AfD-“Spion”, NATO-Jahrestag, Mieter-Protest : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


von Tho­mas Schwarz

Zur von Spie­gel, ZDF und BBC in den ver­gan­ge­nen Tagen “auf­ge­deck­ten” rus­si­schen “Ein­fluss­nah­me” auf die Bun­des­po­li­tik, die “wei­ter als bis­her bekannt” gehe, lässt sich aktu­ell nur eines mit Sicher­heit sagen : Nichts Genau­es weiß man nicht. Der media­le Umgang mit dem unge­klär­ten Vor­gang lässt sich aber bereits poli­tisch-mora­lisch ein­ord­nen, wie das etwa Jens Ber­ger auf den Nach­Denk­Sei­ten tut :

Spie­gel, ZDF, BBC und Co. berich­ten auf Basis von Doku­men­ten, die von einem Think­tank stam­men, das von Cho­dor­kow­ski finan­ziert wird. Inter­es­sant ist dabei vor allem : Die­se Doku­men­te sind mehr als 10.000 Mails von einem rus­si­schen Diplo­ma­ten und mehr als 4.000 Mails aus der rus­si­schen Prä­si­di­al­ver­wal­tung. Spie­gel und Co. bezeich­nen die­se Mails als “gele­akt” … was nichts ande­res heißt, als dass sie gehackt wur­den. Schon “erstaun­lich”, das genau die Medi­en, die Zeter und Mor­dio schrien, als “rus­si­sche Hacker” den Medi­en gehack­te Doku­men­te der US-Demo­kra­ten zuspiel­ten, nun selbst Doku­men­te ver­wer­ten, die wohl von “bri­ti­schen Hackern” stam­men, die ziem­lich sicher nicht all­zu weit ent­fernt vom GCHQ sit­zen. Ein Pracht­bei­spiel für dop­pel­te Stan­dards.

Rus­sia­ga­te : Mög­li­che Irrele­vanz hält Medi­en nicht von Kam­pa­gnen ab

Die­se Ana­ly­se ist einer­seits tref­fend – sie setzt aber ande­rer­seits eine Rele­vanz und Authen­ti­zi­tät der betref­fen­den Doku­men­te vor­aus. Das könn­te vor­schnell sein. Denn die­se Eigen­schaf­ten der Kam­pa­gne und der Doku­men­te sind noch nicht ange­mes­sen gesi­chert. Dass sol­che Unwäg­bar­kei­ten für vie­le Redak­teu­re beim The­ma “rus­si­sche Ein­mi­schung” aber kein Grund sind, Vor­sicht wal­ten zu las­sen, das macht ein ande­rer jün­ge­rer Arti­kel von Jens Ber­ger deut­lich, in dem er die mona­te­lan­ge Kam­pa­gne zum “Muel­ler-Bericht” und zur rus­si­schen “US-Ein­mi­schung” als das bezeich­net, was sie ist : “Muel­ler – der Super-GAU für die Glaub­wür­dig­keit der Main­stream­me­di­en”.

Es ist momen­tan nicht aus­zu­schlie­ßen, dass sich auch die Cau­sa um den AfD-Poli­ti­ker Mar­kus Frohn­mai­er zu einem sol­chen “Super-GAU” für Spie­gel und ZDF ent­wi­ckeln wird. Wohl auch wegen der lau­ern­den Gefahr, durch ein for­sches Auf­sprin­gen auf die noch unkla­re Geschich­te wei­ter an Glaub­wür­dig­keit zu ver­lie­ren, war das Pres­se-Echo auf die­se “Sen­sa­ti­on” zwar infam und unse­ri­ös – ins­ge­samt aber weni­ger hys­te­risch, als man hät­te erwar­ten kön­nen.

Mie­ten und Moral : Es darf (kurz) über Ver­staat­li­chung gere­det wer­den

Es gibt momen­tan kaum ein innen­po­li­ti­sches The­ma, das die Defi­zi­te des “frei­en Mark­tes” bru­ta­ler offen­legt als die Woh­nungs­de­bat­te. Das Ver­sa­gen jenes Mark­tes ist beim Mie­ten-Kom­plex so deut­lich, dass für einen kur­zen Moment sogar die Ver­staat­li­chung von Woh­nungs­kon­zer­nen (schein­bar) ernst­haft dis­ku­tiert wer­den darf.

Inwie­fern die­se auf­se­hen­er­re­gen­de Sozia­li­sie­rungs-Debat­te rea­le Aus­wir­kun­gen haben wird – und nicht etwa rei­ne Ablen­kung vom “lin­ken” Ver­sa­gen in der Ber­li­ner Woh­nungs­po­li­tik blei­ben wird –, das bleibt abzu­war­ten. Um Ent­täu­schun­gen vor­zu­beu­gen, täten die Bür­ger aber gut dar­an, zunächst nicht mit einer bal­di­gen Ver­staat­li­chung gro­ßer Unter­neh­men in Deutsch­land zu rech­nen.

Ver­staat­li­chung : Recht­li­che Ein­deu­tig­keit wird ver­un­klart

Von die­ser Skep­sis gegen­über der rea­len Wir­kung der Sozia­li­sie­rungs-Debat­te abge­se­hen, waren die gro­ßen Mie­ter-Demos am Sams­tag ein wich­ti­ges Zei­chen des Unmuts in einer zumin­dest mora­lisch kla­ren Ange­le­gen­heit. Und sogar auf juris­ti­scher Ebe­ne scheint die Sache mit der Ver­staat­li­chung ziem­lich ein­deu­tig, denn Arti­kel 15 des Grund­ge­set­zes sagt :

Grund und Boden, Natur­schät­ze und Pro­duk­ti­ons­mit­tel kön­nen zum Zwe­cke der Ver­ge­sell­schaf­tung durch ein Gesetz, das Art und Aus­maß der Ent­schä­di­gung regelt, in Gemein­ei­gen­tum oder in ande­re For­men der Gemein­wirt­schaft über­führt wer­den …

Zudem gilt der Grund­satz, dass Bun­des­recht Lan­des­recht bricht – also selbst einer Ver­staat­li­chung ent­ge­gen­ste­hen­de Pas­sa­gen der Ber­li­ner Lan­des-Rechts­spre­chung wür­den dem Arti­kel des Grund­ge­set­zes unter­lie­gen. Wie der Jurist Hel­ge Sodan ver­sucht, die­se Klar­heit doch noch zu ver­ne­beln, das kann man im Deutsch­land­funk nach­voll­zie­hen. Man muss aber auch erwäh­nen, dass Mar­tin Zagat­ta dort die rich­ti­gen Fra­gen stellt und nach­hakt.

Kei­ne Ände­rung – trotz Ver­staat­li­chung ?

Da der Deutsch­land­funk in sei­nen Arti­keln sowohl posi­ti­ve als auch nega­ti­ve Bei­spie­le der Mie­ten-Bericht­erstat­tung lie­fert, soll der Blick auf das The­ma in die­ser Kolum­ne auf die Bei­trä­ge des Sen­ders beschränkt wer­den. In einem ande­ren Bei­trag lenkt etwa Ulrich Ropertz vom Mie­ter­bund den Blick auf finan­zi­el­le Unwäg­bar­kei­ten einer Ver­staat­li­chung : “Zu wel­chem Preis wür­de die Ver­ge­sell­schaf­tung denn dann tat­säch­lich umge­setzt wer­den, das heißt, wie viel muss an die Unter­neh­men bezahlt wer­den, wenn man sie ver­ge­sell­schaf­tet?” Ropertz dämpft auch die Erwar­tun­gen auf rea­le Ver­bes­se­run­gen für die Mie­ten, selbst für den unwahr­schein­li­chen Fall einer tat­säch­li­chen Ver­staat­li­chung : “Das ist noch ein rela­tiv wei­ter Weg, also von jetzt auf gleich ändert sich zunächst ein­mal nichts.”

Eines der wie­der­keh­ren­den “Argu­men­te” gegen eine Ver­staat­li­chung von Woh­nungs­kon­zer­nen ist die Aus­sa­ge, durch die Sozia­li­sa­ti­on wür­de “kei­ne ein­zi­ge neue Woh­nung geschaf­fen.” Es ist dem Deutsch­land­funk wie­der­um anzu­rech­nen, dass er die­sem Man­tra die gut begrün­de­te Posi­ti­on von Micha­el Prütz ent­ge­gen­stellt, der einer der Initia­to­ren des Volks­be­geh­rens zur Ver­staat­li­chung ist :

Wir haben das auch nie behaup­tet, dass neue Woh­nun­gen dadurch ent­ste­hen, aber wir sagen, durch die Ent­eig­nung wer­den 400.000 bis 500.000 Mie­te­rin­nen und Mie­ter in der Stadt geschützt, gewin­nen Pla­nungs- und Lebens­si­cher­heit, und infol­ge die­ser Ent­eig­nung wer­den sich auch klei­ne­re Ver­mie­ter mehr an die ver­nünf­ti­gen Regeln hal­ten, die wir alle wol­len.

Zurück­hal­ten­de Medi­en : Bür­ger­wut zu Mie­ten soll kana­li­siert wer­den

Ins­ge­samt kann man zumin­dest Tei­len des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks eine gewis­se Aus­ge­wo­gen­heit beim Mie­ten-The­ma beschei­ni­gen. So schloss auch Claus Kle­ber im heu­te-jour­nal vom Sams­tag die Bericht­erstat­tung mit den Wor­ten : “Ein gro­ßes, ein wich­ti­ges The­ma.”

Das macht jedoch auch skep­tisch. Denn die­se (zum Teil) über­ra­schend mie­ter- und bür­ger­freund­li­che Bericht­erstat­tung ist mut­maß­lich auch der Ein­gangs beschrie­be­nen mora­li­schen Ein­deu­tig­keit des The­mas geschul­det : Es gibt hier ein­fach momen­tan wenig Spiel­raum für ver­zer­ren­de Pro­pa­gan­da. Zudem soll mut­maß­lich die gerech­te Bür­ger­wut kana­li­siert wer­den, die Men­schen sol­len sich nicht noch zusätz­lich an einer unver­schäm­ten Bericht­erstat­tung rei­ben.

Claus Kle­bers Krieg gegen Russ­land

Noch­mals kurz zurück zu Claus Kle­ber : Sei­nen unfass­ba­ren Auf­tritt, als er am Don­ners­tag mit einem fik­ti­ven Krieg gegen Russ­land NATO-Sym­pa­thi­en wecken woll­te, hat RT hier schon kom­men­tiert :

Guten Abend, zu Was­ser und zu Luft sind heu­te Nacht ame­ri­ka­ni­sche, deut­sche und ande­re euro­päi­sche Ver­bün­de­te unter­wegs nach Est­land, um die rus­si­schen Ver­bän­de zurück­zu­schla­gen, die sich dort wie vor eini­gen Jah­ren auf der Krim fest­ge­setzt haben.

Die­ser Total­aus­fall von Kle­ber und der gesam­ten Redak­ti­on lei­tet über zum letz­ten The­ma die­ser Woche – dem NATO-Jah­res­tag.

NATO-Jah­res­tag : Geschichts­klit­te­rung und schlech­te Stim­mung

An der Bericht­erstat­tung zum 70. Jah­res­tag der NATO sind in die­ser Woche vor allem zwei Aspek­te auf­ge­fal­len. Zum einen die erwar­tungs­ge­mä­ße Geschichts­klit­te­rung im Zusam­men­hang mit den beim “Jubi­lä­um” unver­meid­li­chen his­to­ri­schen Rück­schau­en. Zum ande­ren eine leich­te Ein­trü­bung des sonst auf­rei­zend tri­um­pha­len Tenors in der Mei­nungs­ma­che zur NATO.

Der letz­te­re Punkt speist sich aus einer tie­fen Ver­un­si­che­rung auf trans­at­lan­ti­scher Sei­te, was die Zukunft der NATO angeht. Die Süd­deut­sche Zei­tung etwa schreibt zur Fra­ge, “wofür steht der Klub, und wer trägt wel­che Last?”, stell­ver­tre­tend für vie­le Medi­en :

Der Streit ist so furi­os, dass die Jubi­lä­ums­fei­er ohne die Staats- und Regie­rungs­chefs der Mit­glie­der abge­hal­ten wird. Bes­ser man lässt sie jetzt nicht auf­ein­an­der los, sie müss­ten die Fra­ge sonst beant­wor­ten. Mis­si­on creep nennt man den Zustand beim Mili­tär, die schlei­chen­de Zer­set­zung von Moral und Auf­trag ; sie ist der Anfang vom Ende.

Alte Ver­bre­chen sol­len hin­ter “neu­en Bedro­hun­gen” ver­schwin­den

Zum zwei­ten Aspekt fiel auf, dass detail­lier­te Rück­bli­cke auf die NATO-His­to­rie, die sich höchst kri­tisch hät­ten gestal­ten müs­sen, mög­lichst ver­mie­den wer­den soll­ten. Anstatt also gründ­li­che Ana­ly­sen der zahl­rei­chen NATO-Ver­ge­hen gegen das Völ­ker­recht anzu­stel­len, sol­le der Blick auf die “neu­en Bedro­hun­gen” gerich­tet wer­den, wie das etwa der Spie­gel prak­ti­ziert :

Im Süden wer­den Migra­ti­on und Ter­ro­ris­mus mitt­ler­wei­le als die eigent­li­che Bedro­hung gese­hen. Im Osten blickt man sor­gen­voll auf ein Russ­land, das 2014 die Krim annek­tiert und den INF-Ver­trag über das Ver­bot ato­mar bestück­ter Mit­tel­stre­cken­waf­fen gebro­chen hat. Mit Chi­na ist zudem eine neue ernst zu neh­men­de Mili­tär­macht erwach­sen, die ihren eige­nen sicher­heits­po­li­ti­schen Inter­es­sen etwa im Süd­chi­ne­si­schen Meer bis­lang meist unge­hin­dert nach­geht.

Wenn der Blick den­noch in die Ver­gan­gen­heit gerich­tet wur­de, so in einer höchst ver­kür­zen­den Wei­se, wie es wie­der­um die Süd­deut­sche Zei­tung (SZ) exem­pla­risch umsetz­te :

Die NATO war das aus­füh­ren­de Instru­ment die­ser Sicher­heits­ar­chi­tek­tur, durch die ein Gebäu­de aus gemein­sa­men Wer­ten und Inter­es­sen ent­stand. Wer sich unter dem Schirm der NATO ver­sam­mel­te, bekann­te sich in der Regel zu einer libe­ra­len Wer­te­ord­nung und zur Demo­kra­tie.

Dass sich unter den NATO-Mit­glie­dern einst auch Mili­tär­re­gie­run­gen befan­den, war laut SZ zweit­ran­gig ange­sichts der Not­wen­dig­keit, der Sowjet­uni­on Paro­li zu bie­ten. Die Zei­tung gerät ver­zer­rend ins Schwär­men : So habe “die demo­kra­ti­sie­ren­de Kraft der Alli­anz frü­her oder spä­ter” auch in die­sen Dik­ta­tu­ren “gewirkt”.

Ein­krei­sung Russ­lands oder “Unter­stüt­zung” jun­ger Demo­kra­ti­en ?

Ganz im Sin­ne die­ser mut­maß­li­chen Geschichts­klit­te­rung betä­tigt sich auch der Spie­gel, indem die NATO-Aus­brei­tung nach Osten als “Unter­stüt­zung” jun­ger Demo­kra­ti­en bezeich­net wird :

Die nach Demo­kra­tie stre­ben­den ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten wur­den unter­stützt, indem man für sie NATO-Part­ner­pro­gram­me auf­leg­te. Die­se Zusam­men­ar­beit mün­de­te schließ­lich 1999 in der Auf­nah­me von Polen, Tsche­chi­en und Ungarn in das Bünd­nis, 2004 folg­ten Rumä­ni­en, Bul­ga­ri­en, die Slo­wa­kei, Slo­we­ni­en, Lett­land, Est­land und Litau­en, 2009 Kroa­ti­en und Alba­ni­en, 2017 Mon­te­ne­gro.

Der völ­ker­rechts­wid­ri­ge Angriffs­krieg gegen Jugo­sla­wi­en wird vom Maga­zin dage­gen in zwei Sät­zen abge­fer­tigt :

Mili­tä­risch griff die NATO in Kon­flik­te um das zer­fal­le­ne Jugo­sla­wi­en ein. So unter­stütz­te sie in Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na die Ver­ein­ten Natio­nen mit Luft­ein­sät­zen und führ­te 1999 den Koso­vo­krieg gegen die dama­li­ge Bun­des­re­pu­blik Jugo­sla­wi­en.

Medi­en zur NATO : Roman­ti­sie­rung der Geschich­te, Ver­zer­rung der Gegen­wart

Die­se Ver­kür­zung und Roman­ti­sie­rung der NATO-Geschich­te setzt sich indi­rekt in der Beur­tei­lung der Gegen­wart fort. Die Behaup­tung, alle Welt wol­le Deutsch­land end­lich mili­tä­risch “groß sehen”, wird wei­ter ver­brei­tet : “Heu­te ist es zu einem der vor­dring­lichs­ten Anlie­gen der NATO gewor­den, die Deut­schen groß zu machen. Sie sol­len, so sehen es die Alli­ier­ten, end­lich damit auf­hö­ren, sich selbst klein­zu­hal­ten und dafür jene mili­tä­ri­schen Fähig­kei­ten ent­wi­ckeln, die Deutsch­lands poli­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung ent­spre­chen.”

Da möch­te auch die Bild-Zei­tung nicht nach­ste­hen, die behaup­tet : “Doch neben der zwei­fel­haf­ten Rol­le der Tür­kei ver­dirbt vor allem ein The­ma die gute Stim­mung bei den Fei­er­lich­kei­ten : Deutsch­land.”

Medi­en lie­fern Schüt­zen­hil­fe für Sank­ti­ons­po­li­tik

Es wäre die Auf­ga­be des deut­schen Außen­mi­nis­ters Hei­ko Maas (SPD), die­ser Stim­mungs­ma­che ent­ge­gen­zu­tre­ten. Doch der refe­riert laut Bild brav, dass Deutsch­land etwa eine maß­geb­li­che Rol­le bei der Trup­pen­ver­le­gung der NATO in die öst­li­chen Mit­glied­staa­ten spie­le und in Ulm eine neue NATO-Kom­man­do­zen­tra­le auf­baue. Sol­chen Äuße­run­gen aus der Poli­tik wird in den Medi­en vor­ge­baut – etwa durch einen Kom­men­tar der Tages­schau, der die ange­spro­che­ne “Trup­pen­ver­le­gung in die öst­li­chen Mit­glied­staa­ten” mit den bekann­ten Res­sen­ti­ments gegen Russ­land recht­fer­ti­gen möch­te.

Die­ser Schüt­zen­hil­fe für Sank­ti­ons­po­li­tik haben sich in die­ser Woche auch klei­ne­re Medi­en ange­schlos­sen. So schlägt die Stutt­gar­ter Zei­tung Russ­land wegen der “Anne­xi­on” der Krim die vol­le Ver­ant­wor­tung für das Abküh­len der Diplo­ma­tie zu. Scham­los wer­den diver­se Kon­flik­te ver­zerrt dar­ge­stellt : “In Geor­gi­en wie auch in der Ukrai­ne sorgt der Kreml für eine kon­trol­lier­te Desta­bi­li­sie­rung.” Wenig Hoff­nung muss man sich auch auf distan­zier­te Berich­te zur NATO im Reut­lin­ger Gene­ral­an­zei­ger machen. Denn der ent­deckt in der NATO-His­to­rie “eine außer­ge­wöhn­li­che Erfolgs­ge­schich­te. Das stärks­te Mili­tär­bünd­nis steht allen Unken­ru­fen zum Trotz bes­ser da, als vie­le anneh­men mögen. Es stellt sich den neu­en Her­aus­for­de­run­gen im Osten. (…) Die NATO hat allen Grund, 70 Jah­re Schutz und Frie­den in den Mit­glied­staa­ten zu fei­ern.”

Es war nicht alles schlecht

Hat man sich durch die hier zitier­ten Bei­trä­ge gekämpft, so tut es gut, sich mit einer Dosis Rea­li­tät wie­der zu grun­die­ren. Das macht zum Bei­spiel die­se hier prä­sen­tier­te Gra­fik zu den NATO-Ver­bre­chen gegen das Völ­ker­recht mög­lich. Es reicht die­ser Tage auch ein Blick ins von der NATO zer­rüt­te­te Liby­en, um all die Pro­pa­gan­da-Phra­sen des Angriffs-Bünd­nis­ses augen­blick­lich plat­zen zu las­sen.

Da ange­mes­se­ne Betrach­tun­gen zur NATO in den gro­ßen Medi­en nicht auf­zu­fin­den sind, sei hier auf eini­ge kri­ti­sche Arti­kel zum Bünd­nis ver­wie­sen. So beschreibt Wolf­gang Bitt­ner auf den Nach­Denk­Sei­ten, dass “sich das Nord­at­lan­ti­sche Ver­tei­di­gungs­bünd­nis mehr und mehr zu einem aggres­si­ven Angriffs­bünd­nis ent­wi­ckelt hat, das – unter Miss­ach­tung ihrer Sta­tu­ten – von den USA für ihre Impe­ri­al­po­li­tik benutzt und miss­braucht wird.”

Trotz Pro­pa­gan­da : NATO ver­liert Zuspruch

Und Her­mann Ploppa rückt auf Tele­po­lis den Cha­rak­ter der Fei­er­lich­kei­ten und der beglei­ten­den Bericht­erstat­tung ins rech­te Licht :

Dass den­noch die Geburts­tags­par­ty eher im engs­ten Fami­li­en­kreis der Außen­mi­nis­ter der 29 NATO-Län­der statt­fin­det, liegt am nicht anwe­sen­den Ehren­gast. US-Prä­si­dent Trump hat­te näm­lich der NATO beschei­nigt, sie sei obso­let, also auf Deutsch : ver­al­tet. (…) Trotz­dem wird die Rei­he der Trou­ba­dou­re, die dem ange­jahr­ten Burg­fräu­lein ihre Min­ne­lie­der sin­gen, nicht so schnell abrei­ßen. Der Refrain die­ser NATO-Lob­ge­sän­ge besteht dabei aus immer den­sel­ben Nar­ra­ti­ven, also aus zusam­men­hän­gen­den Erzäh­lun­gen.

Es liegt wohl auch an Bei­trä­gen wie jenen von Bitt­ner und Ploppa, dass sich der Ruf der NATO trotz media­ler Schüt­zen­hil­fe rapi­der ver­schlech­tert. So sagt das Ergeb­nis einer aktu­el­len Umfra­ge zur NATO von You­Gov, dass 2019 nur 54 Pro­zent der Deut­schen eine Mit­glied­schaft der Bun­des­re­pu­blik im Ver­tei­di­gungs­bünd­nis befür­wor­ten wür­den. Zwei Jah­re zuvor sei­en es noch 68 Pro­zent gewe­sen.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln. 

RT Deutsch


Ukraine, Urheberrecht, Treuhand : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


von Tho­mas Schwarz


Über die rea­len wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Zustän­de in der Ukrai­ne wur­de nach dem Putsch 2014 ein Man­tel des Schwei­gens aus­ge­brei­tet. Eben jene Medi­en, die in den Mona­ten zuvor exzes­siv über angeb­li­che “Miss­wirt­schaft” und “Kor­rup­ti­on” durch die recht­mä­ßi­ge Regie­rung Janu­ko­witsch zu berich­ten wuss­ten, ver­stumm­ten nach dem Umsturz fast über Nacht. Das ist nach­voll­zieh­bar, denn der boden­lo­se wirt­schaft­li­che und mora­li­sche Absturz des Lan­des war bereits 2014 deut­lich abzu­se­hen, und er war von zahl­rei­chen Per­so­nen pro­gnos­ti­ziert wor­den. Wenn Medi­en heu­te ange­mes­sen über die­se Abgrün­de und deren Vor­be­din­gun­gen berich­ten woll­ten, so müss­ten sie ihre eige­ne Mit­ver­ant­wor­tung an dem Putsch the­ma­ti­sie­ren und min­des­tens schwe­re Irr­tü­mer, wenn nicht gar völ­ker­rechts­wid­ri­ges Han­deln, bei sich selbst ein­räu­men.

Ukrai­ne : Rea­li­tät in absur­dem Kon­trast zu west­li­chen Demo­kra­tie-Phra­sen

Also schwei­gen sie lie­ber – eben weil die heu­ti­ge ukrai­ni­sche Rea­li­tät in absur­dem Kon­trast zu den Demo­kra­tie-Phra­sen und ande­ren Ver­spre­chun­gen steht, die west­li­che Medi­en und Poli­ti­ker den Mai­dan-Demons­tran­ten gemacht hat­ten. Die­ses Schwei­gen lässt sich aber nicht per­ma­nent durch­hal­ten. Es gibt Ereig­nis­se, da rich­tet sich auto­ma­tisch das inter­na­tio­na­le Inter­es­se auf sonst medi­al begra­be­ne Län­der. Eine Prä­si­dent­schafts­wahl ist so ein Ereig­nis, und die stand an die­sem Sonn­tag in der Ukrai­ne an. Das Datum müss­te für deut­sche Medi­en­kon­zer­ne eigent­lich ein Grund zum Fei­ern sein, denn zu dem Anlass könn­ten sie den Kri­ti­kern des Mai­dan-Put­sches aufs Brot schmie­ren, wie vor­bild­lich sich die west­lich inthro­ni­sier­te “Demo­kra­tie” in der Ukrai­ne ent­wi­ckelt. Ange­sichts der ukrai­ni­schen Rea­li­tä­ten wird das Datum aber zu einem Tag der Schan­de für wei­te Tei­le des deut­schen Jour­na­lis­mus. 

