Bundespressekonferenz mit Kanzlerin Merkel : Suggestivfragen und Russland ist “Grund für Besorgnis”


Ein beson­ders ekla­tan­tes Stück an Sug­ges­tiv­fra­ge bot die Deutsch­land-Kor­re­spon­den­tin der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung La Repubbli­ca. Sie woll­te von der Kanz­le­rin unter ande­rem wis­sen, wie besorgt die­se sei, über die “stän­di­gen Ver­su­che Russ­lands, Euro­pa zu zer­stö­ren”. 

RT Deutsch


Erdoğan feuert Zentralbank-Chef : Medien spekulieren über Streit um Leitzins als möglichen Grund


Wie es am Sams­tag in einem prä­si­dia­len Dekret hieß, wer­de Murat Çet­in­ka­ya, der den Pos­ten seit April 2016 inne­hat­te, durch sei­nen bis­he­ri­gen Stell­ver­tre­ter Murat Uysal ersetzt. Die tür­ki­sche Zen­tral­bank wer­de auch in Zukunft unab­hän­gig sein, sicher­te ihr neu­er Chef am Sams­tag auf der Inter­net­sei­te des Insti­tuts zu. Eine Pres­se­kon­fe­renz sei “in den kom­men­den Tagen” geplant. Murat Uysal war seit Juni 2016 Stell­ver­tre­ter an der Spit­ze der Bank.

Die größ­te Oppo­si­ti­ons­par­tei CHP äußer­te har­sche Kri­tik an dem Schritt. “Die tür­ki­sche Zen­tral­bank ist zu einer Gei­sel des Prä­si­den­ten­pa­las­tes gewor­den”, schrieb der Spre­cher der CHP, Faik Öztrak, auf Twit­ter.

Recep Tayy­ip Erdoğan hat­te die tür­ki­sche Zen­tral­bank immer wie­der unter Druck gesetzt, die Zin­sen zu sen­ken. Er bezeich­ne­te in der Ver­gan­gen­heit den aus sei­ner Sicht hohen Leit­zins als “Mut­ter und Vater allen Übels in der Wirt­schaft”. Ana­lys­ten und Rating­agen­tu­ren for­der­ten ihrer­seits von den Wäh­rungs­hü­tern dage­gen Zins­er­hö­hun­gen, um dem Anstieg der Infla­ti­on in der Tür­kei zu begeg­nen. Die Unab­hän­gig­keit der Zen­tral­bank wur­de vom tür­ki­schen Staats­chef immer wie­der infra­ge gestellt.

Im ver­gan­ge­nen Jahr ist die Lan­des­wäh­rung Lira nach einem Zer­würf­nis der Tür­kei mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten schwer ein­ge­bro­chen, und ihr Kurs schwankt seit­dem stark. Gleich­zei­tig sind auch die Infla­ti­on und die Arbeits­lo­sig­keit stark gestie­gen. (dpa)

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RT Deutsch


Export von russischen Su-57-Kampfjets vorerst verschoben – Grund genannt


Das rus­si­sche Tarn­kap­pen-Mehr­zweck­kampf­flug­zeug der fünf­ten Genera­ti­on Su-57 wird laut dem rus­si­schen Vize-Pre­mier Juri Boris­sow vor­läu­fig nicht zum Export ange­bo­ten. Als Grund wird die Absicht genannt, dem gut ver­kauf­ten Kampf­jet Su-35 kei­ne Kun­den weg­zu­neh­men.
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Da waren’s nur noch zwei : Deutsches U‑Boot läuft in Norwegen auf Grund und muss in die Werft


Am 23. Janu­ar mach­te sich das deut­sche U‑Boot U36 vom Mari­ne­ha­fen Eckern­för­de in Schles­wig-Hol­stein auf den Weg nach Nor­we­gen, um für ver­schie­de­ne Übun­gen ein­ge­setzt zu wer­den. So nahm es bei­spiels­wei­se vor der schot­ti­schen Küs­te am gro­ßen mul­ti­na­tio­na­len See­ma­nö­ver “Joint War­ri­or” teil. Erst im Juni soll­ten Boot und Besat­zung nach Deutsch­land zurück­keh­ren.

U‑Boot kön­ne aus eige­ner Kraft fah­ren und sei manö­vrier­fä­hig

Doch in die­ser Woche hieß es dann, das U‑Boot U36 sei nach dem Able­gen im nor­we­gi­schen Hafen Haa­konsvern auf Mee­res­grund gelau­fen. Die Ruder hät­ten am Diens­tag leicht den Mee­res­grund tou­chiert, mel­de­te die Deut­sche Pres­se-Agen­tur (dpa) am Mitt­woch mit Ver­weis auf einen Mari­ne­spre­cher. Dem­nach wer­de der genaue Aus­maß der Schä­den noch geprüft, unter ande­rem mit Bild­auf­nah­men. Dem Nord­deut­schen Rund­funk (NDR) sag­te der Pres­se­spre­cher der Bun­des­ma­ri­ne, Kapi­tän zur See Johan­nes Dum­re­se, das U‑Boot kön­ne aus eige­ner Kraft fah­ren und sei manö­vrier­fä­hig. Ver­letzt wur­de nie­mand.

