Putin-Besuch in Saudi-Arabien : Kann Russland mit jedem im Nahen Osten befreundet sein ?


Russ­land ver­tei­digt den Iran, unter­stützt die Regie­rung von Baschar al-Assad in Syri­en und kri­ti­siert den Krieg Sau­di-Ara­bi­ens im Jemen. Der gegen­wär­ti­ge Besuch des rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin in der sau­di­schen Haupt­stadt Riad scheint ein ris­kan­ter Balan­ce­akt zu sein – ist aber viel­mehr ein prag­ma­ti­scher Schritt, der auf gegen­sei­ti­gen Inter­es­sen beruht.

Es ist die zwei­te Rei­se des rus­si­schen Prä­si­den­ten in die Golf­mon­ar­chie, nach sei­nem Besuch 2007. Nur weni­ge Tage zuvor igno­rier­te Riad den – offen­sicht­lich scherz­haft gemein­ten – Vor­schlag Putins, rus­si­sche Luft­ver­tei­di­gungs­sys­te­me zu kau­fen. Statt­des­sen geneh­mig­ten die Sau­dis den Ein­satz von rund 3.000 US-Sol­da­ten auf ihrem Ter­ri­to­ri­um, dar­un­ter Kampf- und Spe­zi­al­ver­bän­de der Luft­waf­fe sowie Luft­ab­wehr­kräf­te.

Allem Anschein nach bleibt Riad wei­ter­hin fest im Orbit des Ein­flus­ses Washing­tons, zumin­dest soweit es um Sicher­heit und Ver­tei­di­gung geht. Doch für Mos­kau ist dies offen­bar kein Pro­blem, im Gegen­teil. Tat­säch­lich waren die Bezie­hun­gen zu den Sau­dis nie bes­ser. Putin plau­der­te in aller Öffent­lich­keit herz­lich mit dem sau­di­schen Kron­prin­zen Moham­med bin Sal­man (kurz auch MBS genannt) und sprach dar­über hin­aus über sei­ne per­sön­li­chen Bezie­hun­gen zu MBS und dem sau­di­schen König selbst. Die­se freund­schaft­li­chen Bezie­hun­gen spie­geln sich auch gut erkenn­bar in der Wirt­schaft wider :

Die ver­gleichs­wei­se gerin­gen Han­dels­um­sät­ze zwi­schen bei­den Län­dern stei­gen rasant (um 15 Pro­zent im Jahr 2018 und um 38 Pro­zent im lau­fen­den Jahr). Im Gespräch ist ein gemein­sa­mes Pro­jekt im Erd­öl­sek­tor mit einem Kos­ten­vo­lu­men von einer Mil­li­ar­de US-Dol­lar. Dar­über hin­aus wird der Abschluss wei­te­rer Inves­ti­ti­ons­ab­kom­men in die­ser Woche erwar­tet.

Gleich­zei­tig ist Mos­kau ein Ver­bün­de­ter des US-ame­ri­ka­ni­schen Staats­fein­des Num­mer eins : Iran. Sau­di-Ara­bi­en macht Tehe­ran für Angrif­fe gegen zwei sei­ner Ölan­la­gen im ver­gan­ge­nen Monat ver­ant­wort­lich und beher­bergt – zur Abschre­ckung jeg­li­cher ira­ni­scher Aggres­si­on – US-Trup­pen auf sei­nem Boden. Riad ist in einen ver­hee­ren­den mili­tä­ri­schen Kon­flikt gegen die von Tehe­ran unter­stütz­ten Huthi-Rebel­len im Jemen ver­wi­ckelt und steht auf der Sei­te der Geg­ner Mos­kaus im syri­schen Bür­ger­krieg, in dem die Sau­dis Tei­le der regie­rungs­feind­li­chen Rebel­len unter­stüt­zen, wäh­rend die Rus­sen der Regie­rung von Prä­si­dent Baschar al-Assad hel­fen.

Zeit für einen Durch­bruch ?

Doch bizar­r­er­wei­se pflegt Russ­land der­zeit bes­se­re Bezie­hun­gen zu Sau­di-Ara­bi­en als vor zwei Jahr­zehn­ten, als Putin ein von Wirt­schafts­kri­sen heim­ge­such­tes Land erb­te, das sich zu sehr auf sei­ne eige­nen Pro­ble­me kon­zen­trier­te, um auf der Welt­büh­ne eine ent­schei­den­de Rol­le zu spie­len. Auch wenn bei­de Län­der in Syri­en als Geg­ner im dor­ti­gen Stell­ver­tre­ter­krieg auf­ein­an­der­tra­fen, besuch­te der sau­di­sche König Sal­man 2017 Mos­kau, um über die Lösung des anhal­ten­den Kon­flikts zu spre­chen.

Der Ein­fluss Russ­lands im Nahen Osten wächst offen­sicht­lich, und die Sau­dis sehen dies als Gele­gen­heit, sich mit einem neu­en Haupt­ak­teur zu arran­gie­ren.

Was sich in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert hat, ist der rus­si­sche Ein­fluss im Nahen Osten. Er hat stark zuge­nom­men, und vie­le tra­di­tio­nel­le US-Ver­bün­de­te haben in den letz­ten Jah­ren Bezie­hun­gen zu Russ­land geknüpft und Russ­land als Akteur in die­ser Regi­on akzep­tiert”, sagt Ammar Waqqaf, Grün­der und Direk­tor von Gno­sos, einer Platt­form für Stel­lung­nah­men von Inter­es­sen­grup­pen in Syri­en und dem Nahen Osten, und fügt hin­zu : “Nie­mand hat­te erwar­tet, dass der rus­si­sche Ein­fluss im Nahen Osten zuneh­men wür­de. Doch er ist gewach­sen – wahr­schein­lich durch die syri­sche Kri­se.”

Ins­be­son­de­re für Sau­di-Ara­bi­en wächst die Part­ner­schaft inner­halb der “erwei­ter­ten Orga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der” (OPEC+), um den inter­na­tio­na­len Ölmarkt sta­bil zu hal­ten – wofür Putin selbst in einem Gespräch im Vor­feld des aktu­el­len Besuchs sei­ne Unter­stüt­zung bekräf­tigt hat.

Neben der Zusam­men­ar­beit im Öl- und Gas­sek­tor “den­ken vie­le Län­der über den Kauf rus­si­scher Waf­fen nach”, sagt Waqqaf. Nach Ein­schät­zung des im Mitt­le­ren Osten leben­den Jour­na­lis­ten und Schrift­stel­lers Ali Rizk ist es aller­dings noch viel zu früh, um ernst­haft dar­über zu spre­chen, dass Sau­di-Ara­bi­en rus­si­sche Luft­ab­wehr­sys­te­me vom Typ S‑400 Tri­umf kauft :

Riads Bezie­hung zu den USA und zum Kon­gress ist momen­tan durch­aus sehr schlecht”, als Fol­ge des auf­se­hen­er­re­gen­den Mor­des an dem Kolum­nis­ten der Washing­ton Post Jamal Khash­og­gi in einem sau­di­schen Kon­su­lat in der Tür­kei. “Ich glau­be nicht, dass die Sau­dis ris­kie­ren wür­den, es noch schlim­mer zu machen, indem sie die­se Waf­fen kau­fen.”

Der Kauf rus­si­scher Luft­ver­tei­di­gungs­sys­te­me wür­de den gesam­ten aktu­el­len, von den USA gelie­fer­ten Luft­ab­wehr­kom­plex der Sau­dis durch Gegen­stü­cke aus Russ­land erset­zen, sagt Gri­go­ri Luk­ja­now, Dozent an der Mos­kau­er Hig­her School of Eco­no­mics :

Das ist nicht nur sehr teu­er, son­dern auch eine sehr radi­ka­le geo­po­li­ti­sche Ent­schei­dung, die die Sau­dis gegen­wär­tig wohl nicht tref­fen kön­nen” – trotz der den US-ame­ri­ka­ni­schen Sys­te­men inne­woh­nen­den Män­gel. Das US-Ver­tei­di­gungs­sys­tem ist beschränkt. Es hat natür­li­che Gren­zen und Schwach­stel­len, und eine davon, eine sehr wich­ti­ge, ist, dass das Sys­tem nicht unter der direk­ten Kon­trol­le der Sau­dis steht – es steht in ers­ter Linie unter der Kon­trol­le der USA.