Die zum Schei­tern ver­ur­teil­ten Ver­su­che zahl­rei­cher Medi­en, selbst im ukrai­ni­schen Cha­os noch “posi­ti­ve Ten­den­zen” oder “end­lich grei­fen­de Refor­men” zu ent­de­cken, sol­len hier igno­riert wer­den. Her­vor­ge­ho­ben wer­den soll aber ein beson­ders kläg­li­ches Stück Jour­na­lis­mus zum The­ma. So hat der Deutsch­land­funk den aus der Ukrai­ne berich­ten­den Chris­toph Brum­me zum “unglaub­li­chen Wahl­kampf” im Land befragt – und der Sen­der lässt dabei selbst unglaub­li­che Ant­wor­ten kri­tik­los ste­hen. 

Die “his­to­ri­schen Ver­diens­te” des Poro­schen­ko 

DLF : Sie ver­mu­ten, dass es dann auch wie­der zu Gewalt kom­men kann ?

Brum­me : Das ist schwer ein­zu­schät­zen. Vie­le sagen, wenn Selen­sky gewinnt, wäre das das Ende der Ukrai­ne. Er wür­de die Ukrai­ne preis­ge­ben, qua­si an Mos­kau ver­kau­fen. Vie­le sagen : Ich wer­de emi­grie­ren. Vie­le sagen : Ich wer­de kämp­fen, ich wer­de das Ergeb­nis nicht akzep­tie­ren. Es ist für vie­le Ukrai­ner eine sehr schwie­ri­ge Situa­ti­on.

DLF : Kom­men wir zum nächs­ten Kan­di­da­ten. Poro­schen­ko setzt sehr stark auf die Iden­ti­täts­kar­te. Sein Wahl­spruch : Armee, Spra­che, Glau­ben. Er zielt dar­auf ab, einen deut­li­chen Kampf gegen Russ­land zu füh­ren, für die ukrai­ni­sche Spra­che und die ukrai­ni­sche Ortho­do­xie. Trifft er damit den ande­ren Teil der Bevöl­ke­rung, der sich stark von Russ­land abgren­zen will ?

Brum­me : Also, es gibt nicht nur zwei Tei­le in der ukrai­ni­schen Gesell­schaft. Sie ist viel viel­fäl­ti­ger und viel wider­sprüch­li­cher. Poro­schen­ko ist der Kan­di­dat mit dem höchs­ten Anti-Rating. Etwa 50 Pro­zent der Ukrai­ner sagen, sie wür­den ihn auf kei­nen Fall wie­der wäh­len. Das ist ein wich­ti­ger Fakt. Ande­rer­seits ist Poro­schen­ko der ein­zi­ge Kan­di­dat, wo man sagen muss, wenn er gewinnt, steigt wie­der die Kriegs­ge­fahr, weil Russ­land genau weiß, dass mit Poro­schen­ko die Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit der Ukrai­ne erhal­ten blei­ben wird, dass Refor­men statt­fin­den wer­den.

Poro­schen­ko ist sicher­lich der bes­te Prä­si­dent, den die Ukrai­ne je hat­te. Er hat sich zwei­fel­los his­to­ri­sche Ver­diens­te erwor­ben. 

Auch Abstand zum Mai­dan-Rausch schafft kei­ne gedank­li­che Distanz 

Man kann fest­hal­ten : In einem wich­ti­gen deut­schen Medi­um wird unwi­der­spro­chen fest­ge­stellt, Poro­schen­ko habe sich Ver­diens­te erwor­ben und von ihm sei­en “Refor­men” zu erwar­ten. Der Deutsch­land­funk steht mit die­ser Auf­ga­be sei­ner jour­na­lis­ti­schen Ethik bei­lei­be nicht allein da. Die Hoff­nung, dass die gro­ßen deut­schen Medi­en mit zeit­li­cher Distanz zum Mai­dan-Rausch auch eine gedank­li­che Distanz zu den unrühm­li­chen Vor­gän­gen ent­wi­ckeln wür­den, kann also als ver­geb­lich bezeich­net wer­den.

Wie boden­los das Ver­trau­en der Ukrai­ner in ihre Regie­rung gesun­ken ist, liest man dar­um nicht in den deut­schen Main­stream­me­di­en, son­dern das zeigt eine Umfra­ge von Gal­lup . Dem­nach haben nur noch neun Pro­zent der Ukrai­ner Ver­trau­en in ihre Regie­rung. Das ist laut Gal­lup der nied­rigs­te Ver­trau­ens­wert welt­weit : 

91 Pro­zenz in der Ukrai­ne sagen, dass Kor­rup­ti­on in der Regie­rung weit ver­brei­tet ist. Im Vor­feld der Präsident­schafts­wah­len am 31. März gehen die Ukrai­ner mit weni­ger Ver­trau­en in ihre Regie­rung zur Wahl als alle ande­ren Wähler der Welt. Nur neun Pro­zent der Ein­woh­ner haben Ver­trau­en in die natio­na­le Regie­rung, das nied­rigs­te Ver­trau­ens­ni­veau der Welt im zwei­ten Jahr in Fol­ge. 

Ange­sichts die­ser Zah­len kann man die west­li­chen Redak­teu­re, Poli­ti­ker und Kon­zern­len­ker, die den Ukrai­nern 2014 die “ech­te” Demo­kra­tie geschenkt haben, wirk­lich nur beglück­wün­schen. Sie haben ein funk­tio­nie­ren­des Land in ein wirt­schaft­lich, poli­tisch und mora­lisch zer­rüt­te­tes Are­al ver­wan­delt, wo Wah­len inzwi­schen zur Far­ce gewor­den sind. Inso­fern passt auch die weit­ge­hend unter­blie­be­ne (rea­le) Bericht­erstat­tung zum Ereig­nis. Die aktu­el­le Prä­si­dent­schafts­wahl in der Ukrai­ne kann als fast schon irrele­vant für die wei­te­re gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung des Lan­des ange­se­hen wer­den. 

Pro­pa­gan­da­schlacht ums Urhe­ber­recht 

Eine wah­re Pro­pa­gan­da­schlacht lie­fer­ten sich in die­ser Woche die Ver­fech­ter und die Geg­ner der gera­de beschlos­se­nen Urhe­ber­rechts-Richt­li­nie der EU. Aus Pro­test gegen die Reform waren zuletzt zehn­tau­sen­de Men­schen auf die Stra­ße gegan­gen. Die Pole­mik, die den Demons­tran­ten von media­ler und poli­ti­scher Sei­te ent­ge­gen­schlug, war gna­den­los. So erin­ner­ten die Demons­tran­ten die Welt “bei­na­he an den Hurra­pa­trio­tis­mus jun­ger Kriegs­be­geis­ter­ter frü­he­rer Zei­ten.” Das wur­de noch über­trof­fen vom Vor­wurf des CDU-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Dani­el Cas­pa­ry, eini­ge Demons­tran­ten sei­en “gekauft”. Auch EU-Par­la­men­ta­ri­er Elmar Brok (CDU) beklag­te in Inter­views eine “mas­si­ve und von Algo­rith­men gesteu­er­te Kam­pa­gne der gro­ßen Inter­net­kon­zer­ne” gegen das Vor­ha­ben. Er habe in den ver­gan­ge­nen Tagen Tau­sen­de gleich­lau­ten­de Brie­fe und E-Mails erhal­ten, die sämt­li­che Post­fä­cher ver­stopf­ten. Das sei “kein nor­ma­ler demo­kra­ti­scher Pro­zess mehr.”

Neben einem Lob­by­is­mus der US-Inter­net-Kon­zer­ne gegen die Reform konn­te auch ein­mas­si­ver Kam­pa­gnen-Jour­na­lis­mus für die Reform ver­zeich­net wer­den, auf den etwa Ste­fan Nig­ge­mei­er im Deutsch­land­funk hin­ge­wie­sen­hat. Nig­ge­mei­er nann­te die Kam­pa­gne einen“intensiven Lob­by­is­mus in eige­ner Sache“durch die gro­ßen Ver­le­ger in Deutsch­land. Zu die­sem Lob­by­is­mus kann auchein Appell gezählt wer­den, mit dem sich Chef­re­dak­teu­re deut­scher Zei­tun­gen an ihre Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten gewandt haben. Und auch die Nach­rich­ten­agen­tur dpaschloss sich ganz offi­zi­ell einer Pro-Urhe­ber­rechts­re­form-Alli­anz zahl­rei­cher Agen­tu­ren an. 

Erpres­sung durch Medi­en­ver­la­ge ? 

Sol­che Din­ge hal­te ich schon für unge­wöhn­lich und letz­ten Endes auch schäd­lich für die Debat­te”, sag­te etwa Pira­tin Julia Reda über den Pro-Reform-Lob­by­is­mus vie­ler Medi­en. Sie erin­ner­te an die “gro­ße Verantwortung“der Medi­en. In ihrem Kampf für das geplan­te Leis­tungs­schutz­recht für Pres­se­ver­la­ge hät­ten Ver­la­ge und Nach­rich­ten­agen­tu­ren “die Tren­nung zwi­schen Lob­by­is­mus und Redak­ti­on auf­ge­ge­ben.” In einem Inter­view spricht sie von offe­ner Erpres­sung : “Ich weiß zum Bei­spiel von Kol­le­gen, dass ihnen teil­wei­se Zei­tun­gen und Ver­la­ge mit schlech­ter Bericht­erstat­tung dro­hen, wenn sie kei­ne bestimm­te Posi­ti­on ein­neh­men.” 

Dass die Fron­ten beim Urhe­ber­recht nicht ganz so ein­deu­tig fest­zu­le­gen sind, wie von bei­den Sei­ten sug­ge­riert wird, stel­len die Nach­Denk­Sei­ten fest : 

Die gera­de erleb­te Macht­de­mons­tra­ti­on der deut­schen Medi­en­kon­zer­ne hat noch­mals ver­deut­licht, wie wich­tig eine alter­na­ti­ve Medi­en­land­schaft im Inter­net ist. Alles, was das Inter­net als möglichst unbe­schränkte Infor­ma­ti­ons­quel­le bedroht, ist höchst skep­tisch zu betrach­ten. Nach die­ser Abwägung der Rechtsgüter muss auch die jetzt lei­der beschlos­se­ne Urhe­ber­rechts­re­form (in der jet­zi­gen Fas­sung) als destruk­tiv bezeich­net wer­den. … Dass die neue Inter­net-Öffent­lich­keit in der Hand von skru­pel­lo­sen Pri­vat­kon­zer­nen liegt, ist aller­dings eben­falls ein drängen­des Pro­blem. Zwar deckt sich im Moment das Geschäfts­in­ter­es­se der Inter­net-Kon­zer­ne teil­wei­se(!) mit denen einer zah­lungs­un­wil­li­gen ‘Netz­ge­mein­de’und eben auch mit den Nut­zern kri­ti­scher neu­er Medi­en. Die­se Sym­pa­thi­en soll­ten über den unhalt­ba­ren Zustand der pri­va­ten Machtfülle und der poten­zi­el­len pri­va­ten Mei­nungs­kon­trol­le durch Face­book, You­Tube und Co. aber nicht hin­wegtäuschen. 

Treu­hand und Schock­the­ra­pie nach 1989 : Die offe­ne Wun­de

Der wirt­schaft­li­che Kahl­schlag durch die Treu­hand­an­stalt nach 1989 in Ost­deutsch­land muss auf­ge­ar­bei­tet wer­den. Die dama­li­ge Schock­the­ra­pie, die mit einer arro­gan­ten und neo­li­be­ra­len Medi­en­kam­pa­gne ver­bun­den war, ist ein wich­ti­ger Grund für heu­ti­ge gesell­schaft­li­che Unru­hen. So lan­ge die­se Wun­de nicht geschlos­sen ist, so lan­ge kei­ne Ent­schul­di­gung an die Ost­deut­schen aus­ge­spro­chen wur­de, so lan­ge die dama­li­ge Wen­de-Poli­tik nicht glas­klar und offi­zi­ell als radi­ka­ler Irr­weg bezeich­net wird – so lan­ge braucht man sich auch über Erfol­ge der AfD nicht zu wun­dern.

In die­ser Woche wur­de jedoch schmerz­lich bewusst gemacht, wie weit die Poli­tik von die­sen über­fäl­li­gen Schrit­ten der Ver­söh­nung ent­fernt ist. Denn eine Ant­wort des (SPD-geführ­ten!) Finanz­mi­nis­te­ri­ums auf eine Anfra­ge der Links­par­tei zur Bewer­tung der Treu­hand und der von ihr aus­ge­lös­ten sozia­len Kata­stro­phen kann nur als kalt und ver­zer­rend bezeich­net wer­den.

Die skan­da­lö­se Weiß­wa­schung der Treu­hand 

So wird ech­te Kri­tik am Unwe­sen der Treu­hand ver­wei­gert. Statt­des­sen wird die dra­ma­ti­sche Umwäl­zung zum “gere­gel­ten Privatisierungsprozess“schöngeredet, mit dem “die Unter­neh­men mög­lichst schnell mit dem erfor­der­li­chen Kapi­tal und markt­wirt­schaft­li­chem Know-how aus­ge­stat­tet werden“sollten, “um ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit und somit ihren Fort­be­stand und den Erhalt bzw. die Schaf­fung neu­er Arbeits­plät­ze zu sichern.” Die Nach­Denk­Sei­ten bezeich­nen das als “fort­ge­setz­tes Ver­schan­zen hin­ter lan­ge als Pro­pa­gan­da über­führ­ten Flos­keln”, was von den Men­schen, denen die damals “gesicherten“Arbeitsplätze weg­ge­nom­men wur­den, “als wei­te­re Ohr­fei­ge emp­fun­den wer­den” muss.Auch der Rest der Ant­wort des Minis­te­ri­ums muss als skan­da­lös bezeich­net wer­den. 

Bei der Treu­hand ver­hält es sich ähn­lich wie beim The­ma Ukrai­ne. Da vie­le Medi­en als Mit­tä­ter bezeich­net wer­den müs­sen, sind die­se Medi­en nun nicht frei, um über die Miss­stän­de zu berich­ten, weil sie sich selbst belas­ten wür­den. Denn die Schock­the­ra­pie gegen Ost­deutsch­land nach 1989 wäre ohne die inten­si­ve Schüt­zen­hil­fe der deut­schen Medi­en­kon­zer­ne nicht mög­lich gewe­sen. Also wer­den die Treu­hand und die mit ihr ver­bun­de­nen mut­maß­li­chen Ver­bre­chen nicht ange­mes­sen the­ma­ti­siert – so auch weit­ge­hend in die­ser Woche. 

Medi­en : Infa­me Flucht nach vorn

Eini­gen Medi­en war jedoch das ver­schäm­te Schwei­gen über selbst mit­ver­ur­sach­te sozia­le Ver­wer­fun­gen nicht genug – sie tra­ten die Flucht nach vorn an. Als Nega­tiv-Bei­spiel soll hier die Thü­rin­gerAll­ge­mei­ne die­nen. Die bezeich­ne­te die aktu­el­le Kri­tik der Links­par­tei an Treu­hand und Finanz­mi­nis­te­ri­um als “Bes­ser­wes­si-Keu­le” und als “arm­se­lig”. Der fol­gen­de Absatz zeigt nicht nur, dass der Redak­teur wie vie­le sei­ner Kol­le­gen das lei­di­ge Kapi­tel “Treu­hand” end­lich schlie­ßen möch­te. Es zeigt auch die Unwil­lig­keit, die heu­ti­gen Span­nun­gen im Land aus der jün­ge­ren Geschich­te her­zu­lei­ten und eine Ver­söh­nung ein­zu­lei­ten – etwa durch eine Ent­schul­di­gung :

Was soll ein gefor­der­tes Ein­geständnis der Bun­des­re­gie­rung brin­gen, dass sie ‘den Auf­trag und die Aus­rich­tung der Arbeit der Treu­hand als einen poli­ti­schen Feh­ler der Nach­wen­de­zeit betrach­te’? Mil­lio­nen von ver­lo­re­nen Jobs keh­ren dadurch nicht zurück. Viel­mehr rei­ßen alte Wun­den auf.

Wie radi­kal sich der Arti­kel gera­de mit dem letz­ten Satz auf dem Holz­weg befin­det, ver­deut­li­chen die Nach­Denk­Sei­ten : 

Das Wir­ken der Treu­hand­an­stalt gegen die ost­deut­sche Volks­wirt­schaft nach 1989 ist eine noch immer offe­ne gesell­schaft­li­che Wun­de. Dass die dama­li­gen Mas­sen­ent­las­sun­gen und ande­re Demütigun­gen bis in die Gegen­wart hin­ein­wir­ken, lässt sich nicht igno­rie­ren. Die poli­tisch-wirt­schaft­li­chen Ver­let­zun­gen wur­den zusätzlich durch eine die Ost­deut­schen her­ab­set­zen­de Medi­en­pro­pa­gan­da ver­schlim­mert, die den Kahl­schlag nach der Wen­de beglei­tet hat­te und die­sen bis in die Gegen­wart in Schutz nimmt.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

RT Deutsch


Brexit, Gelbwesten, Urheberrecht : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


von Tho­mas Schwarz 

Bei den dif­fa­mie­ren­den Berich­ten über die Pro­tes­te der Gelb­wes­ten in Frank­reich taucht ein Medi­en-Phä­no­men auf, das aus einem ande­ren Zusam­men­hang in Deutsch­land bekannt ist : Die Bezich­ti­gung der Pro­tes­tie­ren­den, “die Gewalt­tä­ter in ihren Rei­hen viel zu lan­ge gedul­det zu haben”. Damit wird zum einen fälsch­lich unter­stellt, dass es eine brei­te Bewe­gung – durch “Unduld­sam­keit” – ver­hin­dern kön­ne, dass sich destruk­ti­ve Per­so­nen dar­un­ter mischen. Zum ande­ren wird die Ver­ant­wor­tung für das an die Wand gemal­te Kip­pen der öffent­li­chen Ord­nung den Demons­tran­ten zuge­scho­ben – weg von den eigent­lich ver­ant­wort­li­chen Sicher­heits­be­hör­den. Ist die­se Sicht durch mas­si­ve Bericht­erstat­tung erst ein­mal eta­bliert, haben es die Behör­den ein­fach : Sie kön­nen dann etwa durch Untä­tig­keit Gewalt zulas­sen und die Ver­ant­wor­tung anschlie­ßend je nach Bedarf “zutei­len”.

Gelb­wes­ten und “Frie­dens­win­ter” – Par­al­le­len in der Stra­te­gie der Spal­tung

In Deutsch­land wur­de eine anders gela­ger­te, aber doch ähn­li­che media­le Tak­tik ange­wen­det, um die Frie­dens­be­we­gung seit 2014 mas­siv dafür anzu­grei­fen, dass sie “die Rech­ten in ihren Rei­hen viel zu lan­ge gedul­det” habe. Dass man bei den Frie­dens-Demos in Deutsch­land wie bei den Gelb­wes­ten in Frank­reich kei­ne Ein­lass- und Ideo­lo­gie-Prü­fung durch­füh­ren kann – das wis­sen auch die Redak­teu­re, sie ver­schwei­gen es aber. Das Neue Deutsch­land stell­te im Zusam­men­hang mit dem “Frie­dens­win­ter” 2014 rich­ti­ge Fra­gen in den Raum : “War­um bläst man durch eine absurd umfang­rei­che Bericht­erstat­tung die drei Hans­würs­te von der ‘Querfront’-Führung zu Schein­rie­sen auf ? War­um stat­tet man die­se Ein­zel­per­so­nen dadurch mit der Macht aus, eine pazi­fis­ti­sche Bewe­gung mit poten­zi­ell Zehn­tau­sen­den Mit­strei­tern aus­zu­brem­sen?”

Die Zei­tung beschreibt zudem, dass in den 1980er Jah­ren in West­deutsch­land Hun­dert­tau­sen­de Men­schen gemein­sam für den Frie­den demons­trie­ren gegan­gen sei­en. Das sei heu­te gar nicht mehr vor­stell­bar – die­se Dia­gno­se ist auch für das Frank­reich der Gegen­wart inter­es­sant, denn mut­maß­lich wird die­ser Zustand der Zer­split­te­rung auch für die Gelb­wes­ten ange­peilt :

Denn heu­te müss­ten sich jene zahl­lo­sen ver­schie­de­nen Initia­ti­ven nicht nur der Anfein­dun­gen des Sprin­ger-Ver­lags erweh­ren. Sie wür­den zudem an der peni­blen Gesin­nungs­prü­fung von sich ‘links’ nen­nen­den Spal­tern schei­tern : Wenn mas­sen­haft Men­schen zusam­men­kom­men – und nur dann macht es einen Sinn, dass sie über­haupt zusam­men­kom­men – dann gibt es die poren­tief rei­ne Bewe­gung nicht mehr.”

Unter­wan­de­rung durch Mili­tanz als Mit­tel der Macht

Die unter “Lin­ken” ver­brei­te­te Marot­te, sich von Mili­tanz nicht aus­rei­chend zu distan­zie­ren und dadurch Pro­vo­ka­teu­ren von inter­es­sier­ter Sei­te Tür und Tor zu öff­nen, hat eben­falls das Neue Deutsch­land als schwe­ren tak­ti­schen Feh­ler beschrie­ben. Hier sei dar­an erin­nert, da die­se Leh­re auch für die heu­ti­gen Gelb­wes­ten gilt :

Es ist alles seit Jahr­zehn­ten bekannt : die Mög­lich­keit, mit einer Hand­voll Mili­tan­ter den Pro­test Tau­sen­der zu dis­kre­di­tie­ren und medi­al unsicht­bar zu machen. Die Wir­kung und der Ein­satz des Agent Pro­vo­ca­teur. Die Tat­sa­che, dass die Mäch­ti­gen Mili­tanz nicht fürch­ten, son­dern her­bei­seh­nen und mut­maß­lich ver­deckt för­dern. So rät­sel­haft es ist : Vie­le Lin­ke haben den­noch ein roman­ti­sches und nai­ves Ver­hält­nis zu einer für die eige­nen Anlie­gen kon­tra­pro­duk­ti­ven und vom Geg­ner begrüß­ten Mili­tanz.”

Der Arti­kel führt wei­ter aus, dass die poli­tisch-media­le Wir­kung der “auto­no­men” Gewalt­tä­ter aus­schließ­lich den Mäch­ti­gen zugu­te kom­me. Für “lin­ke” Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen sei sie zer­stö­re­risch – da könn­ten die Moti­ve für die Gewalt noch so erha­ben erschei­nen. Den fol­gen­den tak­ti­schen Rat soll­ten aus die­sem Grund auch die heu­ti­gen Gelb­wes­ten unbe­dingt beher­zi­gen : “Dar­um muss man die mili­tan­te Sphä­re offen­siv mei­den und sie aus Stra­te­gie immer wie­der öffent­lich kri­ti­sie­ren : reflex­haft, ohne Wenn und Aber und sofort nach einem Ereig­nis, um den Medi­ensturm gar nicht erst auf­kom­men zu las­sen.” Der dubio­se Cha­rak­ter mili­tan­ter Demo-Ein­hei­ten wird so beschrie­ben :

Neben­bei : Gäbe es den Schwar­zen Block nicht, dann wür­de ihn der Ver­fas­sungs­schutz erfin­den. Er ist die per­fek­te Mischung aus mili­tä­ri­scher Harm­lo­sig­keit und irra­tio­na­lem Angst­po­ten­zi­al, das man für juris­ti­sche, poli­ti­sche und poli­zei­li­che Auf­rüs­tung instru­men­ta­li­sie­ren kann.”

Gelb­wes­ten : Spal­ter suchen irra­tio­na­les Angst-Poten­zi­al

Genau die­ses Angst-Poten­zi­al wird aktu­ell in Frank­reich gesucht und gefun­den. Die bekann­te Tak­tik der Ver­leum­dung brei­ter Bewe­gun­gen durch klei­ne gewalt­tä­ti­ge Grup­pen schlägt sich erfolg­reich auch in den deut­schen Medi­en nie­der. So sieht die Neue Osna­brü­cker Zei­tung die Bewe­gung bereits dis­kre­di­tiert :

Mit den neu­er­li­chen Gewalt­or­gi­en in Paris ist klar : Die Bewe­gung der ‘Gelb­wes­ten’ in Frank­reich ist dis­kre­di­tiert. Deren Initia­to­ren und Haupt­ak­teu­re haben nicht ver­hin­dern kön­nen, dass Chao­ten ihr berech­tig­tes Anlie­gen, näm­lich mehr sozia­le Gerech­tig­keit, unter­gra­ben. Lin­ke wie rech­te Extre­mis­ten haben die Glaub­wür­dig­keit der Bewe­gung sin­ken las­sen.”

