Späte Einsicht westlicher Medien : “Moderate Rebellen” nach Überfall auf Kurden plötzlich Terroristen


von Nebo­jša Malić. Über­setzt aus dem Eng­li­schen

An der Spit­ze der tür­ki­schen Inva­si­on ste­hen neben den Tür­ken die “Freie Syri­sche Armee” und ande­re “mode­ra­te” Mili­tan­te, die von den west­li­chen Main­stream-Medi­en seit Jah­ren als Opfer des “völ­ker­mor­den­den Mons­ters” Baschar al-Assad in Damas­kus dar­ge­stellt und mit Pro­pa­gan­da geför­dert wer­den. Jetzt sind die ach so edlen “Rebel­len” jedoch die ein­deu­ti­gen Übel­tä­ter, und Assad ist Teil der ret­tungs­brin­gen­den Kräf­te – zumin­dest wenn es um die Kur­den geht. Dafür bekla­gen die Medi­en den “Ver­rat” des US-Prä­si­den­ten Donald Trump an den kur­di­schen Ver­bün­de­ten. Da bekommt man ja Kopf­schmer­zen !

Gute und böse Ter­ro­ris­ten

Wenn tür­ki­sche Streit­kräf­te gegen die Kur­den kämp­fen, nennt man sie in den Medi­en völ­ker­mör­de­ri­sche Wahn­sin­ni­ge und IS-Hel­fer”, twee­te­te der Poli­tik­pro­fes­sor und Autor Max Abrahms. “Wenn Ver­bün­de­te der tür­ki­schen Trup­pen gegen Assad kämp­fen, nen­nen die Medi­en sie Rebel­len und Revo­lu­tio­nä­re.”

Medi­en wie die Washing­ton Post beschrei­ben jetzt genau die glei­chen Ter­ror­mi­li­zen als “ver­rückt und unzu­ver­läs­sig”, die sie nur weni­ge Mona­te zuvor als “mode­ra­te Rebel­len” ver­tei­digt haben, beton­te der Jour­na­list Aaron Maté :

Seit vie­len Jah­ren sind links­ge­rich­te­te Jour­na­lis­ten und ande­re Schmie­ren­kam­pa­gnen und Angrif­fen aus­ge­setzt, weil sie auf das hin­ge­wie­sen haben, was jetzt offen aner­kannt wird : Mör­de­ri­sche Mili­zen – auch bekannt als ‘mode­ra­te Rebel­len’ –, die frü­her einen von den USA/den Golfstaaten/der Tür­kei unter­stütz­ten Stell­ver­tre­ter­krieg in Syri­en führ­ten, ’sind ver­rückt und unzu­ver­läs­sig’.

Er ver­weist auf den Bericht der Washing­ton Post, in dem es heißt :

Auch wenn der hoch­ran­gi­ge Regie­rungs­be­am­te erklär­te, ‘die Tür­ken haben uns Garan­ti­en gege­ben’, dass US-Kräf­te kei­nen Scha­den neh­men, sei­en die mit ihnen ver­bün­de­ten syri­schen Mili­zen dabei, ‘die Stra­ßen rauf und run­ter zu ren­nen, Hin­ter­hal­te auf­zu­stel­len und Fahr­zeu­ge zu beschie­ßen.’ Die als die Freie Syri­sche Armee bekann­ten Mili­zen sei­en ‘ver­rückt und unzu­ver­läs­sig’.

Es gibt sicher eini­ge Apo­lo­ge­ten der Stell­ver­tre­ter­krie­ge, die vor­her die FSA beju­bel­ten – jetzt aber ange­sichts derer an syri­schen Kur­den ver­üb­ten Grau­sam­kei­ten ziem­lich gequält wir­ken”, twee­te­te Maté. Sie soll­ten jedoch erst dann ernst genom­men wer­den, schrieb der Jour­na­list, wenn sie sich bei den­je­ni­gen ent­schul­digt haben, die sie zuvor als “Assa­dis­ten” ver­schrien – ein­zig und allein dafür, dass sie die gan­ze Zeit recht hat­ten.

Ein­sicht ohne Reue

Ent­schul­digt hat sich zwar nie­mand, doch gab es viel ver­zwei­fel­tes Haa­re­rau­fen bei den west­li­chen Jour­na­lis­ten. Hier kom­men­tiert ein Nut­zer zum Bei­spiel einen Tweet von Dan­ny Gold von PBS New­sHour, der die Ent­de­ckung beklagt, dass ein mili­tan­ter Regie­rungs­geg­ner, in des­sen Ein­heit er einst für Vice als Embed­ded Jour­na­list arbei­te­te, nun an der Inva­si­on der Tür­kei in Nord­sy­ri­en teil­nimmt :

Habe Face­book geöff­net – und gese­hen, dass ein Kämp­fer, in des­sen Ein­heit ich 2013 embed­ded war, in einer der von der Tür­kei unter­stütz­ten Grup­pen aktiv ist, die gera­de Nord­ost­sy­ri­en angrei­fen. Er stammt aus Raʾs al-ʿAin, war ursprüng­lich in einer gemisch­ten kur­disch-ara­bi­schen FSA-Grup­pe, die dort 2013 gegen die YPG kämpf­te.

Ver­rat, Ter­ror und Völ­ker­mord und ihre wah­ren Opfer

Wenn man die­se Woche die west­li­che Main­stream-Pres­se so liest, könn­te man mei­nen, dass sie die wah­ren Opfer der Ent­wick­lun­gen der letz­ten Woche sind – und nicht etwa die syri­schen Kur­den, deren Schick­sal sie bekla­gen –, weil das Nar­ra­tiv, das sie seit 2011 erar­bei­tet und gepflegt haben, nun aus­ein­an­der­fällt. Der tür­ki­sche Ein­marsch ent­hüll­te nicht nur die wah­re Natur der “gemä­ßig­ten Rebel­len”: Er dien­te auch als Anlass zum all­ge­mei­nen Rück­zug der USA aus Syri­en und einem Deal zwi­schen den Kur­den und der syri­schen Regie­rung, den Washing­ton zuvor jah­re­lang blo­ckier­te.

