Ägypter haben entschieden : Präsident Al-Sisi soll mehr Macht bekommen


Bei einer Wahl­be­tei­li­gung von 44 Pro­zent stimm­ten 27 Mil­lio­nen Ägyp­ter und Ägyp­te­rin­nen bei der Volks­ab­stim­mung für die Ver­fas­sungs­än­de­rung, die dem amtie­ren­den Prä­si­den­ten Al-Sisi unter ande­rem eine Ver­län­ge­rung sei­ner Amts­zeit bis 2030 ermög­licht. Ins­ge­samt wur­den vier Pro­zent der abge­ge­be­nen Stimm­zet­tel für ungül­tig erklärt.

Umfra­gen bei den Wahl­bü­ros vom Wochen­en­de erga­ben, dass vie­le Men­schen gar nicht so recht ver­stan­den haben, wor­um es bei dem Refe­ren­dum geht. Dafür wur­den ihnen von Mit­ar­bei­tern der Regie­rung nach der Stimm­ab­ga­be Pake­te mit Öl, Zucker, Ghee und Reis über­ge­ben. 

Kri­ti­ker warn­ten im Vor­feld, dass mit den Ver­fas­sungs­än­de­run­gen die ohne­hin schon auto­ri­tä­re Herr­schaft des Staats­chefs wei­ter aus­ge­baut wür­de. Neben der Ver­län­ge­rung der Amts­zeit erhält Al-Sisi auch mehr Ein­fluss auf die Beset­zung von Spit­zen­äm­tern in der Jus­tiz. Zudem könn­ten Zivi­lis­ten noch leich­ter vor Mili­tär­ge­rich­ten lan­den, und die Rol­le der ohne­hin schon mäch­ti­gen Armee wer­de wei­ter gefes­tigt. Die Anhän­ger des Staats­chefs argu­men­tie­ren dage­gen, dass mit den Ände­run­gen die Sta­bi­li­tät des nord­afri­ka­ni­schen Lan­des gestärkt wer­de.

Ägyp­tens Par­la­ment hat­te die Ver­fas­sungs­än­de­rung erst vor einer Woche abge­seg­net. Mehr als 60 Mil­lio­nen Ägyp­ter waren anschlie­ßend auf­ge­ru­fen, in einem Refe­ren­dum über die Ände­run­gen abzu­stim­men.

Al-Sisi war 2013 an die Macht gekom­men, als die Armee unter sei­ner Füh­rung nach Mas­sen­pro­tes­ten den frei­ge­wähl­ten Prä­si­den­ten Moham­med Mur­si gestürzt hat­te. 2018 wur­de der 64 Jah­re alte Al-Sisi bei einer gelenk­ten Abstim­mung mit rund 97 Pro­zent wie­der­ge­wählt.

Unter der auto­kra­ti­schen Füh­rung Al-Sisis geht Ägyp­ten mit har­ter Hand gegen Kri­ti­ker vor. Zehn­tau­sen­de sit­zen in Haft. Auch die Mei­nungs­frei­heit und das Demons­tra­ti­ons­recht sind stark ein­ge­schränkt. Zu Al-Sisis Pres­ti­ge­pro­jek­ten gehört unter ande­rem der Bau einer neu­en Haupt­stadt öst­lich von Kai­ro.

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(rt deutsch/dpa)

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Teneriffa nicht mehr so schön wie früher”: Geflohener Häftling stellt sich der Polizei


Nach sei­nem zehn­jäh­ri­gen Auf­ent­halt auf der Kana­ren-Insel wol­le der Mann knapp vor sei­nem Pen­si­ons­al­ter wie­der nach Öster­reich zurück. Er hat­te am Sams­tag­abend zwei Rei­se­kof­fer bei sich und gab an, kurz zuvor am Flug­ha­fen Mün­chen gelan­det zu sein. “Laut Anga­ben des flüch­ti­gen Straf­ge­fan­ge­nen sei Tene­rif­fa nicht mehr so schön wie frü­her, und er habe lan­ge genug dort gelebt”, schrieb die Poli­zei in ihrer Mit­tei­lung.

