Ein zynisches Spiel“ – Warum der Migrationspakt keine Lösung ist


Am 10. Dezem­ber soll der UN-Migra­ti­ons­pakt in Marok­ko unter­zeich­net wer­den. Exper­ten sind erstaunt, war­um das Abkom­men plötz­lich so umstrit­ten ist. Denn der Pakt ent­hal­te weder gro­ße Ände­run­gen noch Lösun­gen zur Migra­ti­on. Der öster­rei­chi­sche Poli­tik­be­ra­ter Gerald Knaus prä­sen­tiert statt­des­sen eine ande­re Stra­te­gie – ohne Ita­li­en und Ungarn.
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Slowakischer Außenminister tritt im Streit um Migrationspakt zurück


Das Par­la­ment in Bra­tis­la­va hat­te zuvor mit gro­ßer Mehr­heit gegen die Annah­me des UN-Migra­ti­ons­pakts gestimmt. Der glo­ba­le Pakt für siche­re, geord­ne­te und regu­lä­re Migra­ti­on ste­he in sei­ner der­zei­ti­gen Fas­sung “nicht im Ein­klang mit der Sicher­heits- und Migra­ti­ons­po­li­tik der Slo­wa­ki­schen Repu­blik”, heißt es in einer von den regie­ren­den Sozi­al­de­mo­kra­ten und Rechts­po­pu­lis­ten vor­ge­leg­ten Par­la­ments­er­klä­rung, für die am Don­ners­tag 90 der 150 Abge­ord­ne­ten stimm­ten. Nur 15 waren dage­gen.

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Der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Regie­rungs­chef Peter Pel­le­gri­ni erklär­te nach der Abstim­mung, die Hal­tung der Regie­rung stim­me völ­lig mit der Ansicht des Par­la­ments über­ein. Die von Regie­rungs- wie auch Oppo­si­ti­ons­ab­ge­ord­ne­ten beschlos­se­ne Ableh­nung des Pakts durch das Par­la­ment bestä­ti­ge einen “brei­ten Kon­sens in der Außen­po­li­tik”, sag­te Pel­le­gri­ni.

Der 55 Jah­re alte Berufs­di­plo­mat Laj­cak hat­te bis Sep­tem­ber den jeweils ein Jahr dau­ern­den Vor­sitz der UN-Voll­ver­samm­lung inne, als dort die glo­ba­le Ver­ein­ba­rung aus­ge­ar­bei­tet wur­de. In der slo­wa­ki­schen Poli­tik geriet er mit sei­ner Hal­tung jedoch in Iso­la­ti­on. Die emo­tio­nal geführ­te Debat­te über den Pakt kri­ti­sier­te Laj­cak als “popu­lis­ti­schen Wett­lauf um Wäh­ler­stim­men”. (dpa)

RT Deutsch


Debatte im Bundestag – Scharfe Kritik der Opposition und Merkels Werben um den Migrationspakt


Es war Ange­la Mer­kels ers­te Bun­des­tags­re­de seit sie am 29. Okto­ber ver­kün­det hat­te, nach 18 Jah­ren auf den CDU-Vor­sitz zu ver­zich­ten. Die Kanz­le­rin wirk­te dabei fast befreit und gab sich für ihre Ver­hält­nis­se lei­den­schaft­lich. Die Gene­ral­de­bat­te über den Haus­halts­ent­wurf nutz­te sie dafür, um unter ande­rem ein­dring­lich für den auch in der Uni­on umstrit­te­nen UN-Migra­ti­ons­pakt zu wer­ben.

Die­ser Pakt für Migra­ti­on, genau­so wie der Pakt für Flücht­lin­ge, ist der rich­ti­ge Ant­wort­ver­such, (…) glo­ba­le Pro­ble­me auch inter­na­tio­nal und mit­ein­an­der zu lösen”. Die, die glaub­ten, sie könn­ten alles allei­ne lösen, wür­den nur an sich den­ken, kri­ti­sier­te Mer­kel. “Das ist Natio­na­lis­mus in reins­ter Form.”

