Trittbrett-Imperialismus — Grüne und Atomkonzern gegen Gazprom


Reden wir übers Geschäft : Über der Ost­see­pipe­line Nord Stream 2 bal­len sich schwe­re ideo­lo­gi­sche Wol­ken. Rund um den rus­si­schen Staats­kon­zern “Gaz­prom” und sei­ne Mit-Inves­to­ren, die BASF Toch­ter Win­ters­hall und deren Part­ner hofft man einen guten Schnitt zu machen.
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Streit mit Gazprom : Schiedsgericht spricht polnischen Energiekonzern Recht auf Preissenkung zu


Das Schieds­ge­richt hat der Kla­ge von PGNiG statt­ge­ge­ben und in sei­nem Teil­ur­teil ent­schie­den, dass die im Ver­trag ver­an­ker­te Bedin­gung für PGNiG erfüllt ist, um eine Preis­sen­kung im Rah­men des lang­fris­ti­gen Ver­tra­ges zu ver­lan­gen, auf Basis des­sen die rus­si­sche Gaz­prom Gas nach Polen lie­fert (soge­nann­ter Jamal-Ver­trag). Seit Jah­ren lehnt Gaz­prom jede Mög­lich­keit einer sol­chen Revi­si­on ab, so dass der Ver­trags­preis für PGNiG die Prei­se auf den west­eu­ro­päi­schen Märk­ten deut­lich über­steigt”,

begrün­det die PGNiG ihr Vor­ge­hen auf der eige­nen Web­sei­te. Ihr Vor­stands­vor­sit­zen­der Pio­tr Woź­ni­ak erklärt außer­dem :

Das Gericht folg­te den wich­tigs­ten Argu­men­ten, die PGNiG vor­ge­bracht hat­te und die auf die Not­wen­dig­keit einer Sen­kung des Ver­trags­prei­ses hin­deu­te­ten. Es wies gleich­zei­tig die Argu­men­te von Gaz­prom für eine Bei­be­hal­tung der der­zei­ti­gen, nicht markt­üb­li­chen Preis­be­din­gun­gen im Rah­men des Jamal-Ver­trags zurück. Wir sind zufrie­den mit der Ent­schei­dung des Gerichts, die das Recht von PGNiG bestä­tigt, eine Her­ab­set­zung des Ver­trags­prei­ses zu ver­lan­gen. Wir erwar­ten die Her­ab­set­zung des Ver­trags­prei­ses auf das Niveau der Markt­prei­se in einem spä­te­ren Sta­di­um des Ver­fah­rens.

Polen ver­braucht etwa 15 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter Gas pro Jahr. Ein Drit­tel die­ses Volu­mens wird eigen­stän­dig Quel­len auf sei­nem Ter­ri­to­ri­um extra­hiert, der Rest wird impor­tiert. Als Haupt­gas­lie­fe­rant fun­giert die rus­si­sche Gaz­prom, die auf der Grund­la­ge eines lang­fris­ti­gen Ver­tra­ges jähr­lich bis zu 10,2 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter Gas lie­fert.

Aktuell gültige Preisvereinbarung stammt aus dem Jahr 2012

Im Jahr 2012 hat­ten sich die Par­tei­en zwar auf eine Sen­kung der Gas­prei­se um zehn Pro­zent geei­nigt, doch drei Jah­re spä­ter im Jah­re 2015 wand­te sich PGNiG an das Schieds­ge­richt in Stock­holm und for­der­te noch nied­ri­ge­re Gas­prei­se. Der Ansicht War­schaus zufol­ge sei der Gas­preis, auf den man sich in der 2012 ange­pass­ten Ver­ein­ba­rung geei­nigt habe, zu hoch und wür­de nicht der Situa­ti­on auf dem euro­päi­schen Ener­gie­markt ent­spre­chen.

