­nen rar. Eini­ge US-Bun­des­staa­ten scho­ben die Voll­stre­ckung von Todes­ur­tei­len daher auf oder wen­de­ten uner­prob­te Che­mi­ka­li­en ein.

Auch wenn bis­her nicht bewie­sen ist, dass der deut­sche Able­ger eines US-Phar­ma­kon­zerns direkt oder indi­rekt in US-Todes­trak­te lie­fer­te, ver­leiht die Knapp­heit des Mit­tels in den USA und die vor­sätz­li­che Mani­pu­la­ti­on der Export­da­ten durch die deut­sche Phar­ma­fir­ma die­sem Fall eini­ge Bri­sanz.

In den USA wird die Todes­stra­fe wei­ter­hin in meh­re­ren Staa­ten durch­ge­führt, obwohl zahl­rei­che Fäl­le öffent­li­che Dis­kus­sio­nen nach sich zogen, so die Exe­ku­ti­on von Häft­lin­gen, die mög­li­cher­wei­se an einer geis­ti­gen Behin­de­rung lit­ten. Auch auf­grund von Ver­fah­rens- und Ermitt­lungs­feh­lern ist die Pra­xis umstrit­ten.

Im Jahr 2012 erga­ben Unter­su­chun­gen und DNA-Ana­ly­sen von 270 Gerichts­ur­tei­len aus den Jah­ren 1985 und 2000, dass die zugrun­de lie­gen­de Haar­ana­ly­se eine Feh­ler­quo­te von 95 Pro­zent auf­wies, 14 Men­schen wur­den auf die­ser Grund­la­ge hin­ge­rich­tet. Eine Stu­die aus dem Jahr 2014 schätz­te, dass mehr als vier Pro­zent der in den USA zum Tode ver­ur­teil­ten Häft­lin­ge unschul­dig sei­en.

RT Deutsch


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