Schuld sind nicht die Gewalt­tä­ter, son­dern die Demons­tran­ten, die sie “dul­den”

Dra­ma­ti­sche Far­ben­spie­le mischt die Heil­bron­ner Stim­me an : “In das war­nen­de Gelb der fran­zö­si­schen Pro­test­be­we­gung mischt sich immer stär­ker dunk­le Destruk­ti­vi­tät : Gewalt­be­rei­te und orga­ni­sier­te Kra­wall­ma­cher, schwarz ver­mummt, tra­gen die gel­be Wes­te nur noch als bedeu­tungs­lo­ses Acces­soire.” Und dann fügt auch jene Zei­tung den ein­gangs the­ma­ti­sier­ten Satz an :

Zu lan­ge haben die ‘Gelb­wes­ten’, denen die gro­ße gemein­sa­me poli­ti­sche Idee fehl­te, Gewalt in ihren Rei­hen tole­riert.”

In die­se Ker­be haut, wie zahl­rei­che ande­re gro­ße und klei­ne deut­sche Medi­en, auch die FAZ. Aus Sicht der Zei­tung “suchen bei den Kund­ge­bun­gen der ‘Gelb­wes­ten’ inzwi­schen pro­fes­sio­nell agie­ren­de Gewalt­tä­ter die offe­ne Kon­fron­ta­ti­on mit dem ‘Sys­tem’ ”. Das eigent­li­che Pro­blem sind laut FAZ aber die­je­ni­gen, “die dem Trei­ben zuse­hen, die sich nicht ein­deu­tig von den Gewalt­tä­tern distan­zie­ren.”

Bre­x­it – Ermü­dung in der Dau­er­schlei­fe

Die Medi­en­land­schaft befin­det sich beim Bre­x­it in einer ähn­lich erschöp­fen­den Dau­er­schlei­fe wie die Poli­tik. Und so wie bei zahl­rei­chen Medi­en­kon­su­men­ten ist auch bei den mit dem The­ma betreu­ten Redak­teu­ren ein gewis­ser Über­druss zu ver­spü­ren. Bei der Stutt­gar­ter Zei­tung äußert sich das in einer grenz­wer­ti­gen Spra­che aus der Bio­lo­gie : “Die Euro­pä­er müs­sen auf der Hut sein, damit sie sich nicht auch noch die eng­li­sche Seu­che ein­fan­gen. Die poli­ti­sche Klas­se des Ver­ei­nig­ten König­reichs hat das Land in eine schwe­re Ver­fas­sungs­kri­se gestürzt, die mit einer Läh­mung des Gesetz­ge­bungs­ap­pa­rats ein­her­geht. Die­ses Hor­ror­sze­na­rio droht der EU, wenn man jetzt nicht auf­passt.”

Die FAZ wählt eben­falls die Meta­pher von der “Läh­mung” und schreibt unter dem Titel “Dann lie­ber ein Ende mit Schre­cken”: “Noch schlim­mer als ein unge­re­gel­ter Bre­x­it wäre es, wenn der Ver­such, doch noch zu einer ein­ver­nehm­li­chen Tren­nung zu kom­men, in einer Läh­mung der Insti­tu­tio­nen und einer Hand­lungs­un­fä­hig­keit der EU ende­te. Sie hat schon zu lan­ge zu vie­le ande­re Fra­gen von gro­ßer poli­ti­scher Bedeu­tung ver­nach­läs­sigt, Lon­don übri­gens auch.” Ob aus Ver­zweif­lung oder aus Lan­ge­wei­le : In einem ande­ren Arti­kel zum The­ma zitiert die FAZ nun sogar schon alte Schla­ger :

Sag mir quan­do, sag mir wann, seufz­te fra­gend vor vie­len Jah­ren Cate­ri­na Valen­te. Leicht adap­tiert, kann man die Fra­ge auch auf den Bre­x­it anwen­den : Wann wird das Ver­ei­nig­te König­reich aus der EU aus­tre­ten ? Und wie ? Sieht man sich viel­leicht doch eines Tages im Krei­se die­ser Euro­päi­schen Uni­on wie­der?”

Urhe­ber­recht : Zen­sur oder über­fäl­li­ger Angriff auf Inter­net-Kon­zer­ne ?

Im Zusam­men­hang mit dem dro­hen­den neu­en Urhe­ber­recht  kann auf eine älte­re Aus­ga­be die­ser Kolum­ne ver­wie­sen wer­den. Denn noch immer voll­zieht sich die Debat­te vor allem zwi­schen zwei Polen. Den einen besetz­te einst die Süd­deut­sche Zei­tung :

Den Bür­gern in der EU droht eine Richt­li­nie, die das freie Netz gefähr­det. Die zwei Dut­zend Arti­kel ent­hal­ten sinn­vol­le Ände­run­gen, um das Urhe­ber­recht an das digi­ta­le Zeit­al­ter anzu­pas­sen. Doch Arti­kel 13 allein ist der­art ver­korkst, dass der poten­zi­el­le Scha­den weit­aus grö­ßer ist als der Nut­zen. Dort ist nicht expli­zit von ‘Upload-Fil­tern’ die Rede. Aber den meis­ten Platt­for­men blie­be gar nichts ande­res übrig, als alle Inhal­te zu scan­nen, die Nut­zer hoch­la­den wol­len. Bis die Rich­ter die neue Richt­li­nie prü­fen, wird es aber dau­ern. In der Zwi­schen­zeit könn­ten die Grund­la­gen für eine gigan­ti­sche Fil­ter-Infra­struk­tur gelegt wer­den, die für Zen­sur miss­braucht wer­den könn­te.”

Im Gegen­satz dazu ver­tei­dig­ten die Badi­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten das Gesetz :

Es wäre ein gro­ßer Durch­bruch, wenn es der EU gelän­ge, dem Inter­net die Züge des Wil­den Wes­ten aus­zu­trei­ben. Es trä­fe nicht gera­de die wirt­schaft­lich Schwa­chen, wenn die digi­ta­len Platt­for­men künf­tig etwas von ihren Rie­sen­ge­win­nen abge­ben müss­ten : Goog­le, Face­book und Co. Mit der Urhe­ber­rechts­re­form stellt Euro­pa unter Beweis, wie viel der alte Kon­ti­nent bewir­ken kann, wenn er zusam­men­hält : Er kann die größ­ten Kon­zer­ne der Welt zur Rechen­schaft zie­hen und Stan­dards set­zen, die es nir­gend­wo sonst gibt. Noch ist der Erfolg aber nicht sicher. Auch, weil eine bei­spiel­lo­se Anti-Kam­pa­gne läuft.”

Die Angst der EU vor dem Inter­net

All­ge­mein zu den sich in dem geplan­ten Gesetz spie­geln­den Ängs­ten haben die Nach­Denk­Sei­ten geschrie­ben :

Wenn sich die EU-Insti­tu­tio­nen mit dem Inter­net befas­sen, erzeu­gen sie oft eine Stim­mung der Bedro­hung : ‘Das Netz’ erscheint dann meist als ein Hort des Extre­mis­mus, des Popu­lis­mus, der Hass-Spra­che, der ‘Fein­de Euro­pas und der Demo­kra­tie’, der Fake News, der Rus­sen-Pro­pa­gan­da und der Urhe­ber­rechts­ver­let­zung. Dass das Inter­net auch Chan­ce, revo­lu­tio­nä­res Ele­ment der Auf­klä­rung und sehn­süch­tig erwar­te­te Alter­na­ti­ve zu domi­nie­ren­den Medi­en­mo­no­po­len ist, das wird in Brüs­sel meist negiert. Dem­entspre­chend behan­deln die EU-Insti­tu­tio­nen den Kom­plex Inter­net und die dort ver­füg­ba­ren ‘gefähr­li­chen’ Infor­ma­tio­nen wie einen Feind. Vor die­sem Feind müs­sen die Bür­ger, die EU-Wer­te oder nun die Enter­tain­ment-Indus­trie ‘geschützt’ wer­den.”

Wie sehr die­se ver­schreck­te Sicht­wei­se in die Redak­tio­nen hin­ein­wirkt, zeigt abschlie­ßend die alte Lei­er vom grund­sätz­lich “gut mei­nen­den Wes­ten”, die der Mann­hei­mer Mor­gen in gro­tes­ker Nai­vi­tät anstimmt : “Von Zen­sur zu spre­chen, dar­auf soll­ten Kri­ti­ker der Reform in der Debat­te ver­zich­ten. Denn bei der Zen­sur han­delt es sich in der Regel um staat­li­che Ein­grif­fe in auto­kra­ti­sche Sys­te­me. Letz­te­res ist die EU sicher­lich nicht.” Na, dann ist ja alles in Ord­nung.

Es war nicht alles schlecht : Der “Rus­sen­fres­ser” Man­fred Weber

Mit Man­fred Weber schickt sich ein Mann an, EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent zu wer­den, der ganz offen den Ver­rat euro­päi­scher Inter­es­sen ankün­digt. So hat Weber in einem Inter­view mit der News­week Pol­s­ka erklärt, er leh­ne den Bau der Pipe­line Nord Stream 2 “kate­go­risch ab” und wer­de als EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent alle denk­ba­ren Mög­lich­kei­ten prü­fen und nut­zen, um ihren Bau zu blo­ckie­ren, auch wenn der bei sei­ner Amts­über­nah­me bereits weit fort­ge­schrit­ten sein wür­de.

Weil die­se skan­da­lö­se Per­so­nal­ent­wick­lung in den gro­ßen Medi­en weit­ge­hend igno­riert oder ver­harm­lost wird, sei hier auf zwei kri­ti­sche Arti­kel zum The­ma ver­wie­sen. Zum einen stellt Jens Ber­ger auf den Nach­Denk­Sei­ten den “baye­ri­schen Rus­sen­fres­ser” vor und zum ande­ren beschreibt Tele­po­lis inter­es­san­te Hin­ter­grün­de zu dem Poli­ti­kum :

Zur Begrün­dung sei­ner Ableh­nung des Pro­jekts führ­te der CSU-Poli­ti­ker kei­ne Inter­es­sen sei­nes Hei­mat­lan­des an, son­dern ‘euro­päi­sche’. Kon­kre­ter mein­te er dazu aller­dings nur, die Pipe­line wer­de ‘ukrai­ni­sche Inter­es­sen erheb­lich tref­fen und lang­fris­tig den Gas­preis für ganz Euro­pa beein­flus­sen’. In wel­che Rich­tung letz­te­res gesche­hen wird, ließ er offen.”

Mehr zum The­ma — Ein Fal­ke als Juncker-Nach­fol­ger ? Medi­en ver­schwei­gen anti­rus­si­sche Hal­tung von Man­fred Weber

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

RT Deutsch


Krim-Beitritt, Sahra Wagenknecht, Venezuela : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


von Tho­mas Schwarz

Einer der lang­le­bi­gen Medi­en­skan­da­le unse­rer Zeit ist der Umgang mit dem Bei­tritt der Krim zur Rus­si­schen Föde­ra­ti­on, der sich in die­ser Woche zum fünf­ten Mal jährt. Die­ser Skan­dal besteht nicht nur in der ver­zerr­ten Dar­stel­lung des Vor­gangs als “Anne­xi­on” oder gar als “Besat­zung”. Zusätz­lich dazu wer­den durch absur­de Gleich­stel­lun­gen monu­men­ta­le Kriegs­ver­bre­chen rela­ti­viert : So ist es für vie­le deut­sche Redak­teu­re nor­mal, die Hun­dert­tau­sen­den Toten der Krie­ge gegen Afgha­ni­stan, Irak, Liby­en und Syri­en mit der unblu­ti­gen rus­si­schen “Anne­xi­on” der Krim mora­lisch auf­zu­wie­gen – min­des­tens : Man­che Medi­en gehen so weit, beim Ver­gleich zwi­schen rus­si­scher und west­li­cher Außen­po­li­tik einen mora­li­schen Vor­sprung auf west­li­cher Sei­te zu sug­ge­rie­ren.

Ris­se in der Krim-Pro­pa­gan­da

Den fünf­ten Jah­res­tag woll­te man da nicht ver­strei­chen las­sen, ohne medi­al nach­zu­le­gen. Das ist aus Sicht der gro­ßen Medi­en wich­tig, da sich ohne Fort­füh­rung der Kam­pa­gne mit der Zeit unauf­halt­sam eine rea­lis­ti­sche Sicht durch­set­zen wür­de. Ris­se in der west­lich-mono­li­thi­schen Dar­stel­lung des Kon­flik­tes haben sich schon län­ger auf­ge­tan – es ist eini­gen weni­gen Ein­zel­per­so­nen hoch anzu­rech­nen, dass sie eine Schmutz-Kam­pa­gne gegen ihre Per­son ris­kie­ren, indem sie sich den mas­si­ven Mani­pu­la­tio­nen rund um die Vor­gän­ge des Ukrai­ne-Put­sches und dem dar­aus fol­gen­den Krim-Bei­tritt ent­ge­gen­stel­len.

Eine jener Per­so­nen ist der ehe­ma­li­ge Kohl-Bera­ter Horst Teltschik. Teltschik äußert sich zwar lang­fris­tig auch wider­sprüch­lich bis destruk­tiv zum deutsch-rus­si­schen Ver­hält­nis, doch in einem kürz­lich erschie­ne­nen Inter­view mit dem Spie­gel hat er im bemer­kens­wer­ten Klar­text die ukrai­ni­schen Poli­ti­ker als “Lum­pen” bezeich­net und die Hys­te­rie um die Krim stark rela­ti­viert. Das kann Paul “Stahl­helm” Ron­zhei­mer von der Bild-Zei­tung nicht durch­ge­hen las­sen, wie er auf Twit­ter ver­brei­tet :

Man kann von Glück reden, dass Horst Teltschik heu­te nicht mehr in der Poli­tik mit­mischt. Annek­ti­on der Krim ? Ja, schon irgend­wie, aber die ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten sind “Lum­pen”. Gefähr­li­che Rela­ti­vie­run­gen des ehe­ma­li­gen Kohl-Bera­ters. 

Kri­tik­lo­se Büh­ne für ukrai­ni­schen Bot­schaf­ter

In eine ähn­li­che Ker­be schlägt bekann­ter­ma­ßen auch der Spie­gel, der in einem Arti­kel schreibt : “Wie die Krim Putin ver­schluck­te. Vor fünf Jah­ren begann Wla­di­mir Putin, Krieg und Gewalt in den Osten der Ukrai­ne zu tra­gen. Die Ent­schei­dung hat den Kreml­chef, die Rus­sen und ihren Staat ver­än­dert.” Und der Deutsch­land­funk bie­tet dem Bot­schaf­ter der Ukrai­ne, Andrij Mel­nyk, ein kri­tik­lo­ses Forum, in dem er etwa fol­gen­den Unsinn unwi­der­spro­chen abson­dern darf :

Die Krim ist eine offe­ne Wun­de, eine blu­ten­de Wun­de, denn in die­sen fünf Jah­ren ver­wan­del­te die rus­si­sche Besat­zungs­macht die Halb­in­sel in eine Zone der Gewalt­herr­schaft und Recht­lo­sig­keit. Die Men­schen­rech­te wer­den buch­stäb­lich mit FSB-Füßen bru­tal getre­ten. Die Krim­ta­ta­ren, eine gro­ße Min­der­heit, wer­den ver­folgt, fast wie zu Sta­lin-Zei­ten.”

Dass Mel­nyk sol­che Pro­pa­gan­da ver­brei­tet, ver­wun­dert nicht – das ist sein Job. Wer aller­dings sei­nen Job in dem Gespräch sträf­lich ver­nach­läs­sigt, ist der Inter­view­er Chris­toph Hei­ne­mann. Sein Sen­der Deutsch­land­funk ver­brei­te­te noch wei­te­re Ver­zer­run­gen zum The­ma, etwa zur anste­hen­den Wahl in der Ukrai­ne : “Wenn die Par­la­men­ta­ri­er in Kiew davon spre­chen, dass Prä­si­dent Putin zwang­haft ver­su­che, die Ukrai­ne unter Kon­trol­le zu bekom­men, dann ist das nicht über­trie­ben, meint Kor­re­spon­dent Tho­mas Fran­ke im Deutsch­land­funk Kul­tur.” Fran­ke fährt fort :

Die Ukrai­ne muss­te aus Sicht der rus­si­schen Regie­rung im Cha­os ver­sin­ken. Man muss­te sagen, das han­delt sich um einen faschis­ti­schen Putsch, der US-gesteu­ert ist, auch um die eige­ne Oppo­si­ti­on zu unter­drü­cken und sie vor allen Din­gen im eige­nen Land zu dis­kre­di­tie­ren.

Medi­en, Think-Tanks, Stu­di­en : Die geball­te anti­rus­si­sche Mei­nungs­ma­che

Flan­kie­rend zur Krim-Bericht­erstat­tung konn­te man in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit einen wah­ren Rei­gen an Bei­trä­gen über “rus­si­sche Fehl­in­for­ma­tio­nen” beob­ach­ten. Zum Bei­spiel in den gro­ßen Medi­en : So fragt die Bild-Zei­tung aktu­ell : “War­um tut Goog­le nichts gegen Putins Pro­pa­gan­da?” Der Spie­gel hofier­te kürz­lich die anti­rus­si­schen Info-Akti­vis­ten des Mos­kau­er Por­tals The Insi­der. Und bereits in der ver­gan­ge­nen Woche schei­ter­te ein­mal mehr der ARD-Fak­ten­fin­der beim Fak­ten­fin­den zur Skri­pal-Affä­re :

Als Quel­len nutz­ten RT und Sput­nik auch Autoren von rech­ten Online-Pro­jek­ten, die bei­spiels­wei­se behaup­te­ten, die Ver­gif­tung von Skri­pal habe gar nicht statt­ge­fun­den und sei ein ‘Hoax’, die Vor­la­ge dafür sei ein Fern­seh­dra­ma gewe­sen. Eine wei­te­re beson­ders bizar­re Theo­rie besag­te, dass Ser­gei Skri­pal abhän­gig von Nowit­schok gewe­sen sei und eine Über­do­sis ein­ge­nom­men habe.”

Die alte Lei­er – Putin und die Rech­ten

Zu die­sen “nor­ma­len” Medi­en­bei­trä­gen gesell­ten sich “Stu­di­en” oder ande­re Medi­en­pro­jek­te ein­schlä­gi­ger Think-Tanks. So ver­öf­fent­licht die Web­sei­te EU vs. Dis­in­fo per­ma­nent skan­da­lös gefärb­te “Infor­ma­tio­nen” zu “rus­si­scher Des­in­for­ma­ti­on”. Und das “Kings Col­le­ge” aus Lon­don steu­er­te eine eige­ne “Unter­su­chung” bei, mit dem Titel “Nach­rich­ten als Waf­fe – RT, Sput­nik und ziel­ge­rich­te­te Des­in­for­ma­ti­on”. Als “russ­land-kri­ti­scher” Mini-Think-Tank spielt sich die Zei­tung taz schon lan­ge auf. Nun haben die Redak­teu­re auch das pas­sen­de “Dos­sier” zu die­sem etwas lächer­lich hoch­ge­grif­fe­nen Anspruch ver­fasst : “Putins blaue Hel­fer. Vie­le Rechts­po­pu­lis­ten suchen die Nähe zu Mos­kau. AfD-Poli­ti­kern bringt das Öffent­lich­keit und Auf­wer­tung. Und Russ­land hofft auf die Schwä­chung der EU.” Dass die Sache zwi­schen Putin und den deut­schen Rech­ten nicht gar so ein­fach ist, hät­ten die Redak­teu­re bei den Nach­denk­sei­ten nach­le­sen kön­nen :

Für vie­le gro­ße Medi­en ist aus­ge­macht : Russ­land unter­stützt die Rechts­po­pu­lis­ten, um Euro­pa ‘zu spal­ten’. Doch was den­ken Akteu­re der ‘Putin-Par­tei’ tat­säch­lich über AfD und Front Natio­nal ? Eine pro­mi­nen­te rus­si­sche Poli­ti­ke­rin hat nun ein­dring­lich vor den Kon­tak­ten mit Rech­ten gewarnt, da die­se den rus­si­schen Inter­es­sen zuwi­der­lie­fen. Der auf­schluss­rei­che Bei­trag wider­spricht der Deu­tung von der rus­si­schen Begeis­te­rung für Rechts­po­pu­lis­mus.”

Sah­ra Wagen­knecht – Der Rück­zug und die Pro­pa­gan­da

Sah­ra Wagen­knechts ange­kün­dig­ter Rück­zug aus der ers­ten Rei­he der Links­par­tei und der sozia­len Bewe­gung “Auf­ste­hen” muss als betrüb­li­cher, aber – ange­sichts von Par­tei-Mob­bing und Bur­nout – nach­voll­zieh­ba­rer Schritt bezeich­net wer­den. Im Gegen­satz zur weit­ge­hend unse­riö­sen bis bös­ar­ti­gen Kom­men­tie­rung in den deut­schen Medi­en hat der LIN­KEN-Poli­ti­ker Fabio De Masi in einer Face­book-Nach­richt tref­fend geschrie­ben :

Es lässt sich kei­ne gerech­te­re Gesell­schaft bau­en, wenn man von innen ver­här­tet ist und sich unver­zicht­bar fühlt. Nur wer wie Sah­ra die eige­nen Gren­zen erkennt – und was im Leben wirk­lich zählt – ist wirk­lich frei. Man erkennt an Tagen wie die­sen auch sehr schnell, wer über Cha­rak­ter ver­fügt. Es ist die Iro­nie der Geschich­te, dass der Frak­ti­ons­chef der ‘Ellen­bo­gen FDP’ – Chris­ti­an Lind­ner – Sah­ra gute Bes­se­rung wünscht und zumin­dest hier sozia­ler unter­wegs ist als eini­ge Genos­sin­nen und Genos­sen, bei denen jetzt die Sekt­kor­ken knal­len. Aber dar­über kann man auch mil­de lächeln, wenn man das mit dem Spie­gel beher­zigt.”

Die Nach­denk­sei­ten ana­ly­sie­ren die Bericht­erstat­tung zu Wagen­knecht fol­gen­der­ma­ßen :

Fol­gen­de Punk­te ste­chen her­vor : Das öffent­li­che und unbe­grün­de­te Anzwei­feln der von Wagen­knecht ange­führ­ten gesund­heit­li­chen Grün­de, das früh­zei­ti­ge Jubeln über ein ‘Aus’ der Samm­lungs­be­we­gung ‘Auf­ste­hen’, irri­ge Ansich­ten über nun ‘bes­se­re’ Chan­cen für Rot-Rot-Grün und eine ver­früh­te Freu­de über ein Ende des Gra­ben­kamp­fes in der Links­par­tei. Zudem ist fest­zu­stel­len, dass die beson­ders frag­wür­di­gen Kom­men­ta­re von Poli­ti­kern und nicht von Redak­teu­ren stam­men.”

Die taz beson­ders schä­big

Neben den Partei-“Freunden” und den gro­ßen Medi­en hat sich die taz in meh­re­ren Bei­trä­gen beson­ders schä­big gegen Wagen­knecht posi­tio­niert : So sei “Auf­ste­hen” doch “von Anfang an ein Ego­pro­jekt” gewe­sen : “Sah­ra Wagen­knecht hat ‘Auf­ste­hen’ genutzt, solan­ge es Auf­merk­sam­keit gene­rier­te. Jetzt ent­sorgt sie die Bewe­gung auf schä­bi­ge Wei­se”, so die taz. Die Zei­tung schreckt nicht mal davor zurück, die Krank­heit Wagen­knechts indi­rekt in Zwei­fel zu zie­hen :

Dass ihr Rück­zug von der Frak­ti­ons­spit­ze mit die­sem poli­ti­schen Schei­tern zusam­men­hängt, liegt auf der Hand – auch wenn Wagen­knecht selbst per­sön­li­che Über­las­tung und ihre gera­de über­stan­de­ne Krank­heit ins Feld führt. Ein schlüs­si­ger Grund, aber auch eine will­kom­me­ne Brü­cke.”

Die Zeit hofft – mög­li­cher­wei­se ver­früht – nun auf ein schnel­les Ende von “Auf­ste­hen”: “Sie ist weg, und das ist auch gut so. Mit Sah­ra Wagen­knecht ver­liert die Samm­lungs­be­we­gung Auf­ste­hen ihr bekann­tes­tes Gesicht. Das ist kein Ver­lust : Als lin­ke Inte­gra­ti­ons­fi­gur ist sie voll­kom­men unge­eig­net.” Dass sich die Welt die­ser Hoff­nung anschließt, ist nicht ver­wun­der­lich : Dem­nach sind nun Lafon­tai­ne und Wagen­knecht “bei­de geschei­tert” und die Samm­lungs­be­we­gung ein “Rohr­kre­pie­rer”. Der Tages­spie­gel fürch­tet, die nun wie­der “freie Radi­ka­le” Wagen­knecht habe bald wie­der mehr Ener­gie für ihre “poli­ti­schen Quer­schüs­se”.