Die pol­ni­sche Regie­rung erklär­te, dass das Land bis 2022 einen Ersatz für Gas­lie­fe­run­gen aus Russ­land zu fin­den ver­su­che. Zu die­sem Zeit­punkt soll die Gül­tig­keit des aktu­ell gül­ti­gen lang­fris­ti­gen Ver­tra­ges mit der Gaz­prom aus­lau­fen. Als pri­mä­re Opti­on für den Ersatz des rus­si­schen Gases gilt die Erhö­hung des Imports von ver­flüs­sig­tem Erd­gas (LNG), das zur­zeit nur in gerin­gen Men­gen aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Katar über ein spe­zi­el­les LNG-Ter­mi­nal in Swi­ne­mün­de ein­ge­schifft wird. Eine wei­te­re Mög­lich­keit wäre der Bau einer Gas­pipe­line, die Polen mit dem nor­we­gi­schen Schelf über Däne­mark ver­bin­den wür­de.

RT Deutsch


Wegen Verfahrensfehlern : Gazprom legt gegen schwedisches Gerichtsurteil Berufung ein


Im Streit zwi­schen dem rus­si­schen Ener­gie­kon­zern Gaz­prom und dem ukrai­ni­schen Ener­gie­kon­zern Naftohas geht es um bei­der­sei­ti­ge For­de­run­gen in Höhe von Dut­zen­den Mil­li­ar­den US-Dol­lar, die auf einen aus dem Jahr 2009 datie­ren­den Zehn-Jah­res-Ver­trag zurück­ge­hen.

Gaz­prom will nicht mehr in die Ukrai­ne lie­fern, weil die­se ele­men­ta­re Ver­trags­ver­pflich­tun­gen ver­letzt habe. Das Schieds­ge­richt in Stock­holm urteil­te jedoch in ers­ter Instanz, das Unter­neh­men sei wei­ter an den Ver­trag gebun­den. Den Antrag auf Beru­fung hat der rus­si­sche Ener­gie­kon­zern am 21. März ein­ge­bracht. Dar­in for­der­te Gaz­prom, das Urteil des Stock­hol­mer Schieds­ge­richts teil­wei­se auf­zu­he­ben und begrün­de­te die­sen Antrag mit Ver­fah­rens­feh­lern und rechts­miss­bräuch­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen des Ver­trags­part­ners. 

Auf Twit­ter ver­öf­fent­lich­te Gaz­prom nun eine Erklä­rung. Hier­in wirft der Kon­zern der Ukrai­ne vor, sich auf der Basis rechts­wid­rig ver­häng­ter Buß­gel­der des­sen Besitz aneig­nen zu wol­len. Die­se gin­gen auf eine Ent­schei­dung der Anti­mo­no­pol-Kom­mis­si­on der Ukrai­ne aus dem Jahr 2016 zurück, die einen fal­schen Prä­text zu einer rechts­grund­lo­sen Ent­eig­nung geschaf­fen habe.

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Ale­xej Mil­ler, Direk­tor von Gaz­prom, erklärt zu dem Fall : 

[Es han­delt sich um] eine asym­me­tri­sche Ent­schei­dung, wel­che die Balan­ce der Par­tei­in­ter­es­sen in Ver­trä­gen, Lie­fe­rung und Trans­port ver­letzt. Unter sol­chen Gege­ben­hei­ten wer­den die Ver­trä­ge für uns wirt­schaft­lich inef­fi­zi­ent. Unbe­strit­ten­er­wei­se ist die Ent­schei­dung, Ver­trä­ge zu been­den, kei­ne schnel­le Ange­le­gen­heit, anschei­nend wird es noch ein oder ein­ein­halb Jah­re dau­ern. 

Noch, so Mil­ler, müs­se die Ukrai­ne bewei­sen, dass sie ein ver­läss­li­cher Han­dels­part­ner sei. Das Stock­hol­mer Schieds­ge­richt hat­te geur­teilt, dass Gaz­prom 2,56 Mil­li­ar­den an den staat­li­chen Ener­gie­kon­zern aus der Ukrai­ne, Naftohas, zu zah­len habe, um alle Rechts­strei­tig­kei­ten aus dem bestehen­den Ver­trag bei­le­gen zu kön­nen. Dar­über hin­aus soll rus­si­sches Gas wie­der in die Ukrai­ne gelie­fert wer­den.

