Schwedische Kleinstadt wehrt sich gegen staatliche Verteilung neuer Migranten


Zwi­schen Janu­ar und August die­ses Jah­res bean­trag­ten 14.066 Per­so­nen in Schwe­den Asyl. Im gesam­ten vor­he­ri­gen Jahr waren es 21.502 Asyl­an­trä­ge. Die größ­te Grup­pe stammt dabei aus Syri­en. Migran­ten mit einer Auf­ent­halts­be­rech­ti­gung wer­den durch die schwe­di­sche Ein­wan­de­rungs­be­hör­de (Migra­ti­ons­ver­ket) auf die Gemein­den ver­teilt. Die­se ist durch das “Bosätt­nings­lag” (Nie­der­las­sungs­ge­setz) gere­gelt. Seit dem Jahr 2016 hat es Gül­tig­keit. 

Am Mon­tag beschlos­sen Kom­mu­nal­po­li­ti­ker in der Gemein­de Söl­ves­borg, sich gegen die Ver­tei­lung von Migran­ten, auf Schwe­disch “Nyan­län­da” (Neu­an­kömm­lin­ge), zu weh­ren. Söl­ves­borg ist eine schwe­di­sche Klein­stadt an der Ost­küs­te, die für ihren Mit­tel­al­ter­markt sowie das Swe­den Rock Fes­ti­val bei Tou­ris­ten bekannt ist. 

Die Stadt­rä­tin Loui­se Eri­x­on sag­te : 

Wir wol­len uns die­se Kos­ten nicht auf­drü­cken las­sen. Und wir wol­len auch kei­ne Gegen­den, in denen aus­ge­grenzt wird, wie es in ande­ren Gemein­den der Fall ist. Statt­des­sen wol­len wir han­deln, bevor es zu spät ist. 

Der Plan von Schwe­den­de­mo­kra­ten, Mode­ra­ten, Christ­de­mo­kra­ten und der loka­len SoL-Par­tei der Gemein­de umfasst 200 Punk­te. Die Wün­sche der Gemein­de bezüg­lich Migra­ti­on wer­den nun vor­wie­gend in der schwe­di­schen Pres­se dis­ku­tiert. 

Hier­in wehrt man sich auch gegen Kopf­tü­cher bei Kin­dern. Für Eri­x­on soll­te der Staat auf die Wün­sche der Gemein­den ein­ge­hen und nicht über deren Kopf hin­weg ent­schei­den.

Aus der Sicht Eri­x­ons sei man nicht gegen Migra­ti­on an sich, son­dern gegen die Migra­ti­ons­po­li­tik. Die Oppo­si­ti­on wehrt sich und ver­weist auf die Not­wen­dig­keit, dass sich auch die Kom­mu­ne Söl­ves­borg dar­an betei­li­gen müs­se, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Im Jahr 2018 ver­teil­te die Ein­wan­de­rungs­be­hör­de 14.200 Per­so­nen auf schwe­di­sche Gemein­den. Zwölf davon wur­den Söl­ves­borg zuge­teilt. Ob der Ver­such der Gemein­de Erfolg haben wird, ist frag­lich. Es könn­ten sich jedoch wei­te­re schwe­di­sche Gemein­den anschlie­ßen. 

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Russland bereitet sich auf mögliche US-Sanktionen gegen Ölriesen Rosneft vor


Die rus­si­sche Regie­rung hat ihre Besorg­nis über die jüngs­ten Sank­ti­ons­dro­hun­gen Washing­tons zum Aus­druck gebracht. Die USA haben damit gedroht, im Zusam­men­hang mit des­sen Geschäfts­be­zie­hun­gen zu Vene­zue­la Sank­tio­nen gegen den staat­li­chen rus­si­schen Ölrie­sen Ros­neft zu ver­hän­gen. Der rus­si­sche Vize­au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej Rjab­kow erklär­te am Don­ners­tag :

Wir sind besorgt über die jüngs­ten Aus­sa­gen des [US-Son­der­be­auf­trag­ten für Vene­zue­la Elliott] Abrams über ‘alle Optio­nen auf dem Tisch’, die er von Zeit zu Zeit wie­der­holt, sowie über sei­ne Dro­hun­gen, Sank­tio­nen gegen Ros­neft zu ver­hän­gen.

Rjab­kow stell­te fest, dass die rus­si­sche Regie­rung besorgt ist, dass es den Ver­ei­nig­ten Staa­ten an “ech­tem Ver­ständ­nis der Situa­ti­on und des Zusam­men­hangs ver­schie­de­ner Pro­zes­se in Bezug auf Vene­zue­la in der US-Poli­tik” man­gelt, obwohl “die Sank­tio­nen selbst kei­ne Wir­kung zei­gen”.

Der US-Gesand­te Abrams sag­te Anfang die­ser Woche, dass Washing­ton es nicht aus­schließt, Ros­neft in der Zukunft für sei­ne Geschäf­te mit Vene­zue­la zu bestra­fen, bis­her aber nicht bereit war, es zu tun. Er räum­te ein, dass die der­zei­ti­gen Akti­vi­tä­ten von Ros­neft in Vene­zue­la nicht gegen die bestehen­den US-Sank­tio­nen gegen das Land ver­sto­ßen.

