Gegen den russischen Einfluss : Die USA, Rumänien und das Schwarze Meer (Teil 1)


Prof. Dr. Anton Lat­zo

(Teil 1 von 2)

Ein legen­dä­rer und bibli­scher Raum, die Regi­on des Schwar­zen Mee­res, wur­de durch das Ein­drin­gen der USA und der NATO, durch die Erwei­te­rung der EU und durch die so ver­ur­sach­te poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Insta­bi­li­tät in Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en, in der Ukrai­ne und in Geor­gi­en, durch die Ent­wick­lung in der Tür­kei und in ihrer Außen­po­li­tik sowie durch die inter­na­tio­na­le Prin­zi­pi­en ver­let­zen­de Nut­zung der Gewäs­ser des Schwar­zen Mee­res zu einer Zone der poli­ti­schen und mili­tä­risch-stra­te­gi­schen Insta­bi­li­tät, in der die poli­ti­schen Span­nun­gen und die Mili­ta­ri­sie­rung besorg­nis­er­re­gen­de Aus­ma­ße errei­chen.

Sie ist zu einer Zone gefähr­li­cher Span­nun­gen und Kon­fron­ta­tio­nen an der Gren­ze zwi­schen NATO und Russ­land mit kriegs­ge­fähr­li­chen Wir­kun­gen auf den Bal­kan, in den Mitt­le­ren Osten, den Kau­ka­sus und bis Zen­tral­asi­en gewor­den. Wer dar­an Inter­es­se hät­te, könn­te die Lage kurz­fris­tig für den Beginn krie­ge­ri­scher Hand­lun­gen miss­brau­chen. In die­sem Zusam­men­hang sind Rumä­ni­en und die Regi­on des Schwar­zen Mee­res – wie Polen und das Bal­ti­kum – inzwi­schen zu einem bri­san­ten, im geo­po­li­ti­schen Rin­gen wich­ti­gen stra­te­gi­schen Raum gewor­den, zum süd­öst­li­chen Pfei­ler des anti­rus­si­schen euro­päi­schen Bogens der USA und der NATO.

Die Bezie­hun­gen der USA zu Rumä­ni­en wur­den nach dem Zwei­ten Welt­krieg immer dann akti­viert, wenn in Rumä­ni­en bzw. in der Regi­on Anzei­chen für eine Ent­wick­lung zu erken­nen waren, von der man glaub­te, sie kann für die Ver­wirk­li­chung der Inter­es­sen der USA beim Ein­drin­gen in euro­päi­sche Regio­nen und im Stre­ben nach welt­wei­ter Hege­mo­nie genutzt wer­den.

His­to­ri­sche Lini­en

Bereits in den Jah­ren 1946 und 1947 wur­de deut­lich, dass die Gemein­sam­kei­ten zwi­schen den USA und der Sowjet­uni­on ihre posi­ti­ve Wirk­sam­keit auf die Gestal­tung der inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen ver­lo­ren hat­ten. Die Stutt­gar­ter Rede von US-Außen­mi­nis­ter Byr­nes am 06. Sep­tem­ber 1946 doku­men­tier­te die Abkehr der USA von der Poli­tik vom ver­stor­be­nen US-Prä­si­den­ten Roo­se­velt. Der neue Prä­si­dent Tru­man ver­kün­de­te am 12.03.1947 vor dem US-ame­ri­ka­ni­schen Kon­gress die soge­nann­te Tru­man-Dok­trin, in der er die dama­li­gen volks­de­mo­kra­ti­schen Ent­wick­lun­gen in Ost- und Süd­ost­eu­ro­pa, die Aus­ein­an­der­set­zun­gen in Grie­chen­land und der Tür­kei als “direk­te und indi­rek­te Aggres­si­on” durch “tota­li­tä­re Régime” bezeich­ne­te. Seit­her gilt für die USA, den “frei­en Völ­kern bei­zu­ste­hen, die sich der ange­streb­ten Unter­wer­fung durch bewaff­ne­te Min­der­hei­ten oder durch äuße­ren Druck wider­set­zen”.

Zusam­men mit der Ver­kün­dung der Tru­man-Dok­trin began­nen die USA, die kapi­ta­lis­ti­schen Mäch­te mit Mar­shall­plan und NATO-Grün­dung in einem Block zu orga­ni­sie­ren. Die Tru­man-Dok­trin stand am Anfang der Ein­däm­mungs­po­li­tik (con­tain­ment poli­cy). Der Mar­shall­plan wur­de als Instru­ment ein­ge­setzt, um der Ver­wirk­li­chung poli­ti­scher und mili­tä­ri­scher Zie­le mit öko­no­mi­schen Mit­teln Nach­druck zu ver­lei­hen. 

