Gegen die Macht der Agrarindustrie : Interview mit kolumbianischen Aktivisten


Pedro Guz­mán Pérez war im Jahr 2012 Mit­be­grün­der des kolum­bia­ni­schen Netz­werks “Red Nacio­nal de Agri­cul­tu­ra Fami­li­ar, RENAF Colom­bia” (Natio­na­les Netz­werk der Klein­bau­ern), einer Ver­ei­ni­gung von Klein­bau­ern, indi­ge­nen Gemein­schaf­ten, Fischern, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und meh­re­ren Uni­ver­si­tä­ten, in der er sich zunächst als natio­na­ler Koor­di­na­tor enga­gier­te. Zuletzt arbei­te­te er dort als Ver­ant­wort­li­cher für inter­na­tio­na­le Ver­net­zung. Vor einem Monat hat er an der Köl­ner TH sein Mas­ter­stu­di­um im Fach “Natu­ral Resour­ces Manage­ment and Deve­lop­ment” am “Insti­tu­te for Tech­nol­gy and Resour­ces Manage­ment in the Tro­pics and Sub­tro­pics” begon­nen.

Herr Guz­mán, wir wol­len mit Ihnen über die The­men Ernäh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät, das Recht der Bau­ern auf ihr Saat­gut und den Erhalt der Bio­di­ver­si­tät in Kolum­bi­en spre­chen. Doch zunächst die Fra­ge : Mit wel­chen Zie­len wur­de Ihr Netz­werk “Red Nacio­nal de Agri­cul­tu­ra Fami­li­ar – RENAF Colom­bia” gegrün­det ?

Die bei­den Haupt­zie­le bestehen zum einen dar­in, in der Gesell­schaft und in der Regie­rung in Kolum­bi­en ein Bewusst­sein dafür zu schaf­fen, welch wich­ti­ge Rol­le die Klein­bau­ern in Kolum­bi­en für die Ernäh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät und die Ernäh­rungs­si­cher­heit spie­len. Zum ande­ren setz­ten wir uns für eine Poli­tik ein, die sich um die Lösung der drin­gen­den Pro­ble­me in länd­li­chen Regio­nen wie Hun­ger, Armut sowie den Ver­lust der Arten­viel­falt küm­mert. 

Unse­rem Netz­werk ist es schließ­lich im Febru­ar 2017 gelun­gen, einen natio­na­len Arbeits­kreis zur Schaf­fung einer staat­li­chen Poli­tik für die Inter­es­sen von Klein­bau­ern ein­zu­rich­ten. In die­sem Arbeits­kreis unter der Lei­tung des Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums sit­zen Ver­tre­ter von 16 Regie­rungs­in­sti­tu­tio­nen, Ver­tre­ter aus fünf natio­na­len zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen, meh­re­re Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­te und auch Ver­tre­ter inter­na­tio­na­ler Initia­ti­ven wie der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit (GIZ), die den Pro­zess zum Teil finan­zi­ell unter­stützt hat. 

Um die Aus­ein­an­der­set­zung für die Inter­es­sen der Klein­bau­ern auch regio­nal zu ver­an­kern, wur­den anschlie­ßend, auch unter Betei­li­gung kom­mu­na­ler Poli­ti­ker und Orga­ni­sa­tio­nen, sie­ben regio­na­le Ver­samm­lun­gen und ein inter­na­tio­na­les Semi­nar in Kolum­bi­en durch­ge­führt. Dabei wur­den kon­kre­te Vor­schlä­ge für die Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on der Klein­bau­ern und den Schutz der Bio­di­ver­si­tät aus­ge­ar­bei­tet.

Die Ergeb­nis­se mün­de­ten in die Ver­ab­schie­dung der minis­te­ri­el­len Reso­lu­ti­on 464, die vom kolum­bia­ni­schen Land­wirt­schafts­mi­nis­ter unter­zeich­net wur­de und 10 Punk­te beinhal­tet. Eine Richt­li­nie der Reso­lu­ti­on besagt zum Bei­spiel, dass das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um die­je­ni­gen Bür­ger­meis­ter unter­stützt, die gen­tech­nik­freie Zonen in ihren Kom­mu­nen ein­rich­ten. 

Mit der Ver­ab­schie­dung die­ser Reso­lu­ti­on soll­te aber expli­zit auch der Teil des 2017 geschlos­se­nen Frie­dens­ab­kom­mens zwi­schen der kolum­bia­ni­schen Regie­rung und der FARC bekräf­tigt wer­den, der die Unter­stüt­zung der Klein­bau­ern beinhal­te­te, die die FARC im Ver­trag durch­setz­te. Sie wur­de im ers­ten Abschnitt des Frie­dens­ver­trags unter der Über­schrift “Umfas­sen­de Land­re­form” (Com­pre­hen­si­ve Rural Reform) fest­ge­hal­ten.

Inwie­weit sind die Zie­le und Maß­nah­men der Reso­lu­ti­on 464 durch poli­ti­sche Neu­wah­len auf natio­na­ler und kom­mu­na­ler Ebe­ne gefähr­det ? 

