Das Kanzleramt bekommt ein Verwaltungsgebäude — für eine halbe Milliarde Euro


Das Bun­des­kanz­ler­amt bekommt ein neu­es Ver­wal­tungs­ge­bäu­de. Das neue Gebäu­de soll west­lich des bestehen­den Kanz­ler­amts­ge­bäu­des auf der ande­ren Sei­te der Spree errich­tet wer­den. Es soll bis 2027 fer­tig­ge­stellt wer­den, die Bau­kos­ten sol­len nach gegen­wär­ti­gem Stand der Pla­nun­gen 460 Mil­lio­nen Euro betra­gen.

Im neu­en Gebäu­de soll auf sechs Geschos­sen Platz für 400 Büros und eine Kita ent­ste­hen, vor­ge­se­hen ist auch ein Hub­schrau­ber­lan­de­platz. Mit dem Neu­bau soll dem aku­ten Platz­man­gel im bestehen­den Gebäu­de abge­hol­fen wer­den. Dort gibt es 410 Arbeits­plät­ze. Tat­säch­lich sind im Alt­bau gegen­wär­tig 710 Mit­ar­bei­ter unter­ge­bracht, wei­te­re 90 wur­den bereits aus­wärts plat­ziert, etwa im Bun­des­pres­se­amt. Nach Aus­kunft von Amts­chef Hel­ge Braun stel­le die­se Situa­ti­on die “Arbeits­ab­läu­fe vor Her­aus­for­de­run­gen”, die mit dem Neu­bau gelöst wür­den.

Der bogen­för­mi­ge Neu­bau wur­de bereits in den neun­zi­ger Jah­ren als Teil des soge­nann­ten “Band des Bun­des” geplant, aber eben­so wie das öst­lich des Kanz­ler­amts geplan­te “Bür­ger­fo­rum” bis­her nicht rea­li­siert. Die Archi­tek­ten Axel Schul­tes und Char­lot­te Frank, die das Gesamt­kon­zept und auch das Kanz­ler­amt ent­wor­fen hat­ten, zeig­ten sich auf einer Pres­se­kon­fe­renz mit Braun und der Prä­si­den­tin des Bun­des­am­tes für Bau­we­sen und Raum­ord­nung, Petra Wes­se­ler, zufrie­den über die Umset­zung eines wei­te­ren Teils ihres Ent­wurfs.

Schul­tes beschrieb die Archi­tek­tur des Neu­baus als zurück­hal­tend, es hand­le sich schließ­lich nur um einen Ver­wal­tungs­bau. Anders als das bestehen­de Kanz­ler­amt wird der Neu­bau­kom­plex nicht durch einen gro­ßen Zaun abge­schirmt. Dafür wird er auf zwei fens­ter­lo­sen Unter­ge­schos­sen ste­hen, die Explo­sio­nen einer Stär­ke von bis zu 20 Kilo TNT stand­hal­ten sol­len. Durch Wein­ran­ken soll die­ser Block freund­li­cher gestal­tet wer­den und weni­ger mas­siv wir­ken. Auch der wei­te Innen­hof soll grün wer­den.

Auf dem zu errich­ten­den Kom­plex soll in 22 Meter Höhe ein Hub­schrau­ber­lan­de­platz ent­ste­hen. Bis­her lan­den die Hub­schrau­ber im Park, der jetzt bebaut wer­den soll. Auch soll eine zwei­te Fuß­gän­ger­brü­cke über die Spree als wei­te­re Ver­bin­dung zum bestehen­den Kanz­ler­amt gebaut wer­den.

Ins­ge­samt ist Archi­tekt Schul­tes mit dem “Band des Bun­des” nicht ganz zufrie­den. Den benach­bar­ten Haupt­bahn­hof bezeich­ne­te er als “Mons­trum”, auch das Kanz­ler­amt selbst, das abwer­tend als “Wasch­ma­schi­ne” bezeich­net wird, hät­te er anders gestal­tet, wenn er gewusst hät­te, dass das dane­ben geplan­te Bür­ger­fo­rum nicht gebaut wird.

Die Bau­ar­bei­ten für den Neu­bau sol­len wegen der kom­pli­zier­ten Pla­nun­gen und der auf­wän­di­gen Abstim­mung mit den Sicher­heits­be­hör­den erst 2023 begin­nen und bis 2027 abge­schlos­sen sein. Ob der Zeit­plan zu hal­ten ist, wird sich zei­gen müs­sen. Klar ist heu­te schon, dass es bei den jetzt ver­an­schlag­ten Bau­kos­ten von 460 Mil­lio­nen Euro nicht blei­ben wird. Wie Amts­chefin Wes­se­ler aus­drück­lich erklär­te, sind künf­ti­ge Bau­preis­stei­ge­run­gen nicht ein­ge­rech­net.

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Weg frei für Nato-Annäherung Mazedoniens : Griechischer Premier Tsipras gewinnt Vertrauensabstimmung


Das Ver­trau­en in die aktu­el­le Regie­rung Grie­chen­lands wur­de von 151 der ins­ge­samt 299 Abge­ord­ne­ten zum Aus­druck gebracht.

Nach der Abstim­mung sag­te Alexis Tsi­pras, dass das Ergeb­nis eine “ein Votum für Sta­bi­li­tät” sei, berich­te­te Reu­ters.

Wir haben ein Ver­trau­ens­vo­tum erhal­ten, mit unse­rem ein­zi­gen Anlie­gen, wei­ter­hin auf die Bedürf­nis­se und Inter­es­sen des grie­chi­schen Vol­kes ein­zu­ge­hen”, sag­te Tsi­pras vor Jour­na­lis­ten.

Die Oppo­si­ti­on hin­ge­gen bestand dar­auf, dass die der­zei­ti­ge Regie­rung wegen ihrer Unfä­hig­keit, wich­ti­ge Pro­ble­me im Land zu lösen, zurück­tre­ten soll­te.

Tsi­pras hat­te die Ver­trau­ens­fra­ge ange­sichts des inner­grie­chi­schen Streits um einen aus­ge­han­del­ten Namens-Kom­pro­miss mit Maze­do­ni­en gestellt. Der Streit im Land ent­zün­de­te sich vor allem an einem Namens­kom­pro­miss, den Tsi­pras mit Maze­do­ni­en aus­ge­han­delt hat­te. 

