Südkoreas Dilemma : Zwischen Wunsch nach Annäherung mit dem Norden und US-Interessen


Der Wunsch des süd­ko­rea­ni­schen Prä­si­den­ten Moon Jae-in, die Win­ter­spie­le von Pyeong­chang zu einer Büh­ne für eine Annä­he­rung mit Nord­ko­rea zu machen, ging in Erfül­lung. Unter einer Ein­heits­flag­ge lie­fen süd­ko­rea­ni­sche und nord­ko­rea­ni­sche Sport­ler gemein­sam im Sta­di­on ein, nord­ko­rea­ni­sche Künst­ler tra­ten auf und ein gemein­sa­mes Frau­en-Hockey­team aus nord- und süd­ko­rea­ni­schen Spie­le­rin­nen betrat das Eis. Kim Jo-yong, die Schwes­ter Kim Jong-uns, über­reich­te Moon Jae-in im Auf­trag ihres Bru­ders eine Ein­la­dung nach Nord­ko­rea.

Moon Jae-in lehn­te weder ab noch nahm er die­se an. Denn zunächst muss er sich dies­be­züg­lich mit den US-Ame­ri­ka­nern abstim­men. Auch US-Vize Mike Pence reis­te zu den Win­ter­spie­len an. Er hat­te aber wenig Inter­es­se an dem Sport­er­eig­nis und erklär­te, dass es das Ziel sei­ner Anwe­sen­heit in Süd­ko­rea sei, Nord­ko­rea davon abzu­hal­ten, Pyeong­chang als eine Selbst­dar­stel­lungs-Büh­ne zu nut­zen. Für Moon Jae-in stellt die Ein­la­dung eine Her­aus­for­de­rung dar. 

USA wittern Propagandazwecke hinter Pjöngjangs Schritten

Neben Kim Jo-yong war auch Kim Yong-nam, der Par­la­ments­chef Nord­ko­reas, Teil der nord­ko­rea­ni­schen Dele­ga­ti­on. Die Ein­rei­se der Sport­ler, Künst­ler und ins­be­son­de­re der Ver­tre­ter der nord­ko­rea­ni­schen Poli­tik stell­te Süd­ko­rea vor ein Pro­blem. Sank­tio­nen gegen Nord­ko­rea muss­ten kurz­fris­tig außer Kraft gesetzt wer­den. Süd­ko­rea hat­te die seit dem Amts­an­tritt Donald Trumps von den USA wie­der favo­ri­sier­te Poli­tik der “extre­men Här­te” gegen Nord­ko­rea bis­her immer mit­ge­tra­gen.

Die Ame­ri­ka­ner wol­len erst an den Ver­hand­lungs­tisch tre­ten, wenn die Nord­ko­rea­ner Fort­schrit­te mit Blick auf die Been­di­gung ihres Atom­pro­gramms vor­wei­sen und mit in den Dia­log ein­ge­bun­den wer­den kön­nen. Shin Beom-chul, Pro­fes­sor der natio­na­len Aka­de­mie für Diplo­ma­tie : 

Es wäre wie der Ver­kauf von Eis an Eski­mos. Es ist extrem schwer, einer­seits die Koor­di­na­ti­on der Denu­kle­a­ri­sie­rung mit den USA bei­zu­be­hal­ten und mit Nord­ko­rea Ver­trau­en für einen Dia­log auf­zu­bau­en. Wir müs­sen die USA davon über­zeu­gen, mit Nord­ko­rea zu reden, obwohl die­se die jüngs­ten nord­ko­rea­ni­schen Bewe­gun­gen als Pro­pa­gan­da wer­ten. Gleich­zei­tig soll­ten wir Nord­ko­rea wis­sen las­sen, dass es ihm letzt­lich selbst hilft, die Gesprä­che zur Denu­kle­a­ri­sie­rung wie­der auf­zu­neh­men. 

Aber die Regie­rung Pjöng­jangs hat wenig Inter­es­se, mit einem Dritt­land zu ver­han­deln, das eben­falls immer wie­der mit Krieg droht. Ein gemein­sa­mes Mili­tär­ma­nö­ver zwi­schen süd­ko­rea­ni­schen und US-ame­ri­ka­ni­schen Mili­tärs, wel­ches wäh­rend der Win­ter­spie­le abge­hal­ten wer­den soll­te, wur­de auf Drän­gen der Regie­rung Seo­uls ver­scho­ben. Pjöng­jang for­dert die Ein­stel­lung aller Mili­tär­ma­nö­ver vor sei­nen Gren­zen. 

Geplante Militärmanöver im April könnten Tauwetter wieder beenden

Pence ent­zog sich bewusst jedem Kon­takt mit der nord­ko­rea­ni­schen Dele­ga­ti­on. Die letz­ten direk­ten Gesprä­che zwi­schen Nord­ko­rea und den USA fan­den 2000 und 2007 statt. In den Medi­en wur­de Kim Jo-yong als die “Ivan­ka Nord­ko­reas” beschrie­ben. Im letz­ten Jahr wur­de sie auf die schwar­ze Lis­te der Ame­ri­ka­ner auf­ge­nom­men.

Die Regie­rung in Seo­ul hat die Prä­senz Kim Jo-yongs hin­ge­gen begrüßt. Sie wer­te­te es als Zei­chen der Ent­span­nung. Die Prä­sen­ta­ti­on der Eltern Otto Warm­biers als Teil der ame­ri­ka­ni­schen Dele­ga­ti­on konn­te da wenig ent­ge­gen­set­zen. Otto Warm­bier war als Stu­dent in einer Grup­pe nach Nord­ko­rea gereist. Er kam in nord­ko­rea­ni­sche Gefan­gen­schaft, nach­dem ihm vor­ge­wor­fen wor­den war, ein poli­ti­sches Pos­ter ent­wen­det zu haben. In sei­ner Haft erkrank­te Otto und wur­de “aus huma­ni­tä­ren Grün­den” ent­las­sen. Kurz danach ver­starb er in den USA. Pence und die US-Dele­ga­ti­on ver­such­ten in Süd­ko­rea ver­geb­lich, der nord­ko­rea­ni­schen Charme­of­fen­si­ve auf die Para­de zu reg­nen und das Inter­es­se auf die Kri­tik an der Men­schen­rechts­si­tua­ti­on in Nord­ko­rea zu len­ken. Die Mili­tär­ma­nö­ver wur­den auf den April ver­scho­ben. Dann könn­te die posi­ti­ve Stim­mung auf der korea­ni­schen Halb­in­sel auch wie­der ver­flie­gen. 

Schwes­ter von Kim Jong-un in Süd­ko­rea ein­ge­trof­fen : 

RT Deutsch


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