Da wir uns bereits im Dezem­ber 2017 bewusst waren, dass die Ver­wirk­li­chung der Reso­lu­ti­on bereits nach den kolum­bia­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len Ende Mai 2018 gefähr­det sein könn­te, ver­such­ten wir im ers­ten Halb­jahr 2018, die Umset­zung der Maß­nah­men vor­an­zu­trei­ben. Lei­der war es dann tat­säch­lich so, dass mit der Wahl des neu­en Prä­si­den­ten Iván Duque die wei­te­re Umset­zung der Reso­lu­ti­on gestoppt wur­de.

Den­noch wur­de bereits eini­ges erreicht. Und eine Chan­ce besteht dar­in, dass der Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­tem Saat­gut und der Ein­satz von agro­che­mi­schen Pro­duk­ten in Kolum­bi­en viel gerin­ger ist als in ande­ren süd­ame­ri­ka­ni­schen Län­dern. Das größ­te kri­ti­sche Bewusst­sein herrscht bei den indi­ge­nen Gemein­schaf­ten. Sie haben mitt­ler­wei­le neun GMO-freie Zonen dekla­riert, wo sie den Anbau von gen­ma­ni­pu­lier­tem Saat­gut ver­bie­ten. [GMO steht für “Gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men”, Anm. d. Red.] 

Obwohl sie zu den ärms­ten Grup­pen Kolum­bi­ens gehö­ren, waren sie auf­grund ihrer Auf­fas­sung von Natur und Kos­mos von Anfang an für den Schutz des tra­di­tio­nell gezüch­te­ten Saat­guts und den Schutz der Arten­viel­falt. Ver­tre­ter indi­ge­ner Gemein­schaf­ten ver­an­lass­ten eigen­stän­dig For­schun­gen, bei denen fest­ge­stellt wur­de, dass schon die Mehr­heit der in Kolum­bi­en vor­kom­men­den Mais­sor­ten gen­tech­nisch kon­ta­mi­niert ist. Schon vor Jah­ren lehn­ten sie Ange­bo­te der Agrar­in­dus­trie ab, die ihnen ihre Rech­te auf ihr in Jahr­tau­sen­den gezüch­te­tes Saat­gut abkau­fen woll­ten. Denn welt­weit muss zuneh­mend von Agrar­kon­zer­nen “zer­ti­fi­zier­tes” Saat­gut von den Bau­ern in jeder Sai­son neu bezahlt wer­den und darf per Gesetz nicht mehr ohne Abga­ben rekul­ti­viert wer­den. 

Aber auch die Bür­ger­meis­ter der bei­den Städ­te La Unión und San Loren­zo erklär­ten das Land ihrer Kom­mu­nen zu gen­tech­nik­frei­en Zonen, nach­dem die gro­ße Mehr­heit der Bevöl­ke­rung in Umfra­gen gegen den Anbau von gen­ma­ni­pu­lier­tem Saat­gut gestimmt hat­te. Dar­auf­hin ver­klag­te der kolum­bia­ni­sche Lob­by­ver­band der Agrar- und Bio­tech­no­lo­gie­in­dus­trie die Stadt San Loren­zo. In der Ankla­ge beruft sich der Ver­band auf inter­na­tio­na­le Ver­trä­ge, die Unter­neh­men berech­ti­gen, Saat­gut an jedem Ort trans­por­tie­ren und ver­kau­fen zu dür­fen.

Der Pro­zess läuft noch. Bis­lang lässt sich der aktu­el­le Bür­ger­meis­ter davon nicht ein­schüch­tern. Doch der poli­ti­sche Druck ist hoch, denn am 1. Okto­ber wur­de in Kolum­bi­en der ers­te hei­misch ent­wi­ckel­te trans­ge­ne Mais für den Markt zuge­las­sen. So wird jetzt befürch­tet, dass ein neu­er Bür­ger­meis­ter nach den jüngst abge­hal­te­nen Kom­mu­nal­wah­len ein­kni­cken könn­te, unab­hän­gig davon, was er vor der Wahl ver­spro­chen hat. 

In der aktu­el­len poli­ti­schen Situa­ti­on arbei­ten zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen und Akti­vis­ten aus Kolum­bi­en dar­an, das Bewusst­sein der Ver­brau­cher für Ernäh­rungs­fra­gen zu schär­fen und loka­le Bau­ern­märk­te und agro­öko­lo­gi­sche Pro­duk­ti­on zu unter­stüt­zen. Wir haben noch immer Hoff­nung auf die bedin­gungs­lo­se Umset­zung des Frie­dens­ab­kom­mens unter Betei­li­gung der Zivil­ge­sell­schaft. Gleich­zei­tig hof­fen wir, dass das kolum­bia­ni­sche Minis­te­ri­um für Land­wirt­schaft die Umset­zung der Reso­lu­ti­on 464 von 2017 fort­setzt. 

Die Unter­stüt­zung durch die Bun­des­re­gie­rung sowie die Deut­sche Gesell­schaft für Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit könn­te von grund­le­gen­der Bedeu­tung sein, um einen dau­er­haf­ten und sta­bi­len Frie­den zu errei­chen.

Dan­ke für das Gespräch !

(Das Inter­view führ­te Feli­ci­tas Rabe.)

