Bundespressekonferenz : Plant Bundesregierung Offenlegung aller Treffen mit Lobbyisten ?


Erst­mals hat sich ein EU-Mit­glieds­land dazu ver­pflich­tet, im Rah­men der EU-Rats­prä­si­dent­schaft alle Lob­by­kon­tak­te von Minis­tern und des EU-Bot­schaf­ters zu ver­öf­fent­li­chen. Auf der offi­zi­el­len Web­site der fin­ni­schen Rats­prä­si­dent­schaft heißt es dazu :

Die Stän­di­ge Ver­tre­tung Finn­lands bei der EU wird Infor­ma­tio­nen über alle Sit­zun­gen des Stän­di­gen Ver­tre­ters und sei­nes Stell­ver­tre­ters mit Lob­by­is­ten ver­öf­fent­li­chen. Die Stän­di­ge Ver­tre­tung ver­pflich­tet alle Lob­by­is­ten, sich in das EU-Trans­pa­renz­re­gis­ter ein­zu­tra­gen. Die fin­ni­sche Regie­rung wird wäh­rend des Vor­sit­zes Infor­ma­tio­nen über alle EU-bezo­ge­nen Tref­fen zwi­schen ihren Minis­tern und Lob­by­is­ten ver­öf­fent­li­chen.

Mehr zum The­ma — Umfra­ge : Ein­deu­ti­ge Mehr­heit für Offen­le­gung von Tref­fen zwi­schen Poli­tik und Lob­by­is­ten

Nach Recher­chen von RT Deutsch scheint Finn­land, das seit Juli 2019 die EU-Rats­prä­si­dent­schaft über­nom­men hat, die­ses Vor­ha­ben bis­her tat­säch­lich umge­setzt zu haben

RT frag­te auf der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz, ob die Bun­des­re­pu­blik, die ab 2020 den Vor­sitz im Rat der Euro­päi­schen Uni­on inne­ha­ben wird, plant, dem fin­ni­schen Bei­spiel zu fol­gen. Die Ant­wort fiel mal wie­der im übli­chen BPK-Duk­tus aus : 

RT Deutsch


Bundespressekonferenz : Bricht Bundeswehr in Syrien das Bundestagsmandat ?


Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist im Irak und in Syri­en ohne Rücken­de­ckung durch ein UN-Man­dat mit Tor­na­do-Auf­klä­rungs­flug­zeu­gen und einem Tank­flug­zeug an Ope­ra­tio­nen gegen den “Isla­mi­schen Staat” betei­ligt. Von Jor­da­ni­en aus star­ten die Bun­des­wehr­jets und lie­fern Bil­der, mit deren Hil­fe unter ande­rem die USA Luft­an­grif­fe aus­füh­ren. Das Bun­des­tags­man­dat für den Ein­satz der Bun­des­wehr-Tor­na­dos ist aus­schließ­lich auf die Auf­klä­rung von Stel­lun­gen des IS beschränkt.

Mehr zum The­ma — Bun­des­tags­gut­ach­ten : Bun­des­re­gie­rung brach inner­halb von einem Jahr drei­mal das Völ­ker­recht

RT Deutsch-Redak­teur Flo­ri­an War­weg woll­te von der Bun­des­re­gie­rung wis­sen, wie die Bun­des­wehr bei mas­siv schrump­fen­den Ein­fluss­sphä­ren des IS sicher­stellt, dass nur Stel­lun­gen des IS auf­ge­klärt wer­den und nicht etwa Gebie­te unter Kon­trol­le der syri­schen Armee, was eine ekla­tan­te Ver­let­zung des Bun­des­tags­man­dat dar­stel­len wür­de. Die Ant­wort des Spre­chers des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums ver­deut­lich­te noch­mals, auf welch dün­nem Eis sich die Bun­des­wehr völ­ker­recht­lich und ver­fas­sungs­recht­lich mit ihrem Ein­satz in Syri­en bewegt :

RT Deutsch


Bundespressekonferenz zur Eskalation der Lage in Nahost : Israel kritisiert man nicht


Mehr zum The­ma — Liba­non und Irak zu israe­li­schen Bom­ben-Angrif­fen auf ihre Län­der : “Kriegs­er­klä­rung” 

Auf der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz wur­de die Spre­che­rin des Aus­wär­ti­gen Amtes Maria Ade­bahr gefragt, wie sie die aktu­el­le Lage zwi­schen Isra­el und dem Liba­non, die per­ma­nen­te Ver­let­zung liba­ne­si­schen Luft­raums durch die israe­li­schen Streit­kräf­te (IDF) sowie die den His­bol­lah-Angrif­fen vor­aus­ge­gan­gen Angrif­fe der IDF auf drei sou­ve­rä­ne Staa­ten (den Liba­non, den Irak und Syri­en) beur­teilt. Die Ant­wort geriet zu einem Lehr­stück über die sehr selek­ti­ve Anwen­dung von Völ­ker­rechts­stan­dards durch das Aus­wär­ti­ge Amt in Bezug auf Isra­el.

Mehr zum The­ma — BPK : Israe­li­sche Angrif­fe auf drei sou­ve­rä­ne Staa­ten sind für Bun­des­re­gie­rung kein Pro­blem

RT Deutsch


Bundespressekonferenz : Das Auswärtige Amt und die diplomatischen Verrenkungen zu Venezuela


Wegen Ein­mi­schung in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten des Lan­des hat­te die gewähl­te Regie­rung unter Nicolás Madu­ro den deut­schen Bot­schaf­ter in Vene­zue­la, Dani­el Krie­ner, zur “Per­so­na non gra­ta” erklärt und ihn des Lan­des ver­wie­sen. Krie­ner hat­te nach Ansicht der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung offen Par­tei für den selbst­er­nann­ten Inte­rims­prä­si­den­ten Juan Guai­dó ergrif­fen. 

Als Zei­chen der diplo­ma­ti­schen Ent­span­nung hat­te Cara­cas Ende Juni signa­li­siert, dass es den Sta­tus der “Per­so­na non gra­ta” gegen den deut­schen Bot­schaf­ter auf­he­ben wer­de. Zu die­sem Zweck über­reicht der Vize-Außen­mi­nis­ter Vene­zue­las am 1. Juli in den Räu­men des Aus­wär­ti­gen Amtes in Ber­lin eine ent­spre­chen­de Note an die Lei­te­rin der Latein­ame­ri­ka-Abtei­lung, Mari­an Schue­graf. Zuvor war der Außen­mi­nis­ter Vene­zue­las, Jor­ge Arrea­za, zudem mit sei­nen Amts­kol­le­gen aus Spa­ni­en und Por­tu­gal zusam­men­ge­kom­men. 

Mehr zum The­ma — Andrej Hun­ko im Inter­view nach Vene­zue­la-Rei­se : “Bun­des­re­gie­rung setzt auf Eska­la­ti­on”

Mit die­sen Schrit­ten schie­nen eini­ge Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on (EU) von ihrer umstrit­te­nen Hal­tung abzu­rü­cken, den selbst­er­nann­ten und nach über­wie­gen­der Rechts­auf­fas­sung von der Ver­fas­sung nicht legi­ti­mier­ten Inte­rims­prä­si­den­ten Juan Guai­dó und die von ihm beru­fe­nen Ver­tre­ter als ein­zig legi­ti­mier­te vene­zo­la­ni­sche Gesprächs­part­ner anzu­er­ken­nen.

