Ukraine verhängt Kriegsrecht und vom Westen gibt es Säcke voll Geld


von Rai­ner Rupp

Wäh­rend des Kal­ten Krie­ges kur­sier­te nach jeder neu­en US-Pro­vo­ka­ti­on gegen die Sowjet­uni­on unter deut­schen Mit­ar­bei­tern im NATO-Haupt­quar­tier in Brüs­sel der Spruch, dass die Amis es mal wie­der dar­auf ange­legt hät­ten, “bis zum letz­ten Bun­des­wehr­sol­da­ten gegen die Rus­sen zu kämp­fen”. Seit dem Ende des Kal­ten Kriegs haben die USA mit der von Washing­ton geführ­ten NATO ihre Gren­zen weit nach Osten vor­ge­scho­ben, wes­halb sich auch das poten­zi­el­le Kano­nen­fut­ter ver­än­dert hat. Anschei­nend haben die Ukrai­ner in der aktu­el­len Neu­auf­la­ge des Kal­ten Kriegs den Platz der Deut­schen ein­ge­nom­men.

Um das für den zwei­ten Kal­ten Krieg not­wen­di­ge rea­lis­ti­sche Bedro­hungs­po­ten­zi­al gegen Russ­land auf­zu­bau­en, waren es vor allem die USA, die der neo­fa­schis­ti­schen Putsch­re­gie­rung in der Ukrai­ne in den letz­ten vier Jah­ren nicht nur mit umfang­rei­chen Waf­fen­lie­fe­run­gen unter die Arme gegrif­fen, son­dern auch mit grö­ße­ren Aus­bil­dungs­pro­gram­men die ukrai­ni­sche Armee in moder­nen Kampf­tech­ni­ken gedrillt und weit­ge­hend NATO-kom­pa­ti­bel gemacht haben.

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Zugleich wur­de die kor­rup­te Regie­rung in Kiew, die den ukrai­ni­schen Staat erst recht zugrun­de gewirt­schaf­tet hat, trotz anhal­ten­der Miss- und Vet­tern­wirt­schaft mit immer neu­en, groß­zü­gi­gen Mil­li­ar­den-Hil­fen über Was­ser gehal­ten. Nur so konn­te Washing­ton die Faschis­ten und Olig­ar­chen in Kiew an der Macht hal­ten, denen die US-Fal­ken die Rol­le der Kano­nen­fut­ter­lie­fe­ran­ten im neu­en Kal­ten Krieg zuge­dacht haben.

Vie­les deu­tet dar­auf hin, dass die US-Kriegs­trei­ber inzwi­schen bereit sind, in einen Stell­ver­tre­ter­krieg bis zum letz­ten ukrai­ni­schen Sol­da­ten gegen Russ­land zu kämp­fen, ohne selbst direkt in Kriegs­hand­lun­gen ver­wi­ckelt zu wer­den. Sie haben genau das erreicht, was sie Mos­kau unmit­tel­bar nach dem Mai­dan-Putsch ange­droht hat­ten, dass sie näm­lich in Zukunft jeder­zeit vor der Haus­tür Russ­lands zün­deln könn­ten, wenn sich der Kreml dazu anschickt, die US-Welt­herr­schafts­plä­ne zu durch­kreu­zen.

Um aber das ukrai­ni­sche Gangs­ter-Régime bei der Stan­ge zu hal­ten, muss es mit Geld, mit viel Geld gefüt­tert wer­den. Da die USA zusam­men mit dem rest­li­chen “Wer­te­wes­ten” Kraft ihrer Stimm­an­tei­le den Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) kon­trol­lie­ren, kommt das meis­te Geld nicht ein­mal aus dem US-Staats­haus­halt, son­dern vom IWF. In Euro­pa hat sich die EU in Brüs­sel beson­ders groß­zü­gig bei der Ver­ga­be von unse­ren Steu­er­gel­dern gezeigt, mit denen sie in Kiew, der euro­päi­schen Haupt­stadt der finan­zi­el­len Selbst­be­die­nung, ein Fass ohne Boden zu stop­fen ver­sucht.