Der 64-Jäh­ri­ge wur­de nach einer Über­prü­fung sei­ner Geschich­te in die Jus­tiz­an­stalt Salz­burg gebracht. Geflo­hen war er im Jahr 2008 aus der Jus­tiz­an­stalt Schwarzau am Stein­feld süd­lich von Wien. Unklar blieb zunächst, wie­so der Mann im Gefäng­nis war und wie lan­ge er dort noch hät­te blei­ben müs­sen. Eine zusätz­li­che Haft­stra­fe durch sei­ne Flucht hat er jeden­falls nicht zu befürch­ten : Wie ein Spre­cher der Poli­zei der öster­rei­chi­schen Nach­rich­ten­agen­tur APA sag­te, ist ein Gefäng­nis­aus­bruch in Öster­reich straf­frei. 

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(rt deutsch / dpa)

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Sri Lanka — Mehr als 180 Tote und über 450 Verletzte


Am Oster­sonn­tag tref­fen inner­halb einer hal­ben Stun­de Explo­sio­nen drei Kir­chen und drei Luxus­ho­tels in Sri Lan­ka. Der Staats­prä­si­dent spricht von “Angrif­fen”.

Min­des­tens 185 Men­schen ums Leben gekom­men. Unter den Toten waren nach Behör­den­an­ga­ben auch min­des­tens elf Aus­län­der. Zudem wur­den bei den Explo­sio­nen mehr als 450 Men­schen ver­letzt, wie aus Anga­ben der ört­li­chen Kran­ken­häu­ser wei­ter her­vor­geht. Woher die Aus­län­der stamm­ten, war zunächst unklar. Der süd­asia­ti­sche Insel­staat ist ein belieb­tes Tou­ris­ten­ziel, auch für Deut­sche und ande­re Euro­pä­er. Die Blut­ta­ten waren der ers­te grö­ße­re Anschlag seit Jah­ren.

Explo­sio­nen gab es in zwei katho­li­schen und einer christ­li­chen Kir­che : in der St.-Antonius-Kirche in der Haupt­stadt Colom­bo, der St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilo­me­ter von der Haupt­stadt ent­fern­ten Negom­bo sowie der Zions­kir­che in Bat­ti­ca­loa, rund 250 Kilo­me­ter öst­lich von Colom­bo. In den Kir­chen fan­den gera­de Oster­got­tes­diens­te statt. Die meis­ten Opfer gab es in den Kir­chen. Außer­dem gab es Explo­sio­nen in den Luxus­ho­tels Shan­gri-La, Cin­na­mon Grand und Kings­bu­ry in Colom­bio. Dort sol­len auch Aus­län­der ver­letzt wor­den sein.

Die Explo­sio­nen fan­den fast zeit­gleich statt — nach ers­ten Berich­ten inner­halb von einer hal­ben Stun­de. Die ers­te wur­de aus der Kir­che in Colom­bo gemel­det, die übri­gen alle inner­halb von nur 30 Minu­ten.

Zunächst bekann­te sich nie­mand zu den Angrif­fen. Die Behör­den spra­chen zunächst nicht von einem Ter­ror­akt. Staats­prä­si­dent Mai­thri­pa­la Siri­sena sprach von “Angrif­fen”. Die Streit­kräf­te und die Poli­zei wür­den der “Ver­schwö­rung” auf den Grund gehen.

Die Ober­be­fehls­ha­ber der Streit­kräf­te hiel­ten mit meh­re­ren Minis­tern eine Kri­sen­sit­zung ab, wie der Minis­ter Har­sha de Sil­va auf Twit­ter schrieb. In einer Kir­che in Colom­bo habe es “schreck­li­che Sze­nen” gege­ben. Die­se sei mit Kör­per­tei­len über­sät gewe­sen.

