Nach US-Atomwaffentests : Strahlenbelastung auf Marshallinseln höher als in Fukushima und Tschernobyl


Die von Wis­sen­schaft­lern der Colum­bia Uni­ver­si­ty in New York ver­öf­fent­lich­te Stu­die ergab, dass die unter­such­ten Boden­pro­ben von vier der unbe­wohn­ten Inseln Strah­lungs­wer­te ent­hal­ten, die “signi­fi­kant” höher sind als die an den Stand­or­ten der bei­den Kata­stro­phen­ge­bie­te in Japan und der Ukrai­ne. Auf einer der Inseln wur­den die Kon­zen­tra­tio­nen radio­ak­ti­ver Par­ti­kel um eine Magnitu­de von 1.000 fest­ge­stellt.

Beson­ders beun­ru­hi­gend war der Fund von Plu­to­ni­um-238 auf Naen, einer Insel im Ron­gelap-Atoll, etwa 160 Kilo­me­ter von den Test­stand­or­ten auf Biki­ni, Enje­bi und Runit ent­fernt. Jenes Iso­top ist kein Pro­dukt von radio­ak­ti­vem Nie­der­schlag, son­dern wird im All­ge­mei­nen mit nuklea­ren Abfäl­len in Ver­bin­dung gebracht, was die Mög­lich­keit erhöht, dass Naen als Depo­nie genutzt wur­de.

Wir kön­nen nicht mit Sicher­heit sagen, dass dies der Fall war”, sag­te Iva­na Niko­lic Hug­hes, Che­mie­pro­fes­so­rin an der Colum­bia Uni­ver­si­ty und eine der Autoren der Stu­die. “Aber Men­schen soll­ten nicht auf der Insel Ron­gelap leben, bis dies auf­ge­klärt wird.”

Eine wei­te­re Stu­die tes­te­te Früch­te von meh­re­ren Inseln und stell­te fest, dass die Kon­ta­mi­na­ti­ons­ni­veaus in Län­dern, die von nuklea­ren Kata­stro­phen betrof­fen waren – dar­un­ter Russ­land, die Ukrai­ne, Weiß­russ­land und Japan – über dem Sicher­heits­ni­veau lagen.

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Die US-Regie­rung führ­te zwi­schen 1946 und 1958 ins­ge­samt 67 Atom­tests auf den süd­pa­zi­fi­schen Inseln wäh­rend ihres frü­hen Wett­rüs­tens mit der Sowjet­uni­on durch. Die Tests hin­ter­lie­ßen eine Spur der Kon­ta­mi­na­ti­on auf 21 Inseln zwi­schen Hawaii und Aus­tra­li­en. Obwohl sie nur sechs Pro­zent der gesam­ten US-Atom­bom­ben­test­ak­ti­vi­tä­ten aus­mach­ten, waren die Deto­na­tio­nen für mehr als die Hälf­te der gesam­ten ver­brauch­ten Ener­gie ver­ant­wort­lich.

Die bekann­tes­te von ihnen fand auf dem Biki­ni-Atoll statt, auf dem die Kern­waf­fen­test­o­pe­ra­tio­nen Ope­ra­ti­on Cross­roads und Ope­ra­ti­on Cast­le in den Jah­ren 1946 bzw. 1954 durch­ge­führt wur­den. Ers­te­re wur­de als “die ers­te nuklea­re Kata­stro­phe der Welt” bezeich­net, wäh­rend letz­te­re zu einer Explo­si­on (Cast­le Bra­vo) führ­te, die 1.000 Mal stär­ker als der US-Angriff auf Hiro­shi­ma und Naga­sa­ki wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs war.

Die Bewoh­ner des Biki­ni-Atolls wur­den von der Insel eva­ku­iert, um Platz für die Tests zu schaf­fen, und auf das klei­ne­re, unbe­wohn­te Ron­ge­rik-Atoll umge­sie­delt. Die Biki­ni­a­ner kämpf­ten von nun an ums Über­le­ben und hat­ten seit­her zwei­mal ver­sucht, die Insel zu ver­las­sen. Die US-Regie­rung hat­te ihnen eine Rück­kehr auf das Biki­ni-Atoll ver­spro­chen, sobald die­ses sicher sei.

Im Jahr 1968 ließ der dama­li­ge US-Prä­si­dent Lyn­don John­son meh­re­re hun­dert Bewoh­ner auf die Insel zurück­keh­ren. Kurz dar­auf fan­den die For­scher her­aus, dass die nuklea­re Kon­ta­mi­na­ti­on in die Nah­rungs­ket­te ein­ge­drun­gen war. Auf­grund der erhöh­ten Strah­lung eva­ku­ier­te man die Bewoh­ner erneut und zwang sie, ihren Besitz, ihre Hüt­ten und die Insel zurück­zu­las­sen. Seit dem Jahr 1978 sind kei­ne Bewoh­ner mehr auf die Insel zurück­ge­kehrt.

RT Deutsch


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