Die UN wol­le mit dem Migra­ti­ons­pakt erst­mals Grund­sät­ze für den Umgang mit Migran­ten fest­le­gen, so Mer­kel. Sie beton­te aber auch, dass der Pakt recht­lich nicht bin­dend sei und natio­na­le Gesetz­ge­bung nicht berüh­re. “Es wird übri­gens nichts unter­zeich­net, nichts unter­schrie­ben, es ist nicht recht­lich bin­dend.” Der Pakt sei in “natio­na­lem Inter­es­se”, weil er die Bedin­gun­gen auf der Welt für Flucht und Arbeits­mi­gra­ti­on ver­bes­sern kön­ne.

Sor­ge der Kanz­le­rin um die Welt und vor Rück­kehr des Natio­na­lis­mus

Besorgt äußer­te sich die Kanz­le­rin über den Zustand der Welt, wo es wegen vie­ler Ein­zel­in­ter­es­sen und einer Rück­kehr des Natio­na­lis­mus zuneh­mend schwie­rig wer­de, glo­ba­le Abkom­men zu schlie­ßen. Die Welt des Kal­ten Krie­ges sei schreck­lich gewe­sen, “aber sie war über­sicht­lich”. Heu­te gebe es ver­schie­de­ne Zen­tren, von denen nicht klar sei, wie sie mit­ein­an­der inter­agie­ren wer­den. Es kom­me auf jedes Land an, ein star­kes Euro­pa sei für Deutsch­land ent­schei­dend.

Mer­kel ver­wies auf die Anstren­gun­gen des schwarz-roten Bünd­nis­ses bei der Ent­las­tung der Fami­li­en und den Ver­bes­se­run­gen bei der Ren­te. Noch vor Weih­nach­ten wer­de die Regie­rung das geplan­te Fach­kräf­te­zu­wan­de­rungs­ge­setz beschlie­ßen. Bei der Digi­ta­li­sie­rung ste­he Deutsch­land in einem glo­ba­len Wett­be­werb. “Die Zeit drängt.”

SPD-Che­fin Andrea Nah­les lob­te den Haus­halt der Koali­ti­on als “Grund­la­ge für Chan­cen­gleich­heit”. Sie ver­wies unter ande­rem auf das Gute-Kita-Gesetz, mit dem sich der Bund ver­pflich­te, für eine Qua­li­täts­ver­bes­se­rung Sor­ge zu tra­gen. Als wei­te­re Errun­gen­schaft nann­te sie die “größ­te Pfle­ge­re­form seit 15 Jah­ren”.

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Hof­rei­ter : Gro­Ko wirkt wie “Selbst­hil­fe­grup­pe”

Schar­fe Kri­tik kam aus der Oppo­si­ti­on. FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner wies dar­auf hin, dass es mit dem Wirt­schafts­wachs­tum nicht so wei­ter­ge­hen wer­de wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Dar­aus müss­ten die poli­ti­schen Kon­se­quen­zen gezo­gen wer­den. Im Bun­des­haus­halt bil­de sich das aber nicht ab. Viel­mehr wür­den Pro­jek­te wie das Bau­kin­der­geld oder die Müt­ter­ren­te “den Etat künf­tig stran­gu­lie­ren”.

2018 ist ein ver­lo­re­nes Jahr. Bei der Wett­be­werbs­fä­hig­keit, bei der Bil­dung, der Digi­ta­li­sie­rung, im Kli­ma­schutz, bei der Die­sel­pro­ble­ma­tik, der Ein­wan­de­rung und Euro­pa”, beklag­te Lind­ner. “Frau Bun­des­kanz­le­rin und Herr See­ho­fer, Sie bei­de haben erkannt, dass Ihre Par­tei­en Erneue­rung brau­chen. Was für Par­tei­en rich­tig ist, das kann für das Land, das kann für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht falsch sein. Und des­halb hof­fen wir auf das neue Jahr.”

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Anton Hof­rei­ter hielt der Gro­ßen Koali­ti­on vor, sie wir­ke wie eine “Selbst­hil­fe­grup­pe”, die sich nicht mit den Sor­gen und Nöten der Men­schen beschäf­ti­ge. Die “Gro­Ko” schei­te­re schon bei der Lösung ver­gleichs­wei­se ein­fa­cher Pro­ble­me wie dem Die­sel­skan­dal. “Wie wol­len Sie da die gro­ßen Pro­ble­me lösen?”, füg­te Hof­rei­ter hin­zu. “Die Kli­ma­kri­se war­tet doch nicht.”