Mehr zum The­ma — Trotz Nicht­ein­hal­tung des Frie­dens­ab­kom­mens : Fri­sche EU-Mil­lio­nen für Kolum­bi­en

RT Deutsch


Kuba, LGBTI, Ehe für alle : Mariela Castro im Interview mit Rafael Correa


Rafa­el Cor­rea hat in Havan­na die Direk­to­rin des Natio­na­len Zen­trums für sexu­el­le Auf­klä­rung (CENESEX) inter­viewt. Marie­la Cas­tro Espín und der frü­he­re Prä­si­dent Ecua­dors dis­ku­tier­ten unter ande­rem über Gen­der, Fami­lie und Vor­ur­tei­le gegen die LGBT-Com­mu­ni­ty.

Die kuba­ni­sche Ver­fas­sung sichert allen Men­schen ohne Dis­kri­mi­nie­rung das Recht, eine Fami­lie zu grün­den und erkennt die Ehe als einen ein­ver­nehm­li­chen lega­len Bund zwi­schen den Ehe­tei­len”, beton­te die kuba­ni­sche Poli­ti­ke­rin und LGBTI-Akti­vis­tin.

Mehr zum The­ma — Chi­les Ex-Prä­si­den­tin : “Es ist inak­zep­ta­bel, eine Prä­si­den­tin nach ihrer Klei­dung zu beur­tei­len”

RT Deutsch


Dringender Verdacht : Pentagon liefert Waffen an “Islamischen Staat” – Interview (Video)


Mehr zum The­ma —  Laut Doku­men­ten : US-Tarn­un­ter­neh­men ver­sorgt Ter­ro­ris­ten in Nah­ost mit ser­bi­schen Waf­fen (Video)

Die Jour­na­lis­tin Dil­ja­na Gai­tand­schi­je­wa hat den Weg von Rüs­tungs­gü­tern in den Jemen nach­ver­folgt. Im Inter­view mit RT erklärt Gai­tand­schi­je­wa, wie sie mit den ihr anonym zuge­spiel­ten Doku­men­ten gear­bei­tet hat – und erzählt, was sie her­aus­fin­den konn­te.

Auf einem Doku­ment ist die Char­ge­num­mer 0418 wie im IS-Video (Still­bild sie­he oben, Gra­na­ten­be­häl­ter oben in der Mit­te) erkenn­bar : 

Dringender Verdacht: Pentagon liefert Waffen an "Islamischen Staat" – Interview (Video)

RT Deutsch


Interview mit Epsteins Anwalt : “Es würde mich nicht überraschen, wenn ihm etwas widerfahren ist”


Der Tod des 66-Jäh­ri­gen soll­te eine “sys­tem­wei­te Selbst­re­fle­xi­on” dar­über aus­lö­sen, wie Gefan­ge­ne in U‑Haftanstalten behan­delt wer­den, sag­te Marc Fer­nich, ehe­ma­li­ger Anwalt von Jef­frey Epstein und Mit­glied des Ver­tei­di­gungs­teams des Dro­gen­bos­ses El Chapo, gegen­über RT.

Epstein saß im Metro­po­li­tan Cor­rec­tio­n­al Cen­ter in Unter­su­chungs­haft – dort, wo auch El Chapo sei­ne Haft­stra­fe absaß.

Mehr zum The­ma — Anwäl­te von Epstein zwei­feln Selbst­mord­the­se an : “Wol­len her­aus­fin­den, was wirk­lich pas­sier­te”

RT Deutsch


Höhen und Tiefen des DDR-Kulturlebens : Interview mit Hartmut König


Im Wes­ten wird von der DDR oft das Bild einer grau­en, trost­lo­sen Gesell­schaft gemalt, in der Kunst stän­dig gegän­gelt wur­de. Wie haben Sie die Kul­tur­sze­ne der DDR erlebt ?

Gleich mal zur Gän­ge­lei. Ein Groß­teil der DDR-Künst­ler leg­te Wert auf die Hin­ter­fra­gung des gesell­schaft­lich Erreich­ten. Es gab Ein­ver­ständ­nis wie Streit. Dabei konn­te selbst ein ver­bes­se­rungs­be­ses­se­ner künst­le­ri­scher Ges­tus mit hem­men­den kul­tur­po­li­ti­schen Dog­men kol­li­die­ren, was als Gän­ge­lei emp­fun­den wur­de. Wobei wahr­lich nicht jede Her­vor­brin­gung, die in der DDR-Gesell­schaft ihre Beach­tung ver­fehl­te, ein Opfer sinis­te­rer Dog­ma­tik war. Min­der­be­ga­bun­gen wol­len das gele­gent­lich glau­ben machen.
Wer von einem grau­en, trost­lo­sen, kul­tur- und kunst­feind­li­chen All­tag der DDR-Gesell­schaft redet, malt ein Zerr­bild der Wirk­lich­keit. Das tun unbe­lehr­ba­re Hard-Core-Dele­gi­ti­mie­rer, die die zuneh­men­de Wut so vie­ler Ex-DDR-Bür­ger über die Dif­fa­mie­rung ihrer eins­ti­gen Lebens­leis­tun­gen und Milieus als öst­li­chen Undank abtun.

