Tagesspiegel fordert : Brandenburgs Ministerpräsident soll US-Truppen freundlicher begrüßen


Anfang Janu­ar ver­öf­fent­lich­ten gleich zwei Blät­ter der Die­ter von Holtz­brinck Medi­en GmbH (DvH Medi­en) — Der Tages­spie­gel und die Pots­da­mer Neu­es­ten Nach­rich­ten — einen kri­ti­schen Arti­kel über den bran­den­bur­gi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Diet­mar Woid­ke (SPD). Dabei war es aber kei­ne zu dich­te Nähe zur Wirt­schaft, Kor­rup­ti­on oder behörd­li­ches Ver­sa­gen, das sie ihm vor­war­fen — klas­si­sche The­men­fel­der, wo Jour­na­lis­ten bei Poli­ti­kern in der Regel nach­ha­ken. Die Jour­na­lis­ten monier­ten viel­mehr, dass der Minis­ter­prä­si­dent nicht vor­ha­be, die US-Ame­ri­ka­ner bei ihrer nächs­ten Trup­pen­durch­fahrt in Rich­tung Ost­eu­ro­pa öffent­lich zu begrü­ßen : 

Ich wer­de nicht win­kend am Weges­rand ste­hen. Ich wer­de auch nicht auf einen Abrams-Pan­zer klet­tern”, sag­te Woid­ke kürz­lich laut Tages­spie­gel

Damit erneu­er­te er sei­ne eige­ne Kri­tik von vor einem Jahr, die er bereits an den ers­ten US-Mili­tär­trans­por­ten ange­bracht hat­te. Damals sag­te er : “Ich glau­be, dass es uns auf Dau­er nicht wei­ter­hilft, wenn Pan­zer auf bei­den Sei­ten der Gren­ze auf und ab fah­ren.” Damals hat­te Woid­ke als Polen-Beauf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung für eine diplo­ma­ti­sche Mini-Kri­se mit den öst­li­chen Nach­barn Deutsch­lands gesorgt. Litaui­sche und pol­ni­sche Poli­ti­ker haben sich ein­ge­schal­tet. Woid­ke muss­te danach mehr­fach beto­nen, dass es rich­tig sei vom west­li­chen Bünd­nis, deut­lich zu machen, dass man das Vor­ge­hen Russ­lands in der Ukrai­ne und die “Anne­xi­on” der Krim miss­bil­li­ge.

Auch inter­es­sant - Schlamm­schlacht 2.0 : Die “Querfront”-Kampagne gegen die Frie­dens­be­we­gung

US-Armee will nun eigene Imagekampagne starten

Nicht­des­to­trotz gibt der ost­deut­sche Poli­ti­ker und ehe­ma­li­ge NVA-Sol­dat immer wie­der zu erken­nen, dass er in der lan­gen SPD-Tra­di­ti­on des Dia­logs mit Russ­land steht. Grund zur Sor­ge für trans­at­lan­tisch aus­ge­rich­te­te Redak­ti­ons­stu­ben deut­scher Medi­en­häu­ser. Denn schon bald ste­hen wie­der neue US-Trup­pen­ver­le­gun­gen an : Im Früh­ling und Som­mer 2018 wer­den sich rund 3.000 US-Sol­da­ten und knapp 1.000 Fahr­zeu­ge sowie etwa 85 Pan­zer über Stra­ße und Schie­ne nach Ost­eu­ro­pa bewe­gen — zu ihren Sta­tio­nie­rungs­or­ten in Polen und im Bal­ti­kum. Davon wird auch Bran­den­burg betrof­fen sein. Des­halb besteht aber­mals die Gefahr, dass Woid­ke die Gefüh­le der Durch­fah­ren­den wie­der mit sei­ner Käl­te ver­letzt.

Um der man­geln­den Begeis­te­rung unter den Bran­den­bur­gern bei­zu­kom­men, die Woid­ke offen­bar ver­kör­pert, hat die US-Armee bereits eine eige­ne Charme-Offen­si­ve in Ost­deutsch­land ange­kün­digt. Oberst Kath­le­en T. Tur­ner, Spre­che­rin der U.S. Army in Euro­pa, spricht von geplan­ten Kon­zer­ten von Mili­tär­bands sowie Besu­chen in Städ­ten und Gemein­den — um Vor­ur­tei­le und Ängs­te abzu­bau­en. Die Holtz­brinck-Pres­se pflich­tet den Ame­ri­ka­nern bei und berich­tet mit erkenn­ba­rem Neid, wie begeis­tert Polen und Bal­ten ame­ri­ka­ni­schem Mili­tär in ihren Gemein­den zuju­beln : 

Wäh­rend die US-ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen in Polen auf den Markt­plät­zen gera­de­zu beju­belt wer­den, Kin­der sich mit Sol­da­ten foto­gra­fie­ren las­sen und auf die Hum­vee-Gelän­de­wa­gen stei­gen dür­fen, herrscht in Ost­deutsch­land Skep­sis”, schreibt der Tages­spie­gel.