Gegen den russischen Einfluss: Die USA, Rumänien und das Schwarze Meer (Teil 1)
US-Prä­si­dent Har­ry S. Tru­man, der der soge­nann­ten Tru­man-Dok­trin ihren Namen gab.

Jeden­falls wur­den die nur kur­ze Zeit vor­her von Prä­si­dent Roo­se­velt beschwo­re­nen Gemein­sam­kei­ten zwi­schen den USA und der Sowjet­uni­on über Bord gewor­fen und offen anti­so­wje­ti­sche und anti­kom­mu­nis­ti­sche Grund­sät­ze zur Grund­la­ge der Außen­po­li­tik der USA gemacht. Es wur­de die Axt an die Wur­zel der Ein­heit Euro­pas auf der Grund­la­ge der Erfah­run­gen des Zwei­ten Welt­krie­ges gelegt. Der US-ame­ri­ka­ni­sche Jour­na­list Wal­ter Lipp­mann präg­te schon 1947 dafür den Begriff “Kal­ter Krieg”.

Gegen­über Rumä­ni­en äußer­te sich die­se Aus­rich­tung der USA-Poli­tik in einer offe­nen Geg­ner­schaft zu den tief­grei­fen­den Umge­stal­tun­gen der rumä­ni­schen Gesell­schaft nach der Befrei­ung durch die Rote Armee am 23. August 1944.

Die west­li­chen Alli­ier­ten unter Füh­rung der USA belie­ßen es nicht nur bei Pro­tes­ten gegen die am 6. März 1945 eta­blier­te Regie­rung Petru Gro­za, Vor­sit­zen­der der Bau­ern­front, und gegen den Sieg des “Blocks Demo­kra­ti­scher Par­tei­en” bei den Par­la­ments­wah­len vom 19. Novem­ber 1947, die in Ein­klang mit der Erklä­rung im Febru­ar 1945 der Krim­kon­fe­renz der Alli­ier­ten über das befrei­te Euro­pa durch­ge­führt wur­den. 

Aktiv unter­stütz­ten sie die­je­ni­gen Kräf­te, die die Wie­der­her­stel­lung der Vor­kriegs­ver­hält­nis­se in Rumä­ni­en anstreb­ten, Ver­hält­nis­se, die den akti­ven mili­tä­ri­schen Ein­satz des Lan­des im Krieg gegen die Sowjet­uni­on ermög­lich­ten. Dazu gehör­te nicht nur die Orga­ni­sie­rung bewaff­ne­ten Wider­stands in Rumä­ni­en, son­dern auch die Unter­stüt­zung des am 31. Dezem­ber 1947 gestürz­ten und in die Schweiz aus­ge­reis­ten Königs Mihai I. Die­ser ver­such­te unter ande­rem im Früh­jahr 1948 in den USA, eine rumä­ni­sche Exil­re­gie­rung unter dem frü­he­ren Außen­mi­nis­ter Gri­go­re Gafen­cu zu bil­den. Außer­dem wur­de ein mit pro­mi­nen­ten Exi­lan­ten besetz­tes Rumä­ni­sches Natio­na­les Komi­tee geschaf­fen. In den USA leb­ten damals unge­fähr 140.000 rumä­ni­sche Bür­ger mit eige­nen Orga­ni­sa­tio­nen und Pres­se­er­zeug­nis­sen. Der Spie­gel schrieb am 10. April 1948 : “Ex-König Micha­el von Rumä­ni­en ist Hahn im Kor­be der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft gewor­den. (…) Gre­gor Gafen­cu, Ex-Außen­mi­nis­ter Rumä­ni­ens und von der volks­de­mo­kra­ti­schen Regie­rung Buka­rests zum Tode ver­ur­teilt, orga­ni­siert die­se Füh­lung­nah­men. Das Sta­te Depar­te­ment, auf des­sen Ein­la­dung Micha­el in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten weilt, schaut wohl­wol­lend zu. Es hofft auf bal­di­ge Früch­te der Besuchs­rei­se des Ex-Königs : die Kon­sti­tu­ie­rung einer rumä­ni­sche Exil­re­gie­rung.”