Der Freund aller – aber kein Ver­mitt­ler

Exper­ten sind sich einig, dass Russ­land, das mit fast allen Län­dern im Nahen Osten freund­schaft­li­che Bezie­hun­gen unter­hält, in einer opti­ma­len Posi­ti­on ist, um in der von Span­nun­gen gepräg­ten Situa­ti­on zwi­schen dem Iran und Sau­di-Ara­bi­en zu ver­mit­teln. Doch Putin hat gera­de die “undank­ba­re” Rol­le des Ver­mitt­lers für sein Land aus­ge­schlos­sen – um sich offen­bar aus den Ange­le­gen­hei­ten dor­ti­ger Regio­nal­po­li­tik her­aus­zu­hal­ten, die sich nicht direkt auf Russ­land und sei­ne Optio­nen aus­wir­ken.

Da wir sehr freund­schaft­li­che Bezie­hun­gen zu allen Län­dern der Regi­on unter­hal­ten, ein­schließ­lich des Iran und der ara­bi­schen Staa­ten wie Sau­di-Ara­bi­en und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten (VAE), könn­ten wir sicher­lich dazu bei­tra­gen, eini­ge Bot­schaf­ten zwi­schen den Par­tei­en wei­ter­zu­ge­ben, damit sie die Posi­ti­on des ande­ren anhö­ren kön­nen. Aber da ich per­sön­lich die Füh­rer die­ser Län­der ken­ne, bin ich mir abso­lut sicher, dass sie kei­nen Rat oder Ver­mitt­lung benö­ti­gen”, sag­te Putin in einem am Sonn­tag ver­öf­fent­lich­ten Inter­view und füg­te hin­zu, dass er bereit ist, “eini­ge Ide­en aus der Per­spek­ti­ve eines Freun­des zu prä­sen­tie­ren”.

Die freund­schaft­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen Mos­kau und Riad könn­ten für einen zufäl­li­gen Beob­ach­ter ver­blüf­fend sein, ins­be­son­de­re im Ver­gleich zu Washing­tons Gewohn­heit, abwei­chen­de Posi­tio­nen sei­ner Ver­bün­de­ten durch wirt­schaft­li­chen Druck zu unter­bin­den. Doch in einer Zeit, in der die USA – gera­de im Hin­blick auf den Iran – die Diplo­ma­tie als Null­sum­men­spiel eines “mit uns oder gegen uns” betrach­ten, hat Russ­land meh­re­re, oft mit­ein­an­der in Kon­flikt ste­hen­de Sei­ten gleich­zei­tig umwor­ben – und, wie sei­ne Bezie­hun­gen zum Nahen Osten zei­gen, sich dabei beson­ders her­vor­ge­tan.

Putin rühm­te sich damit, die mili­tä­ri­schen Bezie­hun­gen sei­nes Lan­des zur Tür­kei zu ver­tie­fen und die S‑400 Tri­umf Anfang die­ses Som­mers nach Anka­ra aus­zu­lie­fern. Im ver­gan­ge­nen Monat erklär­te er zudem, dass “die Ver­hand­lun­gen über die Lie­fe­rung neu­er Waf­fen im Gan­ge sind”. Gleich­zei­tig unter­stützt Russ­land die Assad-Regie­rung in Syri­en, die von der Tür­kei bewaff­ne­te Rebel­len­grup­pen bekämpft.

Mos­kau gelingt es ohne gro­ße Mühe, sowohl mit Isra­el als auch mit dem Iran herz­li­che Bezie­hun­gen zu unter­hal­ten, obwohl der israe­li­sche Pre­mier­mi­nis­ter Ben­ja­min Netan­ja­hu den Iran stän­dig als nuklea­re Bedro­hung bezeich­net und die­ser die Ver­nich­tung des jüdi­schen Staa­tes for­dert.

Für die Sau­dis bie­tet Putin daher ent­spre­chen­de Optio­nen, indem Russ­land nun­mehr einen ver­läss­li­chen und sta­bi­len Part­ner für die Golf­staa­ten dar­stellt.

Zuerst das Geschäft – dann die Geo­po­li­tik

Riad sei­ner­seits hat sich im Umgang mit Mäch­ten außer­halb des Nahen Ostens als geschickt dar­in erwie­sen, ver­schie­de­ne Ange­le­gen­hei­ten von­ein­an­der getrennt und pro­fes­sio­nell zu hand­ha­ben – ein Ansatz, mit dem Putin offen­kun­dig eben­so gut ver­traut ist. Mos­kaus Haupt­ziel ist es, Freun­de für gegen­sei­tig vor­teil­haf­te Part­ner­schaf­ten zu fin­den, kei­ne Ver­bün­de­ten, die sich gegen Riva­len zusam­men­schlie­ßen.

Und obwohl die Geo­po­li­tik kei­ne Hin­der­nis­se für die Bezie­hun­gen zwi­schen den bei­den Natio­nen dar­zu­stel­len scheint, ist die Situa­ti­on gleich­wohl ein Hin­weis dar­auf, dass der Ein­fluss Washing­tons auf die Regi­on nach­lässt.

Die USA sind nicht mehr die Macht, die sie frü­her im Nahen Osten waren”, stell­te Rizk fest. Ange­sichts des­sen wäre es “klug, wenn Moham­med bin Sal­man viel­leicht nicht alle sei­ne Eier in den US-ame­ri­ka­ni­schen Korb legen wür­de”, ergänz­te er.

Wäh­rend es mit Sicher­heit zu Gesprä­chen über Ölprei­se und Inves­ti­ti­ons­ge­schäf­te wäh­rend des Besuchs kom­men wird, soll­te man auch einen Schritt in Rich­tung einer tie­fe­ren Part­ner­schaft nicht aus­schlie­ßen – auch wenn die unter­schied­li­chen Posi­tio­nen und Loya­li­tä­ten Riads und Mos­kaus dies nach west­li­chen diplo­ma­ti­schen Stan­dards als unmög­lich erschei­nen las­sen.

Mehr zum The­ma — LIVE : Welt­ord­nung aus öst­li­cher Sicht – 16. Ple­nar­sit­zung des Wald­ai-Klubs in Sot­schi (Deutsch)

RT Deutsch


Kann die deutsche Passivradartechnik tatsächlich US-Tarnkappenflugzeuge “entzaubern”?


von Zlat­ko Per­ci­nic

Der Besuch von zwei Kampf­jets des Typs F‑35A “Light­ning II” der US-Air Force an der Luft­fahrt­aus­stel­lung ILA am Ber­li­ner Flug­ha­fen Schö­ne­feld im April 2018 soll­te auch dazu die­nen, die Bun­des­re­gie­rung dazu zu über­zeu­gen, die­sen Typ als Ersatz für die zur Aus­mus­te­rung ste­hen­den Tor­na­dos der Luft­waf­fe in Betracht zu zie­hen. Nebst der Flug­show, an der die F‑35 nicht teil­nah­men und sich statt­des­sen mit einem Auf­ent­halt auf dem Boden begnü­gen muss­ten, soll­te es auch eine Ver­kaufs­prä­sen­ta­ti­on des US-Her­stel­lers Lock­heed Mar­tin geben.

Dass die pro­mi­nen­ten Gäs­te der ILA ihre Fähig­kei­ten nicht unter Beweis stel­len durf­ten, lag Gerüch­ten zufol­ge dar­an, dass der deut­sche Rüs­tungs­her­stel­ler Hen­soldt sein neu­es Pas­siv­ra­dar­sys­tem “Twin­vis” eben­falls aus­stell­te. Dem­nach soll befürch­tet wor­den sein, dass durch den Ein­satz von “Twin­vis” die ver­meint­lich unsicht­ba­ren Kampf­jets viel­leicht dann doch nicht so unsicht­bar sind, wie es der Her­stel­ler gern hät­te.

Und tat­säch­lich schien sich die­se Befürch­tung zu bewahr­hei­ten, als beim Abflug der bei­den F‑35 in Rich­tung Hei­mat sie von einem Radar­sys­tem von Hen­soldt knapp 150 Kilo­me­ter weit ver­folgt wur­den. Das Sys­tem wur­de auf einem Pony­hof in der Nähe des Flug­ha­fens “ver­steckt”, was für die deut­sche Bericht­erstat­tung die gan­ze Dra­ma­tik die­ser Ent­de­ckung noch wei­ter ver­stärk­te. So titel­te bei­spiels­wei­se der Ber­li­ner Kurier “Gehei­me Mili­tär­zen­tra­le auf Pony­hof – Unsicht­ba­rer US-Kampf­jet in Bran­den­burg ent­tarnt”. 

Doch war es wirk­lich so ? Wur­de das teu­ers­te Rüs­tungs­pro­jekt der USA tat­säch­lich auf dem Flug ent­tarnt und dabei der Tarn­kap­pen­mo­dus mehr oder weni­ger obso­let gemacht ? Für Lock­heed Mar­tin – und natür­lich die US-Kriegs­füh­rung – hät­te das kata­stro­pha­le Fol­gen und Hen­soldt eine Cash­cow aller­ers­ten Ran­ges beschert.