Er warb für eine star­ke Euro­päi­sche Uni­on, die allein kön­ne Kli­ma- und Sozi­al­dum­ping in der Wirt­schaft etwas ent­ge­gen­set­zen. Für mehr Gerech­tig­keit und Chan­cen­gleich­heit brau­che es eine Kin­der-Grund­si­che­rung, ein Ende der Immo­bi­li­en­spe­ku­la­tio­nen, Ban­ken­re­gu­lie­rung sowie gerech­te Steu­ern auch für Digi­tal­kon­zer­ne.

Wagen­knecht : Mil­li­ar­den mehr für Waf­fen und Kriegs­ge­rät, nicht genug für Kampf gegen Alters­ar­mut

Lin­ken-Frak­ti­ons­chefin Sah­ra Wagen­knecht ver­wies auf die sozia­len Unter­schie­de in Deutsch­land und hielt der Bun­des­re­gie­rung ent­ge­gen, das Erstar­ken der Rech­ten sei “das Ergeb­nis ihrer Poli­tik”. Sie warn­te dar­über hin­aus, dass ein “Wei­ter so” der Regie­rung zwangs­läu­fig in den Faschis­mus füh­re, da sie die Inter­es­sen der ein­fa­chen Bür­ger nicht mehr bedie­ne. Den Etat für Waf­fen und Kriegs­ge­rät sto­cke die Koali­ti­on um Mil­li­ar­den auf, sei aber nicht in der Lage, alte Men­schen vor Armut zu schüt­zen, allen Kin­dern eine gute Bil­dung zu ermög­li­chen und länd­li­che Regio­nen mit schnel­lem Inter­net zu ver­sor­gen. “Das ist doch eine irre Poli­tik”, sag­te Wagen­knecht. “Ich fin­de, wir haben uns viel zu sehr an die Unfä­hig­keit von Regie­run­gen gewöhnt.”

Der SPD warf sie vor, ihre jüngs­ten For­de­run­gen nach einer Abkehr vom Hartz-IV-Sys­tem sei­en unglaub­wür­dig. Solan­ge die SPD in der Gro­ßen Koali­ti­on blei­be, kön­ne sie “die­se Din­ge noch so gut for­mu­lie­ren”, sag­te Wagen­knecht. “Das nimmt Ihnen doch kei­ner mehr ab.”

Wei­del : “Aus­ga­ben­wahn” mit fal­schen Prio­ri­tä­ten 

AfD-Frak­ti­ons­chefin Ali­ce Wei­del nutz­te die Haus­halts­de­bat­te, um sich zur Spen­den­af­fä­re ihrer Par­tei zu äußern. Es sei­en Feh­ler gemacht wor­den, doch sei alles zurück­ge­zahlt wor­den, sag­te sie zum Auf­takt der Debat­te. Dar­über hin­aus warf sie der Kanz­le­rin eine “Poli­tik der Spal­tung und Unver­nunft” vor. Wei­del sprach von einem “Aus­ga­ben­wahn” mit fal­schen Prio­ri­tä­ten. Die öko­no­mi­sche Grund­la­ge aber habe sich geän­dert, sag­te Wei­del mit Blick auf die ein­ge­trüb­te Kon­junk­tur. An Mer­kel gerich­tet mein­te sie : “Ihre Poli­tik igno­riert kon­se­quent die öko­no­mi­sche Ver­nunft.” Das hal­te auch die stärks­te Volks­wirt­schaft auf Dau­er nicht aus.

Sie atta­ckier­te außer­dem die Migra­ti­ons­po­li­tik : “Wir geben jedes Jahr Geld für den Kampf gegen rechts aus und ande­re Bevor­mun­dun­gen der Bür­ger – aber Frau­en und Mäd­chen kön­nen sich ja abends gar nicht mehr allei­ne auf die Stra­ße wagen aus Furcht vor Über­grif­fen von soge­nann­ten Schutz­su­chen­den.”

