Milliardenverluste für Deutschland : Politiker und Unternehmer fordern Ende der Russland-Sanktionen


Fünf Jah­re Russ­land-Sank­tio­nen haben der Wirt­schaft in Ost­deutsch­land deut­lich mehr gescha­det als den Unter­neh­men im Wes­ten. Nach einer aktu­el­len Auf­stel­lung des Ost-Aus­schus­ses der Deut­schen Wirt­schaft ging von 2013 bis 2018 das Han­dels­vo­lu­men Sach­sens mit 72,5 Pro­zent am stärks­ten zurück, in den fünf ost­deut­schen Län­dern (ohne Ber­lin) zusam­men waren es durch­schnitt­lich 28,7 Pro­zent. In West­deutsch­land schrumpf­te der Waren­aus­tausch dage­gen nur um 17,0 Pro­zent.

Auch wenn Sach­sen ein Aus­rei­ßer ist, ist der deutsch-rus­si­sche Han­del auch in Sach­sen-Anhalt (minus 24,0 Pro­zent), Bran­den­burg (minus 20,4 Pro­zent) und Thü­rin­gen (minus 19,9 Pro­zent) seit 2013 über­durch­schnitt­lich gesun­ken. Die Unter­neh­men in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­zeich­ne­ten dage­gen eine Stei­ge­rung um 28,7 Pro­zent. Der Bun­des­durch­schnitt liegt bei minus 19,7 Pro­zent.

Der Geschäfts­füh­rer des Ost-Aus­schus­ses, Micha­el Harms, führt das star­ke Gefäl­le vor allem dar­auf zurück, dass ost­deut­sche Maschi­nen­bau­er sehr stark auf Russ­land aus­ge­rich­tet waren.

Das sind kei­ne Groß­kon­zer­ne, das sind alles Mit­tel­ständ­ler, und die Aus­fäl­le haben dann schon eine enor­me Bedeu­tung”, sag­te er der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. “Es gibt Maschi­nen­bau­er aus Ost­deutsch­land, die ganz ver­zwei­felt bei uns ange­ru­fen haben, weil der Ver­lust von Groß­pro­jek­ten sie in arge wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten bringt.”

Harms beton­te aber, dass der Rück­gang im Han­del die Sank­ti­ons­fol­gen nicht eins zu eins abbil­de. Es gebe auch indi­rek­te Effek­te :

Vie­le deut­sche Fir­men sagen zum Bei­spiel, in solch einem poli­ti­schen Umfeld schie­ben wir ein stra­te­gi­sches Inves­ti­ti­ons­pro­jekt in Russ­land auf die lan­ge Bank. Oder die rus­si­sche Regie­rung sagt : Wir ori­en­tie­ren uns dann doch lie­ber in Rich­tung Chi­na. Die­se Effek­te sind sehr schwer zu bezif­fern.”

Sach­sens Regie­rungs­chef Micha­el Kret­sch­mer (CDU) plä­dier­te am Mitt­woch erneut für den Abbau der Straf­maß­nah­men.

Die Lösung des Ukrai­ne-Kon­flikts ist wich­tig, und wir müs­sen dafür alles tun ; die Sank­tio­nen haben uns da aber kei­nen Schritt wei­ter­ge­bracht”, sag­te er der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Dres­den.

Kret­sch­mer zufol­ge set­zen die ost­deut­schen Län­der auf eine enge Zusam­men­ar­beit mit Russ­land.

Dar­an führt kein Weg vor­bei. Rich­tig war, dass Russ­land sein Stimm­recht im Euro­pa­rat zurück erhal­ten hat und Deutsch­land den Bau der Erd­gas­lei­tung Nord Stream 2 for­ciert. Als nächs­tes muss der Abbau der Sank­tio­nen erfol­gen.”

Nach Ansicht des Ost-Aus­schus­ses füh­ren die Sank­tio­nen nicht zur Lösung der poli­ti­schen Pro­ble­me. Sie hät­ten “eher die rus­si­sche Éli­te um Prä­si­dent Putin kon­so­li­diert” und kei­ne Fort­schrit­te im Frie­dens­pro­zess für die Ost-Ukrai­ne gebracht, sag­te Harms.

Dann muss man sich natür­lich über­le­gen, inwie­weit sie wirk­lich geeig­net sind, lang­fris­tig die inten­dier­ten poli­ti­schen Zie­le zu errei­chen.”

Der Vor­sit­zen­de des Bun­des­tags-Wirt­schafts­aus­schus­ses Klaus Ernst (Lin­ke) for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, “die Sank­tio­nen gegen Russ­land end­lich zu been­den”.

Wenn das Medi­ka­ment nicht wirkt, hat es kei­nen Sinn, die Ein­nah­me­zeit zu ver­län­gern oder die Dosis zu erhö­hen”, stell­te er fest.

In der Ukrai­ne bekämp­fen sich nach einem Putsch im Jahr 2014 Sepa­ra­tis­ten und ukrai­ni­sche Regie­rungs­trup­pen im Ost­teil des Lan­des. Die Frie­dens­be­mü­hun­gen in dem Kon­flikt wer­den an die­sem Don­ners­tag The­ma bei dem Tref­fen von Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas mit sei­nem rus­si­schen Kol­le­gen Ser­gei Law­row sein.

Die bei­den neh­men auf dem Peters­berg in Königs­win­ter bei Bonn an dem Gesprächs­fo­rum Peters­bur­ger Dia­log teil. Zum ers­ten Mal seit Beginn der Ukrai­ne-Kri­se sind wie­der zwei Außen­mi­nis­ter dabei. Seit dem Amts­an­tritt des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Selens­kij gibt es Hoff­nun­gen, dass der Frie­dens­pro­zess für die Ukrai­ne wie­der in Gang kommt.

(rt deutsch/dpa)

RT Deutsch


Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.