Dem­nach soll das Nach­bar­land künf­tig Nord-Maze­do­ni­en hei­ßen — weil eine nord­grie­chi­sche Pro­vinz auch den Namen Maze­do­ni­en trägt.

Grie­chen­land hat in die­sem Zuge zuge­sagt, eine Annä­he­rung Maze­do­ni­ens an die EU und Nato nicht wei­ter blo­ckie­ren zu wol­len. Grie­chi­sche Kon­ser­va­ti­ve und Natio­na­lis­ten reicht die­ser Kom­pro­miss aller­dings nicht aus — sie machen dage­gen mobil. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Panos Kam­me­nos hat­te mit sei­ner rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei der Unab­hän­gi­gen Grie­chen (Anel) die Koali­ti­on mit der Regie­rungs­par­tei Syri­za am Sonn­tag auf­ge­kün­digt.

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Das rus­si­sche Außen­mi­nis­te­ri­ums bezeich­ne­te die Umbe­nen­nung Maze­do­ni­ens als Teil eines „auf­ge­zwun­ge­nen Pro­zes­ses einer künst­li­chen Umge­stal­tung des Staats­na­mens mit dem Ziel, Skop­je so schnell wie mög­lich in die NATO zu bringen”,und sieht dar­in einen Ver­stoß gegen den Wunsch der Maze­do­ni­er selbst.

Dies ver­stößt gegen das maze­do­ni­sche Gesetz. Die Posi­ti­on des Staats­chefs der Repu­blik Maze­do­ni­en und die Mei­nung der Mehr­heit der Men­schen, die das ‚Pres­pa-Abkom­men‘ ableh­nen, wer­den igno­riert“, hieß es.

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Australische Ärzte kündigen neue Behandlungsmethode mit Zauberpilzen für Todkranke an


Die Pil­ze ent­hal­ten die psy­che­de­lisch wir­ken­de Sub­stanz Psi­lo­cy­bin, die Pati­en­ten in gerin­gen Dosen zuge­führt wird, ver­lau­tet es aus einer Mit­tei­lung der Kli­nik. Deren Ein­wir­kung auf das Gehirn der Ster­bens­kran­ken soll ihre Qua­len in den letz­ten Mona­ten ihres Lebens deut­lich erleich­tern.

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Weltwirtschaftsforum : Wetterextreme größtes Risiko für die Welt


Knapp eine Woche vor dem Jah­res­tref­fen in Davos (22. bis 25. Janu­ar) rief das WEF zur Zusam­men­ar­beit auf. “Es gab nie einen drin­gen­de­ren Bedarf für einen kol­la­bo­ra­ti­ven und gemein­sa­men Ansatz für glo­ba­le Pro­ble­me, die alle ange­hen”, schrieb WEF-Prä­si­dent Bør­ge Bren­de im Vor­wort des “Glo­bal Risk Report”.

Gro­ßes Risi­ko gehe auch von geo­po­li­ti­schen und welt­wirt­schaft­li­chen Span­nun­gen aus, warn­te das WEF wei­ter. “Vor die­sem Hin­ter­grund ist es ver­mut­lich schwie­ri­ger, gemein­sa­me Fort­schrit­te bei ande­ren glo­ba­len Her­aus­for­de­run­gen zu errei­chen.” (dpa)

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Notruf nicht bearbeitet : Geldstrafe für Polizisten in Österreich


Der Beam­te ver­wies am Mitt­woch vor dem Land­ge­richt St. Pöl­ten dar­auf, dass er nach dem Not­ruf ein­ge­schla­fen sei. “Es ist nicht rühm­lich, es war viel los. Es tut mir leid.” Das Gericht glaub­te ihm nicht. “Wir sind zum Schluss gekom­men, dass Sie es bewusst unter­las­sen haben, dass eine Strei­fe hin­ge­schickt wird”, sag­te der Rich­ter zum 54-Jäh­ri­gen.

Der Poli­zist wur­den wegen Amts­miss­brauchs und Anstif­tung zum Amts­miss­brauch ver­ur­teilt. Er hat nach Über­zeu­gung des Gerichts einen Kol­le­gen gebe­ten, ein fal­sches Pro­to­koll über die Fahrt zur Anru­fe­rin anzu­fer­ti­gen. Die 59-Jäh­ri­ge hat­te sich um 4.00 Uhr mor­gens wegen eines ver­däch­ti­gen Man­nes vor ihrem Haus hil­fe­su­chend an die Poli­zei gewandt. Ihre spä­te­re Nach­fra­ge, war­um kein Poli­zist gekom­men sei, brach­te den Stein ins Rol­len. (dpa)

Mehr zum The­ma — Tod einer Sechs­jäh­ri­gen — Tat­ver­däch­ti­ger flieht aus Poli­zei­re­vier

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Die meisten von ihnen sind schwul”: Duterte fordert Liebhaber für “nutzlose” katholische Priester


Die Bemer­kun­gen kamen, nach­dem der phil­ip­pi­ni­sche Prä­si­dent Rodri­go Duter­te bereits im ver­gan­ge­nen Monat Bischö­fe in sei­nem Land als “nutz­lo­se Nar­ren” ange­grif­fen und sein Volk auf­ge­for­dert hat­te, die­se zu “töten”.

In sei­nem jüngs­ten Angriff auf katho­li­sche Pries­ter fakel­te der phil­ip­pi­ni­sche Prä­si­dent Rodri­go Duter­te nicht lan­ge, bevor er die reli­giö­sen Füh­rer anging, die er der Homo­se­xua­li­tät beschul­dig­te.

Ich kann sagen, dass Bischö­fe Huren­söh­ne sind, ver­dammt. Das ist wahr. Die meis­ten von ihnen sind schwul. Sie soll­ten offen damit her­aus­kom­men, den Zöli­bat auf­he­ben und ihnen erlau­ben, Freun­de zu haben”, sag­te Duter­te am Frei­tag bei einer Grund­stein­le­gung für eine Schu­le in der Nähe der Haupt­stadt Mani­la.

Duter­te erklär­te frü­her, dass er von einem Pries­ter sexu­ell miss­braucht wur­de, als er noch ein Jun­ge war.