Die­sel­ben Jour­na­lis­ten, die Assad jah­re­lang als völ­ker­mör­de­ri­schen Kriegs­ver­bre­cher ver­teu­fel­ten und Trump eine gan­ze Woche lang beschul­dig­ten, die Kur­den dem tür­ki­schen “Völ­ker­mord” aus­zu­lie­fern, arbei­ten sich nun dar­an ab, dass die Syrisch-Ara­bi­sche Armee zur Ver­tei­di­gung der Kur­den vor dem Angriff der Tür­kei in deren Sied­lungs­ge­bie­te ein­ge­rückt ist.

Es erüb­rigt sich fast zu sagen : Die Sache läuft nicht so gut.

Trump hat die Kur­den in die Arme Russ­lands getrie­ben”, twit­ter­te Edward Luce, Chef­ko­lum­nist der Finan­ci­al Times. Er beschrieb die aktu­el­le Ent­wick­lung in Syri­en als eine Kata­stro­phe von glo­ba­lem Aus­maß, als eine Ent­flech­tung der Welt­ord­nung gar, die nur dem Kreml zugu­te­kom­me.

Ich weiß nicht, ob es zu spät ist, den guten Leu­mund, den Ame­ri­ka in den meis­ten Tei­len der Welt hat­te, wie­der­her­zu­stel­len”, erklär­te Luce am Mon­tag auf Twit­ter. Der Jour­na­list schrieb dazu wei­ter :

Her­vor­zu­he­ben ist das Aus­maß der Kata­stro­phe, die Trump in der Woche seit sei­nem Anruf bei Erdoğan aus­ge­löst hat. 1. Den IS wie­der­be­lebt. 2. Assads Griff um Syri­en gefes­tigt. 3. Russ­land ein wei­te­res Mal geo­po­li­ti­schen Rücken­wind ver­lie­hen. 4. Die Kur­den ver­ra­ten. 5. Die Macht der USA uner­mess­lich beschä­digt.

Der Jour­na­list Max Blu­men­thal beschrieb Luces Tweets als Aus­druck der “Panik über das Schwin­den eines Impe­ri­ums”. Man beach­te : Es sind dort weni­ge oder gar kei­ne Sor­gen um das Wohl­erge­hen der Syrer fest­zu­stel­len, die seit über acht Jah­ren unter Stell­ver­tre­ter­krie­gen und dem IS-Ter­ror lei­den, ja nicht ein­mal Mit­ge­fühl mit den Kur­den, deren Leid ja der ursprüng­li­che Anlass für all das Haa­re­rau­fen war – bis genau zu dem Zeit­punkt, als sie den Deal mit Damas­kus ein­gin­gen.

Es ist schon schwer zuzu­ge­ben, dass man falsch gele­gen hat – des­halb tun die meis­ten Jour­na­lis­ten das auch nie. Viel ein­fa­cher ist es, Russ­land zu beschul­di­gen – wie sie es seit den US-Prä­si­dent­schafts­wah­len im Jahr 2016 tun. Schon das Bre­x­it-Refe­ren­dum zeig­te, wie schreck­lich weit sie sich von ihren eige­nen Gesell­schaf­ten ent­fernt hat­ten. Und was Syri­en gezeigt hat, ist das Aus­maß, in dem dies auch für die inter­na­tio­na­le Bericht­erstat­tung gilt. Auf eine Ent­schul­di­gung ihrer­seits kann man aller­dings lan­ge war­ten – sie sind doch die wah­ren Opfer bei der gan­zen Sache, schon ver­ges­sen ?

Nebo­jša Malić ist ein ser­bisch-US-ame­ri­ka­ni­scher Jour­na­list und poli­ti­scher Kom­men­ta­tor.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln. 

Mehr zum The­ma – Wegen Syri­en-Offen­si­ve : USA erwä­gen Abzug von Atom­waf­fen aus der Tür­kei

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Plumpe Provokation : Medien wollen russische Spezialeinheiten in Norwegen entdeckt haben


Die nor­we­gi­sche Online-Zei­tung Ald­ri­Mer berich­te­te am 27. Sep­tem­ber von “tak­ti­schen” Mili­tär­ein­hei­ten aus Russ­land, die ver­deckt in dem skan­di­na­vi­schen Land agiert haben sol­len. Die angeb­li­chen Ein­sät­ze hät­ten nicht nur auf Spitz­ber­gen, son­dern auch auf dem Fest­land statt­ge­fun­den. Im jüngs­ten Fall hät­ten die Sol­da­ten Zivil getra­gen. Dabei hät­ten die Rus­sen kri­ti­sche Infra­struk­tur­ob­jek­te unter­sucht. Das Blatt berief sich in sei­nem sen­sa­ti­ons­ver­däch­ti­gen Bericht auf “vier unab­hän­gi­ge Quel­len aus drei ver­schie­de­nen Län­dern”. Es lägen dar­über hin­aus Bewei­se vor, die US-Auf­klä­rungs­flug­zeu­ge beschafft hät­ten. Im Arti­kel wur­de unter ande­rem ein beson­de­res rus­si­sches U‑Boot vom Typ P‑650 erwähnt, das dem ver­deck­ten Trans­port von Mili­tär­per­so­nal die­nen soll. Eine Quel­le in der nor­we­gi­schen Regie­rung soll gegen­über Ald­ri­Mer behaup­tet haben, dass die Behör­den um die angeb­li­chen Geheim­ein­sät­ze wüss­ten. Nichts­des­to­we­ni­ger woll­te weder das nor­we­gi­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um noch der natio­na­le Nach­rich­ten­dienst den Bericht kom­men­tie­ren.