Ros­neft – Haupt­händ­ler vene­zo­la­ni­schen Roh­öls im ver­gan­ge­nen Monat

Ros­neft, ein bedeu­ten­der Inves­tor in Vene­zue­la, arbei­tet der­zeit an einer Rei­he gemein­sa­mer Explo­ra­ti­ons- und Pro­duk­ti­ons­pro­jek­te mit Vene­zue­las staat­li­cher Ölge­sell­schaft Petro­le­os de Vene­zue­la, kurz PDVSA. Laut Ros­neft wer­den die gesam­ten geo­lo­gi­schen Reser­ven im Rah­men die­ser Pro­jek­te auf 20,5 Mil­li­ar­den Ton­nen Öl geschätzt.

Außer­dem wur­de der rus­si­sche Ölrie­se zum Haupt­händ­ler vene­zo­la­ni­schen Roh­öls im ver­gan­ge­nen Monat und ermög­lich­te den Trans­port des Roh­öls des Lan­des nach Chi­na und Indi­en, den größ­ten Ölkäu­fern Vene­zue­las. Laut den Export­pro­gram­men des Unter­neh­mens und den Daten der finanz­sta­tis­ti­schen Daten­bank Refi­ni­tiv Eikon ent­fie­len im Juli rund 40 Pro­zent und im August über 66 Pro­zent der Expor­te von PDVSA auf Ros­neft. Die­ses Vor­ge­hen ist ein Ver­such, Vene­zue­la zu hel­fen, die Ver­lus­te aus­zu­glei­chen, die durch die US-Sank­tio­nen ent­stan­den sind. Die vene­zo­la­ni­schen Ölex­por­te machen mehr als 95 Pro­zent der Export­ein­nah­men des Lan­des aus.

Im Janu­ar star­te­te Washing­ton sei­ne Sank­ti­ons­kam­pa­gne gegen die Ölin­dus­trie des süd­ame­ri­ka­ni­schen Staa­tes, um Prä­si­dent Nicolás Madu­ro zu stür­zen, des­sen Wie­der­wahl Ende 2018 von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und eini­gen west­li­chen Regie­run­gen als ille­gi­tim ange­se­hen wur­de.

Mehr zum The­ma — Kreml : Russ­land wird sei­ne Ölvor­rä­te in Vene­zue­la ver­tei­di­gen

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Kannibalismus gegen Klimawandel : Wissenschaftler erwägt Verzehr von Menschenfleisch


Am 3. und 4. Sep­tem­ber fand in Stock­holm eine Kon­fe­renz zum The­ma Ernäh­rung statt. Der Schwer­punkt von Gas­tro Sum­mit 2019 lag auf Nach­hal­tig­keit, Gesund­heit, Inno­va­ti­on und Inspi­ra­ti­on. In Semi­na­ren wur­den alle für die Nah­rungs­mit­tel­bran­che rele­van­ten The­men erör­tert und dis­ku­tiert. Der Bericht eines schwe­di­schen Pro­fes­sors sorg­te für beson­ders viel Auf­se­hen.

Magnus Söder­lund von der Han­dels­hoch­schu­le Stock­holm spe­ku­lier­te in sei­ner Stu­die über Vor­tei­le des Ver­zehrs von Men­schen­fleisch. Dem Ver­hal­tens­for­scher zufol­ge könn­te Kan­ni­ba­lis­mus im Kampf gegen den glo­ba­len Kli­ma­wan­del hilf­reich sein. Der Ver­zehr von Lei­chen wür­de zur Nach­hal­tig­keit bei­tra­gen. “Kon­ser­va­ti­ve Tabus” in Bezug auf die Anthro­po­pha­gie könn­ten in Zukunft fal­len, wenn sich die Gesell­schaft dar­über Gedan­ken machen wür­de. Vor­ur­tei­le könn­ten Schritt für Schritt beho­ben wer­den, indem man Men­schen vor­schlü­ge, es ein­fach zu kos­ten. Dem Pro­fes­sor zufol­ge hät­ten in einer sei­ner Umfra­ge acht Pro­zent der Men­schen sich bereit gezeigt, Men­schen­fleisch zu ver­zeh­ren. Auch er selbst schloss nicht aus, es zumin­dest zu pro­bie­ren. Als Alter­na­ti­ve kämen Insek­ten und Heim­tie­re in Fra­ge.

Mehr zum The­ma — Vega­nes Pro­dukt : Spa­ni­er macht Blut­wurst aus eige­nem Blut

In sei­nem Semi­nar erwähn­te Magnus Söder­lund aller­dings nicht, dass der Ver­zehr von Lei­chen ernst­haf­te gesund­heit­li­che Pro­ble­me aus­lö­sen kann, dar­un­ter die töd­li­che Prio­nen­krank­heit Kuru, an der Ange­hö­ri­ge eines iso­lier­ten Stam­mes auf Papua-Neu­gui­nea lit­ten, die die Gehir­ne ihrer Toten ver­zehr­ten.