Mehr zum The­ma — Aus­wär­ti­ges Amt ver­brei­tet Fake News über Vene­zue­la und erlei­det plötz­lich Gedächt­nis­ver­lust

RT-Redak­teur Flo­ri­an War­weg woll­te auf der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz vom Aus­wär­ti­gen Amt erfah­ren, wie die­ses den aktu­el­len Sta­tus der deutsch-vene­zo­la­ni­schen Bezie­hun­gen beschrei­ben wür­de : 

RT Deutsch


Bundespressekonferenz zur Tanker-Affäre : Ein Lehrstück zum bigotten Umgang mit dem Völkerrecht


Mehr zum The­ma — Pira­te­rie ? Bri­ti­sche Roy­al Mari­nes stür­men Super­tan­ker bei Gibral­tar

Am 4. Juli 2019 hat­ten bri­ti­sche Spe­zi­al­ein­hei­ten einen Tan­ker mit ira­ni­schem Öl in der Stra­ße von Gibral­tar, mit dem Ver­weis auf einen angeb­li­chen Ver­stoß gegen EU-Sank­tio­nen gegen Syri­en, erstürmt und bis zum heu­ti­gen Tage fest­ge­setzt. Die Erstür­mung und Fest­set­zung des Tan­kers durch die Roy­al Mari­nes erfolg­ten, obwohl es kei­ne EU-Sank­tio­nen für den Export von Öl nach Syri­en gibt, son­dern in der ent­spre­chen­den “EU-Ver­ord­nung über restrik­ti­ve Maß­nah­men ange­sichts der Lage in Syri­en” nur der Import aus Syri­en mit Sank­tio­nen belegt ist.

Bundespressekonferenz zur Tanker-Affäre: Ein Lehrstück zum bigotten Umgang mit dem Völkerrecht
Quel­le : Screen­shot eur-lex.europa.eu

Zudem ist es im inter­na­tio­na­len See­recht klar gere­gelt, dass man Han­dels­schif­fe nur auf­brin­gen darf, wenn zuvor der UN-Sicher­heits­rat Sank­tio­nen gegen ein Land ver­hängt hat. Die ein­sei­ti­gen EU-Sank­tio­nen gegen Syri­en geben nach all­ge­mei­ner völ­ker­recht­li­cher Ein­schät­zung kei­ne Legi­ti­ma­ti­on für ein sol­ches Agie­ren Lon­dons. Doch trotz der recht ein­deu­ti­gen völ­ker­recht­li­chen Lage gab es kei­ner­lei Ver­ur­tei­lung des bri­ti­schen Han­delns durch das Aus­wär­ti­ge Amt (AA). 

Mehr zum The­ma — Gesucht : Koali­ti­on der Kriegs­wil­li­gen für den Golf unter US-Füh­rung

Als jedoch zwei Wochen spä­ter Tehe­ran reagier­te und am 19. Juli den unter bri­ti­scher Flag­ge fah­ren­den Öltan­ker “Stena Impe­ro” mit Ver­weis auf “Nicht­be­fol­gung von inter­na­tio­na­len See­re­geln” sowie Unfall mit einem ira­ni­schen Fischer­boot fest­setz­te, ver­ur­teil­te das AA dies umge­hend : 

Die Ant­wort des AA-Spre­chers Rai­ner Breul auf die Fra­ge von RT-Deutsch-Redak­teur Flo­ri­an War­weg, aus wel­chen Beweg­grün­den her­aus die Bun­des­re­gie­rung die Fest­set­zung eines Tan­kers in inter­na­tio­na­len Gewäs­sern durch ira­ni­sche Behör­den in schar­fen Wor­ten ver­ur­teil­te, nicht aber die zuvor eben­falls mit gel­ten­dem Völ­ker­recht bre­chen­de Kape­rung eines Tan­kers mit ira­ni­schem Roh­öl durch bri­ti­sches Mili­tär, geriet zu einem Lehr­stück über die Dop­pel­stan­dards des Aus­wär­ti­gen Amtes im Umgang mit dem Völ­ker­recht : 

RT Deutsch


Bundespressekonferenz mit Kanzlerin Merkel : Suggestivfragen und Russland ist “Grund für Besorgnis”


Ein beson­ders ekla­tan­tes Stück an Sug­ges­tiv­fra­ge bot die Deutsch­land-Kor­re­spon­den­tin der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung La Repubbli­ca. Sie woll­te von der Kanz­le­rin unter ande­rem wis­sen, wie besorgt die­se sei, über die “stän­di­gen Ver­su­che Russ­lands, Euro­pa zu zer­stö­ren”. 

RT Deutsch


Dysfunktion der Macht um Acht : Die Bundespressekonferenz als Abbild unserer Scheindemokratie


von Fried­helm Klink­ham­mer und Vol­ker Bräu­ti­gam

Die Bun­des­pres­se­kon­fe­renz (BKP) in Ber­lin ist ein unty­pi­scher Ver­ein von Jour­na­lis­ten. Er lädt Kanz­ler, Minis­ter, Regie­rungs­spre­cher sowie die Spit­zen­ver­tre­ter von Wirt­schaft und Gesell­schaft dazu ein, auf sei­ner Büh­ne Rede und Ant­wort zu ste­hen. Wäh­rend im Aus­land Medi­en­leu­te übli­cher­wei­se von den poli­tisch Mäch­ti­gen ein­be­ru­fen wer­den und deren Infor­ma­tio­nen in Emp­fang zu neh­men haben, soll­te es in Deutsch­land genau anders­rum von­stat­ten­ge­hen : Jour­na­lis­ten erfra­gen eigen­stän­dig Aus­künf­te von ihren Gäs­ten, Nach­rich­ten wer­den offen erar­bei­tet, nichts wird “off the records” durch­ge­sto­chen, nichts im Hin­ter­zim­mer gekauft oder als Auf­trags­bot­schaft ver­ge­ben. Falls die­ses Kon­zept je funk­tio­niert hat, so kann heu­te davon kei­ne Rede mehr sein. Die BPK ist zum Demons­tra­ti­ons­ort pro­gram­mier­ter Regie­rungs­ver­laut­ba­rung und jour­na­lis­ti­scher Rück­grat­lo­sig­keit ver­kom­men.

Die ver­sam­mel­ten Reprä­sen­tan­ten von Pres­se, Funk und Fern­se­hen – weni­ge Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel – las­sen sich in der BPK Woche für Woche von Poli­ti­kern und spe­zi­ell von den Regie­rungs­spre­chern eben­so abspei­sen, wie man quen­geln­de Gören mit Gum­mi­bär­chen abwim­melt.

Das ver­ba­le Man­na des Staats­se­kre­tärs Stef­fen Sei­bert und sei­ner Gefolg­schaft aus den Pres­se­re­fe­ra­ten der Minis­te­ri­en besteht meist aus einem Gemisch von Halb­wahr­hei­ten, Des­in­for­ma­ti­on, Schön­fär­be­rei, fau­len Aus­re­den und Aus­kunfts­ver­wei­ge­rung, dar­ge­reicht in blei­er­nen Flos­keln und in einer ver­klemm­ten, stei­fen Atmo­sphä­re. Die Auf­trit­te der beam­te­ten Sprech­au­to­ma­ten sind an Scham­lo­sig­keit und Arro­ganz kaum zu über­bie­ten. Spür­bar reden sie oft wider bes­se­res Wis­sen und letzt­lich dar­an inter­es­siert, sich ihre Pos­ten zu erhal­ten.

