Iranischer Außenminister über die Haltung der USA : “Wir haben den Verhandlungstisch nie verlassen”


Nur einen Tag vor der geplan­ten Rei­se des ira­ni­schen Außen­mi­nis­ters Dscha­wad Sarif wur­de ihm und sei­ner Dele­ga­ti­on ein Visum für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten erteilt. Ein wei­te­rer Affront gegen die ira­ni­sche Regie­rung durch Washing­ton. Zudem ist das erteil­te Visum mit Ein­schrän­kun­gen ver­bun­den. Sarif und sei­ne Entou­ra­ge dür­fen sich nur inner­halb von sechs Wohn­blö­cken in New York zwi­schen dem Sitz der Ver­ein­ten Natio­nen, der Stän­di­gen Ver­tre­tung des Iran und dem Wohn­sitz des ira­ni­schen UN-Bot­schaf­ters bewe­gen. 

Erst­ma­lig seit Mona­ten gab er einem US-Nach­rich­ten­por­tal ein Inter­view. Der rede­ge­wand­te Sarif ließ sich vom US-Jour­na­lis­ten Les­ter Holt nicht in die Enge trei­ben und kon­ter­te den Fra­gen geschickt. Der Jour­na­list der NBC-Nach­rich­ten ver­geu­de­te kei­ne Zeit und frag­te Sarif gleich zu Beginn danach, wie “nah wir einem Krieg sind”.

Mit einem Lächeln ant­wor­te­te Sarif : 

Wir sind nicht nahe eines mili­tä­ri­schen Krie­ges, aber wie ich es vor­her gesagt habe, zie­len die Sank­tio­nen auf die gewöhn­li­chen (ira­ni­schen) Bür­ger, Zivi­lis­ten, Men­schen, die Medi­zin benö­ti­gen, Men­schen, die behan­delt wer­den müs­sen. 

Sarif ver­weist auf die Fra­ge, ob das US-Mili­tär einen Krieg vor­be­rei­te, damit, dass er nicht glau­be, US-Prä­si­dent Donald Trump wol­le Krieg. Er sei jedoch von Leu­ten umge­ben, die nichts gegen einen Krieg hät­ten. Den Ver­hand­lungs­tisch hät­ten allein die USA durch ihr Schei­den aus dem 2015 geschlos­se­nen Nukle­arab­kom­men ver­las­sen. Die ver­blie­be­nen euro­päi­schen Län­der sowie Russ­land und Chi­na hiel­ten hier­an fest. Auch der Iran sei noch Teil des Abkom­mens. 

Die USA spie­len mit dem Feu­er und sind “süch­tig nach Sank­tio­nen”

Tehe­ran hat­te die Uran­an­rei­che­rung über das vor­ge­schrie­be­ne Limit des Nukle­arab­kom­mens hin­aus erhöht. Der Jour­na­list : 

Sind Sie nicht in Sor­ge, dass sie hier mit dem Feu­er spie­len ? 

Für Sarif sind es die USA, die mit dem Feu­er spiel­ten. Denn der Iran habe ein Jahr gewar­tet, bis die Regie­rung gegen die Sank­tio­nen der USA han­del­te. Der Iran könn­te inner­halb der nächs­ten Stun­den sei­ne gestei­ger­te Uran­an­rei­che­rung erneut zurück­fah­ren. Es hand­le sich, so Sarif, um einen rever­si­blen Pro­zess. Die USA sei­en “süch­tig nach Sank­tio­nen”. Abkom­men mit den USA könn­ten nicht nach jeder neu­en Regie­rung erneut ver­han­delt wer­den. So kön­ne man kei­ne Bezie­hun­gen unter­hal­ten. 

Der NBC-Jour­na­list ver­sucht, das bal­lis­ti­sche Pro­gramm des Iran zu dis­ku­tie­ren. Sarif aber kon­tert, man müs­se die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben in der Regi­on genau­er betrach­ten. So sei­en die Aus­ga­ben der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te viel höher als die des Iran, obwohl sie nur über eine Bevöl­ke­rung von knapp zehn Mil­lio­nen ver­fü­gen. Genau­so gestal­te es sich im Bezug auf Sau­di-Ara­bi­en. 

Es gibt Län­der in der Regi­on, die an einer Eska­la­ti­on inter­es­siert sind 

Auf die Vor­wür­fe, der Iran mische sich außer­halb sei­ner Gren­zen ein, frag­te Sarif : 

Las­sen Sie mich fra­gen, wer bom­bar­diert den Jemen ? Wer fällt in Bah­rain ein ? (…) Sind wir in irgend­ei­ner Wei­se in Nord­afri­ka invol­viert ? War­um gibt es Cha­os in Nord­afri­ka, war­um gibt es Cha­os im Jemen ? (…) Die USA müs­sen ihre eige­nen Alli­ier­ten beäu­gen, nicht den Iran. 

Auch die ver­meint­lich ira­ni­schen Angrif­fe auf Öltan­ker kamen zur Spra­che. Der Jour­na­list amü­siert Sarif. Natür­lich wür­den wir einen japa­ni­schen Tan­ker nicht angrei­fen, wäh­rend der japa­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter sich mit unse­rem Regie­rungs­chef trifft. Die Bil­der der US-Navy bewie­sen rein gar nichts, so Sarif.

Die ira­ni­sche Navy war mit der Ret­tung der See­leu­te beschäf­tigt. Ohne die­se genau­er zu nen­nen, sag­te Sarif, es gebe Län­der in der Regi­on, die ein Inter­es­se an der Eska­la­ti­on der Situa­ti­on zwi­schen Washing­ton und Tehe­ran hät­ten. 

Gera­de weil es der Per­si­sche Golf sei und er nicht anders hei­ße, wol­le der Iran Sicher­heit : 

Kei­ner kann in die­sen Gewäs­sern ohne den Iran die Sicher­heit auf­recht­erhal­ten. 

Die Isla­mi­sche Repu­blik Iran müs­se als Part­ner gese­hen wer­den, um Sta­bi­li­tät in der Regi­on zu gewähr­leis­ten. Die Geschich­te des Iran habe gezeigt, dass das Land in der Lage sei, trotz Sank­tio­nen zu wach­sen. Wäh­rend des Irak-Iran-Krie­ges, als sich die Welt gegen den Iran gestellt hat, habe der Iran sei­ne eige­nen Waf­fen ent­wi­ckelt. 

Der ira­ni­sche Ver­tre­ter glaubt dar­an, dass am Ende des Tages die Klug­heit sie­gen wer­de und die Trump-Regie­rung zur Ver­nunft käme. Dies habe sich auch dar­in gezeigt, dass Trump in letz­ter Minu­te einen Angriff auf den Iran abge­sagt habe, denn es hät­te sich nicht um einen ein­ma­li­gen Ver­gel­tungs­schlag ohne Reak­ti­on gehan­delt : 

Der Iran ist ein gro­ßes, stol­zes Land. Wir wer­den einen mili­tä­ri­schen Angriff nicht ein­fach so hin­neh­men. 

