Bayern versinkt im Schnee : Katastrophenfall auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen


Bad Tölz-Wolf­rats­hau­sen ist nach den Krei­sen Mies­bach, Berch­tes­ga­de­ner Land und Traun­stein der vier­te Land­kreis in Bay­ern, in dem der Kata­stro­phen­fall aus­ge­ru­fen wur­de. “Die Kata­stro­phen­schutz­be­hör­de koor­di­niert nun die Ein­sät­ze der Ret­tungs- und Ein­satz­kräf­te sowie wei­te­rer Dienst­stel­len und kann gege­be­nen­falls auch noch ein­mal zusätz­li­che Hil­fe zum Bei­spiel von Sei­ten der Bun­des­wehr anfor­dern”, sag­te Land­rat Josef Nie­der­mai­er. (dpa)
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RT Deutsch


Venezuelas Wirtschaftskrise : Kritik an regierenden Sozialisten wächst — auch in den eigenen Reihen


von Maria Mül­ler 

In den ver­gan­ge­nen Wochen spra­chen meh­re­re popu­lä­re Per­sön­lich­kei­ten aus dem Lager der Cha­vis­ten vor der Ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung (ANC) in Cara­cas über die Wirt­schafts­pro­ble­me des Lan­des. So fand die Rede des 80-jäh­ri­gen Julio Esca­lo­na, Ex-Gue­ril­le­ro und hoch­ran­gi­ger Abge­ord­ne­ter der regie­ren­den Ver­ein­ten Sozia­lis­ti­schen Par­tei Vene­zue­las (PSUV), eine gro­ße Reso­nanz in der Bevöl­ke­rung.

Esca­lo­na kri­ti­sier­te, dass die Ver­fas­sungs­ver­samm­lung (ANC) ihre Son­der­rech­te bis­her nicht ent­schie­den genug dafür ein­ge­setzt habe, struk­tu­rel­le Wirt­schafts­re­for­men durch­zu­set­zen :

Wir Abge­ord­ne­ten der Ver­fas­sungs­ver­samm­lung haben bis­her die Erwar­tun­gen nicht erfüllt, die wir in der Bevöl­ke­rung geweckt haben.

Die im Juli 2017 gewähl­te Ver­samm­lung soll­te mit einer refor­mier­ten Ver­fas­sung dazu bei­tra­gen, das von gewalt­tä­ti­gen Pro­tes­ten erschüt­ter­te Land zu befrie­den. Kri­ti­ker sehen in ihr ein Par­al­lel­par­la­ment, das die von der Oppo­si­ti­on beherrsch­te Natio­nal­ver­samm­lung fak­tisch kalt­stell­te.

Der zwei­te Vize­prä­si­dent der Ver­fas­sungs­ver­samm­lung, Dr. Isaías Rodríguez, äußer­te sich in dem Pres­se­me­di­um Hin­ter­la­ces über die damals mit der Wahl ver­bun­de­nen Erwar­tun­gen. Nach sei­ner Ansicht brach­ten die gut acht Mil­lio­nen Stim­men für die­ses Son­der­par­la­ment, in dem alle gesell­schaft­li­chen Kräf­te ver­tre­ten sind, den Wunsch nach einer grund­le­gen­den Lösung der Kri­se zum Aus­druck. Man habe sich erhofft, dass das neue Gre­mi­um ein natio­na­les Not­pro­gramm in Zusam­men­ar­beit mit der Oppo­si­ti­on erstel­len wür­de. 

Ein sol­cher Plan mit brei­tem poli­ti­schen Kon­sens hät­te die Wirt­schaft aus der Kri­se holen kön­nen, glaub­ten Mil­lio­nen Vene­zo­la­ner. Doch die Par­tei­en­al­li­anz der oppo­si­tio­nel­len MUD (Tisch der demo­kra­ti­schen Ein­heit) ver­wei­ger­te jede Zusam­men­ar­beit, wodurch das wich­tigs­te Ziel des gewähl­ten Ver­fas­sungs­or­gans schon zu Beginn zum Schei­tern ver­ur­teilt war. Die wirt­schaft­li­che Tal­fahrt beschleu­nig­te sich zuse­hends.

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Dadurch büß­te zwar die Oppo­si­ti­on mit ihrer sicht­ba­ren Abhän­gig­keit von aus­län­di­schen Mäch­ten viel an poli­ti­scher Glaub­wür­dig­keit ein. Doch auch das Regie­rungs­la­ger ver­liert an Ver­trau­en. Die Ana­ly­ti­ke­rin und Jour­na­lis­tin Eva Golin­ger bestä­tig­te Ende Dezem­ber in ihrem RT-Arti­kel aller­dings, dass in der Bevöl­ke­rung das Pro­jekt einer sozia­len Wirt­schaft nichts an Anzie­hungs­kraft ein­ge­büßt habe. Viel­mehr wach­se der Zwei­fel an der Fähig­keit und dem poli­ti­schen Wil­len der gegen­wär­ti­gen poli­ti­schen Füh­rungs­kräf­te von links und rechts, dies zu ver­wirk­li­chen. 

Oscar Sché­mel, ein bekann­ter Fern­seh­jour­na­list und Ver­tre­ter der Unter­neh­mer­schaft in der Ver­fas­sungs­ver­samm­lung, zählt eben­falls zu den kri­ti­schen Stim­men. Sei­ner Mei­nung nach ver­schär­fen die US-Finanz­sank­tio­nen zwar die Kri­se, doch haus­ge­mach­te Pro­ble­me wür­den eben­so dazu bei­tra­gen. 

Er ver­tritt vehe­ment die The­se, Vene­zue­la müs­se drin­gend zu einem fle­xi­blen Wech­sel­kurs über­ge­hen. Die staat­li­che Kon­trol­le des Wech­sel­kur­ses als auch der Prei­se könn­te in man­chen Situa­tio­nen sinn­voll sein, dürf­te jedoch nicht zur Grund­re­gel wer­den. Sonst wür­de sie die Infla­ti­on und die Kor­rup­ti­on ver­stär­ken, die Pro­duk­ti­vi­tät hin­ge­gen schwä­chen. 

Der stark über­be­wer­te­te Wech­sel­kurs habe bis­her die Impor­te so bil­lig gemacht, dass es beque­mer war, alles aus dem Aus­land zu impor­tie­ren anstatt selbst zu pro­du­zie­ren. Die Unter­neh­mer erhal­ten ver­bil­lig­te Dol­lars vom Staat, um Maschi­nen und Roh­stof­fe inter­na­tio­nal ein­kau­fen zu kön­nen und damit die natio­na­le Pro­duk­ti­on zu ver­bes­sern.

Doch die Fabri­kan­ten über­wei­sen die­se Dol­lars statt­des­sen lie­ber auf ihre Off-Shore-Kon­ten, ver­stär­ken somit die Kapi­tal­flucht und las­sen die Prei­se in die Höhe schnel­len. Ihre angeb­li­chen Impor­te von Gütern zur Ent­wick­lung der Eigen­pro­duk­ti­on haben sich häu­fig als Betrugs­ma­nö­ver ent­puppt — die Con­tai­ner waren leer.

Das Por­tal amerika21.de schreibt dazu :

Die aner­kann­te Fir­ma Eco­analí­ti­ca errech­ne­te, dass zwi­schen 2003 und 2012 rund 69,5 Mrd. US-Dol­lar über betrü­ge­ri­sche Impor­te geraubt wur­den. Expor­teu­re aus der Frei­han­dels­zo­ne aus Panamá stell­ten 1,4 Mrd. US-Dol­lar für Sen­dun­gen nach Vene­zue­la in Rech­nung ; pana­mai­sche Funk­tio­nä­re ver­si­cher­ten, dass hier­von 937 Mio. Betrug waren. Die Fir­men hat­ten Rech­nun­gen für Pro­duk­te aus­ge­stellt, die nicht exis­tier­ten.

Die seit 2015 dras­tisch gefal­le­nen Erd­öl­prei­se haben dem Staats­haus­halt und der Pri­vat­wirt­schaft Vene­zue­las die wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le ent­zo­gen. Der Ein­bruch sorgt für wach­sen­de Finan­zie­rungs­de­fi­zi­te in der sub­ven­tio­nier­ten Wirt­schaft. Dazu kommt ein bedeu­ten­der Rück­gang der Erd­öl­för­der­men­ge. Spä­tes­tens hier wur­den dem bis­he­ri­gen Sys­tem die Grund­la­gen ent­zo­gen, sei­ne Schwä­chen offen­bart. Doch radi­ka­le Refor­men blie­ben aus.