Nur etwa sie­ben Pro­zent der Bevöl­ke­rung Sri Lan­kas sind Chris­ten. Die Mehr­heit sind Bud­dhis­ten. Jedes Jahr rei­sen Zehn­tau­sen­de Deut­sche in das frü­he­re Cey­lon. Der Insel­staat von der Grö­ße Bay­erns hat gut 20 Mil­lio­nen Ein­woh­ner. Er bie­tet neben tro­pi­schen Strän­den unter ande­rem meh­re­re UNESCO-Welt­erbe­stät­ten, sechs Kul­tur- und zwei Natur­denk­mä­ler.

Die blu­ti­ge Angriffs­se­rie stieß welt­weit auf Ent­set­zen. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas ver­ur­teil­te sie aufs Schärfs­te. “Die Nach­rich­ten aus Sri Lan­ka machen fas­sungs­los. Wir sind in Gedan­ken bei den Ange­hö­ri­gen der Opfer und hof­fen mit den Ver­letz­ten”, schrieb er auf Twit­ter.

Am Oster­fest so viel Hass zu erle­ben, schmer­ze. Der SPD-Poli­ti­ker erklär­te wei­ter :

Die­se nie­der­träch­ti­ge Tat rich­te­te sich offen­bar gezielt gegen Men­schen, die sich am Oster­sonn­tag in der Kir­chen dem Gebet und der Besin­nung wid­me­ten, sowie gegen Rei­sen­de. Nichts kann die geziel­te Ermor­dung unschul­di­ger Men­schen recht­fer­ti­gen.”

Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er kon­do­lier­te dem Prä­si­den­ten Sri Lan­kas und schrieb : “Fas­sungs­los und vol­ler Ent­set­zen ver­fol­ge ich die schreck­li­chen Nach­rich­ten über die fei­gen Ter­ror­an­schlä­ge in Sri Lan­ka, bei denen so vie­le unschul­di­ge Men­schen den Tod fan­den und vie­le mehr ver­letzt wur­den. Beson­ders nie­der­träch­tig ist, dass zahl­rei­che fried­lich Beten­de in Got­tes­häu­sern am Oster­sonn­tag Ziel die­ser hin­ter­häl­ti­gen Angrif­fe wur­den.” Deutsch­land ste­he an der Sei­te Sri Lan­kas, “in der Ent­schlos­sen­heit, dem men­schen­ver­ach­ten­den Ter­ror ent­ge­gen­zu­tre­ten”. Der Spre­cher von Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU), Stef­fen Sei­bert, schrieb auf Twit­ter : “Ter­ro­ris­mus, reli­giö­ser Hass und Into­le­ranz dür­fen nicht sie­gen.”

Auch der Vor­sit­zen­de der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD), Hein­rich Bed­ford-Strohm, zeig­te sich betrof­fen und erklär­te. “Auch die schlimms­te Gewalt wird uns nicht dazu brin­gen, vor dem Hass zu kapi­tu­lie­ren.”

Isra­els Staats­prä­si­dent Reu­ven Riv­lin sprach von einem “abscheu­li­chen Ver­bre­chen”. Die Anschlä­ge hät­ten auch jenen gegol­ten, die am Oster­sonn­tag bete­ten, schrieb er auf Twit­ter. “Wir sind alle Kin­der Got­tes ; eine Atta­cke auf eine Reli­gi­on ist eine Atta­cke auf uns alle.”

Der tür­ki­sche Prä­si­dent Recep Tayy­ip Erdo­gan schrieb auf Twit­ter : “Das ist ein Angriff auf die gesam­te Mensch­heit.” Afgha­ni­stans Prä­si­dent Aschraf Gha­ni schrieb, Angrif­fe auf Got­tes­dienst­be­su­cher sei­en schreck­lich. Sein Land ste­he “an die­sem dunk­len Tag” in Soli­da­ri­tät an der Sei­te Sri Lan­kas.

