Lenín Moreno : “Maduro und Correa stecken hinter diesem Putschversuch”


Der ecua­do­ria­ni­sche Prä­si­dent Lenín More­no hat erklärt, dass sowohl der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent Rafa­el Cor­rea als auch der vene­zo­la­ni­sche Prä­si­dent Nicolás Madu­ro für die aktu­el­le Kri­se in Ecua­dor ver­ant­wort­lich sind.

Madu­ros Statt­hal­ter hat zusam­men mit Cor­rea sei­nen Plan zur Desta­bi­li­sie­rung akti­viert”, sag­te der Prä­si­dent im natio­na­len Radio und Fern­se­hen.

More­no beschrieb Madu­ro und Cor­rea als “kor­rupt” und auf der Flucht vor der Jus­tiz.

Sie sind die­je­ni­gen, die hin­ter die­sem ver­such­ten Staats­streich ste­hen”, füg­te er hin­zu und bekräf­tig­te, dass die Men­schen, die zur Gewalt auf­sta­cheln, “bezahlt und orga­ni­siert” wer­den.

Der Prä­si­dent beschul­dig­te auch ande­re Poli­ti­ker, an dem Kom­plott betei­ligt zu sein, dar­un­ter den ehe­ma­li­gen Außen­mi­nis­ter Ricar­do Pati­ño.

Ver­le­gung des Regie­rungs­sit­zes

In sei­ner Erklä­rung kün­dig­te More­no die Ver­le­gung des Regie­rungs­sit­zes von der Haupt­stadt Qui­to in die Küs­ten­me­tro­po­le Gua­ya­quil im Süd­wes­ten des Lan­des an.

Ich bin in die Stadt Gua­ya­quil umge­zo­gen, und ich habe den Regie­rungs­sitz in die­se gelieb­te Stadt ver­legt, ent­spre­chend den mir über­tra­ge­nen ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Befug­nis­sen”, sag­te der Prä­si­dent inmit­ten der hef­ti­gen Pro­tes­te in der Haupt­stadt.

Das Staats­ober­haupt bekräf­tig­te, dass er “den Frie­den und die Ruhe der Ecua­do­ria­ner” vor sein eige­nes Wohl gestellt hat.

Die Plün­de­run­gen, der Van­da­lis­mus und die Gewalt zei­gen, dass es hier eine orga­ni­sier­te poli­ti­sche Absicht gibt, die Regie­rung zu desta­bi­li­sie­ren und die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge und demo­kra­ti­sche Ord­nung zu zer­stö­ren”, sag­te er.

Die Dumm­hei­ten haben ein Ende”

More­no dank­te den Streit­kräf­ten und der Poli­zei des Lan­des für den Schutz der “Rech­te und der Ruhe der Bür­ger”.

Wir wer­den immer jeg­li­ches Blut­ver­gie­ßen ver­mei­den”, sag­te der Prä­si­dent.

Zugleich bekräf­tig­te er sei­ne Posi­ti­on gegen­über den aktu­el­len Beein­träch­ti­gun­gen der öffent­li­chen Ord­nung.

Ich wer­de nicht nach­ge­ben, weil das Rich­ti­ge kei­ne Abstu­fun­gen hat”, so More­no.

Das Staats­ober­haupt nann­te die Abschaf­fung der Treib­stoff­sub­ven­tio­nen “eine his­to­ri­sche Ent­schei­dung”, die den Schmugg­lern “Hun­der­te von Mil­lio­nen US-Dol­lar” ein­brach­te.

Ich ver­si­che­re Ihnen, dass wir, so schwer es auch erschei­nen mag, das Rich­ti­ge getan haben”, äußer­te der Prä­si­dent.

More­no erklär­te, dass die­se Ent­schei­dung das Wohl­erge­hen der Wirt­schaft und die Posi­ti­on des US-Dol­lars als natio­na­le Wäh­rung schüt­zen wird. “Die Dumm­hei­ten, die Res­sour­cen des Staa­tes zu ver­schwen­den, haben ein Ende”, füg­te er hin­zu.