RT Deutsch


Geschacher um EU-Spitzenposten : Die Eliten haben gewählt !


von Pierre Lévy

Noch für vier Mona­te behält der Pole Donald Tusk den Vor­sitz im Euro­päi­schen Rat. Am Ende des gro­ßen Kuh­han­dels, der zur Kan­di­da­ten­kür der zukünf­ti­gen Spit­zen­po­li­ti­ker der EU am 3. Juli führ­te, war er schein­bar erfreut, dass zwei Frau­en für das Cas­ting-Fina­le aus­er­ko­ren wur­den : “Ich hof­fe, dass die­se Wahl vie­le Frau­en und Mäd­chen in ihrem Kampf um ihre Lei­den­schaf­ten inspi­rie­ren wird”. So kön­nen wir uns die­sen Dia­log leicht vor­stel­len, der sich in den Kin­der­gär­ten ver­viel­facht haben muss : “Und Du, was willst Du spä­ter machen ? … Äh, ich möch­te auch gern mal Prä­si­den­tin der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on wer­den”. Rüh­rend !

Vor allem aber zeigt sich im Moment, dass vie­le Pro­mi­nen­te einen ange­neh­men Über­gang von den natio­na­len poli­ti­schen Nie­de­run­gen hoch in die Bla­se der EU oder gar der glo­ba­len Insti­tu­tio­nen voll­zie­hen. Ein Stüh­le­rü­cken, das all­seits mit Ele­ganz voll­führt wird ; und das für die Geschäfts­welt auf höchs­tem Niveau eben­so ein belieb­ter Sport ist.

Die jüngs­ten Nomi­nie­run­gen sind Bei­spie­le unter vie­len. So berei­tet sich Herr Tusk auf sei­ne Rück­kehr nach War­schau vor, wo er sein Amt als Pre­mier­mi­nis­ter, das er 2014 ver­las­sen hat­te, ger­ne wie­der antritt. Und es wäre sehr über­ra­schend, wenn Fede­ri­ca Mog­heri­ni, die bis zum Herbst von Brüs­sel aus die “Diplo­ma­tie” der EU ver­trat, nicht Lust hät­te, wie­der eine wich­ti­ge Rol­le in ihrer ita­lie­ni­schen Demo­kra­ti­schen Par­tei zu spie­len.

Die Bei­spie­le der Neu­ein­stei­ge­rin­nen in Brüs­sel sind beson­ders auf­schluss­reich. Ursu­la von der Ley­en, die prak­tisch bereits zur künf­ti­gen Prä­si­den­tin der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on ernannt wur­de (vor­be­halt­lich der wahr­schein­lich rei­bungs­lo­sen Bestä­ti­gung durch das Euro­par­la­ment) stu­dier­te vier Jah­re lang an der Lon­don School of Eco­no­mics und anschlie­ßend an der renom­mier­ten ame­ri­ka­ni­schen Stan­ford Uni­ver­si­ty. Zuvor begann sie als Toch­ter von Ernst Albrecht, der Minis­ter­prä­si­dent in Nie­der­sach­sen war, bereits ihre Schul­zeit an einer Euro­pa­schu­le in Brüs­sel – auch das hilft – und star­te­te dann ihre poli­ti­sche Kar­rie­re in Deutsch­land.

Nach ver­schie­de­nen Porte­feuilles wur­de sie Ende 2013 mit dem höchs­ten Pos­ten im Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung betraut. So hat sie nie eine Sit­zung der Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz ver­passt. Auf die­ser Art “Davos-Tref­fen” von Mili­tärs und Diplo­ma­ten hat sie sich regel­mä­ßig vehe­ment sowohl für die Stär­kung der NATO als auch für die “Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Euro­pa” ein­ge­setzt.

Die Welt der Rüs­tung ist auch der Fran­zö­sin Chris­ti­ne Lagar­de nicht fremd, die gera­de ihrem Wech­sel als bis­he­ri­ge Che­fin beim Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (des IWF, den sie seit 2011 von Washing­ton, D.C. aus lei­tet) zum Chef­ses­sel der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) in Frank­furt am Main zuge­stimmt hat. Von 1995 bis 2002 war Frau Lagar­de Mit­glied des renom­mier­ten Cen­ter for Stra­te­gic and Inter­na­tio­nal Stu­dies in Beglei­tung des ame­ri­ka­ni­schen Geo­stra­te­gen Zbi­gniew Brze­ziń­ski, mit dem sie gemein­sam die Arbeits­grup­pe USA-Polen-Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie lei­te­te. Sie hat­te einen guten Start ins Berufs­le­ben voll­bracht, indem sie ihr Stu­di­um in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten begann, mit der Pro­mo­ti­on abschloss und dann als par­la­men­ta­ri­sche Assis­ten­tin im US-ame­ri­ka­ni­schen Reprä­sen­tan­ten­haus arbei­te­te.

Nach ihrem Inter­mez­zo für eini­ge Jah­re in Frank­reich kehr­te sie in die USA zurück, um einer der größ­ten ame­ri­ka­ni­schen Mak­ler-Agen­tu­ren bei­zu­tre­ten, stieg aus der Mas­se auf und über­nahm 1999 schließ­lich die Lei­tung. Im Jahr 2005 wur­de sie Mit­glied im Auf­sichts­rat der nie­der­län­di­schen Ban­ken­grup­pe ING. Im sel­ben Jahr wur­de sie fran­zö­si­sche Minis­te­rin für Außen­han­del in der von Domi­ni­que de Vill­e­pin geführ­ten Regie­rung. Kaum im Amt, sprach sie sich für eine Reform des Arbeits­ge­setz­bu­ches aus, eine Äuße­rung, deren Bezie­hung zu ihrem Minis­ter­amt kei­nes­wegs offen­sicht­lich war, die aber den­noch den Eli­ten – ins­be­son­de­re denen in Brüs­sel – offen­sicht­lich gut gefiel.

Im Juni 2007 bekam sie dann sogleich das Minis­te­ri­um für Wirt­schaft, Finan­zen und Beschäf­ti­gung in Paris. Im August – kurz vor der soge­nann­ten “Sub-Prime-Kri­se”, die dann eine gro­ße glo­ba­le Finanz- und Wirt­schafts­kri­se aus­lös­te – wuss­te sie noch zu ver­kün­den, dass “der Groß­teil der Kri­se hin­ter uns liegt”. Die Zei­tun­gen haben auch über ihre Rol­le bei der Schlich­tung im Fall Tapie berich­tet (ins­be­son­de­re wegen Mit­tä­ter­schaft bei der Ver­un­treu­ung öffent­li­cher Gel­der), wofür sie 2014 vom Gerichts­hof der Repu­blik Frank­reich für schul­dig befun­den wur­de. Aller­dings wur­de sie von der Stra­fe befreit, was ein eher sel­te­ner Genuss für die­je­ni­gen ist, die nicht zu den Gro­ßen die­ser Welt gehö­ren. All die­se Erfol­ge qua­li­fi­zier­ten sie schließ­lich, im Jah­re 2011 die Lei­tung des IWF, des welt­weit größ­ten Finanz­in­sti­tuts zu über­neh­men.