Am Frei­tag kam dann die Mel­dung, das U‑Boot sol­le in einer Werft auf Schä­den unter­sucht wer­den. Nach ers­ten Prü­fun­gen sei es nicht gra­vie­rend beschä­digt, sag­te ein Spre­cher des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums der dpa.

Trotz­dem geht man nach dem Stan­dard­pro­ze­de­re der Mari­ne nach so einem Vor­fall, um auf Num­mer sicher zu gehen, in die Werft und schaut sich das an”, sag­te er.

Das Boot habe bei lang­sa­mer Fahrt rück­wärts einen Fel­sen oder eine Mau­er tou­chiert. Die Bun­des­wehr hat ins­ge­samt sechs U‑Boote der Klas­se 212A. Das ein­zi­ge deut­sche U‑Boot-Geschwa­der ist im schles­wig-hol­stei­ni­schen Eckern­för­de sta­tio­niert. Zuletzt waren ins­ge­samt drei ein­satz­be­reit. Das 56 Meter lan­ge U36 war 2013 in Kiel getauft wor­den und wur­de 2016 in Dienst gestellt. Das Boot hat einen Hybrid­an­trieb.

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RT Deutsch


70 Jahre NATO : Kein Grund zum Feiern


von Zlat­ko Per­ci­nic

Die NATO wur­de am 4. April 1949 offi­zi­ell durch die Unter­schrif­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, Kana­da, Bel­gi­en, Däne­mark, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Island, Ita­li­en, Luxem­burg, Nie­der­lan­de, Nor­we­gen und Por­tu­gal gegrün­det. Bereits im Jahr davor wur­de das ers­te mili­tä­ri­sche Bünd­nis Euro­pas nach dem Zwei­ten Welt­krieg mit dem Brüs­se­ler Pakt geschlos­sen, wel­cher aus Bel­gi­en, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Luxem­burg und den Nie­der­lan­den bestand. Doch die­se Län­der such­ten nach einem star­ken Part­ner, und die USA such­ten nach Mög­lich­kei­ten, ihren Ein­fluss in Euro­pa zu insti­tu­tio­na­li­sie­ren. So beschreibt sogar die offi­zi­el­le US-Geschichts­schrei­bung den Grün­dungs­akt der NATO.

Grund­la­ge des Nord­at­lan­tik­ver­tra­ges bil­det Arti­kel 52 der Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen, die selbst nur vier Jah­re vor dem Mili­tär­bünd­nis gegrün­det wur­de. Die­ser Arti­kel erlaubt expli­zit die Schaf­fung von “regio­na­len Abma­chun­gen oder Ein­rich­tun­gen zur Behand­lung der­je­ni­gen die Wah­rung des Welt­frie­dens und der inter­na­tio­na­len Sicher­heit betref­fen­den Ange­le­gen­hei­ten”. Vor­aus­set­zung sei aller­dings, “dass die­se Abma­chun­gen oder Ein­rich­tun­gen und ihr Wir­ken mit den Zie­len und Grund­sät­zen der Ver­ein­ten Natio­nen ver­ein­bar sind”.

Zudem müs­sen sich jene Mit­glie­der der Ver­ein­ten Natio­nen, die “sol­che Abma­chun­gen tref­fen oder sol­che Ein­rich­tun­gen schaf­fen”, nach “bes­ten Kräf­ten” bemü­hen, durch “Inan­spruch­nah­me die­ser Abma­chun­gen oder Ein­rich­tun­gen ört­lich begrenz­te Strei­tig­kei­ten fried­lich bei­zu­le­gen”.

Die NATO soll­te sich also bemü­hen, begrenz­te Strei­tig­kei­ten nach bes­ten Kräf­ten fried­lich bei­zu­le­gen und ihr Wir­ken mit den Zie­len und Grund­sät­zen der Ver­ein­ten Natio­nen ver­ein­bar sein.

Soweit also die Theo­rie. Wie so oft, weicht die Pra­xis von der Theo­rie deut­lich ab. Indem man die NATO als “trans­at­lan­ti­sches Bünd­nis” beschreibt, lässt sich leicht die Tat­sa­che über­se­hen, dass es am Ende ein Mili­tär­bünd­nis ist. Und eine Armee, egal ob es sich um eine natio­na­le oder um eine Bünd­nis­ar­mee han­delt, ist nicht dazu geeig­net, Strei­tig­kei­ten fried­lich bei­zu­le­gen. Inter­es­sant ist in die­sem Zusam­men­hang die Fest­stel­lung eines UN-Mit­ar­bei­ters in “her­aus­ge­ho­be­ner Posi­ti­on”, der die Unter­schie­de zwi­schen UN und NATO mit den Wor­ten beschrieb :

Die NATO steht für Krieg, und die Ver­ein­ten Natio­nen ste­hen für Frie­den.

Das mag pathe­tisch klin­gen, hat aber durch­aus einen wah­ren Kern. Solan­ge die ursprüng­li­che, von Lord Has­tings Ismay (ers­ter NATO-Gene­ral­se­kre­tär) for­mu­lier­te, Losung galt, hat­te die Alli­anz kei­ner­lei Exis­tenz­pro­ble­me. Dem­nach soll­te “die Sowjet­uni­on drau­ßen blei­ben, die Ame­ri­ka­ner drin­nen und die Deut­schen unten”. 