Kal­ku­lier­te Rück­sicht auf ver­är­ger­te Ost­wäh­ler, mehr noch : ver­sach­lich­ter, unvor­ein­ge­nom­me­ner Kunst­ver­stand kor­ri­gie­ren nun immer öfter sol­che Ansich­ten und bewir­ken, dass Kul­tur­leis­tun­gen aus der DDR nach fai­ren his­to­ri­schen und ästhe­ti­schen Maß­stä­ben bewer­tet wer­den. Da ist, seri­ös unleug­bar, ein Reich­tum parat für jeden, der ihn sehen und hören will. Der Osten hat ihn in die deut­sche Natio­nal­kul­tur ein­ge­bracht. Nun mag er da mit sei­ner Zeit­zeu­gen­schaft rei­ben und gele­gent­lich auch an den Fut­ter­trö­gen des alt­bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Kunst­be­trie­bes stö­ren. Des­halb ja die gele­gent­li­chen Bezich­ti­gun­gen des DDR-Kunst­schaf­fens als pein­lich ange­rö­te­te, wert­lo­se Staats­kunst.

Aber das Umden­ken ist unter­wegs. Neh­men wir den Bereich der bil­den­den Kunst. Bald nach der Wen­de haben denun­zia­to­ri­sche Bil­der­schau­en empör­te Ost­künst­ler ver­an­lasst, ihre Wer­ke selbst wie­der abzu­hän­gen. Spä­ter waren in Pots­dam, Dres­den oder Hal­le viel besuch­te Aus­stel­lun­gen zu sehen, die DDR-Kunst einen ach­tungs­vol­len Raum boten und kaum noch gegen Zeit und Qua­li­tät bürs­te­ten. Für Ken­ner waren sie gedank­li­che und sinn­li­che Wie­der­be­geg­nun­gen. Für neu­gie­rig Gewor­de­ne ein Start zu künf­ti­gen Ent­de­ckun­gen. Ähn­li­ches wünsch­te ich allen Gen­res.

Das 11. Ple­num des ZK der SED (1965) gilt für west­li­che DDR-His­to­ri­ker als Wen­de der DDR-Kul­tur­po­li­tik, in der die vor­her zumin­dest teil­wei­se noch “libe­ra­len” Ten­den­zen end­gül­tig zu einer kon­ser­va­ti­ven Erstar­rung umschwenk­ten – so zumin­dest will es die offi­zi­el­le Geschichts­schrei­bung. Wie haben Sie das 11. Ple­num und die Jah­re danach erlebt ?

Zur Zeit des 11. Ple­nums war ich ein Teen­ager, der sich mit frü­hen Lie­dern und Gedich­ten äußer­te. Ich krieg­te die Anwür­fe und Ver­bo­te zwar mit, aber mir fehl­te die Vor­stel­lungs­kraft, wel­che aktu­el­le Spreng­kraft und schäd­li­che Lang­zeit­wir­kung von ihnen aus­ge­hen wür­den. Auch man­che Zusam­men­hän­ge ent­hüll­ten sich mir erst spä­ter. Etwa, dass Wal­ter Ulb­richt mit sei­nem frap­pant moder­nen Jugend­kom­mu­ni­qué, den wirt­schaft­li­chen Ver­suchs­an­ord­nun­gen im NÖS (Neu­es Öko­no­mi­sches Sys­tem der Pla­nung und Lei­tung) und ande­ren “tauwetter“artigen Gesell­schafts­vi­sio­nen nach dem Ende der Chruscht­schow-Ära von sei­nen Oppo­nen­ten inner­halb der SED-Füh­rung gestoppt wer­den soll­te.

Rich­tungs­kämp­fe in der Par­tei lenk­ten das 11. Ple­num, das ursprüng­lich zu öko­no­mi­schen Fra­gen geplant war, auf das ideo­lo­gisch und jugend­po­li­tisch stark tan­gier­te Feld von Kul­tur und Kunst. Erich Hon­ecker star­te­te einen Gene­ral­an­griff auf “schäd­li­che Ten­den­zen” in ein­zel­nen Kunst­gen­res, und Wal­ter Ulb­richt emp­fand nun auch, dass die unter sei­ner Füh­rung gewähr­te künst­le­ri­sche Frei­heit von Tei­len der Kunst­schaf­fen­den als Auf­ruf zu “Nihi­lis­mus, Halbanar­chis­mus, Por­no­gra­fie oder ande­ren Metho­den der ame­ri­ka­ni­schen Lebens­wei­se” miss­ver­stan­den wor­den sei. Dem Jugend­kom­mu­ni­qué zuwi­der bekam jetzt die “Mono­to­nie des Yeah, Yeah, Yeah”, immer­hin Signum der welter­stür­men­den Beat-Musik, ihr Fett weg. Eine Jah­res­pro­duk­ti­on von DEFA-Fil­men wur­de unver­öf­fent­licht ins Archiv geschickt.

Das Ver­dikt des Ple­nums traf u. a. Arbei­ten von Kurt Maet­zig, Frank Bey­er, Hei­ner Mül­ler und Ste­fan Heym. Auch gab es Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Wolf Bier­mann, des­sen spä­te­re Aus­bür­ge­rung das intel­lek­tu­el­le Kli­ma in der DDR zusätz­lich belas­te­te. Kul­tur­för­dern­de Orga­ni­sa­tio­nen wie die FDJ wur­den wegen ihrer ver­meint­lich ideo­lo­gi­schen Sorg­lo­sig­keit gerügt. Ein­sam wag­te Chris­ta Wolf im Ple­num eine Wider­re­de : Sie woll­te das in der Ver­gan­gen­heit erwor­be­ne “freie Ver­hält­nis zum Stoff” nicht auf­ge­ben und befürch­te­te, dass kri­ti­sche Äuße­run­gen fort­an als par­tei­schä­di­gend gel­ten wür­den.