Die­se Poli­tik der USA wider­sprach den Fest­le­gun­gen des Frie­dens­ver­tra­ges mit Rumä­ni­en vom Febru­ar 1947, der die völ­ker­recht­li­che Bestä­ti­gung der neu­en, demo­kra­ti­schen Ver­hält­nis­se ent­hielt. Sie wur­de aber als Kampf für Demo­kra­tie aus­ge­ge­ben.

Bezie­hun­gen auf höchs­ter Ebe­ne 

Eine zwei­te Etap­pe wur­de in der zwei­ten Hälf­te der 1960er-Jah­re ein­ge­lei­tet. Ende der 1960er-Jah­re erwies sich die “Poli­tik der Befrei­ung” und des “Roll­back” (Ungarn und Polen 1956, Tsche­chi­en 1968), die beson­ders vom US-ame­ri­ka­ni­schen Außen­mi­nis­ter John Fos­ter Dul­les in Ost­eu­ro­pa ver­folgt wur­de, als geschei­tert. Die sowje­ti­schen Trup­pen wur­den im Jahr 1958 aus Rumä­ni­en abge­zo­gen. 

Die USA nutz­ten die Lage, um neue Anknüp­fungs­punk­te für ihre Poli­tik gegen­über Rumä­ni­en zu fin­den. Dazu gehör­te die im April 1964 ver­ab­schie­de­te Dekla­ra­ti­on der rumä­ni­schen KP, in der die rumä­ni­sche Füh­rung ihre Poli­tik umfas­send dar­leg­te und begrün­de­te. Im Wes­ten wur­de sie als “Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung” ein­ge­stuft. Im Jahr 1967 wur­de vor dem rumä­ni­schen Par­la­ment die Leit­li­nie ver­kün­det, dass die Welt durch “die immer inten­si­ve­re Betei­li­gung der klei­nen und mitt­le­ren Län­der an der Lösung der Fra­gen des inter­na­tio­na­len Lebens” (Nico­lae Ceaușes­cu) gekenn­zeich­net sei. Dem ging im Juni ein Besuch des rumä­ni­schen Minis­ter­prä­si­den­ten in den USA, bei dem die­ser US-Prä­si­dent John­son traf, vor­aus. Im Febru­ar 1967 wur­de, ohne Kon­sul­ta­ti­on mit den War­schau­er Ver­trags­staa­ten, die Her­stel­lung diplo­ma­ti­scher Bezie­hun­gen zwi­schen Rumä­ni­en und der BRD ver­ein­bart, ohne dass die BRD zum Bei­spiel die End­gül­tig­keit der Gren­ze an Oder und Nei­ße aner­kann­te, wie es die War­schau­er Ver­trags­staa­ten als Vor­aus­set­zung für Frie­den und Sicher­heit in Euro­pa for­der­ten. 

Rumä­ni­ens Kurs auf die­ser Grund­la­ge führ­te dazu, dass der spä­te­re 37. Prä­si­dent der USA, Richard Nixon, Anfang August 1969 Buka­rest besuch­te. Es war der ers­te Besuch eines US-Prä­si­den­ten in einem sozia­lis­ti­schen Land in Euro­pa seit 1945, abge­se­hen von der Sowjet­uni­on. Er lei­te­te die Auf­bau­pha­se für die künf­ti­gen Bezie­hun­gen zwi­schen bei­den Län­dern ein. Rumä­ni­en soll­te bestärkt wer­den, sei­ne “Unabhängigkeits”-Politik fort­zu­set­zen und das Ver­hält­nis zur Sowjet­uni­on sowie den Zusam­men­halt im RGW und in der War­schau­er Ver­trags­or­ga­ni­sa­ti­on zu schwä­chen. Es ging den USA dar­um, die Bedin­gun­gen für ihre anti­kom­mu­nis­ti­sche und anti­so­wje­ti­sche Poli­tik in ihrem Sin­ne zu gestal­ten. 

Die Glo­bal­stra­te­gie wur­de ver­kün­det. Die USA und ihre Ver­bün­de­ten stell­ten sich auf eine Poli­tik ein, wonach “das, was heu­te noch nicht sein kann, viel­leicht mor­gen oder über­mor­gen mög­lich sein wird”, wie der drit­te bun­des­deut­sche Bun­des­kanz­ler Kurt Kie­sin­ger die “neue” Ost­po­li­tik cha­rak­te­ri­sier­te.