Bei sol­chen Partei-“Freunden” braucht Wagen­knecht kei­ne Fein­de mehr

Noch gif­ti­ger als die gro­ßen Medi­en haben sich aber diver­se Poli­ti­ker geäu­ßert. So schrieb Johan­nes Kahrs (SPD) auf Twit­ter : “Wagen­knecht bleibt lie­gen. Will nicht mehr auf­ste­hen. Die Arbeit sol­len jetzt ande­re machen.” Simon Vaut (SPD) sprach von einer “guten Nach­richt” und füg­te an, Wagen­knechts “natio­na­ler Sozia­lis­mus” sei schäd­lich und Rot-Rot-Grün sei nun ein biss­chen wahr­schein­li­cher gewor­den.

Dem stan­den eini­ge Töne aus der Links­par­tei in nichts nach. Der lin­ke Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und ehe­ma­li­ge Schatz­meis­ter der Par­tei, Tho­mas Nord, sag­te dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND): “Die Art und Wei­se, wie sich Wagen­knecht von Auf­ste­hen ver­ab­schie­det, zeigt, wie wenig Respekt sie vor Leu­ten hat, die ihr nicht mehr nütz­lich erschei­nen. Wenn sie wei­ter ihr eige­nes Süpp­chen kocht, dann wer­de ich sie auch wei­ter kri­ti­sie­ren. Das hat nichts mit Nach­kar­ten zu tun. Die Par­tei muss sich selbst ernst neh­men.” Und die Ber­li­ner Lan­des­vor­sit­zen­de der Links­par­tei, Kati­na Schu­bert sag­te : “Ich neh­me das ver­wun­dert zur Kennt­nis und hof­fe, dass sich jetzt nicht die Men­schen, die tat­säch­lich Hoff­nung in das Pro­jekt gesetzt haben, von der Poli­tik abwen­den. Man darf nicht mit Men­schen und ihren Erwar­tun­gen spie­len.”

Schlamm­schlacht gegen Wagen­knecht

Doch nicht alle Stim­men las­sen die Empa­thie ver­mis­sen. So erin­nert Tim Her­den beim MDR an die Atta­cken gegen Wagen­knecht beim letz­ten Par­tei­tag :

Noch heu­te erschüt­tert mich im Rück­blick das Tri­bu­nal gegen Sah­ra Wagen­knecht auf dem Leip­zi­ger Par­tei­tag im ver­gan­ge­nen Jahr. Wagen­knecht wur­de von Funk­tio­nä­ren der Par­tei für ihre Kri­tik an der Flücht­lings­po­li­tik öffent­lich an den Pran­ger gestellt. Neben der Pflicht des Jour­na­lis­ten zu berich­ten war auch das Gefühl des Fremd­schä­mens, wie eine Par­tei mit ihrer Spit­zen­ge­nos­sin umgeht und eine Par­tei­spit­ze dies zulässt.”

Rief der Links­par­tei-Chef zum Mob­bing auf ?

Die­se Berich­te über inter­nes Mob­bing und den ange­kün­dig­ten Rück­zug las­sen wie­der­um an ein Zitat des LIN­KEN-Chefs Bernd Riex­in­ger von 2017 den­ken, an das Jens Ber­ger auf den Nach­denk­sei­ten erin­nert hat :

Sah­ra ist lei­der nicht auf­zu­hal­ten als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de. Man kann sie nicht ein­fach abschie­ßen. Sah­ra muss gegan­gen wer­den und dar­an arbei­ten wir. Wenn wir sie immer wie­der abwat­schen und sie merkt, sie kommt mit ihren Posi­tio­nen nicht durch, wird sie sicher von allei­ne gehen.”

Wel­che Per­so­nen in der Links­par­tei die­ser Mob­bing-Auf­for­de­rung angeb­lich Fol­ge geleis­tet haben, das lis­tet ein Insi­der in der Bild-Zei­tung auf :

Die Stim­mung in der Frak­ti­on ist uner­träg­lich. Der Mob­bing-Ter­ror gegen Wagen­knecht und Dagde­len geht auf kei­ne Kuh­haut. In der Frak­ti­on zie­hen Bernd Riex­in­ger, Kat­ja Kip­ping, Caren Lay, Anke Dom­scheit-Berg, Sabi­ne Lei­dig, Cor­ne­lia Möh­ring und Mar­ti­na Ren­ner per­ma­nent über sie her.”

Vene­zue­la : Scha­den­freu­de und Sabo­ta­ge

Beim seit Wochen domi­nie­ren­den The­ma Vene­zue­la gibt es drei Ent­wick­lun­gen. Zum einen die Fort­füh­rung der skan­da­lö­sen Pro­pa­gan­da für einen Sturz des Prä­si­den­ten Nicolás Madu­ro. Die­se Linie reprä­sen­tiert unter zahl­rei­chen ande­ren gro­ßen Medi­en etwa der Spie­gel, wenn er mit kaum ver­hoh­le­ner Scha­den­freu­de ver­mel­det, Vene­zue­la sei nach dem dubio­sen Strom­aus­fall “zurück in der Stein­zeit”. Madu­ros “im Volk belieb­ter Wider­sa­cher Guai­dó” wür­de “Miss­wirt­schaft, man­geln­de War­tung und Kor­rup­ti­on” für den Strom­aus­fall ver­ant­wort­lich machen, so der Spie­gel. Und das Maga­zin behaup­tet ein­fach mal : “Die meis­ten Exper­ten stim­men ihm zu.” Dass der Strom­aus­fall mut­maß­lich auf Sabo­ta­ge zurück­zu­füh­ren ist, erscheint in den meis­ten Arti­keln nur als absur­de Ver­schwö­rungs­theo­rie der Regie­rung.

Eine ande­re Ent­wick­lung ist eine bemer­kens­wer­te Absatz­be­we­gung der New York Times von der US-Pro­pa­gan­da zu Vene­zue­la. Die Zei­tung greift etwa die offi­zi­el­le Ver­si­on der “durch die Regie­rung in Brand geschos­se­nen” Hilfs­lie­fe­run­gen an. Bei dem The­ma sind die Redak­teu­re offen­sicht­lich hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen ihren Anti­pa­thi­en gegen Trump einer­seits und jenen gegen Madu­ro ande­rer­seits.

Chi­na reicht Vene­zue­la die Hand

Eine drit­te Ent­wick­lung beleuch­tet die sonst eher ver­steck­te, aber wohl durch­aus essen­zi­el­le Rol­le Chi­nas im Kampf um Vene­zue­la. So ver­mel­det das Medi­um Nik­kei Asi­an Review, dass Chi­na Hil­fe bei der Bewäl­ti­gung des Zusam­men­bruchs der vene­zo­la­ni­schen Strom­ver­sor­gung leis­ten wol­le und Sabo­ta­ge am Werk sieht :

Chi­na hat ange­bo­ten, Vene­zue­la bei der Wie­der­her­stel­lung sei­nes zusam­men­ge­bro­che­nen Strom­net­zes zu hel­fen, und unter­stützt gleich­zei­tig die Behaup­tung von Prä­si­dent Nicolás Madu­ro, dass die Strom­aus­fäl­le durch Sabo­ta­ge ver­ur­sacht wur­den. ‘Chi­na ist bereit, Hil­fe und tech­ni­sche Unter­stüt­zung für die Wie­der­her­stel­lung des Strom­sys­tems zu leis­ten’, sag­te der Spre­cher des Außen­mi­nis­te­ri­ums, Lu Kang, am Mitt­woch vor Jour­na­lis­ten in Peking. ‘Wir sind besorgt, dass der Unfall durch einen Cyber­an­griff auf das vene­zo­la­ni­sche Strom­netz ver­ur­sacht wur­de’, sag­te Lu. ‘Wir hof­fen, dass die vene­zo­la­ni­sche Sei­te die Ursa­che des Unfalls so schnell wie mög­lich her­aus­fin­den und die nor­ma­le Strom­ver­sor­gung und sozia­le Ord­nung wie­der­her­stel­len wird.’ ”

Jens Ber­ger hat zu die­sem Vor­gang ange­merkt :

Tech­ni­sche Hil­fe für ‘Ame­ri­kas Hin­ter­hof’. Die geo­stra­te­gi­schen Kar­ten wer­den zur Zeit neu gemischt und der Wes­ten ver­liert von Tag zu Tag sei­nen selbst auf­ge­stell­ten mora­li­schen Anspruch. Wäh­rend die USA und eine von Deutsch­land ange­führ­te EU die Faust bal­len und mit Gewalt dro­hen, reicht Chi­na die hel­fen­de Hand.”

Jah­res­tag des Koso­vo­kriegs : Mani­pu­la­ti­on durch Ver­schwei­gen

Das letz­te The­ma soll einen Aspekt behan­deln, der weit in der Ver­gan­gen­heit liegt, des­sen bal­di­ger 20. Jah­res­tag aber aktu­ell mit star­ken media­len Mani­pu­la­tio­nen ver­bun­den ist : der Krieg der NATO gegen Jugo­sla­wi­en um das Koso­vo. Die media­le Ver­zer­rung äußert sich hier vor allem durch Ver­schwei­gen – so wird die Ent­ste­hung, der Ver­lauf und die vor­be­rei­ten­de Medi­en­kam­pa­gne nicht the­ma­ti­siert. Wer den Koso­vo­krieg also ver­ste­hen möch­te, ist auf die sehr infor­ma­ti­ve Rei­he von RT dazu ange­wie­sen (hier, hier oder hier), oder etwa auf einen kürz­li­chen Bericht der Nach­denk­sei­ten :

Als am 24. März 1999 die Bom­ben der NATO-Flug­zeu­ge auf Ser­bi­en/­Rest-Jugo­sla­wi­en nie­der­gin­gen, war eine ande­re Schlacht bereits geschla­gen wor­den : die gegen die rea­lis­ti­sche Dar­stel­lung des Kon­flikts um das Koso­vo. Die Pro­pa­gan­da, die von zahl­rei­chen deut­schen Redak­teu­ren und Poli­ti­kern zur Ver­zer­rung der Sicht auf Ser­bi­en, auf die ‘Befrei­ungs­ar­mee des Koso­vo’ (UÇK) und den ser­bi­schen Prä­si­den­ten Slo­bo­dan Miloše­vić auf­ge­wen­det wur­de, kann als ein Höhe­punkt der Mani­pu­la­ti­on durch Mas­sen­me­di­en bezeich­net wer­den (…) Die Mei­nungs­ma­che vor den Bom­bar­die­run­gen war erfolg­reich : Trotz des ille­ga­len Angriffs­cha­rak­ters des Koso­vo­krie­ges stimm­te der Bun­des­tag einer Betei­li­gung am 16. Okto­ber 1998 zu. Ihre Zustim­mung ver­wei­gert haben unter ande­rem Oskar Lafon­tai­ne, Gre­gor Gysi, Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger und Wil­ly Wim­mer.”

Mehr zum The­ma — 20 Jah­re seit NATO-Angriffs­krieg gegen Jugo­sla­wi­en : Ter­ror-Paten und die letz­te Chan­ce

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

RT Deutsch


Medienmisstrauen, Manafort, Maduro : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


von Tho­mas Schwarz

Tot­ge­sag­te leben län­ger” — wenn die­se Bin­sen­weis­heit zutrifft, dann kann sich US-Prä­si­dent Donald Trump lang­sam auf die Unsterb­lich­keit ein­rich­ten. Es sind weni­ge US-Poli­ti­ker bekannt, denen von US-ame­ri­ka­ni­schen und inter­na­tio­na­len (west­li­chen) Poli­ti­kern sowie von ihren ver­bün­de­ten Medi­en ähn­lich oft und lei­den­schaft­lich der bal­di­ge Unter­gang pro­phe­zeit wur­de. Dass die­ser Unter­gang aus­bleibt und sich auch nicht am Hori­zont abzeich­net, küm­mert man­che Redak­teu­re nicht : So wie bei ihren ent­tarn­ten Erzäh­lun­gen zu Syri­en oder zur Ukrai­ne, blei­ben sie auch beim The­ma Trump stur bei ihrer Linie, dass es die­ses Mal aber wirk­lich und end­gül­tig “eng” wür­de für den Prä­si­den­ten.

Trump und Madu­ro : “Tot­ge­sag­te leben län­ger”

Tot­ge­sag­te leben län­ger” — die­ses Phä­no­men ver­bin­det Trump mit dem vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Nico­las Madu­ro : Dass der Sozia­list sich trotz des mas­si­ven inter­na­tio­na­len Drucks noch hält, kann als klei­nes Wun­der bezeich­net wer­den — eben­so die anhal­ten­de Loya­li­tät der vene­zo­la­ni­schen Mili­tärs. Mit jeder nicht ein­ge­trof­fe­nen media­len Pro­phe­zei­ung von Madu­ros bal­di­gem Sturz ver­stärkt sich des­sen Nim­bus des Unan­tast­ba­ren, des Davids, der gegen den US-Goli­ath besteht. Das soll­te aller­dings noch kei­ne lang­fris­ti­gen Hoff­nun­gen auf eine Abwen­dung des Put­sches gegen Madu­ro wecken.

Durch den zähen US-Macht­kampf gegen Vene­zue­la einer­seits und die innen­po­li­ti­sche Kam­pa­gne gegen Trump ande­rer­seits bil­den sich merk­wür­di­ge Sym­pa­thi­en : Donald Trump mag man ja gera­de noch gegen den tie­fen US-Staat ver­tei­di­gen. Sein Ver­hal­ten zu Vene­zue­la ist aber der­ma­ßen infam, dass er dadurch ein Gut­teil der gesam­mel­ten Sym­pa­thi­en wie­der ein­büßt. Nico­las Madu­ro kann hin­ge­gen genau die­se Stim­mung ein­sam­meln : Dem Prä­si­dent Vene­zue­las flie­gen nun (durch die Opfer­rol­le) auch Sym­pa­thi­en von Sei­ten zu, die ihn ges­tern noch ver­ach­tet haben. Doch auf den media­len Dau­er­bren­ner Vene­zue­la soll in die­ser Kolum­ne erst wei­ter unten ein­ge­gan­gen wer­den.

Dies­mal wird es aber tat­säch­lich, wirk­lich, end­lich “eng” für Trump

Zunächst zu den USA und den neu­es­ten Ent­wick­lun­gen zu Donald Trump, zu sei­nem Ex-Wahl­kampf-Mana­ger Paul Manaf­ort und zum Bericht des “Son­der­er­mitt­lers” Robert Muel­ler. Dabei ist zunächst auf ein Medi­en­phä­no­men hin­zu­wei­sen : das des vor­ran­gig mit Mut­ma­ßun­gen aus­ge­füll­ten “Count­downs” zu bestimm­ten Ereig­nis­sen. Die­se Pra­xis erlaubt es den Medi­en, jene Ereig­nis­se ideo­lo­gisch auf­zu­la­den und Wer­tun­gen vor­weg­zu­neh­men, noch bevor es über­haupt etwas zu berich­ten gibt.

Im Fal­le des Berichts von US-“Sonderermittler” Muel­ler sah etwa das ZDF in Form des Berichts eine „Stun­de der Wahr­heit“ kom­men : “Die Auf­re­gung ist groß.” Denn : “US-Son­der­er­mitt­ler Muel­ler könn­te in Kür­ze sei­nen Abschluss­be­richt zur Russ­land­af­fä­re vor­le­gen. Insi­der sind sich sicher : Dann dürf­te in den USA die poli­ti­sche Höl­le los­bre­chen.” Der Spie­gel weiß : “Washing­ton fie­bert dem Bericht von Son­der­er­mitt­ler Muel­ler ent­ge­gen.” Das ehe­ma­li­ge Nach­rich­ten­ma­ga­zin sah übri­gens auch schon (min­des­tens) ein­mal Trumps “Stun­de der Wahr­heit” kom­men. Und T-Online wie­der­holt ein­fach eine seit Trumps Wahl­sieg ver­kün­de­te media­le Hoff­nung : “Die Ein­schlä­ge kom­men näher.” Einen Tag spä­ter ergänz­te T-Online : “Donald Trumps Kar­ten­haus wackelt bedroh­lich.” Es wer­de ein­ein­halb Jah­re vor der nächs­ten Prä­si­dent­schafts­wahl in den USA “rich­tig unge­müt­lich für den Amts­in­ha­ber”. Für Trump bedeu­tet das — wie gesagt — mut­maß­lich kei­nen Grund zur Auf­re­gung : Bereits diver­se Male wur­den sich nähern­de “Ein­schlä­ge”, “end­gül­ti­ge” Unge­müt­lich­kei­ten oder gar “die Höl­le” ange­kün­digt.

Urteilt Muel­ler nur nach Indi­zi­en ?

Immer­hin inter­es­san­te Fra­gen zum Muel­ler-Bericht wirft die FAZ auf — auch wenn sie sie dann unbe­frie­di­gend beant­wor­tet :

Wird Muel­ler ein ein­deu­ti­ges Ergeb­nis vor­le­gen ? Den bis­her 37 Ankla­ge­schrif­ten, die auf sei­ne Ermitt­lun­gen zurück­ge­hen, las­sen sich kei­ne ein­deu­ti­gen Bewei­se ent­neh­men. Hält Muel­ler noch etwas Hoch­bri­san­tes zurück ? Möglich, aber nicht sehr wahr­schein­lich. Rei­chen Indi­zi­en aus, um gegen den Prä­si­den­ten vor­zu­ge­hen ? (…) Das wäre die ent­schei­den­de Fra­ge. Sie ist nicht eine rein juris­ti­sche. Es geht um den Kern der Demo­kra­tie in Ame­ri­ka.

Und auf Info­sper­ber ord­net ein US-Jura-Pro­fes­sor die juris­ti­sche Bedeu­tung des Muel­ler-Berichts ein und erklärt, dass der “Bericht gegen Trump defi­ni­ti­ons­ge­mäß ein­sei­tig” wer­den wür­de, denn : “Der Son­der­er­mitt­ler muss kei­nen Gegen­be­wei­sen nach­ge­hen und kann sol­che igno­rie­ren. Und es geht nur um straf­ba­res Fehl­ver­hal­ten.”

Manaf­ort : Medi­en ent­de­cken sozia­les Gewis­sen

Ange­sichts des gera­de ergan­ge­nen Urteils gegen Trumps ehe­ma­li­gen Wahl­kampf­ma­na­ger Paul Manaf­ort ent­de­cken deut­sche Medi­en urplötz­lich einen sonst eher ver­schüt­ten Sinn für sozia­le Gerech­tig­keit. So fin­det die Welt, dass es frag­lich sei, “ob der kon­ser­va­ti­ve wei­ße Rich­ter gegen­über einem schwar­zen Klein­dieb genau­so mild geur­teilt hät­te wie gegen­über jeman­dem wie Manaf­ort, der der­sel­ben sozia­len Klas­se ent­stammt”. Die Ehre eines (schein­bar noch gar nicht ver­ur­teil­ten) Klein­kri­mi­nel­len hat auch die Rhei­ni­sche Post für sich ent­deckt, und fragt :

In New York hat ein Mann 25-Cent-Mün­zen im Wert von 100 Dol­lar aus dem Gemein­schafts­raum eines Wohn­hau­ses gestoh­len, in dem Wasch­ma­schi­nen ste­hen. Er muss mit min­des­tens drei Jah­ren Gefäng­nis rech­nen, im schlimms­ten Fall mit dem Dop­pel­ten. Paul Manaf­ort, zuletzt Donald Trumps Wahl­kampf­stra­te­ge, kommt bei sechs Mil­lio­nen Dol­lar hin­ter­zo­ge­nen Steu­ern mit 47 Mona­ten Frei­heits­ent­zug davon. Wo bleibt da die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ?

Um die Russ­land­af­fä­re ging es nicht.”

Die Zei­tung ruft auch in Erin­ne­rung, war­um das Ver­fah­ren gegen Manaf­ort über­haupt in Gang kam und wie weit es sich von die­sen unbe­wie­se­nen Grün­den ent­fernt hat : “Um die Russ­land­af­fä­re ging es nicht.” Das küm­mert die Zei­tung aber nicht, solan­ge “der Pro­zess zeig­te, mit wel­chen Cha­rak­te­ren Trump sich umgab.”

Medi­en-Stu­die : Mas­si­ve Ent­frem­dung

Tot­ge­sag­te leben län­ger” — das trifft lei­der auch auf das aktu­ell bestehen­de deut­sche Medi­en­sys­tem zu : Einer neu­en Stu­die der Uni Mainz zufol­ge hal­ten immer noch 44 Pro­zent der Kon­su­men­ten den Main­stream­me­di­en ohne Ein­schrän­kung die Stan­ge. Ande­rer­seits bezeu­gen alle ande­ren Daten der Stu­die eine mas­si­ve Ent­frem­dung der Leser von den gro­ßen Medi­en. Die Nach­denk­sei­ten schrei­ben dazu :

Die­se Ent­frem­dung berei­tet den Medi­en Sor­ge, das ist nach­voll­zieh­bar und an der ver­drucks­ten und teils wider­sprüch­li­chen Bericht­erstat­tung zur Stu­die abzu­le­sen. Für die Gesell­schaft aber kann die­se Ent­frem­dung vie­ler Bür­ger von einem extrem defi­zi­tä­ren Medi­en­be­trieb eine Chan­ce sein. Die Ent­wick­lung kann im bes­ten Fall in die Aus­bil­dung von gesun­der Medi­en­skep­sis und -kom­pe­tenz mün­den. Noch­mal : Ein Vier­tel der Befrag­ten stimmt mitt­ler­wei­le vor­be­halt­los(!) die­ser noch bis vor Kur­zem weit­hin als radi­kal emp­fun­de­nen Aus­sa­ge zu : ‚Die Medi­en arbei­ten mit der Poli­tik Hand in Hand, um die Mei­nung der Bevölke­rung zu mani­pu­lie­ren.

Medi­en wider­ste­hen den “Leser-Irr­tü­mern” bezüg­lich Mos­kaus bösem Cha­rak­ter

Dazu pas­se, dass alle Umfra­gen zum The­ma eine gro­ße Sehn­sucht der Deut­schen nach Ver­stän­di­gung mit Russ­land bele­gen wür­den. Dass sich trotz­dem noch kein gro­ßes Medi­um traue, die rus­sen­feind­li­chen Pfa­de kon­se­quent zu ver­las­sen, zei­ge, wie mut­maß­lich ideo­lo­gisch moti­viert die­se Kam­pa­gnen sind. Der Gip­fel sei, dass die­se “stand­haf­te” media­le Hal­tung gegen Russ­land als beson­ders pro­fes­sio­nell und mutig ver­kauft wer­de – da die Redak­teu­re sich nicht den “Leser-Irr­tü­mern” bezüg­lich Mos­kaus bösem Cha­rak­ter unter­wer­fen wür­den.

Die in der Stu­die beleg­te Ent­frem­dung der Bür­ger von „ihren“ Medi­en kommt nicht von unge­fähr. Wich­ti­ges Motiv dürf­te die­se oben beschrie­be­ne stu­re Negie­rung des pro-rus­si­schen Zeit­geis­tes durch die Medi­en sein. Vor die­ser Igno­ranz sind auch die Mos­kau-Kor­re­spon­den­ten deut­scher Medi­en nicht gefeit, wie noch­mals die Nach­denk­sei­ten beschrei­ben :

Die Russ­land-Kor­re­spon­den­ten deut­scher Medi­en könnten unse­re Augen und Ohren sein. (…) Statt­des­sen stel­len sich vie­le deut­sche Jour­na­lis­ten in Russ­land weit­ge­hend blind und taub : Ein ideo­lo­gi­scher Fil­ter lässt fast aus­schließ­lich nega­ti­ve Nach­rich­ten pas­sie­ren und sol­che, die die Erzäh­lung vom ‚Dik­ta­tor‘ stüt­zen, wie der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin in vie­len deut­schen Medi­en bezeich­net wird.

Immer weni­ger Mos­kau-Kor­re­spon­den­ten — Stär­kung der Agen­tu­ren

In Mos­kau sind laut einer Ana­ly­se der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung (BPB) ohne­hin nur noch etwa 20 deut­sche Kor­re­spon­den­ten akkre­di­tiert. Dabei sei die Nach­rich­ten­agen­tur dpa mit drei Kor­re­spon­den­ten mitt­ler­wei­le eben­so stark ver­tre­ten wie die Ver­tre­ter des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks, wäh­rend die Zahl der Sen­dun­gen, die die­se belie­fern müs­sen, in den letz­ten Jah­ren noch gewach­sen ist, so die BPB. Vie­le Zei­tun­gen sei­en in Mos­kau gar nicht mehr mit eige­nen Kor­re­spon­den­ten ver­tre­ten, so etwa “Han­dels­blatt”, “Focus”, “Stern” oder Regio­nal­zei­tun­gen wie der “Tages­spie­gel” oder die “Stutt­gar­ter Zei­tung”.