Dass der­lei schwer­wie­gen­de Ein­grif­fe der SED in die Kunst­pro­zes­se vor allem im intel­lek­tu­el­len Milieu als Ent­zug von Ver­trau­en und Frei­räu­men emp­fun­den wur­den und sich auch auf Stof­fe und Stil künf­ti­ger Arbeit aus­wirk­ten, ist ver­ständ­lich. Trotz­dem war, was künst­le­risch folg­te, kein Dis­tel­feld auf kul­tu­rel­lem Ödland. Kunst fin­det auch, manch­mal gera­de, in Kri­sen ihre Wege. Und auch die Ver­hält­nis­se öff­ne­ten sich wie­der. Mit dem VIII. Par­tei­tag, der sich maß­geb­lich an der Bedürf­nis­be­frie­di­gung der Bevöl­ke­rung ori­en­tier­te, erhiel­ten Kul­tur und Kunst wie­der ihren gebüh­ren­den Platz. Das erfor­der­te ein Umden­ken in Rich­tung Wei­te und Viel­falt.

Wel­che Rol­le spiel­ten fort­schritt­li­che Per­so­nen in der Kul­tur­sze­ne, etwa Ber­tolt Brecht, Hanns Eis­ler, Peter Hacks, Chris­ta Wolf und ande­re im öffent­li­chen Leben der DDR ?

So unter­schied­lich ihre Bio­gra­fi­en und künst­le­ri­schen Eigen­ar­ten waren, eines ein­te sie : Die DDR war für sie mehr als ein Auf­ent­halts­ort. Sie ban­den sich ide­ell an die­ses sozia­lis­ti­sche Wag­nis im Osten und nah­men dabei eben auch Kon­flik­te in Kauf. Sie woll­ten wir­ken und bau­ten auf ein sen­si­bles Publi­kum, das Kunst ver­ste­hen lern­te. Bri­ga­den hat­ten Thea­ter­abon­ne­ments. Auf­trags­wer­ke waren von Kunst­ge­sprä­chen beglei­tet. Thea­ter gas­tier­ten in Kul­tur­sä­len von Betrie­ben und gro­ßen LPGen. Das Papier reich­te nie für die Lese­lust. Woher wir kamen, wie wir leb­ten, wel­che Hoff­nun­gen und Sor­gen sich auf die Gegen­wart und Zukunft rich­te­ten – das waren The­men, die Künst­ler vom Anbe­ginn bis in die End­zeit der DDR dia­log­be­reit in die Gesell­schaft, in ihr Publi­kum trans­por­tier­ten.

Und so, wie sie drän­gen­de Zeit-Fra­gen in ihre Kunst hol­ten, grif­fen sie zuwei­len mit aktu­el­len State­ments in die Tages­po­li­tik ein. Ber­tolt Brecht um den 17. Juni 1953, Chris­ta Wolf, Ste­fan Heym, Vol­ker Braun und ande­re 1989 mit dem Auf­ruf “Für unser Land”. Weil Kunst auf ein gene­rell geho­be­nes Bil­dungs­ni­veau traf und eben auch ein all­seits erschwing­li­ches Ver­gnü­gen war, konn­te sie jedem eine ganz indi­vi­du­el­le Lebens­hil­fe sein. Prüft jemand heu­te sei­ne Erin­ne­run­gen an die DDR und gerät an die Abwä­gung von Feh­lern und Gewinn, kann er in der wie­der befrag­ten DDR-Kunst beden­kens­wer­te Maß­ga­ben fin­den. Das macht sie nütz­lich für die Erin­ne­rungs­kul­tur, aber auch span­nend für die Spu­ren­su­che Nach­ge­bo­re­ner, die in der DDR mehr als eine Fuß­no­te deut­scher Geschich­te sehen.

Wie umfang­reich war die För­de­rung der Kul­tur sei­tens des Staa­tes in der DDR, und wie wur­de Kunst an der gesell­schaft­li­chen Basis wahr­ge­nom­men und prak­ti­ziert ? Gibt es da signi­fi­kan­te Unter­schie­de zur Gesell­schaft, in der wir heu­te leben ?

Über die ide­el­le För­de­rung gibt es zuwei­len Streit, wenn Pro­ble­me bei der Durch­set­zung von Kunst­wer­ken zur Spra­che kom­men. Was aber die mate­ri­el­le Sei­te, die kul­tu­rel­le Infra­struk­tur, die Mög­lich­kei­ten der kul­tu­rel­len Teil­ha­be, die lan­des­wei­ten Bedin­gun­gen für die Ent­wick­lung der Berufs­kunst und des Lai­en­schaf­fens, dabei auch die Her­an­bil­dung des künst­le­ri­schen Nach­wuch­ses betrifft, einigt man sich wohl schnell auf ein güns­ti­ges Bild.