War­um hal­ten wir immer noch an einem fest­ge­leg­ten Wech­sel­kurs fest, wenn er in der Pra­xis nicht funk­tio­niert?”, war die ent­schei­den­de Fra­ge von Julio Esca­lo­na vor der Ver­fas­sungs­ver­samm­lung. 

Bis­lang gibt es dafür ver­schie­de­ne Hypo­the­sen. Mög­li­che nega­ti­ve sozia­le Fol­gen mit Ver­lus­ten an der poli­ti­schen Basis schei­nen dabei eine Rol­le zu spie­len. Doch vor allem die Furcht vor einer unkon­trol­lier­ba­ren inter­na­tio­na­len Mani­pu­la­ti­on der Wäh­rung hat dabei Gewicht. Der Men­schen­rechts­ex­per­te der UNO, Alfred-Mau­rice de Zayas, bemerk­te in sei­nem Bericht über Vene­zue­la im August 2018 :

Wäh­rungs­spe­ku­la­ti­on ist eines der bevor­zug­ten Instru­men­te, um gezielt Volks­wirt­schaf­ten zu desta­bi­li­sie­ren.

Die Bedin­gun­gen des gegen Vene­zue­la ent­fach­ten Wirt­schafts­krie­ges machen sol­che Maß­nah­men ris­kant, die unter nor­ma­len Ver­hält­nis­sen nahe­lie­gend wären. Doch das alter­na­tiv­lo­se Fest­hal­ten am Sta­tus quo war offen­bar genau­so schäd­lich wie das bedroh­li­che Risi­ko. Eine recht­zei­ti­ge Kurs­än­de­rung hät­te es ermög­licht, Reform­schrit­te etap­pen­wei­se anzu­ge­hen und ihre Fol­gen abzu­fe­dern. Heu­te ist die Infla­ti­on Vene­zue­las außer Kon­trol­le und die höchs­te der Welt. 

Die Ein­füh­rung des “Petro”, einer mit den rei­chen Roh­stoff­re­ser­ven Vene­zue­las abge­si­cher­te “Kryp­towäh­rung”, an die der Boli­var gebun­den wur­de, ver­sprach zwar anfäng­lich einen Weg aus der Finanz­kri­se. Die USA haben jedoch rasch Sank­tio­nen gegen den Petro ein­ge­führt. In Washing­ton will man der vene­zo­la­ni­schen Wirt­schaft kei­nen Aus­weg las­sen. 

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Ein wei­te­res Pro­blem sind die staat­lich fest­ge­setz­ten Prei­se für sub­ven­tio­nier­te Kon­sum­gü­ter des täg­li­chen Bedarfs und für Medi­ka­men­te. Das Sys­tem soll­te eigent­lich die Ver­sor­gung der bedürf­ti­gen Gesell­schafts­schich­ten in Vene­zue­la sichern. Doch die Waren wer­den von den gro­ßen Ver­teiler­ket­ten häu­fig ver­steckt, künst­lich knapp gehal­ten und dann über­teu­ert ange­bo­ten. Auch das gro­ße Leer­kau­fen für das Ver­schie­ben in den Schwarz­markt ist ein belieb­tes Geschäft — nur dort fin­den sich die Din­ge zu Höchst­prei­sen wie­der. 

Die sub­ven­tio­nier­ten Bil­lig­wa­ren für das Volk boten gleich­zei­tig den Anreiz für einen mas­sen­haf­ten Schmug­gel in die teu­re­ren Grenz­re­gio­nen der Nach­bar­län­der. Dort kön­nen Tau­sen­de von vene­zo­la­ni­schen Grenz­gän­gern dann all das kau­fen, was aus den leer­ge­feg­ten Rega­len ihrer eige­nen Geschäf­te ver­schwun­den ist — samt der not­wen­di­gen Medi­ka­men­te, die oft auf der Stra­ße ange­bo­ten wer­den. 

Auch der bis vor kur­zem vom vene­zo­la­ni­schen Staat extrem nied­rig gehal­te­ne Ben­zin­preis (der bil­ligs­te der Welt) pro­vo­zier­te eine seit vie­len Jah­ren zur Rou­ti­ne gewor­de­ne Schmug­gel­wirt­schaft in die Nach­bar­re­gio­nen. Die ver­arm­ten kolum­bia­ni­schen Grenz­ge­bie­te hän­gen zum gro­ßen Teil von die­sem mas­sen­haf­ten Raub beim Nach­barn ab. Im August erhöh­te die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung zum ers­ten Mal seit 20 Jah­ren den inter­nen Ben­zin­preis. 

Prä­si­dent Nicolás Madu­ro beschwört in sei­nen Reden schon seit Jah­ren die Not­wen­dig­keit, die “Import­wirt­schaft” zu been­den. Die pas­si­ve Abhän­gig­keit vom Roh­öl­ver­kauf als haupt­säch­li­che Ein­nah­me­quel­le müs­se in eine akti­ve und viel­fäl­ti­ge Eigen­pro­duk­ti­on umge­wan­delt wer­den. Auf sei­ne Initia­ti­ve hin kommt es immer wie­der zu Ver­hand­lun­gen und Tref­fen mit Fir­men­in­ha­bern, auf denen stets neue Plä­ne mit Anrei­zen vor­ge­stellt wer­den, um die Pro­duk­ti­vi­tät Vene­zue­las anzu­kur­beln. Sie zei­gen jedoch nicht den gewünsch­ten Erfolg. 

Die Inves­ti­ti­ons­an­rei­ze ufer­ten in man­chen Fäl­len zu einem wah­ren Trans­fer der Erd­öl­er­lö­se in den Pri­vat­sek­tor aus”, kri­ti­sier­te der frü­he­re Gue­ril­le­ro Julio Esca­lo­na in sei­ner Rede vor der ANC.

Unter die­sen Bedin­gun­gen ent­fernt sich die sub­ven­tio­nier­te Wirt­schaft immer wei­ter von einem soli­da­ri­schen Ent­wick­lungs­mo­dell und wird zum rei­nen Ver­lust­ge­schäft. Die weit ver­brei­te­te Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät trägt mit zum Ader­lass der vene­zo­la­ni­schen Öko­no­mie bei. Die Staats­schul­den wach­sen. Erst recht, seit­dem die US-Sank­tio­nen im Finanz­be­reich die Impor­te kom­pli­zie­ren und extrem ver­teu­ern.

Zum Schluss sei­en noch die seit Amts­an­tritt des neu­en Staats­an­wal­tes Wil­liam Saab im August 2017 auf Hoch­tou­ren lau­fen­den Ermitt­lun­gen gegen Kor­rup­ti­ons- und Betrugs­rin­ge genannt. 

Die staat­li­che Ölge­sell­schaft PDVSA ist davon stark betrof­fen. Seit dem Amts­an­tritt von Saab im August 2017 wur­den 616 Per­so­nen wegen Kor­rup­ti­on ver­ur­teilt. Auch aus­län­di­sche Fir­men und deren Ange­stell­te betei­li­gen sich an Kor­rup­ti­ons- und Betrugs­ak­tio­nen, die dem Land einen Scha­den von meh­re­ren Mil­li­ar­den Dol­lar ein­brach­ten. Dar­un­ter auch Mit­ar­bei­ter der US-Ölfir­ma Che­vron oder der Direk­tor der schwei­ze­ri­schen Ban­ken­grup­pe Juli­us Bär, die alle heu­te vor US-Gerich­ten ste­hen. Gegen­wär­tig sei­en rund hun­dert Per­so­nen inhaf­tiert, dar­un­ter 20 hoch­ran­gi­ge PDV­SA-Funk­tio­nä­re. 