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Auf­grund die­ser Selbst­wahr­neh­mung war die NATO auch nie an einer gemein­sa­men Sicher­heits­lö­sung in Euro­pa mit der Sowjet­uni­on inter­es­siert, geschwei­ge denn an einer Auf­nah­me Mos­kaus in das west­li­che Mili­tär­bünd­nis. Jede Armee braucht allein schon zu Übungs­zwe­cken einen Geg­ner und nicht weni­ge kul­ti­vie­ren ein rich­ti­ges Feind­bild. Für die NATO war die UdSSR der per­fek­te Feind.

Mit der Auf­lö­sung der Sowjet­uni­on und des War­schau­er Pakts, der als Gegen­ge­wicht der NATO erst 1954 gegrün­det wur­de, ver­lor der Wes­ten einen Feind, den man vier Jahr­zehn­te lang bekämpft hat­te. Obwohl als gro­ßer Sieg gefei­ert, war es ein Ver­lust, der an die exis­ten­zi­el­le Sub­stanz der Alli­anz ging. Bis zum Zeit­punkt der Auf­lö­sung der Sowjet­uni­on bzw. des War­schau­er Pakts wuss­ten alle, wofür die NATO stand und was man zu tun hat­te. Der Ver­lust die­ser kla­ren Linie sorg­te dafür, dass sich das Mili­tär­bünd­nis einen neu­en Zweck und einen neu­en Feind suchen muss­te.

In der Koso­vo-Kri­se von 1999 zeig­te sich dann zum ers­ten Mal, was für Kon­se­quen­zen die­se uni­po­la­re Welt­ord­nung auch für die NATO hat­te. Zur Erin­ne­rung : Gemäß UN-Char­ta soll­ten ört­lich begrenz­te Strei­tig­kei­ten nach bes­ten Kräf­ten fried­lich bei­gelegt wer­den. Statt­des­sen ent­schloss man sich, zum ers­ten Mal in der eige­nen Geschich­te tat­säch­lich zu den Waf­fen zu grei­fen und durch Eige­ner­mäch­ti­gung einen Krieg gegen Ser­bi­en zu füh­ren. Dort wur­de nach bes­ten Kräf­ten ver­sucht, den Kon­flikt nicht fried­lich bei­zu­le­gen, son­dern genau das Gegen­teil mit allen Mit­teln zu errei­chen.

Zuvor igno­rier­ten vor allem die USA die zahl­rei­chen War­nun­gen, dass die Ost­erwei­te­rung und Auf­nah­me von Län­dern des ehe­ma­li­gen War­schau­er Pakts die NATO nicht stär­ken, son­dern lang­fris­tig schwä­chen wür­de. Abge­se­hen davon, dass die Regie­rung von Geor­ge Bush Seni­or genau das gegen­über der sich in den letz­ten Atem­zü­gen befind­li­chen Sowjet­uni­on ver­spro­chen hat­te, war offen­sicht­lich die Ver­su­chung unwi­der­steh­lich, sämt­li­che War­nun­gen in den Wind zu schla­gen.

Spä­tes­tens nach dem Geor­gi­en-Krieg 2008 war den Fal­ken in den USA klar, dass sie end­lich wie­der jeman­den als Feind auf­bau­en konn­ten, den sie fast zwan­zig Jah­re lang schmerz­lich ver­misst hat­ten : Russ­land. Ähn­lich wie der NATO erging es auch dem Geheim­dienst CIA, der nach 1991 mit einer Neu­ori­en­tie­rung zu kämp­fen hat­te. Wie im Außen­mi­nis­te­ri­um auch, wur­den beim CIA hun­der­te Exper­ten für die Sowjet­uni­on gefeu­ert und mit der Zeit der Fokus auf Ara­bisch spre­chen­des Per­so­nal gelegt.

Der Kampf um ein neu­es Selbst­ver­ständ­nis des Mili­tär­bünd­nis­ses führ­te 2011 erneut zu einem Angriffs­krieg, der im Gegen­satz zu Ser­bi­en 1999 mit einer, aller­dings schwa­chen, UN-Reso­lu­ti­on man­da­tiert wur­de. Der UN-Sicher­heits­rat bil­lig­te die Errich­tung einer Flug­ver­bots­zo­ne “mit allen not­wen­di­gen Mit­teln” in Liby­en, um die Zivil­be­völ­ke­rung zu beschüt­zen, die “unter der Bedro­hung eines Angriffs” durch die liby­sche Armee stand. Das wur­de als Frei­brief für die Bom­bar­die­rung des afri­ka­ni­schen Lan­des und die anschlie­ßen­de men­schen­ver­ach­ten­de Jagd und Ermor­dung des lang­jäh­ri­gen Dik­ta­tors Gad­da­fi gewer­tet. Seit­dem hat sich Liby­en nicht wie­der von der Zer­stö­rung und Desta­bi­li­sie­rung durch die NATO erho­len kön­nen.