Zuneh­men­de Pro­tes­te – nächt­li­che Aus­gangs­sper­re

Am 7. Okto­ber wur­de Ecua­dor lan­des­weit an sei­nem fünf­ten Tag der Pro­tes­te gegen die “Paque­ta­zo” genann­ten Maß­nah­men­pa­ke­te von Prä­si­dent More­no erschüt­tert. Eini­ge der Demons­tran­ten tauf­ten ihren Auf­ruhr als “Revo­lu­ti­on der Dumm­hei­ten” als Anspie­lung auf die Wor­te, mit denen sich der Prä­si­dent selbst auf die “Fau­len und Die­be” bezog und vom Ende der “Dumm­hei­ten” sprach.

Die indi­ge­nen Ecua­do­ria­ner leh­nen More­nos Abschaf­fung der Sub­ven­tio­nen für Treib­stof­fe ab, da sich die­se dadurch deut­lich ver­teu­er­ten. Die Prei­se für eine Gal­lo­ne Ben­zin und Öko­kraft­stoff klet­ter­ten von 1,85 auf 2,39 US-Dol­lar und die für Die­sel von 1,03 auf 2,29 US-Dol­lar, was in der Sum­me einer Stei­ge­rung um 123 Pro­zent ent­spricht.

Tau­sen­de Ecua­do­ria­ner, die sich in den indi­ge­nen Bewe­gun­gen der Gebirgs­re­gi­on des Lan­des zusam­men­ge­schlos­sen hat­ten, ström­ten am spä­ten Mon­tag­nach­mit­tag in die Haupt­stadt. Ein RT-Team berich­te­te vor Ort von einem der Demons­tra­ti­ons­zü­ge und wur­de Opfer des Trä­nen­ga­ses, das Mili­tär und Poli­zei gegen die Men­schen­men­ge ein­ge­setzt hat­te.

Die Pro­tes­te in Qui­to gin­gen bis in die Nacht auf Diens­tag hin­ein wei­ter. Die Mas­se der Demons­tran­ten ver­sam­mel­te sich in der Nähe meh­re­rer Regie­rungs­ge­bäu­de, wobei eine Grup­pe von ihnen für eini­ge Minu­ten in das Par­la­ment ein­drang. Die Ver­ei­ni­gung der indi­ge­nen Natio­nen Ecua­dors (CONAIE) rief für Mitt­woch zu einem Gene­ral­streik mit Schwer­punkt in der Haupt­stadt auf.

Am Diens­tag ver­häng­te More­no eine nächt­li­che Aus­gangs­sper­re für die Umge­bung der Regie­rungs­ge­bäu­de. Die­se soll­te ursprüng­lich für die Zeit des in der ver­gan­ge­nen Woche aus­ge­ru­fe­nen 60-tägi­gen Aus­nah­me­zu­stands gel­ten. Doch der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof beschränk­te die Dau­er der Aus­gangs­sper­re auf 30 Tage.

Das Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um kün­dig­te mitt­ler­wei­le an, dass der Lehr­be­trieb an allen öffent­li­chen und pri­va­ten Schu­len des Lan­des “bis auf wei­te­res” aus­ge­setzt bleibt.

Sie selbst sind die Put­schis­ten”

Der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent des Lan­des Rafa­el Cor­rea äußer­te sich am Diens­tag in einem Inter­view mit RT zur Situa­ti­on in Ecua­dor und zu den Vor­wür­fen sei­nes Amts­nach­fol­gers gegen ihn und den vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Madu­ro.

Cor­rea sag­te, dass die Erklä­run­gen des ecua­do­ria­ni­schen Prä­si­den­ten “ein Zei­chen der Ent­frem­dung sind, die More­no in sei­ner gesam­ten Regie­rung aus­zeich­nen”. Dem jet­zi­gen Staats­ober­haupt warf er vor, ihn stän­dig für “die schlech­te Wirt­schafts­leis­tung, das Anwach­sen der Unsi­cher­heit und das Schei­tern all sei­ner poli­ti­schen Vor­ha­ben” ver­ant­wort­lich zu machen.