Julio Esca­lo­na been­de­te sei­ne Rede vor der Ver­fas­sungs­ver­samm­lung mit einer War­nung vor den Kon­se­quen­zen die­ser Ent­wick­lun­gen :

Das vene­zo­la­ni­sche Volk… ist stand­haft und wählt die PSUV. Es sind Men­schen vol­ler Ver­trau­en. Aber wis­sen wir was pas­siert, wenn Men­schen ihren Glau­ben ver­lie­ren ? Faschis­mus… Der Faschis­mus ist uns nahe, in Bra­si­li­en, aber auch in Kolum­bi­en. Wir müs­sen die­se Bei­spie­le sehen und sehr ernst neh­men.

Mehr zum The­ma — USA vs. Vene­zue­la : Wort­ge­fecht zwi­schen Trump und Madu­ro auf der UN-Voll­ver­samm­lung 

RT Deutsch


Analyst : Kosovo ein NATO-Protektorat, aber auch Serbien zu westlicher Marionette verkommen


von Ali Özkök

Dr. Mar­cus Papado­pou­los ist Her­aus­ge­ber und Redak­teur von Poli­tics First, einer über­par­tei­li­chen Publi­ka­ti­on für das bri­ti­sche Par­la­ment. Er pro­mo­vier­te in rus­si­scher Geschich­te und ist spe­zia­li­siert auf Geo­po­li­tik in den Län­dern der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on und des ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wi­ens.

Koso­vo will eine Armee auf­bau­en und hat meh­re­re Pan­zer­fahr­zeu­ge aus den USA erhal­ten. Obwohl es eine offi­zi­el­le NATO-Zurück­hal­tung gab, wie sehr wur­de Ihrer Mei­nung nach die Ein­rich­tung einer Koso­vo-Armee von lan­ger Hand geplant ?

Koso­vo ist heu­te prak­tisch ein NATO-Pro­tek­to­rat – und das seit Bel­grad 1999 die Kon­trol­le über die­se Pro­vinz ver­lo­ren hat. Dar­aus folgt, dass die ille­ga­le Ein­heit, die Repu­blik Koso­vo, mit dem Pro­zess der Schaf­fung eige­ner Streit­kräf­te begin­nen wird, um mit der Zeit offi­zi­ell der NATO bei­zu­tre­ten. Das ist das gro­ße Ziel.

Die EU hat Pris­ti­nas Ent­schei­dung, 100-Pro­zent-Zöl­le auf Ware aus Ser­bi­en ein­zu­füh­ren, ver­ur­teilt und ist besorgt über die Koso­vo-Armee. Wie wird sich die Mili­ta­ri­sie­rung des Koso­vo auf die Bezie­hun­gen Ser­bi­ens zur Euro­päi­schen Uni­on aus­wir­ken, die wei­ter­hin einen offen­sicht­lich geschei­ter­ten Dia­log mit dem Koso­vo unter­stützt ?

Die Euro­päi­sche Uni­on strebt auf Geheiß der USA und der NATO die Mit­glied­schaft Ser­bi­ens im Wirt­schafts­block an, so dass die Kon­trol­le des Wes­tens über den Bal­kan dadurch erheb­lich ver­bes­sert wird. Und die ser­bi­sche Regie­rung, die eine pro-west­li­che Mario­net­te ist, ver­ur­teilt öffent­lich die Ent­wick­lun­gen im Koso­vo, berei­tet aber heim­lich den Boden für die Aner­ken­nung der Unab­hän­gig­keit des Koso­vo vor, mög­li­cher­wei­se durch eine Ände­rung der Ver­fas­sung Ser­bi­ens, so dass das Koso­vo als Teil Ser­bi­ens aus­ge­las­sen wird, oder durch einen Ter­ri­to­ri­en­aus­tausch zwi­schen Bel­grad und Pris­ti­na. Ser­bi­ens Prä­si­dent Alek­san­dar Vučić, der sehr enge Bezie­hun­gen zu Deutsch­land und den USA hat, will sei­nen west­li­chen Gön­nern mit der Aner­ken­nung der Unab­hän­gig­keit des Koso­vo gefal­len, damit er sei­nen Ein­fluss auf die poli­ti­schen Belan­ge inner­halb Ser­bi­ens auf unbe­stimm­te Zeit behal­ten kann.

Die Fra­ge der ser­bi­schen Min­der­heit im Koso­vo ist nach wie vor unge­klärt. Den­noch ist es ein wich­ti­ger Hebel für Bel­grad im Koso­vo. In wel­che Rich­tung bewegt sich die­ser Streit, der auch von der Fra­ge der Unab­hän­gig­keit des Koso­vo abhängt ?

Die Behör­den in Pris­ti­na könn­ten bereit sein, einen Gebiets­tausch mit Bel­grad ein­zu­lei­ten, um Ser­bi­en die Aner­ken­nung der Unab­hän­gig­keit des Koso­vo zu ermög­li­chen. Wir müs­sen uns bewusst sein, dass sich die Regie­run­gen in Bel­grad und Pris­ti­na fest im poli­ti­schen Orbit des Wes­tens befin­den. Etwas Druck aus dem Wes­ten und bei­de Sei­ten wol­len ihre Gön­ner zufrie­den stel­len. Auf der ande­ren Sei­te for­dert der Wes­ten Har­mo­nie zwi­schen sei­nen Kolo­ni­en – Ser­bi­en und Koso­vo – und des­halb muss er die Fra­ge der Aner­ken­nung der Unab­hän­gig­keit des Koso­vo durch Ser­bi­en lösen. Ein mög­li­cher Gebiets­aus­tausch könn­te die Lösung sein, der dar­in besteht, dass Mitro­vi­ca nach Ser­bi­en und das Pre­se­vo-Tal nach Koso­vo geht.

Wie könn­ten die Ent­wick­lun­gen im Koso­vo dem ser­bi­schen Prä­si­den­ten Vučić in die Kar­ten spie­len ?

Vučić küm­mert sich nur um zwei Din­ge : die Auf­recht­erhal­tung sei­ner Füh­rung in Ser­bi­en und die Befrie­di­gung sei­ner west­li­chen Gön­ner, wes­halb er der NATO auch erlaubt hat, Auf­sichts­bü­ros in wich­ti­gen ser­bi­schen Insti­tu­tio­nen wie dem Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ein­zu­rich­ten. Vučić küm­mert sich nicht um Koso­vo und Meto­chi­en. Wenn er es täte, hät­te er sich nicht so offen­her­zig auf die NATO und die EU ein­ge­las­sen. Koso­vo und Meto­chi­en sind recht­lich, poli­tisch und his­to­risch ein inte­gra­ler Bestand­teil Ser­bi­ens, daher gibt es nichts über ihre Zukunft zu dis­ku­tie­ren, vor allem nicht mit den Par­tei­en, die die Pro­vinz Ser­bi­en aus der Hand geris­sen haben.

Einer der weni­gen ser­bi­schen Poli­ti­ker, die sich ernst­haft um Koso­vo und Meto­chi­en küm­mer­ten, war Oli­ver Iva­no­vić, der jedoch im Janu­ar die­ses Jah­res ermor­det wur­de. Nie­mand wur­de wegen sei­nes Mor­des ange­klagt. Es wird all­ge­mein ange­nom­men, dass sich die Ver­ant­wort­li­chen für sei­nen Mord in Bel­grad unter dem vol­len Schutz der Regie­rung von Vučić ver­ste­cken. Mein eige­ner Ver­dacht – und einer, der von den Ser­ben weit­ge­hend geteilt wird – ist, dass er vom ser­bi­schen Staat ermor­det wur­de, weil er der Aner­ken­nung des Koso­vo als unab­hän­gi­ges Land von Ser­bi­en im Wege stand.

Die Koso­vo-Armee wird eine rela­tiv klei­ne sein, was auf den ers­ten Blick weni­ger eine Her­aus­for­de­rung für die ser­bi­schen Sicher­heits­kräf­te dar­zu­stel­len scheint. Was dürf­te die eigent­li­che Sor­ge Bel­grads sein, wenn es um den Auf­bau einer Armee im Koso­vo geht ?

Die Besorg­nis ser­bi­scher Patrio­ten ist, dass die Behör­den im Koso­vo ein Wett­rüs­ten mit Ser­bi­en ent­fa­chen könn­ten, das einen neu­en Krieg zwi­schen den bei­den ent­fa­chen und in die Nach­bar­län­der über­schwap­pen könn­te. Der Bal­kan ist einer der vola­tils­ten Tei­le der Welt. Dar­über hin­aus wird die ille­gi­ti­me Armee im Koso­vo von Per­so­nen ange­führt, die Mit­glie­der der soge­nann­ten Koso­vo-Befrei­ungs­ar­mee, einem ter­ro­ris­ti­schen und orga­ni­sier­ten Ver­bre­chens­netz­werk, waren.