Am Mitt­woch letz­ter Woche, am sel­ben Tag, als der ukrai­ni­sche Prä­si­dent das neue Gesetz über das Kriegs­recht unter­zeich­net hat­te, hat­te Chris­ti­ne Lagar­de, geschäfts­füh­ren­de Direk­to­rin des IWF, Poro­schen­ko in einem Tele­fon­ge­spräch per­sön­lich eine neu­es Hilfs­pa­cket zuge­sagt. Laut der ukrai­ni­schen Nach­rich­ten­agen­tur UNIAN habe Lagar­de ihm ver­si­chert, dass wich­ti­ge Para­me­ter des ukrai­ni­schen Haus­halts für 2019 auf dem (welch ein Witz ; der Autor) rich­ti­gen Weg sei­en, um ein im letz­ten Monat ver­ein­bar­tes neu­es Hilfs­pro­gramm in Höhe von 3,9 Mil­li­ar­den US-Dol­lar zu ver­ein­ba­ren, “das dem Land dabei hel­fen soll, die Finanz­sta­bi­li­tät und das Ver­trau­en der inter­na­tio­na­len Inves­to­ren ins­be­son­de­re vor einer unsi­che­ren Wahl­pe­ri­ode im nächs­ten Jahr auf­recht­zu­er­hal­ten”. Zugleich habe Frau Lagar­de gegen­über Poro­schen­ko betont, dass “die Ein­füh­rung des Kriegs­rechts die Inter­ak­ti­on mit dem IWF nicht beein­flusst”.

Ange­sichts der frie­ren­den Städ­te, der gras­sie­ren­den Armut der Men­schen und des zuneh­men­den Hun­gers und der Krank­hei­ten wegen Lebens­mit­tel­man­gels ist die­se IWF-Erklä­rung blan­ker Zynis­mus.

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Die neue Ver­ein­ba­rung, die im Okto­ber die­ses Jah­res zwi­schen dem IWF und der Ukrai­ne unter­zeich­net wor­den war, soll sich über 14 Mona­te erstre­cken. Sie tritt an die Stel­le eines frü­he­ren Hilfs­pro­gramms in Höhe von 17,5 Mil­li­ar­den US-Dol­lar aus dem Jahr 2015, das die maro­de Wirt­schaft der Ukrai­ne unter­stüt­zen soll­te. Auch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat Ende Novem­ber wei­te­re 500 Mil­lio­nen Euro für die Ukrai­ne locker­ge­macht. Das ist die ers­te Tran­che des vier­ten Pro­gramms der Mul­ti-Mil­li­ar­den-Euro-Hil­fe für die Put­schis­ten in Kiew.

Trotz all die­ser Hil­fen liegt die Wirt­schaft des Lan­des am Boden. Vor allem wegen des fort­dau­ern­den Krie­ges des faschis­ti­schen Regimes in Kiew gegen gro­ße Tei­le der rus­sisch­spra­chi­gen Bevöl­ke­rung der Ukrai­ne befin­det sie sich in einem hoff­nungs­lo­sen Zustand. In die­ser Situa­ti­on zu erklä­ren – wie es IMF-Che­fin Lagar­de laut den Mel­dun­gen anschei­nend getan hat –, dass Poro­schen­kos “Ein­füh­rung des Kriegs­rechts die Inter­ak­ti­on mit dem IWF nicht beein­flusst”, hat mit ver­ant­wor­tungs­vol­ler Kre­dit­ver­ga­be einer inter­na­tio­na­len Finanz­in­sti­tu­ti­on abso­lut gar nichts mehr zu tun, aber sehr viel mit finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung des “Wer­te­wes­tens” für die Poli­tik der Kriegs­trei­ber gegen Russ­land.

Der Jour­na­list Mark Ames hat offen­sicht­lich die­sel­be Beob­ach­tung gemacht und sie tref­fend wie folgt zusam­men­ge­fasst :

Der IWF hat eine komi­sche Art und Wei­se, immer dann mit Geld­sä­cken und einem Lächeln auf den Fotos auf­zu­tau­chen, wenn pro­west­li­che Gewalt­herr­scher das Kriegs­recht erklä­ren.

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Die Wer­chow­na Rada hat in einer Kri­sen­sit­zung mit deut­li­cher Mehr­heit für eine Aus­ru­fung des Kriegs­rechts gestimmt. Sie folgt damit der Vor­la­ge des Prä­si­den­ten Petro Poro­schen­ko zu. Das Kriegs­recht wird ab sofort bis zum 25. Janu­ar 2019 gel­ten.