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Es soll­te drei wei­te­re Jah­re dau­ern, bis die end­gül­ti­ge Rück­trans­for­ma­ti­on in das alte West-Ost-Sche­ma abge­schlos­sen sein soll­te. Bis 2014 hat­te sich nie­mand gewagt, Russ­land öffent­lich als Feind zu bezeich­nen. Doch der dama­li­ge NATO-Vize­ge­ne­ral­se­kre­tär Alex­an­der Versh­bow setz­te am 1. Mai 2014 ein kla­res Zei­chen, als er sag­te, dass man Russ­land von nun an “nicht mehr als Part­ner, son­dern als Geg­ner” betrach­te. 

Obwohl sich die­ses Bild in den ver­gan­gen fünf Jah­ren wei­ter ver­fes­tigt hat, sorgt aus­ge­rech­net das mit Abstand wich­tigs­te Mit­glieds­land für Furo­re. US-Prä­si­dent Donald Trump bezeich­ne­te wäh­rend sei­nes Wahl­kampfs die NATO als “obso­let” und ließ im ver­gan­ge­nen Jahr Mög­lich­kei­ten aus­lo­ten, wie sich die USA aus dem Mili­tär­bünd­nis zurück­zie­hen könn­ten. Als Haupt­grün­de wer­den die finan­zi­el­le Belas­tung sowie die Wei­ge­rung Deutsch­lands genannt, den For­de­run­gen nach einer mas­si­ven Erhö­hung der Rüs­tungs­aus­ga­ben nach­zu­kom­men. NATO-Gene­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg bleibt nichts ande­res übrig, als gute Mie­ne zum bösen Spiel zu machen. Er will kei­ner­lei exis­ten­zi­el­le Pro­ble­me beim Mili­tär­bünd­nis erken­nen.

Obwohl es nun so gekom­men ist, wie es vie­le Kri­ti­ker in den 1990er Jah­ren befürch­tet hat­ten, als sie vor einer Ost­erwei­te­rung bzw. gene­rel­len Erwei­te­rung der Alli­anz warn­ten, weil es sie irgend­wann zer­rei­ßen wür­de, wird nun die For­de­rung immer lau­ter, dass sich die NATO auch um die “Her­aus­for­de­rung” Chi­na küm­mern müs­se. Schon im Fall Russ­land hat sich gezeigt, dass längst nicht alle Mit­glieds­län­der den schon fast mili­tan­ten anti-rus­si­schen Kurs der Bri­ten, Polen und der bal­ti­schen Staa­ten fah­ren möch­ten.

Bei Chi­na wird es noch unge­mein schwe­rer wer­den, eine kon­fron­ta­ti­ve­re Hal­tung ein­zu­neh­men, da die meis­ten Län­der außer­or­dent­lich tief­grei­fen­de wirt­schaft­li­che Bezie­hun­gen mit Peking ein­ge­gan­gen sind. Solch ein Vor­stoß könn­te zu noch grö­ße­ren Span­nun­gen inner­halb der NATO füh­ren, die viel­leicht sogar irrever­si­ble Ris­se hin­ter­las­sen könn­ten.

In den ers­ten 40 Jah­ren ihres Bestehens hat­te die trans­at­lan­ti­sche Alli­anz viel mehr Grund zu fei­ern, als wei­te­re 30 Jah­re spä­ter. Und nie­mand kann sagen, wie die Fei­ern in zehn oder zwan­zig Jah­ren aus­se­hen wer­den, soll­te das Mili­tär­bünd­nis wei­ter­ma­chen, wie in den ver­gan­gen drei Jahr­zehn­ten. 

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

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40-jähriges Verfassungsjubiläum in Spanien : Ein Grund zum Feiern ?


Das höchs­te Geset­zes­werk der spa­ni­schen Rechts­ord­nung begeht sei­nen 40. Geburts­tag mit erns­ten Pro­ble­men : die Kri­se der ter­ri­to­ria­len Ver­fas­sung infol­ge der kata­la­ni­schen Fra­ge, der Anse­hens­ver­lust der spa­ni­schen Kro­ne an der Spit­ze der natio­na­len Ämter­hi­rar­chie und der Ein­zug der extre­men Rech­ten in die poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen.

Die all­jähr­li­chen Fei­er­lich­kei­ten zum 6. Dezem­ber erin­nern an die Rati­fi­zie­rung der “Ver­fas­sung von 1978” durch das spa­ni­sche Volk, und damit an das tat­säch­li­che Ende der fast vier Jahr­zehn­te andau­ern­den Fran­co-Dik­ta­tur. Obwohl sie sei­ner­zeit bei einer Betei­li­gung von 58,97 Pro­zent der Abstim­mungs­be­rech­tig­ten mit 87,78 Pro­zent Ja-Stim­men ange­nom­men wur­de, ist der Gesund­heits­zu­stand der spa­ni­schen Ver­fas­sung zu ihrem 40. Geburts­tag nicht der bes­te.

Ver­schie­de­ne poli­ti­sche Par­tei­en und sozia­le Grup­pen for­dern Ver­än­de­run­gen, eini­ge klei­ne­re und ande­re sub­stan­zi­el­le. Ande­re Par­tei­en und Tei­le der Gesell­schaft erklä­ren den Ver­fas­sungs­text für sakro­sankt und ver­tei­di­gen ihn um jeden Preis.