Wel­che Rol­le spielt die Koso­vo-Armee aus regio­na­ler Sicht, wenn man bedenkt, dass Kroa­ti­en, Alba­ni­en und letzt­lich Mon­te­ne­gro der NATO bei­getre­ten sind ? Schließ­lich führt Ser­bi­en auch mili­tä­ri­sche Übun­gen mit der NATO durch, aber schafft das nicht auch das Gefühl, umge­ben zu sein ?

Als Ergeb­nis der Mit­glied­schaft Mon­te­ne­gros in der NATO bedeu­tet dies, dass die NATO, in Wirk­lich­keit Washing­ton, jetzt die Adria kon­trol­liert, die von immenser geo­stra­te­gi­scher Bedeu­tung ist. In die­ser Regi­on kämpf­ten ver­gan­ge­ne Rei­che über Jahr­hun­der­te um die Kon­trol­le, ein­schließ­lich des Osma­ni­schen und Habs­bur­gi­schen Rei­ches. Da Koso­vo künf­tig über eine eige­ne Armee ver­fügt, wird dies den Weg für den spä­te­ren NATO-Bei­tritt der Pro­vinz ebnen und damit den west­li­chen Wür­ge­griff auf den Bal­kan stär­ken. Und eines Tages, nach­dem Ser­bi­en die Unab­hän­gig­keit des Koso­vo aner­kannt hat, wird auch Bel­grad nichts ande­res übrig blei­ben, als der NATO bei­zu­tre­ten.

Inwie­weit wird Russ­land, das in der Koso­vo-Fra­ge auf der Sei­te Bel­grads steht, als alter­na­ti­ver poli­ti­scher Part­ner gegen­über west­li­chen Akteu­ren unter den poli­ti­schen Eli­ten in Ser­bi­en wahr­ge­nom­men ?

Vučić sagt, dass er Titos Poli­tik der Nicht­aus­rich­tung fort­setzt, was bedeu­tet, dass Ser­bi­en weder mit dem Wes­ten (USA und NATO) noch mit dem Osten (Russ­land) in eine ein­sei­ti­ge Alli­anz ein­tritt. In der Pra­xis hat Vučić Ser­bi­en jedoch noch tie­fer in den Ein­fluss­be­reich des Wes­tens gebracht. Und Russ­land ist sich des Spiels von Vučić bewusst. Daher rüh­ren die Span­nun­gen zwi­schen Vučić und Putin.

Aber in Wirk­lich­keit hat Russ­land auf dem Bal­kan nicht so viel Ein­fluss, wie eini­ge Leu­te den­ken. Der Wes­ten erober­te das ehe­ma­li­ge Jugo­sla­wi­en in den 1990er und frü­hen 2000er Jah­ren, als sich Russ­land noch vom Ende des Kom­mu­nis­mus und der Auf­lö­sung der Sowjet­uni­on erhol­te. Lei­der ist es für Russ­land heu­te sehr schwie­rig, frei auf dem Bal­kan zu ope­rie­ren, auch in Ser­bi­en und Mon­te­ne­gro, die bei­de von Regie­run­gen gelei­tet wer­den, deren Schlüs­sel­per­so­nal von Washing­ton und Brüs­sel ein­ge­setzt wur­de.

Vie­len Dank für das Gespräch !

RT Deutsch


Auch ARD-Chef will höheren Rundfunkbeitrag und droht mit Verfassungsklage


Jeder Haus­halt in Deutsch­land muss der­zeit monat­lich 17,50 Euro Rund­funk­bei­trag zah­len. BR-Inten­dant und ARD-Vor­sit­zen­der Ulrich Wil­helm for­dert nun – genau­so wie der ZDF-Inten­dant Tho­mas Bel­lut vor eini­gen Tagen – eine Erhö­hung. Dies­be­züg­lich schließt die ARD eine Ver­fas­sungs­kla­ge nicht aus. Falls nicht alle Land­ta­ge zustim­men soll­ten, “blie­be als Ulti­ma Ratio die Klä­rung beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he”, sag­te der ARD-Chef in einem Inter­view der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Mün­chen.

Dies wür­de frei­lich eine jah­re­lan­ge Hän­ge­par­tie bedeu­ten. In die­ser Zeit könn­te nicht ord­nungs­ge­mäß gear­bei­tet wer­den.

Eine Vari­an­te : Rund­funk­bei­trag könn­te ent­spre­chend der Infla­ti­ons­ra­te stei­gen

Im Früh­jahr 2019 müs­sen die öffent­lich-recht­li­chen Sen­der der Kom­mis­si­on zur Ermitt­lung des Finanz­be­darfs der Rund­funk­an­stal­ten (KEF) mit­tei­len, wie viel Geld sie für 2021 bis 2024 brau­chen. Die KEF macht dann einen Vor­schlag für die Bei­trags­hö­he. Die anschlie­ßen­de Ent­schei­dung der Minis­ter­prä­si­den­ten muss von allen 16 Land­ta­gen rati­fi­ziert wer­den. Als Alter­na­ti­ve zu die­sem Ver­fah­ren ist ein Index­mo­dell im Gespräch, wonach der Rund­funk­bei­trag stets ent­spre­chend der Infla­ti­ons­ra­te steigt. Dies könn­te “am Ende ein gang­ba­rer Weg sein”, sag­te Wil­helm.

Aller­dings decke der Index nicht die tat­säch­li­chen Kos­ten­stei­ge­run­gen ab, son­dern wäre für die öffent­lich-recht­li­chen Sen­der “eine ste­ti­ge Schrump­fung”. Denn : “Die rund­funk­spe­zi­fi­sche Teue­rung, die bei­spiels­wei­se die Ent­wick­lung der Kos­ten für Musik-, Film- oder Sport­rech­te berück­sich­tigt, lag zwi­schen 2009 und 2017 bei rund 17 Pro­zent, wäh­rend die Ver­brau­cher­prei­se in die­sem Zeit­raum um 10,6 Pro­zent gestie­gen sind.”

Aus eini­gen Bun­des­län­dern wur­de in den ver­gan­ge­nen Mona­ten die For­de­rung erho­ben, den Rund­funk­bei­trag sta­bil zu hal­ten, also nicht zu erhö­hen. Dann müs­se deut­lich im Pro­gramm gekürzt wer­den, sag­te Wil­helm. Was nicht mög­lich sei : gan­ze Berei­che wie Unter­hal­tung und Sport aus dem Pro­gramm­auf­trag zu neh­men.

Das wäre so aus unse­rer Sicht mit der Rund­funk­frei­heit nicht ver­ein­bar. Zumal es auch kei­ne trenn­schar­fe Abgren­zung der Gen­res gibt.

ARD-Chef spricht auch von 18,35 Euro

TV-Seri­en wie “Cha­rité” und “Baby­lon Ber­lin” sei­en Unter­hal­tung, aber auch Bil­dung und Infor­ma­ti­on. Der Bereich Sport bestehe nicht nur aus Spit­zen­fuß­ball, son­dern etwa auch aus Paralym­pics, jun­gen Sport­ar­ten und der Brei­te des Win­ter­sports.

Die aktu­el­le Höhe des Rund­funk­bei­trags von 17,50 Euro ent­spricht nach Anga­ben des ARD-Chefs nicht mehr dem rea­len Auf­wand :

Denn wir ver­wen­den heu­te zusätz­lich die Gel­der der Bei­trags­rück­la­ge, die zwi­schen 2013 und 2016 ange­spart wur­de. Rech­net man die­se ange­spar­ten Mit­tel auf die Höhe des monat­li­chen Bei­trags um, dann lie­gen wir heu­te schon real bei 18,35 Euro.

Die­se Rück­la­ge wer­de bis 2020 auf­ge­braucht sein.