Woidke
Minis­ter­prä­si­dent von Bran­den­burg Diet­mar Woid­ke

Um die glei­che Begeis­te­rung im angeb­lich “anti­ame­ri­ka­ni­schen” Osten Deutsch­lands zu errei­chen, grei­fen Der Tages­spie­gel und PNN sogar zu einer offe­nen Geschichts­fäl­schung : Sie erin­nern die Bran­den­bur­ger dar­an, dass es die Ame­ri­ka­ner gewe­sen wären, die Bran­den­burg “unter hohem Blut­zoll” von Hit­ler befreit hät­ten. 

Mehr zum The­ma - War­um die “rus­si­sche Aggres­si­on im Bal­ti­kum” ein Hirn­ge­spinst ist

Brandenburg von den Amerikanern befreit”

Ob in die­sem Zusam­men­hang das Schul­sys­tem ver­sagt hat, das das Lei­den und die Rol­le der Sowjet­uni­on in der Befrei­ung Euro­pas zuguns­ten der Ame­ri­ka­ner und Bri­ten aus­blen­det, oder ob es eine bewuss­te Fal­si­fi­ka­ti­on war, sei dahin­ge­stellt. Fakt ist, dass die 186.000 US-ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten, die bei den Kämp­fen in Euro­pa ihr Leben gelas­sen hat­ten, auf der “Opfer­waa­ge” der deut­schen Jour­na­lis­ten offen­bar schwe­rer wie­gen als die 12 Mil­lio­nen toten Sowjet­sol­da­ten, die auch Bran­den­burg in erbit­ter­ten Kämp­fen befreit hat­ten.

Der Tages­spie­gel betrach­tet die Sowjet­ar­mee viel­mehr als bösen Besat­zer, als das Blatt dar­auf hin­weist, dass deren Trup­pen in Ost­deutsch­land “bis auf die Zäh­ne” bewaff­net gewe­sen wären. Ganz als ob zu Zei­ten des Kal­ten Krie­ges, den die USA und Groß­bri­tan­ni­en mit dem Bom­ben­ab­wurf über Hiro­shi­ma und der Ful­ton-Rede von Chur­chill maß­geb­lich ins Rol­len gebracht hat­ten, die West­mäch­te kei­ne Waf­fen in Deutsch­land depo­niert hät­ten.

Die Mär vom “russischen Eroberungsdrang”

Nichts außer Res­sen­ti­ment bleibt auch für das heu­ti­ge Russ­land übrig. Im Arti­kel wird in ganz all­täg­li­chem Ton dar­über spe­ku­liert, was pas­sie­ren wür­de, fin­ge Russ­land einen Krieg an und sto­ße mit sei­ner Armee nach Wes­ten vor : 

Mili­tä­risch wären die US-Sol­da­ten in Ost­eu­ro­pa bei einem rus­si­schen Angriff wohl nicht mehr als ein Stol­per­draht. 

War­um Russ­land dies tun soll­te, erklärt das Blatt am Anfang des Arti­kels, näm­lich weil es die Krim besetzt habe und Krieg im Osten der Ukrai­ne füh­re — bei­des rein pro­pa­gan­dis­ti­sche Behaup­tun­gen, die von der west­li­chen Poli­tik als rhe­to­ri­sche Nebel­ker­ze benutzt wer­den, um den eige­nen Expan­sio­nis­mus in Rich­tung Osten zu recht­fer­ti­gen. Auch das blo­ße Hin­ter­fra­gen, ob die US-Ame­ri­ka­ner viel­leicht doch nicht aus selbst­lo­ser Nächs­ten­lie­be auf einem frem­den Kon­ti­nent regel­mä­ßig tau­sen­de Sol­da­ten und schwe­res Mili­tär­ge­rät über die Lan­de schi­cken, bleibt im Arti­kel aus. Ganz offen­bar gehört es nicht zum Sinn und Zweck der Holtz­brinck-Pres­se, sol­che Fra­gen zu stel­len. Mit einem PR-Auf­trag für die US-Armee sind die bei­den ost­deut­schen Medi­en im Gegen­teil offen­bar ganz gut zufrie­den. 

RT Deutsch


Kommentar verfassen