Ein Blick auf den gepfleg­ten Rah­men : Die BPK hat ihren Sitz im Pres­se­haus am Schiff­bau­er­damm 40 in Ber­lin. Die Eta­ge ist ange­mie­tet, das Gebäu­de gehört der Alli­anz Ver­si­che­rung AG. Um recht zu bewer­ten, was sich drei­mal wöchent­lich im Raum 0103 abspielt : Da sind bei wei­tem nicht alle rund 920 BPK-Mit­glie­der ver­sam­melt, son­dern übli­cher­wei­se höchs­tens zwei Dut­zend Per­so­nen, meis­tens Repor­ter der Nach­rich­ten­agen­tu­ren und der Neu­en Medi­en. Die Stall­wa­che eben. Die Funk­häu­ser, auch das ARD-Haupt­stadt­stu­dio, sind per Stand­lei­tung zuge­schal­tet, ihre Mit­ar­bei­ter sel­ten per­sön­lich anwe­send. Die­se benut­zen lie­ber die eige­ne Kriech­spur zu den Regie­ren­den und bedür­fen sel­ten des Umwegs über die BPK.

Rein for­mal betrach­tet, könn­te die Bun­des­pres­se­kon­fe­renz ein Garant für geleb­te Demo­kra­tie und Grund­ge­setz­lich­keit sein. Ihre Jour­na­lis­ten könn­ten als ein­ge­tra­ge­ne Mit­glie­der des BPK-Ver­eins rea­li­sie­ren, was Ver­fas­sungs­recht­ler als ent­schei­dend her­vor­he­ben :

Die uner­läss­li­che Vor­aus­set­zung für das Funk­tio­nie­ren der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie bil­det daher eine jedem Bür­ger zugäng­li­che Bericht­erstat­tung über alle poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Zusam­men­hän­ge und Ent­schei­dun­gen, die dem Ein­zel­nen sei­ne indi­vi­du­el­le poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on und Urteils­bil­dung erst ermög­licht. Die­se ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be wird von den Mas­sen­me­di­en wahr­ge­nom­men, deren demo­kra­ti­scher Haupt­auf­trag es ist, jedem Bür­ger die Hand­lungs­ab­läu­fe in Staat und Gesell­schaft zur Kennt­nis zu brin­gen und trans­pa­rent zu machen.”

Noch mal zum Nach­schme­cken : “Ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be, von den Mas­sen­me­di­en wahr­ge­nom­men” ist es, die Hand­lungs­ab­läu­fe in Staat und Gesell­schaft trans­pa­rent zu machen”? Ja frei­lich, schön wär’s !

Poli­ti­sche Urteils­bil­dung und Teil­ha­be bedür­fen nicht nur der Ver­mitt­lung aller inter­es­sie­ren­den Fak­ten, son­dern auch eines funk­ti­ons­fä­hi­gen Debat­ten­rau­mes. Nach­rich­ten­an­bie­ter wie ARD-aktu­ell hät­ten der Öffent­lich­keit nicht nur zu ver­mit­teln, was offi­zi­ell — bei­spiels­wei­se in der BPK — ver­laut­bart wird. Sie müss­ten ihr Publi­kum auch über die zuge­hö­ri­gen unter­schied­li­chen Mei­nun­gen infor­mie­ren, damit es die jewei­li­gen Posi­tio­nen gegen­ein­an­der abwä­gen kann :

Durch die Ver­öf­fent­li­chung der poli­ti­schen Debat­ten in Par­la­men­ten, Par­tei­en und Inter­es­sens­grup­pen, aber auch durch eige­ne Kom­men­tie­rung der­sel­ben, sol­len die Medi­en zur Mei­nungs­bil­dung der Bür­ger bei­tra­gen. Denn nur sol­che The­men, die in den Mas­sen­me­di­en dis­ku­tiert wer­den, kön­nen in einer brei­ten Öffent­lich­keit wirk­sam wer­den und im Ide­al­fall – so die urde­mo­kra­ti­sche Grund­idee der Pres­se­frei­heit – der ver­nünf­tigs­ten Mei­nung zum Durch­bruch ver­hel­fen. 

Treff­li­cher lässt sich nicht beschrei­ben, wor­an es der Tages­schau und ihren Geschwis­tern im Geis­te fehlt : am dis­kus­si­ons­of­fe­nen Hori­zont. Unse­re Medi­en ver­zich­ten auf Eigen­stän­dig­keit, sie drif­ten im Main­stream, sind Teil des­sel­ben und ver­brei­ten Ein­heits­kost. Sie prä­gen uni­for­mier­te Denk­mus­ter im Sin­ne der vor­herr­schen­den Poli­tik. Nicht nur die Tages­schau-Sen­dun­gen sind dar­auf aus­ge­rich­tet, das Emp­fin­den und Den­ken ihres Publi­kums zu uni­for­mie­ren.

Die Nach­rich­ten­sen­dun­gen sind Pro­duk­te eines Kon­glo­me­rats von jour­na­lis­ti­schen Insti­tu­tio­nen, Ver­la­gen, Sen­de­an­stal­ten, poli­ti­schen Gre­mi­en, wirt­schaft­li­chen und wis­sen­schaft­li­chen Inter­es­sen­grup­pen, die sich alle­samt sel­ten oder nie für die gesell­schaft­li­che Auf­klä­rung ihrer Adres­sa­ten enga­gie­ren. Viel­mehr stüt­zen sie ein kri­sen­an­fäl­li­ges, unge­rech­tes, aggres­si­ves, der Mit­welt schäd­li­ches kapi­ta­lis­ti­sches Sys­tem, das einer aus­schließ­lich am pri­va­ten Gewinn ori­en­tier­ten Ziel­set­zung dient. Die Metho­dik : Infor­ma­tio­nen aus­las­sen, beschö­ni­gen, Feind­bil­der auf­bau­en, Schein­de­bat­ten ansto­ßen und füh­ren, den Mäch­ti­gen eine Platt­form bie­ten und als ihre allen­falls schein­kri­ti­schen Mei­nungs­mul­ti­pli­ka­to­ren agie­ren.

Was sich als Infor­ma­ti­ons­we­sen tarnt, ist tat­säch­lich eine ein­ge­fah­re­ne, rei­bungs­los funk­tio­nie­ren­de Anla­ge für sanf­te, aber per­ma­nen­te und wirk­sa­me Gehirn­wä­sche. Die Quit­tung dafür ergibt sich aus Umfra­gen, die von den kri­ti­sier­ten Medi­en selbst in Auf­trag gege­ben wer­den. Sie erken­nen den Main­stream-Medi­en nur bei sehr ober­fläch­li­cher Betrach­tung noch eini­ge Glaub­wür­dig­keit zu. Wer die demo­sko­pisch ermit­tel­ten Ergeb­nis­se aller­dings unter die Lupe nimmt, stellt fest : Weni­ger als die Hälf­te der Bevöl­ke­rung hält die Medi­en für unab­hän­gig von poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen. Ein Offen­ba­rungs­eid wäre fäl­lig.