Mehr zum The­ma — Thai­land : Lokal­in­ha­ber tötet Kun­den und mengt des­sen Fleisch in vege­ta­ri­sche Spei­sen bei

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Für Milliarden-Reparationszahlungen : Griechenland und Polen gehen gemeinsam gegen Deutschland vor


Ins­ge­samt 289 Mil­li­ar­den Euro for­dert Grie­chen­land an Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen für die Ver­bre­chen der Natio­nal­so­zia­lis­ten von Deutsch­land. Die Sum­me wur­de in einem Par­la­ments­gut­ach­ten fest­ge­stellt. Auch Polen sieht sich im Recht, Repa­ra­tio­nen von Deutsch­land ein­zu­for­dern. Bis­her erfolg­te die For­de­rung nur ver­bal.

Arka­di­usz Mular­c­zyk, Abge­ord­ne­ter der natio­na­lis­tisch-popu­lis­ti­schen Regie­rungs­par­tei PiS und Vor­sit­zen­der einer Kom­mis­si­on für Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen, sag­te über das gemein­sa­me Vor­ha­ben mit dem grie­chi­schen Par­la­ments­prä­si­den­ten gegen Deutsch­land :

Er ist an der Kriegs­ent­schä­di­gung sehr inter­es­siert. Für eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung zie­hen wir in die Schlacht. 

Deutsch­land sieht die For­de­run­gen als erlo­schen an und ver­weist auf den Zwei-plus-Vier-Ver­trag aus dem Jahr 1990. Polen und Grie­chen­land waren jedoch an die­sem Ver­trag nicht betei­ligt. Bereits im Pots­da­mer Abkom­men von 1945 ist ver­merkt, dass Polen von den Zah­lun­gen Deutsch­lands an die Sowjet­uni­on Repa­ra­tio­nen erhal­te. Im Jahr 1953 folg­te eine Ver­zichts­er­klä­rung Polens auf Wie­der­gut­ma­chungs­zah­lun­gen. 

Das The­ma kam auch bei einer Gedenk­ver­an­stal­tung zum Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs vor 80 Jah­ren mit dem Über­fall auf Polen zur Spra­che, als Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er in Polen auf sei­nen pol­ni­schen Amts­kol­le­gen traf. Stein­mei­er ver­wies dar­auf, dass man Leid “nicht auf­rech­nen” kön­ne. Polens Prä­si­dent Andrzej Duda droh­te mit der Vor­la­ge einer Rech­nung. 

Der SPD-Poli­ti­ker und Vor­sit­zen­de der Deutsch-Pol­ni­schen Gesell­schaft, Diet­mar Nietan, teil­te mit : 

Wenn die Regie­rung eines Nach­bar­staats, den wir über­fal­len und jah­re­lang ter­ro­ri­siert haben, so etwas the­ma­ti­siert, muss man das ernst neh­men. 

Nietan emp­fahl als Lösung einen gemein­sa­men Zukunfts­fonds für Deutsch­land und Polen. Mular­c­zyk ver­lang­te im März letz­ten Jah­res von Deutsch­land 790 Mil­li­ar­den Euro, in die­sem Jahr stieg sei­ne For­de­rung auf 850 Mil­li­ar­den Euro.

Der pol­ni­sche Außen­mi­nis­ter ver­wies auf ande­re Län­der wie Frank­reich und die Nie­der­lan­de. Die­se hät­ten durch die Nazis weni­ger Schä­den erfah­ren, aber mehr Repa­ra­tio­nen erhal­ten. Es geht um die Zer­stö­rung War­schaus und ande­rer Städ­te Polens und die zahl­rei­chen Opfer­zah­len. Hier­bei rech­net Polen die ehe­ma­li­ge jüdi­sche Bevöl­ke­rung mit ein. 

RT Deutsch


Der CDU-Chefin Rezept gegen Armut – “Wohneigentum bilden”


Am Sonn­tag begrüß­te Tina Has­sel, Lei­te­rin des ARD-Haupt­stadt­stu­di­os in Ber­lin, die CDU-Vor­sit­zen­de und Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er zum Som­mer­inter­view. Es wur­de etwa über Kli­ma­po­li­tik, die Zusam­men­ar­beit mit der AfD oder einen aus­ge­gli­che­nen Haus­halt gespro­chen. So lehn­te die frü­he­re saar­län­di­sche Minis­ter­prä­si­den­tin bei­spiels­wei­se ein Ver­bot von Ölhei­zun­gen ab, was Umwelt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) jüngst ins Gespräch gebracht hat­te, aber erst ab 2030. Zudem kün­dig­te die CDU-Che­fin an, an der schwar­zen Null fest­hal­ten zu wol­len.

Nach dem Gespräch mit der ARD-Mode­ra­to­rin stell­te sich die Spit­zen­po­li­ti­ke­rin den Fra­gen der Zuschau­er. Und auf eine Fra­ge gab die CDU-Vor­sit­zen­de eine Ant­wort, die in sozia­len Netz­wer­ken zu Empö­rung, Häme und Spott führ­te. Ein Mann woll­te im Rah­men des For­mats “Frag selbst!” von der Vor­sit­zen­den der Christ­de­mo­kra­ten wis­sen, war­um die Rei­chen immer rei­cher und die Armen immer ärmer wer­den. Als Ers­tes ent­geg­ne­te Kramp-Kar­ren­bau­er, dass dies “zumin­dest gefühlt so ist”. Nicht jede Sta­tis­tik gebe das her. Und dann schil­der­te sie “den Ansatz der CDU-Poli­tik” im Kampf gegen Armut. 