Um es kurz zu machen : Nein, die F‑35 wur­den weder ent­tarnt noch ent­zau­bert. Ganz im Gegen­teil. Bei­de Flug­zeu­ge befan­den sich nicht in einer Kampf­mis­si­on, dem­entspre­chend waren sowohl ihre Trans­pon­der ein­ge­schal­tet, als auch die soge­nann­ten Lüne­burg-Lin­sen am Flug­zeug selbst ange­bracht. Die­se Lin­sen sind Radar­re­flek­to­ren, die jeweils auf der Ober- und Unter­sei­te der Trag­flä­chen ange­bracht wer­den, um die Jets so für die Radar­über­wa­chung sicht­bar zu machen.

Mit der Anbrin­gung der Radar­re­flek­to­ren gibt man sich nicht nur absicht­lich zu erken­nen, son­dern ver­sucht so auch gleich­zei­tig, die spe­zi­fi­sche Radar­si­gna­tur eines bestimm­ten Flug­zeugs mit Tarn­kap­pen­funk­ti­on zu ver­schlei­ern. Des­halb sor­gen sich bei­spiels­wei­se Isra­el und die USA über die rus­si­schen Radar­warn­an­la­gen in Syri­en, dass sie die Signa­tu­ren der F‑22 und F‑35 im Kampf­ein­satz “cha­rak­te­ri­sie­ren” kön­nen und mit Elek­tro­ni­scher Auf­klä­rung (ELINT) Infor­ma­tio­nen über die Waf­fen­sys­te­me erhal­ten. Aus die­sem Grund flog die US-Air Force bei ihrem ers­ten Kampf­ein­satz mit einer F‑35 im Irak am 30. April nicht etwa im Tarn­kap­pen­mo­dus, son­dern mit ange­brach­ten Radar­re­flek­to­ren, damit es zu kei­ner Radar­si­gna­tur kommt, die Erkennt­nis­se für die rus­si­sche Auf­klä­rung lie­fern könn­te.

Den­noch bleibt Hen­soldt dabei, dass die Tat­sa­che, dass die bei­den F‑35-Kampf­jets gar nicht uner­kannt flo­gen, kei­ne Rol­le in der Bewer­tung des Erfolgs des “Twinvis”-Systems spiel­ten. Gegen­über dem Spie­gel sag­te Joa­chim Schranz­ho­fer, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chef des deut­schen Her­stel­lers :

Pas­siv­ra­dar ist auf­grund der zugrun­de­lie­gen­den Tech­no­lo­gie sehr geeig­net, um Ste­alth-Platt­for­men zu detek­tie­ren 

In die­sem Punkt hat Schranz­ho­fer recht. Pas­siv­ra­dar­tech­no­lo­gie ist in der Tat theo­re­tisch in der Lage, Tarn­kap­pen­flug­zeu­ge zu ent­de­cken. Wie David Cen­ciot­ti, ein Luft­fahrt­ex­per­te und ehe­ma­li­ger ita­lie­ni­scher Kampf­pi­lot, dar­legt, nutzt der Pas­siv­ra­dar bereits in der Luft vor­han­de­ne Signa­le durch Rund­funk und Mobil­funk­an­la­gen. Indem Com­pu­ter­sys­te­me der Radar­an­la­ge dann den Dopp­ler­ef­fekt zwi­schen einem Objekt, das sich durch die­se Signa­le hin­durch­be­wegt, und deren Sen­der aus­wer­tet, kön­nen Rück­schlüs­se auf die Art, Grö­ße und Geschwin­dig­keit des Objekts gezo­gen wer­den.

Die­se Tech­no­lo­gie ist aber nicht neu. Bereits vor 18 Jah­ren wur­de öffent­lich bekannt, dass sich auf die­se Wei­se Tarn­kap­pen­bom­ber ent­de­cken lie­ßen. Auf die­se Wei­se sol­len auch ser­bi­sche Streit­kräf­te wäh­rend der NATO-Bom­ben­kam­pa­gne 1999 einen US-Tarn­kap­pen­bom­ber des Typs F‑117 in der Nähe von Bel­grad abge­schos­sen haben.

Dass sich die Pas­siv­ra­dar­tech­no­lo­gie nur bedingt als ein akti­ver Teil der Luft­ab­wehr ein­set­zen lässt, liegt genau in den Vor­aus­set­zun­gen für das Sys­tem begrün­det. Über­all, wo es kei­ne gro­ße Dich­te an Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sen­dern gibt, kann das Sys­tem nicht funk­tio­nie­ren. Man muss dazu nicht ein­mal auf Kriegs­schau­plät­ze in Afgha­ni­stan, Afri­ka oder eben Gegen­den im Irak und Syri­en – von mari­ti­mer Luft­über­wa­chung gar nicht erst zu spre­chen – bli­cken, son­dern selbst in eini­gen Tei­len Deutsch­lands wäre die­ses Sys­tem nutz­los. Was bedeu­tet, dass in all die­sen Gebie­ten eben doch mit hoch­fre­quen­ten Radar­an­la­gen der Luft­raum über­wacht wird, woge­gen die Tarn­kap­pen­flug­zeu­ge durch ihre spe­zi­el­le Form und Legie­rung abge­schirmt sind.

Doch selbst bei städ­ti­schen Gebie­ten mit einer gro­ßen Dich­te an Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sen­dern, wo die Pas­siv­ra­dar­tech­no­lo­gie theo­re­tisch funk­tio­niert, kön­nen in einem Ernst­fall die­se Signa­le mit moderns­ten Mit­teln gestört oder sogar völ­lig aus­ge­schal­tet wer­den. Durch elek­tro­ni­sche Kriegs­füh­rung und kine­ti­sche Schlä­ge wird der Weg für Tarn­kap­pen­bom­ber frei­ge­macht, damit die­se mög­lichst uner­kannt ihre Mis­si­on aus­füh­ren kön­nen.

Ob daher das “Twinvis”-System auch in einem sol­chen Umfeld trotz­dem ihre Wir­kung ent­fal­ten und Tarn­kap­pen­flug­zeu­ge auf­spü­ren kann, ist daher unge­wiss. Die­sen ulti­ma­ti­ven Beweis ist Hen­soldt schul­dig geblie­ben. Den­noch bleibt auch eine F‑35 mit ihren Fähig­kei­ten kei­ne “Wun­der­waf­fe”, wie Cen­ciot­ti dar­legt. Man kann auch die­ses Waf­fen­sys­tem kna­cken, nur benö­tigt es dafür eine Kom­bi­na­ti­on aus moderns­ten elek­tro­ni­schen Kampf­sys­te­men. 

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

Mehr zum The­ma — US-Ana­ly­se­dienst Strat­for : Rus­si­sches S‑400 eines der bes­ten stra­te­gi­schen Boden-Luft-Sys­te­me 

RT Deutsch


Kann Atomwaffen transportieren : US-Kampfjet F/A‑18 soll Tornado-Nachfolger werden


Bei der Suche nach einem Nach­fol­ge­mo­dell für die seit Jahr­zehn­ten ein­ge­setz­ten Tor­na­do-Flug­zeu­ge scheint das Boe­ing-Modell F/A‑18 aus den USA das Ren­nen zu machen.

Bis 2025 will die Luft­waf­fe die 90 Kampf­jets aus­mus­tern, von denen der­zeit eini­ge über Syri­en und dem Irak im Ein­satz gegen den IS sind, da mit dem Alter die Kos­ten für deren War­tung und Instand­hal­tung stei­gen.

Mehr zum The­ma — Zurück in eine ato­ma­re Zukunft – Neue Nukle­ar­waf­fen in Büchel

Gleich­zei­tig soll­te es die bom­ben­wer­fen­de Woll­milch­sau wer­den. Der Tor­na­do-Nach­fol­ger soll nicht nur als Bom­ber und Auf­klä­rungs­flug­zeug sowie in der soge­nann­ten elek­tro­ni­schen Kampf­füh­rung agie­ren kön­nen, son­dern auch die nuklea­re Teil­ha­be gewähr­leis­ten.

Denn ein Teil der deut­schen Flot­te soll die in Büchel sta­tio­nier­ten US-Atom­waf­fen trans­por­tie­ren kön­nen. Und dafür ist ein kom­pli­zier­ter Zer­ti­fi­zie­rungs­pro­zess durch die USA erfor­der­lich.

Der F‑35, den Washing­ton gern ver­kauft hät­te, kommt dafür auf­grund der gemein­sa­men Kampf­jet-Ent­wick­lung durch Paris und Ber­lin nicht in Fra­ge. Der der­zeit zu beschlie­ßen­de Tor­na­do-Nach­fol­ger ist als Über­gangs­mo­dell zu sehen, da Ber­lin und Paris geplant haben, gemein­sam einen neu­en Kampf­jet zu ent­wi­ckeln, was jedoch nicht vor 2040 gesche­hen wird.