Am ehes­ten wird noch dem öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk und den über­re­gio­na­len und regio­na­len Tages­zei­tun­gen so etwas wie tra­dier­te Glaub­wür­dig­keit zuge­bil­ligt. Aber auch dabei sind 60 Pro­zent der Befrag­ten der Ansicht, dass uner­wünsch­te Mei­nun­gen in der Bericht­erstat­tung aus­ge­blen­det wer­den. Eben­so vie­le gehen davon aus, dass Vor­ga­ben für die Bericht­erstat­tung gemacht wer­den – vor allem von Sei­ten der Regie­rung oder staat­li­cher Stel­len, von der Wirt­schaft oder von füh­ren­den Par­tei­en.

65 Pro­zent, also zwei von drei Befrag­ten, sind der Ansicht, dass Jour­na­lis­ten nicht immer sagen dür­fen, was sie wirk­lich den­ken (ein Man­ko, das strom­li­ni­en­för­mi­ge deut­sche Jour­na­lis­ten gern ihren rus­si­schen Kol­le­gen ankrei­den). Zwei Drit­tel for­dern eine tie­fer­ge­hen­de Bericht­erstat­tung : In ihren Augen soll­ten die Medi­en Sach­ver­hal­te nicht zu sehr ver­ein­fa­chen oder ste­reo­typ dar­stel­len (66 Pro­zent) und mehr auf die Fol­gen der Ent­schei­dun­gen von Poli­ti­kern ein­ge­hen (61 Pro­zent). Die Mehr­heit wünscht sich zudem mehr Trans­pa­renz in den Medi­en – die soll­ten die Her­kunft ihrer poli­ti­schen Infor­ma­tio­nen kennt­lich machen. Die Hälf­te der Deut­schen wünscht sich, dass die Medi­en ihnen und ihren All­tags­sor­gen mehr Auf­merk­sam­keit schen­ken. (ebd.) 

Der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk steht mit sei­ner Bericht­erstat­tung nicht bes­ser da als die kom­mer­zi­el­len Sen­der. Sub­stan­ti­el­le Abwei­chun­gen zei­gen sich nicht. Die rund­funk­bei­trags­pflich­ti­gen Ange­bo­te unter­schei­den sich allen­falls dank seriö­se­rer Prä­sen­ta­ti­on, geschmack­vol­le­rer Kra­wat­ten ihrer Selbst­dar­stel­ler – und dank ihrer jahr­zehn­te­al­ten Dar­bie­tungs­ri­ten (Tages­schau-Gong), die gleich­zei­tig das Signal zum Öff­nen des Sech­ser­packs oder der Wein­fla­sche lie­fern. 

Noch bie­tet die BPK Jour­na­lis­ten bei­de Mög­lich­kei­ten : Sie kön­nen mit­tels Fra­gen und Nach­fra­gen an poli­ti­sche Spit­zen­ver­tre­ter sowohl ein rea­lis­ti­sches als auch ein illu­sio­nä­res Bild von poli­ti­schen Pro­zes­sen ein­ho­len und ver­brei­ten. Wer die­se Chan­ce nut­zen will, muss ledig­lich Mit­glied im Ver­ein “Bun­des­pres­se­kon­fe­renz e. V.” sein. Der Mit­glieds­bei­trag ist erschwing­lich. Gelei­tet wird die BPK e. V. von bekann­ten Pro­fis der Main­stream-Medi­en, u. a. von Ste­phan Detjen, Chef­kor­re­spon­dent im Haupt­stadt­stu­dio des Deutsch­land­funks ; der Mann fiel nur sel­ten wegen kri­ti­scher Distan­ziert­heit gegen­über der Regie­rung auf. 

Untrenn­bar ver­bun­den mit der BPK und gleich­zei­tig wich­ti­ges finan­zi­el­les Stand­bein des Ver­eins ist der “Bun­des­pres­se­ball”, ein gesell­schaft­li­ches Groß­ereig­nis, das seit fast 70 Jah­ren von den Jour­na­lis­ten orga­ni­siert wird. Rund 2.500 nam­haf­te Gäs­te aus Poli­tik, Wirt­schaft und Kul­tur wer­den dazu ein­ge­la­den. Macht­ha­ber, Pro­mi­nen­te und Jour­na­lis­ten fei­ern buch­stäb­lich Arm in Arm bei Sekt, Wein und locke­rem Geplau­der. Das erzeugt Nähe und gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis.

Die Big Band der Bun­des­wehr sorg­te 2018 für den musi­ka­li­schen Unter­hal­tungs­rah­men. Für die BPK kos­ten­los konn­ten somit die Pro­mis im Drei­vier­tel­takt schwo­fen : NDR-Inten­dant Lutz Mar­mor, WDR-Chef Tom Buhr­ow, ARD-aktu­ell-Stern­chen Caren Mios­ga oder der bour­geoi­se Flü­gel der Links­par­tei mit Arri­vier­ten wie Kat­ja Kip­ping und Caren Lay. Mit auf dem Par­kett : Alt­bun­des­kanz­ler Schrö­der, der Grü­ne Cem Özde­mir, Ent­wick­lungs­hil­fe­mi­nis­ter Mül­ler, Hes­sens Minis­ter­prä­si­dent Bouf­fier – alle, alle kom­men gern zum Wohl­fühl­fest der Mei­nungs-Mafia.

Gespon­sert wird das “Event” vom deut­schen Geld­adel : “Pla­tin-Part­ner” Daim­ler, “Gold-Part­ner” und mäch­ti­ger Finanz­dienst­leis­ter BNP, “Sil­ber-Part­ner” Deut­sche Post, Face­book, Krom­ba­cher. Zum Dank posiert auch schon mal Regie­rungs­spre­cher Sei­bert vor den Wer­be­pla­ka­ten die­ser Part­ner und ermög­licht rekla­me­träch­ti­ge Pres­se­fo­tos. Davon gibt es reich­lich, und alle Betei­lig­ten haben etwas davon, jeder auf sei­ne Wei­se. Der Ball wird tra­di­tio­nell von zwei Paa­ren eröff­net : mit einem Tänz­chen der Bun­des­prä­si­den­ten-Gat­tin, geführt vom obers­ten BPK-Jour­na­lis­ten ; der Bun­des­prä­si­dent schwenkt der­weil die Gat­tin des BPK-Vor­sit­zen­den übers Par­kett.

Ein harm­lo­ses Ver­gnü­gen mag das nen­nen, wer sich selbst gern in die Tasche lügt und die Sym­bol­kraft und Bin­de­wir­kung sol­cher Ereig­nis­se unter­schätzt : Expo­nen­ten von Poli­tik und Medi­en Arm in Arm. Geho­be­nes Gesell­schafts­le­ben in einer Atmo­sphä­re von Geld und Gel­tung. Cha­peau ! Prös­ter­chen ! So sieht sie aus, die Unab­hän­gig­keit unse­rer Jour­nail­le von Poli­tik, Wirt­schaft und Kapi­tal : Man kennt sich, man schätzt sich, man amü­siert sich mit­ein­an­der. Weit abge­ho­ben vom Volk, dem man ja die­nen soll­te, und das die gan­ze Cho­se letzt­lich bezahlt.