Im Ver­gleich zu sol­chen Leis­tun­gen kann der zukünf­ti­ge Prä­si­dent des Euro­päi­schen Rates nur recht fade erschei­nen. Der Bel­gi­er Charles Michel wird die­sen Pos­ten ab Dezem­ber über­neh­men. Zumin­dest wird die EU bei sei­ner Per­son an Umzugs­kos­ten spa­ren, da der heu­ti­ge bel­gi­sche Pre­mier­mi­nis­ter (des­sen Par­tei eben­so wie alle Par­tei­en sei­ner Koali­ti­on bei den Par­la­ments­wah­len vom 26. Mai stark ver­lo­ren hat­te) von Brüs­sel nur nach Brüs­sel umzie­hen muß. Bevor er – wer weiß – irgend­wann Gene­ral­se­kre­tär der Atlan­ti­schen Alli­anz wird ? Auch die hat bekannt­lich ihren Sitz in der bel­gi­schen Haupt­stadt. Die Hypo­the­se ist gar nicht so absurd : NATO und EU, als Schwes­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen, tau­schen manch­mal eben­falls ihr hoch­ran­gi­ges Per­so­nal, wie am Bei­spiel von Javier Sola­na zu sehen war, der 1999 “auf kur­zem Wege” wech­sel­te.

Herr Michel ist jedoch kein Neu­ling in die­ser klei­nen Welt. Sein Vater, Lou­is Michel, war stell­ver­tre­ten­der Pre­mier­mi­nis­ter Bel­gi­ens und spä­ter EU-Kom­mis­sar.

Und da das Bild der poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Eli­ten ohne ihre media­le Kom­po­nen­te nicht voll­stän­dig wäre, ist der neue Prä­si­dent des Euro­par­la­ments der Ita­lie­ner David Sas­so­li, ein wich­ti­ger Füh­rer der Demo­kra­ti­schen Par­tei (der Par­tei des ehe­ma­li­gen Minis­ter­prä­si­den­ten Matteo Ren­zi). Als Jour­na­list arbei­te­te er lan­ge Zeit beim RAI, dem öffent­lich-recht­li­chen Fern­seh­sen­der, wo er Star-Mode­ra­tor war. Ande­rer­seits : Als MdEP betreu­te er bereits ins­be­son­de­re die Libe­ra­li­sie­rung des euro­päi­schen Schie­nen­ver­kehrs.

Natür­lich tei­len alle die­se Wür­den­trä­ger den glei­chen grund­le­gen­den uner­schüt­ter­li­chen Glau­ben an den glo­ba­li­sier­ten Libe­ra­lis­mus, den Frei­han­del, die euro­päi­sche Inte­gra­ti­on und die euro-atlan­ti­sche Ach­se.

Die­se Art “beruf­li­cher Mobi­li­tät” könn­te leicht als Inzucht betrach­tet wer­den. Abge­se­hen vom bereits erwähn­ten Fall von Javier Sola­na ist Domi­ni­que Strauss-Kahn zuvor den glei­chen Weg gegan­gen wie Frau Lagar­de als sei­ne Nach­fol­ge­rin, von Ber­cy bis Washing­ton. Pierre Mosco­vici, eben­falls fran­zö­si­scher Finanz­mi­nis­ter, wur­de als Wirt­schafts­kom­mis­sar nach Brüs­sel ver­setzt. Michel Bar­nier reis­te zwi­schen Paris (unter ande­rem als Außen­mi­nis­ter) und Brüs­sel (als EU-Kom­mis­sar für Regio­nal­po­li­tik) hin und her, bevor er für die Akte Bre­x­it zustän­dig wur­de.

Pas­cal Lamy ist viel­leicht eines der auf­schluss­reichs­ten Bei­spie­le. Er wur­de in der euro­päi­schen Are­na als Stabs­chef von Jac­ques Delors aus­ge­bil­det und hielt danach fünf Jah­re lang das wich­tigs­te Port­fo­lio, näm­lich für Außen­han­del bei der Kom­mis­si­on, bevor er 2005 als Lei­ter der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO) auf die ande­re Sei­te der Bar­rie­re stieg. Im Inter­view mit der Tages­zei­tung Le Pari­si­en (07.04.2019) mach­te er die fol­gen­de alt­vä­ter­li­che Bemer­kung über Chris­ti­ne Lagar­de : “Ich habe sie schon in den inter­na­tio­na­len Han­del ein­ge­führt, als sie jung war. Sie war Außen­mi­nis­te­rin für inter­na­tio­na­len Han­del, als ich noch EU-Kom­mis­sar war”. Wir erfah­ren also, dass ein Mit­glied der Brüs­se­ler Exe­ku­ti­ve sich legi­ti­miert fühlt, einen fran­zö­si­schen Minis­ter groß­zu­zie­hen.

Die eine und ande­re der Per­sön­lich­kei­ten begeg­nen sich stän­dig wie­der in for­mel­len inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, aber auch in infor­mel­le­ren, ja sogar ziem­lich dis­kre­ten Krei­sen, wie etwa zu Bil­der­berg-Kon­fe­ren­zen, in der Tri­la­te­ra­len Kom­mis­si­on, beim Aspen-Insti­tut oder in der Ber­tels­mann-Stif­tung, um nur die bekann­tes­ten Unbe­kann­ten zu nen­nen.

Allen Erns­tes begann doch der Sen­der Arte sei­ne Fern­seh­nach­rich­ten am 3. Juli mit der Behaup­tung : “Alle Euro­pä­er haben die Augen auf Brüs­sel und Straß­burg gerich­tet”, wo die Ver­hand­lun­gen über die höchs­ten EU-Pos­ten geführt wur­den.