Im Gegen­satz zu den nor­we­gi­schen Behör­den äußer­te sich die rus­si­sche Bot­schaft in Oslo ein­deu­tig zu dem Bericht. Es han­de­le sich um eine gro­be Pro­vo­ka­ti­on, der Arti­kel habe nichts mit der Wirk­lich­keit zu tun. Die Bot­schaft stell­te klar :

Wir betrach­ten den Bericht als Teil der von bestimm­ten Krei­sen in Nor­we­gen geführ­ten sys­te­ma­ti­schen Arbeit zur Eta­blie­rung des Feind­bil­des gegen Russ­land. Wir schlie­ßen auch nicht aus, dass die­ser Fake ein plum­per Ver­such ist, im Vor­feld der Bekannt­ma­chung des Ver­tei­di­gungs­etats und der Emp­feh­lun­gen zum lang­fris­ti­gen Ent­wick­lungs­plan der Streit­kräf­te, zusätz­li­che Aus­ga­ben für den Kampf gegen die ‘rus­si­sche Bedro­hung’ zu recht­fer­ti­gen. Wir fin­den, dass sol­che Metho­den der jour­na­lis­ti­schen Ethik wider­spre­chen.

In einem Kom­men­tar für die rus­si­sche Nach­rich­ten­agen­tur RIA Nowos­ti nann­te der Mili­tär­ex­per­te und Chef­re­dak­teur des Maga­zins Natio­na­le Ver­tei­di­gung, Igor Korot­schen­ko, den Ald­ri­Mer-Bericht eine “klas­si­sche Zei­tungs­en­te” und einen “Rück­fall in die Zei­ten des Kal­ten Krie­ges” mit sei­nem Rus­sen­hass und Spio­na­ge­wahn­sinn. Der Exper­te ver­mu­tet, dass man zeit­nah ein amt­li­ches Demen­ti von­sei­ten des nor­we­gi­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums und der NATO erwar­ten kön­ne. Igor Korot­schen­ko sag­te :

Ande­ren­falls wür­den sie ihre vol­le Inkom­pe­tenz bestä­ti­gen, falls in Nor­we­gen rus­si­sche Spe­zi­al­ein­hei­ten am Werk sein soll­ten, wäh­rend die nor­we­gi­schen Pro­fis und ihre NATO-Kol­le­gen nichts davon wüss­ten. Das wäre ein Repu­ta­ti­ons­ver­lust für die NATO.

Mehr zum The­ma — Ent­täu­schung beim Main­stream : Putins ver­meint­li­che Geheim­waf­fe ent­puppt sich als The­ra­pie­wal

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Syrien : Russland testet neuestes Raketenabwehrsystem S‑500 – Medien


In Syri­en sind die wich­tigs­ten Ele­men­te des neu­es­ten rus­si­schen Fla-Rake­ten­sys­tems S‑500 „Pro­me­theus“ getes­tet wor­den. Dies schreibt Mos­kau­er Tages­zei­tung „Iswes­ti­ja“ unter Beru­fung auf Quel­len aus dem rus­si­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um und der Mili­tär­in­dus­trie am Diens­tag.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken


Ukrainische Medien verbreiten Ente : Ukrainische Soldaten seien “faule Drückeberger”


In sei­nem Blog “Per­so­nal Blog – Robert K. Tra­cy” ver­öf­fent­lich­te der Oberst­leut­nant offi­zi­el­le Erklä­run­gen der US Army, dar­un­ter auch zur Ukrai­ne. Bevor er im April in das ost­eu­ro­päi­sche Land kam und die Füh­rung der JMTG‑U in der Nähe der Stadt Lwow über­nahm, war er Kom­man­deur des 502. Infan­te­rie­re­gi­ments der berühm­ten 101. Luft­lan­de­di­vi­si­on. Bei der Über­ga­be­ze­re­mo­nie des Kom­man­dos über das “Yaro­viv Com­bat Trai­ning Cen­ter” von der Ten­nes­see Natio­nal Guard an Oberst­leut­nant Tra­cy sag­te er :

Wir freu­en uns auf die Mög­lich­keit, auf ihrem Erfolg (der Ten­nes­see Natio­nal Guard/Anm.) auf­zu­bau­en, indem wir unse­re Bemü­hun­gen mit allen unse­ren Part­nern hier ver­bin­den, um die Fähig­kei­ten des Yaro­viv Com­bat Trai­ning Cen­ter zu ver­bes­sern.

Das war am 2. Mai. Seit­dem folg­ten noch wei­te­re Infobei­trä­ge über sei­ne Zeit in der Ukrai­ne, bis am 23. August ein Bei­trag erschien, in dem er sich Luft über die ukrai­ni­schen Sol­da­ten zu ver­schaf­fen schien. In der Ukrai­ne sorg­te der Arti­kel für enor­men Unmut, weil er teil­wei­se schon fast ras­sis­ti­sche Unter­tö­ne auf­wies, obwohl er auch Punk­te (Alko­hol­miss­brauch und Kor­rup­ti­on) ansprach, die durch­aus ein Pro­blem bei den Streit­kräf­ten dar­stel­len. Hier eini­ge kur­ze Aus­zü­ge aus dem Bei­trag :