Mehr zum The­ma — Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Frank­reichs : “NATO-Soli­da­ri­täts­klau­sel heißt Arti­kel 5, nicht Arti­kel F‑35”

Die dama­li­ge Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ursu­la von der Ley­en hat­te im Janu­ar die­ses Jah­res als mög­li­ches Nach­fol­ge­mo­dell den Euro­figh­ter von Air­bus sowie den US-Kampf­jet F/A‑18 genannt.

Maß­geb­lich für die Eig­nungs­prü­fung bei­der Model­le ist für Ber­lin die Fra­ge der Zer­ti­fi­zie­rung für die nuklea­re Teil­ha­be. So erklär­te der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär Tho­mas Sil­ber­horn (CSU) im Febru­ar in sei­ner Ant­wort auf eine Fra­ge im Bun­des­tag :

Wesent­li­che Kri­te­ri­en bei der Betrach­tung sind die Har­mo­ni­sie­rung zum bina­tio­na­len Zukunfts­pro­jekt Next Genera­ti­on Wea­pon System/Future Com­bat Air Sys­tem, der mög­li­che Ein­füh­rungs­zeit­punkt eines Nach­fol­gers sowie der bruch­freie Fähig­keits­er­halt ein­schließ­lich der Son­der­rol­le nuklea­rer Teil­ha­be. Vor die­sem Hin­ter­grund wur­de am 31. Janu­ar 2019 ent­schie­den, die bei­den Waf­fen­sys­te­me Euro­figh­ter und F/A‑18 im Wei­te­ren als Lösungs­op­tio­nen zu unter­su­chen.

Nach einem Tref­fen mit ihrem US-Amts­kol­le­gen Mark Espers beton­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er in der ver­gan­ge­nen Woche erneut, dass es um “die Fähig­kei­ten” des neu­en Tor­na­dos gehe und die­se “bruch­los” sicher­ge­stellt wer­den müss­ten.

Mein Ziel ist es, dass wir im nächs­ten Jahr schnell, und zwar so schnell wie mög­lich, auch zu kla­ren Ent­schei­dun­gen kom­men, sag­te Kramp-Kar­ren­bau­er.

Es geht also vor­ran­gig um das Kri­te­ri­um der Schnel­lig­keit, mit dem die Zer­ti­fi­zie­rung für den Ein­satz von Atom­waf­fen vor­an­geht. Da es sich um US-Nukle­ar­waf­fen han­delt, ist eine Frei­ga­be aus Washing­ton erfor­der­lich.

Von der Ley­en hat­te Washing­ton in ihrer Amts­zeit dar­um gebe­ten, ihr Minis­te­ri­um über Kos­ten und Zeit­räu­me für die jewei­li­ge Zer­ti­fi­zie­rung zu infor­mie­ren.

Laut der Süd­deut­schen Zei­tung vom Frei­tag lie­gen die­se Infor­ma­tio­nen nun vor. Dem­nach könn­te die Zer­ti­fi­zie­rung des Euro­figh­ters drei bis fünf Jah­re län­ger bean­spru­chen als jene des US-Modells. Beim Euro­figh­ter wären somit nicht alle Fähig­kei­ten gemäß den For­de­run­gen der Ame­ri­ka­ner “bruch­los”, also ohne Unter­bre­chung, schnell genug gewähr­leis­tet.

Die schnel­le­re Zer­ti­fi­zie­rung des F/A‑18-Boe­ing-Jets hängt zum einen mit der US-Her­kunft der Tech­nik zusam­men. Eine frü­he­re Bau­rei­he des US-Kampf­jets habe die­se Zulas­sung bereits gehabt.

Wenig über­ra­schend gibt es wei­ter­hin “natür­lich”, so Tho­mas Wie­gold im Blog Augen Gera­de­aus, …

… den Anreiz, ein US-Pro­dukt für einen Ver­kauf schnel­ler export­fä­hig zu machen, als das euro­päi­sche Kon­kur­renz­pro­dukt dafür zu zer­ti­fi­zie­ren.

Und da eine Unter­bre­chung der nuklea­ren Teil­ha­be laut Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um abso­lut uner­wünscht ist, zu der es im Fal­le einer Ent­schei­dung für den Euro­figh­ter jedoch für eini­ge Jah­re käme, ist die­ser wohl aus dem Ren­nen.

Nach ihrer US-Rei­se hat­te die deut­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin betont, dass Washing­ton wei­ter ein wich­ti­ger Bünd­nis­part­ner sei. Nach Infor­ma­tio­nen der SZ wur­de der deut­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin bei ihrem Besuch auch klar gemacht, dass die Ver­tie­fung der mili­tä­ri­schen Zusam­men­ar­beit in Euro­pa auf­merk­sam ver­folgt wer­de. Und dabei dür­fen die USA nicht außen vor blei­ben. Zumin­dest beim Über­gangs­mo­dell des Tor­na­dos wür­den mit der Ent­schei­dung gegen den Euro­figh­ter die Bezie­hun­gen zu Washing­ton nicht ange­kratzt.

Mehr zum The­ma - “Thanks for lea­ving Ger­ma­ny!” – Richard Grenell und der US-Trup­pen­ab­zug

RT Deutsch


Keine Haft wegen Personal- und Platzmangel : NRW kann Zehntausende von Haftbefehlen nicht ausführen


Bei der Poli­zei in Nord­rhein-West­fa­len herrscht Per­so­nal­man­gel, der ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen nach sich zieht. Am 1. Febru­ar blie­ben 33.017 Haft­be­feh­le nicht voll­streckt. Neben zivi­len Haft­be­feh­len sind hier­un­ter 8.839 ver­ur­teil­te Straf­tä­ter, die ihre Haft­stra­fe bis­lang nicht antre­ten muss­ten. Bis zum Jahr 2024 oder 2025 könn­te der Per­so­nal­man­gel beho­ben wer­den. 

NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter Peter Biesen­bach (CDU) sieht die Zah­len als zu hoch an und ver­weist auf all die­je­ni­gen Per­so­nen, gegen die es einen Haft­be­fehl gibt, die sich jedoch nicht in Deutsch­land auf­hal­ten. Wei­te­re aktu­el­le Zah­len soll es die­se Woche vom NRW-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um geben.

Der stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der Gewerk­schaft der Poli­zei, Micha­el Mer­tens, sag­te zu dem Pro­blem : 

Die hohe Zahl nicht voll­streck­ter Haft­be­feh­le ist kein Ruh­mes­blatt für einen wehr­haf­ten Staat. 

Die frü­he­ren Voll­stre­ckungs­teams wur­den abge­schafft. Neben dem Per­so­nal­man­gel bei der Poli­zei schürt der Platz­man­gel in den Gefäng­nis­sen das Pro­blem. Laut Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ver­fügt Nord­rhein-West­fa­len über ins­ge­samt 11.558 Haft­plät­ze. Jedoch ste­hen der­zeit nur 483 nicht beleg­te Haft­plät­ze zur Ver­fü­gung. Die größ­te Haft­an­stalt in NRW ist die JVA Köln mit 1.171 Haft­plät­zen und ist damit gleich­zei­tig die zweit­größ­te in Deutsch­land. Auch hier herrscht Per­so­nal­man­gel für die Rund­um­be­treu­ung der Insas­sen. In allen 38 Haft­an­stal­ten NRWs sind 400 Stel­len unbe­setzt. 

RT Deutsch


Der Filmemacher Oleg Senzow ist frei ! – Doch welche Werke kann der Regisseur eigentlich aufweisen ?


von Wla­dis­law San­kin 

Die Film­schaf­fen­den aus aller Welt konn­ten am Sams­tag auf­at­men : Der ukrai­ni­sche Regis­seur Oleg Sen­zow kehr­te aus rus­si­scher Haft zurück. Er gilt als der wohl bekann­tes­te Häft­ling, der beim soge­nann­ten rus­sisch-ukrai­ni­schen “Gefan­ge­nen­aus­tausch” an jenem Tag frei­ge­las­sen wur­de.

Wäh­rend Demons­tra­tio­nen und Fes­ti­vals in den Jah­ren 2015 bis 2018 hör­te man auf Film­fest­spie­len, Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen, Pres­se­kon­fe­ren­zen und ande­ren Events immer wie­der den Auf­ruf : “Free Oleg Sen­zow”. Auch John­ny Depp ließ sich im Novem­ber 2016 im Rah­men der Kam­pa­gne “Impri­son­ed for Art” als Zei­chen der Soli­da­ri­tät mit Sen­zow mit einem Häft­lings­schild ablich­ten. Auf die­sem war mit Anspie­lung auf den Ort sei­nes Ver­bleibs in der ost­si­bi­ri­schen Haft zu lesen : “11.05.2014. Yakutsk Rus­sia”.

