Wie in Auschwitz”: Bericht macht 40 Jahre lange Gewalt gegen Kinder in Südkorea öffentlich


In dem Bericht der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on geht es nicht um Ver­bre­chen der Nord­ko­rea­ner gegen die Bevöl­ke­rung, son­dern um die süd­ko­rea­ni­sche Regie­rung. Die Ver­bre­chen tru­gen sich in einer staat­li­chen Ein­rich­tung in der Pro­vinz Gyeong­gi zu. Die Men­schen­rechts­kom­mis­si­on kommt zu dem Schluss, dass die­se 1942 began­nen und bis zum Jahr 1982 andau­er­ten.

Die Zahl der Geschä­dig­ten wird auf 4.691 Kin­der geschätzt, die als soge­nann­te “Land­strei­cher” bezeich­net wur­den. Die Kin­der wur­den ent­führt, miss­han­delt und zur Zwangs­ar­beit gezwun­gen. Unter­ge­bracht wur­den sie in einer Insti­tu­ti­on für Wai­sen- und streu­nen­de Kin­der namens “Saeong­sam Hag­won”. Die Kin­der aber sol­len größ­ten­teils Eltern gehabt haben, denen sie geraubt wur­den. Vie­le der Kin­der star­ben an Man­gel­er­näh­rung und auf­grund von Fol­ter.

Die Kin­der sol­len gewalt­sam in der Insti­tu­ti­on unter­ge­bracht wor­den sein, nach­dem die­se sich die Hei­ma­t­adres­se nicht haben mer­ken kön­nen. Zu 75 Pro­zent waren es Beam­te und Poli­zis­ten, wel­che die Min­der­jäh­ri­gen zwi­schen neun und zehn Jah­ren dort­hin brach­ten. Die Anstalt ver­las­sen durf­ten sie nicht. Es blieb allein die Flucht als Aus­weg. Der Bericht basiert auf Aus­sa­gen von 28 Über­le­ben­den. Die meis­ten, die über­leb­ten, wur­den zu obdach­lo­sen Bett­lern, denn eine Schul- und Aus­bil­dung blieb ihnen ver­wehrt. 81 Pro­zent hat­ten ledig­lich die Grund­schu­le besucht. 18 Pro­zent waren Analpha­be­ten, und 25 Pro­zent konn­ten nur lesen, nicht aber schrei­ben.

Ein Ver­gleich mit Ausch­witz

Einer der Über­le­ben­den, Lee Dae-jun, ver­glich die Zustän­de mit Ausch­witz :

Wir leb­ten in einer Anstalt, die nicht anders war als Ausch­witz. Beam­te, die von Steu­er­gel­dern bezahlt wur­den, steck­ten dahin­ter. Und sie taten dies Kin­dern an, die nicht älter als neun und zehn Jah­ren alt waren. Vie­le mei­ner Kol­le­gen star­ben nach Jah­ren des Lei­dens an Alko­hol­sucht, nach­dem sie die Insti­tu­ti­on ver­lie­ßen. Eini­ge kön­nen wegen des Trau­mas noch immer nicht ohne Medi­zin leben. Als Kin­der, was haben wir getan, um das zu ver­die­nen ?

Die süd­ko­rea­ni­sche Zei­tung Korea Herald berich­tet von den Erfah­run­gen eines wei­te­ren Über­le­ben­den des Mar­ty­ri­ums. Kim Young-bae war neun Jah­re alt, als er im Jahr 1963 von Poli­zis­ten an einem Bahn­hof von Seo­ul geschnappt wur­de. An die­sem Tag hat­te er vor, sei­ne Schwes­ter in Seo­ul zu besu­chen. Man sperr­te ihn in der Unter­kunft Saon­gam Hang­won ein, obwohl er die Beam­ten infor­mier­te, dass er Fami­lie in der Pro­vinz Gyeong­gi habe.