Ukrai­ni­sche Sol­da­ten sind fau­le Drü­cke­ber­ger, die wider­wil­lig arbei­ten, (und) sie nei­gen dazu, jede Bewe­gung ihrer US-Instruk­to­ren absicht­lich zu sabo­tie­ren. Unter Berück­sich­ti­gung ihrer Geld­gier muss man sich des­sen bewusst sein, dass das ukrai­ni­sche Mili­tär dazu neigt, alles zu steh­len und zu ver­kau­fen, sobald sie den­ken, dass sie ein gutes Geschäft machen kön­nen. (…) Die meis­ten Ukrai­ner sind schlecht aus­ge­bil­det und von nie­de­rem Intel­lekt. Die ein­fachs­ten Auf­ga­ben schei­nen sie zu über­for­dern. Das ist kein Wun­der, wenn man berück­sich­tigt, dass die Mehr­heit der Sol­da­ten aus benach­tei­lig­ten Schich­ten kommt, wäh­rend der bes­te Teil der Bevöl­ke­rung das Land für ein bes­se­res Leben im Aus­land ver­las­sen hat.

Obwohl Tra­cys Blog nach die­sem Vor­fall gelöscht wur­de, kann man nach wie vor die archi­vier­ten Sei­ten im Inter­net fin­den. Dabei fällt auf, dass sämt­li­che ver­füg­ba­ren älte­ren Ein­trä­ge des Blogs offi­zi­el­len Cha­rak­ter hat­ten und kei­ner­lei per­sön­li­che Infor­ma­tio­nen ent­hiel­ten. Nur die­ser eine Bei­trag vom 23. August wur­de plötz­lich in per­sön­li­cher Form ver­fasst. Wo zuvor nur loben­de – weil offi­zi­el­le – Wor­te ver­wen­det wur­den, waren es zuletzt lau­ter Vor­wür­fe. Die Art und Wei­se, wie der Text for­mu­liert wurd, hät­te in den Redak­tio­nen zumin­dest Fra­ge­zei­chen aus­lö­sen sol­len. Statt­des­sen wur­de der Bei­trag unkom­men­tiert über­nom­men. 

Task Force Caren­tan, wie die 150 Mann star­ke US-Trup­pe in der Ukrai­ne unter dem Kom­man­do von Oberst­leut­nant Tra­cy heißt, sah sich nach dem Sturm der Ent­rüs­tung ver­an­lasst, am 28. August eine Pres­se­mit­tei­lung zu ver­öf­fent­li­chen, in der man sich von die­sem Arti­kel distan­zier­te.

Vor Kur­zem hat jemand, der sich als Kom­man­deur der Joint Mul­ti­na­tio­nal Trai­ning Group-Ukrai­ne aus­gibt, ver­sucht, die Mis­si­on und die Streit­kräf­te der Ukrai­ne zu dis­kre­di­tie­ren. Das ist ein Betrü­ger, und er reprä­sen­tiert nicht die Task Force Caren­tan oder die JMTG‑U. Unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge sind offi­zi­el­le Pres­se­er­klä­run­gen der US Army und die Auf­trit­te auf Face­book, Flickr, Twit­ter und Ins­tra­gram.

RT Deutsch frag­te beim 7. Army Trai­ning Com­mand im baye­ri­schen Gra­fen­wöhr nach, der zustän­di­gen Stel­le der US-Armee, und woll­te wis­sen, ob sie bestä­ti­gen kön­nen, wer der Ver­fas­ser des Blogs war. Laut Ant­wort der Pres­se­spre­che­rin war Oberst­leut­nant Robert Tra­cy nicht “Autor des betrü­ge­ri­schen Blogs”.

Ob Tra­cy tat­säch­lich nichts mit dem Blog zu tun hat­te, kann nicht veri­fi­ziert wer­den. Es kann ange­sichts des offi­zi­el­len Cha­rak­ters der Mel­dun­gen über Mona­te hin­weg nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass es nicht doch sein Blog war und er Mel­dun­gen über sei­ne Arbeit ver­öf­fent­lich­te. Und wenn er nicht der Ver­fas­ser des letz­ten Bei­trags war, wür­de es bedeu­ten, dass der Blog gehackt wur­de, um ihn und die ukrai­ni­schen Sol­da­ten in ein schlech­tes Licht zu rücken. Auf jeden Fall wur­de der Blog nach die­sem Vor­fall auf Druck der US-Armee gelöscht.

RT Deutsch


Medien schauen nur auf Brasilien – aber auch in Angola und im Kongo brennt der Regenwald


Seit Anfang des Jah­res wur­den bereits über 6000 Qua­drat­ki­lo­me­ter der ein­zig­ar­ti­gen Natur zer­stört. Der Wert die­ses Ver­lus­tes für den Pla­ne­ten ist kaum zu bemes­sen. Und auch die Emis­sio­nen berei­ten gro­ße Sor­ge. Neben Bra­si­li­en brennt auch in Ango­la und im Kon­go der Regen­wald. Doch die dor­ti­gen Feu­er sto­ßen bei den Medi­en auf kaum Inter­es­se. Dabei ist die Ursa­che in bei­den Fäl­len ein­deu­tig der Mensch. Gro­ße Feu­er kom­men in den feuch­ten Tro­pen­wäl­dern ohne Zutun des Men­schen nicht vor.

RT Deutsch


Medienanalyse in Russland : Sind Nutzer regierungskritischer Medien eigentlich Oppositionelle ?


Das renom­mier­te rus­si­sche Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Lewa­da-Zen­trum ana­ly­siert seit vie­len Jah­ren Ver­än­de­run­gen im Medi­en­ver­hal­ten der Rus­sen. Die Ergeb­nis­se der letz­ten Erhe­bung, die am 1. August auf der Web­sei­te des Insti­tuts ver­öf­fent­licht wur­den, stel­len im Ver­gleich zum Jahr 2009 erheb­li­che Abwei­chun­gen in der Art und Wei­se, wie sich die Bür­ger Russ­lands infor­mie­ren, dar. 

