Wird die Krim bald eine Vorzeigeregion ? Russland und die Krim fünf Jahre nach der Wiedervereinigung


Vor fünf Jah­ren, am 18. März 2014 unter­schrie­ben der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin, die Par­la­ments- und Regie­rungs­chefs der Auto­no­men Repu­blik Krim sowie der Vor­sit­zen­de des Koor­di­na­ti­ons­rats der Stadt Sevas­to­pol in einer fei­er­li­chen Atmo­sphä­re in Mos­kau “das Abkom­men zwi­schen der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on und der Repu­blik Krim über die Auf­nah­me der Repu­blik Krim in die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on und die Bil­dung der neu­en Sub­jek­te auf dem Gebiet der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on”. Zwei Tage zuvor hat­ten die Ein­woh­ner der Krim in einem Refe­ren­dum ihren Wunsch erklärt, sich von der Ukrai­ne abspal­ten zu wol­len. Vor zwei Jah­ren rekon­stru­ier­te RT die Ereig­nis­se, die dazu geführt hat­ten, in einem Rück­blick.

Die­se Ereig­nis­se wer­te­ten die west­li­chen Staa­ten als Akt mili­tä­ri­scher Aggres­si­on von­sei­ten Russ­lands gegen­über der Ukrai­ne – dem Staat, zu dem die Halb­in­sel seit dem Zer­fall der UdSSR im Jahr 1991, weit­ge­hend wider­wil­lig, gehör­te. In den USA ist es nun per Gesetz ver­bo­ten, die Zuge­hö­rig­keit der Krim zu Russ­land anzu­er­ken­nen. Noch ehe das Krim-Refe­ren­dum am 16. März statt­fin­den konn­te, began­nen die USA und die EU damit, Sank­tio­nen gegen die Krim zu ver­hän­gen. In nur weni­gen Wochen umfass­ten sie wei­te Berei­che des Ban­ken- und Indus­trie­sek­tors sowie Sport und Tou­ris­mus. Außer­dem schränk­ten sie die Bewe­gungs­frei­heit der Krim-Ein­woh­ner erheb­lich ein, indem es Kon­su­la­ten expli­zit ver­bo­ten wur­de, Krim-Bewoh­nern US-und Schen­gen-Visa außer­halb der Ukrai­ne zu ertei­len. Seit­dem gehö­ren die Krim-Sank­tio­nen zu einem fes­ten Bestand­teil der west­li­chen Poli­tik. 

In den Jah­ren 2014 und 2015 wur­de in Russ­land und im Wes­ten ange­sichts die­ser Blo­cka­de-Poli­tik viel dar­über spe­ku­liert, ob Russ­land nicht einen “zu hohen Preis” für die Wie­der­ver­ei­ni­gung mit der Krim bezah­len wür­de. Man pro­phe­zei­te eine lan­ge Sta­gna­ti­on auf der Halb­in­sel. 2014 sperr­te die Ukrai­ne die Was­ser­zu­fuhr auf die Krim aus dem Fluss Dnjepr über den Nord-Krim-Kanal. Ende Novem­ber 2015 spreng­ten ukrai­ni­sche Natio­na­lis­ten die Strom­mas­ten kurz vor der Gren­ze zur Krim, was zu einem mehr­tä­gi­gen Black­out in vie­len Tei­len der Halb­in­sel führ­te. Zu den west­li­chen Sank­tio­nen kamen damit die Was­ser-, Trans­port- und Ener­gie­blo­cka­den hin­zu, was Russ­land zu einem schnel­le­ren Auf­bau einer von der Ukrai­ne unab­hän­gi­gen Infra­struk­tur ver­an­lass­te.

Mehr zum The­ma — Exper­te des Euro­pa-Insti­tuts : Wir soll­ten end­lich über rechts­wid­ri­ge Auf­lö­sung der UdSSR spre­chen

Wird die Krim bald eine Vorzeigeregion? Russland und die Krim fünf Jahre nach der Wiedervereinigung
Nach wie vor Tou­ris­ten-Magnet : die Res­te der genue­si­schen Fes­tung in Sudak im öst­li­chen Teil der Halb­in­sel

Infol­ge der Sank­tio­nen muss­te die rus­si­sche Bil­lig­flug­li­nie Dob­rol­jot, eine 100-pro­zen­ti­ge Aero­flot-Toch­ter, nach ihren zwei Flü­gen nach Sim­fero­pol ihren Betrieb ein­stel­len. Bis heu­te ver­mei­den es die gro­ßen rus­si­schen Ban­ken, Filia­len auf der Krim zu eröff­nen. Im Jahr 2017 ging Sie­mens wegen der Ver­le­gung der vier Sie­mens-Kraft­werks­tur­bi­nen gegen sei­ne rus­si­schen Part­ner vor Gericht. Der Skan­dal um die angeb­li­che ver­trags­wid­ri­ge Lie­fe­rung bewirk­te neue EU-Sank­tio­nen gegen die Halb­in­sel.

Doch das Stim­mungs­ba­ro­me­ter unter den Ein­woh­nern zeigt : Die anfäng­li­che Eupho­rie nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung mit Russ­land ist zwar ver­flo­gen, die Rich­tig­keit der dama­li­gen Ent­schei­dung wird jedoch kaum ange­zwei­felt. Das liegt nicht zuletzt dar­in begrün­det, dass Russ­land seit fünf Jah­ren trotz Kri­sen­er­schei­nun­gen in der eige­nen Wirt­schaft sicht­bar dar­um bemüht ist, die Krim in eine Vor­zei­ge­re­gi­on umzu­wan­deln.

Zu den gro­ßen Infran­st­uk­tur­pro­jek­ten gehört vor allem der Bau der 19 Kilo­me­ter lan­gen Krim-Brü­cke, die längs­te Brü­cke Euro­pas, zum rus­si­schen Fest­land. Im Mai 2018 wur­de die Auto­stra­ße über die Brü­cke bereits in Betrieb genom­men. Im lau­fen­den Jahr wird auch die Eisen­bahn­ver­bin­dung fer­tig­ge­stellt. Nun kön­nen bis zu 40.000 Autos an einem Tag die Brü­cke über­que­ren – vier­mal mehr als mit der Fäh­re.

Mehr zum The­ma — Krim : Tou­ris­ten aus mehr als hun­dert Län­dern besu­chen die Halb­in­sel im Jahr 2018

Wird die Krim bald eine Vorzeigeregion? Russland und die Krim fünf Jahre nach der Wiedervereinigung

Fast gleich­zei­tig mit der Brü­cke hat auch der neue Flug­ha­fen-Ter­mi­nal in Sim­fero­pol im April 2018 sei­nen Betrieb auf­ge­nom­men. Der Flug­ha­fen kann bis zu 200 Flü­ge am Tag und 6,5 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re pro Jahr abfer­ti­gen. Dies zahl­te sich bereits im glei­chen Jahr mit über 5 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren aus.