Nie­der­sach­sens Minis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) sag­te der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen Zei­tung am Wochen­en­de, er hät­te Zwei­fel, ob der Vor­stoß für höhe­re Gebüh­ren der Weis­heit letz­ter Schluss sei. Die Rund­funk­an­stal­ten hät­ten zwar einen Ver­fas­sungs­an­spruch auf eine auf­ga­ben­ge­rech­te Finan­zie­rung, “aber die Auf­ga­ben wer­den durch die Län­der fest­ge­legt”. Nie­der­sach­sen wer­de sich sehr dafür ein­set­zen, in den Gesprä­chen Anfang des Jah­res zu einer Rege­lung zu kom­men, die auf Dau­er die Leis­tungs­fä­hig­keit des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks sicher­stel­le und die Gebüh­ren­zah­le­rin­nen und Gebüh­ren­zah­ler nicht über­las­te.

AfD und FDP spre­chen sich gegen eine Erhö­hung aus

Der AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Jus­ti­zi­ar der Bun­des­tags­frak­ti­on Ste­phan Brand­ner teil­te am Frei­tag mit, der öffent­li­che Rund­funk in sei­nen jet­zi­gen Aus­ma­ßen müs­se abge­schafft wer­den. Danach las­se sich über den Neu­auf­bau eines “klei­nen öffent­li­chen Rund­funk­an­ge­bo­tes” nach­den­ken.

Das wird in Angriff genom­men und umge­setzt, sobald die AfD in einer Lan­des­re­gie­rung ist. Die Erhö­hung der Bei­trä­ge wird dann gewiss kein The­ma mehr sein.

Mehr zum The­ma — Dr. Gniff­kes Macht um Acht : Neben den Men­schen gibt es noch Jour­na­lis­ten

Die stell­ver­tre­ten­de FDP-Bun­des­vor­sit­zen­de Kat­ja Suding wand­te sich eben­falls gegen eine Erhö­hung des Rund­funk­bei­trags :

Anstatt die Rund­funk­ge­büh­ren zu erhö­hen, soll­te der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk ver­schlankt wer­den”, sag­te die Medi­en­po­li­ti­ke­rin der Ber­li­ner Tages­zei­tung B.Z. am Frei­tag. “Der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk muss sich auf Bil­dung, Kul­tur und Infor­ma­ti­on kon­zen­trie­ren. Dafür braucht es viel weni­ger als 20 Fern­seh- und 60 Radio­sen­der. Dann käme er auch mit nied­ri­ge­ren Gebüh­ren aus, ohne an Qua­li­tät ein­zu­bü­ßen.”

RT Deutsch


Militärforschung in den USA : Ambitioniert — aber auch erfolgreich ?


In den USA sucht das ARL (Army Rese­arch Labo­ra­to­ry, Armee-For­sch­ung­la­bo­ra­to­ri­um) Unter­neh­men, die an mili­tä­ri­schen Kleinst­droh­nen for­schen sol­len. Die­se sol­len von einer Künst­li­chen Intel­li­genz (KI) gesteu­ert wer­den und sich in Schwär­men fort­be­we­gen — krie­chend, fah­rend oder flie­gend. Auch die Droh­nen­kon­zep­te der For­schungs­ein­rich­tung DARPA (Defen­se Advan­ced Rese­arch Pro­jec­ts Agen­cy) des US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums sehen einen hohen Grad an Auto­no­mie vor.

Fer­ner gehört die For­schung an Tech­no­lo­gi­en elek­tro­ni­scher und kyber­ne­ti­scher Kriegs­füh­rung und an kom­plett neu­en Arten von Sen­so­ren zu den Plä­nen des Pen­ta­gon, eben­so wie die For­schung an unkon­ven­tio­nel­len Mit­teln der Ener­gie- und Mate­ri­al­ver­sor­gung auf dem Schlacht­feld für die US-Land­streit­kräf­te.

Exper­ten haben die US-Kon­zep­te – soweit sie öffent­lich gemacht wur­den – einer Bewer­tung unter­zo­gen und gefol­gert, dass das US-Mili­tär anschei­nend mit dem jet­zi­gen Stand der Tech­nik im Mili­tär­we­sen alles ande­re als zufrie­den ist. Vor allem die Umsetz­bar­keit der Dok­trin der abso­lu­ten tech­ni­schen Über­le­gen­heit auf dem Schlacht­feld “unter allen Bedin­gun­gen und in allen Lagen” und des Erst­schlags aus gro­ßer Ent­fer­nung sei dem­nach momen­tan nicht gege­ben.

Es gebe eine “Not­wen­dig­keit von ent­schei­den­der Bedeu­tung” zur Moder­ni­sie­rung der Streit­kräf­te, um die­se Über­le­gen­heit her­zu­stel­len, so der rus­si­sche Mili­tär­ex­per­te Ale­xei Leon­kow. Weil man sich nicht mehr zutraue, die­se Dok­trin auf dem her­kömm­li­chen Weg des tech­nisch-mate­ri­el­len Wett­laufs kon­ven­tio­nel­ler Bewaff­nung umset­zen zu kön­nen, sehe man sich gezwun­gen, auch der­art aus­ge­fal­le­ne Kon­zep­te unter extre­mem finan­zi­el­len Auf­wand aus­zu­lo­ten.

Doch selbst das gigan­ti­sche Bud­get des US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums in Höhe von 716 Mil­li­ar­den US-Dol­lar könn­te noch zu gering sein, wenn man die For­schungs­pro­jek­te, die damit finan­ziert wer­den sol­len, kri­tisch betrach­tet.

Ein Quan­ten­sprung dank dickem Mili­tär­bud­get

Das aus­ge­fal­lens­te der vor­ge­stell­ten Kon­zep­te ist der Quan­ten­sen­sor auf der Basis von Ryd­berg-Ato­men, an dem im Rah­men des Dis­co­very Essen­ti­al Rese­arch Pro­gram geforscht wird. Ryd­berg-Ato­me sind was­ser­stoff­ar­ti­ge Ato­me (mit nur einem Elek­tron), oder auch Ato­me von Alka­li­me­tal­len, die die For­scher des ARL mit­hil­fe von Laser­be­strah­lung anre­gen und in den soge­nann­ten Ryd­berg-Zustand ver­set­zen. In die­sem Zustand reagie­ren die Ato­me auf jeg­li­che elek­tri­schen Fel­der extrem emp­find­lich.

Eben­so wird mit Lasern der Zustand eines sol­chen Atoms abge­tas­tet – weil sie, je nach Inten­si­tät und Schwin­gungs­be­reich des Fel­des, Laser­be­strah­lung anders modu­lie­ren. Anten­nen, die so auf­ge­baut sind, sol­len gegen­über her­kömm­li­chen nicht nur deut­lich emp­find­li­cher sein, son­dern auch auf ein extrem brei­tes Spek­trum elek­tri­scher Schwin­gun­gen reagie­ren kön­nen : Vom Kilo­hertz- (103 Hz) bis zum Tera­hertz­be­reich (1012 Hz). Sol­che Anten­nen sol­len zur Auf­klä­rung eben­so wie zur Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­ge­setzt wer­den.

Von einer prak­ti­schen Anwen­dung ist man jedoch noch extrem weit ent­fernt, nicht zuletzt, weil auch den For­schern eine Vor­stel­lung davon fehlt, wie eine sol­che prak­ti­sche Anwen­dung aus­fal­len könn­te. Die­se Anten­nen “unter­schei­den sich so sehr von alt­her­ge­brach­ter Emp­fän­ger­tech­no­lo­gie, dass wir erst ein­mal einen Schritt zurück machen müs­sen, um über neue Anwen­dungs­be­rei­che und Mög­lich­kei­ten nach­zu­den­ken”, erklär­te einer der betei­lig­ten For­scher, Dr. Paul Kunz.

Dass mili­tä­ri­sche Ein­rich­tun­gen auch Grund­la­gen­for­schung betrei­ben, ist kei­ne Neu­ig­keit. Letzt­end­lich lässt sich fast jede For­schung auch mili­tä­ri­schen Zwe­cken dienst­bar machen. Doch das spek­ta­ku­lä­re US-Mili­tär­bud­get sowie die schie­re Anzahl der dar­aus finan­zier­ten Pro­jek­te, die sehr weit davon ent­fernt sind, prak­ti­sche Ergeb­nis­se zu lie­fern, deu­ten dar­auf, dass die USA um jeden Preis in naher Zukunft einen Quan­ten­sprung in der Rüs­tungs­tech­nik erzwin­gen wol­len.