More­nos Aus­sa­gen “kann nie­mand mehr glau­ben”, denn sei­ne Hal­tung “ist wirk­lich Wahn­sinn”, erklär­te der Ex-Prä­si­dent.

Sie sagen, dass wir Put­schis­ten sind und dass wir die Regie­rung desta­bi­li­sie­ren wol­len”, so Cor­rea wei­ter und füg­te hin­zu, dass “sie selbst die Put­schis­ten sind, die die Ver­fas­sung oft und nach Belie­ben gebro­chen haben”.

Sie sind nicht an Demo­kra­tie inter­es­siert. Sie sind dar­an inter­es­siert, wei­ter die Macht und das ecua­do­ria­ni­sche Volk zu kon­trol­lie­ren”, um eine Poli­tik durch­zu­set­zen, “die der gro­ßen Mehr­heit scha­det, aber ihren Geschäf­ten zugu­te kommt (…) Sie sind die­je­ni­gen, die die Demo­kra­tie gestoh­len haben”, sag­te More­nos Amts­vor­gän­ger.

Cor­rea ver­wies auf eine “ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Lösung” für die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on, die ihm zufol­ge dar­in besteht, die “Wah­len vor­zu­zie­hen und das Volk abstim­men zu las­sen”.

So wer­den Kon­flik­te in einer Demo­kra­tie gelöst : an der Wahl­ur­ne”, beton­te der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent.

Das frü­he­re Staats­ober­haupt bezeich­ne­te die Art und Wei­se, wie die Leit­me­di­en sei­nes Lan­des über die dor­ti­gen Ereig­nis­se berich­ten, als “beschä­mend”:

Es ist obszön, wie sie die Unter­drü­ckung ver­ber­gen. Das Land wird von einer gewal­ti­gen Kri­se erschüt­tert, und sie sen­den wei­ter­hin Sei­fen­opern und Zei­chen­trick­fil­me.

Mehr zum The­ma — Pro­tes­te gegen Preis­er­hö­hun­gen bei Treib­stof­fen : Ecua­dor ver­hängt Aus­nah­me­zu­stand (Video)

Der Pakt mit dem IWF – “Rei­nes Mär­chen”

Cor­rea warf der Regie­rung sei­nes Amts­nach­fol­gers und ehe­ma­li­gen Vize­prä­si­den­ten zudem vor, über die Höhe der Staats­schul­den zu lügen, um einen Pakt mit dem IWF zu recht­fer­ti­gen, zu dem die umstrit­te­nen Maß­nah­men gehö­ren, die sie der Bevöl­ke­rung auf­zu­zwin­gen ver­su­chen.

Das ist ein rei­nes Mär­chen”, sag­te Cor­rea und warf sei­nen poli­ti­schen Geg­nern vor, “von Anfang an das Wirt­schafts­pro­gramm ver­ra­ten zu haben”, um zu ver­su­chen, “den Neo­li­be­ra­lis­mus durch­zu­set­zen” und damit die Macht­grup­pen zufrie­den zu stel­len, die More­no unter­stüt­zen.

Die­se Grup­pen wol­len den Neo­li­be­ra­lis­mus, das ‘Jeder ist sich selbst der Nächs­te’ und die Mini­mie­rung des Staa­tes”, so der Ex-Prä­si­dent.

Das frü­he­re Staats­ober­haupt beklag­te, dass sein Land “seit 14 Jah­ren” nicht sol­chen har­ten Wirt­schafts­maß­nah­men aus­ge­setzt war.