Wie ein Lauf­feu­er ver­brei­te­te sich das Video mit der Ant­wort in den sozia­len Medi­en. Unter dem Hash­tag #Nie­mehr­CDU reagier­ten Inter­net­nut­zer auf Twit­ter mit bei­ßen­der Kri­tik und war­fen der CDU-Che­fin unter ande­rem Igno­ranz und Rea­li­täts­fer­ne vor.

Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­co Bülow reagier­te auf die Aus­sa­ge der CDU-Poli­ti­ke­rin mit einer Fra­ge : 

Ein Inter­net­nut­zer ver­wies auf eine alte Aus­ga­be der Sati­re­zeit­schrift Tita­nic, die ihm zur Ant­wort der CDU-Vor­sit­zen­den ein­fällt : 

Mehr zum The­ma — Wohl­fahrts­ver­band schlägt Alarm : Kin­der ärme­rer Fami­li­en zuneh­mend aus­ge­grenzt

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USA : Schmutzkampagne gegen unliebsame Präsidentschaftskandidaten (Video)


Mehr zum The­ma —  Aus Trump-Sieg nichts gelernt : Füh­rung der Demo­kra­ten mani­pu­liert wie­der Vor­wah­len (Video)

In den US-Medi­en wer­den die­se Per­so­nen oft­mals gezielt ver­un­glimpft, dif­fa­miert oder lächer­lich gemacht. Wer nicht zum Par­tei-Main­stream gehört, wird als Spin­ner, Ver­rück­ter oder Witz­fi­gur dar­ge­stellt. 

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Sigal Mandelker : Die Frau, die für Israel Krieg gegen den Iran führt


von Zlat­ko Per­ci­nic

Bereits der Geburts­ort der Staats­se­kre­tä­rin für Ter­ro­ris­mus und Finanz­in­for­ma­ti­on im US-Finanz­mi­nis­te­ri­um sorgt für Kon­tro­ver­sen. Laut offi­zi­el­len Regie­rungs­an­ga­ben wur­de Sig­al Man­del­ker in Chi­ca­go im US-Bun­des­staat Illi­nois gebo­ren. Doch Medi­en­be­rich­te aus Isra­el und ande­ren Län­dern hal­ten hart­nä­ckig eine ande­re Ver­si­on auf­recht, wonach sie in Isra­el gebo­ren und erst spä­ter mit ihren Eltern in die USA über­sie­del­te. Immer wie­der spricht Man­del­ker dar­über, wie sehr sie die Erzäh­lun­gen ihrer Eltern geprägt haben, die den Holo­caust über­lebt und aus ihrer Hei­mat in Dubno/Ukraine flie­hen muss­ten. Was jedoch ihren Geburts­ort betrifft, hüllt sie sich gern in Schwei­gen.

Auch das Finanz­mi­nis­te­ri­um wei­gert sich trotz ver­schie­de­ner Anfra­gen von Medi­en, Aus­kunft dar­über zu ertei­len, ob die Unter­staats­se­kre­tä­rin an einem der stra­te­gisch wich­tigs­ten Pos­ten mit glo­ba­len Aus­wir­kun­gen nebst der US-Staats­bür­ger­schaft zusätz­lich noch einen israe­li­schen Pass ver­fügt. Obwohl seit einer knap­pen 5:4‑Entscheidung des Obers­ten Gerichts­hofs im Fall von Beys Afroy­im (geb. Ephraim Bern­stein) im Jahr 1967 die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft erlaubt wur­de, sorg­te die­se Pra­xis spä­tes­tens seit der Ira­kin­va­si­on 2003 für ver­mehr­te Kri­tik. Laut L. Micha­el Hager, einem ehe­ma­li­gen US-Diplo­ma­ten und Anwalt, soll­ten alle Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten und hohen Regie­rungs­be­am­ten ihre aus­län­di­schen Staats­bür­ger­schaf­ten abge­ben :

War­um ist es für Bür­ger wich­tig zu wis­sen, ob ihre Abge­ord­ne­ten im Kon­gress dop­pel­te Staats­bür­ger sind ? Weil bei­des, rea­ler und ver­mu­te­ter Inter­es­sen­kon­flikt, das öffent­li­che Ver­trau­en ero­diert.

Gera­de von einer US-Spit­zen­be­am­tin wird erwar­tet, dass sie auch die natio­na­len Inter­es­sen der USA ver­tritt und ent­spre­chend han­delt. Aber Sig­al Man­del­ker war es selbst, die Zwei­fel an die­sem eigent­lich selbst­ver­ständ­li­chen Stand­punkt gesät hat­te. Beim Aspen Secu­ri­ty Forum Mit­te Juli in Aspen/Colorado, einer Sicher­heits­kon­fe­renz der Denk­fa­brik Aspen Insti­tu­te, ging es unter ande­rem auch um das The­ma “Ein­däm­mung des Iran”. Als Pane­lis­ten waren nebst Man­del­ker noch Wen­dy Sher­man, ehe­ma­li­ge Staats­se­kre­tä­rin im Außen­mi­nis­te­ri­um und Ver­hand­lungs­füh­re­rin von Barack Oba­ma zum Atom­ab­kom­men mit dem Iran, und Jere­my Bash, Stabs­chef des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums und der CIA unter Oba­ma, anwe­send.