Dass die­se Abwe­sen­heit vom Gesche­hen die genann­ten Zei­tun­gen nicht davon abhält, über Russ­land zu berich­ten, müs­sen die Kon­su­men­ten täg­lich bezeu­gen. Die­se Medi­en stüt­zen sich dann weit­ge­hend auf zuge­lie­fer­tes Agen­tur­ma­te­ri­al. Das stär­ke den Ein­fluss die­ser inter­na­tio­na­len Nach­rich­ten­agen­tu­ren noch­mals, glei­che die Inhal­te an und sen­ke das jour­na­lis­ti­sche Niveau zusätz­lich.

Aber selbst wenn Medi­en einen eige­nen Autor in Mos­kau haben, wie etwa “Die Zeit”, die “Süd­deut­sche Zei­tung” oder die “Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung”, so muss die­ser oft ein absurd gro­ßes Gebiet bear­bei­ten : Etwa ist das ZDF-Stu­dio in Mos­kau laut Wiki­pe­dia zustän­dig für die Bericht­erstat­tung aus Arme­ni­en, Aser­bai­dschan, Bela­rus, Geor­gi­en, Kasach­stan, Kir­gi­stan, Russ­land, Tadschi­ki­stan, Usbe­ki­stan und der Ukrai­ne.

Igno­ranz — von Russ­land bis zu “Auf­ste­hen”

Doch nicht nur gegen­über Russ­land herrscht die bekann­te media­le Igno­ranz vor. Auch die sozia­le Bewe­gung “Auf­ste­hen” muss mit die­sen Gege­ben­hei­ten leben, wor­auf die Frak­ti­ons­chefin der Links­par­tei, Sah­ra Wagen­knecht, aktu­ell auf ihrer Face­book­sei­te hin­weist :

Gera­de kur­sie­ren Mel­dun­gen, ich wür­de mich von Auf­ste­hen ver­ab­schie­den. So ein Quatsch ! Bei eini­gen Medi­en ist offen­bar wie­der mal der Wunsch Vater des Gedan­kens. Selbst­ver­ständ­lich wer­de ich Auf­ste­hen wei­ter unter­stüt­zen, ins­be­son­de­re durch öffent­li­che Ver­an­stal­tun­gen, wie nächs­te Woche in Ham­burg. Aber wir brau­chen einen Neu­start in der Füh­rung von Auf­ste­hen. Hier soll­ten sich die Berufs­po­li­ti­ker in Zukunft stär­ker zurück­neh­men und die Bewe­gung denen über­ge­ben, die sie ohne­hin an der Basis gestal­ten.

Infa­me media­le Dau­er­schlei­fe zu Vene­zue­la

Da sich der ver­such­te Putsch gegen den vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Nico­las Madu­ro seit Wochen in einer infa­men und kon­sis­ten­ten poli­tisch-media­len Kam­pa­gne nie­der­schlägt, ist es mitt­ler­wei­le Tra­di­ti­on, auf eine alte, aber noch bestehen­de Aus­sa­ge die­ser Kolum­ne zu ver­wei­sen :

Medi­en­kon­su­men­ten, die sich noch nicht zu abge­brüh­ten Zyni­kern ent­wi­ckelt haben, können sich ange­sichts des Umsturz­ver­suchs in Vene­zue­la nur die Augen rei­ben : zum einen wegen der ganz offe­nen poli­ti­schen Ein­mi­schung in ein sou­ve­rä­nes Land. Zum ande­ren wegen der media­len Beglei­tung : Die geht eben­so offen von­stat­ten. Es wird nicht ein­mal mehr ver­sucht, den Anschein eines demo­kra­ti­schen Pro­zes­ses zu erwe­cken – weder auf poli­ti­scher noch auf media­ler Ebe­ne.

Die­ses Schau­spiel hat sich in die­ser Woche noch­mals ver­stärkt, anläss­lich der Ein­mi­schung und anschlie­ßen­den Aus­wei­sung des deut­schen Bot­schaf­ters. Es soll hier dar­auf ver­zich­tet wer­den, die groß­flä­chi­gen und infa­men Ver­su­che vie­ler Medi­en zu pro­to­kol­lie­ren, die Ein­mi­schung des Bot­schaf­ters zu recht­fer­ti­gen. Statt­des­sen soll eine der weni­gen nach­denk­li­chen Stim­men zitiert wer­den, aus der Fran­ken­post :

Ber­lins viel zu frü­he und har­sche Ein­mi­schung samt Ulti­ma­tum sind schwe­re außen­po­li­ti­sche Feh­ler, die dem Aus­wär­ti­gen Amt und Minis­ter Hei­ko Maas im Beson­de­ren zuzu­schrei­ben sind. Die Aus­wei­sung des deut­schen Bot­schaf­ters ist ungewöhnlich. Aber sie ist die Quit­tung für eine fal­sche Ent­schei­dung.

Zwei­er­lei Maß : Deutsch­land und Vene­zue­la

Es wäre aller­dings noch zu klä­ren, war­um die Aus­wei­sung “unge­wöhn­lich” gewe­sen sein soll. Die­se Wort­wahl offen­bart — selbst bei offen­sicht­lich nicht ganz ver­blen­de­ten Redak­teu­ren wie jenem von der Fran­ken­post - ein zen­tra­les Pro­blem der deut­schen Bericht­erstat­tung zu Vene­zue­la : Es wird kein Ver­gleich dazu gezo­gen, wie denn deut­sche Behör­den mit einem selbst­er­nann­ten “Prä­si­den­ten” umsprin­gen wür­den, und mit einem Bot­schaf­ter, der einen sol­chen Ver­fas­sungs­bre­cher hofiert.

Eine der ganz weni­gen Ein­zel­per­so­nen, die in die­ser Woche Klar­text zu Vene­zue­la gebro­chen haben, ist die Lin­ke-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Simo­ne Bar­ri­ent­os. Im Deutsch­land­funk zer­stör­te sie einen domi­nan­ten Medi­en-Mythos zum Alternativ-“Präsidenten”: 

Juan Guai­do kehrt nicht zurück, weil er Gutes will.

RT Deutsch


Korea-Gipfel, Song Contest, Venezuela : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


Von Tho­mas Schwarz

Die Aus­sa­ge, dass der “Euro­vi­si­on Song Con­test” (ESC) eine unpo­li­ti­sche Ver­an­stal­tung sei, war wohl noch nie zutref­fend. Im Gegen­teil : Mit offen­sicht­li­cher und auf­rei­zen­der Unge­rech­tig­keit wird gegen­über poli­ti­schen Kon­kur­ren­ten des Wes­tens auf die­sen unpo­li­ti­schen Cha­rak­ter gepocht, wäh­rend etwa 2016 die sieg­rei­che ukrai­ni­sche Sän­ge­rin Jama­la einen mut­maß­li­chen poli­ti­schen anti­rus­si­schen Pro­pa­gan­da-Song vor­tra­gen durf­te. In unan­ge­neh­mer Erin­ne­rung ist auch die Hal­tung der Ver­an­stal­tungs-Regie, die 2014 die unge­rech­ten Pfif­fe gegen die rus­si­schen Künst­ler nicht ange­mes­sen unter­bun­den hat.

Der Song Con­test wird eben­so poli­tisch benutzt wie der Sport

Wie ande­re als rei­ne “Kultur”-Events ver­kauf­te Groß­ver­an­stal­tun­gen des Wes­tens hat also auch der ESC schon lan­ge jenen Grad der Instru­men­ta­li­sie­rung erreicht, der auch etwa den Sport erfasst hat. Aus die­sem Grund sind die aktu­el­len Irri­ta­tio­nen um die ukrai­ni­sche Teil­nah­me am Song Con­test wenig über­ra­schend. Eben­so wenig über­ra­schend sind die anti­rus­si­schen Kne­bel­ver­trä­ge, zu denen die Ukrai­ne “ihre” Künst­ler drän­gen woll­te. Gute Über­sich­ten über den jüngs­ten ESC-Vor­gang und über das frag­wür­di­ge Ver­hal­ten ukrai­ni­scher Offi­zi­el­ler und lie­fer­ten neben RT zum einen Tele­po­lis und zum ande­ren die Nach­Denk­Sei­ten. Die im Fokus ste­hen­de Sän­ge­rin Han­na Kor­sun ali­as Maruv ließ in einer Erklä­rung an Deut­lich­keit wenig zu wün­schen übrig :

Ich bin eine Bür­ge­rin der Ukrai­ne, zah­le Steu­ern und lie­be die Ukrai­ne auf­rich­tig. Doch ich bin nicht bereit, mit Losun­gen auf­zu­tre­ten, die mei­ne Anwe­sen­heit beim Wett­be­werb in eine Pro­mo-Akti­on unse­rer Poli­ti­ker ver­wan­deln. Ich bin Musi­ke­rin und kein Schlä­ger in der poli­ti­schen Are­na.

Der Song-Con­test und die “annek­tier­te” Krim

Dass vie­le gro­ße Medi­en wie der Spie­gel hier oder die FAZ hier den ESC-Vor­gang nutz­ten, um ein­mal mehr die “von Russ­land annek­tier­te” Krim zu skan­da­li­sie­ren über­rascht nicht. Die skan­da­lö­se Deut­lich­keit, mit der sich Irving Wol­ther auf der deut­schen ESC-Web­sei­te gegen Maruvs rich­ti­ge und muti­ge Ent­schei­dung posi­tio­niert und die Per­spek­ti­ve der Ukrai­ne über­nimmt, über­rascht dage­gen schon :

Und so stell­te Jury­mit­glied Jama­la als Lack­mus­test für Maruvs patrio­ti­sche Gesin­nung vor lau­fen­den Kame­ras die Fra­ge, ob die Krim für die umstrit­te­ne Sän­ge­rin zur Ukrai­ne gehö­re. Das eher zöger­li­che ‘Ja’ dürf­te die Kri­ti­ker kaum über­zeugt haben.” Dar­auf­hin habe sich, laut Wol­ther, die UA:PBC “dazu gezwun­gen gese­hen”, Maruv nach ihrem Vor­ent­schei­dungs­sieg “ver­trag­lich zu bedin­gungs­lo­ser Soli­da­ri­tät mit dem eige­nen Land zu ver­pflich­ten” und ihr die Zusa­ge abzu­rin­gen, “nicht mehr in Russ­land auf­zu­tre­ten”.

ESC-Web­site : Maruv “sti­li­siert sich zum Opfer”

Die­se “Ver­pflich­tung zu bedin­gungs­lo­ser Soli­da­ri­tät” mit der höchst umstrit­te­nen ukrai­ni­schen Regie­rung ist laut Wol­ther und ESC schein­bar von der “unpo­li­ti­schen” Phi­lo­so­phie des ESC gedeckt – eben­so wie pau­scha­le Dif­fa­mie­run­gen Russ­lands. Als “unglück­lich” bezeich­nen Wol­ther und ESC dage­gen Maruvs Reak­ti­on :

Maruv ent­schied sich dann aller­dings auf Face­book, die Klau­seln des Doku­ments öffent­lich zu machen und sich zum Opfer poli­ti­scher Ein­fluss­nah­me zu sti­li­sie­ren.

Korea-Gip­fel : In Asi­en nichts Neu­es – in den Medi­en auch nicht

Es ist scha­de, dass der Korea-Gip­fel mit US-Prä­si­dent Donald Trump und sei­nem nord­ko­rea­ni­schen Pen­dant Kim Jong-un geschei­tert ist. Dies nicht nur, weil eine Chan­ce auf Ver­stän­di­gung in einem lan­ge ein­ge­fro­re­nen Kon­flikt nicht ergrif­fen wur­de – zumin­dest die­ses Mal noch nicht. Son­dern auch, weil ein greif­ba­res Ergeb­nis des Gip­fels der von Arro­ganz und Häme gepräg­ten Bericht­erstat­tung über Trump und Kim einen Dämp­fer ver­passt hät­te.

Mehr zum The­ma — Kei­ne Eini­gung in Hanoi : Trump unter­streicht Fort­schrit­te in Ver­hand­lun­gen mit Nord­ko­rea

Zwei media­le Stoß­rich­tun­gen waren vor und wäh­rend des Gip­fels zu beob­ach­ten : Zum einen wur­den in bekann­ter Form die Dif­fa­mie­run­gen von Äußer­lich­kei­ten und ande­ren per­sön­li­chen Eigen­schaf­ten der Staats­män­ner wie­der­holt. Das haben neben vie­len gro­ßen Medi­en auch klei­ne­re wie das Min­de­ner Tag­blatt prak­ti­ziert, das fest­stellt : “Donald Trump dage­gen hat die gan­ze Welt ein­mal mehr dabei zuse­hen las­sen müs­sen, dass sei­ne angeb­li­che Geheim­waf­fe – er selbst – nur Schaum schla­gen kann.” Oder die Mit­tel­baye­ri­sche Zei­tung, die schreibt : “Der angeb­li­che Meis­ter der Ver­hand­lungs-Kunst steht am Ende die­ser Woche als Meis­ter des Desas­ters da.” Oder der Süd­ku­rier, der Trumps Wor­te als “groß­spu­rig” und die Insze­nie­rung des Gip­fels als “üppig” cha­rak­te­ri­siert.

Denu­kle­a­ri­sie­rung ! Min­des­tens!!

Auf der ande­ren Sei­te wur­de ver­sucht, den Gip­fel im Vor­feld medi­al mit unrea­lis­ti­schen Erwar­tun­gen zu über­frach­ten, um ihn garan­tiert nicht gelin­gen zu las­sen. So sei eine “Denu­kle­a­ri­sie­rung” Nord­ko­reas das Min­des­te, um von einem Erfolg spre­chen zu kön­nen. Die­sen Vor­gang bringt die All­ge­mei­ne Zei­tung tref­fend auf den Punkt :

Erset­zen wir Trump doch ein­mal durch des­sen Vor­gän­ger Barack Oba­ma ; wür­den wir dann auch so skep­tisch auf das aber­ma­li­ge Tref­fen schau­en ? Wür­den wir auch dann deut­li­che Fort­schrit­te und die Denu­kle­a­ri­sie­rung Nord­ko­reas for­dern, und alles dar­un­ter wäre ein Miss­erfolg des US-Prä­si­den­ten, rei­nes Gip­fel­thea­ter ? Oder wür­den wir nicht viel eher das Geschick Oba­mas loben, der nach vie­len Jah­ren der Zuspit­zung, in denen ein Rake­ten­test Nord­ko­reas auf den nächs­ten folg­te, einen Dia­log ein­ge­lei­tet hat ? Der wie­der­um die Chan­ce auf tat­säch­li­che Ent­span­nung bie­tet ? Ob man Trump nun mag oder nicht – es ist ihm bis auf Wei­te­res gelun­gen, den Kon­flikt mit Nord­ko­rea zu ent­schär­fen. Das ist für den Rest der Welt groß­ar­tig.

Die Neue Osna­brü­cker Zei­tung ver­bin­det bei­de Ele­men­te – per­sön­li­che Dif­fa­mie­rung und Lob : Zunächst unter­stellt die Zei­tung Trump die übli­che Gel­tungs­sucht als allei­ni­ges Hand­lungs­mo­tiv : “Trump möch­te in die Geschich­te ein­ge­hen als Prä­si­dent, der die Befrie­dung der Korea­ni­schen Halb­in­sel vor­an­ge­bracht hat. Das Ver­lan­gen, eines Tages den Frie­dens­no­bel­preis in Hän­den zu hal­ten, darf man dem US-Prä­si­den­ten getrost unter­stel­len. Es passt zu sei­nem Natu­rell. Think big, groß den­ken, das ist Trumps Prä­mis­se, das Unmög­li­che mög­lich zu machen.” Aber die Jour­na­lis­ten sehen auch : “Mit dem zwei­ten Prä­si­den­ten-Tref­fen in Hanoi hat Trump mehr erreicht als sei­ne Vor­gän­ger. Trump hat die Spi­ra­le der Eska­la­ti­on auf unkon­ven­tio­nel­le Wei­se durch­bro­chen. So viel Dia­log mit Pjöng­jang war nie.”

Medi­en zu Trump : “Show-Wert”, “Spie­ler”, “Stein­zeit”

Show-Wert welt­klas­se, Ergeb­nis nie­der­schmet­ternd”, urteilt dage­gen die Volks­stim­me aus Mag­de­burg. Sie kommt zu einer bemer­kens­wert ande­ren Ein­schät­zung als die zuvor zitier­te Zei­tung und sieht durch die Ent­wick­lung vor allem den US-Prä­si­den­ten geschwächt : “Der Spie­ler Trump glaub­te den Deal schon in der Tasche zu haben. Sein neu­er Freund Kim Jong-un hat ihm die Tour ver­mas­selt. Ame­ri­kas Prä­si­dent wur­de vom Dik­ta­tor aus Nord­ko­rea zum Hans­wurst gemacht. (…) Im Nord­ko­rea-Kon­flikt droht ein Rück­fall in die Stein­zeit.” Zur Fra­ge der Ent­waff­nung schreibt die Zei­tung jedoch wie­der­um zutref­fend : “Kim und sei­ne Cli­que den­ken nicht dar­an, sich nukle­ar zu ent­blö­ßen. Die Atom­ra­ke­ten sind die Lebens­ver­si­che­rung des Regimes.”

Wie sehr die­se Aus­sa­ge von der “Lebens­ver­si­che­rung” zutrifft, hat der rus­si­sche Außen­mi­nis­ter Ser­gei Law­row laut RT ver­deut­licht :

Wie kann man Men­schen ent­waff­nen las­sen ? Und was dann ? Schon ein­mal ent­waff­ne­ten sie Sad­dam Hus­sein durch die betrü­ge­ri­schen Tricks, die der ehe­ma­li­ge bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Tony Blair erst nach 15 Jah­ren gestan­den hat­te. Dann wur­de Gad­da­fi ent­waff­net, und wir wis­sen, wie alles geen­det hat. Nur ein schritt­wei­ser Ansatz, der posi­ti­ve Aktio­nen als Reak­ti­on auf posi­ti­ve Aktio­nen der Demo­kra­ti­schen Volks­re­pu­blik Korea beinhal­tet, kann funk­tio­nie­ren.

Vene­zue­la : Auch im Süden nichts Neu­es

Das The­ma Vene­zue­la ist seit Wochen der domi­nie­ren­de pro­pa­gan­dis­ti­sche Dau­er­bren­ner in den deut­schen Medi­en. Der poli­ti­sche und media­le Umgang mit einem offen gefor­der­ten Umsturz kann nur als beschä­mend bezeich­net wer­den. Da sich im Tenor und in der Inten­si­tät die­ser völ­ker­rechts­wid­ri­gen Bericht­erstat­tung nur Gra­du­el­les ändert, sei hier auf die Kern­aus­sa­ge einer frü­he­ren Aus­ga­be die­ser Kolum­ne ver­wie­sen :

Medi­en­kon­su­men­ten, die sich noch nicht zu abge­brüh­ten Zyni­kern ent­wi­ckelt haben, kön­nen sich ange­sichts des Umsturz­ver­suchs in Vene­zue­la nur die Augen rei­ben : zum einen wegen der ganz offe­nen poli­ti­schen Ein­mi­schung in ein sou­ve­rä­nes Land. Zum ande­ren wegen der media­len Beglei­tung : Die geht eben­so offen von­stat­ten. Es wird nicht ein­mal mehr ver­sucht, den Anschein eines demo­kra­ti­schen Pro­zes­ses zu erwe­cken – weder auf poli­ti­scher noch auf media­ler Ebe­ne.

Pro­pa­gan­da auf engs­tem Raum

Beim The­ma Putsch in Vene­zue­la neh­men sich gro­ße und klei­ne Medi­en in Deutsch­land nicht viel, es gibt kaum Aus­rei­ßer – die­ser star­ke und destruk­ti­ve Her­den­trieb erin­nert an den media­len Rausch west­li­cher Redak­teu­re wäh­rend des Mai­dan-Put­sches in der Ukrai­ne 2014. Dar­um soll hier nur noch ein stell­ver­tre­ten­des Nega­tiv­bei­spiel genannt wer­den. Im fol­gen­den Absatz der Rhei­ni­schen Post ver­bin­den sich auf engs­tem Raum meh­re­re aktu­ell groß­flä­chig prak­ti­zier­te Ver­zer­run­gen : der nicht genann­te Wirt­schafts­krieg gegen Vene­zue­la als ein wich­ti­ger Grund für den Man­gel. Die Umdeu­tung von stra­te­gi­scher Ein­mi­schung zu “ersehn­ter Nah­rung”. Die distanz­lo­se Über­nah­me der Schlag­wor­te von den “Mil­lio­nen Flücht­lin­gen” und der “in Brand geschos­se­nen Hilfs­lie­fe­run­gen”. Der “skru­pel­lo­se Prä­si­dent”, das “her­un­ter­ge­wirt­schaf­te­te” Land und der angeb­lich oppo­si­tio­nell ein­ge­stell­te “Groß­teil” der Bevöl­ke­rung :

Nie­mand hat das Recht, mit den Lebens­grund­la­gen von Men­schen zu spie­len und ersehn­te Nah­rung in Brand zu schie­ßen. Das einst rei­che Land ist her­un­ter­ge­wirt­schaf­tet, mehr als drei Mil­lio­nen Men­schen haben bereits Zuflucht im Aus­land gesucht. Madu­ros Poli­tik ist skru­pel­los. Da ist es ver­ständ­lich, dass sich ein Groß­teil der Bür­ger gegen ihn stellt.

Vor­wärts in die vene­zo­la­ni­sche Kata­stro­phe !

Die­se Sät­ze sind bereits infam. Gera­de­zu gefähr­lich sind aber die Wor­te, die dann fol­gen : Dass die Men­schen bei ihrem Kampf gegen die Regie­rung “auf eine hoch­ge­rüs­te­te Armee tref­fen” wür­den, das mache ihren Kampf zwar “gefähr­lich”, so die Rhei­ni­sche Post, “aber nicht aus­sichts­los”. Das ist ein direk­ter und mut­maß­lich ille­ga­ler Auf­ruf zu einer blu­ti­gen und mut­maß­lich eben doch aus­sichts­lo­sen Kon­fron­ta­ti­on mit den Sicher­heits­kräf­ten. Man stel­le sich sol­che Auf­ru­fe aus­län­di­scher Medi­en an die deut­sche Bevöl­ke­rung vor ! In wel­cher Kata­stro­phe die von deut­schen Jour­na­lis­ten her­bei­ge­sehn­te vene­zo­la­ni­sche Eska­la­ti­on mün­den könn­te, beschreibt aus­ge­rech­net die Süd­deut­sche Zei­tung mut­maß­lich zutref­fend :

Mehr zum The­ma — Schlag­ab­tausch im UN-Sicher­heits­rat zu Vene­zue­la : “Höhe­punkt der US-Dop­pel­stan­dard-Show” (Video)

Sowohl Vene­zue­la als auch das Madu­ro-feind­li­che Nach­bar­land Kolum­bi­en unter­hal­ten auf­ge­pump­te Mili­tär­ap­pa­ra­te ; dazu kom­men aller­lei Mili­zen. Im kolum­bia­ni­schen Grenz­ge­biet ope­rie­ren Gue­ril­la und Dro­gen­gangs­ter, an der Gren­ze zu Bra­si­li­en kommt es zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen vene­zo­la­ni­schem Mili­tär und Indi­ge­nen. Und auf der ande­ren Sei­te der Gren­ze regiert der Madu­ro-Geg­ner und rechts­ra­di­ka­le Gewalt­ver­herr­li­cher Bol­so­na­ro. Kurz : Die süd­ame­ri­ka­ni­sche Kari­bik hat das Zeug zum gro­ßen Kon­flikt­herd.

Pro­pa­gan­da ver­wirrt auch man­che “Lin­ke”

Wel­che star­ke Wir­kung trotz solch dro­hen­der Hor­ror-Sze­na­ri­en die Pro­pa­gan­da gegen die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung bis hin­ein in “lin­ke” Krei­se ent­fal­tet, muss­ten gera­de Tei­le der Links­par­tei erfah­ren, die beim jüngs­ten Par­tei­tag Soli­da­ri­tät mit dem bedräng­ten Land gefor­dert haben. Sie ern­te­ten einen inner- und außer­par­tei­li­chen Shit­s­torm, wie die Nach­Denk­Sei­ten hier beschrei­ben. Das Medi­um stellt klar, dass die Ableh­nung des Put­sches auch bei mög­li­chen poli­ti­schen Dif­fe­ren­zen mit der Regie­rung Madu­ro Bestand haben muss :

Wenig bis kei­nen Bewer­tungs­spiel­raum gibt es jedoch bei der Fra­ge, ob der dro­hen­de Putsch gegen die Regie­rung Vene­zue­las zu ver­ur­tei­len ist. Eben­so wenig gibt es die­sen Spiel­raum bei der Fra­ge, ob die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung in die­ser Situa­ti­on der Bedräng­nis die Soli­da­ri­tät ‘lin­ker’ Par­tei­en ‘ver­dient’ hat : Die Ant­wort auf bei­de Fra­gen soll­te ein kla­res ‘Ja’ sein. Dar­um kann die gera­de­zu feind­li­che Reak­ti­on in Tei­len der Par­tei nur als befremd­lich bezeich­net wer­den.