Auch die neue West-Ost-Auto­bahn “Tawri­da” gehört zu den gro­ßen Pres­ti­ge-Pro­jek­ten auf der Krim. Mit zwei neu­en Wär­me­kraft­wer­ken konn­te die Halb­in­sel die Ener­gie­ab­hän­gig­keit von der Ukrai­ne end­gül­tig über­win­den. Die ver­bes­ser­te Infra­struk­tur beför­der­te auch einen Tou­ris­mus-Auf­schwung. Im Jahr 2018 besuch­ten 6,8 Mil­lio­nen Men­schen die Halb­in­sel – 28 Pro­zent mehr als im Vor­jahr.

Die Pro­duk­ti­ons­vo­lu­men haben sich in den letz­ten fünf Jah­ren ver­dop­pelt. Nach Anga­ben des Repu­blik­chefs Ser­gej Aks­jo­now sind die Steu­er­ab­ga­ben im Ver­gleich mit der ukrai­ni­schen Peri­ode um das Zwei­ein­halb­fa­che gewach­sen. Im letz­ten Jahr betru­gen sie 54,8 Mil­li­ar­den Rubel.

Den­noch, Russ­land plant künf­tig noch mehr in die Krim zu inves­tie­ren. In den nächs­ten drei Jah­ren wer­den 309,5 Mil­li­ar­den Rubel (4,2 Mil­li­ar­den Euro) aus dem rus­si­schen Haus­halt in die sozi­al-öko­no­mi­sche Ent­wick­lung der Krim flie­ßen. Im Staats­rat der Repu­blik Krim, die nun zum Süd-West­li­chen Föde­ra­len Bezirk der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on gehört, ist man sich sicher, dass die­se Finanz­sprit­zen das Fun­da­ment dafür bil­den, spä­tes­tens ab dem Jahr 2030 zu einer rus­si­schen Geber-Regi­on zu wer­den. Bis­lang ist die Krim auf die Sub­ven­tio­nen aus dem föde­ra­len Zen­trum ange­wie­sen.

Mehr zum The­ma — Inter­view mit Krim­ta­ta­ren-Ver­tre­ter : “Putin gab uns unse­re Rech­te, nicht die Ukrai­ne” — Teil 1

Wird die Krim bald eine Vorzeigeregion? Russland und die Krim fünf Jahre nach der Wiedervereinigung
Krim-Brü­cke, die längs­te Brü­cke Euro­pas

Die Ver­bes­se­run­gen las­sen sich nicht nur mit Makro-Zah­len erfas­sen. In den letz­ten Wochen sorg­te eine unab­hän­gi­ge vier­tei­li­ge Vor­ort-Recher­che aus der Ukrai­ne für Auf­se­hen. Die Jour­na­lis­tin des Por­tals strana.ua, Oles­ja Med­we­de­wa, wies die gän­gi­ge Vor­stel­lung zurück, dass die Prei­se auf der “rus­si­schen Krim” nun höher als in der Ukrai­ne sei­en : Alles sei unter­schied­lich. Es gebe Waren, die auf der Krim teu­rer sei­en, zugleich gebe es aber Sachen, die wie­der­um weni­ger kos­ten wür­den.

So sei­en Ben­zin sowie Woh­nungs- und Kom­mu­nal­dienst­leis­tun­gen (ins­be­son­de­re Hei­zung) auf der Krim güns­ti­ger als in der Ukrai­ne. Die Löh­ne und die Ren­ten sei­en wie­der­um höher. Zugleich wies die ukrai­ni­sche Jour­na­lis­tin dar­auf hin, dass vie­le inter­na­tio­na­le und sogar rus­si­sche Unter­neh­men wegen der west­li­chen Sank­tio­nen an der Arbeit auf der Krim gehin­dert wür­den.

Laut der Repor­te­rin, die zu Anfang ihrer Recher­che vor der Kame­ra klar stell­te, sie hal­te die Anglie­de­rung der Krim an Russ­land nach wie vor für eine Anne­xi­on, unter­stützt mit 70 Pro­zent die Mehr­heit der Krim-Bevöl­ke­rung tat­säch­lich die Wie­der­ver­ei­ni­gung mit Russ­land :

Wenn es eine Sehn­sucht nach der Ukrai­ne gäbe, dann nur nach der Ukrai­ne, wie sie vor dem Jahr 2013 gewe­sen ist. “Und es liegt nicht ein­mal an den Löh­nen, son­dern dar­an, dass die Ukrai­ne mit ihren heu­ti­gen Hel­den und Wer­ten für die Krim-Bewoh­ner ein frem­des Land ist”.

Russ­land habe sich nach fünf Jah­ren auf der Krim “end­gül­tig ein­ge­nis­tet”, bilan­zier­te die Jour­na­lis­tin.

Im Gespräch mit RT Deutsch wies der rus­si­sche Poli­ti­lo­ge Dmi­tri Kuli­kow dar­auf hin, dass der Wunsch der Krim-Bewoh­ner nach einer Anglie­de­rung an Russ­land nicht aus einer Kos­ten-Nut­zen-Über­le­gung her­aus ent­stan­den sei, obwohl dies vie­le mate­ri­el­le Ver­bes­se­run­gen für sie bedeu­te­te. Dies sei viel­mehr ein Akt der poli­ti­schen Selbst­be­stim­mung gewe­sen. Der Mut der Bür­ger der Krim habe sich auch auf ganz Russ­land aus­ge­wirkt, was dabei gehol­fen habe, sich dem Druck von­sei­ten der west­li­chen Staa­ten erfolg­reich zu wie­der­set­zen. 

RT Deutsch


Liberale gegen Konservative : Eine US-Hochschule und Streit um mehr ideologische Vielfalt (Video)


Mehr zum The­ma — Schmier­geld für einen Stu­di­en­platz : Skan­dal um Auf­nah­me in US-Éli­te-Uni­ver­si­tä­ten

Der kon­ser­va­ti­ve Aka­de­mi­ker Samu­el J. Abrams warf sei­ner Cam­pus­ver­wal­tung in besag­tem Arti­kel lin­ke Vor­ein­ge­nom­men­heit vor. Die Stu­den­ten ver­lan­gen, die Finan­zie­rung des Pro­fes­sors zu strei­chen. Inzwi­schen haben sie auch wei­te­re For­de­run­gen an die Uni­ver­si­täts­ver­wal­tung gestellt.