Die Aus­sa­ge ist beson­ders komisch, da die­ser Kuh­han­del bei völ­li­ger Gleich­gül­tig­keit der Völ­ker aus­ge­kun­gelt wur­de. Das ist aller­dings und zwei­fel­los scha­de : Denn die Bür­ger aller Län­der konn­ten im grel­len Licht sehr wohl erken­nen, dass die Per­sön­lich­kei­ten, die auf die­sem rie­si­gen Ball glo­ba­li­sier­ter Eli­ten tan­zen wer­den, alle eines gemein­sam haben : Jede Vor­stel­lung von natio­na­lem Inter­es­se oder Volks­wil­len ist ihnen im Grun­de völ­lig fremd.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

RT Deutsch


Schweres Sexualdelikt in Mülheim : Gruppe von 12- bis 14-Jährigen soll 18-Jährige vergewaltigt haben


Anwoh­ner in Mül­heim an der Ruhr waren am Frei­tag­abend gegen 22.15 Uhr auf­merk­sam gewor­den, weil ihr Hund unru­hig wur­de, berich­te­te die Poli­zei. Sie hät­ten im Grü­nen hin­ter ihrem Gar­ten die jun­ge Frau in einer hilf­lo­sen Lage und zwei männ­li­che Per­so­nen ent­deckt und die Poli­zei ver­stän­digt. Die bei­den Ver­däch­ti­gen sei­en über einen par­al­lel ver­lau­fen­den Rad­weg geflo­hen, die Frau blieb zurück. Die Anwoh­ner rie­fen die Poli­zei und küm­mer­ten sich um das Opfer.

Die Zeu­gen haben per­fekt reagiert”,

lob­te Essens Poli­zei­spre­cher Peter Elke Anwoh­ner, die die Poli­zei geru­fen hat­ten.

Kurz dar­auf hielt eine Strei­fen­wa­gen­be­sat­zung eine Grup­pe von fünf Kin­dern und Jugend­li­chen an, auf die teils die Beschrei­bung pass­te. “Mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit”, sag­te der Poli­zei­spre­cher, sei­en die fünf an der Tat betei­ligt. Alle hät­ten zu dem Vor­wurf der schwe­ren Sexu­al­straf­tat aus­ge­sagt.

Es muss nur geklärt wer­den, wel­che Per­son wel­chen Anteil am Tat­ge­sche­hen hat­te.

Der Tat­ort soll in einem Wald­stück nahe einem Spiel­platz lie­gen. Der Spiel­platz liegt in einem unschein­ba­ren Stadt­vier­tel, nicht weit weg von der Innen­stadt. Die groß­zü­gi­ge Anla­ge ist ein­ge­bet­tet in einen hüge­li­gen Park, umge­ben von Rei­hen­häu­sern und klei­ne­ren Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern mit Gär­ten. In der Nähe befin­den sich eine Grund­schu­le und der Rad­schnell­weg Ruhr. Über ihn sol­len zwei Täter am Frei­tag­abend zunächst geflüch­tet sein.

Die Tat­ver­däch­ti­gen wur­den am Wochen­en­de von der Poli­zei befragt und anschlie­ßend ihren Eltern über­ge­ben. Alle fünf sind bul­ga­ri­scher Natio­na­li­tät. Gegen einen der drei 14 Jah­re alten Ver­däch­ti­gen habe das Amts­ge­richt Haft­be­fehl erlas­sen – wegen Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, teil­te die Staats­an­walt­schaft Duis­burg am Mon­tag­abend mit. Denn es sei bekannt gewor­den, dass der 14-Jäh­ri­ge schon vor der Tat, damals noch im straf­un­mün­di­gen Alter, wegen zwei­er sexu­el­ler Beläs­ti­gun­gen auf­ge­fal­len war. Zur­zeit sitzt er in Unter­su­chungs­haft.

Alle fünf Ver­däch­ti­gen sol­len in der letz­ten Woche vor den NRW-Som­mer­fe­ri­en nicht mehr zur Schu­le gehen.

Ent­spre­chen­de Ver­fü­gun­gen wer­den der­zeit vor­be­rei­tet”,

erklär­te die Bezirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf am Mon­tag. Die Ver­ant­wort­li­chen näh­men die Sor­gen der Eltern der Mit­schü­ler sehr ernst, hieß es zur Begrün­dung. Der ers­te offi­zi­el­le Tag der Som­mer­fe­ri­en in Nord­rhein-West­fa­len ist der 15. Juli.

Das ver­letz­te Opfer konn­te nach Kennt­nis der Poli­zei im Lau­fe des Sams­tags das Kran­ken­haus ver­las­sen. Es soll sich um eine 18-Jäh­ri­ge han­deln. Genaue Anga­ben mach­ten die Ermitt­ler aus Grün­den des Opfer­schut­zes nicht.

Nach Anga­ben der Stadt sind vier der Teen­ager in Mül­heim gemel­det. Der Wohn­ort des fünf­ten war dem­nach am Mon­tag noch unklar. Ins­ge­samt wüss­ten die Ermitt­ler nicht viel über das Vor­le­ben der extrem jun­gen Tat­ver­däch­ti­gen. Die Daten der nicht straf­mün­di­gen Kin­der dür­fen nicht gespei­chert wer­den.

Bei zwei der vier Mül­hei­mer Tat­ver­däch­ti­gen sei das Jugend­amt schon vor der Tat in den Fami­li­en aktiv gewe­sen, berich­te­te Mül­heims Sozi­al­de­zer­nent Marc Buch­holz am Mon­tag.

Was Gegen­stand der Tätig­keit war, muss noch recher­chiert wer­den. Da sind wir dabei, das auf­zu­be­rei­ten.

Er mach­te kei­ne Anga­ben dar­über, wel­ches Alter die­se bei­den Per­so­nen haben. Noch am Mon­tag such­ten die Mit­ar­bei­ter des Jugend­am­tes zusam­men mit dem kom­mu­na­len sozia­len Dienst (KSD) die Fami­li­en der Tat­ver­däch­ti­gen auf, um Hil­fe anzu­bie­ten und zu über­prü­fen, ob sie mit der Situa­ti­on über­for­dert sind. Die Fami­li­en der bei­den zwölf­jäh­ri­gen Tat­ver­däch­ti­gen nah­men die Hilfs­an­ge­bo­te nicht an, wie ein Stadt­spre­cher am Diens­tag mit­teil­te. Der Kon­takt mit den Fami­li­en sei am Mon­tag über die jewei­li­ge Gegen­sprech­an­la­ge an den Haus­tü­ren erfolgt.

Es obliegt der Ver­ant­wor­tung der Eltern, das anzu­neh­men”, sag­te der Spre­cher.

Die Poli­zei will noch wei­te­re Zeu­gen ver­neh­men und DNA-Spu­ren aus­wer­ten. Eine eige­ne Ermitt­lungs­kom­mis­si­on soll nicht gebil­det wer­den. Der Fall wird von einem Kom­mis­sa­ri­at bear­bei­tet, das sich nur mit Sexu­al­straf­ta­ten befasst.

Der Bun­des­vor­sit­zen­de der Deut­schen Poli­zei­ge­werk­schaft, Rai­ner Wendt, sag­te mit Blick auf das Alter der Tat­ver­däch­ti­gen :

Wir for­dern seit Jah­ren, dass das Alter für die Straf­mün­dig­keit in Deutsch­land her­ab­ge­setzt wird.