Schau­en wir in die 1970er und 1980er Jah­re. Eine deut­li­che Mehr­heit der Arbei­ter ver­füg­te nun über eine abge­schlos­se­ne Fach­aus­bil­dung, auch 63,5 Pro­zent aller in der Land­wirt­schaft Täti­gen hat­ten eine sol­chen Bil­dungs­grad. 1970 besa­ßen 71 Pro­zent der Lehr­lin­ge einen 10-Klas­sen-Abschluss der Poly­tech­ni­schen Ober­schu­le, jenes inter­na­tio­nal beach­te­ten Schul­typs, der wegen sei­ner päd­ago­gi­schen Fun­die­rung und Pra­xis­nä­he kei­ne PISA-Schel­te zu befürch­ten gehabt hät­te. Eine Deka­de spä­ter waren es bereits 86,3 Pro­zent. Auch die Wei­ter­bil­dung in den Betrie­ben, Genos­sen­schaf­ten und Volks­hoch­schu­len nahm zu.

Mit dem all­ge­mei­nen Bil­dungs­ni­veau wuchs das kul­tu­rel­le Inter­es­se. Die gro­ße Mehr­heit der Arbeits­kol­lek­ti­ve hat­te einen Kul­tur- und Bil­dungs­plan beschlos­sen, und der griff von der Kul­tur am Arbeits­platz bis in die Frei­zeit. Das wirkt auf den heu­ti­gen Betrach­ter viel­leicht diri­gis­tisch. Aber wie oft brau­chen kul­tu­rel­le Erleb­nis­se einen kol­lek­ti­ven Ruck !

1971 war die Zahl der Muse­ums­be­su­cher auf 20 Mil­lio­nen und die der Klubs und Kul­tur­häu­ser auf 35 Mil­lio­nen gestie­gen. Mehr als 655.000 Bür­ger hat­ten die VII. Kunst­aus­stel­lung der DDR im Dres­de­ner Alber­ti­num gese­hen. Die Bezirks­schau­en der bil­den­den Kunst erreich­ten die zwei- bis drei­fa­chen Besu­cher­zah­len frü­he­rer Jah­re. Im Haus­halt einer DDR-Fami­lie waren durch­schnitt­lich 74 Bücher vor­han­den. Immer­hin ver­füg­ten 15 Pro­zent der Arbei­ter­haus­hal­te über mehr als 100 Bücher. Der Papier­fonds für die Ver­la­ge stieg inner­halb von drei Jah­ren (1972 zu 1975) auf 130 Pro­zent, für schön­geis­ti­ge Lite­ra­tur sogar auf über 140 Pro­zent. Und trotz­dem lag bei 70 Pro­zent der Bel­le­tris­tik-Bestel­lun­gen im Volks­buch­han­del der Bedarf weit höher als die Auf­la­gen wegen der begrenz­ten Papier­im­por­te geplant wer­den konn­ten.

Gegen Ende der 1980er Jah­re gab es in der DDR 68 Thea­ter­be­trie­be mit etwa 200 Spiel­stät­ten, die 700 jähr­li­che Neu­in­sze­nie­run­gen und fast 1.400 Über­nah­men aus dem lau­fen­den Reper­toire auf die Büh­ne brach­ten. Jeder Thea­ter­platz war erkleck­lich sub­ven­tio­niert. Nur um den hal­ben Gro­schen, der jeder Ein­tritts­kar­te auf­ge­schla­gen wur­de und in den Kul­tur­fonds der DDR floss, kam man nicht her­um. Mit dem Geld wur­den das kul­tu­rel­le Leben in den Städ­ten und Gemein­den sowie zeit­ge­nös­si­sche Kunst und Künst­ler geför­dert.

Die Unter­schie­de zur Jetzt­zeit dürf­ten sicht­bar sein. Die eins­ti­ge Infra­struk­tur ist weit­ge­hend rui­niert. Kunst­er­leb­nis­se sind größ­ten­teils auf einen Markt zurück­ge­wor­fen, der sich um eine für jeder­mann erschwing­li­che Teil­ha­be nicht sche­ren kann. Und so schrieb der Publi­zist Erich Kuby bereits Mit­te der 1970er Jah­re in der west­deut­schen Illus­trier­ten Stern : In der BRD “bezahlt über Steu­ern die über­wie­gen­de Mehr­heit, die nie ins Thea­ter kommt, weil sie die Kar­ten nicht bezah­len kann oder ihr kei­ne ent­spre­chen­den Bil­dungs­vor­aus­set­zun­gen ver­mit­telt wur­den, das Ver­gnü­gen einer dün­nen Ober­schicht. In der DDR sind 30 Pro­zent des Publi­kums Arbei­ter …” Kunst­frei­heit ver­langt offen­sicht­lich nicht nur die (inner­halb huma­nis­ti­scher Gren­zen) unbe­schränk­te Wahl von Inhalt und Form, son­dern auch die Mög­lich­keit für jeden in der Gesell­schaft, sie sich geis­tig anzu­eig­nen.

Inwie­fern konn­te die Kul­tur­po­li­tik der SED ab den 1970er Jah­ren Jugend­li­che errei­chen ? Wo lagen die Schwie­rig­kei­ten ?