In der steu­er­be­frei­en­den Sat­zung der BPK wird in § 3 als Zweck des Ver­eins vor­ge­ge­ben,

Pres­se­kon­fe­ren­zen zu ver­an­stal­ten und sei­nen Mit­glie­dern Mög­lich­kei­ten einer umfas­sen­den Unter­rich­tung der Öffent­lich­keit zu ver­schaf­fen. Soweit es dazu erfor­der­lich erscheint, ver­tritt der Ver­ein auch die Inter­es­sen sei­ner Mit­glie­der. Er ver­folgt jedoch kei­ne eigen­wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen.

Vie­le BPK-Ver­läu­fe zei­gen aller­dings nur die Unver­ein­bar­keit von Wol­len und Wirk­lich­keit. Ent­we­der sind die Regie­rungs­ver­tre­ter nicht zu sach­dien­li­chen Aus­künf­ten und Ant­wor­ten bereit – der Haus­herr und gast­ge­ben­de Vor­stand der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz dul­det in aller Regel auch ihre dreis­ten Unver­schämt­hei­ten – oder die ver­sam­mel­ten Medi­en­ver­tre­ter geben wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen nicht an die Öffent­lich­keit wei­ter, weil sie dem Ten­denz­vor­be­halt ihrer Auf­trag­ge­ber ent­ge­gen­ste­hen. Manch­mal liegt das infor­ma­tio­nel­le Defi­zit auch dar­an, dass es der Repor­terschar an sach­dien­li­chem Vor­wis­sen für geeig­ne­te Nach­fra­gen man­gel­te.

Hin­zu kommt das häu­fig gerin­ge Inter­es­se der Mit­glie­der am Ange­bot der BPK. Das hat den vor­ma­li­gen Spre­cher des Außen­mi­nis­te­ri­ums, Dr. Mar­tin Schä­fer (er ist heu­te Bot­schaf­ter in Süd­afri­ka), sogar schon mal zu der Bemer­kung ver­an­lasst :

Herr Vor­sit­zen­der, wenn Sie erlau­ben, wür­de ich zunächst erst ein­mal gern sagen, dass es jeden­falls mich per­sön­lich – ich spre­che nur für mich – ganz schön trau­rig macht, vor welch lee­rer Kulis­se wir hier sit­zen. Wenn ich es rich­tig sehe, ist hier noch nicht ein­mal mehr eine Nach­rich­ten­agen­tur ver­tre­ten.

Der spür­ba­ren Wech­sel­wir­kung zwi­schen sub­stanz­frei­er Ver­laut­ba­rung der Regie­rungs­ver­tre­ter und feh­len­dem jour­na­lis­ti­schen Enga­ge­ment in sol­chen Pres­se­kon­fe­ren­zen brau­chen wir wohl nicht auf den Grund zu gehen. Es ist aber dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich span­nen­de Infor­ma­tio­nen und Rück­schlüs­se gera­de dann erge­ben könn­ten, wenn unnach­gie­big und treff­si­cher fra­gen­de Jour­na­lis­ten kei­ne auf­rich­ti­gen Ant­wor­ten von den Regie­rungs­of­fi­zi­el­len bekom­men, ein sicht­ba­rer Aus­druck der Miss­ach­tung des Infor­ma­ti­ons­an­spruchs der Öffent­lich­keit. Sol­che Momen­te haben ihren ganz eige­nen Infor­ma­ti­ons­wert.

Als in die­ser Hin­sicht vor­bild­lich sol­len hier die hart­nä­cki­gen Fra­gen der Kol­le­gen Tilo Jung (Jung & Naiv) und Flo­ri­an War­weg (RT Deutsch) genannt sein. Gäbe es die­se bei­den und die Video­über­tra­gun­gen ihrer Akti­vi­tä­ten nicht, wür­de kaum jemand die Ver­bal­akro­ba­tik erken­nen, mit der die Polit­ver­tre­ter die Main­stream-Jour­na­lis­ten ver­la­den und den Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Publi­kums igno­rie­ren. Auch die ARD-aktu­ell schweigt sich vor­nehm über der­glei­chen Schwei­ne­rei­en aus. Den Nach­rich­ten­ge­halt, der sol­chen Vor­fäl­len inne­wohnt, über­sieht sie geflis­sent­lich.

War­weg und Jung – jeder auf sei­ne Wei­se und mit eige­ner Prä­fe­renz – scheu­en sich nicht, Leer­for­meln, Ver­lo­gen­heit und Arro­ganz der staat­li­chen Reprä­sen­tan­ten öffent­lich­keits­wirk­sam bloß­zu­le­gen. Wie bedeut­sam ihre Arbeit für die Mei­nungs­bil­dung der Bür­ger ist und auf welch gro­ßes Inter­es­se sie stößt, haben zum Bei­spiel die Mil­lio­nen-Klicks des Rezo-Vide­os Die Zer­stö­rung der CDU” gezeigt ; in dem Strei­fen spielt auch die BPK ihre übli­che Rol­le.

Davon drei Kost­pro­ben.

Am 19. Mai hat­te Donald Trump dem Iran per “Twit­ter” die Ver­nich­tung ange­droht :

Wenn der Iran kämp­fen will, dann wird das das offi­zi­el­le Ende Irans sein. Dro­hen Sie nie wie­der den Ver­ei­nig­ten Staa­ten !

Meh­re­re Jour­na­lis­ten frag­ten in der BPK die Ver­tre­ter des Aus­wär­ti­gen Amtes und des Kanz­ler­am­tes, ob es zu die­ser Dro­hung eine deut­sche Stel­lung­nah­me gebe. Der Spre­cher des Außen­mi­nis­te­ri­ums ver­nein­te und recht­fer­tig­te die erstaun­li­che Zurück­hal­tung so : Man wol­le den Kon­flikt zwi­schen dem Iran und den USA nicht wei­ter anhei­zen, außer­dem kom­men­tie­re man kei­ne Tweets des US-Prä­si­den­ten.

Auf die nahe­lie­gen­de Fra­ge, war­um die Bun­des­re­gie­rung sich in die­sem Fall zahm gebe, wäh­rend sie bei ver­gleich­ba­ren ira­ni­schen “Ver­nich­tungs­dro­hun­gen” gegen­über Isra­el unver­züg­lich mit har­scher Ver­ur­tei­lung reagie­re, blieb der Spre­cher des Aus­wär­ti­gen Amtes die Ant­wort schul­dig und wie­der­hol­te ledig­lich : “Wir sind gegen ver­schär­fen­de Rhe­to­rik”. Und die Spre­che­rin des Kanz­ler­amts echo­te eben­falls nur : Man kom­men­tie­re die Trump-Tweets nicht.

Erst auf erneu­te Nach­fra­ge des RT-Repor­ters ließ sich die Frau zu der “Erklä­rung” her­bei, die Situa­ti­on sei im Hin­blick auf Isra­el nicht ver­gleich­bar : Der Auf­ruf zur Ver­nich­tung Isra­els sei für die Bun­des­re­gie­rung völ­lig inak­zep­ta­bel und zu ver­ur­tei­len. Auf den Ein­wand, die Staats­füh­rung des Iran habe nie von einer Aus­lö­schung Isra­els gespro­chen, son­dern immer nur – man kann das wer­ten, wie man will – von der “Ver­nich­tung des zio­nis­ti­schen Regimes”, wäh­rend Trump tat­säch­lich die Ver­nich­tung eines Staa­tes andro­he und damit auch das Leben der Bevöl­ke­rung Irans mei­ne, erwi­der­te die Spre­che­rin der Kanz­le­rin inhalt­lich nichts. 