RT Deutsch


Orbán und EU : Zwist wegen Kampagne gegen Juncker – Ungarn plant eine weitere Aktion


Das Mot­to der Kam­pa­gne lau­tet “Auch Sie haben ein Recht zu erfah­ren, was Brüs­sel vor­be­rei­tet”. In klei­ne­rer Schrift heißt es dann unter ande­rem wei­ter : “Sie wol­len eine ver­pflich­ten­de Flücht­lings­quo­te ein­füh­ren. Sie wol­len das Recht der Mit­glieds­staa­ten auf Grenz­schutz schwä­chen. Mit Migran­ten­vi­sa wol­len sie die Ein­wan­de­rung erleich­tern. Sie wol­len den Län­dern, die sich der Ein­wan­de­rung wider­set­zen, die Mit­tel kür­zen.” 

Seit mitt­ler­wei­le zwei Wochen sind lan­des­weit in Ungarn Pla­ka­te zu sehen, auf denen der EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Jean-Clau­de Juncker mit dem US-Mil­li­ar­där Geor­ge Soros abge­bil­det ist. Durch die Kam­pa­gne wird der Vor­wurf laut, die bei­den Män­ner wür­den die ille­ga­le Ein­wan­de­rung nach Euro­pa för­dern. Initi­iert hat die Akti­on Fidesz, die Par­tei des Minis­ter­prä­si­den­ten Vik­tor Orbán.

Die EU-Kom­mis­si­ons­spre­cher Mar­ga­ri­tis Schi­nas zeig­te sich kurz nach dem Start der Kam­pa­gne fas­sungs­los und der Prä­si­dent der Euro­päi­schen Volks­par­tei (EVP), der auch Fidesz ange­hört, Joseph Daul, sprach von einer “Ver­leum­dung” Junckers. Die EU-Kom­mis­si­on selbst ver­öf­fent­lich­te ein mehr­sei­ti­ges Infor­ma­ti­ons­blatt – sowohl auf Eng­lisch als auch auf Unga­risch – mit dem die Behaup­tun­gen wider­legt wer­den sol­len.

Ende März endet die Anti-Juncker-Kam­pa­gne – dann star­tet eine neue 

Der EVP-Frak­ti­ons­chef Man­fred Weber (CSU) sag­te zuletzt in einem Inter­view dem Maga­zin Der Spie­gel, Vik­tor Orbán habe mit sei­nen Äuße­run­gen und sei­ner Pla­kat­ak­ti­on der EVP “schwer gescha­det”. Weber erwar­te nun von ihm, “dass er sich dafür ent­schul­digt und die Akti­on been­det”. Doch der rechts-natio­na­le unga­ri­sche Regie­rungs­chef und sei­ne Par­tei kün­dig­ten eine wei­te­re Anti-Brüs­sel-Kam­pa­gne an. Die gegen EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Juncker soll am 15. März zu Ende gehen. Und dann soll eine neue star­ten – dies­mal gegen den Vize­chef der EU-Kom­mis­si­on, Frans Tim­mermans. Der Nie­der­län­der ist Spit­zen­kan­di­dat der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Euro­pas (SPE) für den Pos­ten des Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten. 

In einem Inter­view mit der Welt am Sonn­tag ver­tei­dig­te Orbán die Akti­on gegen den amtie­ren­den EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten :

Jean-Clau­de Juncker ist ein net­ter Mensch. So nett, dass man ihm auch die alberns­ten und dümms­ten Ges­ten ver­zeiht, die er macht. Ich bin zwar ein Stra­ßen­kämp­fer, aber zwi­schen mir und Juncker besteht kei­ner­lei per­sön­li­che­re Abnei­gung. Mir gefal­len aller­dings sei­ne Ansich­ten nicht, vor allem sei­ne Annä­he­rung an sozia­lis­ti­sche Wirt­schafts­po­li­tik und sei­ne För­de­rung der Ein­wan­de­rung.

Junckers Ver­such, die Fidesz aus der EVP zu wer­fen, war laut Orbán “eine per­sön­li­che Illoya­li­tät”. Wei­ter sag­te der unga­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent : “Nie­mand kann von uns ver­lan­gen, dass wir auf Illoya­li­tät nicht ant­wor­ten, auch wenn es die Illoya­li­tät eines so net­ten Men­schen ist.” 

Auch Tim­mermans soll auf den Pla­ka­ten gemein­sam mit dem US-Mil­li­ar­där Soros zu sehen sein. 

Die Rol­le von Soros für die euro­päi­sche Poli­tik kann nicht über­gan­gen wer­den, und ein jeder hat das Recht dar­auf zu erfah­ren, dass Tim­mermans ein­ge­stan­den­er­wei­se sein Ver­bün­de­ter ist”, sag­te Orban wei­ter im Inter­view. 

Sei­ne Geg­ner in der EVP bezeich­ne­te Orban als “nütz­li­che Idio­ten”, die ledig­lich das Geschäft der Schwä­chung des kon­ser­va­ti­ven Par­tei­en­ver­bun­des betrei­ben wür­den. Den even­tu­el­len Aus­schluss aus der EVP bezeich­ne­te er als “kei­ne ratio­na­le Alter­na­ti­ve”. Ein sol­cher wür­de nur den Inter­es­sen ihrer Geg­ner die­nen.

Mehr zum The­ma — Kei­ne Migra­ti­on, son­dern mehr unga­ri­sche Kin­der : Finan­zi­el­le Anrei­ze für mehr Gebur­ten in Ungarn

RT Deutsch


Masha Gessens “Die Zukunft ist Geschichte” — Eine Buchkritik


von Gert Ewen Ungar

Dar­an ist zwar nahe­zu alles falsch, aber folg­lich passt sie ins eta­blier­te Nar­ra­tiv des Wes­tens. Bereits im Dezem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res brach­te der Spie­gel in sei­ner Print­aus­ga­be ein Inter­view mit Masha Ges­sen. Als Autorin des Buches “Die Zukunft ist Geschich­te. Wie Russ­land die Frei­heit gewann und ver­lor” gilt sie nicht nur dem Spie­gel als Exper­tin für die poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on. Masha Ges­sen wur­de in der Sowjet­uni­on gebo­ren, lebt inzwi­schen aber (wie­der) in den USA und hat sowohl die US-ame­ri­ka­ni­sche als auch die rus­si­sche Staats­bür­ger­schaft.