Er berich­tet davon, dass von den Kin­dern tota­ler Gehor­sam erwar­tet wur­de. Jedes Ver­ge­hen wur­de mit Prü­geln oder mit dem Ent­fer­nen der Fin­ger­nä­gel mit­hil­fe eines Blei­stifts bestraft. Die Kin­der waren gezwun­gen, auf Salz­far­men zu schuf­ten, Vieh­zucht zu betrei­ben, Sei­den­rau­pen zu züch­ten und schwe­re Güter zu trans­por­tie­ren. Die hygie­ni­schen Zustän­de waren kata­stro­phal. Die Kin­der plag­ten Läu­se, es gab zu wenig zu essen :

Wir haben uns mit Sand die Zäh­ne geputzt und sind durch den Müll gegan­gen, um Nah­rung zu fin­den. Die Decken wur­den nie gewa­schen, rochen schreck­lich und waren vol­ler Läu­se. Mei­ne Kol­le­gen und ich muss­ten jeden Win­ter schreck­li­che Erfrie­run­gen ertra­gen, weil wir kei­ne Socken und Hand­schu­he hat­ten und wir drau­ßen arbei­ten muss­ten. Ich lei­de immer noch unter der Erfah­rung. Jeden Win­ter brau­che ich Socken und Hand­schu­he, sonst kann mei­ne Haut das nicht ertra­gen.

Jin Seon-mee, Reprä­sen­tant der Demo­kra­ti­schen Par­tei Koreas am Don­ners­tag in Seo­ul, for­dert eine Ent­schul­di­gung des Staa­tes : 

Es ist 36 Jah­re her, seit der Seon­gam Hag­won geschlos­sen wur­de, und die Opfer sind heu­te zwi­schen 50 und 60 Jah­ren alt. Sie lei­den noch immer unter den Trau­ma­ta, die ihnen durch die­se Anstalt zuge­fügt wur­den. Wenn der Staat sich nicht ent­schul­digt und sie ent­schä­digt, wird Korea nur Angst und Trau­ma unter den Opfern ver­ur­sa­chen.

RT Deutsch


Doppel-Offensive gegen Regierungsarmee in Syrien – mehrere Tote und Verletzte


In Syri­en haben Mili­tan­te am Sams­tag zwei Ort­schaf­ten angrif­fen und meh­re­re Men­schen getö­tet. Die Angrif­fe in Dama und Deir-Dama gal­ten offen­bar den Regie­rungs­trup­pen. Aber auch Wohn­vier­tel wur­den betrof­fen, wie das Aus­söh­nungs­zen­trum des rus­si­schen Mili­tärs in Damas­kus mit­teil­te.
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Respektlos und übergriffig : Die Linke erhebt Vorwürfe gegen AfD-Mitarbeiter – AfD bestreitet sie


Land­tags­prä­si­den­tin Gabrie­le Bra­ke­busch (CDU) ver­ur­teil­te das Ver­hal­ten des AfD-Mit­ar­bei­ters als “voll­stän­dig anstands- und respekt­los sowie über­grif­fig”. Es gebe “in unse­rem Zusam­men­le­ben unge­schrie­be­ne Regeln einer sozia­len Min­dest­di­stanz”, sag­te Bra­ke­busch am Frei­tag im Land­tag.

Der Streit hat­te sich nach Dar­stel­lung der Lin­ken ent­zün­det, weil sich der Mann an einen Tisch meh­re­rer Lin­ken-Abge­ord­ne­ter setz­te und trotz meh­re­rer Auf­for­de­run­gen nicht ging. Bereits am Don­ners­tag stütz­te unter ande­rem Sach­sen-Anhalts SPD-Frak­ti­ons­che­fin Kat­ja Päh­le die Lin­ken-Vor­wür­fe.