Spä­tes­tens in die­sem Moment hät­te der gast­ge­ben­de BPK-Lei­ter ein­ha­ken und deut­lich machen müs­sen, dass es auf einer Sit­zung der BPK üblich sei, auf sach­li­che Fra­gen auch sach­lich zu ant­wor­ten. Er unter­ließ es jedoch, gegen die regie­rungs­amt­li­che Arro­ganz ein­zu­schrei­ten. Es bleibt der pein­li­che Ein­druck : Den BPK-Herr­schaf­ten geht es nicht in ers­ter Linie um eine “umfas­sen­de Unter­rich­tung der Öffent­lich­keit” (§3 der BPK-Sat­zung), son­dern eher um das Wohl­wol­len der Regie­rungs­ver­tre­ter.

Nicht min­der die Reak­ti­on der ARD-aktu­ell : Zwar wur­de über den Trump-Tweet in der Haupt­aus­ga­be der Tages­schau berich­tet, aber mit kei­nem Wort die dop­pel­zün­gi­ge Stel­lung­nah­me der Mer­kel-Regie­rung in der BPK erwähnt. Das offen­kun­di­ge Motiv : Chef­re­dak­teur Dr. Gniff­kes regie­rungs­from­me Qua­li­täts­jour­na­lis­ten woll­ten “Mut­ti” Mer­kel vor öffent­li­cher Kri­tik schüt­zen und lie­ßen zu die­sem Zweck Dop­pel­stan­dards gel­ten. Ergeb­nis : Gedank­li­cher Nach­voll­zug der regie­rungs­üb­li­chen Rek­tal­vi­si­ten bei US-Prä­si­dent Trump sowie Kri­tik­lo­sig­keit gegen­über der Regie­rung Isra­els einer­seits, ande­rer­seits Hin­nah­me des pas­si­ven, teil­nahms­lo­sen Schwei­gens ange­sichts der ver­ba­len US-Atta­cke auf den Iran.

Wie wenig selbst­kri­tisch Dr. Gniff­kes Qua­li­täts­jour­na­lis­ten sind, wird im Ver­gleich ihrer Bericht­erstat­tung über die deut­sche BPK mit der über die Pres­se­kon­fe­ren­zen des rus­si­schen Staats­prä­si­den­ten Putin deut­lich. “Bloß kei­ne Nach­fra­ge!” höh­nen sie über ihre Mos­kau­er Kol­le­gen und bezich­ti­gen sie kon­for­mis­ti­scher Berufs­pra­xis und feh­len­der Cou­ra­ge. Volks­weis­heit :

Wer ande­ren in der Nase bohrt, ist auch ein Schwein.

Am 17. Juni 2019 pro­ble­ma­ti­sier­ten “die übli­chen Ver­däch­ti­gen” in der BPK deut­sche Waf­fen­ex­por­te an die Jemen-Kriegs­ver­bre­cher Ägyp­ten und Ver­ei­nig­te Ara­bi­sche Emi­ra­te, VAE. Der Hin­ter­grund : Waf­fen­lie­fe­run­gen in Kon­flikt­re­gio­nen und an nicht zur NATO gehö­ren­de Kriegs­be­tei­lig­te sind nach deut­schem Recht unzu­läs­sig. Fra­gen an den Regie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert :

Waf­fen im Wert von 800 Mil­lio­nen Euro an Ägyp­ten sowie im Wert von 200 Mil­lio­nen Euro an die VAE : Kann es sein, dass Ägyp­ten und die VAE aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung ein­fach kei­ne ‘unmit­tel­bar Betei­lig­ten’ sind, Herr Sei­bert ? Dann wür­de das alles ja Sinn erge­ben. (ab 25’:05”) – Kann uns ein Minis­te­ri­um sagen, wer die ‘unmit­tel­bar Betei­lig­ten’ im Jemen-Krieg sind ? – Wer­den wir jemals erfah­ren, wer aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung die ‘unmit­tel­bar Betei­lig­ten’ im Jemen-Krieg sind ? Ich fra­ge das hier seit andert­halb Jah­ren, Herr Sei­bert ; das wis­sen Sie. – Sie sag­ten, dass die Ant­wort mit den unmit­tel­bar Betei­lig­ten unter ande­rem in Klei­nen Anfra­gen beant­wor­tet wor­den wäre. Könn­ten Sie uns die nach­rei­chen ? Könn­ten Sie sagen, wo wir das fin­den kön­nen ? (ab 36’:07”)

Ich wür­de ger­ne wis­sen, ob es in den letz­ten zwölf Mona­ten über­haupt einen Ein­zel­fall gab, in dem nega­tiv ent­schie­den wur­de, was das The­ma ‘Jemen-Krie­g/­Be­tei­lig­te/Waf­fen­ex­por­te’ angeht.

Sei­bert behaup­te­te wider bes­se­res Wis­sen eine restrik­ti­ve Pra­xis bei der Waf­fen­ex­port-Geneh­mi­gung und ver­wies im Übri­gen auf sei­ne Geheim­hal­tungs­pflicht. Der gast­ge­ben­de BPK-Ver­an­stal­tungs­lei­ter schwieg dazu, anstatt fest­zu­stel­len, dass eine so umfas­sen­de Geheim­hal­tungs­pflicht hin­sicht­lich der Waf­fen­ex­por­te nicht besteht und recht­lich auch nicht zu begrün­den wäre ; er for­der­te Sei­bert nicht dazu auf, sei­ne Ant­wort­ver­wei­ge­rung zu über­den­ken.

Immer­hin zeig­te die­se Pres­se­kon­fe­renz beson­ders anschau­lich, wie mit beharr­li­chen und nicht beant­wor­te­ten Jour­na­lis­ten-Fra­gen indi­rekt auf­schluss­rei­che Infor­ma­tio­nen ver­mit­telt wer­den kön­nen, was der Regie­rungs­spre­cher sicher gern aus­ge­schlos­sen hät­te. Nicht nur, wenn es um die blu­tigs­te und schmut­zigs­te Art von Geschäf­ten geht, näm­lich um den Ver­kauf von Mas­sen­mord­werk­zeug ans Aus­land, erwei­sen sich füh­ren­de Reprä­sen­tan­ten der Poli­tik als Ver­tu­scher, Lüg­ner, als Aus­kunfts­ver­wei­ge­rer und als unse­riö­se Weiß­wä­scher.

Der Mus­ter­fall demons­triert dar­über hin­aus, wie wenig BPK-Vor­stands­ver­tre­ter bereit sind, die Bemü­hun­gen ihrer kri­ti­schen Jour­na­lis­ten zu unter­stüt­zen :

Herr Jung, ich ver­ste­he, dass Sie die Ant­wort mög­li­cher­wei­se nicht zufrie­den­stellt, das müs­sen Sie lei­der so hin­neh­men.

Ach ja ? Muss­te er ? Oder hät­te der Kon­fe­renz­lei­ter und Gast­ge­ber nicht viel­mehr dem Regie­rungs­spre­cher erklä­ren müs­sen : “Herr Sei­bert, Sie sind hier zu Besuch, ich muss Sie bit­ten, sich ent­spre­chend zu beneh­men?” Und : “Wenn Sie nicht die Absicht haben, begrün­de­te Fra­gen sach­lich zu beant­wor­ten, dann sit­zen Sie im Augen­blick auf dem fal­schen Platz!”