So bleibt das Fern­se­hen zwar immer noch mit Abstand das bedeu­tends­te Medi­um in Russ­land, hat jedoch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an sei­nem Ein­fluss zuguns­ten des Inter­nets stark ein­ge­büßt : Wäh­rend es vor zehn Jah­ren für 94 Pro­zent der Befrag­ten die bedeu­tends­te Infor­ma­ti­ons­quel­le war, gilt dies heu­te nur noch für 72 Pro­zent.

Es bleibt jedoch anzu­mer­ken, dass das Fern­se­hen im Land mit sei­nen rie­si­gen Gebie­ten, die wenig mit­ein­an­der ver­knüpft sind, bis­lang wich­ti­ge Funk­tio­nen hat­te. In der Zeit der sozia­lis­ti­schen Sowjet­uni­on waren bis in den kleins­ten Ort das Radio und Zei­tun­gen zugäng­lich, und damit war das Infor­mie­ren der Bür­ger mit wich­ti­gen Nach­rich­ten sicher­ge­stellt. Nach der Wen­de zum Kapi­ta­lis­mus zer­brach der gro­ße Zei­tungs­markt, und das Kabel­fern­se­hen über­nahm fak­tisch die Funk­ti­on jenes Medi­ums, das die Men­schen im gesam­ten Land errei­chen und ver­bin­den konn­te.

Der­zeit sind es vor allem vier staats­na­he Kanä­le, Per­wy Kanal, Ros­si­ja 1, NTW und Ros­si­ja 24, die über die größ­te Popu­la­ri­tät und Trag­wei­te ver­fü­gen. Deren Bericht­erstat­tung gerät in den letz­ten Jah­ren aller­dings zuneh­mend in Kri­tik, da sie bei­spiels­wei­se über öko­no­mi­sche Pro­ble­me oder die Oppo­si­ti­on nicht ange­mes­sen berich­te­ten. Dem­zu­fol­ge hat das rus­si­sche föde­ra­le Fern­se­hen in punc­to Glaub­wür­dig­keit bei den Zuschau­ern 25 Pro­zent im Ver­gleich zum Jahr 2009 ein­ge­büßt, nun sind es nur noch (oder immer­hin) 55 Pro­zent der Nut­zer, die sel­bi­ges für glaub­wür­dig hal­ten.

Zum Stel­len­wert der media­len Regie­rungs­kri­tik

Die Hälf­te der Rus­sen glaubt, dass bei den wich­tigs­ten Fern­seh­ka­nä­len eine Zen­sur herrscht, fast genau­so vie­le hal­ten sie aber auch für not­wen­dig – zum Zweck der Staats­ver­tei­di­gung und Ord­nungs­er­hal­tung, ergab eine Medi­en­stu­die des Insti­tuts im Jahr 2017. “Objek­ti­ve­re” Infor­ma­tio­nen zu The­men wie Kor­rup­ti­on und Berei­che­rung unter Staats­be­am­ten, Oppo­si­ti­on oder zur wirt­schaft­li­chen Lage suchen die Nut­zer im Inter­net oder bei “unab­hän­gi­gen” Fern­seh- und Radio­sen­dern, wobei als “unab­hän­gig” jene Medi­en gel­ten, die alter­na­ti­ve Mei­nun­gen zu offi­zi­el­len Nar­ra­ti­ven prä­sen­tie­ren. 

32 Pro­zent der Rus­sen infor­mie­ren sich pri­mär über Inter­net­por­ta­le. Die popu­lärs­ten Por­ta­le in Russ­land sind laut einer aktu­el­len Stu­die Nach­rich­ten­diens­te von den zwei rus­si­schen Inter­ne­trie­sen Yandex und Mail.Ru – mit jeweils 39 und 15 Pro­zent. Die­se Diens­te bie­ten aber laut Ein­schät­zung des Umfra­ge­insti­tuts kei­ne tief­grei­fen­de Ana­ly­tik, son­dern rela­tiv belie­big sor­tier­te Nach­rich­ten. An drit­ter Stel­le ist die Online­zei­tung Lenta.ru mit zehn Pro­zent – ein über die Jah­re hin­weg sta­bi­ler Wert. Das Lewa­da-Insti­tut betont, die Neu­aus­rich­tung des Por­tals nach dem Besit­zer­wech­sel zu einer weni­ger regie­rungs­kri­ti­schen Bericht­erstat­tung habe ihm kei­nen Besu­cher­ein­bruch beschert. Ein Groß­teil der Mit­ar­bei­ter des regie­rungs­kri­ti­schen Medi­ums meduza.io arbei­te­te frü­her für Lenta.ru und ist nur bei einem Pro­zent der Nut­zer beliebt. Ins­ge­samt befin­det sich der Ein­fluss der Online­me­di­en seit Jah­ren in einem star­ken Auf­wärts­trend.

Zu “unab­hän­gi­gen” Medi­en haben min­des­tens zwei Drit­tel der Rus­sen Zugang, 35 Pro­zent nut­zen sie regel­mä­ßig, wobei sechs Pro­zent ihre Infor­ma­tio­nen aus drei und mehr Quel­len erhal­ten. In Mos­kau liegt der Anteil der Nut­zer “unab­hän­gi­ger” Medi­en bei knapp 60 Pro­zent – mit einer mehr­fa­chen Nut­zung von 16 Pro­zent.