Gegen den russischen Einfluss: Die USA, Rumänien und das Schwarze Meer (Teil 1)
Der lang­jäh­ri­ge Prä­si­dent der Sozia­lis­ti­schen Repu­blik Rumä­ni­ens Nico­lae Ceau­ses­cu mit Micha­el Gor­bat­schow, Gene­ral­se­kre­tär der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei der Sowjet­uni­on (1987)

Es folg­te eine Pha­se des Aus­baus der bila­te­ra­len Bezie­hun­gen mit den USA, die unter ande­rem bis Ende der 1970er-Jah­re zu drei Besu­chen Ceaușes­cus in den USA und zwei Besu­chen der Nach­fol­ger von Nixon in Rumä­ni­en führ­ten (1975 Gerald Ford und 1978 Jim­my Car­ter). Damit wur­de eine Inten­si­tät und Dyna­mik in den bila­te­ra­len Bezie­hun­gen erreicht, wie sie die USA mit kei­nem ande­ren Land hat­ten. Nach einer ruhi­ge­ren Pha­se wur­den die Bemü­hun­gen unter neu­en Bedin­gun­gen 1993 wie­der auf­ge­nom­men. Davon zeugt, dass von 1967 bis heu­te alle Prä­si­den­ten der USA (außer Rea­gan und Bush seni­or) wäh­rend ihrer Amts­zeit meis­tens meh­re­re Begeg­nun­gen mit dem jewei­li­gen rumä­ni­schen Staats­ober­haupt hat­ten. Geor­ge W. Bush hat­te sogar fünf der­ar­ti­ge Tref­fen. Seit 1993 – in 16 Jah­ren – fan­den 16 gegen­sei­ti­ge Besu­che auf die­ser Ebe­ne statt ! Hin­zu kom­men die Akti­vi­tä­ten der Vize­prä­si­den­ten der USA – beson­ders von Vize­prä­si­dent Joe Biden -, der Sena­to­ren und Minis­ter, der Bot­schaf­ten sowie von ande­ren hohen US-Wür­den­trä­gern.

Akti­vi­tä­ten von Stif­tun­gen und NGOs

Die ame­ri­ka­nisch-rumä­ni­schen Stif­tun­gen und NGOs neh­men einen wich­ti­gen Platz im gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Leben Rumä­ni­ens und in sei­ner Außen­po­li­tik ein. Ihre Anzahl ist kaum voll­stän­dig zu erfas­sen.

Ein wah­res Impe­ri­um hat Geor­ge Soros nach 1989 geschaf­fen. Eini­ge sei­ner Akti­vi­tä­ten sol­len des­halb bei­spiel­haft kurz skiz­ziert wer­den.

Nach Anga­ben des kon­ser­va­ti­ven US-ame­ri­ka­ni­schen Think­tanks Capi­tal Rese­arch Cen­ter (CRC) ist Geor­ge Soros kurz nach der Über­nah­me der Macht durch den spä­te­ren Prä­si­den­ten Ion Ilies­cu nach Buka­rest geflo­gen. Er traf sich sofort mit den Grün­dern der soge­nann­ten rumä­ni­schen “Grup­pe für gesell­schaft­li­chen Dia­log”, zu denen der pro­mi­nen­te Bera­ter von Ion Ilies­cu, Sil­viu Brucan, gehör­te. Laut Aus­sa­gen ihres dama­li­gen Vor­sit­zen­den, Robert Tur­ces­cu, habe Soros der Grup­pe sofort eine Mil­li­on Dol­lar zur Ver­fü­gung gestellt, um einen güns­ti­gen Rah­men für die Grün­dung von NGOs in Rumä­ni­en zu schaf­fen. 

Ein hal­bes Jahr spä­ter hat er eine eige­ne Soros-Stif­tung in Rumä­ni­en gegrün­det, die mit einem Haus­halt von 1,5 Mil­lio­nen Dol­lar star­te­te. Anfangs hat sie über das ent­spre­chen­de Minis­te­ri­um neue Schul­bü­cher her­aus­ge­bracht. Vier Jah­re spä­ter erreich­te der Haus­halt die Sum­me von zehn Mil­lio­nen Dol­lar jähr­lich, und ihre Tätig­kei­ten haben sich ent­spre­chend erwei­tert.

Im Jahr 1997 wur­de dar­aus die “Stif­tung für eine Offe­ne Gesell­schaft” gegrün­det, die über einen 12-Mil­lio­nen-Haus­halt ver­füg­te. Ein gro­ßer Teil wur­de für die Ent­sen­dung vor allem jun­ger Men­schen zum Stu­di­um im Aus­land oder an der “Zen­tral­eu­ro­päi­schen Uni­ver­si­tät” von Soros in Buda­pest ein­ge­setzt. Die Stu­den­ten muss­ten sich ver­pflich­ten, nach dem Stu­di­um nach Rumä­ni­en zurück­zu­keh­ren und sich aktiv am gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Leben in Rumä­ni­en zu betei­li­gen.