Masha Ges­sen gehört zu einem bestimm­ten Typus rus­si­scher Intel­lek­tu­el­ler. Ihre ideo­lo­gi­sche Leit­li­nie ist der Libe­ra­lis­mus, ihr indi­vi­du­el­les Geschäfts­mo­dell besteht im Bedie­nen von im Wes­ten eta­blier­ten Kli­schees und Vor­ur­tei­len über Russ­land als “Exper­tin”. Zuge­spitzt : Ges­sen schreibt, was trans­at­lan­tisch ori­en­tier­te Blät­ter wie der Spie­gel hören, also dru­cken und lesen las­sen wol­len.

Dafür bekommt Ges­sen in die­sem Jahr den “Leip­zi­ger Buch­preis zur Euro­päi­schen Ver­stän­di­gung” ver­lie­hen. Die Ent­schei­dung des Kura­to­ri­ums, dem – neben der Stadt Leip­zig und der Mes­se Leip­zig — das Säch­si­sche Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst und der Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels ange­hö­ren, ist ange­sichts des Namens des Prei­ses eini­ger­ma­ßen erstaun­lich, denn der Ver­stän­di­gung dient “Die Zukunft ist Geschich­te” jetzt in gar kei­nem Fall, die­ses Buch dient viel­mehr dem geis­ti­gen Mau­er­bau.

Das Buch Ges­sens beginnt mit einer Anma­ßung. Die Autorin ver­spricht ihren Lesern, das gan­ze Bild zu zei­gen, nicht einen blo­ßen Aus­schnitt aus der rus­si­schen Lebens­wirk­lich­keit. An die­sem Ver­spre­chen muss sich das Buch dann auch mes­sen las­sen, und an die­sem Ver­spre­chen schei­tert Ges­sen kläg­lich.

Anhand von sie­ben Inter­views will Ges­sen die Ent­wick­lung der spä­ten Sowjet­uni­on bis in die Gegen­wart unter Putin nach­zeich­nen. Ihre Leit­li­nie ist der Begriff des “Homo Sovie­ti­cus”, einer Wort­schöp­fung, wel­cher sich auch der rus­si­sche Sozio­lo­ge Juri Lewa­da bedient hat. Der Begriff ist wenig schmei­chel­haft, denn er beschreibt einen oppor­tu­nis­ti­schen Men­schen, der nach Sicher­heit strebt, kla­re Hier­ar­chi­en liebt, kor­rup­te Struk­tu­ren dul­det und indi­vi­du­el­le Frei­heit zuguns­ten von Sicher­heit auf­gibt. Sein Anti­po­de ist der “Homo Oeco­no­mi­cus”, der aus­schließ­lich sei­nen per­sön­li­chen Nut­zen maxi­mie­ren will. Das Pro­blem bei­der Model­le ist, dass sie in ihrer Schlicht­heit zur Beschrei­bung mensch­li­chen Han­delns nicht tau­gen, denn die Moti­va­ti­on für Hand­lun­gen ist zwei­fel­los komplex(er). Wäh­rend die Main­stream-Öko­no­mie gera­de mit dem Modell “Homo Oeco­no­mi­cus” an der Rea­li­tät schei­tert, schei­tert Ges­sen an der Deu­tung der Ent­wick­lun­gen in Russ­land mit ihrem all­zu sim­pel gera­te­nen Per­sön­lich­keits-Modell.

Für Masha Ges­sen ist die Sehn­sucht nach Auto­ri­tät und Füh­rung, die Sehn­sucht nach Sicher­heit und Sta­bi­li­tät für einen kur­zen his­to­ri­schen Moment unter Jel­zin abge­löst wor­den von Frei­heit. Die­se Frei­heit lern­ten die Rus­sen jedoch nicht zu leben und wand­ten sich wie­der der Suche nach Sicher­heit und Sta­bi­li­tät zu. Putin sei dar­auf die Ant­wort.

Mehr zum The­ma — Doch kei­ne Erfolgs­ge­schich­te : Das Schei­tern des Libe­ra­lis­mus

Ges­sen ver­steigt sich zu die­ser The­se, die sie dann doch nicht bele­gen kann. So behaup­tet sie bei­spiels­wei­se, die Ungleich­heit zu Zei­ten der Sowjet­uni­on sei grö­ßer gewe­sen als in den neo­li­be­ra­len Jah­ren Jel­zins, sie sei in der Ära Jel­zins nur sicht­ba­rer gewe­sen.

Aller­dings waren die struk­tu­rel­len Ungleich­hei­ten nicht mehr so gut abge­schirmt wie zu Sowjet­zei­ten”, schreibt Ges­sen. “Die Leu­te beka­men jetzt mit, wenn jemand wohl­ha­bend war — schon, weil die alten, gehei­men Ver­teil­zen­tren schlos­sen und die Rei­chen sehr viel eher dort ein­kauf­ten, wo es die ande­ren auch taten.

Gene­rell hät­ten sich die Men­schen in der Jel­zin-Ära nur arm gefühlt. Das ist zynisch. Der Zusam­men­bruch der rus­si­schen Öko­no­mie ist kei­ne aus­ge­dach­te Geschich­te, der Staats­bank­rott kei­ne Erfin­dung, die Abnah­me der Lebens­er­war­tung war bit­te­re Rea­li­tät.

Spä­ter gesteht Ges­sen zu, dass es zu Fehl­ent­wick­lun­gen gekom­men sei, außer in der Stadt Nish­ni Now­go­rod. Dort wur­de das neo­li­be­ra­le Pro­gramm vor­bild­lich und zum Nut­zen aller umge­setzt, ver­si­chert uns die Autorin. Der dafür ver­ant­wort­li­che Gou­ver­neur war der spä­ter ermor­de­te Boris Nem­zow. Bei einem Besuch der Stadt äußert sich selbst die Bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin Mar­ga­ret That­cher aner­ken­nend, der Käse aus einem eigen­tü­mer­ge­führ­ten Käse­la­den schmeckt ihr. Ja, an man­chen Stel­len ist das Buch unfrei­wil­lig komisch. Boris Nem­zow wird im Buch zur ver­klär­ten Iko­ne der rus­si­schen Oppo­si­ti­on. In der rea­len Welt jedoch ist Nem­zow poli­tisch geschei­tert. Sei­ne Kar­rie­re war ein bestän­di­ger Abstieg in die abso­lu­te Bedeu­tungs­lo­sig­keit. Bei Ges­sen bleibt er — dem west­li­chen Kli­schee ent­spre­chend — ein her­aus­ra­gen­der, visio­nä­rer Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker. Ent­spre­chend sug­ge­riert sie, Putin, der auch etwas von Hit­ler habe, sei in die Ermor­dung ver­strickt. Ja, es stimmt, es ist abso­lut niveau­los, was das Buch an zahl­rei­chen Stel­len dem Leser zumu­tet. Prei­se bekommt man für solch einen Unsinn nur noch in dem sich jeder rus­si­schen Rea­li­tät ver­wei­gern­den Wes­ten.