Nun dür­fen Meryl Streep, Robert De Niro, Geor­ge Cloo­ney, Ste­phen King, Jean-Luc Godard – kurz gesagt : ganz Hol­ly­wood und mit ihm min­des­tens die hal­be Kino­welt auf­ju­beln :

Was für eine Erleich­te­rung : Der ukrai­ni­sche Fil­me­ma­cher Oleg Sen­zow ist frei. Im Jahr 2014 wur­de er im Zuge der rus­si­schen Krim-Anne­xi­on ver­haf­tet und 5 Jah­re in einem Arbeits­la­ger fest­ge­hal­ten. Nun wur­de er im Zuge eines Gefan­ge­nen­aus­tau­sches zwi­schen der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on und der Ukrai­ne frei­ge­las­sen, schrieb stell­ver­tre­tend für die gesam­te soli­da­ri­sche Film­welt die Deut­sche Film­aka­de­mie.

Wir sind froh, dass er wie­der dre­hen kann”, äußer­te sich ein Kol­lek­tiv aus hun­dert Kunst­schaf­fen­den aus Frank­reich, dar­un­ter Alt­meis­ter wie Jean-Luc Godard sowie die Brü­der Jean-Pierre und Luc Dard­en­ne, in einem offe­nen Brief im fran­zö­si­schen Le Figa­ro. Der Pro­zess gegen ihn sei eine “Par­odie” eines Pro­zes­ses, er sei eine Gei­sel im “rus­sisch-ukrai­ni­schen Krieg” gewe­sen, sei­ne Haft sei ein “kolos­sa­ler Preis”, den die Ukrai­ne für Recht und Demo­kra­tie gezahlt habe.

Dank die­ser Anstren­gun­gen rund um die Welt kommt Sen­zow nun als Berühmt­heit aus der rus­si­schen Haft zurück : Inzwi­schen ist er zum Ehren­bür­ger von Paris erho­ben wor­den, außer­dem wur­de er mit dem Sach­a­row- und dem Magnit­ski-Preis geehrt. Mitt­ler­wei­le hat er in den Rei­hen der Kunst­schaf­fen­den den Sta­tus eines Mär­ty­rers erlangt, der für die Frei­heit der Kunst lei­den muss­te. So zumin­dest beschreibt die Deut­sche Film­aka­de­mie sein Schick­sal :

Sein Schick­sal steht sym­bol­haft für die Gefah­ren, denen Kunst und Kul­tur­schaf­fen­de bei der Macht­er­grei­fung auto­kra­ti­scher Régime gegen­über­ste­hen.

Der Filmemacher Oleg Senzow ist frei! – Doch welche Werke kann der Regisseur eigentlich aufweisen?
Akti­on “Free Sent­sov” bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung der deut­schen Film­aka­de­mie in Dezem­ber 2017.

Was wür­de sich ein inter­es­sier­ter Bür­ger nach per­ma­nen­ter Anprei­sung eines Regis­seurs in den Medi­en für gewöhn­lich wün­schen ? Und zwar, dass man vom sei­nem Œuvre, von dem, was der Regis­seur vor sei­ner Ver­schlep­pung und Ver­haf­tung noch geschafft hat, in die Welt zu set­zen, etwas abbe­kom­men kann. Eine Retro­spek­ti­ve bei­spiels­wei­se wäre denk­bar, zumal die Rech­te für sei­nen bis­lang ein­zi­gen Film nicht all­zu kost­spie­lig sein dürf­ten. Denn das Ori­gi­nal auf rus­si­scher Spra­che ist frei auf You­Tube ver­füg­bar.

Auf die­se Idee kommt in den deut­schen Medi­en aller­dings nie­mand. Auch auf unse­re Anfra­ge, nach wel­chen Kri­te­ri­en man Oleg Sen­zow in die Rei­he der “Fil­me­ma­cher” auf­ge­nom­men hat, kam von­sei­ten der Deut­schen Film­aka­de­mie bis­lang kei­ne Ant­wort. For­mell gese­hen könn­te die­se Bezeich­nung auf der Teil­nah­me sei­nes Films “Gamer” an den Film­fest­spie­len in Rot­ter­dam und Wies­ba­den beru­hen. Der Film erhielt kei­nen Preis, wur­de jedoch allein durch die Teil­nah­me an den Art­house-Fest­spie­len geehrt.

Oleg Sen­zow hat sei­nen Film im Jahr 2011 als damals 35-Jäh­ri­ger samt Ama­teur-Team mit zusam­men­ge­spar­tem Geld gedreht – inklu­si­ve einer digi­ta­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ra. Zuvor betrieb er jah­re­lang einen Laden für Com­pu­ter­spie­le und gewann in der Ukrai­ne Prei­se als Gamer. In sei­nem Film lässt er sei­nen Prot­ago­nis­ten, einen Teen­ager namens Dmi­tri, eine Gaming-Meis­ter­schaft in Los Ange­les gewin­nen. 

Dmi­tri ist ein empha­tie­lo­ser Bur­sche, der mit sei­ner Mut­ter in Sim­fero­pol auf der Krim lebt. Schlaf­wand­le­risch bewegt er sich durch den Film, redet kaum und träumt nachts. Auch der Erfolg als Gamer kann sein Leben nicht erfül­len. Sei­ne Figur ist offen­bar, was das Äuße­re und den Cha­rak­ter betrifft, an den 17-jäh­ri­gen Iwan aus dem Kult­film “Kurier” aus den 1980er-Jah­ren vom Regis­seur Karen Schach­nas­a­row ange­lehnt. Doch das war es auch schon mit den Ähn­lich­kei­ten.

Dem Film “Gamer” fehlt es an allem, was einen Film aus­macht : Plot, Span­nung, Dia­lo­ge, Spiel, gute Kame­ra­füh­rung. Sogar der Ton lässt zu wün­schen übrig. Oft müs­sen sich die Schau­spie­ler noch­mals erkun­di­gen, was gesagt wur­de. Nach­ge­dreht wird dann aller­dings nicht. Mit der Zeit des Zuschau­ers geht der Autor ver­geu­de­risch um, wenn er mit sei­ner Kame­ra jedes Mal minu­ten­lang bei bedeu­tungs­lo­sen Details ver­harrt.

In einer Film­hoch­schu­le wür­de es der Film “Gamer” maxi­mal als Abschluss­pro­jekt in ein Semi­nar schaf­fen. Wenn man jedoch bedenkt, welch stren­gen Auf­nah­me­kri­te­ri­en deut­sche Film­hoch­schu­len unter­lie­gen, dann ist auch das anzu­zwei­feln. Auch des­we­gen ist anzu­zwei­feln, dass Wim Wen­ders, John­ny Depp, Meryl Streep und all sei­ne Kol­le­gen, die über ein Mil­lio­nen-Dol­lar-Ver­mö­gen ver­fü­gen, sich je Zeit genom­men hät­ten, das ein­zi­ge Sen­zow-Werk selbst zu begut­ach­ten, bevor sie ihn in ihr poli­ti­sches “Pro­gramm” auf­neh­men. 

Oleg Sen­zow hat in sei­nen Inter­views vor der Ukrai­ne-Kri­se behaup­tet, Ende der 2000er-Jah­re die gro­ße Lust am Fil­me­ma­chen bei sich ent­deckt zu haben. Die­ser Lei­den­schaft will er auch nach sei­ner Frei­las­sung nach­ge­hen. Die ukrai­ni­sche Regie­rung hat der­weil eine soli­de Finan­zie­rung sei­ner Fil­me zuge­si­chert. Ob der Regis­seur schließ­lich mit sei­nen Fol­ge­fil­men den Pro­pa­gan­dabo­nus ver­spielt oder sich in der Film­sze­ne behaup­ten kann, ist unge­wiss.

Auch eine poli­ti­sche Kar­rie­re ist für Sen­zow nicht aus­zu­schlie­ßen. Aller­dings ist dafür vier Jah­re bis zu den nächs­ten Wah­len noch Zeit. Eine Par­al­le­le zur geschei­ter­ten eins­ti­gen “Iko­ne” des ukrai­ni­schen Wider­stands, der in Russ­land wegen Bei­hil­fe zum Mord ver­ur­teil­ten Nadi­ja Sawt­schen­ko, ist nicht von der Hand zu wei­sen. Sie wur­de begna­digt und eben­so im Zuge einer Tausch­ak­ti­on im Mai 2016 mit dem Prä­si­den­ten-Jet in die Ukrai­ne gebracht. Zwei Jah­re danach saß sie bereits in ukrai­ni­scher Haft und ver­lor ihre zuvor zahl­rei­chen deut­schen Freun­de.