Das Auf­tau­chen der extre­men Rech­ten

Der mas­si­ve Ein­tritt der extre­men Rech­ten in die poli­ti­sche Are­na und die spa­ni­schen Insti­tu­tio­nen nach der jüngs­ten Regio­nal­wahl in Anda­lu­si­en stellt die spa­ni­sche Ver­fas­sung auf eine erns­te Pro­be. Die ultra­rech­te Par­tei Vox zieht nach ihrem uner­war­te­ten Wahl­er­folg in das Par­la­ment der bevöl­ke­rungs­reichs­ten spa­ni­schen Regi­on ein. Meh­re Maß­nah­men ihres poli­ti­schen Pro­gramms lau­fen dem Inhalt der Ver­fas­sung direkt zuwi­der, etwa die Abschaf­fung der auto­no­men Regio­nen Spa­ni­ens (wie bei­spiels­wei­se Anda­lu­si­en).

Wei­te­re poli­ti­sche For­de­run­gen von Vox sind das Ver­bot der Abtrei­bung, die Abschaf­fung der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe sowie des Geset­zes gegen sexu­el­le Gewalt. Neben ande­ren sind es vor allem die­se umstrit­te­nen For­de­run­gen, wel­che die Ableh­nung brei­ter Bevöl­ke­rungs­schich­ten pro­vo­zie­ren. Eine Online-Peti­ti­on zum Ver­bot der Par­tei ver­zeich­net bereits fast 50.000 Unter­schrif­ten.

Die extre­me Rech­te ist damit das ers­te Mal seit 1982 mit einer eige­nen Par­tei in einem spa­ni­schen Par­la­ment ver­tre­ten, statt wie bis­her durch die tra­di­tio­nel­le rech­te Volks­par­tei (Par­ti­do Popu­lar) in die spa­ni­sche Par­tei­en­land­schaft ein­ge­bun­den zu sein.

Unab­hän­gig­keit vs. natio­na­le Ein­heit

Eine der offe­nen Flan­ken der spa­ni­schen Ver­fas­sung ist die ter­ri­to­ria­le Orga­ni­sa­ti­on des spa­ni­schen Gesamt­staa­tes. Die kata­la­ni­sche Unab­hän­gig­keits­be­we­gung stellt den Ver­fas­sungs­grund­satz der “unauf­lös­li­chen Ein­heit der spa­ni­schen Nati­on” unmit­tel­bar infra­ge. Die­ser Grund­satz bil­det die Grund­la­ge für die Ableh­nung jeg­li­cher Abstim­mun­gen über die Selbst­be­stim­mung ein­zel­ner spa­ni­scher Regio­nen und “natio­na­ler Iden­ti­tä­ten”, wie ins­be­son­de­re Kata­lo­ni­en, die andern­falls die Tür zur Unab­hän­gig­keit eines Teils des Lan­des öff­nen könn­ten.

Kri­tik an die­ser Ableh­nung als “ver­fas­sung­feind­lich” kommt hin­ge­gen nicht nur aus Kata­lo­ni­en. Auch ande­re Tei­le der spa­ni­schen Gesell­schaft befür­wor­ten eine Neu­ord­nung und Föde­ra­li­sie­rung der ter­ri­to­ria­len Ver­fasst­heit des spa­ni­schen Staa­tes, wie die lin­ke Par­tei Pode­mos unter ihrem Füh­rer Pablo Igle­si­as.

Die Gegen­strö­mung der poli­ti­schen Rech­ten setzt dage­gen auf eine Rezen­tra­li­sie­rung des Staa­tes. Spa­ni­en ist seit 1978 in 17 auto­no­men Regio­nen (ver­gleich­bar den deut­schen Bun­des­län­dern) orga­ni­siert, mit jeweils eige­nen Regie­run­gen und Par­la­men­ten und exklu­si­ven Zustän­dig­kei­ten, etwa für das Bil­dungs- und Gesund­heits­we­sen. Vox for­dert unum­wun­den die Besei­ti­gung die­ser Auto­no­mi­en. Ande­re rech­te Par­tei­en, wie die Volks­par­tei und die Par­tei der Bür­ger (Ciu­da­da­nos), wol­len, dass eini­ge der der­zei­ti­gen regio­na­len Zustän­dig­kei­ten wie­der in die Kom­pe­ten­zen des Zen­trals­staa­tes über­ge­hen.

Anse­hens­ver­lust der spa­ni­schen Mon­ar­chie

Von allen Insti­tu­tio­nen der spa­ni­schen Ver­fas­sung ist womög­lich die Mon­ar­chie am meis­ten von den insti­tu­tio­nel­len Pro­ble­men berührt. Der Anse­hens­ver­lust begann bereits in den letz­ten Jah­ren der Regent­schaft von Juan Car­los I., dem Vater des jet­zi­gen Königs Feli­pe VI. Da war zuerst der Kor­rup­ti­ons­fall Nóos, für den sein Schwie­ger­sohn schließ­lich ins Gefäng­nis wan­der­te. Dann kamen der Skan­dal um sei­ne “Freun­din” Corin­na mit der Pole­mik über ihre gemein­sa­me Ele­fan­ten­jagd in Bots­wa­na – bei der sich Juan Car­los I. die Hüf­te brach – und die stän­di­gen Gerüch­te um ihre Rol­le als “Kom­mis­sio­nä­rin” bei der Ver­mitt­lung von Ver­trä­gen für spa­ni­sche Unter­neh­men.