Ges­sen ist durch und durch einem neo­li­be­ra­len Welt­bild ver­pflich­tet. Die Schuld, die Russ­land auf sich gela­den hat, ist folg­lich die Abkehr vom neo­li­be­ra­len Modell. Dass Putin Pri­va­ti­sie­rung rück­gän­gig gemacht hat, dass unter ihm die schlimms­ten Aus­wir­kun­gen des Neo­li­be­ra­lis­mus gemin­dert, die finanz­ka­pi­ta­lis­ti­schen Umtrie­be zuguns­ten real­wirt­schaft­li­chen Wachs­tums ein­ge­dämmt wur­den, ist in den Augen von “Libe­ra­len” wie Ges­sen sein größ­tes Ver­bre­chen. Genau die­se zer­stö­re­ri­schen Umtrie­be eines ent­fes­sel­ten Finanz­ka­pi­ta­lis­mus aber sind es, die sie meint, wenn sie von “Frei­heit” spricht. Sie meint die Frei­heit des Mark­tes, nicht die der Men­schen. Die­se ver­que­re Logik hat sie mit den west­li­chen Kri­ti­kern rus­si­scher Poli­tik gemein. Nun ist die Poli­tik unter Putin recht erfolg­reich. Die Lebens­qua­li­tät steigt. Da hilft nur noch leug­nen und ver­leum­den.

Wäh­rend es in den Neun­zi­ger Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts so war, dass Besu­cher aus Russ­land stau­nend in west­li­chen Ein­kaufs­zen­tren stan­den und die far­bi­ge Wun­der­welt west­li­cher Waren­pa­ra­die­se bewun­der­ten, ist die Situa­ti­on inzwi­schen anders­her­um. Der west­li­che Besu­cher steht in Russ­land und wun­dert sich, was alles mög­lich ist.

Aber weil nicht sein kann, was nicht sein darf, greift Ges­sen zu unlau­te­ren Mit­teln. Sie schließt sich kom­plett der in libe­ra­len Think-Tanks erdach­ten Erzäh­lung über Russ­land an, in dem bür­ger­li­che Frei­hei­ten angeb­lich ein­ge­schränkt wer­den, wobei sich das Land impe­ri­al aus­deh­nen möch­te. Um die­ses Bild auf­recht zu erhal­ten, ver­schweigt sie, beugt und leug­net sie Fak­ten. Je wei­ter sich das Buch der Gegen­wart nähert, des­to vehe­men­ter — aller­dings auch des­to auf­fal­len­der.

Ein Bei­spiel : Die west­lich-libe­ra­le Lieb­lings­sor­ge ist die Sor­ge um das Wohl von Schwu­len und Les­ben in Russ­land. Hier bedient Ges­sen das Kli­schee vom homo­pho­ben Russ­land. Im Kon­text der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem deut­schen Sozio­lo­gen Andre­as Umland mit dem rus­si­schen Phi­lo­so­phen Alex­an­der Dugin zitiert sie aus der Online-Zeit­schrift evrazia.org. Dort soll es hei­ßen “Wie wir aus der Sta­tis­tik wis­sen, sind sech­zig Pro­zent der Homo­se­xu­el­len mit HIV infi­ziert.” Das ist natür­lich auf den ers­ten Blick gro­ber Unfug, aber der unbe­darf­te Leser fühlt sich in sei­nem Vor­ur­teil bestä­tigt, in Russ­land gras­sie­re die Homo­pho­bie und wür­den Falsch­in­for­ma­tio­nen ver­brei­tet.

Das Pro­blem ist nur : das Zitat ist falsch über­setzt. Im Ori­gi­nal heißt es, dass sech­zig Pro­zent der im Wes­ten HIV-Infi­zier­ten homo­se­xu­ell sind. Und das ent­spricht den Fak­ten. Man kann sich jetzt noch dar­über strei­ten, ob das Attri­but homo­se­xu­ell rich­tig ist, oder ob es poli­tisch kor­rek­ter nicht “Män­ner, die Sex mit Män­nern haben” hei­ßen muss, aber die Zahl stimmt. Es ist eben kein Zei­chen für homo­pho­be Ent­wick­lun­gen in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on. Nun ist Ges­sen aller­dings Mut­ter­sprach­le­rin. Soll­te man böse Absicht ver­mu­ten ?

Das ist nur ein Bei­spiel von vie­len. Der Anmer­kungs­ap­pa­rat des Buches ist umfang­reich, aller­dings ist er auch kata­stro­phal schlecht. Eini­ge Links füh­ren ins Nir­gend­wo oder zu einer Unmen­ge Text, in der sich die jewei­li­ge Behaup­tung nicht fin­den lässt. Es bleibt das Gefühl, die Anmer­kun­gen sol­len Bele­ge vor­täu­schen, wo in Wirk­lich­keit die Fak­ten feh­len.

Auf die­se Wei­se wird eigent­lich alles belegt, wor­an der Wes­ten ger­ne glaubt. Russ­land habe den Krieg gegen Geor­gi­en begon­nen, bei­spiels­wei­se. Dass das nicht stimmt, hat sogar die wohl russ­land­freund­li­cher Umtrie­be völ­lig unver­däch­ti­ge EU fest­ge­stellt.

Russ­land führt Krieg in der Ukrai­ne. Dass die von der OSZE geführ­te “Ukrai­ni­an Moni­to­ring Mis­si­on” täg­lich zu einem ande­ren Ergeb­nis kommt — Ges­sen erwähnt es nicht. Die mas­si­ve Ein­mi­schung der USA bei der Wahl Jel­zins taucht bei Ges­sen mit kei­nem Wort auf. Äuße­re Ein­flüs­se, auf die Russ­land reagie­ren muss, gibt es bei Ges­sen ohne­hin prak­tisch kei­ne. Sie zeich­net Russ­land als ein­sa­me geo­po­li­ti­sche Insel, die in einem poli­tisch stil­len Oze­an völ­lig unbe­hel­ligt vor sich hin düm­pelt und sich auf­grund der Unfä­hig­keit sei­ner Bür­ger, Frei­heit zu ertra­gen, ins Tota­li­tä­re wen­det. Die Erzäh­lung Ges­sens wird der tat­säch­li­chen poli­ti­schen Dyna­mik in kei­ner Wei­se gerecht.