Es war nicht alles schlecht : Schi­cken wir God­zil­la nach Vene­zue­la !

Die gefähr­li­che Rol­le gro­ßer Medi­en im All­ge­mei­nen und der Tages­schau im Beson­de­ren beim The­ma Vene­zue­la fas­sen gewohnt poin­tiert die Medi­en­kri­ti­ker Fried­helm Klink­ham­mer und Vol­ker Bräu­ti­gam zusam­men. Sie ver­wei­sen zudem auf das gro­ße und durch die Bericht­erstat­tung maß­los ent­täusch­te Inter­es­se der Kon­su­men­ten :

Wäh­rend die Ereig­nis­se in Latein­ame­ri­ka auf brei­tes Inter­es­se der deut­schen Bevöl­ke­rung sto­ßen, haben unse­re Mas­sen­me­di­en über die staats­recht­li­chen Zusam­men­hän­ge und Pro­ble­me fak­tisch nichts oder nur irre­füh­rend und ten­den­zi­ös berich­tet. Die Tages­schau hat­te im Rah­men der media­len Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne Vor­rei­ter­funk­ti­on.

Der Zahn­arzt des Kol­le­gen mei­nes Bru­ders ist Vene­zo­la­ner …”

Wel­che inter­es­san­te Ein­sich­ten sich erge­ben, wenn man in der Vene­zue­la-Debat­te das Wort “US-Armee” durch “God­zil­la” erset­zen wür­de, hat Caitlin John­stone in die­sem Bei­trag (auf Eng­lisch) sehr amü­sant demons­triert. Wir haben die ers­ten Sät­ze des fik­ti­ven Dia­logs über­setzt :

Per­son A : Wow, die Din­ge sehen in Vene­zue­la im Moment wirk­lich schlecht aus.

Per­son B : Ja.

Per­son A : All die­se Armut und Unru­he !

Per­son B : Ich weiß, es ist schreck­lich.

Per­son A : Weißt du, was wir tun sol­len ?

Per­son B : Bit­te sagen Sie jetzt nicht, dass wir God­zil­la rein­schi­cken soll­ten.

Per­son A : Was ? War­um nicht??

Per­son B : Weil er die Din­ge immer schlim­mer macht ! Das weißt du doch ! Jedes Mal, wenn wir God­zil­la schi­cken, um zu ver­su­chen, Pro­ble­me in der Welt zu lösen, zer­tram­pelt er ein­fach die gan­ze Stadt, reißt Gebäu­de nie­der und tötet Tau­sen­de von Men­schen mit sei­nem ato­ma­ren Wär­me­strahl.

Per­son A : Viel­leicht wäre es dies­mal anders !

Per­son B : War­um in Got­tes Namen soll­te es die­ses Mal anders sein ? Sie sag­ten, es wäre im Irak, in Liby­en, in Syri­en anders. Was ist dort pas­siert ?

Per­son A : Er tram­pel­te durch die Städ­te, riss Gebäu­de nie­der und töte­te Men­schen mit sei­nem ato­ma­ren Wär­me­strahl.

Per­son B : Genau ! Also, was lässt Sie den­ken, dass das Ent­sen­den von God­zil­la dies­mal anders ablie­fe ?

Per­son A : Nun, wir kön­nen nicht ein­fach nichts tun !

Per­son B : Nichts zu tun wäre unend­lich viel bes­ser als God­zil­la zu schi­cken, um das zu tun, was er buch­stäb­lich immer tut.

Per­son A : Hey, Untä­tig­keit hat Kon­se­quen­zen ! Du redest wahr­schein­lich nicht mal mit den Vene­zo­la­nern. Der Zahn­arzt des Kol­le­gen mei­nes Bru­ders ist Vene­zo­la­ner, und er sagt, dass God­zil­las Van­da­lis­mus genau das ist, was sie brau­chen. Du soll­test auf die Vene­zo­la­ner hören.

(…)

Mehr zum The­ma — Deut­sche IS-Kämp­fer, Putin-Rede, Miss­brauch in Lüg­de : Ein Wochen­rück­blick auf den media­len Abgrund

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln. 

RT Deutsch


Deutsche IS-Kämpfer, Putin-Rede, Missbrauch in Lügde : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


von Tho­mas Schwarz

Die geschei­ter­te west­li­che “Revo­lu­ti­on” in Syri­en frisst nicht ihre Kin­der — sie schickt ihre Kin­der : So könn­te man den Vor­gang um die Rück­kehr deut­scher IS-Kämp­fer aus Syri­en beti­teln. Denn zum einen wäre der IS ohne die ille­ga­len Inter­ven­tio­nen des Wes­tens im Irak und in Syri­en gar nicht ent­stan­den. Zum ande­ren dräng­te sich nach der Eta­blie­rung des IS-Terror-“Staates” der Ein­druck auf, dass die west­li­chen Arme­en die­se Isla­mis­ten jah­re­lang gar nicht, oder nur halb­her­zig bekämpft haben. Denn der IS war eine mut­maß­lich will­kom­me­ne, zusätz­li­che Front gegen den syri­schen Prä­si­den­ten Baschar al-Assad.

Nun, da das mili­tä­ri­sche und pro­pa­gan­dis­ti­sche Kar­ten­haus des west­li­chen Angriffs gegen Syri­en kol­la­biert, geht es für die media­len und poli­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen die­ses Feld­zugs um Scha­dens­be­gren­zung : Über die genaue Ent­ste­hung des Krie­ges und des IS sowie die Unter­stüt­zung die­ser Vor­gän­ge durch deut­sche Medi­en und Poli­tik wird ein Man­tel des Schwei­gens aus­ge­brei­tet — von zahl­rei­chen Redak­teu­ren und Poli­ti­kern wird nun so getan, als hät­ten sie mit der Zer­rüt­tung Syri­ens und der Moti­va­ti­on auch der deut­schen Isla­mis­ten nie etwas zu tun gehabt. Die Syri­en-Erzäh­lun­gen des Main­streams set­zen meist erst mit “rus­si­schen Bom­bar­de­ments auf die Zivil­be­völ­ke­rung” ein. Und kaum ein Medi­um zwei­felt die­se Ver­kür­zun­gen und Ver­zer­run­gen an.

Der IS : Ein unbe­re­chen­ba­res “Natur­er­eig­nis”

Es soll dadurch der Ein­druck ent­ste­hen, syri­sche Ter­ror-Ban­den wie der IS hät­ten sich wie ein Natur­er­eig­nis und ohne west­li­ches Zutun ein­fach so “gebil­det” und sie sei­en dar­um auto­nom und unbe­re­chen­bar. Um die­sen Ein­druck auf­recht­zu­er­hal­ten, wird auf jede noch so vor­her­seh­ba­re Ent­wick­lung zum IS reagiert, wie auf einen Wol­ken­bruch aus hei­te­rem Him­mel : mit gespiel­ter Über­ra­schung.

Die­sen Aspekt greift die Rhei­ni­sche Post auf, und schreibt : “Dass Hun­der­te von Deut­schen – dar­un­ter rund 40 gefan­gen gehal­te­ne IS-Kämp­fer – schon bald die deut­schen Gren­zen in umge­kehr­ter Rich­tung pas­sie­ren wür­den, wenn der IS geschla­gen ist, war seit Jah­ren abzu­se­hen. Lag denn wirk­lich kein Plan in der Schub­la­de, wie IS-Kämp­fer vor ihrer Über­füh­rung in die Hän­de der deut­schen Jus­tiz an Ort und Stel­le iden­ti­fi­ziert wer­den kön­nen?”

Der Ter­ror trifft die “nor­ma­len” Bür­ger — In Syri­en und in Deutsch­land

Über­ra­schend offen spricht im Gegen­satz zu fast allen gro­ßen Medi­en das Strau­bin­ger Tag­blatt die deut­sche Mit­ver­ant­wor­tung für die syri­sche Eska­la­ti­on an : “Man kann es dre­hen und wen­den, wie man will : Poli­tisch blei­ben Deutsch­land und ande­re Her­kunfts­län­der in jedem Fall ver­ant­wort­lich. Sie haben nicht ver­hin­dert, dass sich ihre Staats­bür­ger radi­ka­li­sie­ren und ins Kampf­ge­biet abset­zen. Nun kön­nen sie ande­re nicht mit den Fol­gen ihres Ver­sa­gens allein las­sen.” Das ist einer­seits zutref­fend — und man kann durch­aus die Posi­ti­on ver­tre­ten, dass die west­li­chen Ver­ur­sa­cher des Syri­en-Kriegs sich nun auch bit­te­schön mit den ter­ro­ris­ti­schen Über­res­ten befas­sen müs­sen. Das Pro­blem : Jene west­li­chen Ver­ur­sa­cher in Medi­en und Poli­tik wer­den (ein­mal mehr) nicht die Leid­tra­gen­den eines even­tu­ell von den IS-Rück­keh­rern ent­fal­te­ten Ter­rors sein — von die­sem Ter­ror wür­den (wie in Syri­en) jene “nor­ma­len” Bür­ger getrof­fen, die den Syri­en-Krieg schon immer abge­lehnt haben.

Dass US-Prä­si­dent Donald Trump sich vor Freu­de auf die Schen­kel klop­fen wür­de dar­über, “wie leicht er die euro­päi­sche Poli­tik in einen auf­ge­scheuch­ten Hüh­ner­hau­fen ver­wan­deln kann’, mut­maßt der Donau­ku­rier : ‘Es reicht, mal eben per Twit­ter mit der Frei­las­sung von IS-Kämp­fern zu dro­hen. Von IS-Kämp­fern wohl­ge­merkt, die gar nicht im Gewahr­sam der USA sind. Gleich­zei­tig mahnt er bei den Ver­bün­de­ten rechts­staat­li­che Ver­ant­wor­tung an – als Prä­si­dent eines Lan­des, das sich seit Jah­ren den juris­ti­schen wie men­schen­recht­li­chen Sün­den­fall Guan­ta­na­mo leis­tet.”

Die Völ­ker­rechts­bre­cher pochen auf den „Rechts­staat“

Auf die­se Heu­che­lei geht (in umge­kehr­ter Ziel­rich­tung) auch die Badi­sche Zei­tung  ein : “Wer jetzt etwa dar­auf hofft, dass US-Prä­si­dent Trump eine Rei­he von Kämp­fern, denen man ange­sichts schwie­ri­ger Beweis­la­ge vor west­li­chen Gerich­ten nur schwer bei­kom­men könn­te, nach Guan­tá­na­mo ver­frach­tet, macht sich dop­pelt unglaub­wür­dig. Hat man nicht jah­re­lang die USA für genau die­se rechts­staat­lich so schwer trag­ba­re Pra­xis geschol­ten?” Die Zei­tung ord­net auch die Zukunft eines inter­na­tio­na­len Gre­mi­ums rea­lis­tisch ein : “Klar ist, dass die kur­di­sche Idee eines inter­na­tio­na­len Gerichts­ho­fes auf syri­schem Ter­ri­to­ri­um zur Abur­tei­lung der Kämp­fer, Stand heu­te, illu­so­risch ist. Dies wür­de bedeu­ten, dass die fak­ti­schen Sie­ger in Syri­en, das Assad-Régime, der Iran und Russ­land, auf Sou­ve­rä­ni­tät ver­zich­ten wür­den.”

Die Süd­deut­sche Zei­tung  plä­diert für eine Auf­nah­me der mut­maß­li­chen Ter­ro­ris­ten : “Deut­sche, die für den Isla­mi­schen Staat in Syri­en gekämpft haben, sind in Deutsch­land vor Gericht zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen. Ist ihnen kei­ne Tat nach­zu­wei­sen, gel­ten sie aber als gefähr­lich, müs­sen sie über­wacht wer­den.” Dann offen­bart das Medi­um sei­ne Dop­pel­zün­gig­keit : “Das alles ist anstren­gend, teu­er und wenig popu­lär. Aber in einem Rechts­staat gibt es dazu kei­ne Alter­na­ti­ve.” Man hät­te sich von der Süd­deut­schen Zei­tung gewünscht, dass sie in Bezug auf Syri­en schon frü­her auf rechts­staat­li­che Prin­zi­pi­en gepocht hät­te — und nicht erst, wenn sich die Fol­gen der eige­nen Kriegs­trom­me­lei gegen das “Assad-Régime” abzeich­nen.

Die Mani­pu­la­to­ren und die Putin-Rede

Die Reden des rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin an die Nati­on sind stets ein gefun­de­nes Fres­sen für Mani­pu­la­to­ren west­li­cher Medi­en. Zum einen kön­nen die gro­ßen Medi­en lei­der noch immer dar­auf ver­trau­en, dass die meis­ten Kon­su­men­ten Ori­gi­nal-Quel­len nicht sel­ber stu­die­ren — und sich dadurch zum Spiel­ball der west­li­che-media­len Inter­pre­ta­tio­nen machen. Zu ande­ren wird die Putin-Rede nicht behan­delt wie ver­gleich­ba­re Reden west­li­cher Poli­ti­ker : Poli­ti­sches Lokal­ko­lo­rit und die allen Poli­ti­ker-Reden anhaf­ten­de Phra­sen­haf­tig­keit wer­den bei Putin — so wie auch etwa bei Madu­ro oder Erdo­gan — nicht ent­las­tend in die Bericht­erstat­tung “ein­ge­preist”: Jedes Wort wird “wört­lich” auf die Gold­waa­ge gelegt.

Die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung  sieht dem­entspre­chend in der Rede „eine Anein­an­der­rei­hung lee­rer Ver­spre­chen und eine Demons­tra­ti­on der Schwä­che. Nicht ein ein­zi­ges der rea­len sozia­len und wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me, die Putin in sei­ner Rede ange­spro­chen hat, ist neu. Und auch die Ankün­di­gung, sie in naher Zukunft zu besei­ti­gen, hat man von ihm schon vor Jah­ren gehört. Es wird kom­men wie immer : Nichts wird sich ändern“, das weiß die FAZ genau. Der Tages­spie­gel ver­kün­det unter­des­sen, dass “nur noch” 56 Pro­zent Putin wäh­len woll­ten und hält den Mythos vom “brei­ten Pro­test” auf­recht : “Zum ers­ten Mal seit lan­ger Zeit gin­gen im ver­gan­ge­nen Jahr wie­der Tau­sen­de auf die Stra­ße : Sie pro­tes­tier­ten gegen den Beschluss der Regie­rung, das Ren­ten­ein­tritts­al­ter zu erhö­hen. Doch ob Putins Stra­te­gie, die Kri­tik von sich fern­zu­hal­ten, wei­ter­hin auf­geht, ist kei­nes­wegs sicher.”

Die alte Lei­er : “Krim-Anne­xi­on”, “Gift­an­schlä­ge”, “MH-17-Abschuss” 

Der Deutsch­land­funk  packt sei­ne Dif­fa­mie­run­gen gleich in die Über­schrift : “Hoch­mut, Arro­ganz und Aggres­si­vi­tät” sind die Voka­beln, die dem Sen­der zur Putin-Rede in den Sinn kom­men. Und die Augs­bur­ger All­ge­mei­ne  fällt zurück in eine eigent­lich bereits über­stan­den geglaub­te media­le Tak­tik : Die Zei­tung sta­pelt anti­rus­si­sche Vor­wür­fe auf Vor­wür­fe, in der Hoff­nung, dass allein die­se schie­re Quan­ti­tät den Leser über­rum­pelt und er die ein­zel­nen (unbe­leg­ten) Angrif­fe nicht mehr prüft :

Die Annek­tie­rung der Krim, Gift­an­schlä­ge, abge­schos­se­ne Pas­sa­gier­ma­schi­nen, die Kom­pli­zen­schaft mit dem syri­schen Dik­ta­tor Baschar al-Assad, Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und die Aus­brem­sung des demo­kra­ti­schen Wan­dels – tief bestürzt star­ren Deutsch­land und Euro­pa auf Prä­si­dent Putin, der die Eska­la­ti­ons­spi­ra­le immer schnel­ler dre­hen lässt. Doch Ent­span­nungs­po­li­tik setzt Ver­trau­en vor­aus. Und dass Wla­di­mir Putin nicht gewillt ist, die­ses zurück­zu­ge­win­nen, macht er mit jeder sei­ner Aus­sa­gen deut­lich.”

Was hat Putin eigent­lich gesagt ?

Posi­tiv hebt sich von solch alt­mo­di­scher Pro­pa­gan­da etwa die Jun­ge Welt  ab, die den rus­si­schen Prä­si­den­ten auch mal sel­ber zu Wort kom­men lässt : “Man kann die Men­schen nicht betrü­gen. Sie haben ein fei­nes Gefühl für Heu­che­lei und Her­ab­las­sung ihnen gegen­über, für jede Unge­rech­tig­keit. Büro­kra­ti­sche Träg­heit und Papier­krieg inter­es­sie­ren sie nicht. Für die Men­schen ist wich­tig, was real getan wird, um ihr Leben und das ihrer Fami­li­en zu ver­bes­sern. Und zwar nicht irgend­wann, son­dern sofort.” Die Zei­tung geht auch als eine der weni­gen Stim­men kon­kret auf das von vie­len Medi­en als “Wahl­ge­schenk” abge­ta­ne Sozi­al­pro­gramm ein :

Die­se tak­ti­schen Hin­ter­grün­de ein­ge­rech­net, ent­hält Putins Sozi­al­pro­gramm für eine Zeit, in der nach außen die Kano­nen gezählt wer­den, tat­säch­lich bemer­kens­wert viel But­ter. So soll das Kin­der­geld nicht nur erhöht, son­dern ins­be­son­de­re der Kreis derer, die es bezie­hen können, stark aus­ge­wei­tet wer­den : auf alle Fami­li­en, die pro Kopf weni­ger als das Dop­pel­te des offi­zi­el­len Exis­tenz­mi­ni­mums ver­die­nen. Für die sta­tis­ti­sche Zwei-Kin­der-Fami­lie wären das künf­tig gut 80.000 Rubel (1.100 Euro) monat­lich, in Mos­kau um etwa die Hälf­te mehr. Das schließt den Fach­ar­bei­ter eben­so ein wie die sprichwörtli­che Kran­ken­schwes­ter oder die Leh­re­rin.”

Die — gesell­schaft­li­chen und behörd­li­chen — Abgrün­de von Lüg­de

Die erschüt­tern­den Miss­brauchs­fäl­le von Lüg­de und die fol­gen­de Ver­tu­schung sind weni­ger ein Medi­en­skan­dal als einer der Poli­zei und der Jugend­äm­ter. Vie­len Medi­en muss man zugu­te hal­ten, dass sie bei die­sem The­ma teils tref­fend kom­men­tie­ren. So fragt die Neue Osna­brü­cker Zei­tung :

Was ist nur los im Staat ? Es gibt nichts zu beschönigen : Im Fall des tau­send­fa­chen Kin­des­miss­brauchs auf einem Cam­ping­platz offen­bart sich ein Behörden­ver­sa­gen, das erschüt­tert. Beschlag­nahm­te Beweis­mit­tel ver­schwin­den auf einer Poli­zei­wa­che. Akten in einem Jugend­amt wer­den offen­bar fri­siert, um Feh­ler zu ver­tu­schen. Hin­wei­se auf Kin­des­miss­brauch wer­den nicht aus­rei­chend ver­folgt. Statt­des­sen ver­traut das Amt dem Haupt­ver­däch­ti­gen ein Pfle­ge­kind an, an dem er sich eben­falls ver­gan­gen haben soll. Ein Skan­dal, der scho­nungs­los auf­ge­klärt wer­den muss. Dabei muss auch die Fra­ge beant­wor­tet wer­den, ob indi­vi­du­el­le Feh­ler oder struk­tu­rel­le Defi­zi­te das Desas­ter auf Behörden­sei­te mit ver­schul­det haben.“

Der Köl­ner Stadt­an­zei­ger kann das nur unter­strei­chen :

Schlam­pe­rei und Cha­os oder kri­mi­nel­le Ener­gie – bei­des erschüt­tert das Ver­trau­en in die Poli­zei und damit in den Rechts­staat. Das macht den Vor­gang – über das kon­kre­te Gesche­hen hin­aus – so bri­sant. Die Serie von Unter­las­sun­gen und Falsch­ein­schät­zun­gen ver­stärkt aber auch die bit­te­re Erkennt­nis, dass es gegen eines der schlimms­ten Ver­ge­hen über­haupt – den sexu­el­len Miss­brauch von Kin­dern und Jugend­li­chen – immer noch kein Alarm- und Früh­warn­sys­tem gibt, das in jedem Kopf anspringt.”

In Lüg­de und im Vati­kan : Täter und Ver­tu­scher

Die Vor­gän­ge von Lüg­de wer­fen auch ein Licht auf einen noch weit­aus grö­ße­ren — um nicht zu sagen : monu­men­ta­len — Miss­brauchs­skan­dal : jenen in der katho­li­schen Kir­che, der aktu­ell in einer Kon­fe­renz “auf­ge­klärt” wer­den soll. Wie in Lüg­de gibt es auch im Vati­kan zwei schul­di­ge Par­tei­en : Die Täter und die Ver­tu­scher. Der Spie­gel bringt die aktu­el­len “Bemü­hun­gen” der Kir­chen­fürs­ten um Trans­pa­renz in einer Schlag­zei­le auf den Punkt : “Pos­ter­boys der Untä­tig­keit”.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln. 

RT Deutsch


Gas-Krieg, Sicherheitskonferenz, Internet-Zensur : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


Von Tho­mas Schwarz

Die Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz (SIKO) führt in ihrem media­len Fahr­was­ser stets auch eine Woge an anti­rus­si­schen Res­sen­ti­ments, so auch in die­ser Woche. Das hat Tra­di­ti­on – spä­tes­tens seit der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin 2007 an eben­je­nem Ort die rus­si­sche Unter­wür­fig­keit gegen­über der west­lich domi­nier­ten “Neu­en Welt­ord­nung” auf­ge­kün­digt hat. Der Start der Kon­fe­renz in die­ser Woche war also für man­che gro­ßen Medi­en auch Start­si­gnal für eine noch­ma­li­ge Zuspit­zung der Mei­nungs­ma­che gegen Russ­land. Die Kon­fe­renz ist aber auch will­kom­me­ne Gele­gen­heit, Putins bemer­kens­wer­te Rede von 2007 in Erin­ne­rung zu rufen :

Die in die­ser Woche ent­fal­te­te Stoß­rich­tung vie­ler gro­ßer deut­scher Medi­en gegen­über Russ­land ist bekannt, etwa jene der Süd­deut­schen Zei­tung, der Bild oder des Spie­gel. Sie haben sich bei die­sem The­ma einen so gründ­lich unse­riö­sen Ruf erar­bei­tet, dass sie oft nicht ein­mal mehr zur zyni­schen oder iro­ni­schen Betrach­tung in die­ser Kolum­ne die­nen – denn die­se Betrach­tun­gen wären weder nach Kri­te­ri­en des Medi­en­skan­dals noch nach denen der Unter­hal­tung inter­es­sant. Inso­fern kön­nen wei­te Tei­le der eta­blier­ten deut­schen Medi­en beim The­ma Russ­land als irrele­vant igno­riert wer­den.

Die Pro­pa­gan­da und der Gas-Krieg : “Fracking” wird zu “Flüs­sig­gas”

Aus Chro­nis­ten­pflicht sei­en hier den­noch eini­ge Bei­spie­le erwähnt. So warf etwa der Deutsch­land­funk die “Anne­xi­on” der Krim und den Fall Oleg Sen­zow in gewohnt ten­den­ziö­sem Tenor in den Ring. Zudem ver­misch­te sich die Stim­mungs­ma­che vor der SIKO mit poli­ti­schen und media­len Kam­pa­gnen gegen die Pipe­line Nord Stream 2 und für US-ame­ri­ka­ni­sches Fracking-Gas. Das äußer­te sich auch in media­len Details, etwa dar­in, dass die ver­trau­te, aber belas­te­te Voka­bel “Fracking” in jün­ge­ren Arti­keln etwa des Deutsch­land­funks oder der Tages­schau weit­ge­hend gestri­chen und durch das harm­lo­se­re Wort “Flüs­sig­gas” ersetzt wur­de.