Vor kur­zem hat Sen­zow zusam­men mit Iwan Kolt­schen­ko, der wegen Brand­stif­tung des Büros der Par­tei Eini­ges Russ­land in Sim­fero­pol eben­so in Russ­land ver­ur­teilt wur­de, eine zwei­stün­di­ge Pres­se­kon­fe­renz abge­hal­ten. Dort hat er zuge­ge­ben, an den Gesprä­chen über “Spren­gun­gen und Brand­stif­tun­gen” im Zuge von Pro­test­ak­tio­nen auf der Halb­in­sel Krim im April 2014 betei­ligt gewe­sen zu sein.

An einer ande­ren Stel­le hat Sen­zow behaup­tet, fried­li­che Pro­tes­te sei­en damals “unmög­lich” gewe­sen. Er sag­te auch, sei­ne Rück­kehr auf die Krim sei “nur auf Pan­zern” mög­lich. Kolt­schen­ko räum­te sei­ner­seits ein, den Brand im Par­tei-Büro eines Wohn­vier­tels gelegt zu haben.

Wie tief er in die “Gesprä­che über Spren­gun­gen” ver­wi­ckelt war, ließ Sen­zow offen. Sei­ne Schuld, an der Bil­dung einer ter­ro­ris­ti­schen Zel­le maß­geb­lich mit­ge­wirkt zu haben, erkennt er nicht an. Sei­ne eige­nen zwei­deu­ti­gen Aus­sa­gen jedoch – wohl­be­merkt nicht durch “Fol­ter in einem FSB-Ker­ker” getä­tigt – las­sen jedoch etwas mehr Raum für eine weni­ger zwei­deu­ti­ge Inter­pre­ta­ti­on einer Jus­tiz­be­hör­de, als sich deut­sche Bewun­de­rer sei­ner “Kunst” wün­schen wür­den.

RT Deutsch


CIA-Schlüsselspion aus Moskau “abgezogen” – aus Angst, dass Trump “den Mund nicht halten kann”?


US-Geheim­diens­te “haben einen ihrer wich­tigs­ten gehei­men Infor­man­ten inner­halb der rus­si­schen Regie­rung erfolg­reich aus Russ­land abge­zo­gen”, berich­te­te der Nach­rich­ten­sen­der CNN Mit­te 2017 unter Beru­fung auf anony­me Quel­len. Die­se wur­den als “meh­re­re Beam­te in der Trump-Regie­rung mit unmit­tel­ba­rer Kennt­nis der Sach­la­ge” zur gehei­men Mis­si­on beschrie­ben.

Mit dem Abzug wur­de angeb­lich nach dem Besuch des rus­si­schen Außen­mi­nis­ters Ser­gei Law­row und des rus­si­schen Bot­schaf­ters Ser­gei Kisl­jak im Wei­ßen Haus im Mai 2017 begon­nen. Der Anlass soll eine Befürch­tung gewe­sen sein, dass Trump und sei­ne Regie­rung “wie­der­holt gegen Regeln zum Umgang mit Geheim­in­for­ma­tio­nen ver­sto­ßen hät­ten und dazu bei­tra­gen könn­ten, den ver­deckt ope­rie­ren­den Infor­man­ten als Spi­on bloß­zu­stel­len”, so CNN.

Wäh­rend des Tref­fens soll Trump “hoch­klas­si­ge Infor­ma­tio­nen” über die Ter­ror­mi­liz “Isla­mi­scher Staat” in Syri­en mit Law­row und Kisl­jak geteilt haben, die von Isra­el bereit­ge­stellt wor­den sein sol­len. Die CIA focht die­se Behaup­tung jedoch an.

Das Nar­ra­tiv der CNN, dass die Cen­tral Intel­li­gence Agen­cy Ent­schei­dun­gen über Leben und Tod auf der Grund­la­ge von etwas ande­rem als objek­ti­ver Ana­ly­se und fun­dier­ter Infor­ma­ti­ons­samm­lung trifft, ist schlicht falsch”, erklär­te Britt­a­ny Bra­mell, die Direk­to­rin für Öffent­lich­keits­ar­beit bei der CIA. “Fehl­ge­lei­te­te Spe­ku­la­tio­nen, dass der Umgang des Prä­si­den­ten mit den hei­kels­ten Auf­klä­rungs­da­ten unse­rer Nati­on – auf die er jeden Tag Zugriff hat – eine angeb­li­che Extrak­ti­ons­ope­ra­ti­on nach sich zie­he, stim­men so nicht.”

Das schien auch Trump selbst gut genug zu sein. Er speis­te Repor­ter am Mon­tag ab – mit der Aus­sa­ge : “Was auch immer die CIA geant­wor­tet hat, ist für mich in Ord­nung. Ich weiß von nichts.”

Die Pres­se­spre­che­rin des Wei­ßen Hau­ses, Ste­pha­nie Gris­ham, dreh­te den Spieß um und blies zum Gegen­an­griff : “Die Bericht­erstat­tung von CNN ist nicht nur unwahr, son­dern hat auch das Poten­zi­al, Men­schen­le­ben in Gefahr zu brin­gen.”

Auch die Medi­en in Russ­land began­nen sofort mit Spe­ku­la­tio­nen über die Iden­ti­tät des angeb­li­chen Maul­wurfs und lie­ßen sich schnell auf Oleg Smo­len­kow ein. Vor 2010 arbei­te­te er in der rus­si­schen Bot­schaft in Washing­ton und dann im Regie­rungs­ap­pa­rat, bevor er zum Staats­rat der drit­ten Klas­se beför­dert wor­den sein soll. Smo­len­kow soll nicht im direk­ten Kon­takt mit Wla­di­mir Putin gestan­den haben – den­noch soll er sich dienst­lich häu­fig in Putins Umge­bung auf­ge­hal­ten und so die Mög­lich­keit gehabt haben, gehei­me Unter­la­gen des rus­si­schen Prä­si­den­ten abzu­fo­to­gra­fie­ren, aus denen eine Ein­mi­schung Russ­lands in die US-Prä­si­dent­schafts­wah­len fol­ge, so der CNN-Bericht. Am 14. Juli 2017 fuhr Smo­len­kow samt Frau und drei Kin­dern nach Mon­te­ne­gro in den Urlaub, wor­auf­hin sie alle spur­los ver­schwan­den. Die rus­si­sche Poli­zei nahm dar­auf­hin eine Ermitt­lung zu einem mög­li­chen Mord an ihnen auf.

Über­haupt liest sich die Geschich­te über einen hoch­ran­gi­gen US-Maul­wurf im Kreml wie ein Roman von Tom Clan­cy : Die Berich­ten­den stüt­zen sich auf “anony­me Quel­len” und “gehei­me Infor­ma­tio­nen”, sodass eine unab­hän­gi­ge Prü­fung nicht mög­lich ist.

Nach dem Wahl­kampf ist vor dem Wahl­kampf

Der rus­si­sche Duma­a­b­ge­ord­ne­te Franz Klin­ze­witsch, bis Febru­ar stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Ver­tei­di­gungs- und Sicher­heits­ko­mi­tees im Rus­si­schen Föde­ra­ti­ons­rat, wies den CNN-Bericht als “Fake News” zurück. Er sei auf einen Befehl geschrie­ben wor­den, “einen wei­te­ren Ver­such zur Dis­kre­di­tie­rung von Trump durch­zu­füh­ren”, zitiert TASS den Abge­ord­ne­ten.

Die Wer­tung sei­tens Klin­ze­witsch dürf­te auf die Tat­sa­che ver­wei­sen, dass die meis­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Main­stream-Medi­en die letz­ten drei Jah­re mit der För­de­rung der berüch­tig­ten “Russiagate”-Verschwörungstheorie im Namen der Demo­kra­ti­schen Par­tei der USA ver­brach­ten und sich kon­se­quent wei­ger­ten, ihr damit ver­bun­de­nes Fehl­ver­hal­ten anzu­er­ken­nen – und zwar obwohl der Son­der­be­ra­ter Robert Muel­ler nach einer zwei­jäh­ri­gen Ermitt­lung nichts gefun­den hat, was den US-Prä­si­den­ten belas­ten könn­te.

Dar­über hin­aus heu­er­ten die Nach­rich­ten­netz­wer­ke CNN und MSNBC eine Rei­he ehe­ma­li­ger US-Geheim­dienst­mit­ar­bei­ter als selbst­er­nann­te Anti-Trump-Spe­zia­lis­ten an – Geheim­dienst­ler, von deren Spu­ren es im “Russiagate”-Skandal nur so wim­melt.