Ges­sen zeich­net nicht wie ver­spro­chen das gan­ze Bild, son­dern skiz­ziert einen klei­nen Aus­schnitt, der so zurecht­ge­schnit­ten ist, dass er Kli­schees bedient.

Damit wird Masha Ges­sen selbst zur tra­gi­schen Figur. Sie lie­fert sich selbst dem Nar­ra­tiv aus, das sie mit ihrem Buch bedient. Wür­de sie davon abwei­chen, wür­de sie unmit­tel­bar unter­ge­hen. Solch ein Exem­pel wur­de gera­de am Regis­seur And­rei Nekras­sow exe­ku­tiert, der es gewagt hat, mit sei­nem Doku­men­tar­film “Der Fall Magnitz­ki” die Erzäh­lung vom kor­rup­ten, auto­ri­tä­ren Sys­tem Putin infra­ge zu stel­len. Bis dahin im Wes­ten hoch­ge­schätz­ter, russ­land-kri­ti­scher Fil­me­ma­cher, ist er inzwi­schen fak­tisch arbeits­los und iso­liert.

Masha Ges­sen weiß das sicher­lich. Sie weiß, sie muss das Nar­ra­tiv bedie­nen und es mit Relo­ti­us-Geschich­ten fül­len. Und genau das macht sie. Sie tut es nach­weis­lich. Zu jenem Zeit­punkt, als sie über das gegen­wär­ti­ge Mos­kau schreibt “Alles Grün war aus den Stra­ßen der Stadt ver­schwun­den. Sie bestand nur noch aus Stein­flä­chen und rech­ten Win­keln. Mos­kau hat­te jetzt die Flä­chen­auf­tei­lung und Beschaf­fen­heit eines Fried­hofs.”, zu gera­de die­sem Zeit­punkt eröff­net im Zen­trum von Mos­kau ein über zehn Hekt­ar gro­ßer Park, eine künst­li­che Hügel­land­schaft mit den unter­schied­li­chen Vege­ta­ti­ons­zo­nen Russ­lands, in den ein Amphi­thea­ter, eine Eis­lauf­bahn und ein Kon­zert­haus inte­griert sind. Es ist fak­tisch falsch, was Ges­sen schreibt, doch das west­li­che Nar­ra­tiv muss bedient wer­den. Da stört die Rea­li­tät nur. Masha Ges­sen ersetzt dem Spie­gel den Relo­ti­us. Der Spie­gel bedankt sich dafür mit einem gro­ßen Inter­view, womit die Redak­ti­on beweist, dass sie nichts aus dem Skan­dal im eige­nen Haus gelernt hat. Ges­sen bekommt trotz der an den Fak­ten gemes­se­nen mise­ra­blen Qua­li­tät ihres Buches zudem noch einen Preis nach­ge­wor­fen.

Und den­noch stimmt eines posi­tiv und hoff­nungs­voll :
Das gelob­te Nar­ra­tiv über Russ­land bricht unge­ach­tet die­ser Bemü­hun­gen, ein schlech­tes Image die­ses Lan­des auf­recht zu erhal­ten, zuse­hends in sich selbst zusam­men. Die Rea­li­tät ist dann doch stär­ker als jede “Dich­tung” über sie.

Mehr zum The­ma — Ukrai­ne – Der etwas ande­re Jah­res­rück­blick

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

RT Deutsch


Noch eine Tanzeinlage?” US-Comedian nach Witz zu indisch-pakistanischer Krise scharf kritisiert


Kurz nach­dem die Sen­dung aus­ge­strahlt wur­de, hagel­te es bei Twit­ter hef­ti­ge Kri­tik am Mode­ra­tor – vor allem für sei­ne Gefühl­lo­sig­keit. Inter­net­nut­zer fin­den, dass sol­cher Humor unan­ge­bracht sei, wenn zwei Atom­mäch­te am Ran­de eines Krie­ges ste­hen und es bereits Tote gibt.

Die gan­ze Welt soll den Tod der US-Bür­ger betrau­ern (was auch rich­tig ist), aber es ist in Ord­nung, Wit­ze über indi­sche Sol­da­ten zu machen, die tan­zend und sin­gend in den Krieg zie­hen ? Das ist so geschmack­los und ent­täu­schend”, beschwer­te sich eine Nut­ze­rin.

Ich fra­ge mich, wie sich Tre­vor Noah wohl füh­len wür­de, wenn sich die Welt dar­über lus­tig mach­te, wie Süd­afri­ka­ner für ihre Rech­te und gegen Apart­heid mit irgend­wel­chen dum­men afri­ka­ni­schen Stam­mes­tän­zen kämpf­ten. In ande­ren Situa­tio­nen mag dies lus­tig sein, aber nicht, wenn die Lage ange­spannt ist”, kom­men­tier­te ein ande­rer Nut­zer.

Mehr zum The­ma — Nach Abschuss indi­scher Kampf­flug­zeu­ge : Paki­stan lässt Pilo­ten frei

RT Deutsch


Noch eine Panne mit Regierungsflieger : Maas in Mali gestrandet


Über den Defekt wur­den soweit kei­ne Anga­ben gemacht, spä­ter hieß es, die A319 konn­te wegen eines Hydrau­lik­scha­dens nicht flie­gen.

Mehr zum The­ma — Bun­des­wehr in Mali : Maas for­dert lan­gen Atem in “sehr gefähr­li­chem Ein­satz”

Maas ent­schied sich zunächst, in Bama­ko zu über­nach­ten. Der SPD-Poli­ti­ker will am Frei­tag mit einer Ersatz­ma­schi­ne zurück­flie­gen.

Maas gab sich gelas­sen.

Ich bin jetzt mehr als 300.000 Kilo­me­ter pan­nen­frei geflo­gen”, sag­te er.

Irgend­wann erwi­sche es jeden. Das scheint in der Tat der Fall zu sein bei den Regie­rungs­flie­gern. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten war es immer wie­der zu Pan­nen bei der Flug­be­reit­schaft gekom­men. 

Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) kam des­we­gen mit enor­mer Ver­spä­tung zum G20-Gip­fel in Bue­nos Aires. Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) blieb für län­ge­re Zeit in Sam­bia hän­gen, muss­te sogar einen Besuch in Nami­bia absa­gen. Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er steck­te im Novem­ber wegen eines Trieb­werks­de­fekts stun­den­lang in Süd­afri­ka fest. Ein wei­te­re Pan­ne erwisch­te ihn erst kürz­lich in Äthio­pi­en. Und im Okto­ber leg­ten Nage­tie­re in Indo­ne­si­en die Maschi­ne von Finanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) lahm.