Auch beim The­ma Gas-Krieg gilt der oben zu Russ­land aus­ge­führ­te Befund : Weil sie als potenzielle/mutmaßliche US-Lob­by­is­ten befan­gen sind, kön­nen vie­le deut­sche Redak­teu­re kei­nen inter­es­san­ten Bei­trag mehr zu die­ser Debat­te leis­ten. Als posi­ti­ve Aus­nah­me sei hier ein Arti­kel in der Zeit genannt. Als Nega­tiv­bei­spiel dafür, wie sich auch “pro­gres­si­ve” gesell­schaft­li­che Kräf­te gegen Russ­land instru­men­ta­li­sie­ren las­sen, sei hier ein Arti­kel des Gewerk­schafts­me­di­ums Gegen­blen­de auf­ge­führt. Die Autoren “war­nen” vor zu viel Ent­span­nung und wär­men den Vor­wurf des Rechts-Spon­so­rings durch Russ­land auf :

Die Popu­lis­ten im künf­ti­gen Euro­pa­par­la­ment wer­den zudem bestrebt sein, die EU-Außen­po­li­tik zu schwä­chen, ent­we­der durch das Bud­get­recht oder durch Ände­run­gen poli­ti­scher Beschlüs­se. Da vie­le popu­lis­ti­sche Par­tei­en finan­zi­el­le Ver­bin­dun­gen zum Kreml haben, wird das Ziel dar­in bestehen, die Sank­tio­nen gegen Russ­land abzu­schwä­chen.

Leser, die belast­ba­re Hin­ter­grün­de zum wich­ti­gen Kampf für (bzw. gegen) Nord Stream 2 suchen, sind also ein­mal mehr auf RT ange­wie­sen. Infos zur Pipe­line hat aktu­ell auch Wolf­gang Bitt­ner zusam­men­ge­tra­gen. Die­se guten Bemü­hun­gen ste­hen natür­lich in kei­nem quan­ti­ta­ti­ven Ver­hält­nis zur Mei­nungs­ma­che gegen die für Euro­pa zen­tra­le Pipe­line.

Umfra­ge : Trans­at­lan­ti­ker auf ver­lo­re­nem Pos­ten

Trotz die­ser media­len Über­macht : Auf welch ver­lo­re­nem Pos­ten mitt­ler­wei­le vie­le trans­at­lan­ti­sche Mei­nungs­ma­cher ste­hen, hat in die­ser Woche aus­ge­rech­net die Atlan­tik-Brü­cke deut­lich gemacht. Bei einer von der Lob­by-Orga­ni­sa­ti­on beauf­trag­ten Umfra­ge bewer­te­ten 85 Pro­zent der Deut­schen das Ver­hält­nis zu den USA als nega­tiv oder sehr nega­tiv. Eine stär­ke­re Annä­he­rung an die USA wünsch­ten sich nur 13 Pro­zent, bei den SPD-Anhän­gern waren es laut Umfra­ge ledig­lich 2,9 Pro­zent, wie etwa die FAZ berich­tet.

Die­se Ein­deu­tig­keit und das dar­aus spre­chen­de Schei­tern der Pro-US-Pro­pa­gan­da beschrie­ben die Nach­Denk­Sei­ten einst am Bei­spiel von Umfra­gen zu Russ­land :

Die­se Ergeb­nis­se (der Umfra­gen) sind sen­sa­tio­nell und ein Rück­schlag für jene ein­fluss­rei­chen deut­schen Redak­teu­re, die seit Jah­ren ver­su­chen, Russ­land und Putin zu dämo­ni­sie­ren – es hat nicht funk­tio­niert. Die Umfra­gen sind Aus­druck des öffent­li­chen Schei­terns einer ver­such­ten Gehirn­wä­sche. Die zahl­lo­sen anti­rus­si­schen Arti­kel, Repor­ta­gen und Maga­zin-Cover waren nach die­ser Les­art nicht nur poten­zi­ell volks­ver­het­zend, son­dern auch stra­te­gisch stüm­per­haft und unter dem Strich nicht erfolg­reich. 

Poli­tik gegen deut­li­chen Bür­ger­wil­len : USA statt Sei­den­stra­ße

Ange­sichts der deut­li­chen aktu­el­len Zah­len der Atlan­tik-Brü­cke ist es umso skan­da­lö­ser, dass die Poli­tik (getrie­ben von eini­gen Medi­en) das vor­erst geschei­ter­te deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Bezie­hungs-Pro­jekt noch aus­bau­en will. Statt Deutsch­land kon­se­quent in Rich­tung Sei­den­stra­ße zu steu­ern und eine von der Bevöl­ke­rung gewünsch­te Eman­zi­pa­ti­on von den USA und eine Ent­span­nung zu Russ­land ein­zu­lei­ten, tut unse­re Regie­rung das Gegen­teil : Laut Tages­schau öff­net sie den USA die Tür für deren “Flüs­sig­gas”.

Die Nach­Denk­Sei­ten beschrei­ben unter dem Titel “Trans­at­lan­ti­sche Trüm­mer” die aus Alt­mai­ers Ver­hal­ten spre­chen­de Dis­kre­panz zwi­schen Bür­ger­wil­len und deut­scher Ener­gie­po­li­tik :

Dass die USA ver­su­chen, ihre Inter­es­sen gegen jene Euro­pas durch­zu­set­zen, über­rascht nicht. Rät­sel­haft ist aber, dass der deut­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter bei die­ser Unter­höh­lung euro­päi­scher Ener­gie-Inter­es­sen und der glat­ten Igno­ranz des Bür­ger­wil­lens mit­macht. ‘Deutsch­land braucht kein Fracking-Gas aus den USA’, for­dert dage­gen die Links­par­tei und skan­da­li­siert die wei­che Posi­ti­on Alt­mai­ers gegen­über den USA : “Anstatt sich gegen unge­hö­ri­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Ein­mi­schun­gen in die Ener­gie­po­li­tik zu weh­ren, ver­an­stal­tet Peter Alt­mai­er eine eige­ne ‘LNG-Kon­fe­renz’.”

Kei­ne Angst vor Russ­land – Deutsch­land als “neue Schweiz”

Dem­nach wider­spre­chen die in der Umfra­ge offen­bar­ten Sicht­wei­sen der Mehr­heit der Deut­schen auch auf ande­ren Gebie­ten den Dar­stel­lun­gen und “Erziehungs”-Versuchen aus Medi­en und Regie­rung : “Fast die Hälf­te der Befrag­ten (42,3 Pro­zent) hält Chi­na für einen bes­se­ren Part­ner für Deutsch­land als die USA. Nur 23,1 Pro­zent ver­tre­ten umge­kehrt die Mei­nung, dass die USA ein ver­läss­li­che­rer Part­ner sind als Chi­na”, ver­mel­det die Atlan­tik-Brü­cke zur Umfra­ge. Befragt nach den aktu­ell gefähr­lichs­ten glo­ba­len Kri­sen­her­den, nann­ten dem­nach nur 1,9 Pro­zent die “Aus­wei­tung der rus­si­schen Ein­fluss­zo­ne”. Der wach­sen­de Ein­fluss Chi­nas wird in der Umfra­ge eben­falls nur von 2,2 Pro­zent als größ­te Gefahr gese­hen. In den gro­ßen Medi­en wur­de die Umfra­ge etwa hier oder hier oder hier auf­ge­grif­fen.

Einen inter­es­san­ten und für Euro­pa bedenk­li­chen Aspekt der Sicher­heits­kon­fe­renz in Mün­chen the­ma­ti­siert die Augs­bur­ger All­ge­mei­ne : “Euro­pa – und ganz spe­zi­ell Deutsch­land – ist zwar Aus­tra­gungs­ort der wich­tigs­ten sicher­heits­po­li­ti­schen Tagung des Jah­res. Doch wir muten dabei an wie eine Art Schweiz, die in den Debat­ten um die Sicher­heits­po­li­tik der Zukunft nichts zu sagen hat – und dar­auf auch kei­nen Anspruch erhebt.” Noch deut­li­cher zeich­net der Deutsch­land­funk die sich abzeich­nen­de inter­na­tio­na­le Hier­ar­chie, wenn er berich­tet : “Wie Chi­na Euro­pa den Rang abläuft : Chi­ne­si­sche Tou­ris­ten neh­men Euro­pa als Muse­um wahr : als Zeug­nis einer ehe­mals ein­fluss­rei­chen Kul­tur.”

SPD läu­tet lin­kes Halb­jahr ein”

Ein wie­der­keh­ren­des medi­al-poli­ti­sches Phä­no­men konn­te auch in die­ser Woche beob­ach­tet wer­den : Die SPD ent­wirft vor dro­hen­den Wah­len sozi­al­po­li­ti­sche For­de­run­gen und erweckt den Ein­druck, sie sei als Regie­rungs­par­tei nicht für die sozia­le Rea­li­tät ver­ant­wort­lich. Die­se Stra­te­gie hat ein­mal mehr der Pos­til­lon auf den Punkt gebracht, indem er schreibt :

SPD läu­tet tra­di­tio­nel­les lin­kes Halb­jahr vor wich­ti­gen Wah­len ein.

Die Tak­tik ist nur mög­lich, wenn gro­ße Medi­en mit­zie­hen – und das taten sie, indem sie breit­flä­chig vor einem “Links­ruck” warn­ten. Oskar Lafon­tai­ne ent­tarnt die­ses poli­tisch-media­le Zusam­men­spiel tref­fend als “Thea­ter”, das “SPD und CDU auf­füh­ren, unter der Über­schrift : ‘SPD rückt nach links’ ”.

Upload-Fil­ter und Urhe­ber­recht : Die Zäh­mung des Inter­nets ?

In der lan­gen Geschich­te der Zäh­mung des Inter­nets wur­de in die­ser Woche ein neu­es Kapi­tel auf­ge­schla­gen, indem das EU-Urhe­ber­recht vor­an­ge­trie­ben wur­de. Die dis­ku­tier­ten Posi­tio­nen fin­den sich zwi­schen den fol­gen­den media­len Polen. So kom­men­tiert die Süd­deut­sche Zei­tung :

Den Bür­gern in der EU droht eine Richt­li­nie, die das freie Netz gefähr­det. Die zwei Dut­zend Arti­kel ent­hal­ten sinn­vol­le Ände­run­gen, um das Urhe­ber­recht an das digi­ta­le Zeit­al­ter anzu­pas­sen. Doch Arti­kel 13 allein ist der­art ver­korkst, dass der poten­zi­el­le Scha­den weit­aus grö­ßer ist als der Nut­zen. Dort ist nicht expli­zit von ‘Upload-Fil­tern’ die Rede. Aber den meis­ten Platt­for­men blie­be gar nichts ande­res übrig, als alle Inhal­te zu scan­nen, die Nut­zer hoch­la­den wol­len. Bis die Rich­ter die neue Richt­li­nie prü­fen, wird es aber dau­ern. In der Zwi­schen­zeit könn­ten die Grund­la­gen für eine gigan­ti­sche Fil­ter-Infra­struk­tur gelegt wer­den, die für Zen­sur miss­braucht wer­den könn­te.

Die Badi­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten ver­tei­di­gen dage­gen das Gesetz :

Es wäre ein gro­ßer Durch­bruch, wenn es der EU gelän­ge, dem Inter­net die Züge des Wil­den Wes­ten aus­zu­trei­ben. Es trä­fe nicht gera­de die wirt­schaft­lich Schwa­chen, wenn die digi­ta­len Platt­for­men künf­tig etwas von ihren Rie­sen­ge­win­nen abge­ben müss­ten : Goog­le, Face­book und Co. Mit der Urhe­ber­rechts­re­form stellt Euro­pa unter Beweis, wie viel der alte Kon­ti­nent bewir­ken kann, wenn er zusam­men­hält : Er kann die größ­ten Kon­zer­ne der Welt zur Rechen­schaft zie­hen und Stan­dards set­zen, die es nir­gend­wo sonst gibt. Noch ist der Erfolg aber nicht sicher. Auch, weil eine bei­spiel­lo­se Anti-Kam­pa­gne läuft.

Brü­cke in Vene­zue­la : Fake News für die Inter­ven­ti­on ?

Dass der ange­streb­te Umsturz in Vene­zue­la in die­ser Woche nicht mehr die Medi­en domi­nier­te, bedeu­tet nicht, dass von die­sem Putsch abge­las­sen wür­de. Ein Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt der Pro­pa­gan­da gegen die recht­mä­ßi­ge Regie­rung des Lan­des sind die “huma­ni­tä­ren Hilfs­lie­fe­run­gen” und eine angeb­lich wegen die­ser Lie­fe­run­gen gesperr­te Brü­cke an der Gren­ze zu Kolum­bi­en. Die Brü­cke war aber angeb­lich noch nie geöff­net.

Wie am Bei­spiel die­ser Brü­cke “Fake News im Dienst der US-Kriegs­pro­pa­gan­da” ver­brei­tet wer­den, beschreibt Fre­der­i­co Füll­graf in die­sem Arti­kel. Dem­ge­gen­über ver­sucht der ARD-Fak­ten­fin­der, eini­ge der west­li­chen Pro­pa­gan­da-Aus­sa­gen zu der Brü­cke zu ret­ten – ohne Erfolg. 

Die “Hilfs­lie­fe­run­gen” und die Mei­nungs­ma­che

Am Bei­spiel der “huma­ni­tä­ren Hilfs­lie­fe­run­gen” zeigt sich deut­lich die Ver­kür­zung und die Ver­zer­rung in der Bericht­erstat­tung zu Vene­zue­la : Zum einen wird die tat­säch­li­che huma­ni­tä­re Lage nicht seri­ös dar­ge­stellt. Zum ande­ren wird die Not­la­ge in dem Land vom west­lich betrie­be­nen Wirt­schafts­krieg sepa­riert, wie bereits in der letz­ten Medi­en­ko­lum­ne zu lesen war : “Das ist neben den ‘Demokratie’-Phrasen ein Haupt­vor­wurf, der an die west­li­chen Medi­en zu rich­ten ist – näm­lich, dass der Man­gel in Vene­zue­la medi­al unred­lich von den ille­ga­len wirt­schaft­li­chen Angrif­fe des Wes­tens auf das Land getrennt wird.”

Prä­si­dent Nicolás Madu­ro brach­te das gera­de auf den Punkt, indem er sag­te, durch die US-Sank­tio­nen gegen Vene­zue­las Ölsek­tor sei sei­nem Land ein Scha­den von 30 Mil­li­ar­den Dol­lar ent­stan­den. Nun bie­te Washing­ton “Bro­sa­men” an. Die “Hil­fe” sei ein “Vor­wand für eine mili­tä­ri­sche Inter­ven­ti­on”.

Es war nicht alles schlecht

Madu­ro hat nun einen offe­nen Brief “an das Volk der USA” ver­fasst, in den gro­ßen Medi­en kommt die­ser Text nicht vor. Dar­um ist er der Lese­tipp der Woche :

Wir leben in his­to­ri­schen Zei­ten. Die­se sind Tage, an denen sich die wei­te­re Zukunft unse­rer Län­der ent­schei­det : Krieg oder Frie­den ? Ihre poli­ti­schen Ver­tre­ter in Washing­ton wol­len an ihre Gren­zen den­sel­ben Hass brin­gen, den sie schon nach Viet­nam gebracht haben. Sie pla­nen eine Inva­si­on und eine Inter­ven­ti­on in Vene­zue­la. Und das im Namen von Demo­kra­tie und Frei­heit, so wie sie es damals auch schon sag­ten. Aber so ist es nicht. Die­se Geschich­te, dass sich in Vene­zue­la eine Cli­que wider­recht­lich Macht ange­eig­net hat, ist genau­so unzu­tref­fend wie die Geschich­te von den Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen im Irak. Dies ist eine fal­sche Behaup­tung, aber sie kann ver­hee­ren­de Fol­gen für unse­re gesam­te Regi­on haben.

Mehr zum The­ma — Vene­zue­las Außen­mi­nis­ter : Es gibt kei­ne huma­ni­tä­re Kri­se im Land

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln. 

RT Deutsch


Atomare Aufrüstung, Putsch in Venezuela, Brexit : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


Von Tho­mas Schwarz

Die zen­tra­len media­len Mani­pu­la­tio­nen wid­me­ten sich in die­ser Woche dem glei­chen The­ma wie in der ver­gan­ge­nen : dem empö­rend offen vor­an­ge­trie­be­ne Putsch in Vene­zue­la. Das Fazit zum The­ma gleicht dar­um dem der letz­ten Kolum­ne :

Es wird nicht ein­mal mehr ver­sucht, den Anschein eines demo­kra­ti­schen Pro­zes­ses zu erwe­cken – weder auf poli­ti­scher noch auf media­ler Ebe­ne.

Es erüb­rigt sich dar­um weit­ge­hend, den offen völ­ker­rechts­wid­ri­gen Tenor der gro­ßen west­li­chen Medi­en zu Vene­zue­la erneut zu ana­ly­sie­ren. The­ma­ti­siert wer­den sol­len hier nur noch die extrems­ten Aus­prä­gun­gen der poli­ti­schen und media­len Heu­che­lei zum geplan­ten Sturz des recht­mä­ßi­gen Prä­si­den­ten Vene­zue­las, Nicolás Madu­ro.

Mai­dan” in Vene­zue­la ? Von den Putsch-Pro­fis ler­nen !

Von den ukrai­ni­schen Putsch-Pro­fis ler­nen, heißt sie­gen ler­nen – zumin­dest wenn man zynisch genug ist, der Post-Putsch-Ent­wick­lung in der Ukrai­ne seit 2014 posi­ti­ve Aspek­te abzu­ge­win­nen. Ein sol­cher Zyni­ker ist Vita­li Klitsch­ko, west­li­cher Statt­hal­ter in Kiew. Klitsch­ko hat sich als poli­ti­scher Beob­ach­ter schon lan­ge rest­los dis­qua­li­fi­ziert. Medi­en, die ihm noch immer eine Platt­form bie­ten, machen sich also nicht nur mit dem von ihm geäu­ßer­ten poli­ti­schen Non­sens gemein : Sie akzep­tie­ren und unter­stüt­zen auch die durch die Per­son Klitsch­ko sym­bo­li­sier­te Umsturz-Poli­tik.

Ein Medi­um, das mit sol­chen Unap­pe­tit­lich­kei­ten kei­ne Berüh­rungs­ängs­te hat, ist die Bild. Sie bot Klitsch­ko den Laut­spre­cher für des­sen kit­schi­ge und kin­di­sche “Maidan”-Parallelen zur Situa­ti­on in Vene­zue­la :

Guai­dó will die Kor­rup­ti­on in sei­nem Land been­den und end­lich Demo­kra­tie – das waren auch die Kern­zie­le des Mai­dan. Und genau­so wie uns damals droht auch Guai­dó die Fest­nah­me, weil er auf die Stra­ße geht und für sein Volk kämpft.” Gera­de­zu beseelt, fährt Klitsch­ko fort :

Ich bin beein­druckt von dem cha­ris­ma­ti­schen Poli­ti­ker, der es geschafft hat, die Oppo­si­ti­on gegen Dik­ta­tor Madu­ro zu einen. Gegen den Mann, der sein Volk ver­hun­gern und auf das Volk schie­ßen lässt. Auch die­ser Ein­satz von Gewalt gegen das eige­ne Volk erin­nert an unse­ren ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten Janu­ko­witsch, der nach Russ­land geflo­hen ist.

Klitsch­ko sagt die Wahr­heit – aus Ver­se­hen

Das Irri­tie­ren­de an die­sem poli­tisch-intel­lek­tu­el­len Offen­ba­rungs­eid ist, dass Klitsch­ko durch­aus rich­ti­ge Aspek­te anspricht : Die Vor­gän­ge in Vene­zue­la erin­nern tat­säch­lich stark an die medi­al zum “Volks­auf­stand” ver­klär­ten Sze­nen, die dem Putsch in der Ukrai­ne vor­an­gin­gen. Aber heu­te in Vene­zue­la wie damals in der Ukrai­ne wird die kri­mi­nel­le Umsturz-Ener­gie hin­ter den Demos eben­so geleug­net wie die geo­po­li­ti­schen Inter­es­sen, die den “Auf­stand” vor­an­trei­ben.

Mehr zum The­ma — Vene­zue­las Prä­si­dent hält Warn­re­de an US-Bür­ger : “Eure Regie­rung will an unser Öl und des­halb Krieg”

Gera­de­zu hell­sich­tig sind fol­gen­de Aus­sa­gen Klitsch­kos, auch wenn er sie ganz anders meint :

Es ist nie­man­dem erklär­bar, war­um im erd­öl­reichs­ten Land der Welt Men­schen hun­gern müs­sen.

Hier spricht er einen auch für die Betrach­tung der Pro­pa­gan­da zen­tra­len Punkt an : den tot­ge­schwie­ge­nen Wirt­schafts­krieg gegen Vene­zue­la. Das ist neben den “Demokratie”-Phrasen ein Haupt­vor­wurf, der an die west­li­chen Medi­en zu rich­ten ist – näm­lich, dass der Man­gel in Vene­zue­la medi­al unred­lich von den ille­ga­len wirt­schaft­li­chen Angrif­fe des Wes­tens auf das Land getrennt wird.

In die­sem Zusam­men­hang klingt Klitsch­ko gera­de­zu pro­phe­tisch : “Ich bin fest davon über­zeugt : Wenn Guai­dó die frei­en Wah­len gewin­nen soll­te, kann die Armut end­lich bekämpft wer­den.” Davon kann man tat­säch­lich aus­ge­hen : Wenn der poli­ti­sche Wunsch­kan­di­dat erst instal­liert ist, wird der nun exzes­siv the­ma­ti­sier­te Man­gel ruck­zuck aus den Schlag­zei­len ver­schwin­den. Und die Rega­le der Super­märk­te wer­den sich – wie von Zau­ber­hand – über Nacht wie­der fül­len. Man kennt die­se Putsch-Stra­te­gi­en gegen poli­ti­sche Kon­kur­ren­ten doch mitt­ler­wei­le zur Genü­ge : Auch dar­um ist es erstaun­lich, dass die alt­be­kann­ten Erzäh­lun­gen von der “Miss­wirt­schaft” und der “Kor­rup­ti­on” noch immer so erfolg­reich ver­fan­gen.

Das infa­me “Ulti­ma­tum” der Poli­tik

Die deut­sche Poli­tik steht den gro­ßen Medi­en­kon­zer­nen beim The­ma Vene­zue­la in Sachen Völ­ker­rechts­bruch in nichts nach. Die­ser Gleich­klang ist mitt­ler­wei­le nor­mal, aber den­noch skan­da­lös. Er hat zur Fol­ge, dass die Poli­tik hier ein­mal mehr nicht medi­al kon­trol­liert wird. Dar­um wür­den die mut­maß­lich ille­ga­len Ver­su­che der Ein­mi­schung in ein sou­ve­rä­nes Land durch die deut­sche Poli­tik ein­fach durch­ge­hen – wenn es nicht die Links­frak­ti­on im Bun­des­tag und ihre Vize-Vor­sit­zen­de Sevim Dağ­de­len gäbe. Dağ­de­len cha­rak­te­ri­siert als ein­sa­me Rufe­rin die Hand­lun­gen der deut­schen Poli­tik :

Wie von der US-Admi­nis­tra­ti­on wird damit sei­tens der Bun­des­re­gie­rung ein Putsch unter­stützt, der das latein­ame­ri­ka­ni­sche Land in einen Bür­ger­krieg füh­ren kann. Das deut­sche Ulti­ma­tum spal­tet nicht nur die EU und bringt die deut­sche Außen­po­li­tik in das gefähr­li­che Fahr­was­ser Trumps. Mit dem Ulti­ma­tum wird auch von vorn­her­ein jede Posi­ti­on des Dia­logs und der Ver­mitt­lung tor­pe­diert. Auch auf­grund der deut­schen Geschich­te hat­te sich die Bun­des­re­pu­blik bis­her zurück­ge­hal­ten, mit impe­ria­lem Junk­tim zu ope­rie­ren. Die­se Zei­ten schei­nen nun end­gül­tig vor­bei.

Die “Gegen­sei­te” hört man nicht

Wie bereits bei den Kam­pa­gnen gegen Russ­land wird auch beim media­len Kampf um Vene­zue­la die (aus west­li­cher Sicht) “Gegen­sei­te” nicht, oder nur völ­lig unan­ge­mes­sen zitiert. Wer also einen Gegen­pol zu der schon allein quan­ti­ta­tiv äußerst domi­nan­ten Sicht­wei­se gegen die Sozia­lis­ten Vene­zue­las sucht, ist ein­mal mehr auf den Ser­vice von RT ange­wie­sen – denn hier kom­men wenigs­tens der Prä­si­dent oder der Bot­schaf­ter Vene­zue­las auch mal zu Wort.

Eben­falls bei RT kann man Äuße­run­gen des rus­si­schen Außen­mi­nis­ters Ser­gej Law­row fin­den, der auf den in die­sem Text bereits the­ma­ti­sier­ten, aber ansons­ten medi­al tot­ge­schwie­ge­nen Wirt­schafts­krieg gegen Vene­zue­la ein­geht :

Heu­te erhiel­ten wir Infor­ma­tio­nen über neue Sank­tio­nen, über das Ein­frie­ren von Kon­ten der Zen­tral­bank von Vene­zue­la und der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung. Die USA sind bereits sehr erfah­ren in sol­chen rechts­wid­ri­gen Ope­ra­tio­nen mit Geld aus ande­ren Län­dern. Sol­che Kon­to­sper­ren wur­den im Irak, Liby­en, Iran, Kuba, Nica­ra­gua, Pana­ma durch­ge­führt. In den meis­ten Fäl­len nutz­ten sie die­se Kon­ten­sper­ren zur finan­zi­el­len Ent­eig­nung der ande­ren [unlieb­sa­men] Regie­rung.