Die AfD räum­te ein Fehl­ver­hal­ten von Till­schnei­der ein, wies aber einen Groß­teil der Vor­wür­fe als Falsch­dar­stel­lun­gen zurück. Die Lin­ken-Abge­ord­ne­ten Chris­ti­na Buch­heim und Andre­as Höpp­ner kün­dig­ten an, Straf­an­zei­ge gegen den AfD-Mit­ar­bei­ter stel­len zu wol­len. (dpa)

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RT Deutsch


GroKo-Bilanz : „100 Tage Nichtstun gegen Armut – 100 Tage Streit um Flüchtlinge“


Deut­li­che Kri­tik an der Gro­ßen Koali­ti­on übt die Natio­na­le Armuts­kon­fe­renz (NAK). Der Streit inner­halb der Uni­on um die Asyl­po­li­tik lenkt aus Sicht von NAK-Spre­che­rin Bar­ba­ra Eschen vom not­wen­di­gen Kampf gegen Armut ab. Sie kri­ti­siert : Wäh­rend in der Sozi­al­po­li­tik kaum etwas geschieht, wird nur über die Abwehr von Men­schen in Not gestrit­ten.
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Gegen westliche Unkenntnis und falsche Bilder : „Weltwoche“ klärt über Russland auf


Fas­zi­nie­ren­des Russ­land“ – das ist der Titel einer Son­der­bei­la­ge der Schwei­zer Wochen­zei­tung „Die Welt­wo­che“. Sie hat der Aus­ga­be vom 14. Juni bei­ge­le­gen, aus Anlass des Beginns der Fuß­ball-WM in Russ­land. Die The­men rei­chen von der gemein­sa­men Geschich­te über aktu­el­le Poli­tik bis zur Rol­le der Wirt­schaft und der Fifa-Ent­schei­dung für Russ­land.
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Salah — unsere Waffe in diesem Spiel“: Aufregung um Ägyptens Trumpf gegen Russland


Im Vor­feld des WM-Spiels der rus­si­schen Natio­nal­elf gegen Ägyp­ten am Diens­tag wur­de gerät­selt, ob der zuvor ver­letz­te ägyp­ti­sche Super­star Moha­med Salah zur Start­be­set­zung gehö­ren wird. Wäh­rend der Trai­ner von Salahs Rol­le sprach, erläu­ter­te ein Kom­men­ta­tor, war­um es auch für Russ­land bes­ser wäre, wenn der Top-Stür­mer nicht auf der Bank bleibt.
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Fiesta Mexicana in Moskau : Ein Stimmungsbericht zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko


von Ivan Rodi­o­nov

Nur kein Stress, ich glau­be Euch auch ohne Papie­re”, sagt die jun­ge Poli­zis­tin vor dem Dreh­kreuz am Ein­gang zum U-Bahn­hof Smo­len­s­ka­ja, als ich nach mei­ner Fan-ID in den Taschen fische. Wir ste­hen mit­ten in einer Trau­be glück­li­cher, aber etwas rat­lo­ser Mexi­ka­ner — und die Beam­tin fügt mit brei­tem, strah­len­dem Lächeln hin­zu : “Viel Spaß und viel Glück”, wobei sie mit ihrer Dienst­kar­te den Zugang frei­macht und uns durch­winkt. Freie Fahrt für Fuß­ball-Fans.

Die rus­si­sche Poli­zei, sonst für ihre Gries­grä­mig­keit und Rup­pig­keit bekannt, zeigt ihre mensch­li­che, ja char­man­te Sei­te. Ein klei­ner per­sön­li­cher Wow-Moment zum Abschluss des Tages, an dem es vie­le “Wows” gab — und ein Stück Fuß­ball­ge­schich­te geschrie­ben wur­de : Mexi­ko gewann zum ers­ten Mal gegen Deutsch­land bei einer WM.

In einem toben­den und tosen­den Lusch­ni­ki-Sta­di­on, wel­ches — mit über 78.000 Men­schen bis an den Rand voll — an die­sem Abend wohl eben­so in Mexi­ko-Stadt hät­te lie­gen kön­nen. Noch mexi­ka­ni­scher gin­ge es kaum. Obwohl zwei Blö­cke deut­scher Fans rein zah­len­mä­ßig gut hät­ten dage­gen­hal­ten kön­nen. Sie setz­ten aber akus­tisch kei­ne gro­ßen Akzen­te und beschränk­ten sich auf das Fah­nen­schwen­ken. Aber der Rei­he nach.