Mehr zum The­ma — An der Migra­ti­ons­po­li­tik zeigt sich die Unehr­lich­keit von Regie­rung und Poli­tik

(rt deutsch/dpa/afp)

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Regierungssprecher mit spezieller Logik zu Migrationspakt : Afrika ausbeuten, um es zu entwickeln


Ganz beson­ders lie­ge — laut Sei­bert — der Bun­des­re­gie­rung für Afri­ka “pri­vat­wirt­schaft­li­ches Enga­ge­ment, pri­vat­wirt­schaft­li­che Arbeits­platz­schaf­fung” am Her­zen. Die Sache hat jedoch unter ande­rem min­des­tens den Haken, dass die ent­spre­chen­de Eigen­in­itia­ti­ve in den ver­schie­de­nen afri­ka­ni­schen Staa­ten durch die dort noch gel­ten­den Rah­men­be­din­gun­gen und vor­herr­schen­den Wirt­schafts­struk­tu­ren, etwa in Form von Frei­han­dels­ab­kom­men wie sie die soge­nann­ten Eco­no­mic Part­nership Agree­ments (EPA) vor­se­hen, unter­gra­ben wird.

Mehr zum The­ma — Regie­rungs­spre­cher Sei­bert : Migra­ti­ons­pakt dient “Wahr­neh­mung glo­ba­ler Ver­ant­wor­tung”

Das beein­druckt Mer­kel-Spre­cher Sei­bert aber kei­nes­wegs, schließ­lich sei Deutsch­land “der zweit­größ­te bila­te­ra­le Geber in huma­ni­tä­ren Fra­gen”.

Im Gegen­zug für einen erwei­ter­ten Zugang zum EU-Markt für afri­ka­ni­sche Pro­duk­te sehen die EPAs unter ande­rem vor, dass die afri­ka­ni­schen Staa­ten ihre Import­zöl­le wei­ter absen­ken und damit nicht nur ihre Märk­te für Preis­kampf und Pro­duk­te aus der EU noch wei­ter öff­nen, son­dern sich auch ent­schei­den­der Zoll-Ein­nah­men berau­ben. In der Kon­se­quenz wür­den EU-Län­der die loka­len Märk­te mit oft­mals kon­kur­renz­los bil­li­gen weil sub­ven­tio­nier­ten Pro­duk­ten flu­ten – wie es bereits heu­te schon oft der Fall ist.

Eini­ge Staa­ten unter­zeich­ne­ten das Han­dels­ab­kom­men, ande­re wei­gern sich, wie­der ande­re dis­ku­tie­ren das The­ma nach wie vor. Vor allem in der Zivil­ge­sell­schaft, unter den Gewerk­schaf­ten und an den Uni­ver­si­tä­ten regt sich Wider­stand gegen die EPAs. Auch die bis­he­ri­gen Erfah­run­gen mit den “Han­dels­part­ner­schaf­ten” zu den Län­dern der Euro­päi­schen Uni­on geben zur Vor­sicht Anlass.

Mehr zum The­ma — Eine Mil­li­ar­de Euro für Afri­ka : Mer­kel ver­kün­det Inves­ti­ons­fonds — für deut­sche Unter­neh­men

Zwar gedenkt man, mit­tels des UN-Migra­ti­ons­pakts die Ursa­chen für irre­gu­lä­re Migra­ti­on zu “bekämp­fen”, doch neben dem alles ande­re als die­sem Ziel för­der­li­chen Wirt­schafts­ge­fäl­le zwi­schen Nord und Süd und den herr­schen­den Wirt­schafts­struk­tu­ren fin­det auch der Aspekt der Rüs­tungs­aus­fuh­ren in Kriegs- und Kri­sen­ge­bie­te im Doku­ment kei­ner­lei Ein­gang in die ein­ge­gan­ge­nen “Ver­pflich­tun­gen” der Unter­zeich­ner­staa­ten.

Natür­lich haben die ent­wi­ckelts­ten und wohl­ha­bends­ten Staa­ten der Welt eine Ver­ant­wor­tung, und ich glau­be, für Deutsch­land sagen zu kön­nen, dass Deutsch­land die­ser Ver­ant­wor­tung auf sehr vie­len Gebie­ten auch nach­kommt”, weiß Sei­bert zu berich­ten.