Jung & Naiv ließ aller­dings selbst nicht locker und ent­larv­te zwei Tage spä­ter auf der nächs­ten Pres­se­kon­fe­renz die stell­ver­tre­ten­de Regie­rungs­spre­che­rin Ulri­ke Dem­mer als recht­ha­be­ri­sche Ser­vier­da­me von “Fake News”:

… am Mon­tag woll­te ich noch wis­sen, wie vie­le Rüs­tungs­ex­port­ge­neh­mi­gun­gen letz­tes Jahr abge­lehnt wur­den. Da hat­te Herr Sei­bert so getan, als ob das geheim sei. Jetzt schrei­ben Sie heu­te selbst davon, dass letz­tes Jahr 88 Anträ­ge auf das Aus­füh­ren von Rüs­tungs­gü­tern abge­lehnt wur­den, was einem Wert von 39,43 Mil­lio­nen Euro ent­spro­chen habe. Gleich­zei­tig hat man letz­tes Jahr Rüs­tungs­gü­ter im Wert von 4,8 Mil­li­ar­den Euro aus­ge­führt. … Da steht : Es gab 11.100 posi­ti­ve Geneh­mi­gun­gen. … 0,8 Pro­zent der Anträ­ge auf Rüs­tungs­ex­por­te wer­den also von der Bun­des­re­gie­rung abge­lehnt. Jetzt sagen Sie ja immer wie­der, dass Sie eine restrik­ti­ve Rüs­tungs­po­li­tik machen. … Herr Sei­bert sag­te hier noch am Mon­tag : ‘Wenn man jeden Antrag geneh­mig­te, könn­te man kaum von einer restrik­ti­ven Poli­tik spre­chen.’ Das haben wir doch ! Sie geneh­mi­gen 99,2 Pro­zent aller Rüs­tungs­ex­por­te. … Wenn Sie 99,2 Pro­zent aller Sachen akzep­tie­ren : Das ist doch nicht restrik­tiv ! (ebd., ab 44’:17”).” 

Auch aus die­ser bri­san­ten Pha­se einer Bun­des­pres­se­kon­fe­renz ließ die ARD-aktu­ell kein Wort an die Öffent­lich­keit gelan­gen. Aus­führ­lich berich­te­te sie hin­ge­gen aus der Ver­an­stal­tung, dass dort über die geplan­ten Ände­run­gen der Grund­steu­er kei­ne Infor­ma­tio­nen gege­ben wor­den sei­en. Eine Null­num­mer.

Der­ar­ti­ge Nach­rich­ten-Gewich­tung belegt jour­na­lis­ti­sche Igno­ranz und Inkom­pe­tenz. Sie ist Betrug am Infor­ma­ti­ons­an­spruch der Öffent­lich­keit. Der Betrugs­vor­wurf ist ange­bracht, schließ­lich zahlt die­se Öffent­lich­keit die Rund­funk­ge­bühr nicht in der Absicht, sich mit Infor­ma­ti­ons­lu­schen abfer­ti­gen zu las­sen.

Das Inter­net-Ange­bot des ARD-Fak­ten­fin­der schau­en sich kaum 20.000 Besu­cher auf tagesschau.de an, wäh­rend die Zahl der an Jung & Naiv-Inter­es­sier­ten locker die 70.000-Marke über­schrei­tet. Dr. Gniff­ke, sei­ne Mit­ver­ant­wort­li­chen in der Redak­ti­on, sei­ne Vor­ge­setz­ten im öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk und des­sen auf­sicht­füh­ren­de Rund­funk­rä­te, alle­samt Sie­gel­be­wah­rer des deut­schen Qua­li­täts­jour­na­lis­mus, fin­den die Zweit­ran­gig­keit des “Fak­ten­fin­der” offen­bar nicht mal pein­lich. 

So ver­dienst­voll Jung & Naiv sich oft in der BPK schlägt, so frag­wür­dig ist manch­mal die Rol­le, die der Her­aus­ge­ber Tilo Jung an ande­rer Stel­le spielt : Er schämt sich nicht, einem kri­ti­schen Kol­le­gen in den Rücken zu fal­len.

Flo­ri­an War­weg vom rus­si­schen Fern­seh­sen­der RT Deutsch sprach die Ver­tre­ter der Bun­des­re­gie­rung in der BPK am 6. Novem­ber 2018 auf die Ross­täu­sche­rei mit den soge­nann­ten “Weiß­hel­men” an, vor­geb­lich eine syri­sche Zivil­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on, erwie­se­ner­ma­ßen jedoch Hand­lan­ger von Ter­ro­ris­ten­ban­den, vom Wes­ten unter­stütz­te Kriegs­pro­pa­gan­dis­ten, die sich aus­schließ­lich in den von Söld­nern und Dschi­ha­dis­ten besetz­ten Gebie­ten in Sze­ne set­zen. Die Regie­rungs­spre­cher – Chris­to­pher Bur­ger, Außen­mi­nis­te­ri­um, Sören Schmidt, Innen­mi­nis­te­ri­um – ver­strick­ten sich bei der Beant­wor­tung prompt in Wider­sprü­che. Ohne erkenn­ba­ren Grund sprang ihnen schließ­lich Tilo Jung zur Sei­te und betä­tig­te sich als Stich­wort­ge­ber. Ganz und gar nicht “jung und naiv”, son­dern reich­lich hin­ter­lis­tig frag­te er den Außen­amts­spre­cher :

Herr Bur­ger, wie bewer­tet die Bun­des­re­gie­rung die rus­si­schen Pro­pa­gan­da­maß­nah­men gegen­über den Weiß­hel­men ?

Bur­ger, hoch­er­freut über die uner­war­te­te Steil­vor­la­ge, prä­sen­tier­te sofort die bekann­te Pro­pa­gan­da-Scha­blo­ne : Russ­land sei bemüht, die “Weiß­hel­me” trotz deren “unbe­streit­ba­rer huma­ni­tä­rer Ver­diens­te” zu dis­kre­di­tie­ren.

Die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der deutsch­spra­chi­gen rus­si­schen Medi­en haben wegen der gehäs­sig und dumm­dreist hoch­ge­trie­be­nen Russo­pho­bie hier­zu­lan­de ohne­hin kei­nen leich­ten Stand. Dass ihnen auch ein ver­meint­lich kri­ti­scher Jour­na­list wie Tilo Jung so ele­men­tar die kol­le­gia­le Soli­da­ri­tät ver­wei­gert, ihnen sogar in den Rücken fällt, sagt eine Men­ge über ihn selbst und über sei­nen Cha­rak­ter aus. Er war bereit zur Lie­be­die­ne­rei, und zwar unter Ver­let­zung sei­ner beruf­li­chen Pflicht, unab­hän­gig vom Fra­ge­stel­ler alle auf­schluss­rei­chen Infor­ma­tio­nen auf­zu­neh­men. Der Fall zeigt die (selbst­ver­schul­de­te) Begrenzt­heit jour­na­lis­ti­scher Arbeits­wei­se in Deutsch­land.