Naftohas for­dert auch für 2018 und 2019 Scha­dens­er­satz von Gaz­prom. Mil­ler sag­te dem­ge­gen­über, sein Unter­neh­men wer­de nicht “die wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me der Ukrai­ne aus eige­ner Tasche” finan­zie­ren. Die EU hat­te sich als Ver­mitt­ler im Gas-Streit zwi­schen der Ukrai­ne und Russ­land ange­bo­ten. 

RT Deutsch


Gazprom geht zur Sache – und kündigt Verträge mit Naftogaz auf


Der rus­si­sche Gas­kon­zern Gaz­prom hat laut sei­nem Vor­stands­vor­sit­zen­den Ale­xej Mil­ler am Frei­tag beschlos­sen, sämt­li­che Ver­trä­ge mit dem ukrai­ni­schen Ener­gie­ver­sor­ger Naf­togaz über die Lie­fe­rung und den Tran­sit von Gas auf­zu­kün­di­gen.
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Um die Heizkosten für unsere Bürger zu senken” — Ukraine muss wieder bei Gazprom kaufen


von Nju­ra N. Berg

Die sich plötz­lich abzeich­nen­de Wie­der­kehr von Ener­gie-Ein­käu­fen bei den Rus­sen ist, glaubt man Poro­schen­ko, aus­schließ­lich hohen mora­li­schen Über­le­gun­gen geschul­det.

Sie klop­fen an : Wol­len Sie viel­leicht Gas bei uns kau­fen ? Nein dan­ke, bei uns ist alles gut. Wenn es bil­lig wird, wenn es ehr­lich und nicht kor­rupt ist – bit­te schön. Aber wofür brau­chen wir es ? Um die Tari­fe für unse­re Men­schen zu sen­ken” – dies ver­kün­de­te Poro­schen­ko mit viel Pathos wäh­rend sei­nes letz­ten Besuchs in Odes­sa.

Er ver­gisst nur, zu erwäh­nen, dass die wah­re Ursa­che der offen­bar bevor­ste­hen­den Wie­der­auf­nah­me der Ein­käu­fe aus Russ­land viel pro­sai­sche­rer Natur ist. Wir kom­men dar­auf zurück, aber zunächst soll­ten wir uns der Gene­se der Gas-Pro­ble­ma­tik und deren Rol­le im Ent­ste­hen der ukrai­ni­schen Staat­lich­keit erin­nern.

Der Gas-Gestank : Furchtbar und schön

Gas für die Ukrai­ne, die ihre Staat­lich­keit auf die Rauch­schwa­den bren­nen­der Fackeln und Auto­rei­fen gebaut hat, hat gene­rell etwas Sakra­les. Kein ein­zi­ger bis­he­ri­ger Prä­si­dent des Lan­des konn­te wäh­rend sei­ner Amts­zeit die­ses The­ma außer Acht las­sen. Und alle nutz­ten das damit ver­bun­de­ne Kor­rup­ti­ons­po­ten­zi­al mehr oder weni­ger unver­blümt aus. Aber erst Wik­tor Juscht­schen­ko, der 2004 infol­ge der so genann­ten Oran­ge­nen Revo­lu­ti­on an die Macht gekom­men war, erhob die­se Pro­ble­ma­tik zur wich­tigs­ten Fra­ge der Aus­rich­tung ukrai­ni­scher Außen- und Innen­po­li­tik. Die­se Aus­rich­tung trug auch das größ­te Kon­flikt­po­ten­zi­al in sich.

Denn aus­ge­rech­net er stell­te die Mög­lich­keit eines völ­li­gen Ver­zichts auf rus­si­sches Gas in Aus­sicht, was sei­ner Mei­nung nach eine sym­bo­li­sche Bedeu­tung für das Wer­den der ukrai­ni­schen Staat­lich­keit haben wür­de. Juscht­schen­ko gab regel­mä­ßig gro­be und pro­vo­zie­ren­de Erklä­run­gen dazu ab. Aber er muss­te gleich­zei­tig Vor­wür­fe einer eige­nen Teil­nah­me an den Kor­rup­ti­ons­ver­bin­dun­gen des Unter­neh­mens Rosukrener­go von sich wei­sen. Dabei griff er auch mal zu unpar­la­men­ta­ri­schen und auf­brau­sen­den Aus­drü­cken wie :

Ich habe mit eurem stin­ken­den Gas nichts zu tun !