Mehr zum The­ma — Über 350 Fest­nah­men bei Trans­port­streik in Ecua­dor

RT Deutsch


Assange betrieb Zentrum für Spionage” — Ecuadors Präsident Moreno kontert Ex-Präsidenten Correa


Wiki­Leaks-Grün­der Juli­an Assan­ge habe mehr­mals die Bedin­gun­gen sei­nes Auf­ent­halts in der ecua­do­ria­ni­schen Bot­schaft in Lon­don ver­letzt und ver­sucht, sich von dort aus in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten ande­rer Län­der ein­zu­mi­schen. Dies sag­te der ecua­do­ria­ni­sche Prä­si­dent Lenín More­no gegen­über der Zei­tung The Guar­di­an.

Unser Haus, das sei­ne Türen öff­ne­te, kann nicht zum Zen­trum für Spio­na­ge wer­den. Die­ses Ver­hal­ten ver­stößt ein­deu­tig gegen die Asyl­be­din­gun­gen. Unse­re Ent­schei­dung ist daher nicht will­kür­lich und basiert auf dem inter­na­tio­na­len Recht”, so More­no.

Die Vor­gän­ger­re­gie­rung in Qui­to habe zuge­las­sen, dass von der Bot­schaft in Lon­don aus in die “Pro­zes­se ande­rer Staa­ten” ein­ge­grif­fen wer­de. Laut More­no soll Assan­ge Bot­schafts­mit­ar­bei­ter schlecht behan­delt und recht­li­che Schrit­te ange­droht haben.

Als Bei­spiel für die jüngs­te Ein­mi­schung nann­te er die Ver­öf­fent­li­chung gehei­mer Doku­men­te aus dem Vati­kan im Janu­ar die­sen Jah­res. “Lei­der gibt es Indi­vi­du­en, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Pri­vat­sphä­re ande­rer Men­schen zu ver­let­zen”, so More­no. Dabei beton­te er, dass der Ent­zug des Asyls für den Wiki­Leaks-Grün­der eine sou­ve­rä­ne Ent­schei­dung gewe­sen sei :

Wir tref­fen kei­ne Ent­schei­dun­gen auf­grund äuße­ren Drucks sei­tens eines ande­ren Staa­tes.

Der ehe­ma­li­ge Staats­chef Ecua­dors Rafa­el Cor­rea hat­te nach der Fest­nah­me von Assan­ge gegen­über dem TV-Sen­der RT  erklärt, dass der Ent­zug von Ass­an­ges Asyl eine “Rache für die gegen ihn [More­no] erho­be­nen Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe” sei. Er ver­wies dar­auf, dass die Platt­form Wiki­Leaks ent­spre­chen­de Bewei­se — Doku­men­te, Kor­re­spon­denz und Kon­to­aus­zü­ge — publik gemacht hat­te.

Cor­rea wies auch dar­auf hin, dass Assan­ge seit dem Jahr 2017 ecua­do­ria­ni­scher Staats­bür­ger sei und die Fest­nah­me von Assan­ge durch die bri­ti­sche Poli­zei auf dem Ter­ri­to­ri­um der Bot­schaft nicht nur ein Ver­stoß gegen das Völ­ker­recht, son­dern auch gegen die ecua­do­ria­ni­sche Ver­fas­sung sei. Nicht er, Rafa­el Cor­rea, habe ihm Asyl gewährt, son­dern der Staat Ecua­dor, so der Ex-Prä­si­dent. 

Gegen­über der Zei­tung The Guar­di­an wies More­no die­se Vor­wür­fe zurück und sag­te, dass sein Vor­ge­hen in Bezug auf Assan­ge nicht mit dem Leak ver­bun­den sei.

Außer­dem bestand er dar­auf, dass die Ent­schei­dung, mit den Bri­ten zusam­men­zu­ar­bei­ten und Assan­ge aus der Bot­schaft zu ent­fer­nen, eine sou­ve­rä­ne Ent­schei­dung sei­ner Regie­rung gewe­sen und ihm von kei­ner exter­nen Macht auf­ge­zwun­gen wor­den sei.