Das Aus­wär­ti­ge Amt aktua­li­sier­te kurz nach den Atta­cken sei­ne Rei­se­h­in­wei­se. Rei­sen­de wer­den gebe­ten, die Anschlags­or­te weit­räu­mig zu mei­den, die loka­len Medi­en zu ver­fol­gen, engen Kon­takt zu Rei­se­ver­an­stal­tern und Flug­ge­sell­schaf­ten zu hal­ten und Anwei­sun­gen von Sicher­heits­kräf­ten Fol­ge zu leis­ten”, schrieb das Minis­te­ri­um. Die Lage sei unüber­sicht­lich. “Mit weit­rei­chen­den Sicher­heits­maß­nah­men wie Absper­run­gen, aber auch Ein­schrän­kun­gen im Flug­ver­kehr und ver­stärk­ten Kon­trol­len vor dem Betre­ten des Flug­ha­fen­ge­bäu­des und dem Abflug ist zu rech­nen.”

Die deut­sche Bot­schaft in Sri Lan­ka steht nach Anga­ben von Maas mit den loka­len Behör­den in Kon­takt und bemü­he sich mit Hoch­druck um Auf­klä­rung, ob auch Deut­sche betrof­fen sind. Das Aus­wär­ti­ge Amt rich­te­te einen Kri­sen­stab ein. Besorg­te Ange­hö­ri­ge kön­nen sich unter 030 – 50000 mel­den, die Tele­fon- und Inter­net­ver­bin­dun­gen schei­nen aller­dings über­las­tet zu sein.

Sri Lan­kas Bür­ger­krieg war 2009 nach 26 Jah­ren zu Ende gegan­gen. Die Rebel­len­grup­pe Befrei­ungs­ti­ger von Tamil Eelam (LTTE) hat­te für einen unab­hän­gi­gen tami­li­schen Staat im Nor­den des Lan­des gekämpft. Die Armee ging gegen die Auf­stän­di­schen mit aller Här­te vor und besieg­te sie schließ­lich. Die UN wirft bei­den Sei­ten Kriegs­ver­bre­chen vor.

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Referendum über Verfassungsänderungen in Ägypten : Staatsoberhaupt kann mehr Befugnisse bekommen


Ägyp­tens Par­la­ment hat die Ver­fas­sungs­än­de­run­gen erst an die­sem Diens­tag mit einer Zwei­drit­tel­mehr­heit beschlos­sen. Dadurch wird die Amts­zeit des Prä­si­den­ten von vier auf sechs Jah­re ver­län­gert. Der Staats­chef bekommt mehr Ein­fluss auf die Beset­zung von hohen Ämtern im Jus­tiz­we­sen. Außer­dem soll es wie­der einen Vize­prä­si­den­ten und einen Senat mit ein­ge­schränk­ten Befug­nis­sen geben. Für Frau­en, Arbei­ter, Bau­ern, Chris­ten, Jugend­li­che und Behin­der­te wird es Quo­ten im Par­la­ment geben. Zudem erhält das Mili­tär wei­te­re Befug­nis­se. Ent­schei­dend wird sein, wie hoch die Wahl­be­tei­li­gung aus­fällt.

Die Wahl­be­rech­tig­ten kön­nen ihre Stim­me von 09:00 Uhr bis 21:00 Uhr abge­ben. Dazwi­schen gibt es eine ein­stün­di­ge Mit­tags­pau­se. Wäh­rend der Abstim­mung gel­ten lan­des­weit erhöh­te Sicher­heits­vor­keh­run­gen. Für die Ord­nung sor­gen die Poli­zei und die Streit­kräf­te. (TASS/dpa/RIA Nowos­ti)

Mehr zum The­ma — Kein Inter­es­se an Span­nun­gen mit dem Iran : Ägyp­ten will nicht Teil ara­bi­scher NATO wer­den 

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Taxis von Frauen für Frauen : Arabische Uber-Fahrerinnen müssen künftig keine Männer mehr befördern


Uber führ­te die neue Funk­ti­on, bei der Fah­re­rin­nen alle männ­li­chen Kun­den blo­ckie­ren kön­nen, nach mona­te­lan­ger For­schung ein. Der Dienst hat­te fest­ge­stellt, dass etwa drei Vier­tel aller Frau­en in Sau­di-Ara­bi­en kei­ne Män­ner als Pas­sa­gie­re beför­dern wol­len. Gleich­zei­tig bestä­tig­ten bei einer Umfra­ge 31 Pro­zent aller Frau­en, dass sie an einem Job als Taxi­fah­re­rin­nen Inter­es­se hät­ten.