Ein Schwarm aus KI-Droh­nen

Auch die ein­gangs schon erwähn­ten, KI-gesteu­er­ten Mikro­droh­nen, zäh­len zu den exo­ti­schen For­schungs­pro­jek­ten. “Die kleins­ten Teil­ein­hei­ten” der US-Streit­kräf­te wie Pla­toons und Squads, sol­len mit der­ar­ti­gen Gerä­ten aus­ge­rüs­tet wer­den, schreibt der ARL-Mit­ar­bei­ter Alex­an­der Kott in einem Bericht. Dabei sol­len sie über wei­te Stre­cken auto­nom vor­ge­hen, mit nur mini­ma­ler mensch­li­cher Ein­wir­kung. Sie sol­len nur von einer KI gesteu­ert wer­den, die auch die Auf­ga­be der Freund-Feind-Erken­nung über­neh­men soll – und somit die Ent­schei­dung über Leben und Tod tref­fen kann.

Militärforschung in den USA: Ambitioniert - aber auch erfolgreich?
Mit­ein­an­der ver­netzt : KI-gesteu­er­te Droh­nen­schwär­me (Quel­le : U.S. Army Rese­arch Labo­ra­to­ry)

Den mög­li­chen Ein­satz­zweck sol­cher Droh­nen hat der rus­si­sche Mili­tär­ex­per­te Dmi­tri Dros­den­ko skiz­ziert :

Sol­che Gerä­te kön­nen nicht nur zu Späh­zwe­cken, son­dern auch zum Angriff genutzt wer­den. Rüs­tet man zum Bei­spiel eine flie­gen­de Mikro­droh­ne mit ein paar Gramm Spreng­stoff aus, wird sie feind­li­che Sol­da­ten angrei­fen kön­nen, sobald sie die­se über ein ‘Freund-Feind’-System zuge­ord­net hat. Es gibt ja eine gan­ze Rei­he auto­no­mer Maschi­nen, die sowohl der Auf­klä­rung als auch dem Angriff die­nen. Die­se Maschi­nen flie­gen, krab­beln und schwim­men. Die Welt bewegt sich auf die Exis­tenz auto­no­mer, auto­ma­ti­sier­ter Sys­te­me zu, mit der Mög­lich­keit aus­ge­stat­tet, alles Leben­de aus­zu­lö­schen.

Neben Kampf­droh­nen sol­len auch ein­fa­che Sen­so­ren und kom­ple­xe­re, nicht immer nur auf den Kampf aus­ge­rich­te­te kyber­ne­ti­sche Ein­hei­ten zu einem “Inter­net of Batt­le Things” (IoBT, Inter­net der Kampf-Din­ge) gehö­ren.

Was sich nach einem Hor­ror­sze­na­rio aus einem “Terminator”-Film anhört, ist aller­dings eben­so weit von einer Ver­wirk­li­chung ent­fernt wie der neue Quan­ten­sen­sor. Eini­ge der Pro­ble­me, für die eine Lösung noch aus­steht, wer­den von Kott selbst ange­spro­chen : Vor allem fehlt den heu­ti­gen Gerä­ten für eine ech­te KI, die im Kampf das Kom­man­do über­neh­men soll, schlicht die Rechen- und Spei­cher­ka­pa­zi­tät.

Bedenkt man fer­ner, dass die­se Kapa­zi­tä­ten daher zwin­gend in einer Art Schwar­min­tel­li­genz zur gemein­sa­men Nut­zung zwi­schen den ein­zel­nen Gerä­ten auf­ge­teilt wer­den müs­sen, wird sofort der nächs­te Schwach­punkt offen­sicht­lich : Der Geg­ner kann die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit­hil­fe radio­elek­tro­ni­scher Gegen­maß­nah­men stö­ren oder ganz unter­bre­chen, oder mit­hil­fe von Hackern oder maß­ge­schnei­der­ten Com­pu­ter­vi­ren die Gerä­te kom­plett lahm­le­gen oder die Kon­trol­le über sie über­neh­men. Und schließ­lich, so Kott in einem Inter­view mit The Regis­ter, muss auch die Selbst­lern­fä­hig­keit der KI noch eine gro­ße Ent­wick­lung durch­ma­chen.

An der Mach­bar­keit einer Künst­li­chen Intel­li­genz für ein der­art auto­no­mes Inter­net of Batt­le Things zwei­felt man auch bei der IT-Online­zeit­schrift then­ext­web. Hier­bei geht es vor allem um die Ana­ly­se visu­el­ler Infor­ma­ti­on :

Die bes­ten KIs von heu­te, etwa Deep­Mind von Goog­le oder Wat­son von IBM, sind gera­de ein­mal zur kom­ple­xen Ana­ly­se von Bild­ma­te­ri­al fähig. Die US-Armee erwar­tet tech­ni­schen Fort­schritt, der aus heu­ti­ger Sicht sehr weit ent­fernt scheint.

Dass bereits heu­te kampf­erprob­te Mit­tel – sogar im Hand­waf­fen­for­mat – exis­tie­ren, mit denen der Ein­satz von Droh­nen wirk­sam unter­bun­den wer­den kann, lässt die Erfolgs­aus­sich­ten die­ser For­schun­gen noch zwei­fel­haf­ter erschei­nen.

Logis­ti­sche Leicht­fü­ßig­keit bei Besat­zungs­ope­ra­tio­nen

Weni­ger spek­ta­ku­lär mutet im Ver­gleich dazu das nächs­te For­schungs­feld des ARL an – etwas rea­lis­ti­scher sind auch die dabei gesetz­ten Zie­le. Es geht dar­um, den soge­nann­ten “logis­ti­schen Fuß­ab­druck” der Land­streit­kräf­te dras­tisch zu ver­klei­nern – der Bedarf an Trans­port­ka­pa­zi­tät für die Ver­sor­gung der Sol­da­ten und Maschi­nen soll dras­tisch gesenkt wer­den. Dafür ist nicht nur die Erschlie­ßung alter­na­ti­ver Ener­gie­quel­len geplant – bei­spiels­wei­se Pho­to­vol­ta­ik – son­dern zum Bei­spiel auch die Anfer­ti­gung von Maschi­nen und Mecha­nis­men, etwa der erwähn­ten Auf­klä­rungs- und Kampf­droh­nen, mit­tels por­ta­bler 3D-Dru­cker. So kön­nen weni­ger Mate­ria­li­en ins Ein­satz­ge­biet mit­ge­führt wer­den, aus denen dann schnell und fle­xi­bel vor Ort das jeweils not­wen­di­ge Rüs­tungs­gut nach Bedarf gefer­tigt wird.

Ob die­se For­schungs­zie­le erreicht wer­den kön­nen, oder ob die­se Tech­nik durch ande­re Ent­wick­lun­gen bald über­holt wird, lässt sich kaum pro­gnos­ti­zie­ren. Die Ziel­set­zung der Mili­tär­for­scher sagt aller­dings viel über die Art von Krie­gen aus, die die USA auch in der Zukunft füh­ren wol­len : Kolo­ni­al­krie­ge bezie­hungs­wei­se Anti-Gue­ril­la-Ope­ra­tio­nen auf besetz­ten Gebie­ten geg­ne­ri­scher Staa­ten, deren kon­ven­tio­nel­len Streit­kräf­te man zuvor mit Über­macht aus der Luft zunich­te gemacht hat – gera­de in lang­wie­ri­gen Gue­ril­la-Krie­gen sind logis­ti­sche Ket­ten meist der wun­de Punkt bei­der Sei­ten.

Exper­te : US-Rake­ten­ab­wehr­pro­gramm gewährt kei­ne Sicher­heit

Dass also Schlä­ge aus der Luft wei­ter­hin das wich­tigs­te Mit­tel der US-Streit­kräf­te blei­ben wer­den, scheint besie­gelt : Gegen die Land­streit­kräf­te eines Geg­ners, des­sen Luft­waf­fe, Luft­ab­wehr und Mit­tel der elek­tro­ni­schen Kampf­füh­rung wenigs­tens teil­wei­se noch intakt sind, brin­gen allen­falls die emp­find­li­che­ren Quan­ten-Anten­nen einen Vor­teil. Den Vor­teil bei der Auf­klä­rung, den die Droh­nen den Land­streit­kräf­ten brin­gen sol­len, und den logis­ti­schen Vor­teil durch effi­zi­en­te­re Ener­gie- und Mate­ri­al­ver­sor­gung wer­den die Land­streit­kräf­te jedoch nicht aus­spie­len kön­nen, solan­ge die geg­ne­ri­sche Luft­waf­fe noch aktiv ist.