Mehr zum The­ma — Und täg­lich grüßt das Mur­mel­tier : Stein­mei­er wegen Flug­zeug­pan­ne in Afri­ka gestran­det

Der Außen­mi­nis­ter ist seit Sonn­tag in West­afri­ka unter­wegs. Mali ist sei­ne letz­te Sta­ti­on. Mit ihm rei­sen drei Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te sowie knapp 40 Mit­ar­bei­ter, Jour­na­lis­ten und Sicher­heits­kräf­te. Die Pla­nungs­än­de­rung ver­kün­de­te er am Abend auf einer Kul­tur­ver­an­stal­tung in Bama­ko, nach der er eigent­lich zum Flug­ha­fen fah­ren woll­te.

Nach dem ursprüng­li­chen Plan soll­te er am frü­hen Frei­tag­mor­gen um 4 Uhr in Ber­lin lan­den. Jetzt wird eine grö­ße­re Ersatz­ma­schi­ne vom Typ A340 am Frei­tag­mor­gen um 9 Uhr am Flug­ha­fen Köln/Bonn star­ten, um Maas und sei­ne Dele­ga­ti­on abzu­ho­len. Der Minis­ter kann dann vor­aus­sicht­lich mit fast 20 Stun­den Ver­spä­tung am Frei­tag­nach­mit­tag nach Ber­lin zurück­flie­gen.

Der CSU-Poli­ti­ker Mül­ler hat­te sich laut­stark über die Pan­nen beschwert. Sie sei­en ein Deba­kel für Deutsch­lands Ruf als High-Tech-Land, schimpf­te er. Das scha­de der Mar­ke “Made in Ger­ma­ny”. Der­zeit gehö­ren 14 Flug­zeu­ge der Her­stel­ler Air­bus und Bom­bar­dier zur Flug­be­reit­schaft.

Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ursu­la von der Ley­en hat mitt­ler­wei­le die Beschaf­fung drei neu­er Lang­stre­cken­ma­schi­nen in Auf­trag gege­ben.

Das ist auch nötig, ich glau­be, das mer­ken alle”, sag­te sie Anfang Febru­ar bei der Ver­kün­dung die­ses Schritts.

(dpa/ rt deutsch)

RT Deutsch


Grünen-Politikerin Göring-Eckardt : Nord Stream 2 ist eine Provokation


Kat­rin Göring-Eckardt, Vor­sit­zen­de der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, hat in einem Inter­view mit der Welt schar­fe Kri­tik an der im Bau befind­li­chen Erd­gas­pipe­line Nord Stream 2 geübt. Die Grü­nen sei­en schon immer gegen das Pro­jekt gewe­sen, weil es von Anfang an falsch gewe­sen sei :

Es bin­det uns mit zusätz­li­chen Abnah­me­ver­pflich­tun­gen auf Jahr­zehn­te an noch mehr rus­si­sches Gas und ist eine Pro­vo­ka­ti­on für unse­re euro­päi­schen Part­ner. 

Bis 2030 kön­ne Deutsch­land ganz “erd­gas­un­ab­hän­gig” von Russ­land wer­den. Vor­aus­set­zung dafür laut Göring-Eckardt : die kon­se­quen­te Umset­zung der Ener­gie­wen­de und Jahr für Jahr die ener­ge­ti­sche Sanie­rung von drei Pro­zent der Bestands­ge­bäu­de. Inter­es­san­ter­wei­se spricht sich Göring-Eckardt auch gegen Flüs­sig­gas aus den USA aus. Auf die Fra­ge, ob das durch Nord Stream 2 kom­men­de Gas durch das teu­re­re US-Flüs­sig­gas ersetzt wer­den sol­le, ant­wor­tet die Spit­zen­grü­ne :

Es gibt kei­ne Not­wen­dig­keit, rus­si­sches Gas durch ame­ri­ka­ni­sches Fracking-Gas zu erset­zen. Wir brau­chen es nicht.

In die­sem Zusam­men­hang übt Göring-Eckardt schar­fe Kri­tik an Wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er und sei­nen Plä­nen zur Errich­tung von Flüs­sig­gas­ter­mi­nals. Alt­mai­er ent­wick­le “plan­wirt­schaft­li­che Kon­zep­te” und sei dabei, zum “Retro­po­li­ti­ker” zu wer­den. Auf die Fra­ge der Welt, ob für sie in der Fra­ge einer Abhän­gig­keit von den USA oder von Russ­land “eine Art Äqui­di­stanz” gebe, erklärt Göring-Eckardt :

Auf ihre Fra­ge zum Ver­hält­nis zu Russ­land und den USA sage ich als Trans­at­lan­ti­ke­rin : Wir kön­nen unmög­lich unse­re Ver­bün­de­ten in Ost­eu­ro­pa, in Polen, in den bal­ti­schen Staa­ten ver­grät­zen. Die haben rie­si­ge Sor­ge.

Neben­bei stellt Göring-Eckardt noch eini­ge gewag­te The­sen zur Ener­gie- und Ver­kehrs­po­li­tik auf. Den Atom­aus­stieg betrach­tet sie als gelun­gen, der Koh­le­aus­stieg wer­de durch die “Ent­wick­lungs­po­ten­zia­le der Erneu­er­ba­ren” ermög­licht, ohne dass jemand befürch­ten müs­se, dass das Licht aus­ge­he. Die Elek­tro­mo­bi­li­tät kön­ne durch eine Ver­wen­dung der Bat­te­ri­en als Zwi­schen­spei­cher zur Sta­bi­li­sie­rung des Strom­net­zes bei­tra­gen. Auch bei einer mas­si­ven Zunah­me die­ser Antriebs­art gilt für Göring-Eckardt : “Der Strom wird aus­rei­chen.”

Euro­pa kön­ne unab­hän­gig von Ener­gie­im­por­ten sein – und bis 2050 voll­stän­dig auf erneu­er­ba­re Ener­gi­en umge­stellt. Bis dahin wer­de Gas als Über­gangs­tech­no­lo­gie gebraucht. Da Göring-Eckardt bis 2030 “ener­gie­un­ab­hän­gig” von Russ­land sein möch­te, muss das Gas für die ver­blei­ben­den 20 Jah­re woan­ders her­kom­men.

Im Zuge der Mobi­li­täts­wen­de wer­de es in Zukunft deut­lich weni­ger Autos geben als heu­te. Aller­dings wer­de nie­man­dem das Auto weg­ge­nom­men, eine zen­tra­le Rol­le in der Mobi­li­tät der Zukunft wer­den laut Göring-Eckardt – neben dem Fahr­rad und dem öffent­li­chen Nah­ver­kehr – Car­sha­ring und ver­netz­te Mobi­li­tät spie­len.