All dies führ­te zur Abdan­kung von Juan Car­los I. als König, in der Hoff­nung, dass eine unbe­las­te­te Figur wie die sei­nes Soh­nes Feli­pe VI. das Anse­hen und die Insti­tu­ti­on der Kro­ne wie­der­her­stel­len bzw. bewah­ren wür­de. Die­se Hoff­nung hat sich nicht wirk­lich erfüllt. Hef­tig kri­ti­siert wur­de ins­be­son­de­re das Auf­tre­ten von König Feli­pe VI., als er am 3. Okto­ber 2017 eine Fern­seh­an­spra­che an die Nati­on zwei Tage nach dem kata­la­ni­schen Refe­ren­dum hielt, in der er die­ses für ille­gal erklär­te.

Doch der Ursprung der Mon­ar­chie in Spa­ni­en selbst wird grund­sätz­lich infra­ge gestellt. Juan Car­los I. wur­de vom Dik­ta­tor Fran­co höchst­per­sön­lich als sein Nach­fol­ger an der Spit­ze des spa­ni­schen Staa­tes bestimmt. Des­sen Pro­kla­ma­ti­on zum Staats­ober­haupt fand am 22. Novem­ber 1975 statt, zwei Tage nach dem Tod des Dik­ta­tors und drei Jah­re vor der Volks­ab­stim­mung über die Ver­fas­sung. 

Auch die Auf­nah­me der Mon­ar­chie in die spa­ni­sche Ver­fas­sung war kei­nes­falls unum­strit­ten. Adol­fo Suá­rez, der zur Zeit der Volks­ab­stim­mung über die Ver­fas­sung von 1978 amtie­ren­de Minis­ter­prä­si­dent, erklär­te 1995 gegen­über der Jour­na­lis­tin Vic­to­ria Pre­go, dass “die Mehr­heit aus­län­di­scher Staats- und Regie­rungs­chefs” von ihm eine “Volks­ab­stim­mung zur Fra­ge Mon­ar­chie oder Repu­blik” ver­lang­ten. Und er gab zu, dass “Umfra­gen gemacht wur­den und wir ver­lo­ren (…)”. Daher ent­schie­den sie schließ­lich, die Mon­ar­chie in den Ver­fas­sungs­text auf­zu­neh­men, über den in sei­ner Gesamt­heit abge­stimmt wer­den muss­te. Mit die­sem Vor­ge­hen hat­te man den Spa­ni­ern die Mög­lich­keit genom­men, tat­säch­lich zwi­schen Mon­ar­chie und Repu­blik zu wäh­len.

Ein mitt­ler­wei­le über­hol­ter Text

Zwi­schen dem Spa­ni­en der Ver­fas­sung von 1978 und dem von heu­te lie­gen Wel­ten. Spa­ni­en war damals kein Mit­glied der Euro­päi­schen Uni­on bzw. ihrer Vor­läu­fer­or­ga­ni­sa­ti­on und zähl­te für die Welt­bank zu den unter­ent­wi­ckel­ten Län­dern. Die Spa­ni­er zahl­ten in Pese­ten, ihrer eige­nen Wäh­rung, die sie bei Wirt­schafts­kri­sen abwer­ten konn­ten. Ver­hü­tungs­mit­tel wur­den lega­li­siert. Und Ehe­bruch galt nicht mehr als Ver­bre­chen, womit die Grund­la­ge für die gesetz­li­che Schei­dung gelegt wur­de, die schließ­lich 1981 ein­ge­führt wur­de.

Der Ent­wick­lung und Moder­ni­sie­rung der spa­ni­schen Gesell­schaft haben dazu geführt, dass vie­le Tei­le des Ver­fas­sungs­tex­tes mitt­ler­wei­le über­holt sind :

  • Die in der Ver­fas­sung genann­ten Ehren­ge­rich­te für Offi­zie­re des Mili­tärs wur­den zwi­schen­zeit­lich durch ein ordent­li­ches Gesetz abge­schafft.
  • Die all­ge­mei­ne Wehr­pflicht hat Ver­fas­sungs­rang, exis­tiert jedoch seit 1999 in Spa­ni­en nicht mehr.
  • Die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Nomen­kla­tur bezüg­lich kör­per­li­cher Ein­schrän­kun­gen als “kör­per­lich, sen­so­risch oder psy­chisch behin­dert” ist aus dem moder­nen Sprach­ge­brauch ver­schwun­den.
  • Die Katho­li­sche Kir­che wird aus­drück­lich in der Ver­fas­sung genannt, obwohl in die­ser zugleich bestimmt wird, dass es “kei­ne Staats­re­li­gi­on” gibt.
  • Und einer der umstrit­tens­ten Wider­sprü­che betrifft die Ungleich­heit zwi­schen Mann und Frau in der Thron­fol­ge. Trotz der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Bestim­mung der Gleich­heit von Mann und Frau akzep­tiert und lega­li­siert die Ver­fas­sung im Fal­le der Insti­tu­ti­on der Mon­ar­chie die Dis­kri­mi­nie­rung der Frau.

