Nach Landtagswahlen 2019 : CDU Brandenburg offen für Gespräche mit AfD und Linkspartei


Es ist noch ein biss­chen Zeit bis zu den Land­tags­wah­len in Bran­den­burg, aber schon jetzt sor­gen eini­ge Aus­sa­gen für Auf­re­gung. So bei­spiels­wei­se die des Bran­den­bur­ger CDU-Vor­sit­zen­den Ingo Senft­le­ben über eine mög­li­che Koali­ti­on mit der Links­par­tei nach den Wah­len 2019. Gegen­über der Welt sag­te er : “Es gibt einen gro­ßen Unter­schied zwi­schen den Lin­ken im Land­tag und den Lin­ken im Bun­des­tag.” In einem Inter­view mit der Ber­li­ner Zei­tung unter­strich er : “Ich möch­te für alle deut­lich machen, dass es in einem offe­nen Wett­be­werb der Par­tei­en mehr Optio­nen gibt als in den letz­ten 28 Jah­ren in Bran­den­burg.”

Für die Bun­des-CDU in Ber­lin ist eine Zusam­men­ar­beit mit den Lin­ken bis­her undenk­bar. Die CDU Bran­den­burg könn­te die­ses Tabu bre­chen. Rücken­de­ckung bekommt er von der Gene­ral­se­kre­tä­rin der Par­tei. “Ich habe heu­te mor­gen mit Gene­ral­se­kre­tä­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er gespro­chen, und wir waren uns einig, dass das zual­ler­erst eine Bran­den­bur­ger Fra­ge ist”, so Senft­le­ben. Kramp-Kar­ren­bau­er macht in einer Mail aber auch klar : “Wir sehen die Links­par­tei wei­ter­hin kri­tisch, weil in ihr Grup­pen wie die Kom­mu­nis­ti­sche Platt­form das poli­ti­sche Sys­tem bekämp­fen, für das wir ste­hen. An der kla­ren Abgren­zung nach rechts und nach links hal­ten wir fest.”

Eine Koali­ti­on mit der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) unter Lan­des­chef Andre­as Kal­bitz lehn­te Senft­le­ben aber ab. “Ich kann mir kei­ne Koali­tio­nen mit Par­tei­en vor­stel­len, in denen christ­li­che Wer­te für Nächs­ten­lie­be und Tole­ranz nicht erfüllt wer­den”, sag­te er der Ber­li­ner Zei­tung.

Bei der FDP ist die Empörung groß : Annegret Kramp-Karrenbauer lasse “den Tabubruch” einfach zu

Wir wer­den in kei­ne Koali­ti­on mit Par­tei­en gehen, die ihre Erfol­ge auf dem Rücken von Schwa­chen gene­rie­ren”, sag­te er zudem der Welt. AfD-Lan­des­chef Kal­bitz habe zudem eine kla­re Nähe zu rechts­ex­tre­men Struk­tu­ren. “Unab­hän­gig davon wür­de ich aber auch mit der AfD Gesprä­che nicht aus­schlie­ßen. Doch mit Herrn Kal­bitz wären das kei­ne Gesprä­che über eine Regie­rungs­bil­dung.”

Die FDP zeigt sich empört über Äuße­run­gen von Senft­le­ben. “Dass der CDU-Lan­des­vor­sit­zen­de Ingo Senft­le­ben weder eine Koali­ti­on mit der Links­par­tei noch mit der AfD aus­schließt, zeigt eine abso­lu­te Belie­big­keit der Uni­on”, sag­te deren Ers­ter Par­la­men­ta­ri­scher Geschäfts­füh­rer Mar­co Busch­mann der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

CDU-Gene­ral­se­kre­tä­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er las­se “den Tabu­bruch” ein­fach zu, sag­te Busch­mann. “Offen­bar ist der CDU jedes Mit­tel recht, um an die Macht zu kom­men. Selbst wenn der Weg über die Radi­ka­len führt. Hal­tung und Prin­zi­pi­en­treue sehen anders aus. Das ver­bie­tet sich eigent­lich für eine mög­li­che Bewer­be­rin fürs Kanz­ler­amt.”

Linken-Bundeschefin Katja Kipping sieht dies nur als Manöver

Nach­fra­gen der Welt erga­ben, dass die CDU Bran­den­burg in die­ser Fra­ge unter den CDU-Lan­des­ver­bän­den ziem­lich iso­liert dasteht. “Ich schlie­ße jede Zusam­men­ar­beit mit der AfD kate­go­risch aus”, sag­te Hes­sens Minis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier (CDU). Die Ber­li­ner CDU-Vor­sit­zen­de Moni­ka Grüt­ters sag­te, bei allem Prag­ma­tis­mus schlie­ße die Haupt­stadt-CDU eine Zusam­men­ar­beit mit den ideo­lo­gisch gepräg­ten poli­ti­schen Rän­dern aus, “also mit der Links­par­tei und mit der AfD”.

Lin­ken-Bun­des­chefin Kat­ja Kip­ping sieht die Äuße­run­gen Senft­le­bens nur als Manö­ver : “Die CDU will damit vor allem Auf­merk­sam­keit auf sich zie­hen. Ich sehe kei­ne inhalt­li­che Basis für eine gemein­sa­me Regie­rung von Lin­ken und CDU.”

Ber­lins Lin­ken-Che­fin Kati­na Schu­bert mein­te dage­gen : “Es kann natür­lich pas­sie­ren, dass in Bran­den­burg und mög­li­cher­wei­se auch in ande­ren Bun­des­län­dern eine Regie­rungs­bil­dung gegen die AfD nur noch mög­lich ist, indem auch CDU und Lin­ke zusam­men­ar­bei­ten.” Ihr Ziel sei es aber, es gar nicht erst zu einer sol­chen Situa­ti­on kom­men zu las­sen. Sie rate ihrer Par­tei bei der Debat­te zur Unauf­ge­regt­heit — und dazu, die Dis­kus­si­on als Ansporn zu neh­men.

Seit 1990 stellt die SPD unun­ter­bro­chen den Minis­ter­prä­si­den­ten in Bran­den­burg. Doch die Sozi­al­de­mo­kra­ten ste­cken seit der Bun­des­tags­wahl im Umfra­ge-Tief. Dar­in sehen offen­bar ande­re eine Chan­ce für einen Wech­sel in Pots­dam.

Mehr zum The­ma — Cott­bus : Bei Land­tags­wah­len am Sonn­tag erhiel­te die AfD fast 30 Pro­zent der Stim­men

(rt deutsch/dpa)

RT Deutsch


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