Machtkampf bei den Grünen ? Cem Özdemir will den Fraktionsvorsitz


In den Umfra­gen erleb­ten die Grü­nen in den letz­ten Mona­ten einen Höhen­flug und schei­nen inzwi­schen als zweit­stärks­te Kraft im Land. Auch in der Par­tei selbst läuft es har­mo­nisch, kon­flikt­frei. Die Par­tei­spit­ze Robert Habeck und Anna­le­na Baer­bock sind ein ein­ge­spiel­tes Duo, eben­so die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Anton Hof­rei­ter und Kat­rin Göring-Eckardt. Es gibt, zumin­dest nach außen, kei­ne Macht­kämp­fe, kei­ne Per­so­nal­de­bat­ten oder Rei­be­rei­en. Doch das könn­te sich bald ändern.

Bis zum Wochen­en­de kei­ne Gegen­kan­di­da­ten bekannt 

Denn der ehe­ma­li­ge Par­tei­chef Cem Özde­mir hat über­ra­schend ange­kün­digt, für den Frak­ti­ons­vor­sitz kan­di­die­ren zu wol­len. Er tritt mit der Bre­mer Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Kirs­ten Kap­pert-Gonther an. Kat­rin Göring-Eckardt hat nach eige­nen Wor­ten nicht mit die­ser Kan­di­da­tur gerech­net. Am Mon­tag sag­te sie vor einer Frak­ti­ons­sit­zung der Grü­nen im Bun­des­tag :

Ich war über­rascht, ich habe am Sams­tag wie alle ande­ren davon erfah­ren, dass es die­se Kan­di­da­tur gibt.

Die Neu­wahl des Frak­ti­ons­vor­stands ist für den 24. Sep­tem­ber ange­setzt. Tra­di­tio­nell besteht die Grü­nen-Dop­pel­spit­ze jeweils aus einem Ver­tre­ter des Rea­lo- und des lin­ken Flü­gels. Zudem ist ein Platz stets für eine Frau reser­viert. Bei vie­len galt die Wie­der­wahl von Göring-Eckardt und Hof­rei­ter als For­ma­lie. Zumal bis zum Wochen­en­de von kei­nen Gegen­kan­di­da­ten die Rede war. Doch nun das.

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Wel­che Chan­cen Özde­mir und Kap­pert-Gonther haben, ist noch nicht ganz klar. Im lin­ken Flü­gel dür­fe Özde­mir nicht vie­le Unter­stüt­zer haben. Vie­le dürf­ten noch die hef­ti­gen Strei­te­rei­en mit sei­ner Co-Vor­sit­zen­den Simo­ne Peter, die dem lin­ken Flü­gel ange­hört, aus der Zeit als Par­tei-Chefs in Erin­ne­rung haben. Peter selbst mel­de­te sich nun auch zu Wort und kri­ti­sier­te die Kan­di­da­tur. Gegen­über dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land sag­te sie am Diens­tag :

Grund­sätz­lich sind Kampf­kan­di­da­tu­ren nichts Unge­wöhn­li­ches. Aber Zeit­punkt und Art und Wei­se über­ra­schen doch. Die Par­tei hat den Wech­sel im ver­gan­ge­nen Jahr gut hin­be­kom­men. Das soll­te mög­lichst ein­ver­nehm­lich und nicht als Über­ra­schungs­coup auch in der Frak­ti­on so orga­ni­siert wer­den.

Eine wei­te­re Fra­ge, die sich nun stellt, ist : Was treibt Özde­mir zur Kan­di­da­tur an ? Als vor zwei Jah­ren die Ver­hand­lun­gen von CDU, CSU, FDP und Grü­nen für eine Jamai­ka-Koali­ti­on geplatzt waren, war offen­bar sein Ziel, Außen­mi­nis­ter zu wer­den, in wei­te Fer­ne gerückt. Statt des­sen sitzt Özde­mir der­zeit im Ver­kehrs­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­tags. Einer der bekann­tes­ten Grü­nen, der sich eher selbst in der ers­ten Rei­he sieht, ist in den par­la­men­ta­ri­schen Hin­ter­bän­ken ver­schwun­den. 

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RT Deutsch


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