Braucht die Ver­fas­sung eine Moder­ni­sie­rung ?

In der Volks­par­tei von Pablo Casa­do räumt man zwar ein, dass klei­ne Ände­run­gen an der Ver­fas­sung nötig wären – doch nicht in solch ris­kan­ten Zei­ten mit der wei­ter­hin offe­nen kata­la­ni­schen Fra­ge.

Auch die Par­tei Ciu­da­da­nos for­dert klei­ne Retu­schen, etwa die Ein­schrän­kung der par­la­men­ta­ri­schen Immu­ni­tät für die Abge­ord­ne­ten.

Pro­gres­si­ve Par­tei­en sind in die­ser Hin­sicht ehr­gei­zi­ger und ver­lan­gen grö­ße­re Ver­än­de­run­gen. So wie im Fal­le der Par­tei Pode­mos, die für die Abschaf­fung der Mon­ar­chie und die Durch­füh­rung eines dafür erfor­der­li­chen Refe­ren­dums ein­tritt.

Auch der spa­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Pedro Sán­chez von der Sozia­lis­ti­schen Par­tei (PSOE) befür­wor­tet eini­ge weit­rei­chen­de­re Ver­än­de­run­gen. Gleich­wohl weiß er, dass in der ver­blei­ben­den Legis­la­tur­pe­ri­ode dafür kei­ne Zeit bleibt.

Javier Megi­no, Vize­prä­si­dent des Ver­ban­des “Spa­ni­en und die Kata­la­nen”, sag­te, dass, wenn eine Sache in die­sen 40 Jah­ren des Bestehens der spa­ni­schen Ver­fas­sung funk­tio­niert hät­te, es dann die Mon­ar­chie gewe­sen sei.

Anna Arqué i Sol­so­na, Spre­che­rin der Inter­na­tio­na­len Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Bür­ger (ICEC), beton­te dem­ge­gen­über, dass die spa­ni­sche Ver­fas­sung und die Mon­ar­chie vom Dik­ta­tor Fran­cis­co Fran­co bestimmt wor­den waren.

Mehr zum The­ma — Spa­ni­en : Der “San­chiz­mus” regiert seit über 100 Tagen das Land

RT Deutsch


Abschiedsrede mit SPD-Kritik als Grund ? — Maaßen wechselt offenbar doch nicht ins Innenministerium


Ver­fas­sungs­schutz­chef Hans-Georg Maaßen wech­selt nach schar­fer Kri­tik an der SPD doch nicht wie geplant als Son­der­be­auf­trag­ter ins Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um. Ob der 55-Jäh­ri­ge ent­las­sen oder in den einst­wei­li­gen Ruhe­stand ver­setzt wird, ist der­zeit noch offen. Als wahr­schein­lich gilt nach Infor­ma­tio­nen der Deut­schen Pres­se-Agen­tur eine Ver­set­zung in den einst­wei­li­gen Ruhe­stand. Hin­ter­grund sei eine Abschieds­re­de Maaßens, in der er von teil­wei­se links­ra­di­ka­len Kräf­ten bei den Sozi­al­de­mo­kra­ten gespro­chen habe, hieß es am Sonn­tag­abend in Ber­lin.

Innen­mi­nis­ter See­ho­fer woll­te sich zunächst nicht dazu äußern

Nach dpa-Infor­ma­tio­nen hat­te Maaßen am 18. Okto­ber bei einer Abschieds­re­de vor euro­päi­schen Kol­le­gen in War­schau beklagt, sei­ne Äuße­run­gen zu den Vor­fäl­len in Chem­nitz sei­en für die­se Kräf­te will­kom­me­ner Anlass gewe­sen, einen Bruch der Gro­ßen Koali­ti­on zu pro­vo­zie­ren. Er sei in Deutsch­land als Kri­ti­ker einer nai­ven und lin­ken Aus­län­der- und Sicher­heits­po­li­tik bekannt. Dies sei für sei­ne poli­ti­schen Geg­ner und eini­ge Medi­en Anlass gewe­sen, ihn aus dem Amt zu drän­gen. Seit dem 24. Okto­ber war die Rede im geschütz­ten Bereich des Intra­nets für alle Mit­ar­bei­ter des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz zu lesen.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer woll­te sich am Sonn­tag­abend zunächst nicht dazu äußern.

Im Moment kann ich zu der Sache nichts sagen”, sag­te der CSU-Chef in Mün­chen.

Ein Spre­cher See­ho­fers sag­te, die Äuße­run­gen von Maaßen sei­en dem Minis­te­ri­um bekannt und wür­den der­zeit geprüft. “Nach Abschluss der Prü­fung wird Herr Minis­ter See­ho­fer die not­wen­di­gen Kon­se­quen­zen zie­hen.”