Wäh­rend der Dis­kus­si­on eröff­ne­te Sig­al Man­del­ker umge­hend das Feu­er und beschul­dig­te die Beam­ten der Oba­ma-Regie­rung, nichts gegen die angeb­li­che Gefahr getan zu haben, die vom Iran aus­ge­hen soll. Tehe­ran “stellt eine unglaub­lich desta­bi­li­sie­ren­de Prä­senz in der Regi­on dar. Sie bedro­hen unse­ren groß­ar­ti­gen Alli­ier­ten in der Regi­on, Isra­el!”, pol­ter­te sie, indem der Iran der liba­ne­si­schen Miliz His­bol­lah “hun­der­te und hun­der­te Mil­lio­nen Dol­lar pro Jahr” über­wei­se.

Und dann sag­te sie die­sen einen Satz, der deut­lich offen­bar­te, wie­so eigent­lich die USA die­sen zer­stö­re­ri­schen Wirt­schafts­krieg gegen den Iran füh­ren :

Schäd­li­che Akteu­re brau­chen nun ein­mal Geld, um schäd­li­che Din­ge zu tun. (…) Des­we­gen haben wir die­ses mas­si­ve Sank­ti­ons­re­gime. Weil wir wis­sen, dass der Iran unse­ren groß­ar­ti­gen Part­ner bedroht, Isra­el !

Abge­se­hen davon, dass die­ses Ein­ge­ständ­nis von den meis­ten Main­stream-Medi­en igno­riert wur­de, obwohl der ers­te Teil des Sat­zes durch­aus Ein­gang selbst in die deut­sche Bericht­erstat­tung fand. So wid­me­te auch das Han­dels­blatt einen Bei­trag (vom 26.08.) zu Sig­al Man­del­ker und erwähn­te sogar die­se Ver­an­stal­tung, doch den Bezug zu Isra­el ließ das Blatt aus.

Die­se Fixie­rung auf den Iran und Isra­el wur­de indes­sen dem erst 2004 geschaf­fe­nen Büro für Ter­ro­ris­mus und Finanz­in­for­ma­ti­on (Office of Ter­ro­rism and Finan­ci­al Intel­li­gence) OTFI in die Wie­ge gelegt. Der ers­te Staats­se­kre­tär – und Man­del­kers Men­tor – auf die­sem Pos­ten war Stuart Levey, der die US-Regie­rung von Geor­ge W. Bush dazu dräng­te, den Iran mit Sank­tio­nen zu über­zie­hen. Auf­grund sei­ner Ver­bis­sen­heit wur­de er vom Außen­mi­nis­te­ri­um bereits mit Char­lie Wil­son ver­gli­chen, jenem Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten aus Texas, der anfäng­lich fast im Allein­gang die Waf­fen­ver­käu­fe an die afgha­ni­schen Rebel­len wäh­rend der sowje­ti­schen Besat­zung orga­ni­sier­te. Anleh­nend an “Char­lie Wil­sons Krieg” wid­me­te ihm die New York Times 2008 einen län­ge­ren Arti­kel unter dem Titel “Stuart Leveys Krieg”. 

Bei der jähr­li­chen AIPAC-Kon­fe­renz 2005 in Washing­ton, einer der mäch­tigs­ten Pro-Isra­el-Lob­by­is­ten in den USA, zeig­te Levey bereits nach kur­zer Zeit im Amt, wohin die Rei­se gehen soll :

Ich war ein Bewun­de­rer der groß­ar­ti­gen Arbeit, die die­se Orga­ni­sa­ti­on seit mei­nen Tagen an dem ein­jäh­ri­gen Pro­gramm an der Hebräi­schen Uni­ver­si­tät von 1983 und 1984 leis­tet. (…) (Mein) Büro bringt eine Viel­zahl von Behör­den und Mög­lich­kei­ten unter einen Hut, was es uns erlaubt, eine Rei­he von Werk­zeu­gen gegen ver­schie­de­ne Bedro­hun­gen ein­zu­set­zen, ob das Ter­ro­ris­ten, Dro­gen­dea­ler, Ver­brei­ter von Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen oder Schur­ken­re­gime wie der Iran und Nord­ko­rea sind. Wir erhe­ben Wirt­schafts­sank­tio­nen, um Druck auf quer­schla­gen­de Régime aus­zu­üben, und wir haben die Mög­lich­keit, Ver­mö­gens­wer­te von Mis­se­tä­tern ein­zu­frie­ren.