Drei Stun­den vor dem Spiel in der U-Bahn : Mexi­ka­ner sind über­all. Sie lau­fen die Roll­trep­pen auf und ab, machen Grup­pen-Fotos, skan­die­ren sich warm und fah­ren sorg­los in alle Rich­tun­gen. Das unter­ir­di­sche Echo trägt ihre Sprech­chö­re durch die Gän­ge und Bahn­stei­ge. “Ale­ma­nia” ist her­aus­zu­hö­ren. Ich fra­ge mich, wie sie ihre rie­si­gen Som­bre­ro-Hüte über den Atlan­tik gebracht haben : als Hand­ge­päck ? Klei­ne deut­sche Grup­pen bemü­hen sich, zusam­men zu blei­ben, lesen Weg­be­schrei­bun­gen auf den Smart­pho­nes und kon­zen­trie­ren sich dar­auf, in den rich­ti­gen Zug ein­zu­stei­gen.

Fiesta Mexicana in Moskau: Ein Stimmungsbericht zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko

Zwei Stun­den vor dem Spiel am Lusch­ni­ki-Sta­di­on : Die Men­schen­men­ge ist schon dicht gedrängt, fließt aber frei durch brei­te Sicher­heits-Kor­ri­do­re. Flan­kiert von Bar­rie­ren, dahin­ter auch der Poli­zei, die aber eher unauf­dring­lich im Hin­ter­grund bleibt. Auf­fal­lend vie­le Chi­ne­sen fin­den sich in den deut­schen Tri­kots, das deut­sche Team bekommt Sup­port aus Asi­en — das ist etwas über­ra­schend. Die Orga­ni­sa­ti­on ist her­vor­ra­gend. Die vie­len Volon­tä­re schei­nen sich um jeden Ein­zel­nen per­sön­lich küm­mern zu wol­len, rufen sich die Stimm­bän­der wund und eilen sofort zu Hil­fe : ein Job für jun­ge Leu­te. Und trotz­dem : Hin­ter dem Sicher­heits-Laby­rinth am Ein­gang grüßt alle eine reso­lu­te Oma in der roten Volon­tär-Wes­te und weist die Fans zu den Sicher­heits­kon­trol­len wei­ter. Kurz davor rei­chen die Mexi­ko-Fans in der Schlan­ge eine Plas­tik-Fla­sche her­um. “Mine­ral­was­ser still” steht dar­auf auf Rus­sisch. Die Flüs­sig­keit hat aber eine ver­däch­ti­ge stroh­gel­be Far­be. “Tequi­la!” — sagt einer im Halb-Flüs­ter­ton. Was immer es ist, es muss schnell geleert wer­den bei gefühl­ten 30 Grad, Fla­schen dür­fen nicht rein.

Fiesta Mexicana in Moskau: Ein Stimmungsbericht zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko

Auf dem Sta­di­on-Gelän­de blickt der guss­ei­ser­ne Lenin vom hohen Sockel aus auf das bun­te Trei­ben zu sei­nen Füßen. Das Sta­di­on war ursprüng­lich 1956 nach ihm benannt wor­den — wie so ziem­lich alles, was Maß­stab hat, von der legen­dä­ren Metro über die mit elf Kilo­me­tern längs­te Mos­kau­er Süd-West-Aus­fall­stra­ße bis hin zur höchs­ten staat­li­chen Aus­zeich­nung für beson­de­re Ver­diens­te in der Wis­sen­schaft und Kul­tur.