Er war ein Gast, dem eine wür­di­ge Behand­lung ange­bo­ten wur­de. Aber er hat­te weder das Grund­prin­zip der Gegen­sei­tig­keit für das Land, das ihn will­kom­men hieß, ver­stan­den, noch die Bereit­schaft, das Pro­to­koll [aus] dem Land, das ihn auf­ge­nom­men hat­te, anzu­neh­men. Der Ent­zug sei­nes Asyls erfolg­te unter strik­ter Ein­hal­tung des Völ­ker­rechts”, sag­te More­no.

Schmutz­kam­pa­gne gegen Assan­ge”

Deut­sche und spa­ni­sche Abge­ord­ne­te ver­such­ten unter­des­sen am Mon­tag ver­geb­lich, Assan­ge im Gefäng­nis zu besu­chen. Hei­ke Hän­sel und Sevim Dagde­len (bei­de von der Par­tei Die Lin­ke) hat­ten aber nur eine Besuchs­ge­neh­mi­gung für die Bot­schaft, wie eine Spre­che­rin der Par­tei in Ber­lin sag­te. Von­sei­ten des Gefäng­nis­ses habe es kei­ne Ant­wort gege­ben. Auch die spa­ni­sche Grü­nen-Euro­pa-Abge­ord­ne­te Ana Miran­da war ver­geb­lich nach Lon­don gereist.

Das Ver­hal­ten der Regie­rung Ecua­dors gegen­über Assan­ge sei ein “ekla­tan­ter Ver­stoß gegen das Völ­ker­recht”, hieß es in einer gemein­sa­men Mit­tei­lung der drei Poli­ti­ke­rin­nen. Sie spra­chen von einer “Schmutz- und Ver­leum­dungs­kam­pa­gne” gegen den 47-Jäh­ri­gen.

Der gebür­ti­ge Aus­tra­li­er war am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag von der bri­ti­schen Poli­zei in der ecua­do­ria­ni­schen Bot­schaft fest­ge­nom­men wor­den, nach­dem das Land sein poli­ti­sches Asyl auf­ge­ho­ben hat­te. Assan­ge war vor fast sie­ben Jah­ren in die diplo­ma­ti­sche Ver­tre­tung geflüch­tet.

Die USA wer­fen Assan­ge Ver­schwö­rung mit der Whist­leb­lo­we­rin Chel­sea Man­ning vor, um ein Pass­wort eines Com­pu­ter­netz­werks der Regie­rung zu kna­cken. Man­ning hat­te Wiki­Leaks im Jahr 2010 — damals noch als Brad­ley Man­ning — hun­dert­tau­sen­de gehei­me Mili­tär­do­ku­men­te zukom­men las­sen. Es ging dabei unter ande­rem um Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen wäh­rend der US-Mili­tär­ein­sät­ze im Irak und in Afgha­ni­stan.

RT Deutsch


Fadenscheiniger Vorwurf : Ecuador erlässt Haftbefehl gegen linken Ex-Präsident Correa


von Maria Mül­ler

Mit­hil­fe der Medi­en und einer abhän­gi­gen Jus­tiz wird erneut eine der popu­lärs­ten lin­ken Füh­rungs­per­so­nen in Süd­ame­ri­ka in Bedräng­nis gebracht. Am ver­gan­ge­nen Diens­tag bean­trag­te die ecua­do­ria­ni­sche Rich­te­rin Danie­la Cama­cho bei Inter­pol einen inter­na­tio­na­len Haft­be­fehl von beson­de­rer Dring­lich­keit.

Der seit 2017 in Bel­gi­en leben­de frü­he­re Prä­si­dent Ecua­dors Rafa­el Cor­rea soll fest­ge­nom­men und nach Ecua­dor in Unter­su­chungs­haft ver­bracht wer­den.

Die Rich­te­rin hat­te einen spe­zi­el­len Schach­zug vor­be­rei­tet : Sie ver­häng­te eine 14-tägi­ge Mel­de­pflicht, die Cor­rea vor dem obers­ten Gericht in Ecua­dors Haupt­stadt Qui­to erfül­len müs­se. Ansons­ten käme er in Unter­su­chungs­haft. Cor­rea hin­ge­gen ver­wies auf inter­na­tio­na­le Rechts­nor­men und mel­de­te sich bei der Bot­schaft in Brüs­sel.