Auch ein bekann­ter Medi­en­kri­ti­ker wie Ste­fan Nig­ge­mei­er gibt sich sol­che Blö­ßen. In einem an sich lesens­wer­ten Bei­trag über die BPK setzt er sich zwar ange­mes­sen mit dem unpro­fes­sio­nel­len Geba­ren eines WELT-Jour­na­lis­ten aus­ein­an­der und kri­ti­siert die anti­rus­si­sche Atti­tü­de des Man­nes. Zugleich aber ver­kniff er es sich nicht, eben­falls über die Kol­le­gen der deutsch-rus­si­schen Medi­en her­zu­zie­hen :

Dass auch mich die meis­ten Wort­mel­dun­gen von Sput­nik und RT Deutsch ner­ven, tut nichts zur Sache. Dass sie Fra­gen stel­len, die mich nicht inter­es­sie­ren oder mei­nem Ver­ständ­nis der Lage nicht oder oft über­haupt nicht ent­spre­chen : geschenkt. Dass sich vie­le ihrer Fra­gen wie Kom­men­ta­re aus der You­Tube-Kom­men­tar­spal­te anhö­ren, sagt eher was über ihr jour­na­lis­ti­sches Niveau aus als über ihre Gefähr­lich­keit …”

Dass auch sei­ne Erha­ben­heit, der “Papst der Medi­en­kri­tik” Nig­ge­mei­er, sei­nem Affen Zucker gibt, Pfau­en­rä­der schlägt und sich selbst vol­ler Selbst­ge­fäl­lig­keit für über­le­gen hält : eben­falls geschenkt.

Wesent­li­cher ist ande­res : Wir steu­er­zah­len­de Bun­des­bür­ger ali­men­tie­ren beam­te­te Regie­rungs­pro­pa­gan­dis­ten und Fak­ten­ver­dre­her wie Sei­bert, Bur­ger oder Schmidt dafür, dass sie uns fau­len Zau­ber ser­vie­ren, mit Jah­res­ge­häl­tern bis zu 180.000 Euro und dem Anspruch auf eine Ren­te von mehr als 120.000 Euro. An die 80.000 Euro jähr­lich strei­chen qua­li­täts­jour­na­lis­ti­sche Papp­na­sen ein, die den Schmar­ren aus sol­chen Hohl­räu­men wie der BPK durch die öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­ka­nä­le zu uns durch­schie­ben ; ihre Gehäl­ter wer­den aus unse­ren Rund­funk­bei­trä­gen erbracht. Wir löh­nen also indi­rekt gleich zwei­mal dafür, dass wir nach Strich und Faden ange­schmiert wer­den.

Wenn es schon sein muss, hoch­ver­ehr­tes Publi­kum : Wo ist unse­re Repu­blik tat­säch­lich ange­kom­men ? Könn­ten wir uns nicht ohne die­se Leu­te auch selbst ver­ar­schen, nota­be­ne kos­ten­los ?

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

Das Autoren-Team : 

Fried­helm Klink­ham­mer, Jahr­gang 1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mit­ar­bei­ter des NDR, zeit­wei­se Vor­sit­zen­der des NDR-Gesamt­per­so­nal­rats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Refe­rent einer Funk­haus­di­rek­to­rin.

Vol­ker Bräu­ti­gam, Jahr­gang 1941, Redak­teur. 1975 bis 1996 im NDR, zunächst in der Tages­schau, von 1985 an in der Kul­tur­re­dak­ti­on für N3. Danach Lehr- und For­schungs­auf­trag an der Fu-Jen-Uni in Tai­peh. 

Anmer­kung der Autoren :

Unse­re Bei­trä­ge ste­hen zur frei­en Ver­fü­gung. Wir schrei­ben nicht für Hono­rar, son­dern gegen die “media­le Mas­sen­ver­blö­dung” (in memo­ri­am Peter Scholl-Latour). Die Tex­te wer­den zumeist auf der Sei­te https://publikumskonferenz.de/blog doku­men­tiert.

RT Deutsch


Bundespressekonferenz : Keine Spur von angeblicher russischer Manipulation bei EU-Wahl


Die tsche­chi­sche EU-Jus­tiz­kom­mis­sa­rin Věra Jou­ro­vá mein­te gegen­über dem Redak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land (RND), dass orga­ni­sier­te Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen aus dem Aus­land dar­auf abziel­ten, exis­tie­ren­de Pola­ri­sie­run­gen in den Gesell­schaf­ten auf­zu­grei­fen und zu ver­stär­ken. Dabei warn­te sie “ins­be­son­de­re” vor Russ­land und der Mani­pu­la­ti­on der bevor­ste­hen­den EU-Par­la­ments­wah­len, wel­che fälsch­li­cher­wei­se als “Euro­pa­wah­len” bezeich­net wer­den.

Wir dür­fen nicht zulas­sen, dass auch nur in einem Mit­glied­staat die Wahl­er­geb­nis­se durch Mani­pu­la­ti­on ver­fälscht wer­den. Nicht nur, aber auch, weil die­se Wah­len Schick­sals­wah­len für Euro­pa sind”, sag­te Jou­ro­vá.

Auch in die­ser Aus­sa­ge zeigt sich der fort­schrei­ten­de Ver­such, die Euro­päi­sche Uni­on mit Euro­pa gleich­zu­set­zen. Eini­ge Län­der Euro­pas sind kei­ne EU-Mit­glied­staa­ten und haben des­halb nur indi­rekt etwas mit dem Aus­gang der EU-Par­la­ments­wah­len zu tun. Eine “Schick­sals­wahl” ist es viel­mehr für die Euro­päi­sche Uni­on und den Weg, den sie in den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren ein­ge­schla­gen hat. 

Mehr zum The­ma — EU-Wah­len : Demo­kra­ti­sche Fas­sa­de statt ech­ter Mit­be­stim­mung ?

Auch der litaui­sche Außen­mi­nis­ter Linas Lin­ke­viči­us, laut Eigen­be­zeich­nung einer der “drei bal­ti­schen Mus­ke­tie­re”, sieht eine rus­si­sche Bedro­hung für die kom­men­den EU-Par­la­ments­wah­len, die je nach Land zwi­schen dem 23. und dem 26. Mai statt­fin­den.

Gegen­über dem RND sag­te Lin­ke­viči­us :

Wir dür­fen nicht naiv sein : Mos­kau ver­sucht, in der EU einen Dau­er­zu­stand der Insta­bi­li­tät zu schaf­fen und für sei­ne eige­nen Inter­es­sen aus­zu­nut­zen. Das dür­fen wir nicht zulas­sen.

Euro­pa muss auf der Hut sein”, mein­te er wei­ter und ver­mischt dabei wie Věra Jou­ro­vá Euro­pa mit der EU.

Mehr zum The­ma — Euro­pa und die EU-Kom­mis­si­on – ein höchst unde­mo­kra­ti­sches Kon­strukt (Video)

Nach­dem die EU-Jus­tiz­kom­mis­sa­rin so dezi­diert vor einer rus­si­schen Mani­pu­la­ti­on gewarnt hat, woll­te RT Deutsch bei der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz wis­sen, ob der Bun­des­re­gie­rung irgend­wel­che kon­kre­ten Erkennt­nis­se vor­lie­gen, die die Ein­schät­zung der Kom­mis­sa­rin unter­mau­ern könn­ten. Die Ant­wor­ten dar­auf fie­len recht vage und all­ge­mein aus.

RT Deutsch