Eine Blas­ka­pel­le spielt eine ziem­lich abge­fah­re­ne Cover-Ver­si­on von “Lucky”. Ein deut­scher Fan macht recht sou­ve­rä­ne Moves, deut­sche Tri­ko­lo­re über den Schul­tern, im inter­na­tio­na­len klat­schen­den und fil­men­den Kreis.

Eine Stun­de vor dem Spiel, in der Fan-Kur­ve hin­ter dem Tor, wel­ches in der ers­ten Hälf­te dem deut­schen Team zufällt : Das Sta­di­on ist schon halb­voll — und füllt sich mit jeder Minu­te wei­ter. Das mexi­ka­ni­sche Grün domi­niert. Auf den Tri­bü­nen bil­det sich eine pan­ame­ri­ka­ni­sche Alli­anz : Bra­si­lia­ner, Argen­ti­ni­er, Kolum­bia­ner stim­men in die mexi­ka­ni­schen Gesän­ge ein. Die meis­ten set­zen sich gar nicht, vie­le tan­zen in den Gän­gen. Die deut­schen Fans packen die schwarz-rot-gol­de­nen Fah­nen aus und machen Sel­fies mit Plas­tik­be­chern alko­hol­frei­en Bud­wei­sers in der Hand, die ein­zi­ge von der FIFA zuge­las­se­ne Bier-Sor­te.

Als Ers­ter kommt Manu­el Neu­er aus den Kata­kom­ben auf den Rasen, gefolgt von den bei­den Ersatz-Tor­war­ten. Er absol­viert sei­ne Auf­wärm-Ein­hei­ten im Sech­zeh­ner — und der deut­sche Block hin­ter dem Tor erwacht zum Leben. Dann kommt aber die mexi­ka­ni­sche Mann­schaft her­aus und eine Wel­le rollt durch das Sta­di­on, in der Laut­stär­ke einer star­ten­den Staf­fel Jum­bo-Jets, sofern die­se über­haupt in Staf­feln flie­gen wür­den.

Fiesta Mexicana in Moskau: Ein Stimmungsbericht zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko

Anpfiff : Zwi­schen Anpfiff und Abpfiff liegt ein gefühl­ter Augen­blick, eine Zeit-Zip-Datei, extrem stark kom­pri­miert. In den ers­ten zwei Minu­ten gleich zwei Tor­chan­cen auf bei­den Sei­ten. Die Deut­schen wer­den bei jedem Ball­kon­takt aus­ge­buht. Bei mexi­ka­ni­schem Ball­be­sitz schal­ten die Tri­bü­nen fast in Über­schall­ge­schwin­dig­keit um. Was sofort ins Auge fällt : Die mexi­ka­ni­schen Spie­ler haben kei­nen Min­der­wer­tig­keits­kom­plex gegen­über dem Welt­meis­ter. Sie sind offen­bar auf das deut­sche Spiel tak­tisch bes­tens vor­be­rei­tet, agie­ren frech und selbst­be­wusst, las­sen dem deut­schen Auf­bau­spiel fast kei­nen Platz. Sie erobern vie­le Bäl­le im Mit­tel­feld und boh­ren sich durch die deut­sche Abwehr-Linie mit schnel­len Kon­tern. Die Innen­ver­tei­di­gung hält die­sen Angrif­fen recht sou­ve­rän stand. Rechts aber, hin­ter Kim­mich, klafft eine Lücke, gut sicht­bar aus mei­ner Posi­ti­on — viel­leicht sogar bes­ser als aus jener von Joa­chim Löw. Die Mexi­ka­ner neh­men die Ein­la­dung ger­ne an, und so braut sich auch das Tor zusam­men, über die halb-lin­ke Sei­te.