Zudem soll das Außen­mi­nis­te­ri­um umge­hend eine Sit­zung des UN-Sicher­heits­rats und des stän­di­gen Rats der Orga­ni­sa­ti­on für Sicher­heit und Zusam­men­ar­beit in Euro­pa (OSZE) ein­lei­ten, hieß es.

Ges­tern kam es zu einer Aus­ein­an­der­set­zung an der Stra­ße von Kertsch am Ein­gang zum Asow­schen Meer. Rus­si­sches Mili­tär eröff­ne­te das Feu­er auf Schif­fe der ukrai­ni­schen Mari­ne, das angeb­lich in rus­si­sches Ter­ri­to­ri­um ein­ge­drun­gen sein soll.

Mos­kau kri­ti­sier­te das Vor­ge­hen Kiews als ein Wahl­kampf­ma­nö­ver der Kie­wer Füh­rung und ukrai­ni­scher Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker. In dem ost­eu­ro­päi­schen Land soll im kom­men­den Früh­jahr die Prä­si­den­ten­wahl statt­fin­den. Dabei könn­te Poro­schen­ko sei­ner Kon­kur­ren­tin Julia Timo­schen­ko unter­lie­gen. In Umfra­gen liegt er weit abge­schla­gen hin­ter der Ex-Minis­ter­prä­si­den­tin.

Russ­lands Außen­mi­nis­ter Ser­gej Law­row rief den Wes­ten auf, die Ukrai­ne vor einer wei­te­ren Eska­la­ti­on in der Meer­enge von Kertsch zu beru­hi­gen. “Die west­li­chen Unter­stüt­zer Kiews sol­len dort jene zur Ver­nunft brin­gen, die aus Kriegs­hys­te­rie poli­ti­schen Pro­fit schla­gen wol­len.”

Das ukrai­ni­sche Recht sieht im Fal­le eines Kriegs­zu­stan­des erheb­li­che Ein­schrän­kun­gen der Rech­te vor. Nicht jede Maß­nah­me muss aus­ge­führt wer­den, aber fol­gen­de Punk­te lie­gen im Hand­lungs­spiel­raum des Prä­si­den­ten :

- Die Bür­ger könn­ten ver­pflich­tet wer­den, sozi­al not­wen­di­ge Arbei­ten zu ver­rich­ten. Jeder arbeits­fä­hi­ge Bür­ger kann gezwun­gen wer­den, in einer Ver­tei­di­gungs­an­la­ge zu arbei­ten, anstatt sei­ne regu­lä­re Arbeit zu ver­rich­ten.

- Der Staat kann bei Bedarf die Kon­trol­le über pri­va­tes, kom­mu­na­les oder staat­li­ches Unter­neh­mens­ei­gen­tum über­neh­men.

- Der Staat könn­te Telekommunikations‑, Rund­funk- und Druck­un­ter­neh­men und Infra­struk­tur, Mas­sen­me­di­en und kul­tu­rel­le Orga­ni­sa­tio­nen für den Kriegs­be­darf regu­lie­ren. Es könn­ten Ein­schrän­kun­gen für den Ama­teur­funk und die Über­tra­gung von Infor­ma­tio­nen über Com­pu­ter­net­ze vor­ge­nom­men wer­den. Der Staat kann die­se Infra­struk­tur auch nut­zen, um Infor­ma­tio­nen für das Mili­tär und/oder die Bevöl­ke­rung zu ver­brei­ten.

- Ein Ver­bot der Durch­füh­rung von Präsidentschafts‑, Par­la­ments- oder Kom­mu­nal­wah­len.

- Ein Ver­bot von natio­na­len und loka­len Refe­ren­den.

- Ein Ver­bot fried­li­cher Pro­tes­te, Mär­sche, Ver­samm­lun­gen und ande­rer Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen.

- Bür­ger eines aus­län­di­schen Staa­tes, der die Ukrai­ne mit Aggres­si­on oder einem Angriff bedroht, könn­ten einer Zwangs­um­sied­lung und Inter­nie­rung aus­ge­setzt sein.

- Eine Aus­gangs­sper­re.

- Ein Ver­bot des Ver­kaufs von Alko­hol.

- Den Bür­gern kann befoh­len wer­den, Mili­tär­per­so­nal oder intern ver­trie­be­ne Zivi­lis­ten in ihren Häu­sern auf­zu­neh­men.

(RT/dpa)

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