Das Deutsch­land­tref­fen der Jugend 1964, das den belieb­ten Sen­der DT64 her­vor­brach­te und in des­sen Fol­ge ers­te deutsch­spra­chi­ge Beat­mu­sik und Vor­läu­fer der Sin­ge­be­we­gung in der DDR ent­stan­den, zeig­te schon in der ers­ten Hälf­te der 1960er Jah­re Auf­lo­cke­run­gen im Frei­zeit­an­ge­bot. Begrün­det waren sie im 1963 ver­ab­schie­de­ten Jugend­kom­mu­ni­qué. Dass sie mit dem 11. Ple­num weit­ge­hend gecan­celt, nach dem VIII. Par­tei­tag aber wie­der zuge­stan­den wur­den, lag an der gewan­del­ten Poli­tik­kon­zep­ti­on Erich Hon­eckers – hin zu einem stei­gen­den Lebens­ni­veau, das die kul­tu­rel­len Inter­es­sen Jugend­li­cher ein­schloss. 1982 war die Zahl der Jugend­klubs rasant auf annä­hernd 7.000 gewach­sen, im kom­ple­xen Woh­nungs­bau waren sie eine geplan­te Grö­ße. Es gab sie aber auch an Schu­len, Unis und kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen, wobei die Klub­rä­te ihre Ver­an­stal­tun­gen weit­ge­hend selb­stän­dig kon­zi­pier­ten. Jugend­tanz spiel­te eine gro­ße Rol­le.

Dis­kos hat­ten in der DDR jähr­lich 50 Mil­lio­nen Besu­cher, über 6.000 Ama­teur­dis­ko­the­ken leg­ten auf. Die Gas­tro­no­mie zog mit, und der Staat stütz­te allein 1981 die Ein­tritts­prei­se mit 23 Mil­lio­nen Mark. Mit­te der 1980er Jah­re waren 70 Pro­zent der Kino­be­su­cher Jugend­li­che, und zwei Drit­tel aller Kin­der und Jugend­li­chen hat­ten sich in den Biblio­the­ken als Leser ein­ge­schrie­ben.

Ich war zu jener Zeit Kul­tur­se­kre­tär des Zen­tral­ra­tes der FDJ und erin­ne­re mich, wie wir die neu­en Mög­lich­kei­ten den diver­sen Inter­es­sen in den Alters­grup­pen und sozia­len Milieus, in den urba­nen und länd­li­chen Wohn­um­fel­dern nutz­bar machen woll­ten. Neben den Klub- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen gab es ja Werk­statt­wo­chen fast aller künst­le­ri­schen Gen­res, hoch­ka­rä­tig besetz­te musi­ka­li­sche Events, Aus­stel­lun­gen jun­ger Künst­ler, Poet­en­se­mi­na­re im Schwe­ri­ner Schloss, die Fes­ti­vals des poli­ti­schen Lie­des, Leis­tungs­schau­en jun­ger Thea­ter­leu­te und über­all im Land Begeg­nun­gen jun­ger Leu­te mit DDR-Künst­lern und deren Arbei­ten.

Eine sol­che Agen­da mach­te auch die Künst­ler­ver­bän­de und Aus­bil­dungs­stät­ten, die Künst­ler­agen­tur mit ihren schö­nen Valutamit­teln und ande­re Kul­tur­ver­an­stal­ter in der DDR zu auf­ge­schlos­se­nen Part­nern.

Viel jugend­li­ches Inter­es­se rank­te sich um die von der FDJ ver­an­stal­te­ten inter­na­tio­na­len Kon­zer­te. Mit Bob Dyl­an, Joe Cocker, Bruce Springste­en, Bryan Adams oder Udo Lin­den­berg aus dem Rock­be­reich ; mit Pete See­ger, Har­ry Bela­fon­te, Mikis Theo­dora­kis, Miri­am Make­ba, Mer­ce­des Sosa oder León Gie­co aus der poli­ti­schen Lie­der­sze­ne. Weil man die Künst­ler nicht drau­ßen erle­ben konn­te, hol­ten wir sie in die DDR. So öff­ne­te sich ein Tor zur Welt­kul­tur, aber man träum­te längst von dem grö­ße­ren Tor zur Welt und hat­te innen­po­li­tisch eine Hoff­nung, die gera­de rus­sisch zu uns sprach. Die FDJ hat­te kei­ne Schwie­rig­keit, Jugend­li­che in ihre kul­tu­rel­len Ange­bo­te zu holen, nur war das am Ende immer sel­te­ner eine poli­ti­sche Zustim­mung. Damit teil­te sie das Schick­sal ihres Lan­des.

Wenn Sie noch mal die Gele­gen­heit hät­ten, an der Kul­tur­po­li­tik einer sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft mit­zu­wir­ken, was wür­den Sie anders machen ?

Ich wür­de von der Kunst kei­ne geglät­te­te, har­mo­ni­sier­te Wider­spie­ge­lung des gesell­schaft­li­chen Sta­tus quo erwar­ten, son­dern mir ein kräf­ti­ges Gespann von lin­ker Poli­tik und einer Kunst wün­schen, die durch Vor­schlä­ge samt unbe­küm­mer­tem Wider­spruch und Streit den Gesell­schafts­bau opti­miert.

Vie­len Dank für das Gespräch !