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Es ist sym­pto­ma­tisch, dass ein sol­cher Gesprächs­ton wäh­rend einer Sit­zung des Rates für Natio­na­le Sicher­heit und Ver­tei­di­gung mög­lich wur­de.

Für Pre­mier­mi­nis­te­rin Julia Timo­schen­ko wur­de das Gas-The­ma wie­der­um zum Ver­häng­nis. Sie schloss ziem­lich selt­sa­me Gas­ver­trä­ge über Lie­fe­run­gen aus Russ­land, wor­auf­hin sie, schon zu Zei­ten Janu­ko­wytschs als Prä­si­dent, ange­klagt wur­de. Der spä­ter gestürz­te Prä­si­dent schick­te sie ins Gefäng­nis, das sie aber schnell gegen ein kom­for­ta­ble­res Kran­ken­haus­zim­mer tausch­te. Die­ser Auf­ent­halt hin­der­te sie nicht dar­an, aktiv am poli­ti­schen Leben teil­zu­neh­men und vom Wes­ten unter­stützt zu wer­den – unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass die Kor­rup­ti­on im Umfeld der Gas­ver­trä­ge offen­sicht­lich war, was das Gericht auch bestä­tig­te.

Es ist beacht­lich, dass der Voll­text des Gerichts­ur­teils gegen Timo­schen­ko, zuvor auf der Home­page des Staat­li­chen Gesamt­re­gis­ters für Gerichts­ur­tei­le zugäng­lich, ent­fernt wur­de, nach­dem das Urteil im April 2014 kurz nach dem Staats­streich vom Obers­ten Gericht der Ukrai­ne für nich­tig erklärt wor­den war. Es hin­der­te den Prä­si­den­ten Poro­schen­ko wäh­rend sei­ner letz­ten Rei­se ins das Gebiet Odes­sa nicht dar­an, die dama­li­gen Ver­trä­ge “abso­lut ver­bre­che­risch” zu nen­nen.

Poroschenko bricht und bricht mit Russland — jedes Mal endgültig

Der end­gül­ti­ge und unum­kehr­ba­re Bruch mit Russ­land ist das zen­tra­le The­ma, das im Kern der gan­zen PR-Arbeit von Poro­schen­ko zugrun­de liegt. Fast täg­lich kommt er in sei­nen flam­men­den Reden dar­auf zurück – was an eine Art Schwur an die natio­na­lis­tisch gesinn­ten Akti­vis­ten erin­nert. Das alles hin­dert ihn aller­dings nicht dar­an, sei­ne eige­nen Geschäf­te wei­ter­hin auf dem Ter­ri­to­ri­um der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on lau­fen zu las­sen und — wie dies eine jour­na­lis­ti­sche Unter­su­chung des ukrai­ni­schen Inter­net-Por­tals strana.ua offen­legt — eine Mil­li­ar­de Rubel (etwa 14,7 Mio. Euro) an Steu­ern in das rus­si­sche Staats­bud­get zu zah­len. Poro­schen­ko stellt sich auch dem Erho­lungs­kurs des rus­sisch-ukrai­ni­schen Han­dels nicht ent­ge­gen, der in den Jah­ren 2014 und 2015 einen dra­ma­ti­schen Rück­gang erfah­ren hat.

Die ukrai­ni­schen Radi­ka­len han­deln stets nach dem glei­chen Prin­zip : Sie haben sich bereits mehr­mals medi­en­wirk­sam an ver­schie­de­nen Blo­cka­den des Han­dels mit Russ­land betei­ligt und füh­ren einen uner­bitt­li­chen Kampf gegen die Ein­fuhr rus­si­scher Waren auf das ukrai­ni­sche Ter­ri­to­ri­um. Das alles hin­dert sie aller­dings nicht dar­an, sich mit­hil­fe rus­si­schen Gases und rus­si­scher Koh­le zu wär­men sowie den aus Russ­land impor­tier­ten Strom immer dann zu nut­zen, wenn es in eige­nen Kraft­wer­ken zu Eng­päs­sen kommt. Sie erin­nern ein wenig an jene hoch­prin­zi­pi­el­len Vega­ner, die auf Leder­schu­he doch nicht ver­zich­ten, weil es im künst­li­chen Leder für die Füße zu kalt ist.