Auch dem US-Jour­na­lis­ten Aaron Maté “stin­ke” die gan­ze Sache. Er bemerk­te, dass kon­trol­lier­te Infor­ma­ti­ons­lecks aus der US-Geheim­dienst­ge­mein­schaft eine lan­ge Geschich­te haben – sie ist so lang wie die Prä­si­dent­schaft Donald Trumps. Es gehe dabei dar­um, “eine irre­füh­ren­de Ver­bin­dung” zwi­schen Trump und Russ­land her­zu­stel­len, das “Russiagate”-Narrativ vor­an­zu­trei­ben und Trump anschlie­ßend für die angeb­li­che Ver­wund­bar­keit irgend­wel­cher gehei­mer Quel­len zu beschul­di­gen.

Medi­en­be­rich­te als Signal zum Abzug von Infor­man­ten

An Bei­spie­len für sol­che Bericht­erstat­tung man­gelt es nicht. Ein Bericht von NBC vom Dezem­ber 2016 zitiert angeb­li­che hoch­ge­stell­te Geheim­dienst­mit­ar­bei­ter, denen zufol­ge Wla­di­mir Putin per­sön­lich den Daten­dieb­stahl von Ser­vern der Demo­kra­ti­schen Par­tei der USA gelei­tet haben soll, um sich so in die US-Prä­si­dent­schafts­wah­len ein­zu­mi­schen. Die anony­men Geheim­dienst­mit­ar­bei­ter sol­len sich bei ihren Aus­sa­gen unter ande­rem auf Quel­len in diplo­ma­ti­schen Krei­sen und Spio­ne der US-Ver­bün­de­ten gestützt haben, so NBC.

Deut­li­cher ist der Wort­laut eines Berich­tes der Washing­ton Post vom Juni 2017 : Ähn­li­che Ein­mi­schungs­vor­wür­fe gegen den rus­si­schen Prä­si­den­ten wer­den hier atmo­sphä­risch mit Ver­wei­sen auf Auf­klä­rungs­da­ten “aus den Tie­fen des rus­si­schen Regie­rungs­ap­pa­ra­tes” unter­malt.

In einem Arti­kel der New York Times sowie im CNN-Bericht selbst (bei­de erschie­nen bereits nach der angeb­li­chen Eva­kua­ti­on des mut­maß­lich von den USA Ange­wor­be­nen) wird mit Ver­wei­sen auf Geheim­dienst­mit­ar­bei­ter erklärt, dass Berich­te wie die des NBC und der Washing­ton Post bereits genü­gen, damit der Abzug eines gehei­men Infor­man­ten not­wen­dig wer­de. Damit fal­len Vor­wür­fe, Trump habe mit Ver­stö­ßen gegen Regeln im Umgang mit Geheim­in­for­ma­ti­on US-Infor­man­ten gefähr­det, zumin­dest in die­sem Fall und in mög­li­chen ande­ren ähn­li­chen Fäl­len flach. Viel­mehr wären der­ar­ti­ge Anschul­di­gun­gen gegen die Mit­ar­bei­ter der US-Geheim­diens­te selbst zu rich­ten, die sol­che Infor­ma­ti­ons­lecks orga­ni­sie­ren. Eine sol­che Fol­ge­rung lehnt CNN jedoch ab, weil ent­spre­chen­de Medi­en­be­rich­te, die zeit­nah vor dem angeb­li­chen Infor­man­ten-Abzug erschie­nen, “nicht gefun­den wer­den konn­ten”.

Gerüch­te und “Pulp Fic­tion”

Russ­lands Außen­mi­nis­ter Ser­gei Law­row erklär­te, den von den Medi­en als “US-Infor­mant” bezeich­ne­ten Oleg Smo­len­kow nie gese­hen zu haben.

Bezüg­lich die­ses Herrn wur­de heu­te ein Kom­men­tar des Pres­se­diens­tes des Kreml ver­öf­fent­licht. Ich habe ihn nie gese­hen, nie getrof­fen, habe weder sei­ne Kar­rie­re noch sei­ne ander­wei­ti­gen Bewe­gun­gen und Ver­set­zun­gen mit­ver­folgt. Und Gerüch­te zu kom­men­tie­ren, bin ich nicht Wil­lens”, lau­te­te die Ant­wort des rus­si­schen Chef­di­plo­ma­ten auf die ent­spre­chen­de Fra­ge bei einer Pres­se­kon­fe­renz.

Im von Law­row erwähn­ten Kom­men­tar gab Dmi­tri Pes­kow, Pres­se­spre­cher des rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin, die Pres­se­be­rich­te zu Oleg Smo­len­kow der Lächer­lich­keit preis :

Tat­sa­che, Smo­len­kow war in der Prä­si­di­al­ver­wal­tung tätig, wur­de jedoch vor eini­gen Jah­ren auf inne­re Anord­nung hin ent­las­sen”, erklär­te Pes­kow. Smo­len­kow gehör­te nicht zur Kate­go­rie der obers­ten Bediens­te­ten, deren Pos­ten per Dekret besetzt wer­den, so der Pres­se­spre­cher wei­ter. “Das ist das Ein­zi­ge, was ich sagen kann, ande­re Infor­ma­ti­on liegt mir nicht vor. All die­se Über­le­gun­gen der US-Medi­en dar­über, wer wen in äußers­ter Dring­lich­keit abzog, wer wen vor wem ret­ten soll­te und so wei­ter – das gehört, wie Sie selbst ver­ste­hen, zur Gat­tung Pulp Fic­tion”, schloss Pes­kow ab.

Mehr zum The­ma — “Russiagate”-Journalist nimmt grund­le­gen­de Behaup­tun­gen zurück

RT Deutsch


Armin Laschet kann Kanzler – Katja Kipping kann schweigen


Aus der Tie­fe des poli­ti­schen Rau­mes mel­det sich Alt­kanz­ler Ger­hard Schrö­der und erzählt der „Rhei­ni­schen Post”, dass Armin Laschet, Minis­ter­prä­si­dent des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, ein pri­ma Kanz­ler­kan­di­dat der CDU wäre. In Schrö­ders eige­ner Par­tei bewer­ben sich inzwi­schen acht Kan­di­da­ten-Tan­dems und ein Ein­zel­kan­di­dat um den Par­tei­vor­sitz.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken


Vapen kann tödlich sein : Weitere Todesfälle nach E‑Zigaretten-Gebrauch in den USA


Die Zahl der Toten und Erkrank­ten nach Benut­zung von E‑Zigaretten in den USA steigt wei­ter an. US-Behör­den haben bis zum Frei­tag (Orts­zeit) ins­ge­samt fünf Todes­fäl­le regis­triert. Die US-Gesund­heits­be­hör­de CDC berich­te­te von drei bestä­tig­ten Toten in Illi­nois, Ore­gon und India­na. Zudem mel­de­ten die Behör­den in Kali­for­ni­en und Min­ne­so­ta jeweils einen Todes­fall. Der CDC zufol­ge sind zudem mitt­ler­wei­le 450 mög­li­che Erkran­kun­gen in 33 Bun­des­staa­ten gemel­det wor­den – mehr als dop­pelt so vie­le Fäl­le wie beim letz­ten ver­öf­fent­lich­ten Stand.

Die Ermitt­ler warn­ten alle Benut­zer von E‑Zigaretten vor dem Gebrauch wegen mög­li­cher Lun­gen­schä­den. Auch wenn es eine Spur gebe, sei die Ursa­che für die rät­sel­haf­ten Erkran­kun­gen aber noch nicht sicher.

Zu die­sem Zeit­punkt wur­de noch kei­ne Ver­bin­dung von einem Pro­dukt oder einer Sub­stanz zu allen Fäl­len her­ge­stellt”, so CDC-Exper­tin Dana Mea­ney-Del­man.

In den USA hat­ten sich die Mel­dun­gen über unge­klär­te Lun­gen­er­kran­kun­gen, die nach dem Kon­sum von E‑Zigaretten auf­tre­ten sol­len, in den ver­gan­ge­nen Mona­ten gehäuft. Die Betrof­fe­nen waren dabei häu­fig jung und eigent­lich gesund. Die Sym­pto­me reich­ten von Atem­be­schwer­den, Atem­not und Brust­schmer­zen bis hin zu Fäl­len von Magen-Darm-Erkran­kun­gen mit Erbre­chen und Durch­fall. Vie­le der Betrof­fe­nen kon­su­mier­ten soge­nann­te Liquids – Flüs­sig­kei­ten, die ver­dampft wer­den – mit dem psy­cho­ak­ti­ven Can­na­bis-Wirk­stoff THC.

Die stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin der CDC-Abtei­lung für Nicht-Infek­ti­ons­krank­hei­ten, Ileana Ari­as, sprach von Fort­schrit­ten bei den Ermitt­lun­gen. Die Ursa­che der Beschwer­den wer­de lang­sam kla­rer : “Der Fokus der Unter­su­chung engt sich ein, und das sind groß­ar­ti­ge Nach­rich­ten.”