Ein Vor­teil wäre, dass Jugend­äm­ter mit den Zwölf- und 13-Jäh­ri­gen nicht mehr allein­ge­las­sen wür­den und den Kin­dern über die Jugend­ge­richts­hil­fe früh­zei­tig gehol­fen wer­den kön­ne.

Der Fall erin­nert an ähn­li­che Ver­bre­chen mit sexu­el­len Über­grif­fen in Grup­pen. Vor gut einem Jahr über­fie­len acht Jugend­li­che ein 13-jäh­ri­ges Mäd­chen in Vel­bert bei Wup­per­tal. Sie wur­den spä­ter wegen Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung ver­ur­teilt und erhiel­ten hohe Ein­zel­stra­fen von bis zu vier Jah­ren und neun Mona­ten. Alle Jugend­li­chen stamm­ten aus Bul­ga­ri­en. In Frei­burg läuft ein Ver­fah­ren gegen elf Män­ner zwi­schen 18 und 30 Jah­ren, die meis­ten von ihnen sind Flücht­lin­ge. Sie sol­len Mit­te Okto­ber ver­gan­ge­nen Jah­res eine 18-Jäh­ri­ge nach einem Dis­co­be­such in einem Gebüsch vor der Dis­ko­thek ver­ge­wal­tigt haben.

Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gun­gen sind laut poli­zei­li­cher Kri­mi­nal­sta­tis­tik ein gar nicht so sel­te­nes Phä­no­men. Allein 2017 ermit­tel­ten die Behör­den gegen 467 Ver­däch­ti­ge. Mehr als ein Drit­tel waren Jugend­li­che oder Her­an­wach­sen­de unter 21 Jah­ren, meist männ­lich.

(dpa/rt deutsch)

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Wer zu früh jubelt, kann das Nachsehen haben : Favorit verlangsamt 5.000-Meter-Lauf knapp vorm Ziel


Der Bron­ze-Olym­pio­ni­ke war bei dem Wett­be­werb im Rah­men der IAAF Dia­mond League sei­nen Riva­len weit vor­aus. 400 Meter vor einem siche­ren Sieg dach­te sich der 25-Jäh­ri­ge jedoch irr­tüm­li­cher­wei­se schon hin­ter der Ziel­li­nie. Hagos Gebrhi­wet begann Jubel­ges­ten zu zei­gen, wech­sel­te die Pis­te und ent­schleu­nig­te. Der Läu­fer bemerk­te sei­nen Feh­ler erst, als ein Lands­mann Yomif Kejel­cha unbe­irrt an ihm vor­bei­rann­te. Der Favo­rit erreich­te so nur das zehnt­bes­te Resul­tat (13:09:59) – fast 9 Sekun­den mehr als der Sie­ger erziel­te.

Mehr zum The­ma — “Ein­fach zu groß für den Sieg”: Mara­thon­läu­fer in Big-Ben-Kos­tüm kriegt Pro­ble­me an Ziel­li­nie

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Wird INSTEX nur Symbolcharakter haben oder füllen es die Europäer mit Leben ?


Ver­gan­ge­nen Frei­tag tra­fen sich in Wien die nach dem US-Aus­stieg ver­blie­be­nen Ver­trags­part­ner des JCPOA-Abkom­mens. Nach der 12. Sit­zung der Joint Com­mis­si­on, die die Umset­zung des Atom­ab­kom­mens mit dem Iran kon­trol­liert, ver­kün­de­ten die Ver­tre­ter von Deutsch­land, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en, dass die Zweck­ge­sell­schaft INSTEX end­lich ope­ra­tio­nell ist. Damit ist das Gerüst nach lan­gem Gezer­re ein­satz­be­reit, um mit dem seit Ende März ein­ge­rich­te­ten ira­ni­schen Gegen­stück STFI (Spe­cial Tra­de and Finan­ce Insti­tu­te) den Han­del auf­zu­neh­men.

Dabei fun­gie­ren die Zweck­ge­sell­schaf­ten, an denen die Grün­der­staa­ten betei­ligt sind (INSTEX wird für EU- und Nicht-EU-Staa­ten offen sein), als eine Art Tausch­bör­sen. Es ist ein kom­pli­zier­tes Ver­fah­ren, bei dem es zu kei­nen finan­zi­el­len Trans­ak­tio­nen zwi­schen Euro­pa und dem Iran kom­men wird, wonach sich Ban­ken vor US-Sank­tio­nen fürch­ten. Die ita­lie­ni­sche Bank Uni­credit steht vor einer 900 Mil­lio­nen US-Dol­lar Straf­zah­lung an das US-Finanz­mi­nis­te­ri­um, weil sie Über­wei­sun­gen von und nach den Iran vor­ge­nom­men hat­te. Dass Ban­ken sol­che Stra­fen zah­len und damit de fac­to die US-Gesetz­ge­bung als über­ge­ord­ne­tes Gesetz aner­ken­nen, zeigt, wel­che Macht die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka nach wie vor über Euro­pa aus­üben.

Genau aus die­sem Grund betrach­ten die USA das euro­päi­sche Pro­jekt INSTEX als ers­ten Schritt, sich aus die­ser Umklam­me­rung zu lösen. Ent­spre­chend schrill sind auch die Töne, die Washing­ton in Rich­tung Euro­pa feu­ert. In einem Brief vom 7. Mai an INS­TEX-Prä­si­dent Per Fischer warn­te der US-Staats­se­kre­tär für Ter­ro­ris­mus im Finanz­mi­nis­te­ri­um, Sig­al Man­del­ker, dass jeder, der mit INSTEX in Zusam­men­hang gebracht wird und einen Han­del mit dem Iran unter Umge­hung von US-Sank­tio­nen betreibt, mit “schwe­ren Kon­se­quen­zen” rech­nen müs­se. Die­se könn­ten einen “Aus­schluss vom Zugang zum US-Finanz­sys­tem” bedeu­ten. RT frag­te bei der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz nach und woll­te wis­sen, wie die Bun­des­re­gie­rung deut­sche Unter­neh­men vor US-Dro­hun­gen schüt­zen will, und erhielt eine äußerst schwam­mi­ge Ant­wort dar­auf.

Wo die USA ihren Füh­rungs­an­spruch mit finan­zi­el­ler Gewalt durch­set­zen wol­len, hat INSTEX bis­her eher sym­bo­li­schen Cha­rak­ter. Obwohl bis­her ledig­lich Geschäf­te im phar­ma­zeu­ti­schen, medi­zi­ni­schen und land­wirt­schaft­li­chen Berei­chen über die neu­en Zweck­ge­sell­schaf­ten abge­wi­ckelt wer­den sol­len, sieht der ira­ni­sche Außen­mi­nis­ter Moham­med Dscha­wad Sarif durch­aus den stra­te­gi­schen Wert dahin­ter :

Obwohl es nicht den For­de­run­gen der Isla­mi­schen Repu­blik ent­spricht, (oder) den Ver­pflich­tun­gen der Euro­pä­er, … hat es einen stra­te­gi­schen Wert (in dem es zeigt), dass die aller­nächs­ten Alli­ier­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten sich selbst von Ame­ri­ka in ihren wirt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen distan­zie­ren. … Das wird mit Sicher­heit lang­fris­ti­ge Effek­te haben.