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Genau in die­sem Kon­text des end­gül­ti­gen Bruchs mit Russ­land beackert Prä­si­dent Poro­schen­ko seit Beginn sei­ner Prä­si­dent­schaft das Gas-The­ma, indem er den natio­na­lis­tisch gesinn­ten Tei­len der Bür­ger ver­spricht, auf den rus­si­schen Treib­stoff kom­plett zu ver­zich­ten. Dabei übt die ukrai­ni­sche Regie­rung auf ihre west­li­che Part­ner Druck aus, damit die­se ihrer­seits auf Russ­land Druck aus­üben, indem sie von Russ­land eine vol­le Aus­las­tung des ukrai­ni­schen Gas­trans­port­sys­tems durch… rus­si­sches Gas for­dern.

Par­al­lel dazu geht der Krieg gegen die Pro­jek­te Nord Stream 2 und Tur­kish Stream wei­ter, wel­che die Ukrai­ne als Gefah­ren für das eige­ne Gas­trans­port­netz betrach­tet. Sol­che ein­an­der aus­schlie­ßen­den Ansät­ze gehö­ren zum All­tag der ukrai­ni­schen Poli­tik und es ist nutz­los, hier nach einer Logik zu suchen.

Die Rose duftet nach Rose, ob sie nun Rose heißt oder nicht

Es ist also klar, dass rus­si­sches Gas unver­zicht­bar ist. Des­we­gen wur­de ent­schie­den, die­ses umzu­be­nen­nen, was der Regie­rung in Kiew wie­der­um die Mög­lich­keit gab, laut­hals eine sym­bo­li­sche Absa­ge an den feind­li­chen Treib­stoff zu dekla­mie­ren und damit das Mini­mum an revo­lu­tio­nä­rer Anstän­dig­keit zu bewah­ren. Man begann, das Gas bei meh­re­ren euro­päi­schen Län­dern ein­zu­kau­fen, zu einem Preis, der etwa um zehn Pro­zent höher als ein direk­ter Bezug aus Russ­land ist. Was für eine Geschäfts­idee die­sem Vor­ge­hen zugrun­de liegt, ist schwer zu ver­ste­hen, aber man kann einer nai­ven Bevöl­ke­rung, die an Wun­der glaubt, eben noch ein wei­te­res Mal weis­ma­chen, dass die Ukrai­ne nun ein für alle Mal end­gül­tig alle Bin­dun­gen zum feind­lich-impe­ria­len Russ­land zer­ris­sen hat.

Poro­schen­ko gibt inzwi­schen sogar zu, dass Ein­käu­fe in Euro­pa äußerst ungüns­tig und aus­schließ­lich poli­tisch moti­viert sind. In Wirk­lich­keit war und ist das Gas rus­sisch, auch wenn es bei­spiels­wei­se aus der Slo­wa­kei gelie­fert wird. Mehr noch : Obwohl sich der Gas­preis infol­ge des bil­li­gen Ölprei­ses gleich­falls unun­ter­bro­chen im Sink­flug befin­det, ver­teu­ern sich die Tari­fe für die ukrai­ni­sche Bevöl­ke­rung stän­dig und sind mitt­ler­wei­le um das Zehn­fa­che höher als zur Janu­ko­wytsch-Zeit. Eine wei­te­re Erhö­hung in den Jah­ren 2018 bis 2020 ist bereits ange­kün­digt. Ener­gie­ex­per­te Walen­tin Seml­jan­ski zufol­ge sieht der Finanz­plan der ukrai­ni­schen Regie­rung eine wei­te­re Preis­stei­ge­rung um 19 Pro­zent im Ver­hält­nis zum heu­ti­gen Niveau.

