Kanadas wichtigste Pipeline unter Beschuss von Umweltschützern


Laut The Inter­cept plant die Poli­zei von Min­ne­so­ta bereits seit 18 Mona­ten für den Fall, dass Demons­tran­ten ver­su­chen, den Bau der Pipe­line der Linie 3 zu blo­ckie­ren. Poli­zei und pri­va­te Sicher­heits­diens­te haben poten­zi­el­le Demons­tran­ten ver­folgt und iden­ti­fi­ziert. Sie haben sich auch mit der Straf­ver­fol­gung in North Dako­ta bera­ten, die die Stan­ding Rock Pro­tes­te zer­schla­gen hat. Es ist nicht klar, war­um die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den auf der Sei­te der Indus­trie ste­hen oder war­um sie Umwelt- und indi­ge­ne Grup­pen über­wa­chen, aber sie befürch­ten ein­deu­tig eine Wie­der­ho­lung der Dako­ta Access-Pro­tes­te, die 2016 inter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit erreg­ten.

Der Aus­tausch der Linie 3 hat zumin­dest bis­her nicht annä­hernd so viel Auf­merk­sam­keit erregt wie die Dako­ta Access Pipe­line, Key­stone XL oder die Trans Moun­tain Expan­si­on. Der Aus­tausch der Linie 3 ist jedoch für Enbridge, den Eigen­tü­mer, und für die kana­di­sche Ölsand­in­dus­trie ins­ge­samt abso­lut uner­läss­lich.

Die Pipe­line führt durch das Land der Ojib­we in Min­ne­so­ta. Die Oppo­si­ti­on war stark, aber bis­her auf die Ojib­we und loka­le Umwelt­grup­pen beschränkt. Die Ange­le­gen­heit könn­te sich jedoch noch zu einem wei­te­ren “Stan­ding Rock” aus­wei­ten. Pri­va­te Sicher­heits­dienst­leis­ter selbst haben “Line 3 als den nächs­ten wahr­schein­li­chen Kri­sen­herd der Oppo­si­ti­on gegen ein US-Pipe­line-Pro­jekt her­aus­ge­ho­ben”, berich­tet The Inter­cept.

Aus gutem Grund. Die Linie 3 wür­de nicht nur eine Bedro­hung für die indi­ge­nen Stäm­me in Min­ne­so­ta dar­stel­len, son­dern ist gleich­zei­tig auch für die kana­di­sche Ölin­dus­trie ein kri­ti­sches Pro­jekt. Alber­ta und die kana­di­sche Ölin­dus­trie kämp­fen seit Jah­ren dar­um, ein ein­zi­ges gro­ßes Pipe­line-Pro­jekt zu ver­wirk­li­chen.

Die Key­stone XL-Pipe­line von Tran­sCa­na­da befin­det sich seit mehr als einem Jahr­zehnt in der Schwe­be. Die Pipe­line des Unter­neh­mens, die über einen Groß­teil Nord­ame­ri­kas von Alber­ta bis zur kana­di­schen Ost­küs­te ver­lau­fen wäre, wur­de vor zwei Jah­ren abge­bro­chen.

Die Trans Moun­tain (Pipe­line) Expan­si­on soll­te das Pro­jekt mit den größ­ten Aus­sich­ten auf Fer­tig­stel­lung sein, zumal es sich um eine Zwil­lings­lei­tung ent­lang einer bestehen­den Pipe­line und nicht um ein Frei­land­pro­jekt han­del­te. Die­ses Pro­jekt stieß letz­tes Jahr jedoch auf eine Mau­er aus Pro­test, als Kin­der Mor­gan damit droh­te, es zu ver­schie­ben, nur um die kana­di­sche Regie­rung zu ver­an­las­sen, das Unter­neh­men durch eine wesent­li­che Ver­staat­li­chung des Pro­jekts zu ret­ten. Bis­lang ist das Schick­sal der Pipe­line noch unklar.

Das ver­leiht der Linie 3 eine unglaub­li­che Bedeu­tung als ver­blei­ben­de Ret­tung für Kana­das Ölsan­de. Auf­grund der Pipe­line­eng­päs­se erlitt der Wes­tern Cana­da Select (WCS), ein Öl-Ver­gleichs­in­dex, der Schwer­öl aus Kana­da ver­folgt, enor­me Preis­nach­läs­se. Ende letz­ten Jah­res han­del­te der WCS vor­über­ge­hend mit einem Rabatt von mehr als 40 US-Dol­lar pro Bar­rel für WTI, was bedeu­te­te, dass WCS nur noch für 15 US-Dol­lar pro Bar­rel gehan­delt wur­de.

Da die Pipe­lines maxi­mal aus­ge­las­tet waren und die WCS-Prei­se nach­ga­ben, griff die Pro­vinz­re­gie­rung in Alber­ta auf not­wen­di­ge Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen zurück. Vor weni­gen Tagen hat Alber­ta die­se Kür­zun­gen teil­wei­se auf­ge­ho­ben, nach­dem sich die WCS-Prei­se erholt hat­ten. Ein Anstieg der Roh­öl­trans­por­te auf der Schie­ne hat dazu bei­getra­gen — die Bahn­trans­por­te stie­gen im Okto­ber im Ver­gleich zum Vor­jahr um 88 Pro­zent an, berich­tet das Wall Street Jour­nal. Die Kri­se in Vene­zue­la und die Bemü­hun­gen der US-Regie­rung um einen Regime­wech­sel haben auch in Kana­da zu hohen Roh­öl­prei­sen geführt.

Bahn­trans­port ist jedoch kost­spie­lig und stellt letzt­end­lich nur eine Teil- bzw. Über­gangs­lö­sung dar. Alber­ta braucht eine neue Pipe­line, wenn die Ölin­dus­trie der Pro­vinz wach­sen soll.

Das Aus­tausch­pro­jekt für die Linie 3 umfasst eine Über­ho­lung einer ver­al­te­ten bestehen­den Linie im Wert von rund 8 Mil­li­ar­den Kana­di­schen Dol­lar (5,3 Mil­li­ar­den Euro). Der Aus­tausch der mehr als 1.000 Mei­len lan­gen Pipe­line wür­de die Kapa­zi­tät auf 760.000 Bar­rel pro Tag mehr als ver­dop­peln. Daher ist es schwer zu über­se­hen, wie wich­tig das Pro­jekt für die kana­di­sche Ölin­dus­trie ist. Da Ener­gy East bereits tot ist, Trans Moun­tain Expan­si­on künst­lich erhal­ten wird und Key­stone XL noch in der Schwe­be ist, bedeu­tet die Pipe­line Linie 3 die ein­zi­ge signi­fi­kan­te Erhö­hung der Kapa­zi­tät zumin­dest für die nächs­ten Jah­re.

Da ein Groß­teil der Bau­ar­bei­ten bereits abge­schlos­sen ist, wird erwar­tet, dass der Nach­fol­ger — ein­schließ­lich des Bau­ab­schnitts durch Min­ne­so­ta — noch in die­sem Jahr abge­schlos­sen sein wird. Es ist kein Wun­der, dass die Indus­trie und anschei­nend auch ihre Ver­bün­de­ten bei der US-Poli­zei ver­zwei­felt ver­su­chen, Ver­zö­ge­run­gen zu ver­mei­den, die durch einen plötz­li­chen Aus­bruch von Pro­tes­ten ent­ste­hen könn­ten. 

RT Deutsch


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