Sei­ne Bemer­kun­gen am Frei­tag folg­ten einer Rede im Prä­si­den­ten­pa­last im Dezem­ber, in der er sei­ne Lands­leu­te auf­for­der­te, katho­li­sche Bischö­fe sei­nes Lan­des zu töten, die sei­ner Mei­nung nach kaum mehr als “unnüt­ze Nar­ren” sei­en.

Katho­li­sche Bischö­fe und Kir­chen­ak­ti­vis­ten sei­ne ärgs­ten poli­ti­schen Kri­ti­ker

Er bezeich­ne­te die katho­li­sche Kir­che auch als “die heuch­le­rischs­te Insti­tu­ti­on” und argu­men­tier­te, dass sein Gott anders sei als der­je­ni­ge, an den die Katho­li­ken glaub­ten.

Als getauf­ter Katho­lik hat Duter­te wie­der­holt gegen den Vati­kan geschos­sen. Katho­li­sche Bischö­fe und Kir­chen­ak­ti­vis­ten wie­der­um gehö­ren zu sei­nen ärgs­ten poli­ti­schen Kri­ti­kern. Unter ande­rem kri­ti­sier­ten sie sei­ne blu­ti­ge Nie­der­schla­gung des Dro­gen­han­dels.

Beim zwei­ten Late­r­an­kon­zil 1139 beschloss der Hei­li­ge Stuhl eine Poli­tik des kle­ri­ka­len Zöli­bats. Duter­te ist ein offe­ner Unter­stüt­zer gleich­ge­schlecht­li­cher Bün­de, der sogar aner­kannt hat, dass er mit der Idee spielt, ein Bise­xu­el­ler zu wer­den. Er hat die Kir­che wie­der­holt auf­ge­for­dert, das jahr­hun­der­te­al­te kano­ni­sche Gesetz abzu­schaf­fen, und behaup­tet, dass es ledig­lich homo­se­xu­el­le Ten­den­zen unter Geist­li­chen för­dert.

Mehr zum The­ma — “Das ist mein Stil”: Rodri­go Duter­te “räumt ein”, dass Kif­fen ihn wach­hält 

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NATO ist die größte Bedrohung für Europa” – Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin


von Hasan Posd­nja­kow

Vor hun­dert Jah­ren erschos­sen Frei­korps im Rah­men einer vom sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Reichs­wehr­mi­nis­ter Gus­tav Noske geführ­ten Kam­pa­gne die Spar­ta­kis­ten Rosa Luxem­burg und Karl Lieb­knecht. Zwei Wochen vor­her hat­ten sie die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei Deutsch­lands gegrün­det. Seit den 1990er-Jah­ren fin­det in Ber­lin jähr­lich eine Kon­fe­renz im Andenken an die pol­nisch-jüdi­sche Revo­lu­tio­nä­rin Luxem­burg statt, die maß­geb­lich von der Tages­zei­tung jun­ge Welt orga­ni­siert, aber auch von vie­len ande­ren lin­ken Orga­ni­sa­tio­nen unter­stützt wird. Tau­sen­de Lin­ke ström­ten in das Hotel Mer­cu­re in Moa­bit, wo die Kon­fe­renz statt­fand.

Die­ses Jahr stand der Aus­spruch Luxem­burgs “Sozia­lis­mus oder Bar­ba­rei” im Mit­tel­punkt. Die Kon­fe­renz dreh­te sich laut der Ankün­di­gung um “die nächs­te Kri­se, [den] nächste[n] Krieg” und “die nächs­te Revo­lu­ti­on”. Den ers­ten Vor­trag hielt der Publi­zist Otto Köh­ler. Er wid­me­te sich der Fra­ge, wer die nächs­te impe­ria­lis­ti­sche Haupt­macht sein wird. Sei­ne Ant­wort : Deutsch­land. Köh­ler mahn­te, dass die Krie­ge seit 1871 stets von Deutsch­land aus geführt wur­den. Er pran­ger­te den preu­ßi­schen und mit ihm eng ver­bun­de­nen deut­schen Mili­ta­ris­mus an. Auf die “Fliegenschiss”-Aussage des AfD-Poli­ti­kers Alex­an­der Gau­land anspie­lend, sag­te Köh­ler, Deutsch­land sei ein

Adler­schiss, der immer noch zum Him­mel stinkt.

Wäh­rend sei­nes Vor­tra­ges setz­te er aller­dings immer wie­der Deutsch­land mit der west­li­chen Bun­des­re­pu­blik gleich, ohne auf die Deut­sche Demo­kra­ti­sche Repu­blik ein­zu­ge­hen, die bean­spruch­te, der ers­te deut­sche Frie­dens­staat zu sein, und immer­hin bis in die 1970er-Jah­re auch den Anspruch erhob, ganz Deutsch­land zu ver­tre­ten. Auch erwähn­te er nicht das Ver­hält­nis des deut­schen Impe­ria­lis­mus zur NATO und zum US-Impe­ria­lis­mus. Man hät­te den Ein­druck gewin­nen kön­nen, dass der deut­sche Impe­ria­lis­mus im luft­lee­ren Raum exis­tiert.

Sogar als Köh­ler über die “Wie­der­ge­burt” des deut­schen Impe­ria­lis­mus nach 1945 sprach, ging er nicht hin­rei­chend auf die füh­ren­de Rol­le des US-Impe­ria­lis­mus dabei ein. Er sug­ge­rier­te, die USA wären nicht von allein auf den Gedan­ken gekom­men, die deut­schen Groß­kon­zer­ne und Mili­tärs wie­der an die Macht zu brin­gen, son­dern dies sei ihnen von den deut­schen Gene­rä­len unter­ge­ju­belt wor­den. Ins­ge­samt beweg­te sich sein Vor­trag zu sehr an der Ober­flä­che des Phä­no­mens, das er beschrei­ben woll­te, und er begrenz­te sich auf eine agi­ta­to­ri­sche Pole­mik, ohne auf die wirk­lich inter­es­san­ten Hin­ter­grün­de der deut­schen Vor­herr­schaft in Euro­pa ein­zu­ge­hen, etwa die wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen im Euro­raum.

