Gerichtsprozess in Dortmund : 15-jähriges Mädchen verkauft und zur Prostitution gezwungen


Die eben­falls aus Bul­ga­ri­en stam­men­de Ange­klag­te muss sich nun vor Gericht ver­ant­wor­ten. Sie soll einer bul­ga­ri­schen Mut­ter die 15-jäh­ri­ge Toch­ter für 100 Euro abge­kauft und das Mäd­chen dann in Deutsch­land zur Pro­sti­tu­ti­on gezwun­gen haben.

Ich habe nur geweint”, sag­te die heu­te 29-Jäh­ri­ge als Zeu­gin vor Gericht.

Die Ange­klag­te äußer­te sich am Diens­tag beim Pro­zess­auf­takt vor dem Dort­mun­der Land­ge­richt nicht zu den Vor­wür­fen. Laut der Ankla­ge muss­te die damals 15-Jäh­ri­ge in einem Dort­mun­der Bor­dell arbei­ten. Die Ange­klag­te soll sie zuvor in die ver­schie­de­nen Prak­ti­ken ein­ge­wie­sen und auch die Prei­se vor­ge­ge­ben haben. Schon an ihrem ers­ten Abend soll das Mäd­chen acht Män­nern zuge­führt wor­den sein.

In der Regel sei­en es fünf, sechs Män­ner pro Tag gewe­sen, erklär­te die heu­te 29-Jäh­ri­ge vor Gericht. Sie selbst war nach ihren eige­nen Anga­ben völ­lig ahnungs­los.

Ich wuss­te nicht, was ich in Deutsch­land machen soll­te”, sag­te sie den Rich­tern. “Ich bin nur mit­ge­fah­ren, weil mei­ne Mut­ter das gesagt hat.”

Weg­zu­lau­fen habe sich die damals 15-Jäh­ri­ge nicht getraut

Von ihren Ein­nah­men habe sie nichts behal­ten dür­fen. Ein­mal habe sie 80 Euro in ihrem BH ver­steckt, da sei sie geschla­gen wor­den. Weg­zu­lau­fen habe sie sich nicht getraut : “Ich hat­te Angst.” Ein­ein­halb Jah­re muss­te sie anschaf­fen. 2007 soll der Ehe­mann der Ange­klag­ten die Pro­sti­tu­ier­te für 400 Euro wei­ter­ver­kauft haben. Doch der neue “Besit­zer” befrei­te sie aus der Pro­sti­tu­ti­on.

In einem frü­he­ren Ver­fah­ren war bereits der Ehe­mann der jet­zi­gen Ange­klag­ten ver­ur­teilt wor­den. Gegen ihn war unter ande­rem wegen Men­schen­han­dels zum Zwe­cke der sexu­el­len Aus­beu­tung eine Haft­stra­fe von fünf Jah­re und acht Mona­ten ver­hängt wor­den. Die 54-jäh­ri­ge Frau war erst spä­ter fest­ge­nom­men wor­den.

Im Jahr 2002 wur­de in Deutsch­land die Pro­sti­tu­ti­on lega­li­siert. 2017 trat das Pro­sti­tu­ier­ten­schutz­ge­setz in Kraft, mit dem die Frau­en und Män­ner, die Sex­dienst­leis­tun­gen anbie­ten, bes­ser vor Aus­beu­tung geschützt wer­den sol­len. Alle Pro­sti­tu­ier­ten sind seit­dem ver­pflich­tet, ihre Tätig­keit anzu­mel­den, und müs­sen regel­mä­ßig zur Gesund­heits­be­ra­tung. Doch die Kri­ti­ker des Geset­zes ver­wei­sen stets dar­auf, dass es jenen, die wirk­lich Schutz brau­chen, nicht hilft. Das Gewer­be indes erfuhr in den letz­ten rund 15 Jah­ren einen Boom, der durch die EU-Oster­er­wei­te­rung noch ver­stärkt wur­de. Vie­le Frau­en wer­den mit fal­schen Ver­spre­chun­gen nach Deutsch­land gelockt, wo sie dann aber zur Pro­sti­tu­ti­on gezwun­gen wer­den.

(rt deutsch/dpa)

RT Deutsch


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