Die Sum­men wur­den immer höher. Anfang 2000 hat­te die Stif­tung für gesell­schaft­li­chen Dia­log einen Haus­halt von 16 Mil­lio­nen Dol­lar. Ange­sichts ihrer Grö­ße wur­de sie auf­ge­löst, um aus ihr her­aus zwölf selb­stän­di­ge Grup­pen unter dem Schirm der Soros Open Net­work – Roma­nia (SON) zu bil­den. Offen­sicht­lich wur­de damit auch der schritt­wei­se Über­gang der Soros-Struk­tu­ren von der Tätig­keit im gesell­schaft­li­chen Bereich in die “gro­ße Poli­tik” voll­zo­gen. Laut Pres­se­an­ga­ben hat Soros bis 2014 über 200 Mil­lio­nen Dol­lar zumeist Direkt­in­ves­ti­tio­nen in Rumä­ni­en getä­tigt.

Erfol­ge konn­te er mit den Wah­len von 2004 erzie­len. San­dra Pra­long, 1990 von der US-ame­ri­ka­ni­schen News­week gekom­men, wur­de zur Direk­to­rin der Soros-Stif­tung in Rumä­ni­en. Sie war zugleich Bera­te­rin des Staats­prä­si­den­ten Con­stan­ti­nes­cu. Aktu­ell ist sie Bera­te­rin von Prä­si­dent Johan­nis, der sich im Novem­ber zur Wie­der­wahl stellt. Sie sichert unter ande­rem die Ver­bin­dung zwi­schen den NGOs von Soros und der Prä­si­dent­schaft. Alin Teo­do­res­cu, der ers­te Lei­ter der “Grup­pe für gesell­schaft­li­chen Dia­log”, war zwi­schen 2000 und 2004 Lei­ter der Kanz­lei des Minis­ter­prä­si­den­ten Adri­an Năsta­se und ist 2004 ins Par­la­ment ein­ge­zo­gen. Rena­te Weber, die dem Direk­ti­ons­rat der Soros-Stif­tung von 1998 bis 2004 vor­stand, wur­de Bera­te­rin von Prä­si­dent Băses­cu für die Berei­che Gesetz­ge­bung und Ver­fas­sung und wur­de 2007 Mit­glied des EU-Par­la­ments. Alle bis­he­ri­gen rumä­ni­schen Staats­prä­si­den­ten nach 1989 hat­ten min­des­tens einen Bera­ter aus den Soros-Struk­tu­ren.

In der Fol­ge­zeit sind aus den zwölf Soros-Orga­ni­sa­tio­nen wei­te­re gebil­det wor­den. Sie rei­chen vom “Soros Advi­sing and Pla­ce­ment Cen­ter”, das Aus­wahl, Stu­di­um und Ein­satz vor allem Jün­ge­rer vor­nimmt, über die “Uni­on für die Rekon­struk­ti­on Rumä­ni­ens”, dem “Zen­trum für wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung”, Men­schen­rechts-Zen­trum, die “Stif­tung Con­cept”, “Pro-Demo­kra­tie” bis zur “Rumä­ni­schen Aka­de­mi­schen Gesell­schaft”. Ihr Ein­fluss erfasst die wich­tigs­ten Berei­che in der Gesell­schaft und Poli­tik. 

Die­se und die ande­ren aus­län­di­schen Stif­tun­gen, beson­ders die US-ame­ri­ka­ni­schen, domi­nie­ren weit­ge­hend den Pro­zess der Mei­nungs­bil­dung sowie der Poli­tik­ent­wick­lung und ‑gestal­tung im Lan­de. Sie sind als Denk­fa­bri­ken und “Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen”, als selb­stän­di­ge Stif­tun­gen oder Able­ger US-ame­ri­ka­ni­scher Denk­fa­bri­ken und Orga­ni­sa­tio­nen tätig. Sie wer­den als phil­an­thro­pi­sche Struk­tu­ren aus­ge­wie­sen, die­nen aber in Wirk­lich­keit aus­schließ­lich poli­ti­schen Zie­len – auch in Abspra­che mit den Regie­rungs­in­sti­tu­tio­nen der USA und unter­stützt von der US-Bot­schaft in Buka­rest.