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Die­ses Man­ko kor­ri­gier­te erfreu­li­cher­wei­se der nächs­te Vor­trag des ita­lie­ni­schen mar­xis­ti­schen Öko­no­men Vla­di­mi­ro Giac­ché. Er stell­te fest, dass in den letz­ten Jahr­zehn­ten die Wachs­tums- und Inves­ti­ti­ons­ra­ten in den ent­wi­ckel­ten kapi­ta­lis­ti­schen Staa­ten bestän­dig gefal­len sind. Par­al­lel dazu­ha­be es ein Wachs­tum des spe­ku­la­ti­ven Kapi­tals gege­ben.

Seit den 1970er-Jah­ren wir­ke sich die Stei­ge­rung der Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät nicht mehr auf die Höhe der Löh­ne aus. Die aus­fal­len­den Lohn­er­hö­hun­gen sei­en durch Kre­di­te aus­ge­gli­chen wor­den. So wur­de laut Giac­ché mit­tel­fris­tig sicher­ge­stellt, dass die Fami­li­en mit mitt­le­rem Ein­kom­men trotz­dem wei­ter­hin unge­hin­dert kon­su­mie­ren konn­ten. Das habe eben­falls die Über­pro­duk­ti­ons­kri­se hin­aus­ge­zö­gert.

Zugleich hät­ten die Kapi­ta­lis­ten auf­grund der Inves­ti­ti­ons­kri­se mehr in spe­ku­la­ti­ves Kapi­tals statt in die Real­wirt­schaft inves­tiert. Das Wirt­schafts­wachs­tum in den USA und in Nord­eu­ro­pa sei mit den wach­sen­den Wider­sprü­chen etwa in Süd­eu­ro­pa bezahlt wor­den, die dann in den Jah­ren ab 2007 zur Gro­ßen Wirt­schafts­kri­se führ­ten. Als Bei­spiel für so einen Pro­zess nann­te er die Export­wut der deut­schen Indus­trie.

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Im Jahr 2007 sei dann eine Epo­che zu Ende gegan­gen, in der das zins­tra­gen­de Kapi­tal irgend­wie noch zum Pro­duk­ti­ons­wachs­tum bei­tra­gen konn­te. Seit­dem sei dies immer weni­ger der Fall. Die west­li­che selbst­er­nann­te Éli­te habe geglaubt, die­ses Modell durch Maß­nah­men wie die teu­ren Ban­ken­ret­tun­gen und den Ankauf von Schrott­pa­pier sei­tens der Zen­tral­ban­ken wie­der restau­rie­ren zu kön­nen. Dies sei jedoch ein Irr­tum.

Seit der letz­ten Kri­se habe sich die glo­ba­le Ver­schul­dung wei­ter dra­ma­tisch ver­schlech­tert. Erneut sei­en Sym­pto­me einer Spe­ku­la­ti­ons­bla­se zu beob­ach­ten, die bald plat­zen wer­de. Zu die­sen Sym­pto­men zähl­te er unter ande­rem die Diver­genz zwi­schen den Akti­en­wer­ten und den rea­len Pro­fi­ten eini­ger wich­ti­ger Unter­neh­men und das Wie­der­kau­fen der eige­nen Akti­on sei­tens eini­ger Unter­neh­men, um die eige­nen Akti­en­prei­se in die Höhe zu trei­ben.

Die nächs­te Kri­se könn­te laut Giac­ché vie­le mög­li­che Aus­lö­ser haben, etwa eine Schul­den­kri­se in einem auf­stre­ben­den Land oder Insol­ven­zen in der Pri­vat­wirt­schaft, jedoch wer­de wie schon im Jahr 2007 eine plötz­li­che Abnah­me der Liqui­di­tät das Haupt­the­ma sein. Es gebe vier mög­li­che Aus­we­ge, die er mit Aus­drü­cken der Com­pu­ter-Ter­mi­no­lo­gie umschrieb :

1) “Restart”: die Wirt­schaft nach einem Sys­tem­feh­ler ohne grund­le­gen­de Ände­run­gen erneut wie­der lau­fen zu las­sen. Das habe sich nach der Gro­ßen Kri­se vor elf Jah­ren als nicht sehr erfolg­reich erwie­sen.

2) Ein “Shift” weg vom zins­tra­gen­den Kapi­tal hin zum pro­duk­ti­ven Kapi­tal. Das ein­zi­ge Pro­jekt, das in die­se Rich­tung gehe, sei der­zeit die Neue Sei­den­stra­ße Chi­nas. Ein der­ar­ti­ger “Shift” benö­ti­ge jedoch rie­si­ge Kapi­tal­men­gen.

3) Ein phy­si­scher “Reset”, also ein gro­ßer Krieg oder Kon­flikt, der zu einer mas­si­ven Zer­stö­rung führt.

4) Ein neu­es Betriebs­sys­tem, womit er den Sozia­lis­mus umschrieb. Das sei die ein­zi­ge fol­ge­rich­ti­ge Deu­tung der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung der letz­ten Jah­re und die ein­zi­ge Mög­lich­keit, die Feh­ler im Wirt­schafts­sys­tem nach­hal­tig zu lösen.

Zum Ende sei­nes Vor­tra­ges beton­te Giac­ché, dass es eine Illu­si­on sei, zu glau­ben, die EU kön­ne uns vor der Glo­ba­li­sie­rung schüt­zen, da sie selbst ein sehr gutes Bei­spiel für eben­je­ne neo­li­be­ra­le Glo­ba­li­sie­rung sei. Der Kampf gegen Glo­ba­li­sie­rung sei auch ein Kampf gegen die EU.

Anschlie­ßend erläu­ter­te der US-ame­ri­ka­ni­sche Öko­nom Micha­el Hud­son das The­ma “der nächs­te impe­ria­lis­ti­sche Krieg”. Ihm zufol­ge sind al-Qai­da, der IS und ande­re extre­mis­tisch-sun­ni­ti­sche Grup­pen die Frem­den­le­gi­on der USA. Die Mili­tär­stra­te­gie der USA sei es, Cha­os zu erzeu­gen, da dadurch der Ein­griff in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten ande­rer Staa­ten ein­fa­cher wer­de. Die Demo­kra­ti­sche Par­tei sei die Haupt­stüt­ze die­ser Poli­tik.