Die Seis­mo­gra­phen regis­trie­ren im Augen­blick des 1:0 ver­mut­lich ein Beben in gerin­ger Stär­ke im Mos­kau­er Süd-Wes­ten. Danach folgt zuerst eine etwas ein­falls­lo­se Druck-Pha­se der deut­schen Mann­schaft. In der zwei­ten Hälf­te, nach der Ein­wechs­lung von Reus, wird der deut­sche Ansturm immer gefähr­li­cher. Der Ball ver­lässt kaum noch die mexi­ka­ni­sche Hälf­te. Den Mexi­ka­nern geht die Pus­te aus. Ihr Trai­ner wech­selt Ver­tei­di­ger ein. Der Druck steigt, aber auch die Hek­tik. Mexi­ko spielt die letz­te hal­be Stun­de nur noch gegen die Zeit und ver­tei­digt mit selbst­lo­sem Ein­satz die Null. Der mexi­ka­ni­sche Kee­per erwischt einen sei­ner bes­ten Tage. Der Ball will ein­fach nicht rein in den Kas­ten von Ochoa. Die Quint­essenz der deut­schen Frus­tra­ti­on scheint die gel­be Kar­te zu sein, die Hum­mels sich tief in der mexi­ka­ni­schen Hälf­te holt — ohne jede Not. Abpfiff. Das deut­sche Team geht sich, sicht­lich betre­ten, noch bei den Fans zu bedan­ken. Die Mexi­ka­ner schei­nen es immer noch nicht so rich­tig glau­ben zu kön­nen, dass sie gewon­nen haben, als ob sie sich gern knei­fen las­sen woll­ten, um sich zu über­zeu­gen, es sei real. Es fühlt sich wohl wie Glücks-Ohn­macht an. 

Fiesta Mexicana in Moskau: Ein Stimmungsbericht zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko

Eine hal­be Stun­de nach dem Spiel : Das acht­zig­tau­send­köp­fi­ge Men­schen­meer fließt aus dem Sta­di­on. Die Orga­ni­sa­ti­on ist unglaub­lich, fast schon ver­däch­tig gut. Kei­ne Gedrän­ge, kein Her­um­ir­ren, kei­ne unnö­ti­gen Sper­ren. Gut sicht­ba­re Weg­wei­ser-Schil­der zei­gen die Rich­tung zu den nächs­ten U-Bahn­hö­fen an. Volon­tä­re mit Mega­fo­nen auf Hoch­sit­zen erklä­ren in pas­sa­blem Eng­lisch, wie man am bes­ten dort­hin kommt. Eini­ge deut­sche Fans ver­su­chen mit den Poli­zis­ten zu dis­ku­tie­ren. Die­se schüt­teln nur die Köp­fe. Ich fra­ge, ob ich hel­fen kann. Sie sagen, sie wol­len “da rüber, auf die ande­re Sei­te”. Aber den gewünsch­ten kur­zen Weg ver­sperrt ein drei Meter hoher Zaun. Lenin blickt von sei­nem Sockel der bun­ten Fan-Inter­na­tio­na­le hin­ter­her. Mos­kau macht sich gefasst auf den latein­ame­ri­ka­ni­schen Kar­ne­val. 

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Mexiko-Deutschland 1:0 : Außenseiter gewinnt überraschend gegen amtierenden Weltmeister


In der 35. Minu­te über­nahm Mexi­ko die Füh­rung, als PSV Eindhoven’s Loza­no das ein­zi­ge Tor des Spiels schoss. Bun­des­trai­ner Löw ergriff mit der Ein­wechs­lung von Mar­co Reus für Sami Khe­di­ra nach einer Stun­de not­ge­drun­gen ein tak­ti­sches Gegen­mit­tel. Offen­si­ves Risi­ko war not­wen­dig, nach­dem zuvor Sta­bi­li­tät und Ord­nung gefehlt hat­ten. Doch die Wen­de blieb aus. Ein Frei­stoß von Toni Kroos (39.), den Mexi­kos Tor­wart Guil­ler­mo Ochoa mit den Fin­gern an die Lat­te len­ken konn­te, schon in der ers­ten Halb­zeit und mehr Druck in der Schluss­pha­se waren ein­fach viel zu wenig.