Die Fra­gen stell­te Hasan Posd­nja­kow.

RT Deutsch


Interview mit Oliver Stone : Putin nennt Vorwürfe der Einmischung in US-Wahlen „purer Quatsch“


In einem Inter­view mit dem US-Regis­seur Oli­ver Stone hat der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin erneut eine schar­fe Ant­wort auf die Vor­wür­fe einer mut­maß­li­chen Ein­mi­schung Russ­lands in die US-Prä­si­den­ten­wah­len 2016 erteilt.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken


Dokumentarfilm “Remember Odessa”: Interview mit Regisseur Wilhelm Domke-Schulz (Video)


Im Gespräch mit dem Jour­na­lis­ten Ulrich Heyden schil­dert der Regis­seur, wel­che Pro­ble­me es bei den Dreh­ar­bei­ten für den Film “Remem­ber Odes­sa” gab und wie der Ver­trieb des Strei­fens funk­tio­nie­ren soll. “Remem­ber Odes­sa” beschreibt die Stim­mung in der süd­ukrai­ni­schen Hafen­stadt fünf Jah­re nach dem Brand im Gewerk­schafts­haus, bei dem 42 Men­schen star­ben und über 200 Men­schen ver­letzt wur­den.

Der Film zeigt, dass es in der Bevöl­ke­rung trotz tie­fer Trau­er über das Ereig­nis nach wie vor einen Wider­stands­geist gegen Zwangs-Ukrai­ni­sie­rung und das wei­ter­hin mas­si­ve Auf­tre­ten von Rechts­ra­di­ka­len gibt. Die Pre­miè­re des Films fand am 29. April 2019 in Mos­kau statt. 

Mehr zum The­ma — Wut und Trau­er beim Geden­ken an Odes­sa-Mas­sa­ker in Ber­lin

RT Deutsch


Interview mit Gesellschafterrats-Vorsitzendem von Chemie- und Pharmaunternehmen Merck


Vom 6. bis 8. Juni fin­det das Inter­na­tio­na­le Wirt­schafts­fo­rum in St. Peters­burg statt. Es wird seit 1997 durch­ge­führt und steht unter der Paten­schaft des rus­si­schen Prä­si­den­ten. Tau­sen­de Besu­cher aus Russ­land und der gan­zen Welt ver­sam­meln sich und bespre­chen die wich­tigs­ten Fra­gen im Bereich von Wirt­schaft und Poli­tik.
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Andrej Hunko im Interview nach Venezuela-Reise : “Bundesregierung setzt auf Eskalation”


Elf Tage lang hat­te der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Euro­pa­po­li­ti­sche Spre­cher der Frak­ti­on DIE LINKE im Bun­des­tag, Andrej Hun­ko, Vene­zue­la besucht, um sich nach eige­ner Dar­stel­lung selbst ein Bild von der aktu­el­len poli­ti­schen und sozia­len Lage im Land zu machen. Obwohl er sich mit einer gro­ßen Band­brei­te an Ver­tre­tern der Zivil­ge­sell­schaft, der poli­ti­schen Oppo­si­ti­on – inklu­si­ve Juan Guai­dós – und Ver­tre­tern huma­ni­tä­rer Orga­ni­sa­tio­nen getrof­fen hat­te, führ­te sein Besuch zu einem Sturm der Ent­rüs­tung im media­len und poli­ti­schen Estab­lish­ment der Bun­des­re­pu­blik. Denn er hat­te es gewagt, auch den amtie­ren­den Prä­si­den­ten Vene­zue­las, Nicolás Madu­ro, zu tref­fen und für eine dia­log­ba­sier­te Lösung des anhal­ten­den Kon­flikts zu wer­ben. 

Mehr zum The­ma — Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter Andrej Hun­ko trifft vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Nicolás Madu­ro

Im Gespräch mit RT-Deutsch-Redak­teur Flo­ri­an War­weg legt Hun­ko erst­mals aus­führ­lich dar, wie sein Gespräch mit dem selbst­er­nann­ten “Inte­rims­prä­si­den­ten” Juan Guai­dó ver­lief, wel­che “kras­se und ver­hee­ren­de Rol­le” Außen­mi­nis­ter Hei­ko Maas in der aktu­el­len Lage in Vene­zue­la ein­nimmt, indem er den radi­kals­ten Teil der Oppo­si­ti­on unter­stützt, und wie füh­ren­de Ver­tre­ter der Pan­ame­ri­ka­ni­schen Gesund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (PAHO) sowie des Inter­na­tio­na­len Komi­tees vom Roten Kreuz (IKRK) die offi­zi­el­le Dar­stel­lung der Bun­des­re­gie­rung über die Lage im Land zurück­wei­sen. Abschlie­ßend erläu­tert der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te im Inter­view zudem sei­ne Ein­schät­zung zur Rol­le Russ­lands in dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Land, gibt eine Zusam­men­fas­sung der in der Bericht­erstat­tung fast nicht prä­sen­ten Kri­tik von lin­ken Cha­vis­ten und Oppo­si­tio­nel­len an der amtie­ren­den Regie­rung und erklärt, wie­so aus sei­ner Sicht der Main­stream sich so über sei­nen Vene­zue­la-Besuch echauf­fier­te. 

RT Deutsch