Maaßen, der sei­ne Äuße­run­gen zu rechts­ex­tre­men Aus­schrei­tun­gen in Chem­nitz auch vor dem Par­la­men­ta­ri­schen Gre­mi­um zur Kon­trol­le der Geheim­diens­te und im Innen­aus­schuss des Bun­des­ta­ges ver­tei­digt hat­te, soll­te eigent­lich Son­der­be­ra­ter von See­ho­fer für euro­päi­sche und inter­na­tio­na­le Auf­ga­ben wer­den — bei glei­chem Gehalt wie bis­her als Ver­fas­sungs­schutz­chef, im Rang eines Abtei­lungs­lei­ters.

Der Streit um Maaßen hat­te im Sep­tem­ber eine Koali­ti­ons­kri­se aus­ge­löst, die fast zum Bruch der Regie­rung geführt hät­te. Im Zen­trum stand die Äuße­rung Maaßens, ihm lägen “kei­ne belast­ba­ren Infor­ma­tio­nen” vor, dass in Chem­nitz Hetz­jag­den auf Aus­län­der statt­ge­fun­den hät­ten. Viel­mehr sprä­chen “gute Grün­de” dafür, dass es sich bei einem ent­spre­chen­den Video “um eine geziel­te Falsch­in­for­ma­ti­on han­delt, um mög­li­cher­wei­se die Öffent­lich­keit von dem Mord in Chem­nitz abzu­len­ken”. In Chem­nitz war am 26. August ein 35-jäh­ri­ger Deut­scher ersto­chen wor­den. Tat­ver­däch­tig sind Asyl­be­wer­ber.

Grü­ne im Bun­des­tag ver­lan­gen Son­der­sit­zung des Par­la­men­ta­ri­schen Gre­mi­ums zur Kon­trol­le der Geheim­diens­te 

Die SPD hat­te den Abschied Maaßens als Ver­fas­sungs­schutz­chef ver­langt. Die Koali­ti­ons­spit­zen hat­ten sich zunächst dar­auf ver­stän­digt, den 55-Jäh­ri­gen an der Spit­ze des Geheim­diens­tes abzu­lö­sen und ihn zum Innen­staats­se­kre­tär zu ernen­nen. Dies aber hät­te eine Beför­de­rung bedeu­tet — mit einem Gehalt von über 14.000 Euro im Monat. SPD-Che­fin Andrea Nah­les hat­te das zunächst abge­nickt. Sie war aber anschlie­ßend unter mas­si­ven Druck gera­ten, zumal die Plä­ne vor­ge­se­hen hat­ten, dass für Maaßen der bis­he­ri­ge Staats­se­kre­tär Gun­ther Adler wei­chen muss, ein SPD-Mit­glied.

Nach brei­ter Empö­rung hat­te Nah­les einen Irr­weg ein­ge­räumt und Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) und See­ho­fer in einem Brief um eine ande­re Rege­lung gebe­ten. Die Spit­zen der Koali­ti­on hat­ten dann beschlos­sen, dass Maaßen statt­des­sen im Innen­mi­nis­te­ri­um im Rang eines Abtei­lungs­lei­ters für euro­päi­sche und inter­na­tio­na­le Auf­ga­ben zustän­dig sein soll­te.

Die Grü­nen im Bun­des­tag ver­lang­ten am Sonn­tag­abend eine Son­der­sit­zung des Par­la­men­ta­ri­schen Gre­mi­ums zur Kon­trol­le der Geheim­diens­te zu den neu­en Vor­wür­fen gegen Maaßen. Die FDP schloss sich der For­de­rung an. Grü­nen-Innen­ex­per­te Kon­stan­tin von Notz sag­te der dpa, man kön­ne nur wün­schen, dass See­ho­fer end­lich han­de­le, die Nach­fol­ge von Maaßen ordent­lich rege­le und das plan­lo­se Agie­ren ende, das alle Betei­lig­ten beschä­digt zurück las­se. Maaßen und See­ho­fer sei­en sich offen­bar nicht im Kla­ren dar­über, wie tief der Ver­trau­ens­scha­den mitt­ler­wei­le sei.

Laschet : Fall Maaßen an Absur­di­tät nicht zu über­bie­ten 

Der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Patrick Sen­s­burg kri­ti­sier­te den Umgang mit Maaßen. “Das war kei­ne kla­re Amts­füh­rung. (…) So geht man auch nicht mit Beam­ten um”, sag­te er mit Blick auf See­ho­fer dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land. Sen­s­burg gehört wie von Notz dem Par­la­men­ta­ri­schen Kon­troll­gre­mi­um des Bun­des­tags an. Er ken­ne die Maaßen zuge­schrie­be­nen Äuße­run­gen, sag­te er. Maaßen set­ze nichts dar­an, Son­der­be­auf­trag­ter zu wer­den. “Das hat er in sei­nen Äuße­run­gen kund­ge­tan.” Er ver­ste­he dies. “Das ist ja auch eher ein Abschie­ben.”

Der nord­rhein-west­fä­li­sche Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet (CDU) sag­te im ZDF :

Das ist an Absur­di­tät nicht zu über­bie­ten, was wir da mit Herrn Maaßen und den Reak­tio­nen dar­auf erlebt haben, dass man, wenn man Feh­ler macht, noch beför­dert wird. Die­ser Stil muss ein Ende haben.

Mehr zum The­ma — Dr. Gniff­kes Macht um Acht – Mie­ses Maaßen-Nach­spiel

(dpa/rt deutsch)

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