Gegen den russischen Einfluss: Die USA, Rumänien und das Schwarze Meer (Teil 1)
Der US-ame­ri­ka­ni­sche Akti­vist Geor­ge Soros auf einem Semi­nar in Rumä­ni­en (2005).

Die Lis­te reicht vom Aspen-Insti­tut über die Roma­ni­an-Ame­ri­can Foun­da­ti­on, Ger­man Mar­shall Fund/Balkan Trust for Demo­cra­cy bis zur RAND Cor­po­ra­ti­on und vie­len ande­ren. Sie decken die wich­tigs­ten Berei­che der Außen- und Sicher­heits­po­li­tik, der Wirt­schaft und Kul­tur ab. 

Gro­ße Bedeu­tung wird der Ent­wick­lung einer neu­en Poli­ti­ker­ge­nera­ti­on bei­gemes­sen. Zen­tra­le Rol­le spie­len dabei die Soros-Struk­tu­ren, die auch in die­sen Fra­gen mit den ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­ar­bei­ten, ein­schließ­lich der Rumä­nisch-Ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­tät, die zur Rumä­nisch-Ame­ri­ka­ni­schen Stif­tung für die För­de­rung von Bil­dung und Kul­tur gehört.

Seit 2008 ist der Black Sea Trust for Regio­nal Coöpe­ra­ti­on (BST) mit Sitz in Buka­rest tätig. Er wird als eine Sti­pen­di­en­in­itia­ti­ve aus­ge­wie­sen, die vom Ger­man Mar­shall Fund mit Unter­stüt­zung der Agen­tur der USA für Inter­na­tio­na­le Ent­wick­lung (USAID), dem rumä­ni­schen Außen­mi­nis­te­ri­um und der US-Regie­rung ins Leben geru­fen wur­de. Ab 2011 erhielt BST Unter­stüt­zung auch von der Robert-Bosch-Stif­tung. In einer Selbst­dar­stel­lung wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihre Tätig­keit auf der Grund­la­ge poli­ti­scher Pro­gram­me gestal­tet wird. Gleich­zei­tig hat sie Pro­gram­me für die Ent­wick­lung von Füh­rungs­kräf­ten auf­ge­stellt. Die BST wird “auch wei­ter­hin regio­na­le Ansich­ten zu The­men för­dern, die sowohl für die Regi­on als auch für die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft von Bedeu­tung sind, wie zum Bei­spiel Sicher­heit, Demo­kra­tie und euro­päi­sche Nach­bar­schafts­po­li­tik”, heißt es in ihren Doku­men­ten. Was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist, zeigt ein The­ma, das 2016 zu einem Schwer­punkt der Arbeit gemacht wur­de : “The For­eign Poli­cy Roma­nia – Com­pa­ra­ti­ve stu­dy of Rus­si­an pres­su­re and pro­pa­gan­da in Eas­tern Euro­pe” (Die Außen­po­li­tik Rumä­ni­ens – ver­glei­chen­de Stu­die des rus­si­schen Drucks und Pro­pa­gan­da in Ost­eu­ro­pa).

Der Pro­zess der Erar­bei­tung der poli­ti­schen Stra­te­gi­en und der poli­ti­schen Mei­nungs­bil­dung in Rumä­ni­en wird weit­ge­hend durch aus­län­di­sche Stif­tun­gen domi­niert. Die Stif­tun­gen und die Sicht der USA sind dabei bestim­mend. Rumä­ni­sche Stif­tun­gen auf die­sen Gebie­ten sind zumin­dest finan­zi­ell von aus­län­di­schen Geld­ge­bern abhän­gig und sind in Über­ein­stim­mung mit deren Grund­sät­zen und Zie­len tätig. Es wird ein neo­li­be­ra­ler Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess des Men­schen, sei­nes Den­kens und Ver­hal­tens ver­folgt. Die aus­län­di­schen Stif­tun­gen, NGOs und sons­ti­gen Struk­tu­ren ver­fü­gen über die Mei­nungs­macht. Die tat­säch­li­chen Inter­es­sen des Lan­des und sei­ner Bür­ger wer­den nur dann akzep­tiert, wenn sie durch das ideo­lo­gi­sche und poli­ti­sche Sieb der Stif­tun­gen pas­sen. Unter die­sen Gesichts­punk­ten sind auch die poli­ti­schen Ereig­nis­se die­ses Jah­res (Sturz der Regie­rung, Neu­wah­len und Prä­si­den­ten­wah­len) ein­zu­ord­nen und zu wer­ten.

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