Der Hin­ter­grund ist eine wahr­lich wir­re Geschich­te aus der Geheim­dienst­welt. Ein ehe­ma­li­ger Abge­ord­ne­ter der oppo­si­tio­nel­len Par­ti­do Sociedad Patrió­ti­ca (PSP), Fer­nan­do Bal­da, beschul­digt den Ex-Prä­si­den­ten, als Draht­zie­her an sei­ner kurz­zei­ti­gen Ent­füh­rung im Jahr 2012 in Kolum­bi­en mit­ge­wirkt zu haben, die weni­ger als eine Stun­de gedau­ert haben soll.

Bal­da hat­te sich seit 2009 ille­gal in Kolum­bi­en auf­ge­hal­ten und war im Umfeld des dama­li­gen rechts­ge­rich­te­ten Prä­si­den­ten Álva­ro Uri­be aktiv. Damals sol­len ihn fünf Män­ner in ein Auto gezerrt haben und los­ge­fah­ren sein. Doch kurz dar­auf wur­de eben die­ses Auto von der kolum­bia­ni­schen Poli­zei ange­hal­ten, und Bal­da kam wie­der frei. Die Grup­pe der des­we­gen beschul­dig­ten Kolum­bia­ner soll eine Gefäng­nis­stra­fe abge­leis­tet haben.

Nach dem Vor­fall wur­de Bal­da offi­zi­ell nach Ecua­dor aus­ge­lie­fert, um eine Haft­stra­fe von einem Jahr wegen öffent­li­cher Ver­leum­dung der Regie­rung abzu­sit­zen. Bal­da, ein ent­schie­de­ner Geg­ner Cor­re­as, soll mit Hetz­kam­pa­gnen in den sozia­len Netz­wer­ken ver­sucht haben, die Situa­ti­on in Ecua­dor zu desta­bi­li­sie­ren.

Im Jahr 2013 erstat­te­te Bal­da wegen des Vor­falls Anzei­ge, die sich aller­dings nicht gegen den Prä­si­den­ten rich­te­te. Erst Anfang 2018 wur­de der Fall unter Cor­re­as Nach­fol­ger Lenín More­no wie­der auf­ge­grif­fen. Nun begann die Suche nach den ver­meint­li­chen Auf­trag­ge­bern die­ses Ent­füh­rungs­sze­na­ri­os. Heu­te beschul­digt Bal­da die ecua­do­ria­ni­schen Poli­zis­ten Raúl Chi­cai­za, Jés­si­ca Fal­cón und Jor­ge Espi­no­sa, den frü­he­ren Poli­zei­di­rek­tor Faus­to Tama­yo und den frü­he­ren Sekre­tär des Geheim­diens­tes, sie hät­ten die Ent­füh­rer­grup­pe ange­heu­ert.

Was kann Rafa­el Cor­rea tun ?

Laut AFP ste­hen ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten im Raum. Hin­sicht­lich des Haft­be­fehls von Inter­pol hat im Fall von Rafa­el Cor­rea die bel­gi­sche Regie­rung das letz­te Wort.

Außer­dem muss der Klä­ger Bewei­se vor­le­gen, die er bis jetzt nicht prä­sen­tiert haben soll. Das Ver­fah­ren könn­te ein­ge­stellt wer­den, bevor es zum Pro­zess kommt.

Cor­rea muss sich in Ecua­dor befin­den, damit ein Straf­pro­zess durch­ge­führt wer­den kann. Nach dem dor­ti­gen Gesetz kann eine Ent­füh­rung nicht in Abwe­sen­heit ver­han­delt wer­den. Wird er nicht fest­ge­nom­men oder erscheint er nicht per­sön­lich vor Gericht, wird die Ankla­ge nach sechs Jah­ren ein­ge­stellt. Ande­rer­seits kann die Ver­tei­di­gung immer noch den Ersatz oder Wider­ruf der Unter­su­chungs­haft bean­tra­gen.