Die neue Tech­no­lo­gie ist Teil der “Masaruky”-Initiative von Uber, die dar­auf abzielt, mehr Frau­en als Fah­re­rin­nen ein­zu­stel­len. Abdella­tif Waked, Uber-Mana­ger für Nah­ost und Nord­afri­ka, erklär­te bei der Ankün­di­gung der neu­en Funk­ti­on :

Die­se neu ein­ge­führ­te Funk­ti­on wird Frau­en als Uber-Fah­rer neue Türen und Mög­lich­kei­ten eröff­nen und gleich­zei­tig loka­le und kul­tu­rel­le Nor­men berück­sich­ti­gen.”

Er fuhr wei­ter fort :

Dies ist erst der Anfang und wir wer­den wei­ter­hin mit Exper­ten zusam­men­ar­bei­ten, um unse­re exter­ne For­schung wirk­sam ein­zu­set­zen und sicher­zu­stel­len, dass dies im Inter­es­se der Fah­re­rin­nen im König­reich ist.”

Frau­en dür­fen erst seit dem letz­ten Jahr in Sau­di-Ara­bi­en ans Steu­er. Das König­reich war welt­weit das letz­te Land, in dem Frau­en nicht Auto fah­ren durf­ten.

Mehr zum The­ma — Sau­di­sche App zur Kon­trol­le über Frau­en : Goog­le-Regeln “nicht ver­letzt”

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Made in Serbia : Immer mehr deutsche Firmen zieht es auf den Balkan


Von Moj­ra Bozic

Lan­ge Zeit galt Öster­reich als größ­ter Aus­lands­in­ves­tor in Ser­bi­en, doch inzwi­schen wur­de es von Deutsch­land abge­löst. Das Inter­es­se der deut­schen Wirt­schaft für das West­bal­kan-Land, das eine Voll­mit­glied­schaft in der Euro­päi­schen Uni­on als eines der pri­mä­ren Zie­le ver­folgt, ist groß. Die Bun­des­re­pu­blik ist der füh­ren­de Wirt­schafts­part­ner des süd­ost­eu­ro­päi­schen Lan­des. Dies beton­te auch der ser­bi­sche Außen­mi­nis­ter Ivi­ca Dačić bei einer Ver­an­stal­tung der “Ber­li­ner Wirt­schafts­ge­sprä­che”.

Der Ver­ein lud die­se Woche in die ser­bi­sche Bot­schaft in Ber­lin ein, um zum The­ma “Per­spek­ti­ven Ser­bi­ens für die Auf­nah­me in die Euro­päi­sche Uni­on” zu dis­ku­tie­ren. Inzwi­schen gebe es 400 deut­sche Unter­neh­men in Ser­bi­en, die ins­ge­samt rund 60.000 Beschäf­tig­te haben, sag­te der ser­bi­sche Außen­mi­nis­ter.

Deutsch­land ist für uns ein wich­ti­ges Land in viel­fa­cher Hin­sicht. Seit Jah­ren zählt es zu den wich­tigs­ten ser­bi­schen Wirt­schafts­part­nern”, sag­te Dačić. “Im Jahr 2018 betrug das Han­dels­vo­lu­men fast fünf Mil­li­ar­den Euro.”

Somit liegt Deutsch­land auf Platz eins der bila­te­ra­len Han­dels­part­ner Ser­bi­ens. Die zuletzt bekann­ten offi­zi­el­len Zah­len zei­gen, dass Ser­bi­en im Jahr 2017 ein Han­dels­de­fi­zit von 218,8 Mil­lio­nen Euro ver­zeich­net hat­te. Die Expor­te des süd­ost­eu­ro­päi­schen Lan­des nach Deutsch­land betru­gen 1,88 Mil­li­ar­den Euro (ein Plus von 7,9 Pro­zent zum Vor­jahr), wäh­rend Ser­bi­en aus Deutsch­land Waren im Wert von 2,45 Mil­li­ar­den Euro (ein Plus von 12,1 Pro­zent zum Vor­jahr) impor­tiert hat­te.