Lob für SPD — Kri­tik an CDU

Göring-Eckardt lobt die SPD für deren sozi­al­po­li­ti­sche Neu­aus­rich­tung :

Ich bin froh dar­über, dass die SPD sich jetzt wie­der zen­tral den sozia­len Fra­gen nähert. Die Grund­ren­te geht in die rich­ti­ge Rich­tung und ist nah an unse­rem Garan­tie­rent­e­mo­dell. Da rei­chen wir gern die Hand.

Den unge­len­ken Ver­such der CDU, die Migra­ti­ons­po­li­tik von 2015 auf­zu­ar­bei­ten, betrach­tet sie ähn­lich wie die Kanz­le­rin als “rück­wärts­ge­wandt”. Die CDU befas­se sich beim The­ma Migra­ti­on nicht mit dem, was not­wen­dig wäre, so Göring-Eckardt, und ver­weist die­sem Zusam­men­hang auf die – wis­sen­schaft­lich frag­wür­di­ge – Stu­die der Ber­tels­mann-Stif­tung.

Göring-Eckardts kri­ti­sche Aus­sa­gen zur Uni­on in den Fra­gen Flüs­sig­gas und Migra­ti­on und ihr Lob für die sozi­al­po­li­ti­sche Neu­aus­rich­tung der SPD sind bemer­kens­wert. Im Vor­feld der anste­hen­den Euro­pa- und Land­tags­wah­len will die Grü­ne offen­bar den Ein­druck ver­mei­den, dass ihre Par­tei der natür­li­che Bünd­nis­part­ner der Uni­on sei – oder für ein sol­ches Bünd­nis schon ein­mal den Preis hoch­trei­ben. Für rot-grü­ne Kon­stel­la­tio­nen dürf­te es in die­sem Jahr aller­dings weder auf Bun­des­ebe­ne noch in einem der Län­der eine Mehr­heit geben, in denen gewählt wird.

Mehr zum The­ma — Ska Kel­ler : Euro­pa ist, wenn die syri­schen Neu­bür­ger mit­schun­keln zu Fran­zi aus Sprem­berg !

RT Deutsch


Kaliningrad : Bei russischen Marinefliegern klafft eine Lücke


Russ­lands Mili­tär will in der Regi­on Kali­nin­grad einen Groß­ver­band von Mari­ne­flie­gern auf­bau­en. Das wäre die ers­te Trup­pen­auf­sto­ckung in der rus­si­schen Exkla­ve seit vie­len Jah­ren. Doch es gibt gro­ße Zwei­fel an der Ein­satz­fä­hig­keit der Mari­ne­flie­ger. Die Mate­ri­al­ver­sor­gung ist dabei nicht das Pro­blem, schreibt die Zei­tung „Wsgl­jad“.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken


Macron : Wenn eine Gelbweste jemand ist, der mehr Gehalt will, bin ich auch eine


Wenn eine Gelb­wes­te jemand ist, der für eine bes­se­re Bezah­lung der Arbeit ein­tritt und für eine bes­se­re Funk­ti­ons­wei­se des Par­la­ments, dann bin ich auch eine Gelb­wes­te”, sag­te Macron am Don­ners­tag in einem Ver­such, sich der Bür­ger­be­we­gung gegen wirt­schaft­li­che Unge­rech­tig­keit anzu­schlie­ßen, die als Pro­test gegen die Poli­tik der fran­zö­si­schen Regie­rung begann.

In einem Inter­view mit meh­re­ren fran­zö­si­schen Jour­na­lis­ten (BFM TV, Paris Match, Le Figa­ro) beschrieb er die Gelb­wes­ten als eine sozia­le und poli­ti­sche Bewe­gung ohne “fes­tes Anlie­gen und Füh­rer” und erklär­te, dass sie seit ihrer Grün­dung “mutiert” sei­en. Sie sei­en “von 40.000 bis 50.000 Mili­tan­ten infil­triert wor­den, die die Zer­stö­rung von Insti­tu­tio­nen wol­len”.

Macron sprach auch über das RIC, das von den Gelb­wes­ten gefor­dert wur­de. Das Kür­zel steht für Réfé­ren­dum d’initiative citoy­enne – zu Deutsch “Bür­ger­initia­ti­ve-Refe­ren­dum”. Es sieht vor, dass Volks­ab­stim­mun­gen durch­ge­führt wer­den, um den Fran­zo­sen die Mög­lich­keit zu geben, Vor­schlä­ge der Regie­rungs­po­li­tik zu über­prü­fen.

Er wich der Fra­ge aus, indem er sag­te, dass er offen für die Mög­lich­keit eines Refe­ren­dums sei, aber gleich­zei­tig nicht will, dass die Volks­ab­stim­mung die Ent­schei­dun­gen des Par­la­ments außer Kraft setzt.

Was Macron aus­schloss, war ein Refe­ren­dum über eine Ver­mö­gens­steu­er, eine sei­ner unbe­lieb­tes­ten Refor­men, für die er als “Prä­si­dent der Rei­chen” bezeich­net wur­de. Macron beton­te jedoch, er sei offen gegen­über ande­ren Vor­schlä­gen.

In einem Inter­view mit der Zei­tung Les Échos, das im Dezem­ber online ver­öf­fent­licht wur­de, gab Pre­mier­mi­nis­ter Édouard Phil­ip­pe zu, dass die Regie­rung “Feh­ler gemacht” habe. Dazu gehört auch die Tat­sa­che, dass sie “dem fran­zö­si­schen Volk nicht genug zuge­hört hat.”

Macrons Inter­view fällt in eine gro­ße Debat­te in Frank­reich über ein umstrit­te­nes Gesetz gegen Aus­schrei­tun­gen, das dar­auf abzielt, gegen die Stra­ßen­ge­walt vor­zu­ge­hen, die die Pro­tes­te der Gelb­wes­ten teil­wei­se beglei­tet hat. Das Gesetz rich­tet sich in ers­ter Linie gegen “Ran­da­lie­rer”, die Eigen­tum beschä­di­gen. Eini­ge Abge­ord­ne­te drän­gen jedoch auch auf stren­ge­re Stra­fen für unbe­fug­te Pro­tes­te und Men­schen, die sich bei Demons­tra­tio­nen ver­mum­men – ein Schritt, der als “Bedro­hung der bür­ger­li­chen Frei­hei­ten” selbst unter Macrons Anhän­gern kri­ti­siert wor­den ist.

Ich habe in die­sen 20 Mona­ten viel gelernt. Es hat mir Angst gemacht”, sag­te Macron zu fran­zö­si­schen Medi­en.

RT Deutsch