Naftogas vs. Gazprom : Niederlage kaum von Sieg zu unterscheiden

Die letz­ten vier Jah­re, die seit der so genann­ten Revo­lu­ti­on der Wür­de ver­gan­gen sind, haben die bei­den Mono­po­lis­ten — die rus­si­sche Gaz­prom und ihr ukrai­ni­sches Vis-a-vis Naf­togas — unun­ter­bro­chen mit Gerichts­pro­zes­sen ver­bracht. Jede Sei­te betrach­tet die Zwi­schen­er­geb­nis­se als eige­nen Sieg und Nie­der­la­ge für den Oppo­nen­ten.

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Die jüngs­te Ent­schei­dung des Stock­hol­mer Schieds­ge­richts war hier kei­ne Aus­nah­me. Noch vor dem Ter­min haben die Naf­togas-Mana­ger vor­ei­lig ver­spro­chen, im Fal­le des Sie­ges die Tari­fe für die Bevöl­ke­rung zu sen­ken. Und nun liegt der Beschluss end­lich vor. Die ukrai­ni­sche Regie­rung und der Gas-Mono­po­list selbst haben ihn als Sieg bezeich­net und dafür den Naf­togas-Chef Andrej Kobo­lew unan­stän­dig hoch prä­miert.

Exper­ten aus dem Gas- und Ölsek­tor hin­ge­gen schät­zen die Situa­ti­on anders ein. Selbst eine ober­fläch­li­che Ana­ly­se zeigt, dass für die Ukrai­ne nicht alles so fei­er­lich aus­sieht, wie es die offi­zi­el­len Mit­tei­lun­gen der Regie­rung und des Prä­si­di­al­am­tes weis­ma­chen wol­len. Ja, die Ukrai­ne wird Russ­land nicht zehn­tau­sen­de Mil­li­ar­den Dol­lar zurück­zah­len müs­sen, aber sie muss den­noch eine gewis­se Sum­me zah­len oder das ist nicht wenig.

Naf­togas hat in sei­ner Kla­ge das gan­ze Geld gefor­dert, das das Unter­neh­men nach dem Ver­ständ­nis der ukrai­ni­schen Regie­rung in den Jah­ren nach dem Mai­dan zu viel gezahlt hat, als die­se im Jahr 2014 den damals gül­ti­gen Ver­trags­preis für über­teu­ert erklärt hat. Die­se Haupt­for­de­rung hat das Stock­hol­mer Schieds­ge­richt nicht bejaht, indem es die Argu­men­te bezüg­lich der angeb­lich zu hohen Prei­se für unbe­acht­lich erklär­te. Die Ukrai­ne muss Russ­land hin­ge­gen zwei Mil­li­ar­den US-Dol­lar erstat­ten, die sie infol­ge der ein­sei­ti­gen Preis­sen­kung an rus­si­sche Unter­neh­men im Geis­te der revo­lu­tio­nä­ren Zweck­mä­ßig­keit zu wenig gezahlt hat.

In einer Rei­he ande­rer Punk­te wird der Gerichts­be­schluss als Sieg oder Nie­der­la­ge gese­hen, je nach­dem, aus wel­chem Land der jewei­li­ge Exper­te stammt. Es ist nur gera­de in Bezug auf die oben zitier­te Äuße­rung von Poro­schen­ko ein sehr wich­ti­ges Detail über die mög­li­che Wie­der­auf­nah­me der Ein­käu­fe von­sei­ten der Ukrai­ne her­vor­zu­he­ben. Das Stock­hol­mer Gericht hat es als zuläs­sig aner­kannt, dass Naf­togas im Rah­men des ver­pflich­tet ist, jähr­lich fünf Mil­li­ar­den Kubik­me­ter bei Gaz­prom ein­zu­kau­fen. Damit blieb die Regel “Nimm und zah­le”, die von der ukrai­ni­schen Sei­te ange­foch­ten wur­de, erhal­ten, obwohl das Ein­kaufs­vo­lu­men dras­tisch gesun­ken war.

Naf­togas hält das Urteil für einen Sieg, denn in Fol­ge des­sen muss die Ukrai­ne um ein Zehn­tel weni­ger Gas in Russ­land kau­fen. In Wirk­lich­keit besteht er für sie dar­in, dass die Ukrai­ne auf die­se Wei­se spa­ren kann : Rus­si­sches Gas ist bil­li­ger.