Cor­rea kann einen Asyl­an­trag in Bel­gi­en stel­len, wo er und sei­ne Fami­lie leben, sei­ne Frau ist Bel­gie­rin. Dafür muss er die ent­spre­chen­den Kri­te­ri­en erfül­len, um als poli­tisch Ver­folg­ter aner­kannt zu wer­den.

Das Law­fa­re-Insti­tut, das sich auf Fäl­le von Jus­tiz- und Medi­en­miss­brauch an öffent­li­chen Per­so­nen spe­zia­li­siert hat, prüft gegen­wär­tig den ecua­do­ria­ni­schen Fall auf Anhalts­punk­te.

Am 26. Juni inter­view­te der Jour­na­list Andrés Gil den frü­he­ren Prä­si­den­ten für das Online-Por­tal El Dia­rio in Madrid. Wir doku­men­tie­ren eini­ge Aus­zü­ge dar­aus :

Gil : “Herr Cor­rea, in den ver­gan­ge­nen Tagen hat eine Rich­te­rin in Ecua­dor sie mit der Ent­füh­rung eines Mit­glie­des der Oppo­si­ti­on im Jahr 2012 in Zusam­men­hang gebracht.”

Cor­rea : “Seit Anfang des Jah­res beschul­dig­te man mich schlech­ten Manage­ments bei Ölver­käu­fen, schlech­ter Ölver­trä­ge, uner­laub­ter Ein­fluss­nah­me, über­mä­ßi­ger Schul­den­last des Staa­tes – was kein Delikt ist, selbst wenn es stim­men wür­de — und der Ver­bin­dun­gen zur FARC-Gue­ril­la. Und weil das alles unhalt­bar war, bin ich nun ein Ent­füh­rer, nicht wahr ? (…) Was ist das Pro­blem dabei ? Sie set­zen fal­sche Zeu­gen ein, weil sie kei­ne Bewei­se haben kön­nen, weil ich nichts damit zu tun habe. Es ist schon unglaub­lich : Ein angeb­li­cher Exzess der Poli­zei 2012 in Kolum­bi­en, und der Prä­si­dent Ecua­dors ist schuld. Das Opfer hat 2013 eine Anzei­ge erstat­tet, jedoch nicht gegen mich. Aber nun sahen sie die Gele­gen­heit, die Sache gegen den frü­he­ren Prä­si­den­ten zu wen­den.”

Des Wei­te­ren kri­ti­siert Cor­rea, dass Staats­an­walt­schaft und Rich­ter Teil der Haus­macht des neu­en Prä­si­den­ten Lenín More­no sei­en. Sie sei­en “per Fin­ger­zeig” ein­ge­setzt wor­den. Im Anschluss an das von More­no 2017 durch­ge­führ­ten Refe­ren­dum hat die neue Regie­rung zahl­rei­che regu­lär bis 2020 amtie­ren­de Ver­tre­ter der Jus­tiz vor­zei­tig aus­ge­wech­selt. More­no setz­te deren ver­fas­sungs­kon­for­mes Beru­fungs­sys­tem “vor­über­ge­hend” bis 2019 außer Kraft.

Mehr zum The­ma — Volks­be­fra­gung in Ecua­dor : Poli­ti­scher Rich­tungs­wech­sel der neu­en Regie­rung von Lenin More­no

Cor­rea wei­ter : “Die inter­na­tio­na­le Dop­pel­mo­ral spielt dabei eine Rol­le. Wenn das, was mit (Bra­si­li­ens Ex-Prä­si­den­ten) Lula läuft, mit einem vene­zo­la­ni­schen Oppo­si­tio­nel­len pas­sie­ren wür­de, hät­ten sie schon in Vene­zue­la inter­ve­niert. Aber in mei­nem Fall, wo sie in weni­gen Mona­ten fünf oder sechs Straf­pro­zes­se ein­ge­lei­tet haben, (…) da pas­siert nichts. Denn hier geht man gegen lin­ke poli­ti­sche Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten vor. Es gibt eine gewal­ti­ge inter­na­tio­na­le Dop­pel­mo­ral.