Im Viet­nam­krieg hät­ten die USA gelernt, dass mitt­ler­wei­le Land­in­va­sio­nen ande­rer Staa­ten sehr kost­spie­lig sei­en. Die dafür benö­tig­ten Trup­pen­stär­ken kön­nen laut Hud­son nur durch eine Wehr­pflicht gestellt wer­den, die jedoch sehr unbe­liebt sei. Daher sei die USA dazu über­ge­gan­gen, ande­re Staa­ten durch ande­re Wege zu bekämp­fen, wo mög­lich jedoch nicht direkt mit Boden­trup­pen zu beset­zen.

Die Haupt­form von Kon­flik­ten sei­en mitt­ler­wei­le finan­zi­el­le Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Die USA wür­den ande­re Län­der mit finan­zi­el­ler Zer­stö­rung bedro­hen, und zwar unter dem Deck­man­tel des Inter­na­tio­na­lis­mus. Die Mit­tel dafür sei­en die inter­na­tio­na­len Finanz­or­ga­ni­sa­tio­nen wie der Welt­wäh­rungs­fonds oder die Welt­bank.

Seit Anfang der 1970er-Jah­re hät­ten die USA vor dem Pro­blem gestan­den, ihre Krie­ge wei­ter zu finan­zie­ren, da ihnen das dafür not­wen­di­ge Gold aus­ge­gan­gen sei und ihre Zah­lungs­bi­lanz schlecht aus­sah. Die USA hät­ten die­ses Pro­blem gelöst, indem sie den ande­ren Län­dern statt Gold nun­mehr US-Staats­an­lei­hen gaben. Somit wur­den ihm zufol­ge Län­der wie Chi­na und Russ­land unge­wollt zu Finan­ziers der US-Angriffs­krie­ge.

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Der Dol­lar­stan­dard sei ein Mit­tel, ande­re Staa­ten dazu zu zwin­gen, die US-Krie­ge zu finan­zie­ren. Daher gehe es bei den Schrit­ten, die Chi­na, Russ­land und vie­le ande­re Staa­ten ein­ge­lei­tet haben, um die Stel­lung des Dol­lars zu schwä­chen, nicht nur dar­um, die Macht von US-Finanz­sank­tio­nen zu umge­hen.

Der Druck der USA auf Deutsch­land, Fracking-Gas und US-Kriegs­ge­rät zu kau­fen, las­se sich damit erklä­ren, die US-Zah­lungs­bi­lanz zu ver­bes­sern.

Die NATO sei die größ­te Bedro­hung der euro­päi­schen Sicher­heit. Die mög­li­che Sta­tio­nie­rung von US-Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten nach Euro­pa sei dafür ein gutes Bei­spiel, da sie Euro­pa zum Ziel rus­si­scher Gegen­maß­nah­men machen wür­den. Wäh­rend US-Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten in Euro­pa das Kern­land Russ­lands errei­chen könn­ten, sei dies für die rus­si­schen Rake­ten nicht mög­lich.

Hud­son erklär­te, die Außen­po­li­tik der USA im Nahen Osten wer­de wesent­lich von Sau­di-Ara­bi­en und rechts­ra­di­ka­len pro­is­rae­li­schen Grup­pen bestimmt. Den Grund­stein die­ser Ent­wick­lung habe die Car­ter-Regie­rung in den 1970ern gelegt, als sie beschloss, Bin Laden und ähn­li­che Gestal­ten gegen die sowje­ti­sche Armee in Afgha­ni­stan zu unter­stüt­zen. Das sei ein Modell für den US-Prä­si­den­ten Bill Clin­ton gewe­sen, in den 1990er-Jah­ren sun­ni­ti­sche Extre­mis­ten in Jugo­sla­wi­en zu unter­stüt­zen. Jugo­sla­wi­en sei ideo­lo­gisch für die USA eine grö­ße­re Bedro­hung gewe­sen als die Sowjet­uni­on, da es Jugo­sla­wi­en gelun­gen sei, eini­ge Pro­ble­me des Sozia­lis­mus in der Sowjet­uni­on zu ver­mei­den.

Die USA streb­ten danach, die euro­päi­sche Lin­ke dar­an zu hin­dern, den Finanz­ka­pi­ta­lis­mus anzu­grei­fen und sich mit den alter­na­ti­ven Pro­jek­ten Russ­lands und Chi­nas zu soli­da­ri­sie­ren. Der heu­ti­ge “Inter­na­tio­na­lis­mus” eini­ger Akteu­re sei in Wahr­heit ein US-Natio­na­lis­mus in Form der inter­na­tio­na­len Finanz­or­ga­ni­sa­tio­nen. Der Wider­stand dage­gen müs­se zwangs­läu­fig auch patrio­ti­sche For­men anneh­men, auch in Euro­pa.

Wei­te­re Red­ner waren die deut­sche Jour­na­lis­tin kur­di­schen Ursprungs Meşa­le Tolu, die mona­te­lang in der Tür­kei inhaf­tiert war, der ehe­ma­li­ge kuba­ni­sche Kul­tur­mi­nis­ter Abel Prie­to und der Autor und Jour­na­list Diet­mar Dath, der über die “nächs­te Revo­lu­ti­on” refe­rier­te.

"NATO ist die größte Bedrohung für Europa" – Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin

Abge­run­det wur­de das Pro­gramm von einer Podi­ums­dis­kus­si­on zur Fra­ge “100 Jah­re Novem­ber­re­vo­lu­ti­on – wie geht Klas­sen­po­li­tik heu­te”, an dem der Lin­ken-Poli­ti­ker Ulrich Mau­rer, der Gewerk­schaf­ter Jan von Hagen, die Mie­ten­ak­ti­vis­tin Nina Scholz sowie die Vor­sit­zen­de der Sozia­lis­ti­schen Deut­schen Arbei­ter­ju­gend Lena Krey­mann teil­nah­men. Neben die­sen poli­ti­schen Gesprä­chen gab es wie jedes Jahr ein rei­ches kul­tu­rel­les Begleit­pro­gramm. Direkt im Anschluss an die Rosa-Luxem­burg-Kon­fe­renz ver­an­stal­te­te die Deut­sche Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei ihr tra­di­tio­nel­les Luxem­burg-Lieb­knecht-Lenin-Tref­fen. Dort spra­chen unter ande­rem Patrik Köbe­le, der Vor­sit­zen­de der DKP, ein Ver­tre­ter der por­tu­gie­si­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei sowie eben­falls Abel Prie­to und Diet­mar Dath.