Die Washing­ton Post  hat­te am Don­ners­tag von einer Spur zu einem mög­li­cher­wei­se ver­ant­wort­li­chen Stoff berich­tet. Es han­de­le sich dabei um das soge­nann­te Vit­amin-E-Aze­tat, das die Ermitt­ler in Pro­ben von Can­na­bis­pro­duk­ten gefun­den hät­ten, die die Erkrank­ten zuvor geraucht hat­ten. Es kom­me in ver­schie­de­nen Mar­ken und in meh­re­ren Liquids vor. CDC-Exper­tin Mea­ney-Del­man bestä­tig­te am Frei­tag, dass das Vit­amin-E-Aze­tat in eini­gen Labor­pro­ben nach­ge­wie­sen wor­den sei, mach­te aber kei­ne wei­te­ren Anga­ben.

In Deutsch­land oder Euro­pa sind bis­lang kei­ne ähn­li­chen Fäl­le bekannt. Die Beschwer­den schei­nen sich auf Benut­zer von E‑Zigaretten in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu beschrän­ken. (dpa)

Mehr zum The­maE‑Zigarette ver­ur­sacht Brand in US-Flug­zeug kurz nach Lan­dung

RT Deutsch


Urteil : AfD kann mit 30 Listenkandidaten zur Wahl in Sachsen antreten


Die AfD in Sach­sen darf nur mit 30 Lis­ten­kan­di­da­ten bei der Land­tags­wahl am 1. Sep­tem­ber antre­ten. Das ent­schied der säch­si­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof in Leip­zig am Frei­tag end­gül­tig. Damit geht die AfD zwar mit weni­ger Kan­di­da­ten ins Ren­nen als geplant – ursprüng­lich hat­te die Lan­des­lis­te 61 Plät­ze umfasst. Auf der ande­ren Sei­te bedeu­tet das Urteil einen Teil­erfolg für die Par­tei, denn der Lan­des­wahl­aus­schuss hat­te Anfang Juli wegen Form­feh­lern nur 18 Kan­di­da­ten zuge­las­sen.

Die AfD kün­dig­te den­noch eine Beschwer­de beim Wahl­prü­fungs­aus­schuss des neu­en Land­ta­ges an. Zudem will die AfD Straf­an­zei­gen stel­len und einen Unter­su­chungs­aus­schuss im Land­tag bean­tra­gen.

Die Ent­schei­dung des Wahl­aus­schus­ses zur Strei­chung der Lis­ten­plät­ze 19 bis 30 sei nicht mit den säch­si­schen Wahl­ge­set­zen ver­ein­bar, begrün­de­ten die Ver­fas­sungs­rich­ter ihr Urteil. Sie sahen die Beschwer­de­füh­rer in ihrem Recht auf Chan­cen­gleich­heit bei der Land­tags­wahl benach­tei­ligt.

Die Strei­chung der Plät­ze 31 bis 61 sei hin­ge­gen ver­tret­bar. Dies­be­züg­li­che Ver­fas­sungs­be­schwer­den sei­en “nicht statt­haft”. Die Rich­ter bestä­tig­ten damit eine Ent­schei­dung zu Eil­an­trä­gen vom 25. Juli. Damals hat­ten sie die Lis­ten­plät­ze 19 bis 30 vor­läu­fig geneh­migt.

Mehr zum The­ma — Säch­si­scher Lin­ken-Kan­di­dat Geb­hardt : Wir wol­len nach der Wahl mit­ge­stal­ten (Video)

Der Lan­des­wahl­aus­schuss hat­te die ursprüng­lich 61 Bewer­ber umfas­sen­de Lis­te Anfang Juli aus for­ma­len Grün­den auf 18 Kan­di­da­ten gekürzt. Dabei wur­de vor allem moniert, dass die AfD auf zwei getrenn­ten Par­tei­ta­gen mit zwei ver­schie­de­nen Ver­samm­lungs­lei­tern ihre Kan­di­da­ten auf­stell­te und das anfangs beschlos­se­ne Wahl­ver­fah­ren spä­ter änder­te. Die ers­ten 30 Bewer­ber wur­den per Ein­zel­wahl bestimmt, der Rest in einem Block­wahl­ver­fah­ren. Damit sah der Lan­des­wahl­aus­schuss die Chan­cen­gleich­heit nicht gewähr­leis­tet. Die AfD leg­te dage­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­den ein.

Die Aus­wir­kun­gen auf den neu­en Land­tag sind noch unklar. Lan­des­par­tei­chef Jörg Urban geht nach eige­nem Bekun­den davon aus, dass die AfD in Sach­sen auf 30 Pro­zent der Zweit­stim­men kommt. In Umfra­gen liegt sie der­zeit bei 25 bis 26 Pro­zent. Wie vie­le Sit­ze im Land­tag das aus­ma­chen wür­de, steht aller­dings erst am Wahl­abend fest. Soll­te die AfD mehr als die Hälf­te der 60 Direkt­man­da­te gewin­nen, könn­ten am Ende auch mehr als 30 Kan­di­da­ten in den Land­tag ein­zie­hen. Unter ande­ren Umstän­den könn­te die Par­tei aber auch weni­ger Man­da­te bekom­men, als ihr rech­ne­risch nach dem Zweit­stim­men­er­geb­nis zustün­den.

Urban kün­dig­te an, zusätz­lich zur Beschwer­de beim Wahl­prü­fungs­aus­schuss einen Unter­su­chungs­aus­schuss zu bean­tra­gen, um den “bewuss­ten Rechts­bruch” auf­zu­klä­ren. Die AfD kön­ne selbst­ver­ständ­lich erst dann zufrie­den sein, wenn alle Lis­ten­plät­ze zuge­las­sen sei­en. Einen neu­er­li­chen Gang vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt schloss er aber aus. Die Rich­ter in Karls­ru­he hat­ten das Ansin­nen schon beim ers­ten Mal zurück­ge­wie­sen.

AfD-Bun­des­vor­sit­zen­der Jörg Meu­then warf der Lan­des­wahl­lei­te­rin vor, sie habe “durch ihr nach­weis­lich fal­sches Han­deln zum Nach­teil der AfD” das Anse­hen der Demo­kra­tie in Sach­sen beschä­digt. “Nun ist auch höchst­rich­ter­lich bestä­tigt wor­den, dass der Lan­des­wahl­aus­schuss die AfD recht­lich falsch behan­delt hat”, sag­te er.

Mehr zum The­ma — Frü­he­rer Regie­rungs­chef Sach­sens Kurt Bie­den­kopf warnt vor Wahl der AfD

Die säch­si­sche AfD will sich zudem noch mit ande­ren Mit­teln gegen das Votum des Wahl­aus­schus­ses weh­ren. So will sie nach eige­nem Bekun­den Straf­an­zei­ge wegen des Ver­dachts der Rechts­beu­gung gegen die Lan­des­wahl­lei­te­rin und die Mit­glie­der des Wahl­prü­fungs­aus­schuss stel­len, die den Beschluss mit­ge­tra­gen hat­ten. In dem Gre­mi­um sit­zen Ver­tre­ter von CDU, Lin­ken, SPD und AfD.

Vor den Wah­len wäre theo­re­tisch noch eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de in Karls­ru­he mög­lich gewe­sen. Aller­dings hat das Gericht eine Beschwer­de der AfD in dem Fall bereits abge­wie­sen, die Erfolgs­aus­sich­ten wären eher gering. Am Frei­tag erklär­te die AfD bereits ihren Ver­zicht auf einen noch­ma­li­gen Gang nach Karls­ru­he.

Nach den Land­tags­wah­len besteht die Mög­lich­keit auf ein Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren. Davon will die AfD Gebrauch machen. Soll­te die Über­prü­fung in die­sem Gre­mi­um Feh­ler erge­ben, könn­te das in letz­ter Kon­se­quenz sogar zu einer Neu­wahl füh­ren. Bei bis­he­ri­gen Beschwe­ren vor­an­ge­gan­ge­ner Land­tags­wah­len war das aber noch nicht der Fall.

Beschwer­den beim Wahl­prü­fungs­aus­schuss des Land­ta­ges sind nach einer Wahl nicht unüb­lich. Auch in der ver­gan­ge­nen Legis­la­tur­pe­ri­ode war das so. Der schwer­wie­gends­te Fall betraf die AfD. Sie hat­te zwei Mit­glie­der noch vor der Wahl selbst von der Lan­des­lis­te gestri­chen. Die Betrof­fe­nen leg­ten Beschwer­de beim Wahl­prü­fungs­aus­schuss ein. Die Über­prü­fung zog sich drei Jah­re hin. 

Mehr zum The­ma — RT-Repor­ta­ge : Wie wählt Sach­sen ?

(dpa/ rt deutsch)

RT Deutsch