Im Jahr 2014 stell­te das Lewa­da-Insti­tut fest, dass die Unter­stüt­zung von oppo­si­tio­nel­len Kan­di­da­ten und der regu­lä­re Kon­sum sol­cher Online­me­di­en mit einer kla­ren regie­rungs­kri­ti­schen und “libe­ra­len” Aus­rich­tung wie Inter­net­por­ta­le des Radio­sen­ders Echo Moskwy oder des Fern­seh­sen­ders Doschd im Zusam­men­hang ste­hen. Unab­hän­gi­ge Medi­en könn­ten sogar die Mei­nungs­ba­lan­ce bei maxi­mal rele­van­ten The­men beein­flus­sen – wenn sie bei­spiels­wei­se nicht ver­schwie­gen wer­den kön­nen und auch off­line Gesprächs­stoff bie­ten. 

Aber ins­ge­samt genießt die Regie­rung auch bei die­sen Nut­zern mehr­heit­li­che Unter­stüt­zung, wenn­gleich auch weni­ger als regu­lär – zu die­sem Schluss ist das Insti­tut in sei­ner Ana­ly­se des Jah­res 2017 gekom­men.

Auch die Nut­zung der vom Insti­tut als unab­hän­gig bezeich­ne­ten Fern­seh­sen­der wie Doschd, RTVI, RBK, Kul­tu­ra oder BBC wur­de ana­ly­siert. “In Bezug auf den Groß­teil der ‘unab­hän­gi­gen Fern­seh­ka­nä­le’ ist es unmög­lich zu sagen, dass sie nur Geg­ner der rus­si­schen Regie­rung schau­en, deren Zuschau­er sind Men­schen mit unter­schied­li­chen poli­ti­schen Ansich­ten und Vor­lie­ben”, so das Insti­tut. Auch unter ihnen wer­de der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin favo­ri­siert, die oppo­si­tio­nel­len Ein­stel­lun­gen bei die­ser Zuschau­er­schaft sei­en über­schätzt.

Die Ana­ly­se der Kon­su­men­ten der ‘unab­hän­gi­gen Medi­en’ lässt schluss­fol­gern, dass sich um sie her­um nicht homo­ge­nes libe­ra­les Publi­kum bil­det, son­dern eine Zuschau­er­schaft mit unter­schied­li­chen poli­ti­schen Ansich­ten”, schreibt das Lewa­da-Zen­trum.

Die größ­ten rus­si­schen staat­li­chen Fern­seh­sen­der blei­ben bei der Inter­pre­ta­ti­on von Ereig­nis­sen nach wie vor die Favo­ri­ten. Und das trotz der sich abzeich­nen­den Kri­se des Fern­se­hens, die sich auch in sin­ken­den Wer­be­ein­nah­men mani­fes­tiert. Das bestä­tigt auch die Lis­te der ange­se­hens­ten Jour­na­lis­ten, die fast aus­schließ­lich aus den Talk­mas­tern der meist­ge­se­he­nen poli­ti­schen Talk­shows der drei Kanä­le Ros­si­ja 1, Per­wy Kanal und NTW besteht. Die­se Talk­shows sind sogar außer­halb Russ­lands für deren hohe Emo­tio­na­li­tät bekannt.

Bei die­sen Shows gibt es für die Zuschau­er die Mög­lich­keit, zumin­dest in der ver­kürz­ten Form, “alter­na­ti­ve” Mei­nun­gen zu hören. Die Hin­wen­dung zu “unab­hän­gi­gen” Medi­en und Infor­ma­ti­ons­quel­len ist für die meis­ten Nut­zer ein Zusatz, der einen unver­fälsch­ten Blick auf das Gesche­hen im In- und Aus­land aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve bie­tet.

Medienanalyse in Russland: Sind Nutzer regierungskritischer Medien eigentlich Oppositionelle?
Das Jahr 2008, das Inter­net macht Fern­se­hen noch kei­ne Kon­kur­renz. Akti­on der oppo­si­tio­nel­len Kom­mu­nis­ti­schen Duma-Par­tei KPRF “Marsch auf Ostan­ki­no” gegen ver­zer­ren­de Bericht­erstat­tung, deren sie ihrer Mei­nung nach zum Opfer fal­len. Ostan­ki­no ist der Haupt­sitz vie­ler Fern­seh­stu­di­os in Mos­kau.

Wer­den Video­blog­ger poli­ti­scher ?  

Und wo befin­det sich in die­ser Kon­stel­la­ti­on die rus­si­sche Jugend ? Wäh­rend der letz­ten Pro­tes­te in Mos­kau wegen Nicht­zu­las­sung eini­ger Direkt­kan­di­da­ten zu den Wah­len im Stadt­rat waren über­wie­gend jun­ge Gesich­ter zu sehen. Das Lewa­da-Zen­trum attes­tiert jedoch der rus­si­schen Jugend, ins­ge­samt weni­ger poli­tisch als älte­re Genera­tio­nen zu sein – zumin­dest laut der Stu­die aus dem Jahr 2017. Jun­ge Men­schen bis zu 24 Jah­ren nut­zen täg­lich das Inter­net, ins­be­son­de­re ver­schie­dens­te sozia­le Netz­wer­ke.

Die­se gibt es in Russ­land in gro­ßer Zahl – VKon­tak­te (Anteil von 67 Pro­zent), Odno­klass­ni­ki (52), gefolgt von You­Tube, Insta­gram, Face­book, Moj Mir (Mail.Ru), Twit­ter und Tik­Tok. Hin­zu kom­men popu­lä­re Mes­sen­ger­diens­te wie Whats­App und Viber. Und in der letz­ten Zeit wird gera­de im poli­ti­schen Bereich Tele­gram immer popu­lä­rer.