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"NATO ist die größte Bedrohung für Europa" – Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin
Blick aus dem Publi­kum auf die Rosa Luxem­burg-Kon­fe­renz, orga­ni­siert von der Tages­zei­tung jun­ge Welt am Sams­tag den 12. Janu­ar 2019 in Ber­lin

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Japan will Flugzeuge für elektronische Kampfführung – gegen Russland und China


Die japa­ni­sche Regie­rung hat die Ent­wick­lung von Flug­zeu­gen für elek­tro­ni­sche Kampf­füh­rung beschlos­sen, die die Rada­re und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me des Geg­ners kampf­un­fä­hig machen könn­ten. Dies berich­tet die Zei­tung „Yomi­uri“ am Sonn­tag unter Ver­weis auf Regie­rungs­be­am­te.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken


CDU-Chefin pocht auf Vorschlagsrecht für Kanzlerkandidatur


Unmit­tel­bar vor der Klau­sur des CDU-Bun­des­vor­stan­des hat Par­tei­che­fin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er vor Per­so­nal­de­bat­ten gewarnt. Mit Hin­weis auf Äuße­run­gen aus der Par­tei über die nächs­te Kanz­ler­kan­di­da­tur poch­te Kramp-Kar­ren­bau­er auf ihre Vor­schlags­recht. “Das galt für alle Vor­sit­zen­de der CDU und das wird auch für mich gel­ten”, sag­te sie der Welt am Sonn­tag. Die CDU-Spit­ze beginnt am Sonn­tag­abend in Pots­dam ihre zwei­tä­gi­ge Klau­sur und will dort unter ande­rem ihren Kurs für die Euro­pa­wahl und die Land­tags­wah­len in die­sem Jahr abste­cken.

Erst­mals fin­det die Klau­sur unter Füh­rung von Kramp-Kar­ren­bau­er statt, die sich auf dem Ham­bur­ger Par­tei­tag im Dezem­ber knapp gegen Ex-Uni­ons­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz durch­ge­setzt hat­te. Vie­le in der Par­tei, ins­be­son­de­re vom Wirt­schafts­flü­gel, wün­schen sich den­noch eine wei­ter­hin wich­ti­ge Rol­le von Merz in der Par­tei. Kramp-Kar­ren­bau­er hat sich vor weni­gen Tagen mit Merz dar­auf ver­stän­digt, dass er Mit­glied in einem Exper­ten­kreis zur sozia­len Markt­wirt­schaft wer­den und an füh­ren­der Stel­le den The­men­be­reich “Zukunft der trans­at­lan­ti­schen Bezie­hun­gen” beglei­ten soll. Außer­dem soll er am neu­en CDU-Grund­satz­pro­gramm mit­wir­ken.

EU-Haus­halts­kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger (CDU) hat­te unlängst sogar eine Kanz­ler­kan­di­da­tur von Merz befür­wor­tet. Kramp-Kar­ren­bau­er beton­te zu sol­chen Debat­ten in der Welt am Sonn­tag :

Das ist völ­lig über­flüs­sig. Wir haben eine Kanz­le­rin. Bevor wir über Kan­di­da­tu­ren reden, müs­sen wir gemein­sam die CDU in den Zustand brin­gen, der erfolg­rei­che Wahl­kämp­fe zulässt”, sag­te sie.

Kramp-Kar­ren­bau­er kün­dig­te in dem Zei­tungs­in­ter­view zugleich eine gene­rel­le Über­prü­fung sämt­li­cher Maß­nah­men rund um die Migra­ti­on an. “Wir wer­den uns die gesam­te Ein­wan­de­rungs­fra­ge von dem Schutz der Außen­gren­ze über die Asyl­ver­fah­ren bis zur Inte­gra­ti­on unter dem Gesichts­punkt der Wirk­sam­keit anschau­en. Zusam­men mit Exper­ten von Fron­tex bis zum Bamf wer­den wir fra­gen, was an wel­cher Stel­le ver­bes­sert wer­den muss”, sag­te die CDU-Che­fin. Noch im Febru­ar sol­le es dazu in der CDU ein Werk­statt­ge­spräch geben.

Es wird erwar­tet, dass sich in Pots­dam auch Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel zur poli­ti­schen Lage äußert. Mer­kel hat­te die CDU 18 Jah­re lang geführt, sie gehört der Par­tei­spit­ze qua Amt an.

Der Chef des Uni­ons-Mit­tel­stands, Cars­ten Lin­ne­mann, sprach sich für eine Rück­be­sin­nung auf die Mar­ken­ker­ne der CDU und eine “Poli­tik des gesun­den Men­schen­ver­stands” aus. “Für ein kla­res inhalt­li­ches Pro­fil braucht es kein 75-sei­ti­ges Wahl­pro­gramm, in dem sich alles und nichts wie­der­fin­det”, sag­te Lin­ne­mann vor der am Sonn­tag in Pots­dam begin­nen­den zwei­tä­gi­gen Klau­sur des CDU-Vor­stands zum Jah­res­auf­takt.

Statt­des­sen müs­sen wir uns auf unse­re Mar­ken­ker­ne “Inne­re Sicher­heit” und “Sozia­le Markt­wirt­schaft” besin­nen und die­se mit kon­kre­ten Reform­maß­nah­men glaub­wür­dig mit Leben fül­len.

Der saar­län­di­sche Minis­ter­prä­si­dent Tobi­as Hans for­der­te ein schär­fe­res Pro­fil der Uni­on in der Regie­rungs­ar­beit. “Wir haben uns in der Ver­gan­gen­heit all­zu oft als Getrie­be ange­se­hen, das dafür sorgt, dass der Regie­rungs­mo­tor läuft”, sag­te Hans den Zei­tun­gen der Fun­ke Medi­en­grup­pe (Sonn­tag). “Künf­tig müs­sen wir als Par­tei selbst zum Motor wer­den und die Regie­rung mit neu­en Ide­en befeu­ern”, for­der­te der Minis­ter­prä­si­dent. Ähn­lich wie die SPD soll­te die Uni­on klar machen, wo sie eige­ne Akzen­te set­zen kön­ne. Als Bei­spie­le nann­te er einen “moder­nen Natio­nen­be­griff” sowie “eine glaub­wür­di­ge und kon­se­quen­te Hal­tung” in Fra­gen der Abtrei­bung, bei der Dis­kus­si­on um ein sozia­les Pflicht­jahr und um eine steu­er­li­che Ent­las­tung der Bür­ger.