Deut­sche Unter­neh­men errich­ten ver­mehrt Pro­duk­ti­ons­an­la­gen vor Ort

Die deut­sche Wirt­schaft zieht es seit dem Sturz des jugo­sla­wi­schen Prä­si­den­ten Slo­bo­dan Miloše­vić ver­mehrt in das Bal­kan­land. In den 2000er Jah­ren waren die deut­schen Inves­ti­tio­nen nach Ser­bi­en vor allem markt­ori­en­tiert. Deut­sche Unter­neh­men wie Hen­kel, Knauf oder Sta­da erwar­ben bestehen­de ser­bi­sche Fir­men, um loka­le und regio­na­le Märk­te zu belie­fern. In den letz­ten Jah­ren aber haben deut­sche Inves­ti­tio­nen in Pro­duk­ti­ons­an­la­gen vor Ort stark zuge­nom­men. So haben inzwi­schen bei­spiels­wei­se Sie­mens, Bosch, Auto­zu­lie­fe­rer Drä­ex­lmai­er und Leo­ni oder Strumpf­wa­ren-Her­stel­ler Fal­ke Fer­ti­gungs­stät­ten in Ser­bi­en.

Allein der Nürn­ber­ger M-Dax-Kon­zern Leo­ni, der Dräh­te, Kabel und Bord­netz-Sys­te­me vor­wie­gend für die Auto­mo­bil­bran­che her­stellt, hat seit dem Jahr 2009 rund 90 Mil­lio­nen Euro in das Bal­kan­land (mit rund sie­ben Mil­lio­nen Ein­woh­nern — ohne Koso­vo) inves­tiert. Der­zeit hat Leo­ni drei Pro­duk­ti­ons­stät­ten in Ser­bi­en mit cir­ca 6.000 Beschäf­tig­ten. Ende 2019 soll ein vier­tes Werk sei­ne Arbeit auf­neh­men, das laut Ankün­di­gung in den fol­gen­den Jah­ren etwa 4.000 Men­schen einen Job besche­ren soll.

Die ser­bi­sche Regie­rung und der Prä­si­dent Alek­san­dar Vučić tun alles, um inter­na­tio­na­le Kon­zer­ne davon zu über­zeu­gen, Fer­ti­gungs­stät­ten in Ser­bi­en zu errich­ten — vor allem durch üppi­ge Sub­ven­tio­nen. Fai­rer­wei­se muss man hier anmer­ken, dass die frü­he­ren Regie­run­gen mit die­ser Vor­ge­hens­wei­se begon­nen haben. Die jet­zi­ge, ange­führt von der Ser­bi­schen Fort­schritts­par­tei (SNS) von Vučić, führt die­se Pra­xis nur kon­se­quent wei­ter. So wer­den den poten­zi­el­len Inves­to­ren aus dem Aus­land etwa kos­ten­lo­se Grund­stü­cke für Pro­duk­ti­ons­hal­len, vom Staat finan­zier­te Zufahrt­stra­ßen, Strom- oder Was­ser­lei­tun­gen sowie Steu­er­erleich­te­run­gen in Aus­sicht gestellt. Der Staat sub­ven­tio­niert zudem mit meh­re­ren Tau­send Euro jeden neu geschaf­fe­nen Arbeits­platz.

Bil­li­ge Arbeits­kräf­te, aber sin­ken­de Arbeits­lo­sen­quo­te

In Ser­bi­en gibt es in den letz­ten Jah­ren aber zuneh­mend Kri­tik an dem Kurs der Regie­rung. Ser­bi­en ent­wi­ckelt sich nach Ansicht regie­rungs­kri­ti­scher Wirt­schafts­ex­per­ten und Ana­lys­ten zu einer ver­län­ger­ten Werk­bank aus­län­di­scher Groß­kon­zer­ne mit bil­li­gen Arbeits­kräf­ten. Anfang der Jah­res betrug der Min­dest­lohn in Ser­bi­en umge­rech­net 244 Euro net­to. Durch­schnitt­lich bekommt man knapp 400 Euro net­to monat­lich. 

