Krieg gegen den Iran könnte Ölpreis explodieren lassen


Einen “Tan­ker­krieg” im Per­si­schen Golf erleb­te die Welt bereits in den 1980er Jah­ren, als der Iran-Irak-Krieg tob­te. Dabei wur­de der Irak unter Sad­dam Hus­sein vom Wes­ten und den ara­bi­schen Scheich­tü­mern unter­stützt. Im März 1984 grif­fen ira­ki­sche Trup­pen zum ers­ten Mal einen unbe­tei­lig­ten Tan­ker im Golf an, der unter grie­chi­scher Flag­ge fuhr. Die­ser Angriff lös­te den als “Tan­ker­krieg” in die Geschich­te ein­ge­hen­den Kon­flikt aus, bei wel­chem es in vier Jah­ren zu ins­ge­samt 451 Angrif­fen (283 durch den Irak und 168 durch den Iran) auf Tan­ker und Han­dels­schif­fe aus 38 Län­dern kam. 

Als es dann gegen Ende des Krie­ges nord­öst­lich von Katar zu einem Zwi­schen­fall mit der US Navy kam, bei der die USS Samu­el B. Roberts am 14. April 1988 auf eine ira­ni­sche Unter­was­ser­mi­ne traf und fast in zwei Tei­le geris­sen wur­de, folg­te ein Vor­ge­schmack dar­auf, was auch bei einem ähn­li­chen Zwi­schen­fall heu­te pas­sie­ren könn­te. In den frü­hen Mor­gen­stun­den des 18. April star­te­ten die USA die Ope­ra­ti­on Pray­ing Man­tis, bei der sie bis am Ende des Tages zwei ira­ni­sche Ölplatt­for­men und nahe­zu die Hälf­te der ira­ni­schen Mari­ne zer­stör­te. Drei Mona­te spä­ter schos­sen die US-Ame­ri­ka­ner ein Pas­sa­gier­flug­zeug von Iran Air mit 290 Men­schen an Bord ab.

Aller­dings kann die mili­tä­ri­sche Situa­ti­on von damals nicht mit der heu­ti­gen ver­gli­chen wer­den. Der Iran war geschwächt vom Krieg gegen den Irak und ver­füg­te nicht über die tech­no­lo­gi­schen und vor allem asym­me­tri­schen Mög­lich­kei­ten, die er heu­te besitzt. Doch die von der US-Regie­rung gefor­der­te mili­tä­ri­sche Eskor­te für Tan­ker und Han­dels­schif­fe durch die Stra­ße von Hor­mus und Bab al-Man­dad erhöht auf­grund der Meer­enge die Gefahr eines Unfalls oder eines Sabo­ta­ge­akts unter fal­scher Flag­ge (Fal­se Flag), mit ent­spre­chen­den Kon­se­quen­zen.

Mehr zum The­ma — Ver­bün­de­te gesucht : USA stre­ben Mili­tär­ko­ali­ti­on gegen Iran an

Der Abschuss einer US-Über­wa­chungs­droh­ne hat gezeigt, dass der Iran nicht still­schwei­gend einen Angriff der USA und sei­ner Ver­bün­de­ten über sich erge­hen las­sen wird. Die Sper­rung der Stra­ße von Hor­mus ist nur eine und seit den 1980er Jah­ren immer wie­der ange­wen­de­te Dro­hung Tehe­rans, wie die Füh­rung auf einen etwai­gen Kon­flikt reagie­ren könn­te. Zudem ste­hen die gro­ßen und wich­ti­gen Ölför­der­an­la­gen von Sau­di-Ara­bi­en, Abu Dha­bi und Kuwait in Reich­wei­te des enor­men Arse­nals von ira­ni­schen Rake­ten, deren Abwehr­sys­te­me bis­her als nicht adäquat genug gel­ten.