Der den Feind ent­waff­nen­de Erst­schlag aus der Luft, die­ses Ste­cken­pferd der US-Ame­ri­ka­ner ist jedoch nicht mehr in allen Fäl­len die über­wäl­ti­gen­de Macht, die es ein­mal war. Dies zeigt der Kom­men­tar des US-Prä­si­den­ten Donald Trump vom 22. Okto­ber anläss­lich des Aus­tritts der USA aus dem INF-Ver­trag : Die USA wür­den solan­ge ihr Nukle­ar­waf­fen-Arse­nal aus­bau­en, “bis die Ande­ren wie­der zur Besin­nung kom­men”.

Was die Kriegs­füh­rung zu Luft betrifft, so hat das Mehr­zweck-Kampf­flug­zeug der fünf­ten Genera­ti­on F-35 viel Kri­tik auf sich gezo­gen. Die USA sei­en nicht in der Lage, die F-35 “in einen ver­nünf­ti­gen Zustand zu brin­gen”, so der Mili­tär­ex­per­te Ale­xei Leon­kow. Zu beden­ken sei in die­ser Hin­sicht auch die zuneh­men­de Ver­brei­tung moder­ner Luft­ab­wehr­sys­te­me.

Auch das Rake­ten­ab­wehr­pro­gramm der USA benö­ti­ge drin­gend eine qua­li­ta­ti­ve Auf­bes­se­rung, so Wadim Kos­ju­lin, Pro­fes­sor an der Aka­de­mie für Mili­tär­wis­sen­schaf­ten der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on :

Dies ist ein sehr kost­spie­li­ges Pro­gramm, das sich als völ­lig inef­fek­tiv ent­puppt hat. Heu­te ver­ste­hen die Spe­zia­lis­ten, dass es alle Erwar­tun­gen ent­täuscht hat und die Sicher­heit der Ver­ei­nig­ten Staa­ten kei­nes­wegs gewähr­leis­tet. Da muss sich qua­li­ta­tiv etwas ändern.

Mehr zum The­ma — Neu­es Pro­jekt des US-Mili­tärs : Pflan­zen das Spio­nie­ren bei­brin­gen

RT Deutsch


Smartphone-Bezahldienst Apple Pay per NFC auch in Deutschland gestartet


Bran­chen­ex­per­ten erwar­ten von der Pre­miè­re von Apple Pay in Deutsch­land wich­ti­ge Impul­se für das Bezah­len mit dem Smart­pho­ne. Zuvor hat­te Goog­le im Juni sein Bezahl­sys­tem Goog­le Pay ein­ge­führt. Zu den Part­nern von Apple gehö­ren das größ­te Kre­dit­in­sti­tut der Bun­des­re­pu­blik, die Deut­sche Bank, sowie die Ban­ken und Finanz­dienst­leis­ter N26, boon, Hypo­Ver­eins­bank, Han­sea­tic Bank, Fidor Bank, bunq, Ame­ri­can Express, San­tan­der und Com­di­rect Bank.

Vor­erst nicht dabei sind wich­ti­ge Ban­ken wie die Spar­kas­sen und Genos­sen­schafts­ban­ken, die auf eige­ne Bezahl-Apps set­zen. Die­se bie­ten kon­takt­lo­ses Bezah­len aller­dings nur auf Smart­pho­nes mit dem Betriebs­sys­tem Andro­id, weil die­se Apps nicht auf den NFC-Funk­chip der iPho­nes zugrei­fen kön­nen.

Der Start von Apple Pay in Deutsch­land war von Kon­zern-Chef Tim Cook Anfang August für “spä­ter in 2018” ange­kün­digt wor­den. Apple Pay gibt es bis­lang in 31 Län­dern. Auch in vie­len ande­ren euro­päi­schen Län­dern — zum Bei­spiel Frank­reich, Schweiz, Spa­ni­en oder Russ­land — hat Apple den Dienst bereits ein­ge­führt. (dpa)

Mehr zum The­ma — Kun­den­ori­en­tier­tes Ver­hal­ten : Män­ner bezah­len iPho­ne XS mit einer Bade­wan­ne vol­ler Mün­zen

RT Deutsch


Mammutprozess gegen Drogenboss “El Chapo”: Auch der “Krieg gegen die Drogen” steht vor Gericht


Er ist neben Pablo Esca­bor der wohl bekann­tes­te Dro­gen­boss der jün­ge­ren Geschich­te – Joa­quín “El Chapo” Guz­mán Loe­ra. Immer wie­der gelang es dem aus ärms­ten Ver­hält­nis­sen stam­men­den Boss des mexi­ka­ni­schen Sina­loa-Kar­tells, der Ver­haf­tung zu ent­ge­hen, oder gleich zwei­mal aus einem Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis zu flie­hen. Nach sei­nem letz­ten Aus­bruch aus dem Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis El Alti­pla­no, wur­de er auf der Flucht letzt­end­lich im Juli 2015 ding­fest gemacht. Am 19. Janu­ar 2017 erfolg­te schließ­lich die Aus­lie­fe­rung an die USA, wo am 13. Novem­ber unter strengs­ten Sicher­heits­vor­keh­run­gen der Mam­mut­pro­zess gegen den 61-Jäh­ri­gen begann.

Das US-Gerichts­bar­keit in Brook­lyn beschul­digt ihn des Schmug­gels von Hero­in, Koka­in, Mari­hua­na und Crys­tal Meth im Wert von 14 Mil­li­ar­den US-Dol­lar über zwei­ein­halb Jahr­zehn­te in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Neben Dro­gen­han­del, wird dem Mexi­ka­ner zudem Geld­wä­sche und das Füh­ren einer kri­mi­nel­len Orga­ni­sa­ti­on zur Last gelegt. Immer wie­der hät­te Guz­mán auch selbst ange­legt, wenn es dar­um ging sei­ne Macht zu erwei­tern, oder zu fes­ti­gen. Die Ver­ant­wor­tung für 3000 Mor­de glaubt man ihm nach­wei­sen zu kön­nen.

Doch auch auf Mexi­ko selbst wirft der Pro­zess, der unter extre­men Sicher­heits­vor­keh­run­gen statt­fin­det, ein ver­hee­ren­des Licht.

Mehr als 100.000 Men­schen sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Opfer von Gewalt­ta­ten gewor­den, 30.000 Men­schen ver­schol­len. Wir befin­den uns in einer extrem schlech­ten Lage. Unser gesam­tes poli­ti­sches Sys­tem ist kor­rupt”, fass­te der mexi­ka­ni­sche Schrift­stel­ler Juan Vil­lo­ro die deso­la­ten Fol­gen des Dro­gen­ter­rors für Mexi­ko zusam­men.

Nach Ansicht der Anwäl­te von El Chapo sei jedoch nicht er der wah­re Boss des Sina­loa-Kar­tells, son­dern sein ehe­ma­li­ger “Geschäfts­part­ner” Isma­el “El Mayo” Zam­ba­da Gar­cía. Der Ver­tei­di­gung unter Anwalt Jef­frey Licht­man zufol­ge, sei­en die mexi­ka­ni­sche Poli­zei und Poli­ti­ker des Lan­des zudem nicht nur kor­rupt, son­dern hät­ten sich auch jah­re­lang mit Gar­cía ver­schwo­ren, um El Chapo gegen Unsum­men an Bestechungs­gel­dern ins Visier zu neh­men.