Wenn Sie das gan­ze Land den Inter­es­sen der glo­ba­la­gie­ren­den Unter­neh­men anpas­sen, und die suchen nur eines — Arbeits­kraft im Alter zwi­schen 18 und 38 Jah­ren — also jene, die ein lin­kes Rad mon­tie­ren sol­len, wer­den dann die Ande­ren, jene, die an der Spit­ze sein sol­len, Inge­nieu­re und Ärz­te, wei­ter­hin das Land ver­las­sen. Dann bleibt nur die Arbeits­kraft. Wenn Sie in der Pro­duk­ti­ons­ket­te nur einen klei­nen Teil abbe­kom­men, geht all das Resul­tat aber anders­wo­hin”, sag­te bereits 2017 Miodrag Zec, Pro­fes­sor an der Fakul­tät für Phi­lo­so­phie der Uni­ver­si­tät Bel­grad, im Fern­seh­sen­der N1.

Die Regie­rung aber ver­weist stets auf die schrump­fen­de Zahl der Arbeits­lo­sen in Ser­bi­en. Laut dem Außen­mi­nis­ter Dačić sei in den letz­ten sie­ben Jah­ren die Arbeits­lo­sen­quo­te von 23 auf 12 Pro­zent gesun­ken. Des­we­gen rief er deut­sche Unter­neh­mer dazu auf, wei­ter­hin in sein Land zu inves­tie­ren.

Mehr zum The­ma — Inter­view : Zwei ser­bi­sche Blog­ger über ihr Land und EU : “Nie­mand will nur bil­li­ge Arbeits­kraft sein”

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Wagenknecht : Linke spricht nicht mehr die Sprache der ärmeren Schichten


Die Vor­sit­zen­de der Links­frak­ti­on Sah­ra Wagen­knecht hat ihrer Par­tei vor­ge­hal­ten, nicht mehr aus­rei­chend die Inter­es­sen der Ärme­ren zu ver­tre­ten. Der Neu­en Osna­brü­cker Zei­tung sag­te Wagen­knecht :

Die Lin­ke hat sich von den ärme­ren Schich­ten teil­wei­se ent­frem­det, weil sie oft nicht deren Spra­che spricht und von ihnen als beleh­rend und von oben her­ab emp­fun­den wird.

Aus Sicht der Lin­ken-Abge­ord­ne­ten gibt es im Bun­des­tag eine “brei­te Mehr­heit für mehr sozia­len Aus­gleich, bes­se­re Löh­ne, höhe­re Ren­ten”. Die SPD habe aller­dings vie­le Jah­re real­po­li­tisch das Gegen­teil umge­setzt.

Sah­ra Wagen­knecht hat­te unlängst nach einer län­ge­ren Krank­heit ange­kün­digt, im Herbst aus gesund­heit­li­chen Grün­den nicht erneut als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de antre­ten zu wol­len. Ihr Man­dat im Bun­des­tag will sie aber behal­ten.

In der Par­tei umstrit­ten ist unter ande­rem für ihr Ein­tre­ten für eine Begren­zung der Migra­ti­on. In der Neu­en Osna­brü­cker Zei­tung ging sie scharf mit ihren Kri­ti­kern ins Gericht. Wagen­knecht wört­lich :

Wer jeden, der eine dif­fe­ren­zier­te Sicht auf Migra­ti­on ein­for­dert, in die Nazi-Ecke stellt, begreift nicht, dass er genau damit die rech­ten Par­tei­en stärkt.

Mehr zum The­ma — Nach Rück­zug aus “Aufstehen”-Führung : Kri­tik und Häme für Wagen­knecht

(rt deutsch/dpa)

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