INF-Ver­trag : “Natür­lich” ist Russ­land ver­ant­wort­lich

Neben dem Régime-Chan­ge in Vene­zue­la war die Auf­kün­di­gung des INF-Ver­trags – und die angeb­li­che “Schuld” Russ­lands dar­an – zen­tra­les The­ma der gro­ßen Medi­en. Vie­le Medi­en nut­zen das The­ma nicht nur für die­sen anti­rus­si­schen Tenor, son­dern zusätz­lich für ein Plä­doy­er für ato­ma­re Auf­rüs­tung in Euro­pa.

So behaup­tet die Welt erwar­tungs­ge­mäß :

Soll­ten Gesprä­che mit Mos­kau schei­tern, bleibt dem Wes­ten nichts ande­res übrig, als die ame­ri­ka­ni­schen Atom­waf­fen auf euro­päi­schem NATO-Gebiet zu moder­ni­sie­ren und zusätz­lich eben­falls neue Mit­tel­stre­cken­sys­te­me zu errich­ten. Die Kün­di­gung des INF-Ver­trags durch die Ame­ri­ka­ner ist der ers­te so unan­ge­neh­me wie nöti­ge Schritt dazu. Nicht US-Prä­si­dent Donald Trump ist dafür ver­ant­wort­lich, es ist sein rus­si­scher Kol­le­ge Wla­di­mir Putin. Seit Jah­ren schon stellt er die Nach­kriegs­ord­nung des Kal­ten Krie­ges infra­ge und setzt auf die Schwä­che des Wes­tens.

Mehr zum The­ma —  “Spie­gel­re­ak­ti­on”: Russ­land setzt INF-Ver­trag als Reak­ti­on auf USA aus

Nicht wirk­lich dif­fe­ren­zier­ter sieht es die Volks­stim­me aus Mag­de­burg : “Die Rus­sen, die das mit ihrer Destruk­ti­vi­tät pro­vo­ziert haben, brau­chen Trump den schwar­zen Peter nicht erst zuzu­spie­len – er hat ihn längst.” Und auch die FAZ sieht die Ver­ant­wor­tung “in Mos­kau”: “Es blei­ben noch sechs Mona­te, um den Ver­trag doch noch zu ret­ten. Aber dafür müss­te Mos­kau glaub­haft Zei­chen set­zen, dass es sein ver­trags­wid­ri­ges Mit­tel­stre­cken­pro­gramm ein­stellt.”

Poli­tik eben­so mili­ta­ris­tisch wie die Medi­en

Auch die Poli­tik reiht sich in die­se ver­eng­te Blick­rich­tung ein, etwa Omid Nou­ripour, der außen­po­li­ti­sche Spre­cher der Bun­des­tags­frak­ti­on der Grü­nen, den der Deutsch­land­funk zitiert : “Alle reden ja jetzt über Trump, hier gibt es so etwas wie einen Popu­lär­irr­tum : Da Trump sowie­so nichts auf Ver­trä­ge gibt und alle auf­kün­digt, geht man davon aus, dass er mal wie­der einen Ver­trag ohne Sinn und Ver­stand gekün­digt hat. Ich fin­de falsch, dass er es gemacht hat, aber man muss sagen, dass in ers­ter Linie die Rus­sen den Ver­trag aus­ein­an­der­ge­nom­men haben.”

Aus­nahms­wei­se Trump in Schutz neh­men möch­te auch Rode­rich Kie­se­wet­ter von der CDU :

Ich befürch­te, dass der Schwar­ze Peter, der ja letzt­lich in Russ­land gedruckt wur­de, den Ame­ri­ka­nern zuge­scho­ben wird, weil sie es letzt­lich sind, die den Ver­trag auf­ge­ben. Und hier kommt es sehr stark dar­auf an, dass wir in unse­rer Öffent­lich­keit klar machen, wer die Hen­ne und wer das Ei ist.

Einen Höhe­punkt unter den zahl­rei­chen media­len Irre­füh­run­gen zum The­ma INF-Ver­trag bil­det ein Arti­kel im Focus mit der Über­schrift : “EU-Staa­ten haben rus­si­scher Bedro­hung nichts ent­ge­gen­zu­set­zen”. Der Gast­bei­trag ver­bin­det die anti­rus­si­sche Schuld­zu­wei­sung mit dem Auf­ruf, ent­ge­gen aller EU-Inter­es­sen an der US-Sei­te zu ver­wei­len :

So wird die nun zu erwar­ten­de Auf­rüs­tung für die EU-Staa­ten schmerz­haf­te Fol­gen haben, weil sie einer rus­si­schen Bedro­hung aus­ge­setzt sein wer­den, der sie aus eige­ner Kraft nichts ent­ge­gen­set­zen kön­nen. Letzt­lich wer­den sie sich in Washing­ton rück­ver­si­chern müs­sen.

Erwar­tungs­ge­mäß hat Russ­land den INF-Ver­trag nun eben­falls ver­las­sen, wie Medi­en berich­ten.

End­los­schlei­fe um den “har­ten Bre­x­it”

Weil die deut­sche Bericht­erstat­tung zum Bre­x­it – eben­so wie die EU-Ver­hand­lun­gen dazu – seit Wochen ana­ly­tisch auf der Stel­le tritt, soll hier ein Blick in euro­päi­sche Medi­en gewor­fen wer­den. Haupt­streit­punkt ist unter die­sen Medi­en, die Fra­ge, ob die EU zu hart mit Groß­bri­tan­ni­en ver­han­delt. Ja, sagt die por­tu­gie­si­sche Zei­tung Púb­li­co :

Wenn das Haupt­ar­gu­ment gegen koope­ra­ti­ve Ver­hand­lun­gen mit Lon­don die Sor­ge ist, dass ande­re Staa­ten even­tu­ell unter den­sel­ben Bedin­gun­gen aus­tre­ten wol­len, ist es viel­leicht an der Zeit, sich ein für alle­mal die geis­ti­ge Ver­fas­sung der EU genau­er anzu­schau­en.

Nein, sagt im Gegen­satz dazu etwa die Zei­tung Ade­vă­rul aus Rumä­ni­en :

Am Mitt­woch haben Donald Tusk und Jean-Clau­de Juncker vor dem EU-Par­la­ment erneut deut­lich gemacht : ‘Das Aus­stiegs­ab­kom­men ist und bleibt das bes­te Mit­tel eines geord­ne­ten Rück­zugs Groß­bri­tan­ni­ens.’ (…) Punkt. Schluss. Aus. Im Prin­zip scheint es abso­lut unmög­lich, dass die EU eine Neu­ver­hand­lung des Abkom­mens akzep­tie­ren kann, ohne sich völ­lig lächer­lich zu machen und ihre Glaub­wür­dig­keit und Auto­ri­tät auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne zu ver­lie­ren. Damit liegt die gesam­te Ver­ant­wor­tung für die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung beim bri­ti­schen Par­la­ment.

Es war nicht alles schlecht

Der Lese­tipp der Woche führt wie­der zurück zum aktu­ell domi­nan­ten The­ma Vene­zue­la. So haben sich John Pil­ger, Noam Chom­sky, Phyl­lis Ben­nis, Boots Riley, Vijay Pras­had und vie­le wei­te­re Stim­men der kri­ti­schen Öffent­lich­keit zusam­men­ge­schlos­sen, um in einer gemein­sa­men Erklä­rung den US-Inter­ven­tio­nis­mus in Vene­zue­la anzu­pran­gern. Das Medi­um Jus­ti­ce Now hat den Brief über­setzt, in dem es etwa heißt :

Die Regie­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten muss auf­hö­ren, mit der Absicht, die Regie­rung Vene­zue­las stür­zen zu wol­len, in die Innen­po­li­tik des Lan­des ein­zu­grei­fen. Die Maß­nah­men der Trump-Regie­rung und ihrer Ver­bün­de­ten in der Hemi­sphä­re wer­den die Situa­ti­on in Vene­zue­la mit Sicher­heit nur ver­schlim­mern und zu unnö­ti­gem mensch­li­chem Leid, Gewalt und Insta­bi­li­tät füh­ren.

Die Autoren fah­ren fort :

Die Pola­ri­sie­rung in Vene­zue­las Poli­tik ist nichts Neu­es – schon lan­ge ist das Land ent­lang eth­ni­scher und sozio­öko­no­mi­scher Bruch­li­ni­en tief gespal­ten. Doch die Pola­ri­sie­rung hat sich in den letz­ten Jah­ren ver­stärkt. Dies ist zum Teil auf die Unter­stüt­zung der USA für eine Oppo­si­ti­ons­stra­te­gie zurück­zu­füh­ren, die ein­zig dar­auf abzielt, die Regie­rung von Nicolás Madu­ro fern­ab der Wahl­ur­ne zu besei­ti­gen. Wäh­rend die Oppo­si­ti­on bezüg­lich die­ser Stra­te­gie gespal­ten war, unter­stütz­ten die USA hart­ge­sinn­te oppo­si­tio­nel­le Frak­tio­nen bei ihrem Ziel, die Madu­ro-Regie­rung durch oft gewalt­tä­ti­ge Pro­tes­te, einen Mili­tär­putsch oder ande­re unde­mo­kra­ti­sche Wege zu Fall zu brin­gen.”

Mehr zum The­ma — Fake-News für den Régime-Chan­ge : CNN lässt angeb­li­che vene­zo­la­ni­sche Deser­teu­re spre­chen

RT Deutsch


Putsch in Venezuela, Gelbwesten, EU-Vertrag : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


Von Tho­mas Schwarz

Medi­en­kon­su­men­ten, die sich noch nicht zu abge­brüh­ten Zyni­kern ent­wi­ckelt haben, kön­nen sich ange­sichts des Umsturz­ver­suchs in Vene­zue­la nur die Augen rei­ben : Zum einen wegen der ganz offe­nen poli­ti­schen Ein­mi­schung in ein sou­ve­rä­nes Land. Zum ande­ren wegen der media­len Beglei­tung : die geht eben­so offen von­stat­ten. Es wird nicht ein­mal mehr ver­sucht, den Anschein eines demo­kra­ti­schen Pro­zes­ses zu erwe­cken – weder auf poli­ti­scher noch auf media­ler Ebe­ne.

Das hat posi­ti­ve, aber auch sehr bedenk­li­che Fol­gen : Posi­tiv ist zu ver­mer­ken, dass die Pro-Putsch-Bericht­erstat­tung zu Vene­zue­la erheb­lich weni­ger in Heu­che­lei getränkt ist, als dies etwa zu Beginn der kit­schi­gen Kam­pa­gnen zur Ukrai­ne oder zu Syri­en der Fall war. Aber gera­de die­ser Ver­zicht auf extre­me und “roman­ti­sche” Ver­klä­run­gen erweckt den Ein­druck, dass die Putsch-Frak­ti­on in Medi­en und Poli­tik kei­nen Anlass mehr sieht, sich zu ver­stel­len. Das gilt nur zum Teil, denn natür­lich wird auch in die­ser Kam­pa­gne nicht auf die bekann­ten Bil­der von schutz­be­dürf­ti­gen Demons­tran­tin­nen ver­zich­tet.

Putsch in Vene­zue­la – Ein Ver­bre­chen auf vie­len Ebe­nen

Der ver­such­te Putsch in Vene­zue­la ist ein Ver­bre­chen, das sich auf meh­re­ren Ebe­nen abspielt. Da ist zunächst die Oppo­si­ti­on in Vene­zue­la, die zu wei­ten Tei­len als wirt­schafts-radi­kal und mili­tant bezeich­net wer­den kann. Die­se Oppo­si­ti­on wäre ohne den (vor allem) durch Sank­tio­nen und Wirt­schafts­krieg her­ge­stell­ten Man­gel der ver­gan­ge­nen Jah­re und die inter­na­tio­na­le Unter­stüt­zung chan­cen­los. Durch die­se seit Jahr­zehn­ten andau­ern­de west­li­che Ein­mi­schung gegen Vene­zue­la wur­de die dor­ti­ge poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung stark sabo­tiert – und zwar zum Teil durch genau das poli­ti­sche Per­so­nal, das den Putsch jetzt mit Madu­ros angeb­li­chem “Sym­pa­thie-Ver­lust in der Bevö­ke­rung” recht­fer­ti­gen will. Die­ses aus­län­di­sche poli­ti­sche Per­so­nal bil­det die zwei­te Ebe­ne.

Die drit­te Ebe­ne wird durch die west­li­chen Medi­en­kon­zer­ne gebil­det, die das anti­de­mo­kra­ti­sche Vor­ge­hen der erst­ge­nann­ten Grup­pen kaschie­ren, um dem Putsch den Anschein eines legi­ti­men “Volks­auf­stan­des” zu geben – das Prin­zip kennt man aus der Ukrai­ne oder Syri­en, um nur die bei­den aktu­ells­ten Bei­spie­le für die­se Art von Régime-Chan­ge-Ver­such zu nen­nen.

Auch kri­tik­wür­di­ge Poli­ti­ker müs­sen vor Putsch geschützt wer­den

Die hier getä­tig­ten Aus­sa­gen zu Vene­zue­la bestehen im Übri­gen unab­hän­gig von begrün­de­ter Kri­tik an der Regie­rung des vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Nicolás Madu­ro. Auch ein kri­tik­wür­di­ger Prä­si­dent darf nicht von aus­län­di­schen Medi­en und Poli­ti­kern gestürzt wer­den.

Das ficht die FAZ nicht an, die schreibt : “Nicolás Madu­ro und sein Vor­gän­ger Hugo Chá­vez haben Vene­zue­la zugrun­de gerich­tet. Nur in einem waren sie zwei Jahr­zehn­te lang erfolg­reich : in der Spal­tung der Oppo­si­ti­on.” Der Tages­spie­gel urteilt : “Es ist ein Ver­bre­chen gegen die Bevöl­ke­rung, dass Prä­si­dent Madu­ro nicht bereit ist zum Dia­log mit der Oppo­si­ti­on.” Die Welt bezeich­net die deut­sche Posi­ti­on als “chi­ne­sisch”: “Maas wur­de in Washing­ton gefragt, wo Deutsch­land steht. Sei­ne Ant­wort : ‘Wir alle wol­len nichts dazu bei­tra­gen, was dazu führt, dass die Lage wei­ter eska­liert.’ Dage­gen warn­ten Mog­heri­ni und Tusk die Macht­ha­ber in Vene­zue­la mit deut­li­chen Wor­ten, Bür­ger­rech­te, Frei­heit und Sicher­heit des Oppo­si­ti­ons­füh­rers zu respek­tie­ren. Maas’ State­ment klang nicht euro­pä­isch, son­dern chi­ne­sisch.” Da wird sich die Zei­tung freu­en, dass die Bun­des­re­gie­rung dabei ist, ein­zu­schwen­ken. Es muss wohl nicht erwähnt wer­den, dass sich auch die taz brav ein­glie­dert : “Es ist ein erbärm­li­ches Ergeb­nis von zwei Jahr­zehn­ten lin­ker Regie­rungs­po­li­tik : Madu­ros Macht­an­spruch hat das Land in eine Patt-Situa­ti­on geführt.”

Links­par­tei spricht Klar­text

Die Lis­te der frag­wür­di­gen und demo­kra­tie­feind­li­chen Bei­trä­ge aus der deut­schen Poli­tik- und Pres­se­land­schaft lie­ßen sich sei­ten­wei­se fort­set­zen. Da tut es gut, dass zumin­dest eini­ge Mit­glie­der der Links­par­tei Klar­text spre­chen, etwa Frak­ti­ons­vi­ze Sevim Dagde­len, die den Putsch und des­sen Unter­stüt­zung klar kri­ti­siert : “Der Putsch­ver­such in #Vene­zue­la wird von US-Prä­si­dent #Trump – wie bestellt – unter­stützt. Jeder auf­rech­te Demo­krat muss die­sen Putsch­ver­such ver­ur­tei­len. Kri­tik an der Regie­rung ist legi­tim, ein Putsch ist es nicht und klar zu ver­ur­tei­len!”

Und auch die skan­da­lö­se Hal­tung der Bun­des­re­gie­rung, deren Mit­glie­der sich aktu­ell nicht gera­de als “auf­rech­te Demo­kra­ten” dar­stel­len, wird von Dagde­len the­ma­ti­siert :

West­li­che Medi­en : Koali­ti­on der Anti-Demo­kra­ten

Die inter­na­tio­na­le west­li­che Pres­se steht der deut­schen Pro­pa­gan­da in Sachen Demo­kra­tie­feind­lich­keit nicht nach, etwa die New York Times, die urteilt : “Die Trump-Admi­nis­tra­ti­on tut gut dar­an, Guai­dó zu unter­stüt­zen. (…) Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten müs­sen sich jetzt als Teil einer brei­ten Koali­ti­on süd­ame­ri­ka­ni­scher und ande­rer demo­kra­ti­scher Natio­nen betrach­ten, die den Vene­zo­la­nern hilft, der destruk­ti­ven Dik­ta­tur ein fried­li­ches Ende zu berei­ten.” Auch der Eco­no­mist ist auf Putsch-Kurs und nennt das “fried­li­chen Wan­del”: “Ame­ri­ka und die EU soll­ten alle ihnen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mög­lich­kei­ten nut­zen, um einen fried­li­chen Wan­del zu för­dern, indem sie die Par­al­lel­re­gie­rung von Juan Guai­dó stär­ken.”

Infam posi­tio­niert sich auch die spa­ni­sche Zei­tung ABC : “Die Pro­kla­ma­ti­on bedeu­tet das Ende eines tota­li­tä­ren, kor­rup­ten und per­ver­sen Regimes, das vor fast zwei Jahr­zehn­ten vom bril­li­an­ten Mili­tär Hugo Chá­vez gegrün­det wur­de und das dann ein völ­lig unfä­hi­ger Nichts­nutz namens Madu­ro wei­ter­füh­ren woll­te. (…) Die Aner­ken­nung von Guai­dó als Über­gangs­prä­si­dent durch die USA, Kolum­bi­en, Kana­da, Bra­si­li­en, die OAS und einer wach­sen­den Lis­te an Län­dern lässt kei­nen Zwei­fel an der all­ge­mei­nen Hal­tung der inter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft gegen­über Vene­zue­la.” Und El Espec­ta­dor aus Kolum­bi­en stellt fest, dass die (zu spal­ten­de) Armee noch hin­ter “dem Dik­ta­tor” Madu­ro ste­he : “Guai­dó hat jedoch füh­ren­den Mili­tär­an­ge­hö­ri­gen eine Amnes­tie ange­bo­ten, und damit könn­te er einen Keil in die Armee­spit­ze trei­ben. Alles deu­tet dar­auf hin, dass der Druck auf den Dik­ta­tor zuneh­men wird, und zwar von der Stra­ße und aus dem Aus­land.”

Stim­men der Ver­nunft : “Anma­ßen­de Inter­ven­ti­on”

Doch immer­hin in der inter­na­tio­na­len Pres­se­land­schaft gibt es auch Stim­men der Ver­nunft, etwa die tür­ki­sche Zei­tung Sabah : “Dass der Prä­si­dent eines Lan­des das gewähl­te Staats­ober­haupt eines ande­ren Lan­des nicht aner­kennt und statt­des­sen einen selbst­er­nann­ten Prä­si­den­ten für legi­tim erklärt, ist ein­fach nicht üblich.(…) Die US-Regie­rung legt den glei­chen post­mo­der­nen Kolo­nia­lis­mus an den Tag, mit dem sie schon Allen­de in Chi­le gestürzt hat.”

Und auch die argen­ti­ni­sche Zei­tung La Are­na spricht Klar­text : “Sobald ein Land über rei­che Erd­öl­vor­rä­te oder ande­re inter­es­san­te Res­sour­cen ver­fügt, darf es sich nicht gegen Washing­ton auf­leh­nen, sonst droht ihm der Zorn des Welt­po­li­zis­ten. Immer hat Washing­ton irgend­ei­nen Vor­wand für sei­ne anma­ßen­den Inter­ven­tio­nen parat : angeb­li­che Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen, Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen, eine gefähr­de­te Demo­kra­tie und so wei­ter. Auch gegen die Regie­rung von Madu­ro wer­den Lügen ver­brei­tet, und man will sich ‘alle Optio­nen offen­hal­ten’, falls er etwas gegen den selbst­er­nann­ten Prä­si­den­ten Guai­dó unter­nimmt. (…) Trump und sei­ne Gefolgs­leu­te haben Blut geleckt – oder sagen wir bes­ser : Öl?”

Die Zei­tung Kom­so­mol­ska­ja Prav­da aus Mos­kau traut der Oppo­si­ti­on nicht über den Weg und sieht Russ­lands Inves­ti­tio­nen in Vene­zue­la gefähr­det, falls Madu­ro die Macht ver­liert : “Russ­land hat meh­re­re Mil­li­ar­den US-Dol­lar in die Ener­gie­bran­che Vene­zue­las inves­tiert. Was wird aus die­sem Geld, wenn die Geg­ner Madu­ros an die Macht kom­men ? Die Oppo­si­ti­on beteu­ert, dass sie die Freund­schaft mit Russ­land pfle­gen und die Zusam­men­ar­beit aus­bau­en will. Aber die­sel­ben Leu­te behaup­ten auf Demons­tra­tio­nen, dass Ex-Prä­si­dent Chá­vez Vene­zue­la an die Rus­sen ver­kauft habe. Des­halb lässt sich an der Auf­rich­tig­keit sol­cher Freund­schafts­be­kun­dun­gen zwei­feln.”

Die lan­ge Lis­te der US-Umstür­ze in Latein­ame­ri­ka

Der Putsch weckt auch Erin­ne­run­gen an das fins­te­re Kapi­tel der bru­ta­len US-Inter­ven­tio­nen in Latein­ame­ri­ka. Aus die­sem Grund hat das Por­tal Ame­ri­ka 21 die latein­ame­ri­ka­ni­schen US-Inter­ven­tio­nen seit 1945 doku­men­tiert : Das Medi­um kommt auf min­des­tens 20 (teils geschei­ter­te) Coups und 1,5 Mil­lio­nen Tote. Die­se Zah­len rela­ti­vie­ren auch deut­lich etwa die von US-Sei­te behaup­te­te “rus­si­schen Ein­mi­schun­gen” in die letz­te Prä­si­dent­schafts­wahl.

Wer übri­gens den Berich­ten Glau­ben schenkt, in Vene­zue­la sei­en die Medi­en “gleich­ge­schal­tet”, ist mög­li­cher­wei­se über­rascht von Kom­men­ta­ren wie die­sem hier aus der vene­zo­la­ni­schen Zei­tung Ana­ly­ti­ca, aus dem der Deutsch­land­funk zitiert :

In die­sem Augen­blick gab kei­ne sozia­len Unter­schie­de und kei­ne poli­ti­schen oder ideo­lo­gi­schen Dif­fe­ren­zen. Guai­dó konn­te vor dem Volk sei­nen Amts­eid able­gen und ist nun unser Inte­rims­prä­si­dent. Vor uns liegt eine Zeit, in der alle Insti­tu­tio­nen des vene­zo­la­ni­schen Staa­tes den Anord­nun­gen des ein­zi­gen und von der Ver­fas­sung legi­ti­mier­ten Prä­si­den­ten Fol­ge leis­ten müs­sen.”

Die Pri­vat­me­di­en Vene­zue­las mischen mit

Welch destruk­ti­ve Rol­le vie­le vene­zo­la­ni­sche Pri­vat­me­di­en spie­len, wur­de bereits beim Putsch-Ver­such von 2002 gegen Hugo Chá­vez deut­lich. Der auch damals mut­maß­lich von US-Beam­ten unter­stütz­te Umsturz war von den vene­zo­la­ni­schen Pri­vat­me­di­en und der dor­ti­gen Groß­in­dus­trie vor­be­rei­tet wor­den. Im Jahr 2002 schei­ter­te der gewalt­sa­me Sturz der Regie­rung von Chá­vez jedoch am mas­sen­haf­ten Wider­stand.

Die dra­ma­ti­schen Vor­gän­ge von 2002 kön­nen auch aktu­ell Hoff­nung geben. In der Doku­men­ta­ti­on “Ein Staats­streich von innen” kann man sie in bewe­gen­der Wei­se Revue pas­sie­ren las­sen :

Zwei Bli­cke auf “das Volk” – Demons­tran­ten in Frank­reich und in Vene­zue­la

Eine im Zusam­men­hang mit Vene­zue­la auch inter­na­tio­nal mas­siv ver­brei­te­te Losung lau­tet : “Nicolás Madu­ro hat das Mili­tär hin­ter sich, Juan Guai­dó das Volk”, wie etwa die pol­ni­sche Rze­cz­pos­po­li­ta stell­ver­tre­tend für vie­le deut­sche und inter­na­tio­na­le Medi­en behaup­tet. Eine sol­che Über­hö­hung von eini­gen Tau­send Demons­tran­ten zu “dem Volk” kennt man eben­falls aus den Kam­pa­gnen zu Syri­en und der Ukrai­ne.

RT Deutsch