Nicht alle im Iran tei­len die­se Sicht­wei­se von Sarif. Denn nur mit den vor­erst vor­ge­se­he­nen Berei­chen las­sen sich die Aus­wir­kun­gen der US-Sank­tio­nen nicht abfe­dern. Des­halb for­dert Ölmi­nis­ter Bijan Nam­dar Zan­ga­neh, dass auch die ira­ni­schen Ölex­por­te über INSTEX abge­wi­ckelt wer­den. “Ohne Öl-Deal ist es sehr klar, (dass) INSTEX nicht funk­tio­nie­ren wird”, sag­te er in einem Inter­view dem Nach­rich­ten­sen­der Bloom­berg.

Wäh­rend die EU sich wei­ter dar­um bemüht, eine Lösung für den Export von nied­rig ange­rei­cher­tem Uran und Schwer­was­ser aus dem Iran zu fin­den, nach­dem die USA die­sem Bestand­teil des Atom­ab­kom­mens die Erlaub­nis ent­zo­gen hat­ten, wird sich die Fra­ge um einen Öl-Deal in den nächs­ten Wochen und Mona­ten noch wei­ter zuspit­zen. Denn damit INSTEX über­haupt funk­tio­nie­ren kann, braucht es ein Han­dels­gleich­ge­wicht in die­sem Tausch­sys­tem.

Soll­ten sich wei­te­re EU-Staa­ten und Nicht-EU-Staa­ten an INSTEX betei­li­gen und das Hand­lungs­feld erwei­tern, wird es zwangs­läu­fig ein Ungleich­ge­wicht geben, wel­ches mit ira­ni­schen Ölex­por­ten aus­ge­gli­chen wer­den kann. Bis das nicht der Fall sein wird, kann man davon aus­ge­hen, dass Tehe­ran den Druck auf die EU-Ver­trags­part­ner des JCPOA wei­ter­hin hoch­hal­ten wird. 

Mehr zum The­ma — Frank­reich warnt USA : Ver­wi­ckelt NATO nicht in Mili­tär­ak­ti­on gegen den Iran

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China und USA sollen sich vor G20-Gipfel auf “Feuerpause im Handelskrieg” geeinigt haben


Die Ein­zel­hei­ten des Abkom­mens wer­den in Pres­se­mit­tei­lun­gen fest­ge­legt, bevor die Staats- und Regie­rungs­chefs der bei­den Län­der anläss­lich des G20-Gip­fels in Japan an die­sem Wochen­en­de zusam­men­kom­men wer­den. Dies berich­te­te die Hong­kon­ger Zei­tung South Chi­na Morning Post unter Beru­fung auf anony­me Quel­len sowohl in der chi­ne­si­schen als auch in der US-ame­ri­ka­ni­schen Regie­rung. 

Eine Quel­le, die angeb­lich über die Pla­nun­gen infor­miert ist, erklär­te, dass die Ent­schei­dung von US-Prä­si­dent Donald Trump, die Ver­hän­gung zusätz­li­cher Zöl­le zu ver­schie­ben, der Preis dafür sei, dass der chi­ne­si­sche Prä­si­dent Xi Jin­ping dem Tref­fen in Japan zustimmt.

Aller­dings könn­te Prä­si­dent Trump immer einen Sin­nes­wan­del haben”, sag­te die Quel­le. “Der Waf­fen­still­stand scheint jedoch beschlos­se­ne Sache zu sein.”

Eine in Washing­ton ansäs­si­ge Quel­le, die mit den Gesprä­chen ver­traut ist, sag­te, dass es “lau­fen­de Ver­su­che gibt, die Pres­se­ar­beit zu koor­di­nie­ren”. Die Quel­le stell­te fest, dass über neue Zol­le oder Zeit­punk­te noch kei­ne kon­kre­te Ent­schei­dung getrof­fen wur­de.

Ein Han­dels­ab­kom­men zwi­schen den USA und Chi­na könn­te die nächs­te Run­de von Zöl­len auf zusätz­li­che 300 Mil­li­ar­den Dol­lar chi­ne­si­scher Ein­fuh­ren ver­hin­dern. Die Trump-Regie­rung hat gedroht, Zöl­le von bis zu 25 Pro­zent auf die ver­blie­be­nen unver­zoll­ten chi­ne­si­schen Waren zu erhe­ben, wenn die Gip­fel­ge­sprä­che schlecht ver­lau­fen. Das wür­de bedeu­ten, dass fast alles, was Chi­na an die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ver­kauft, zoll­pflich­tig wäre.

Ein sol­cher Schritt Washing­tons wür­de einen Ver­gel­tungs­schlag Pekings aus­lö­sen, zu dem auch die Ein­füh­rung zusätz­li­cher Zöl­le auf US-ame­ri­ka­ni­sche Waren und Beschrän­kun­gen für wich­ti­ge Expor­te wie sel­te­ne Erden­ma­te­ria­li­en gehö­ren könn­ten, die für die USA von ent­schei­den­der Bedeu­tung sind. Der eska­lie­ren­de Han­dels­krieg zwi­schen den bei­den größ­ten Volks­wirt­schaf­ten der Welt könn­te eine glo­ba­le Finanz­kri­se aus­lö­sen.

Trump sag­te am Mitt­woch, er sei bereit, zusätz­li­che Zöl­le auf Impor­te aus Chi­na zu ver­hän­gen, wenn die Gesprä­che in Osa­ka schei­tern. Er schlug jedoch vor, dass die zusätz­li­chen Zöl­le bei zehn Pro­zent begin­nen könn­ten.

Seit Beginn des Han­dels­krie­ges vor fast einem Jahr hat Trump 25 Pro­zent Zöl­le auf chi­ne­si­sche Waren im Wert von 250 Mil­li­ar­den Dol­lar erho­ben. Wäh­rend sich die Span­nun­gen wei­ter ver­schärf­ten, führ­te Washing­ton im Mai 25-pro­zen­ti­ge Zöl­le auf eine Rei­he chi­ne­si­scher Impor­te ein, nach­dem es höhe­re Abga­ben auf chi­ne­si­sche Pro­duk­te im Wert von 200 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ver­häng­te. Peking schlug mit erhöh­ten Zöl­len auf mehr als 5.000 ame­ri­ka­ni­sche Pro­duk­te im Wert von 60 Mil­li­ar­den US-Dol­lar zurück.