Eine gan­ze Rei­he von Video­blog­gern ist dabei in den letz­ten Jah­ren durch sozia­le Netz­wer­ke zu Mei­nungs­ma­chern inner­halb des jun­gen Publi­kums auf­ge­stie­gen. Die Blog­ger betä­ti­gen sich in den Berei­chen Life­style, Musik und Gesund­heit oder enga­gie­ren sich bei The­men des sozia­len Mit­ein­an­ders (Sto­pHam), nur weni­ge äußern sich poli­tisch – so wie der You­Tube-Star und Sport­jour­na­list Juri Dudj, der am 10. August bei der Kund­ge­bung in Mos­kau für freie Wah­len auf­ge­tre­ten ist. Sein You­Tube-Kanal hat der­zeit 5,7 Mil­lio­nen Abon­nen­ten.

Die Lewa­da-Umfra­gen zum Medi­en­ver­hal­ten beschei­ni­gen den Rus­sen eine hohe Inter­netaf­fi­ni­tät und ein gewis­ses Maß an Medi­en­kom­pe­tenz. Das zeigt unter ande­rem eine schwa­che Kor­re­la­ti­on zwi­schen poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen der Bür­ger und bestimm­ten Vor­lie­ben bei der Medi­en­nut­zung. Eine brei­te Palet­te der “unab­hän­gi­gen” Medi­en dient dabei dem Hin­ter­fra­gen und der Kor­rek­tur der herr­schen­den poli­ti­schen Nar­ra­ti­ve, die von den rus­si­schen “Main­stream­me­di­en” pro­pa­giert wer­den.

Mehr zum The­ma — Peters­bur­ger Dia­log : Deutsch­land und Russ­land nähern sich Gesprä­chen auf Augen­hö­he (Video)

RT Deutsch


Bildungsmonitor 2019 : Wie Arbeitgeber der Politik mithilfe der Medien Vorgaben machen


Unter Beru­fung auf den Bil­dungs­mo­ni­tor 2019 mel­de­ten in die­ser Woche zahl­rei­che Medi­en, dass die Quo­te der Schul­ab­bre­cher in Deutsch­land dras­tisch ange­stie­gen ist, von 5,7 Pro­zent im Jahr 2016 auf 6,3 Pro­zent im Jahr 2017. Damit liegt die Gesamt­quo­te laut der Stu­die noch um ein Drit­tel unter der des Jah­res 2001.

Bil­dungs­mo­ni­tor pran­gert alar­mie­ren­de Ergeb­nis­se an und ver­schreibt För­de­rung wei­te­rer Ver­gleichs­ar­beit

Den­noch bezeich­ne­te Huber­tus Pel­len­gahr die Ergeb­nis­se der Stu­die als “alar­mie­rend”, die er als Geschäfts­füh­rer der “Initia­ti­ve Neue Sozia­le Markt­wirt­schaft” (INSM) in Ber­lin vor­stell­te. Denn der Anteil von Schul­ab­bre­chern bei Aus­län­dern sei sogar von 14,2 auf über 18 Pro­zent ange­stie­gen ; in Thü­rin­gen waren es in die­ser Grup­pe fast 47 Pro­zent und in Sach­sen-Anhalt 40 Pro­zent, deut­lich nied­ri­ger lag der Anteil dage­gen in Hes­sen mit zehn und in Ham­burg mit zwölf Pro­zent.

In der Haupt­stadt ist der Anteil der Schul­ab­bre­cher ins­ge­samt, und vor allem der aus­län­di­schen Schul­ab­bre­cher, erschre­ckend hoch.

Pel­len­gahr kri­ti­siert die Bil­dungs­po­li­tik der Län­der Ber­lin, Bran­den­burg und Bre­men, die weni­ger gut abschnit­ten als die dies­jäh­ri­gen Sie­ger Sach­sen und Bay­ern :

Die Schluss­lich­ter set­zen die fal­schen Prio­ri­tä­ten, expe­ri­men­tie­ren her­um, küm­mern sich nicht genug um die Schwächs­ten.

Der Fehl­ent­wick­lung dürf­ten “die zustän­di­gen Poli­ti­ker in Bund und Län­dern nicht taten­los zuse­hen. Die bis­he­ri­gen Anstren­gun­gen rei­chen offen­sicht­lich nicht aus”, mahn­te Pel­len­gahr. Die “Initia­ti­ve Neue Sozia­le Markt­wirt­schaft” ver­öf­fent­licht ihren Bil­dungs­mo­ni­tor jähr­lich. Dazu wer­den die 16 Bun­des­län­der anhand von 93 Indi­ka­to­ren mit­ein­an­der ver­gli­chen und jeweils ana­ly­siert, “wie erfolg­reich jedes Bun­des­land sein Bil­dungs­sys­tem so aus­ge­stal­tet, dass dar­aus opti­ma­le Wachs­tums- und Beschäf­ti­gungs­im­pul­se ent­ste­hen”.

Mehr zum The­ma — Stu­die : Weni­ge Flücht­lin­ge schaf­fen den Auf­stieg im Job – Schnel­les Geld­ver­die­nen hat Vor­rang

Laut ZDF unter Beru­fung auf die Deut­sche Pres­se-Agen­tur gibt die Stu­die durch den Ver­gleich der Zah­len mit denen des Vor­jah­res “auch dar­über Aus­kunft, wel­ches Bun­des­land die größ­ten Ver­bes­se­run­gen in sei­nem Bil­dungs­sys­tem erreicht hat”. Was nach Wett­be­werb klingt, scheint auch dar­an ange­lehnt zu sein.

Die Autoren emp­feh­len zur Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on unter ande­rem eine bes­se­re Durch­läs­sig­keit des Bil­dungs­sys­tems, den wei­te­ren Aus­bau von Ganz­tags­schu­len, eine Bil­dungs­fi­nan­zie­rung, wel­che sich beson­ders an Schu­len in sozia­len Brenn­punk­ten und mit hohem Migran­ten­an­teil ori­en­tiert, sowie mehr Ver­gleichs­ar­bei­ten und ent­spre­chen­de För­de­rung dafür. Zudem for­dert die Initia­ti­ve das Schul­fach Wirt­schaft in allen Bun­des­län­dern.