Posi­tiv dürf­ten die CDU-Vor­stands­mit­glie­der eine neue Umfra­ge auf­neh­men. Im “Sonn­tags­trend” des Emnid-Insti­tuts für die Bild am Sonn­tag ver­bes­ser­ten sich CDU/CSU um zwei Pro­zent­punk­te und errei­chen 31 Pro­zent. Die ande­ren Par­tei­en blie­ben gleich oder ver­lo­ren leicht. Aller­dings ist es für die Uni­on noch ein wei­ter Weg zu alter Stär­ke. Kramp-Kar­ren­bau­er hat­te Wahl­er­geb­nis­se über 40 Pro­zent mehr­fach als Ziel genannt.

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dpa/RT Deutsch

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Für die “nationale Sicherheit”: US-Unternehmen sollen Seltene Erden in Afghanistan ausbeuten


US-Unter­neh­men pla­nen, eine grö­ße­re Rol­le bei der Gewin­nung der enor­men Vor­kom­men an wert­vol­len Sel­te­nen Erden zu spie­len, berich­te­te Reu­ters, nach­dem US-Prä­si­dent Donald Trump am Don­ners­tag sei­nen afgha­ni­schen Amts­kol­le­gen Ashraf Gha­ni getrof­fen hat­te.

Erst vor weni­gen Tagen ver­kün­de­te US-Prä­si­dent Donald Trump die Absicht, die eige­nen Sol­da­ten nicht nur aus Syri­en, son­dern auch die Hälf­te der rund 14.000 in Afgha­ni­stan sta­tio­nier­ten US-Sol­da­ten abzie­hen zu wol­len. Dem wider­sprach prompt ein Spre­cher des natio­na­len US-Sicher­heits­rats :

Der Prä­si­dent hat nicht den Wil­len gezeigt, die mili­tä­ri­sche Prä­senz der USA in Afgha­ni­stan zu ver­rin­gern und er hat das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um nicht ange­wie­sen, den Pro­zess des Rück­zugs von US-Per­so­nal aus Afgha­ni­stan ein­zu­lei­ten”, erklär­te Spre­cher Gar­rett Mar­quis.

Doch von einer kon­kre­ten Ein­lei­tung des Abzugs­pro­zes­ses hat­te Trump ohne­hin nicht gespro­chen. Die neu­es­ten Ent­wick­lun­gen könn­ten nun auch ein gene­rel­les Umden­ken Trumps för­dern – wenn es sich nicht ohne­hin nur um eine rein tak­tisch moti­vier­te Aus­sa­ge gehan­delt haben soll­te. Hin­ter­grund ist ein Tref­fen des US-Prä­si­den­ten mit sei­nem afgha­ni­schen Amts­kol­le­gen Aschraf Gha­ni. Bei dem Tref­fen das ver­gan­ge­ne Woche in New York statt­fand, spiel­ten dem­zu­fol­ge auch die enor­men Vor­kom­men an Sel­te­nen Erden in der afgha­ni­schen Erde eine Rol­le. So heißt es, dass bei­de das Ansin­nen unter­stütz­ten, die Reser­ven des bet­tel­ar­men Lan­des an Sel­te­nen Erden zu “ent­wi­ckeln”.

Die ver­meint­li­chen Ent­wick­lungs­hel­fer wären dem­nach US-Unter­neh­men und das “trotz enor­mer Hin­der­nis­se für den indus­tri­el­len Abbau im Land”. Doch die­se Pro­ble­me könn­ten durch die Tat­sa­che wett­ge­macht wer­den, dass die Prei­se für sel­te­ne Erden auf­grund der immer wei­ter stei­gen­den Nach­fra­ge zuletzt in die Höhe schnell­ten. Exper­ten äußer­ten dem­nach bereits die Ansicht, dass die Erschlie­ßung daher einer Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­se durch­aus stand­hal­ten wür­de.

Die Aus­sa­gen auf einem Tref­fen in New York waren die letz­te in einer Rei­he von Stel­lung­nah­men, in denen sowohl US-Beam­te als auch die afgha­ni­sche Regie­rung den poten­zi­el­len stra­te­gi­schen Wert der rie­si­gen und weit­ge­hend uner­schlos­se­nen Mine­ral­re­ser­ven Afgha­ni­stans her­vor­ge­ho­ben haben”, heißt es wei­ter.

Tat­säch­lich ver­fügt das Land am Hin­du­kusch über eini­ge der welt­weit größ­ten und bis­her nicht abge­bau­ten Reser­ven an Sel­te­nen Erden, die vor allem für die Elek­tro­nik-, High-Tech- und Mili­tär­in­dus­trie von immer grö­ße­rer Bedeu­tung sind, dar­un­ter Lithi­um ; aber auch Gold und ver­schie­de­ne Edel­stei­ne fin­den sich in erheb­li­chem Aus­maß im Boden. Schät­zun­gen gehen von einem Gesamt­wert an Sel­te­nen Erden von min­des­tens einer Bil­li­on US-Dol­lar aus.

Ins­ge­samt schlum­mern dem­nach 15 der metal­li­schen Ele­men­te im Umfang von einer Mil­li­on metri­schen Ton­nen im Boden etwa der umkämpf­ten afgha­ni­schen Hel­mand-Pro­vinz. Die Anga­ben gehen zurück auf eine Stu­die des U.S. Geo­lo­gi­cal Sur­vey, finan­ziert von der “Depart­ment of Defense’s Task Force for Busi­ness and Sta­bi­li­ty Ope­ra­ti­ons” (TFBSO). Deren Exper­ten waren es dem­nach auch, die den Vor­kom­men vor Ort auf die Spur kamen. Auch Kup­fer und Eisen fin­den sich, von den enor­men Ölvor­kom­men ganz zu schwei­gen.