Wel­che Aus­wir­kun­gen eine Sper­rung der Stra­ße von Hor­mus oder ein Angriff auf ara­bi­sche Ölför­der­an­la­gen auf die glo­ba­le Wirt­schaft hät­te, ist immer wie­der Gegen­stand von ver­schie­de­nen Ana­ly­sen und Stu­di­en. Vin­cent Lau­er­man, Geschäfts­füh­rer des kana­di­schen Ener­gie­be­ra­tungs­un­ter­neh­mens Geo­po­li­tics Cen­tral, zeich­ne­te unter Beru­fung auf eine zwei Jah­re alte Stu­die des King Abdul­lah Petro­le­um Stu­dies and Rese­arch Cen­ter (KAPSARC) in Riad drei Sze­na­ri­en.

In dem ers­ten “opti­mis­ti­schen” Sze­na­rio betrifft die Sper­rung der Stra­ße von Hor­mus ledig­lich Han­dels­schif­fe und dau­ert nur weni­ge Tage an, ohne dass es zu einer mili­tä­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zung kommt. Obwohl es nahe­zu kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die glo­ba­le Ölver­sor­gung hät­te, wür­de der Ölpreis auf­grund der Unsi­cher­heit den­noch kurz­fris­tig auf über 100 US-Dol­lar pro Bar­rel stei­gen, dann aber rela­tiv rasch wie­der auf das Niveau vor der Kri­se sin­ken.

Eine völ­li­ge Sper­rung auch für Tan­ker­schif­fe, die täg­lich rund ein Fünf­tel (20,7 Mil­lio­nen Bar­rel) der glo­ba­len Öllie­fe­run­gen auf die­sem Weg bewe­gen, hät­te schon gra­vie­ren­de­re Fol­gen. Zwar könn­te Sau­di-Ara­bi­en einen Teil davon abfe­dern, indem drei Mil­lio­nen Bar­rel über die Ost-West-Pipe­line zum Export­ter­mi­nal Yan­bu im Roten Meer umge­lei­tet wer­den und die sau­di­schen Ölla­ger in Rotterdam/Niederlande, Okinawa/Japan, Zhejiang/China und den USA ange­zapft wer­den könn­ten, doch die Ölprei­se wür­den unter die­sen Umstän­den his­to­ri­sche Höchst­stän­de errei­chen. Laut der KAPS­ARC-Stu­die wür­den die Ölprei­se sogar die 325-US-Dol­lar-Gren­ze pro Bar­rel Roh­öl über­stei­gen.

Und das obwohl die stra­te­gi­schen Reser­ven der Inter­na­tio­na­len Ener­gie­be­hör­de (IEA) wäh­rend des ers­ten Monats der Voll­sper­rung der Stra­ße von Hor­mus maxi­mal 14,4 Mil­lio­nen Bar­rel pro Tag frei­las­sen könn­ten und im zwei­ten Monat etwa 12,5 Mil­lio­nen Bar­rel pro Tag.

Das schlimms­te Sze­na­rio mit den gra­vie­rends­ten Fol­gen für die Welt­wirt­schaft wäre eine Ver­wüs­tung der ara­bi­schen Ölför­der- und Export­an­la­gen. Allein die Zer­stö­rung der Abqaiq-Erd­öl­ver­ar­bei­tungs­an­la­ge in Sau­di-Ara­bi­en wür­de für min­des­tens ein Jahr täg­lich sie­ben Mil­lio­nen Bar­rel aus dem Ver­kehr zie­hen, bis die Anla­ge wie­der repa­riert ist, meint Lau­er­man. Wie groß die Gefahr tat­säch­lich ist, zeigt die­se Kar­te der IEA, die die sau­di­schen Ölfel­der, Raf­fi­ne­ri­en und Export­ter­mi­nals an der Per­si­schen Golf­küs­te dar­stellt.

Krieg gegen den Iran könnte Ölpreis explodieren lassen
Kar­te von ver­schie­de­nen Ölin­stal­la­tio­nen in Sau­di-Ara­bi­en.

Auch wenn die USA über diver­se Armee­stütz­punk­te in der Regi­on ver­fü­gen, so gilt es den­noch als unwahr­schein­lich, dass sie einen mas­si­ven ira­ni­schen Angriff auf ver­schie­de­ne Zie­le abweh­ren könn­ten.

RT Deutsch


Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.