Der Stür­mer Timo Wer­ner ent­täusch­te. In der zwei­ten Hälf­te des Spiels domi­nier­te die Natio­nal­elf die Par­tie, doch die mexi­ka­ni­sche Abwehr hielt dem uner­bitt­li­chen Druck stand, indem sie zu tief stan­den. Mexi­ko sieg­te ver­dient und deck­te die Män­gel im deut­schen Spiel scho­nungs­los auf. Letzt­mals ver­lor Deutsch­land vor 36 Jah­ren zum WM-Auf­takt, damals 1:2 gegen Alge­ri­en.

Löws Tak­tik ging hin­ten und vor­ne nicht auf. Zu gro­ße Abstän­de zwi­schen den Mann­schafts­tei­len, kei­ne Ord­nung, kei­ne Sta­bi­li­tät. Von der ver­spro­che­nen Bes­se­rung nach den mau­en Tests gegen Öster­reich (1:2) und Sau­di-Ara­bi­en (2:1) war nicht zu sehen. Vor allem Khe­di­ra und Toni Kroos konn­ten die Lücken nicht schlie­ßen.

Damit ist Deutsch­land nach Ita­li­en (2010) und Spa­ni­en (2014) der drit­te Welt­meis­ter in Fol­ge, der sei­ne Titel­ver­tei­di­gung mit einer Nie­der­la­ge beginnt.

Geschich­te wur­de auch geschrie­ben, als Mexi­kos 39-jäh­ri­ger Ver­tei­di­ger Rafa­el Mar­quez in der zwei­ten Halb­zeit der drit­te Spie­ler wur­de, der an fünf auf­ein­an­der fol­gen­den Welt­meis­ter­schaf­ten teil­nimmt. Die ande­ren bei­den Spie­ler, die das geschafft haben, sind der Deut­sche Lothar Mat­thä­us und der Mexi­ka­ner Anto­nio Car­ba­jal.

(RT/dpa)

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Russland eröffnet Weltmeisterschaft mit rekordverdächtigem 5:0-Sieg gegen Saudi-Arabien


Es stan­den sich zwei Mann­schaf­ten gegen­über, die größ­ten­teils aus Spie­lern der jeweils hei­mi­schen Liga bestehen. Im Vor­feld der Par­tie schlu­gen die rus­si­schen Medi­en eher vor­sich­ti­ge Töne an.

Doch die in rot geklei­de­te Heim­mann­schaft eröff­ne­te das Spiel offen­siv und mit hohem Tem­po. Sau­di-Ara­bi­en zeig­te durch­aus tech­ni­sche Qua­li­tät im Angriffs­spiel, war in der Abwehr jedoch auch auf­grund vie­ler indi­vi­du­el­ler Feh­ler ver­wund­bar.

Das ers­te Tor erziel­te Juri Gazin­ski nach zwölf Minu­ten per Kopf. Golo­win vom rus­si­schen Meis­ter ZSKA Mos­kau, der mit zahl­rei­chen eng­li­schen Top­ver­ei­nen in Ver­bin­dung gebracht wird, berei­te­te es mit einer punkt­ge­nau­en Flan­ke vor.

Der krea­ti­ve Fix­punkt Alan Dsa­go­jew, der bei gro­ßen Tur­nie­ren oft Pech hat­te, muss­te nach nur 20 Minu­ten wegen Ver­dachts auf eine Knie­seh­nen­ver­let­zung aus­ge­wech­selt wer­den ; für ihn kam Denis Tsche­ry­schew vom FC Vil­lar­re­al. 20 Minu­ten spä­ter leg­te Tsche­ry­schew, der selbst eine Sai­son vol­ler Ver­let­zun­gen hin­ter sich hat, per Links­schuss nach fei­ner Kör­per­täu­schung das 2:0 nach.