Der ukrai­ni­sche Prä­si­dent wird nicht müde in Öffent­lich­keit sich von Russ­land immer aufs Neue zu ver­ab­schie­den.

Endgültiger Bruch mit Russland wird wieder vertagt — während Poroschenko zu scheitern droht

In poli­ti­scher Hin­sicht ist die Wie­der­auf­nah­me der Ein­käu­fe aber ein völ­li­ges Fias­ko. Das, wor­über meh­re­re Jah­re lang alle hoch­ran­gi­ge ukrai­ni­sche Poli­ti­ker und Beam­ter gespro­chen haben, ist eine lee­re Hül­le geblie­ben. Alle Gesprä­che über den end­gül­ti­gen poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Bruch mit der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on im Namen der Wür­de und Unab­hän­gig­keit ent­pupp­ten sich als Simu­la­ti­on.

Aber keh­ren wir zum Ver­spre­chen, Tari­fe “für unse­re Men­schen” zu sen­ken, zurück. Wir erin­nern uns : In den post­mai­da­nen Jah­ren haben sie sich ins Uner­mess­li­che erhöht und wer­den sich wei­ter­hin erhö­hen — das sagen sogar regie­rungs­na­he Exper­ten vor­aus. Der zyni­sche Ver­such Poro­sch­nen­kos, eine gute Mie­ne zum bösen Spiel zu machen und sich bei den immer ärmer wer­den­den Ukrai­nern als sor­gen­der Vater der Nati­on dar­zu­stel­len, ist per­spek­tiv­los.

Um die­sen Schluss zu zie­hen, genügt es, auf die Umfra­ge­wer­te des Prä­si­den­ten zu schau­en. Das Volk glaubt ihm nicht. Es ver­steht, dass ihm sei­ne Nöte egal sind. Wie man es schön sagt : Die Pro­ble­me der India­ner rüh­ren den She­riff nicht an. Die Impro­vi­sa­tio­nen über den ver­meint­li­chen Test auf Ehr­lich­keit und Nicht­kor­rupt­heit, den das Gas angeb­lich bestehen soll, klin­gen lächer­lich aus dem Mund des Hel­den der pana­mi­schen Off­shores. Das Haupt­pro­blem besteht jetzt dar­in, die­se ernied­ri­gen­de Ver­pflich­tung, doch wie­der beim bösen Feind ein­zu­kau­fen, in wei­te­re popu­lis­ti­sche Ver­spre­chun­gen und Schwü­re unter pathos­haf­ter Dar­bie­tung für ner­vö­se ukrai­ni­sche Natio­na­lis­ten ein­zu­hül­len.

Eine wei­te­re viel­sa­gen­de Ent­wick­lung : Der ukrai­ni­sche Pre­mier Wolo­dy­m­yr Hro­js­man kün­digt indes­sen an, dass künf­tig Tari­fe für Wohn­ne­ben­kos­ten inklu­si­ve Gas­kos­ten quar­tals­mä­ßig gesenkt wer­den. Das Pro­blem dabei : Nach jeder sol­chen Erklä­rung haben sich die Tari­fe gewöhn­lich erhöht.

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RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

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Gazprom plant Fortsetzung des Gas-Transits über Ukraine nach Inbetriebnahme von Nord Stream 2


Preview Der rus­si­sche Ener­gie­kon­zern Gaz­prom sei zu Ver­hand­lun­gen über den Gas-Tran­sit aus Russ­land nach Euro­pa über die Ukrai­ne bereit, der sei­ne Bedeu­tung ver­lie­ren wird, sobald die Ost-See-Pipe­line Nord Stream 2 in Betrieb genom­men wird. „Gaz­prom plant, den Gas-Tran­sit über die Ukrai­ne fort­zu­set­zen“, erklär­te der Vor­stands­vor­sit­zen­de des Unter­neh­mens, Ale­xei Mil­ler. In Fra­ge käme ein klei­ne­res Volu­men als jetzt wie etwa 15 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter Erd­gas für die Län­der, die an die Ukrai­ne gren­zen.
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