Nach­dem Stuart Levey nach sie­ben Jah­ren im Amt von David Ste­ven Cohen 2011 abge­löst wur­de, bezeich­ne­te der bri­ti­sche Jour­na­list und Nah­ost­ex­per­te Patrick Sea­le die Posi­ti­on des Staats­se­kre­tärs für Ter­ro­ris­mus und Finanz­in­for­ma­ti­on als einen “Job, der für Pro-Isra­el-Neo­cons reser­viert zu sein scheint, die einen Wirt­schafts­krieg gegen Tehe­ran füh­ren”. Da sich Cohen sehr schnell den Spitz­na­men “Sank­ti­ons­gu­ru” ein­ge­han­delt hat, scheint die Behaup­tung von Sea­le zumin­dest nicht voll­kom­men abwe­gig zu sein. Zusam­men mit Isra­el stimm­te Cohen dann sei­nen Kampf gegen den Iran ab und wei­te­te die­sen auch auf Syri­en aus.

Nach drei­ein­halb Jah­ren auf die­sem Pos­ten wech­sel­te der “Sank­ti­ons­gu­ru” in die Welt der Geheim­diens­te und wur­de zum Vize­di­rek­tor der CIA ernannt, obwohl er über “kei­ne Erfah­rung in einer Geheim­dienst­or­ga­ni­sa­ti­on ver­fügt”, wie die Jeru­sa­lem Post fest­stell­te.

In die­sem Umfeld wur­de Sig­al Man­del­ker das Hand­werk des Wirt­schafts­krie­ges bei­gebracht, wel­ches sie seit ihrer Ernen­nung zur Staats­se­kre­tä­rin im Finanz­mi­nis­te­ri­um von Ste­ven Mnu­chin noch wei­ter aus­bau­te. Die­ser von ihr geführ­te Wirt­schafts­krieg betrifft nicht nur den Iran direkt, son­dern auch ande­re Län­der, die mit dem Iran Han­del trei­ben oder Öl kau­fen wol­len. Sie alle wer­den zum poten­zi­el­len Ziel von Sank­tio­nen, wenn die ers­ten Dro­hun­gen nicht die gewünsch­te Ände­rung im Ver­hal­ten brin­gen.

Wäh­rend es oft die Ver­tre­ter des US-Außen­mi­nis­te­ri­ums sind, also Diplo­ma­ten oder der Minis­ter per­sön­lich, die die betref­fen­den Regie­run­gen ermah­nen und zum Rück­zug aus dem Iran-Geschäft drän­gen, so steckt stets die unsicht­ba­re Hand von Man­del­ker dahin­ter. Das muss­te auch Per Fischer, der die aus der Not gebo­re­ne Tausch­bör­se Ins­tex mit­auf­ge­baut hat­te, am eige­nen Leib erfah­ren, als ihn ein Brief vom 7. Mai aus Washing­ton erreich­te. Dar­in warn­te ihn die Staats­se­kre­tä­rin, dass jeder, der mit Ins­tex in Zusam­men­hang gebracht wird und einen Han­del mit dem Iran unter Umge­hung von US-Sank­tio­nen betreibt, mit “schwe­ren Kon­se­quen­zen” rech­nen müs­se. Die­se könn­ten einen “Aus­schluss vom Zugang zum US-Finanz­sys­tem” bedeu­ten. Sein Nach­fol­ger Bernd Erbel, Deutsch­lands Bot­schaf­ter in Kai­ro, Bag­dad und Tehe­ran, wur­de unter dubio­sen Umstän­den aus dem Amt gedrängt, noch bevor er über­haupt rich­tig los­le­gen konn­te.

Mehr zum The­ma — Bun­des­pres­se­kon­fe­renz und der Fall Bernd Erbel : Wie BILD unlieb­sa­me Diplo­ma­ten aus­bremst

Auch die schon an Mafia­me­tho­den erin­nern­de Ver­fol­gung, Bedro­hung und ver­such­te Bestechung von Kapi­tä­nen, wie der jüngs­te Fall mit dem ira­ni­schen Super­tan­ker “Adri­an Darya 1” zeig­te, trägt Man­del­kers Hand­schrift. Sie ist es auch, die die fran­zö­si­sche Initia­ti­ve von Emma­nu­el Macron zur Ret­tung des Atom­deals mit dem Iran sabo­tiert und sich wei­gert, grü­nes Licht für eine Kre­dit­li­nie von 15 Mil­li­ar­den US-Dol­lar zu ertei­len, wie es den Fran­zo­sen und Ira­nern vor­schwebt. Statt­des­sen inten­si­vie­ren die USA die Jagd auf die ira­ni­schen Öllie­fe­run­gen, die sie voll­stän­dig zum Erlie­gen brin­gen wol­len.

Unter­stüt­zung erhält Washing­ton vom israe­li­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Ben­ja­min Netan­ja­hu, der sich zu einem äußerst kurz­fris­ti­gen Über­ra­schungs­be­such bei sei­nem Amts­kol­le­gen in Lon­don ankün­dig­te. Gan­ze 29 Minu­ten dau­er­te das Gespräch mit Boris John­son, der sich mit­ten im Bre­x­it-Cha­os befin­det. Netan­ja­hu for­der­te von ihm, dass Groß­bri­tan­ni­en als ver­blie­be­ner Ver­trags­part­ner des Atom­ab­kom­mens die fran­zö­si­sche Initia­ti­ve von Macron ablehnt. Noch vor dem Abflug sag­te er am Flug­ha­fen von Tel Aviv : 

Das ist nicht die Zeit, um Gesprä­che mit dem Iran zu füh­ren. Das ist die Zeit, um den Druck auf den Iran zu erhö­hen. Das sind immer wich­ti­ge Ange­le­gen­hei­ten für den Staat Isra­el, aber ins­be­son­de­re jetzt.