Auch wenn es in der aktu­el­len Bericht­erstat­tung so wir­ken mag, ist die INSM kein Erstel­ler von Stu­di­en als neu­tra­les öffent­li­ches Gut, son­dern eine durch­aus kon­tro­ver­se Quel­le. Es heißt bei­spiels­wei­se im ZDF-Bericht, der Bil­dungs­mo­ni­tor sei an der Wirt­schaft ori­en­tiert, doch das ist noch längst nicht alles, was der Leser wis­sen soll­te.

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Zwar schreibt sich die INSM selbst die “sozia­le Markt­wirt­schaft” auf die Fah­nen. Sie ist aber eine von Arbeit­ge­ber­ver­bän­den getra­ge­ne Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on, die ent­spre­chen­de Inter­es­sen ver­folgt, die im All­ge­mein­ver­ständ­nis nicht als vor­ran­gig “sozi­al” gel­ten. Dabei wen­det die Initia­ti­ve Metho­den an, die teils sehr umstrit­te­nen und kaum an der von der ihr gerühm­ten Frei­heit ori­en­tiert sind, zumin­dest wenn es um Kri­tik geht.

So hat die INSM, die in der Selbst­dar­stel­lung von “sozia­lem Zusam­men­halt, fai­rem Mit­ein­an­der sowie respekt­vol­lem Dia­log” schreibt, kri­ti­sche Jour­na­lis­ten ein­zu­schüch­tern ver­sucht. Laut dem Online-Lexi­kon Lob­by­pedia war sie sich auch nicht zu scha­de, Such­ma­schi­nen-Ergeb­nis­se zu den eige­nen Guns­ten zu beein­flus­sen.

Zusam­men­hang zwi­schen Ursa­chen der Ergeb­nis­se und Paro­len der Auf­trag­ge­ber

Laut Lob­by­pedia flie­ßen in die Arbeit der INSM in ers­ter Linie die Inter­es­sen der Arbeit­ge­ber an mehr soge­nann­ter “Eigen­ver­ant­wor­tung”, an Abbau sozia­ler Leis­tun­gen, Rück­zug des Staa­tes und weni­ger Mit­be­stim­mung ein. Gleich­zei­tig wer­den dem­nach Arbeits‑, Ver­brau­cher- und Umwelt­schutz sowie sozia­le Absi­che­rung der Beschäf­tig­ten nicht berück­sich­tigt oder sogar nega­tiv dar­ge­stellt.

Den­noch arbei­tet die INSM mit unter­schied­li­chen Medi­en­häu­sern wie in der Ver­an­stal­tungs­rei­he “Wahl­are­na 2017” mit dem Axel-Sprin­ger-Ver­lag zusam­men und ver­sorgt Jour­na­lis­ten mit fer­ti­gen Bei­trä­gen, und nicht immer ist die Quel­le dabei aus­drück­lich benannt.

Bereits 2007 bemän­gel­ten die Nach­Denk­Sei­ten im Rah­men der Stu­di­en­ge­büh­ren­kam­pa­gne der INSM, wie “die mit 8,8 Mil­lio­nen im Jahr vom Arbeit­ge­ber­ver­band der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie finan­zier­te, sich selbst als ’neo­li­be­ral’ beken­nen­de Gehirn­wasch­agen­tur” mit “Täu­schungs­ma­nö­vern” für die eige­nen Sachen wirbt. Lob­by­Con­trol kri­ti­sier­te, dass sogar Ver­brau­cher­zen­tra­len und zahl­rei­che Medi­en Kam­pa­gnen der INSM kri­tik­los unter­stüt­zen und über­neh­men, ohne den Hin­ter­grund zu nen­nen, dar­un­ter der Tages­spie­gel und Zeit Online. Indem Medi­en die Bot­schaft als redak­tio­nel­len Bei­trag ver­öf­fent­lich­ten, gelin­ge es der INSM, ihre kei­nes­wegs neu­tra­len Bot­schaf­ten von “not­wen­di­gen Refor­men”, “Vor­fahrt für den Markt”, dem “demo­gra­fi­schen Wan­del” und der Not­wen­dig­keit pri­va­ter Vor­sor­ge, “markt­wirt­schaft­li­chen Lösun­gen” bei der Nach­hal­tig­keit oder dem “schlan­ken Staat” und ande­re zu ver­brei­ten.

Mehr zum The­ma — Neo­li­be­ra­les Netz­werk für gelenk­te “Sys­tem­kri­tik”

Nach die­sem Exkurs über die Auf­trag­ge­ber der Stu­die bleibt die Fra­ge, war­um aus­ge­rech­net die INSM der­art unkri­tisch vor­ge­ben kann, was für eine Gesell­schaft gut ist. Und der Kreis des neo­li­be­ra­len Gesell­schafts­bilds der INSM, die für die Dere­gu­lie­rung des Arbeits­mark­tes, Sen­kung der Lohn- oder der Loh­ne­ben­kos­ten und Locke­rung des Kün­di­gungs­schut­zes wirbt, scheint sich mit Blick auf dem Kom­men­tar der Bil­dungs­se­na­to­rin Ber­lins zu den Grün­den der Ergeb­nis­se für die Haupt­stadt zu schlie­ßen :

Bei uns wächst jedes drit­te Kind in Armut auf. Das ist nicht nur sozi­al unge­recht, das sind auch für die Schu­len schwie­ri­ge Rah­men­be­din­gun­gen.

RT Deutsch