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Nestlé soll Zucker und Fett nach Klöckner-Versprechen nicht reduziert haben


Nach den her­ben Ver­lus­ten bei der Euro­pa­wahl zeig­te sich die Uni­ons-Par­tei­spit­ze kon­struk­tiv, und die von Rezo-Deba­kel beson­ders getrof­fe­ne CDU-Vor­sit­zen­de Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er gelob­te, “stär­ker als bis­her den Anschluss an die ver­schie­de­nen Lebens­wirk­lich­kei­ten im Land [zu] hal­ten und wie­der zurück[zu]gewinnen”.

Bei einem Besuch in Gos­lar sag­te Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel (CDU) am Mitt­woch :

Das muss die CDU auch wie­der machen : Sie muss die The­men auf­neh­men der Men­schen. Sie darf nicht irgend­wie den Ein­druck erwe­cken, als wür­den wir uns mit den The­men nicht aus­ein­an­der­set­zen.

Die CDU und die “The­men der Men­schen”

Doch gera­de bei Ver­brau­cher- und Umwelt­schutz tut sich die Par­tei trotz anders klin­gen­der Ver­laut­ba­run­gen im Koali­ti­ons­ver­trag schwer. Die Bun­des­mi­nis­te­rin für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft sowie Ver­brau­cher­schutz, Julia Klöck­ner (CDU), setzt unter ande­rem bei ihrer Stra­te­gie gegen Über­men­gen an Zucker, Fett und Salz in Lebens­mit­teln auf frei­wil­li­ge Maß­nah­men der Unter­neh­men statt auf die von Ärz­ten und Umwelt­ver­bän­den befür­wor­te­ten gesetz­li­chen Rege­lun­gen oder Kenn­zeich­nun­gen. Laut der soge­nann­ten “Reduk­ti­ons- und Inno­va­ti­ons­stra­te­gie” sol­len vie­le Fer­tig­pro­duk­te bis 2025 durch Ver­ein­ba­run­gen auf frei­wil­li­ger Basis mit den Her­stel­lern bes­se­re Rezep­tu­ren bekom­men.

Mehr zum The­ma — Shit­s­torm gegen Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner wegen Schleich­wer­bung für Nest­lé

In einem Video mit dem Nest­lé-Mana­ger Aurel Boersch Anfang Juni gab sie die­sem eine Platt­form für die Behaup­tung, dass Nest­lé in sei­nen Pro­duk­ten den Gehalt von Zucker, Salz und Fett um zehn Pro­zent redu­ziert habe. Der Kon­zern unter­stüt­ze die “Refor­mu­lie­rungs­stra­te­gie der Minis­te­rin sehr, sehr ger­ne”, sag­te der Mana­ger.

Wir machen das ja auch schon seit ein paar Jah­ren und wer­den auch in der Zukunft deut­lich Salz, Zucker und Fet­te redu­zie­ren. Jetzt haben wir in den letz­ten Jah­ren cir­ca zehn Pro­zent redu­zie­ren kön­nen. In der Zukunft kom­men sicher­lich noch mal fünf Pro­zent dazu”, so Boersch.

Mit dem Video hat sich das Minis­te­ri­um einen regel­rech­ten Shit­s­torm ein­ge­han­delt. Klöck­ner wur­de vor­ge­wor­fen, für Nest­lé zu wer­ben und sich von der Indus­trie ver­ein­nah­men zu las­sen. Der SPD-Abge­ord­ne­te Karl Lau­ter­bach bezeich­ne­te den Vor­gang als “pein­lich, ja bit­ter” und twit­ter­te :

Klöck­ner lässt sich von Nest­lé-Lob­by­is­ten erst die Zucker­steu­er und die Lebens­mit­telam­pel abver­han­deln und tritt dann bei PR-Event von Nest­lé auf.

Auch in den eige­nen Rei­hen schien der Auf­tritt Fra­gen auf­zu­wer­fen :

Die Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­ti­on food­watch warf ihr zu gro­ße Nähe zu Lebens­mit­tel­un­ter­neh­men vor. Geschäfts­füh­rer Mar­tin Rücker sag­te der ARD :

Nest­lé hat gera­de im Bereich Kin­der­le­bens­mit­tel ein völ­lig unaus­ge­wo­ge­nes, über­zu­cker­tes Sor­ti­ment.

Klöck­ner jedoch wies jeg­li­che Kri­tik von sich und zeig­te statt­des­sen mit dem Fin­ger auf die Kri­ti­ker, die sie als “Hate­speaker” bezeich­ne­te. Damit habe sie sich jedoch nur auf jene bezo­gen, die selbst in die Belei­di­gungs­kis­te gegrif­fen und sie “Kon­zern­hu­re” genannt hät­ten, hieß es im Nach­hin­ein.

Ein Minis­te­ri­ums­spre­cher sag­te, wich­tig sei, dass die Maß­nah­men wirk­sam sei­en. Dazu gehö­re eben, mit Ver­bän­den zu spre­chen.

Und auch mit den Unter­neh­men, die hier in der Ver­ant­wor­tung ste­hen, sie in die Pflicht zu neh­men.

Klöck­ner selbst ver­tei­dig­te das Vor­ge­hen zum Redu­zie­ren von Zucker, Fett und Salz über frei­wil­li­ge Ver­ein­ba­run­gen. Wenn dies nicht funk­tio­nie­re, müss­ten aber gesetz­li­che Rege­lun­gen her, sag­te sie anläss­lich einer Ver­an­stal­tung der Geträn­ke­bran­che. Der Zeit­punkt scheint gekom­men.

Eini­ge Pro­duk­ten ent­hal­ten teil­wei­se sogar mehr Zucker

Denn bei der Ana­ly­se einer Stich­pro­be von 24 Nest­lé-Pro­duk­ten von 2008 bis heu­te stell­te die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ham­burg eine durch­schnitt­li­che Reduk­ti­on des Zucker­ge­halts von gera­de ein­mal 5,7 Pro­zent fest, wäh­rend 13 Pro­duk­te sogar noch genau­so viel oder sogar mehr Zucker beinhal­te­ten.

Beim Fett konn­ten die Ver­brau­cher­schüt­zer im Durch­schnitt gar kei­ne Ver­bes­se­rung erken­nen. Ledig­lich das Salz habe Nest­lé im Schnitt um 11,3 Pro­zent redu­ziert.

Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher haben ein Recht auf mehr Trans­pa­renz und weni­ger Schön­fär­be­rei”, so Armin Valet von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ham­burg. “Wer völ­lig über­zu­cker­te Kin­der­pro­duk­te im Zucker­ge­halt auf ein wei­ter­hin sehr hohes Niveau redu­ziert, soll­te sich nicht auf die Schul­ter klop­fen.”

Nest­lé bezeich­ne­te die Unter­su­chun­gen als nicht reprä­sen­ta­tiv. Den­noch bleibt ein fader Ein­druck, der durch eine anschei­nend pro­dukt­über­grei­fen­de Aus­sa­ge eines Kon­zern­ver­tre­ters zusam­men mit der deut­schen CDU-Ernäh­rungs­mi­nis­te­rin ent­stan­den ist.