Damit dürf­te Netan­ja­hu Sig­al Man­del­ker aus der See­le gespro­chen und sie noch wei­ter in ihrem Wirt­schafts­krieg bestärkt haben. Nach John­son traf sich der israe­li­sche Minis­ter­prä­si­dent in Lon­don noch mit dem US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mark Esper und dem Vize­prä­si­den­ten Mike Pence. 

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RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln. 

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Malaysischer Außenminister zur MH17-Ermittlung : Anschuldigungen gegen Russland voreilig (Video)


Mehr zum The­ma — MH17 – Ruf nach Gerech­tig­keit : Neue Doku wirft unbe­que­me Fra­gen auf (Video)

Wei­te­re The­men waren die dro­hen­de Mili­ta­ri­sie­rung der süd­ost­asia­ti­schen See­ge­wäs­ser – etwa des Süd­chi­ne­si­schen Mee­res – und die Zusam­men­ar­beit Malay­si­as mit dem chi­ne­si­schen Tech­no­lo­gie­rie­sen Hua­wei.

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Britisches Oberhaus verabschiedet Gesetz gegen No-Deal-Brexit


Es fehlt nur noch die Unter­schrift von Köni­gin Eli­sa­beth II., damit es in Kraft tre­ten kann. Gegen das Gesetz hat­te es hef­ti­gen Wider­stand der Regie­rung in Lon­don gege­ben. Die Oppo­si­ti­ons­par­tei­en leh­nen von Pre­mier­mi­nis­ter Boris John­son ange­streb­te Neu­wah­len Mit­te Okto­ber ab. Dar­auf einig­ten sich der Labour-Vor­sit­zen­de Jere­my Cor­byn und wei­te­re füh­ren­de Poli­ti­ker in Gesprä­chen in Lon­don.

John­sons Regie­rung hat­te ange­kün­digt, am kom­men­den Mon­tag einen neu­en Anlauf zu neh­men, um Neu­wah­len durch­zu­set­zen. Der Pre­mier­mi­nis­ter will am 15. Okto­ber wäh­len las­sen, um dann zwei Tage spä­ter beim EU-Gip­fel mit einem Man­dat für sei­nen Bre­x­it-Kurs zu erschei­nen.

Der Regie­rungs­chef war damit bei einem ers­ten Ver­such am Mitt­woch bereits kra­chend im Par­la­ment geschei­tert. Für das Aus­ru­fen von Neu­wah­len durch einen ein­fa­chen Beschluss ist eine Zwei­drit­tel­mehr­heit aller Abge­ord­ne­ten im Unter­haus not­wen­dig.

Die Oppo­si­ti­on will Neu­wah­len aber erst zustim­men, wenn ein EU-Aus­tritt ohne Abkom­men am 31. Okto­ber sicher abge­wen­det ist. Das nun ver­ab­schie­de­te Gesetz soll John­son dazu zwin­gen, eine drei­mo­na­ti­ge Ver­län­ge­rung der Bre­x­it-Frist zu bean­tra­gen, falls bis zum 19. Okto­ber kein Abkom­men mit der EU rati­fi­ziert ist. Der Antrag müss­te dann aller­dings von den übri­gen 27 EU-Mit­glied­staa­ten auch noch ein­stim­mig gebil­ligt wer­den.

John­son will Groß­bri­tan­ni­en am 31. Okto­ber not­falls auch ohne Abkom­men aus der Staa­ten­ge­mein­schaft füh­ren. Er hofft, die EU damit zu Zuge­ständ­nis­sen beim Bre­x­it-Deal bewe­gen zu kön­nen. Das von sei­ner Vor­gän­ge­rin The­re­sa May mit Brüs­sel aus­ge­han­del­te Abkom­men ist bereits drei­mal im Unter­haus in Lon­don durch­ge­fal­len.

Unter­des­sen lehn­te ein Gericht in Lon­don eine Kla­ge gegen die von John­son ver­häng­te mehr­wö­chi­ge Zwangs­pau­se des Par­la­ments ab. Die Rich­ter des High Courts lie­ßen am Frei­tag jedoch eine Beru­fung am höchs­ten bri­ti­schen Gericht (dem Supre­me Court) zu. Dort soll es am 17. Sep­tem­ber wei­ter­ge­hen.

Geklagt hat­ten unter ande­rem die Geschäfts­frau und Akti­vis­tin Gina Mil­ler und Ex-Pre­mier­mi­nis­ter John Major. Sie sehen in der bis zu fünf Wochen lan­gen Sit­zungs­un­ter­bre­chung ein unzu­läs­si­ges poli­ti­sches Manö­ver von John­son, um sei­nen Bre­x­it-Kurs durch­zu­drü­cken. John­sons Anwäl­te hat­ten Mil­lers Vor­wür­fe hin­ge­gen als “aka­de­misch” abge­tan.

