Union und SPD entscheiden sich für Rückkehr zur Meisterpflicht im Handwerk


Flie­sen- und Par­kett­le­ger, Roll­la­den­tech­ni­ker oder Orgel­bau­er – für mehr Qua­li­tät soll in die­sen Beru­fen künf­tig wie­der die Meis­ter­pflicht gel­ten. Dar­auf einig­te sich die schwarz-rote Koali­ti­on. Uni­ons-Frak­ti­ons­vi­ze Cars­ten Lin­de­mann und SPD-Frak­ti­ons­vi­ze Sören Bar­tol teil­ten am Mon­tag in Ber­lin mit : 

Unser Ziel ist, mehr Qua­li­tät für die Kund­schaft und mehr Nach­wuchs im Hand­werk durch eine bes­se­re Aus­bil­dung.

Auch Hand­werks­prä­si­dent Hans Peter Wolls­ei­fer sprach von einem “star­ken Signal” für Qua­li­tät und Qua­li­fi­ka­ti­on im Hand­werk.

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Beru­fen die Meis­ter­pflicht weg­ge­fal­len. Mit der Reform der Hand­werks­ord­nung woll­te die Bun­des­re­gie­rung damals ein­fa­che­re Tätig­kei­ten für Selbst­stän­di­ge öff­nen. Bis dahin durf­ten die­se Betrie­be nur von aus­ge­bil­de­ten Hand­werks­meis­tern geführt wer­den. Der Zen­tral­ver­band des Hand­werks dringt seit Lan­gem auf eine Rück­kehr zur Meis­ter­pflicht in vie­len Beru­fen.

Wolls­ei­fer hat­te wie­der­holt vor Markt­ver­zer­run­gen gewarnt. Im Hand­werk gebe es eine zuneh­mend Zahl von Solo-Selbst­stän­di­gen, dies füh­re zu mas­si­ven Pro­ble­men etwa bei der Qua­li­tät. Seit 2004 sei es in eini­gen Gewer­ken zu “Fehl­ent­wick­lun­gen” gekom­men, sag­te der Prä­si­dent des Zen­tral­ver­bands des Deut­schen Hand­werks am Mon­tag :

Weni­ger Aus­zu­bil­den­de, weni­ger Fach­kräf­te, weni­ger Qua­li­tät, schnel­ler vom Markt ver­schwin­den­de Betrie­be und infol­ge des­sen ein gerin­ge­rer Gewähr­leis­tungs- und Ver­brau­cher­schutz.

Lin­ne­mann und Bar­tol erklär­ten, der Meis­ter­brief im deut­schen Hand­werk sei die “bes­te Garan­tie für Qua­li­täts­ar­beit, Ver­brau­cher­schutz, Leis­tungs­fä­hig­keit und Inno­va­ti­ons­kraft”. Sie wol­len einer Koali­ti­ons­ar­beits­grup­pe vor­schla­gen, für die zwölf Gewer­ke die Meis­ter­pflicht wie­der ein­zu­füh­ren.

Kon­kret soll dies gel­ten für : Fliesen‑, Plat­ten- und Mosa­ik­le­ger, Beton­stein- und Ter­razz­o­her­stel­ler, Est­ri­ch­le­ger, Behäl­ter- und Appa­ra­te­bau­er sowie Par­kett­le­ger. Außer­dem für Roll­la­den- und Son­nen­schutz­tech­ni­ker, Drechs­ler und Holz­spiel­zeug­ma­cher, Bött­cher, Glas­ver­ed­ler, Schil­der- und Licht­re­kla­me­her­stel­ler, Raum­aus­stat­ter sowie Orgel- und Har­mo­ni­um­bau­er.

Bestehen­de Betrie­be, die der­zeit nicht der Meis­ter­pflicht unter­lie­gen, dür­fen auch wei­ter­hin ihr Hand­werk selbst­stän­dig aus­üben und sol­len einen Bestands­schutz erhal­ten.

Ent­schei­dend für die Ein­füh­rung der Meis­ter­pflicht ist laut Lin­ne­mann und Bar­tol, ob es sich um Hand­wer­ke hand­le, deren unsach­ge­mä­ße Aus­übung eine “Gefahr für Leben und Gesund­heit” bedeu­te. Außer­dem soll­ten sol­che Hand­wer­ke berück­sich­tigt wer­den, die als imma­te­ri­el­les Kul­tur­gut anzu­se­hen sei­en — wie etwa Orgel­bau­er.

Die geplan­te Wie­der­ein­füh­rung der Meis­ter­pflicht soll fünf Jah­re nach der Neu­re­ge­lung über­prüft wer­den. Die Ände­rung der Hand­werks­ord­nung soll Anfang 2020 in Kraft tre­ten. Vor­ga­ben des deut­schen Ver­fas­sungs­rechts und des Euro­pa­rechts sol­len ein­ge­hal­ten wer­den.

Lin­ne­mann bezeich­ne­te die Abschaf­fung der Meis­ter­pflicht für vie­le Berufs­grup­pen als Feh­ler. Sowohl Qua­li­tät als auch Aus­bil­dungs­leis­tung hät­ten stark gelit­ten. “Es ist des­halb ein gro­ßer Erfolg, dass wir die­sen Feh­ler jetzt kor­ri­gie­ren”, sag­te der Chef der Uni­ons-Mit­tel­stands­ver­ei­ni­gung.

Es gibt aber auch Kri­tik an der Wie­der­ein­füh­rung der Meis­ter­pflicht. Die Mit­tel­stands­be­auf­trag­te der Grü­nen, Clau­dia Mül­ler, sag­te, dies wer­de nicht auto­ma­tisch dazu füh­ren, dass die Eng­päs­se im Hand­werk beho­ben wer­den. Es brau­che ein Bün­del an Maß­nah­men, um den Man­gel an Fach­kräf­ten und Aus­zu­bil­den­den zu lin­dern und das Hand­werk bei Digi­ta­li­sie­rung und Kli­ma­schutz zu unter­stüt­zen.

DGB-Vor­stands­mit­glied Ste­fan Kör­zell kri­ti­sier­te, dass die Gebäu­de­rei­ni­ger in der Lis­te der in Zukunft wie­der meis­ter­pflich­ti­gen Beru­fe fehl­ten. Für den Fach­kräf­te­nach­wuchs wären außer­dem wei­te­re Ver­dienst­mög­lich­kei­ten und Arbeits­be­din­gun­gen aus­schlag­ge­ben­de Fak­to­ren.

Die Mono­pol­kom­mis­si­on – ein Bera­ter­gre­mi­um der Bun­des­re­gie­rung – hat­te sich für eine Rück­kehr zur Meis­ter­pflicht in vie­len Beru­fen aus­ge­spro­chen. Eine Aus­wei­tung des “Meis­ter­zwangs” dürf­te zu einem deut­li­chen Rück­gang der Betriebs­grün­dun­gen in zulas­sungs­frei­en Gewer­ken füh­ren, hieß es in einem zu Jah­res­an­fang vor­ge­leg­ten neu­en Bericht.

Der Weg­fall der Pflicht habe zu einem “Grün­dungs­boom” geführt. Die Kun­den pro­fi­tier­ten “von einer stär­ke­ren qua­li­ta­ti­ven Dif­fe­ren­zie­rung” hand­werk­li­cher Leis­tun­gen. Das bedeu­tet laut der Mono­pol­kom­mis­si­on, sie kön­nen selbst ent­schei­den, für wel­che Arbeit sie einen teu­re­ren Meis­ter­be­trieb enga­gie­ren und einen güns­ti­ge­ren Anbie­ter.

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(rt deutsch/dpa) 

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