Die Grü­nen Fal­ken waren in der zwei­ten Halb­zeit zunächst die akti­ve­re Mann­schaft, ohne jedoch akti­ver zu wer­den. Bald jedoch nahm Russ­land die Zügel wie­der in die Hand : Nach einer wei­te­ren Flan­ke von Golo­win erziel­te der ein­ge­wech­sel­te Art­jom Dsju­ba per Kopf das 3:0 — zur sicht­ba­ren Erleich­te­rung des umstrit­te­nen Trai­ners Sta­nis­law Tschertsch­essow.

In der Fol­ge ver­lor Sau­di-Ara­bi­en jeg­li­che Ord­nung, und Tsche­ry­schew erhöh­te in der Schluss­pha­se mit einem sehens­wer­ten Schuss per Außen­rist auf 4:0. Zu guter Letzt stell­te Golo­win per Frei­stoß mit dem letz­ten Ball­kon­takt des Spiels den 5:0-Endstand her.

Nach­dem Russ­land mit sie­ben Spie­len ohne Sie­ge ins Tur­nier gegan­gen war, trifft es nun auf Ägyp­ten und Uru­gu­ay ohne muss sich bezüg­lich der Tor­dif­fe­renz kei­ne all­zu gro­ßen Sor­gen machen, wäh­rend Sau­di-Ara­bi­ens Trai­ner Juan Anto­nio Piz­zi hofft, nicht das­sel­be Schick­sal wie Car­los Alber­to Par­rei­ra zu erlei­den, der bei der WM 1998 in Frank­reich nach zwei Spie­len als Sau­di-Trai­ner ent­las­sen wor­den war. Sau­di-Trai­ner Piz­zi war jeden­falls rest­los bedient und mein­te :

Wir haben nicht ver­lo­ren, weil sie so gut, son­dern weil wir so schlecht waren.

Auch auf der Tri­bü­ne trau­te Kron­prinz Moham­med bin Sal­man sei­nen Augen nicht und muss­te vom rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin fast schon getrös­tet wer­den.

Dop­pel­tor­schüt­ze Denis Tsche­ry­schew hin­ge­gen freu­te sich :

Ich habe nie­mals davon geträumt. Ich bin so hap­py.

Trai­ner Tschertsch­essow sag­te zu dem unver­hoff­ten Sieg :

Gut sein, ist eine Sache. Gut zur rich­ti­gen Zeit zu sein, dar­auf kommt es an.

Die rus­si­schen Spie­ler genos­sen die gro­ße Büh­ne in vol­len Zügen und gin­gen bei “Ros­si­ja, Rossija”-Rufen auf die Ehren­run­de.

So schön der rus­si­sche Som­mer­tag auch war, Tschertsch­essow warn­te vor Über­mut :

Wir haben nur drei Punk­te geholt. Ich erin­ne­re an den Con­fe­de­ra­ti­ons Cup. Dort haben wir das ers­te Spiel gewon­nen, aber es hat uns nicht weit gebracht”, sag­te der frü­he­re Bun­des­li­ga-Tor­wart mit Blick auf das Vor­run­den-Aus im genann­ten Tur­nier.

So dürf­te das nächs­te Grup­pen­spiel gegen Ägyp­ten und Super­star Moha­med Salah schon vor­ent­schei­dend für das Wei­ter­kom­men sein, denn danach war­tet Uru­gu­ay.

Die Erwar­tungs­hal­tung hat sich jeden­falls schlag­ar­tig gedreht.

Ich bin sicher, der Sieg wird sie zu neu­en sport­li­chen Hel­den­ta­ten anspor­nen. Wir erwar­ten von euch neue strah­len­de Sie­ge!”, sag­te Sport­mi­nis­ter Pawel Kolob­kow.

So hoch hat­te seit Ita­li­ens 7:1 gegen die USA vor 84 Jah­ren kei­ne Mann­schaft mehr in einem Eröff­nungs­spiel gewon­nen. Nicht Bra­si­li­en, nicht Argen­ti­ni­en und auch nicht Deutsch­land beim 4:2 gegen Cos­ta Rica zum Start des “Som­mer­mär­chens”.

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