Stel­len Sie sich die­se Demü­ti­gung vor ! Sie wis­sen, dass ich in Bel­gi­en woh­ne. Schau­en Sie sich den recht­li­chen Wider­spruch an ! Die Staats­an­walt­schaft for­der­te, ich sol­le mich regel­mä­ßig, noch nicht ein­mal alle 15 Tage, in einer diplo­ma­ti­schen Nie­der­las­sung in Bel­gi­en oder in Euro­pa mel­den. Und die Rich­te­rin geht weit dar­über hin­aus. Sie will, dass ich mich alle 15 Tage in Ecua­dor vor­stel­le, obwohl sie weiß, dass ich in Bel­gi­en woh­ne.

Wozu for­dert sie von mir etwas, das ich nicht erfül­len kann ? Um zu sagen, dass ich der Anord­nung nicht Fol­ge leis­te, und sie somit eine Gefäng­nis­stra­fe bean­tra­gen kann. Sie ver­su­chen, mich inter­na­tio­nal zu demü­ti­gen. Obwohl ich glau­be, dass die Gede­mü­tig­ten schließ­lich sie selbst sein wer­den, weil in kei­nem Land mit Insti­tu­tio­na­li­tät ein sol­cher Haft­be­fehl akzep­tiert wer­den kann, eine Aus­lie­fe­rung, mit solch einer kla­ren poli­ti­schen Ver­fol­gung.

Die spa­ni­sche Regie­rung, Euro­pa, hat in den Ver­trä­gen mit Ecua­dor, mit Latein­ame­ri­ka, Demo­kra­tie­klau­seln und Men­schen­rechts­klau­seln unter­schrie­ben. Sie kön­nen jetzt fol­gen­de Fra­gen stel­len : Mit wel­chem ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ver­fah­ren wur­de der Staats­an­walt ins Amt beru­fen, der heu­te die poli­ti­sche Oppo­si­ti­on die­ser Regie­rung ver­folgt ?

Wo ist die ver­fas­sungs­ge­mä­ße Ernen­nung des Staats­an­wal­tes, der mich hin­ter Git­ter brin­gen will ? Wo ist die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ernen­nung des Jus­tiz­ra­tes, der das gesam­te Rechts­sys­tem in Ecua­dor hand­habt ? Wie kann es einen gerech­ten Pro­zess geben ? Das ist ein kla­rer Fall von law­fa­re, die Poli­tik wird zur Jus­tiz gemacht.”

Cor­rea wol­le Bel­gi­en vor­läu­fig nicht ver­las­sen, da sei­ne 21-jäh­ri­ge Toch­ter vor kur­zem einen schwe­ren Ver­kehrs­un­fall gehabt habe und zwei­mal ope­riert wor­den sei. “Mei­ne Fami­lie braucht mich, ich kann sie jetzt nicht allein las­sen“, erklär­te er über Twit­ter.

RT Deutsch


Ecuadors Präsident Rafael Correa ruft Mitbürger zu Anti-Oppositions-Demo auf


Preview Der ecua­do­ria­ni­sche Prä­si­dent Rafa­el Cor­rea hat sei­ne Mit­bür­ger auf­ge­ru­fen, auf die Stra­ßen der Haupt­stadt Qui­to zu gehen, um gegen die Oppo­si­ti­on zu demons­trie­ren, berich­tet der Fern­seh­sen­der Tele­SUR. Die mas­sen­haf­te Kund­ge­bung ist für den kom­men­den Sams­tag geplant. Somit will Rafa­el Cor­rea von der Oppo­si­ti­on for­dern, die Ergeb­nis­se der Prä­si­dent­schafts­wah­len am 2. April zu respek­tie­ren.
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