Mehr zum The­ma — “Kampf dem Ter­ro­ris­mus”: Trump ver­tei­digt Sowjet-Inter­ven­ti­on in Afgha­ni­stan – Main­stream flippt aus

Nicht ohne Grund also bespra­chen Trump und Gha­ni dem­nach auch die Schwie­rig­kei­ten, mit denen die Erschlie­ßung der Vor­kom­men ver­knüpft sei, dar­un­ter der unge­bro­che­ne Wider­stand der Tali­ban, auch und vor allem in der Regi­on Hel­mand. Wie es bei inves­ti­ga­ti­ven US-Medi­en heißt, bekun­de­ten bei­de vor die­sem Hin­ter­grund ihr Enga­ge­ment für Trumps Afgha­ni­stan-Stra­te­gie, die, ent­ge­gen sei­nen Ver­spre­chun­gen im Wahl­kampf, dar­in bestehe, die US-Streit­kräf­te auf unbe­stimm­te Zeit im Land zu belas­sen. Bei Reu­ters heißt es wie­der­um, dass “bei­de Staats­ober­häup­ter bekräf­tig­ten auch ihr Enga­ge­ment für Trumps neue Süd­asi­en-Stra­te­gie zur Bekämp­fung des Ter­ro­ris­mus.”

Auch wenn das The­ma aktu­ell wie­der Beach­tung erhält, hat das US-Mili­tär aller­dings bereits seit etwa einem Jahr­zehnt ein Auge auf den poten­ti­el­len Reich­tum Afgha­ni­stans gewor­fen. Bereits 2010 zitier­ten die New York Times aus einem Pen­ta­gon-Memo aus dem Jahr 2007. Dar­in heißt es dem­zu­fol­ge, dass Afgha­ni­stan das Zeug zum “Sau­di-Ara­bi­en des Lithi­ums” besit­ze.

Es gibt hier (in Afgha­ni­stan) ein atem­be­rau­ben­des Poten­zi­al,” wird außer­dem der ehe­ma­li­ge CIA-Direk­tor und Ober­be­fehls­ha­ber der US-Trup­pen in Afgha­ni­stan, Gene­ral David Petraeus, zitiert.

In einem Arti­kel vom Juli 2017 wird man noch etwas kon­kre­ter. So schaue sich auch etwa ein “infor­mel­ler Bera­ter” Trumps in Sachen Afgha­ni­stan, der Mil­li­ar­där und Inves­tor Ste­phen A. Fein­berg, bereits nach Mög­lichg­kei­ten um, die Mine­ra­li­en Afgha­ni­stans “aus­zu­beu­ten”.

Herr Fein­berg besitzt eine gro­ße mili­tä­ri­sche Ver­trags­fir­ma, Dyn­Corp Inter­na­tio­nal, die eine Rol­le bei der Bewa­chung von Minen spie­len könn­te – ein gro­ßes Anlie­gen, da eini­ge der reichs­ten Lager­stät­ten Afgha­ni­stans in Gebie­ten lie­gen, die von den Tali­ban kon­trol­liert wer­den.

Neben den Inter­es­sen der US-Wirt­schaft geht es für Trump aber auch um die “natio­na­le Sicher­heit” – der USA. Auch beim The­ma der enor­men Kos­ten des längs­ten kon­ti­nu­ier­li­chen Mili­tär­ein­sat­zes in der US-Geschich­te erhofft man sich offen­sicht­lich Abhil­fe und selbst­ver­ständ­lich sol­len auch die Afgha­nen pro­fi­tie­ren :

Sie [Trump und Gha­ni] waren sich einig, dass sol­che Initia­ti­ven ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men hel­fen wür­den, Mate­ria­li­en zu ent­wi­ckeln, die für die natio­na­le Sicher­heit ent­schei­dend sind, wäh­rend sie die Wirt­schaft Afgha­ni­stans wach­sen las­sen und neue Arbeits­plät­ze in bei­den Län­dern schaf­fen, wodurch sie einen Teil der Kos­ten für die Unter­stüt­zung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten abde­cken wür­den, da die Afgha­nen selbst­stän­di­ger wer­den”, heißt es aus dem Wei­ßen Haus.

Neben der ver­meint­li­chen Ent­wick­lung Afgha­ni­stans dürf­ten jedoch auch geo­stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen Washing­ton antrei­ben. Es ist Chi­na, das der­zeit über 95 Pro­zent der welt­weit ver­wert­ba­ren Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten für Sel­te­ne Erden ver­fügt und auch in Afgha­ni­stan hat Peking längst einen Fuß in der Tür. Vor Ort unter­hält man unter ande­rem die Mes-Aynak-Kup­fer­mi­ne. Die ent­spre­chen­den Kon­zes­sio­nen erhiel­ten bereits im Jahr 2008 zwei staats­ei­ge­ne chi­ne­si­sche Unter­neh­men – die Jian­gxi Cop­per Com­pa­ny Limi­ted, spä­ter MCC-JCL, und die Chi­na Metall­ur­gi­cal Group Cor­po­ra­ti­on (MCC). Mes Aynak ist dem­nach die welt­weit zweit­größ­te Kup­fer­erz-Mine über­haupt.

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Nicht von unge­fähr gehen daher Beob­ach­ter davon aus, dass eine stär­ke­re US-Prä­senz bei der Gewin­nung Sel­te­ner Erden in Afgha­ni­stan ein Weg für Washing­ton sein könn­te, den Ein­fluss Pekings ein­zu­däm­men. Ins­be­son­de­re auch ange­sichts der Tat­sa­che, dass Afgha­ni­stan eine Schlüs­sel­rol­le in der Belt and Road Initia­ti­ve Chi­nas spielt.

Ohne Zwei­fel spielt eine sich wei­ter ent­fal­ten­de afgha­nisch-chi­ne­si­sche Part­ner­schaft eine sehr wich­ti­ge Rol­le und Kabul und Peking wer­den Inter­es­se dar­an haben, die Din­ge cle­ver anzu­ge­hen”, heißt es dazu beim The Diplo­mat.

Unge­mach droht dem zuneh­mend her­aus­ge­for­der­ten Hege­mon auch sei­tens Russ­lands und des Iran, die vor Ort eben­falls immer wei­ter an Ein­fluss gewin­nen.

Der Afgha­ni­stan-Ein­satz des US-Mili­tärs begann im Jahr 2001 mit der Begrün­dung, dass die afgha­ni­sche Regie­rung dem Kreis der Atten­tä­ter des 11. Sep­tem­bers Unter­schlupf gewährt habe. Der­zeit lebt ein Drit­tel der afgha­ni­schen Bevöl­ke­rung unter­halb der Armuts­gren­ze.

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