Doch ern­te­te die CDU-Minis­te­rin im Fall Nest­lé nicht das ers­te Mal Kri­tik wegen ihrer Nähe zu Kon­zer­nen auf Kos­ten von Ver­brau­cher- und Umwelt­schutz. Nach einer Rede beim Deut­schen Brau­er-Bund ließ sie sich im ver­gan­ge­nen Jahr als “Bier­bot­schaf­te­rin” mit einem Kar­ton mit der Wer­bung eines Ver­sand­händ­lers ablich­ten und ver­öf­fent­lich­te das Foto auf ihrem Twit­ter-Kanal.

Im Mai gab es Berich­te, dass das CDU-geführ­te Minis­te­ri­um staat­li­che Lebens­mit­tel­in­spek­tio­nen zurück­fah­ren will. Noch gra­vie­ren­der dürf­te wohl die im Früh­jahr unter Klöck­ners Zustän­dig­keit erfolg­te Zulas­sung von 18 Pflan­zen­schutz­mit­teln mit Inhalts­stof­fen wie dem wahr­schein­lich krebs­er­re­gen­den Pflan­zen­schutz­mit­tel Gly­pho­sat und dem Insek­ti­zid Cyan­trani­li­prol sein, die das Umwelt­mi­nis­te­ri­um gar als rechts­wid­rig bezeich­ne­te. Noch immer bestrei­ten eini­ge Behör­den die kar­zi­no­ge­ne Wir­kung von Gly­pho­sat, wäh­rend in den USA immer mehr Krebs­pa­ti­en­ten Kla­gen gegen den Gly­pho­sat-Ver­trei­ber Bay­er gewon­nen haben. 

Abge­se­hen von dem im Koali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bar­ten Ver­spre­chen einer Gly­pho­sat-Redu­zie­rung bis in zum Aus­stieg brei­tet sich das Acker­gift immer wei­ter in bedenk­lichs­te Lebens­be­rei­che aus.

Jähr­lich sprit­zen Unter­neh­men, dar­un­ter die Deut­sche Bahn, und Land­wirt­schaft ton­nen­wei­se Gly­pho­sat, wäh­rend Anwoh­ner davon nichts erfah­ren. Behör­den in Frank­reich fan­den Gly­pho­sat in Win­deln. Und in einem Test stell­te die Washing­to­ner Umwelt­or­ga­ni­sa­ti­on “Envi­ron­men­tal Working Group” (EWG) in die­sem Jahr besorg­nis­er­re­gen­de Men­gen an Gly­pho­sat in Früh­stücks­pro­duk­ten für Kin­der fest, mit der höchs­ten Men­ge in Nest­lés Honey Nut Chee­ri­os Med­ley Crunch.

Mehr zum The­ma — Mon­s­an­to im Mund : Umwelt­or­ga­ni­sa­ti­on ent­deckt hohe Gly­pho­sat­wer­te in Kin­der-Müs­lis

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Russisches Verteidigungsministerium : Tupolew-Bomber haben Grenzen Japans nicht überschritten


Zwei stra­te­gi­sche Bom­ber Tupo­lew-95MS der rus­si­schen Luft­waf­fe haben eine Rou­ti­ne­mis­si­on absol­viert und waren über dem Japa­ni­schen sowie den Ost­chi­ne­si­schen und Süd­chi­ne­si­schen Mee­ren unter­wegs. Das erklär­te das rus­si­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um am Don­ners­tag. Es teil­te mit :

Zwei stra­te­gi­sche Bom­ber Tupo­lew-95MS der rus­si­schen Luft- und Raum­fahrt­kräf­te sind eine Rou­ti­ne­mis­si­on im Luft­raum über den inter­na­tio­na­len Gewäs­sern des Japa­ni­schen Mee­res sowie dem Ost­chi­ne­si­schen und Süd­chi­ne­si­schen Meer und des west­li­chen Teils des Pazi­fiks geflo­gen.

Der Flug wur­de unter strik­ter Ein­hal­tung der inter­na­tio­na­len Regeln für die Nut­zung des inter­na­tio­na­len Luft­raums durch­ge­führt, ohne dass die Gren­zen ande­rer Staa­ten ver­letzt wur­den.

Der Flug dau­er­te mehr als 14 Stun­den. An eini­gen Stel­len der Rou­te wur­den die rus­si­schen Flug­zeu­ge von F-2- und F-15-Jets der japa­ni­schen Luft­waf­fe beglei­tet.

Früh am Don­ners­tag ver­kün­de­te das japa­ni­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um, dass Russ­lands Bom­ber zwei­mal in den japa­ni­schen Luft­raum im Bereich der süd­li­chen Prä­fek­tur Oki­na­wa und der Insel Hachi­jō-jima in der Phil­ip­pi­nen­see geflo­gen sei­en. Flug­zeu­ge der japa­ni­schen Luft­waf­fe wur­den ent­sandt, um die Bom­ber abzu­fan­gen, so das japa­ni­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um. Die Behör­de füg­te hin­zu, dass kei­ne ris­kan­ten Situa­tio­nen auf­tra­ten.

Japan wies außer­dem dar­auf hin, dass ein der­ar­ti­ger Vor­fall schon ein­mal im Sep­tem­ber 2015 in der Nähe der Halb­in­sel Nemu­ro (Teil von Japans nörd­lichs­ter Insel Hok­kai­dō) regis­triert wur­de.

Mehr zum The­ma — Russ­land warnt USA : Hört mit Spio­na­ge­flü­gen an unse­rer Gren­ze auf oder akzep­tiert die Fol­gen

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Kiosk im Kiez : Leute haben “Zeitungen noch nie vertraut!”


Wie­der ver­schlug es RT Deutsch-Redak­teur Kani Tuya­la an den Kiosk von Chris­ti­an Sar­kow­ski in Ber­lin-Kreuz­berg. Dies­mal geht es im Gespräch mit Stamm­kun­de Wolf­gang um die See­ho­fer-Aus­sa­ge, wonach Geset­ze mög­lichst “kom­pli­ziert” gemacht wer­den soll­ten.

Für Sar­kow­ski ist klar, See­ho­fer lebt “im fal­schen Jahr­hun­dert”. Auch der Ber­li­ner soge­nann­te “Kar­ne­val der Kul­tu­ren” darf im Gespräch nicht feh­len. Wolf­gang und Chris­ti­an sind sich dabei einig : Es geht nicht in ers­ter Linie um Völ­ker­ver­stän­di­gung, son­dern vor allem um Par­ty im “Ballermann”-Stil. Ohne­hin ist sich Kiosk­be­sit­zer Chris­ti­an Sar­kow­ski sicher, die Men­schen könn­ten mit ihrer ver­meint­lich wach­sen­den Frei­heit “nicht umge­hen”.

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