Mil­ler bezeich­ne­te das Urteil des High Courts als “sehr ent­täu­schend” und kün­dig­te an, dass sie sich auf jeden Fall an das höchs­te Gericht in Groß­bri­tan­ni­en wen­den wer­de.

Mil­ler ist kei­ne Unbe­kann­te im Kampf gegen den EU-Aus­tritt : Sie hat­te mit einer Kla­ge vor dem Supre­me Court in Groß­bri­tan­ni­en Anfang 2017 erreicht, dass das Par­la­ment beim Bre­x­it stär­ker ein­be­zo­gen wird. Sie war wegen ihres Enga­ge­ments mehr­fach bedroht wor­den.

Ein unge­re­gel­ter Bre­x­it Ende Okto­ber wäre aus Sicht des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) für Deutsch­land weni­ger schlimm als eine erneu­te Ver­schie­bung. Die erwart­ba­ren Kos­ten für die Bun­des­re­pu­blik sei­en mit­tel- bis lang­fris­tig eher gering, deut­sche Ver­brau­cher kaum betrof­fen und Cha­os ver­meid­bar, sag­te DIW-Chef Mar­cel Fratz­scher der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Brüs­sel.

Irland plant bei einem Bre­x­it ohne Abkom­men Kon­trol­len “in der Nähe der Gren­ze” zum bri­ti­schen Nord­ir­land, wie Minis­ter­prä­si­dent Leo Vara­dkar am Don­ners­tag­abend in Dub­lin sag­te. Die Über­prü­fung von Waren und leben­den Tie­ren soll­ten zwar so weit wie mög­lich in Häfen, Flug­hä­fen und bei den Unter­neh­men erle­digt wer­den. “Aber eini­ge müs­sen womög­lich in der Nähe der Gren­ze statt­fin­den.” Die Details wür­den der­zeit mit der EU-Kom­mis­si­on aus­ge­ar­bei­tet.

Die iri­sche Grenz­fra­ge gehört zu den umstrit­tens­ten Punk­ten beim Bre­x­it. Die EU und ihr Mit­glied Irland wol­len Kon­troll­pos­ten an der Gren­ze zu Nord­ir­land ver­mei­den, weil eine neue Tei­lung der Insel poli­ti­sche Unru­hen aus­lö­sen könn­te. Bis eine ande­re Lösung gefun­den wird, sol­len daher für Nord­ir­land eini­ge EU-Regeln wei­ter gel­ten und Groß­bri­tan­ni­en in der EU-Zoll­uni­on blei­ben. Die­se Back­stop genann­te Lösung trifft aber auf star­ken Wider­stand der bri­ti­schen Regie­rung.

Vara­dkar beton­te, der Back­stop blei­be ein ent­schei­den­der Teil des Aus­tritts­ab­kom­mens, solan­ge man kei­ne bes­se­re Lösung habe. “Wir sind offen für Alter­na­ti­ven”, füg­te der Regie­rungs­chef hin­zu. “Aber sie müs­sen rea­lis­tisch, recht­lich bin­dend und umsetz­bar sein. Wir haben bis heu­te kei­ne sol­chen Vor­schlä­ge erhal­ten.”

John­son beteu­er­te am Don­ners­tag bei einer Rede vor Poli­zis­ten im Nor­den Eng­lands, er wür­de lie­ber “tot im Gra­ben lie­gen”, als eine Bre­x­it-Ver­schie­bung zu bean­tra­gen.

Der für die Regi­on zustän­di­ge Poli­zei­chef John Robins kri­ti­sier­te am Frei­tag, dass John­son die Poli­zis­ten als “Kulis­se” für eine poli­ti­sche Rede über den Bre­x­it und Oppo­si­ti­ons­füh­rer Cor­byn benutzt habe. Man sei davon aus­ge­gan­gen, dass es dem Pre­mier bei sei­nem Auf­tritt nur um die ver­spro­che­ne Anwer­bung Tau­sen­der neu­er Poli­zis­ten gehen wür­de, teil­te Robins mit.

Wäh­rend John­sons Rede muss­ten etwa 35 Poli­zis­ten hin­ter ihm ste­hen. Der sonst stets vor Selbst­be­wusst­sein strot­zen­de Regie­rungs­chef wirk­te bei dem Auf­tritt ver­wirrt. Teil­wei­se ver­lor er den Faden oder ver­fehl­te die Poin­ten, wenn er einen Scherz machen woll­te.

Am Ran­de sei­nes Besuchs in Nord­eng­land bekam der Pre­mier auch noch eine hef­ti­ge Abfuhr von einem Ein­hei­mi­schen – aber auf sehr bri­ti­sche Art, wie in einem Video des bri­ti­schen Sen­ders BBC zu sehen ist. “Bit­te ver­las­sen Sie mei­ne Stadt”, sag­te der Mann in einem äußerst höf­li­chen Ton, schüt­tel­te John­son die Hand und klopf­te ihm auf die Schul­ter. “Das wer­de ich, sehr bald”, ant­wor­te­te John­son. Das Video wur­de zum Hit beim Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter (#Plea­se­Lea­ve­My­Town).

(rt deutsch/dpa) 

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