In Raum 8D des Bun­des­be­zirks­ge­richts in Brook­lyn sag­te nun Gar­cías Bru­der Jesus Zam­ba­da Gar­cía gegen Guz­mán aus. Dem­nach habe er für das Sina­loa-Kar­tell über Jah­re monat­lich min­des­tens 300.000 US-Dol­lar in die Bestechung hoch­ran­gi­ger Offi­zi­el­ler und Poli­ti­ker inves­tiert. Unter den­je­ni­gen, die ger­ne die Hand auf­hiel­ten, hät­te sich unter ande­rem auch Gen­a­ro Gar­cía Luna befun­den, sei­nes Zei­chens Archi­tekt des unter dem ehe­ma­li­gen mexi­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Feli­pe Cal­derón mili­ta­ri­sier­ten Dro­gen­kriegs. Die­ser habe dem­nach bei meh­re­ren Gele­gen­hei­ten jeweils min­des­tens drei Mil­lio­nen US-Dol­lar in bar erhal­ten. Cal­derón selbst sei eben­falls mit sagen­haf­ten Mil­lio­nen­be­trä­gen besto­chen wor­den.

Mehr zum The­ma — Mexi­ko setzt Mil­lio­nen-Kopf­geld auf Kar­tell­boss “El Men­cho” aus

Neben dem ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten, sei Jesus Gar­ciá von sei­nem Bru­der dazu beauf­tragt wor­den, auch den “aktu­el­len” Prä­si­den­ten zu schmie­ren. Da er dies jedoch ver­trau­lich aus­sag­te, bleibt dem­zu­fol­ge unklar, ob sich die Ver­tei­di­gung auf den amtie­ren­den Prä­si­den­ten Enri­que Peña Nie­to oder den desi­gnier­ten Prä­si­den­ten Andrés Manu­el López Obra­dor bezog. Gar­ciá sei bereit, die­se Bom­be vor Gericht plat­zen zu las­sen, erklär­te die Ver­tei­di­gung von El Chapo gegen­über dem Rich­ter Bri­an M. Cogan. Kaum war die Nach­richt durch die Mau­ern des Gerichts gesi­ckert, da fühl­te sich der amtie­ren­de mexi­ka­ni­sche Prä­si­dent zu einem schar­fen Demen­ti genö­tigt.

Die Regie­rung von Enri­que Peña Nie­to hat den Kri­mi­nel­len Joa­quín Guz­mán ver­folgt, gefasst und aus­ge­lie­fert. Die Behaup­tun­gen sei­nes Anwalts sind abso­lut falsch und zudem dif­fa­mie­rend”, ließ der Prä­si­den­ten­spre­cher ver­laut­ba­ren.

Vor Gericht erwähn­te Gar­ciá die mut­maß­li­che Prä­si­den­ten-Bestechung dann jedoch nicht mehr. Dafür habe laut der New York Times “die Regie­rung” dem Gericht “ein mys­te­riö­ses Memo” vor­ge­legt, dass des­sen Titel zufol­ge “ein Kreuz­ver­hör” Gar­ciás “aus­schlie­ßen” soll­te. Die Mit­tei­lung, die als Ver­schlus­s­a­che ein­ge­reicht wur­de, sorg­te sei­tens der Ver­tei­di­gung für Empö­rung.

Auch die­je­ni­gen im Gerichts­saal frag­ten sich, ob die Geschich­te von einem kor­rup­ten Prä­si­den­ten tat­säch­lich erzählt wer­den wür­de”, heißt es bei der bekann­tes­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Zei­tung.

Letzt­end­lich erklär­te Rich­ter Cogan, dass er sich mit den Staats­an­wäl­ten dar­auf geei­nigt habe, die Anzahl der Kreuz­ver­hör-Fra­gen der Ver­tei­di­gung an Gar­cía zu beschrän­ken – angeb­lich, um “Per­so­nen und Enti­tä­ten” zu schüt­zen, die nicht direkt in den Fall invol­viert sei­en und andern­falls in Schwie­rig­kei­ten gera­ten könn­ten.

Doch nicht nur Mexi­ko lei­det unter der Schnei­se der gesell­schaft­li­chen Ver­wüs­tung, die der Rausch­gift­han­del und Dro­gen­kon­sum hin­ter­lässt. Was die einen als gelun­ge­nen Schlag der US-ame­ri­ka­ni­schen Antidro­gen­be­hör­de DEA (Drug Enforce­ment Admi­nis­tra­ti­on) gegen das orga­ni­sier­te Ver­bre­chen inter­pre­tie­ren, offen­bart für die ande­ren viel­mehr deren Ver­sa­gen. Im Hin­blick auf die Fest­nah­me bekann­ter Grö­ßen des Dro­gen­han­dels und etwa die öffent­lich­keits­wirk­sa­me Ver­bren­nung von Betäu­bungs­mit­teln war der soge­nann­te “Kampf gegen die Dro­gen” in der Tat ein Erfolg. In Hin­blick auf den Schmug­gel von Dro­gen in die USA, deren Ver­brei­tung in Mit­tel- und Süd­ame­ri­ka, die Zahl der Dro­gen­to­ten und die gigan­ti­schen Gewin­ne ist der Miss­erfolg der Antidro­gen­be­hör­de ekla­tant. Mit ande­ren Wor­ten, sitzt nicht nur Guz­mán nun vor Gericht, son­dern mit ihm auch der “Krieg gegen die Dro­gen”.

So schätzt die Drug Poli­cy Alli­an­ce, dass der “Kampf gegen den ille­ga­len Dro­gen­han­del” die US-Steu­er­zah­ler jähr­lich 58 Mil­li­ar­den US-Dol­lar kos­tet. Das Jahr 2017 for­der­te einen hohen Tri­but und stell­te einen neu­en Rekord auf : Dem­nach wur­den 15.900 Todes­fäl­le durch Hero­in-Über­do­sen regis­triert. Ein trau­ri­ger Höchst­wert an Todes­fäl­len auch durch Koka­in-, Meth- und Fen­tanyl-Miss­brauch.

Edu­ar­do Bala­re­zo, einer von Guz­máns Ver­tei­di­gern, erklär­te, dass er sein Augen­merk auch auf die Abma­chun­gen wer­fen wer­de, die Pro­zess­zeu­gen aus­ge­han­delt hät­ten. Eben­so beab­sich­ti­ge er, die Tak­tik der DEA-Agen­ten in Fra­ge zu stel­len. Es wäre zumin­dest kein Prä­ze­denz­fall, dass sich ent­spre­chen­de Agen­ten dubio­ser Machen­schaf­ten schul­dig mach­ten. Immer wie­der wur­den DEA-Mit­ar­bei­ter in der Ver­gan­gen­heit für den Ein­satz zwei­fel­haf­ter Infor­man­ten und unan­ge­mes­se­ner Nähe zu Dro­gen­händ­lern zum mut­maß­li­chen Zweck der Straf­ver­fol­gung kri­ti­siert.

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Nicht zuletzt Washing­tons Unter­stüt­zung der kor­rup­ten mexi­ka­ni­schen Sicher­heits­be­hör­den böte genü­gend Anlass für inten­si­ve Unter­su­chun­gen und ent­spre­chen­de Fra­gen. Im Lau­fe des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts lie­fer­ten die USA Hil­fe im Wert von 1,6 Mil­li­ar­den US-Dol­lar an die mexi­ka­ni­sche Regie­rung, dar­un­ter Black-Hawk-Hub­schrau­ber und Abhör­ge­rä­te. Doch die Gewalt ver­schärf­te sich nur noch wei­ter. Auch hier stellt sich die Fra­ge nach Motiv und Sinn­haf­tig­keit die­ses Vor­ge­hens. Letzt­end­lich folgt auch der Dro­gen­han­del mit sei­nen gigan­ti­schen Gewinn­mar­gen der Logik des Mark­tes, wonach die Nach­fra­ge das Ange­bot bestimmt. Wür­de der Krieg gegen die Dro­gen als mili­tä­ri­scher Kon­flikt ein­ge­stuft, wäre er einer der töd­lichs­ten und längs­ten der Welt. Par­al­le­len zum so genann­ten “Krieg gegen den Ter­ror” sind nicht von der Hand zu wei­sen.

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Matthias Schepp : Sanktionen sind leider auch zu einem beinahe täglichen Mittel der Politik geworden


RT Deutsch sprach mit dem Vor­stands­vor­sit­zen­den der Deutsch-Rus­si­schen Aus­lands­han­dels­kam­mer Dele­gier­ten der Deut­schen Wirt­schaft in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on Mat­thi­as Schepp über die Expan­si­on der deut­schen Unter­neh­men in den rus­si­schen Regio­nen und die Fak­to­ren, die die deutsch-rus­si­schen Bezie­hun­gen desta­bi­li­sie­ren.

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