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US-Wahl, Russland-Bashing, Migrationspakt : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


Man kann US-Prä­si­dent Donald Trump für zahl­rei­che Din­ge kri­ti­sie­ren : Er nutzt Res­sen­ti­ments für die Tages­po­li­tik und sei­ne Agen­da ist radi­kal wirt­schafts­nah — sie ist bei genau­er Betrach­tung also das Gegen­teil des pro­kla­mier­ten Enga­ge­ments für den “Klei­nen Mann”. Aber : Für den aktu­el­len Zustand die­ser Welt kann man ihn (noch) nicht ver­ant­wort­lich machen. So wur­den die US-Krie­ge gegen Afgha­ni­stan, den Irak, Liby­en und Syri­en nicht durch Trump vom Zaun gebro­chen, wes­halb er auch nicht direkt für die aktu­el­len Flücht­lings­strö­me in die Pflicht genom­men wer­den kann. Eben­so wur­de die gif­ti­ge Kon­fron­ta­ti­on gegen Russ­land nicht vom US-Prä­si­den­ten, son­dern von sei­nen Vor­gän­gern und Geg­nern initi­iert.

Media­les Par­al­lel-Uni­ver­sum : Das „gute Ame­ri­ka“ gegen Trump

So weit die Rea­li­tät. Im Par­al­lel­uni­ver­sum der gro­ßen deut­schen und US-ame­ri­ka­ni­schen Medi­en jedoch gab es bis zur Prä­si­dent­schafts­wahl 2016 nur das “gute Ame­ri­ka”, des­sen “Selbst­hei­lungs­kräf­te” auch noch die aller­größ­ten Defi­zi­te wett­ma­chen konn­ten und das “aus Prin­zip” mora­lisch im Recht war. Das Böse kam nach die­ser Inter­pre­ta­ti­on erst mit Donald Trump in die west­li­che Welt.

Die­ses Böse hat­te auch das ach so “neue” Phä­no­men “Fake News” im Gepäck. Das ist ein Grund, war­um gro­ße deut­sche und US-ame­ri­ka­ni­sche Medi­en seit zwei Jah­ren in einer Orgie der Ver­zer­rung einer angeb­lich “guten alten Zeit” nach­trau­ern, in der “Fak­ten noch respek­tiert” wur­den. Die Nach­Denk­Sei­ten  schrei­ben in die­ser Woche dazu :

Auch wenn er mut­maß­lich nicht vor sol­chen Krie­gen zurück­schre­cken wür­de : Die Zerstörung Afgha­ni­stans, Liby­ens, des Iraks, des Jemens oder Syri­ens ist nicht zuerst das Werk Donald Trumps. Aber die Hor­ror-Frat­ze Trump eig­net sich für die US-Demo­kra­ten gut, um dahin­ter die eige­nen Kriegs­ver­bre­chen zu ver­ste­cken. Die­se Pra­xis der US-Demo­kra­ten ist ver­gleich­bar mit der Instru­men­ta­li­sie­rung der AfD durch deut­sche Alt­par­tei­en : Auch hier­zu­lan­de soll jenes “popu­lis­ti­sche” Mons­ter die eige­ne Exis­tenz recht­fer­ti­gen und die eige­ne Ver­ant­wor­tung am Rechts­ruck über­de­cken. Dass in die­ser Betrach­tung Ursa­che (die neo­li­be­ra­le Poli­tik) und Wir­kung (der Rechts­ruck) auf den Kopf gestellt wer­den, dringt medi­al nicht mehr durch.

Die Main­stream­me­di­en und der “Kampf für die Wahr­heit”

Pas­send zu die­ser Geis­tes­hal­tung wur­de in den gro­ßen deut­schen Medi­en vor den US-Wah­len an die bekann­te anti­rus­si­sche Mei­nungs­ma­che ange­knüpft : So hat­te sich Phoe­nix in Ver­let­zung der Neu­tra­li­täts­pflicht nicht nur dem “Kampf gegen­Trump”, son­dern auch jenem gegen den rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin ver­schrie­ben : Der Sen­der zeig­te am Vor­abend der Zwi­schen­wah­len zunächst eine Doku­men­ta­ti­on über Künst­ler-Wider­stand gegen Trump und anschlie­ßend die infa­me “Repor­ta­ge”: “Trump und Putin – Kom­plott gegen Ame­ri­ka?”

Über­trof­fen wur­de die­se ten­den­ziö­se und im Grun­de anti­de­mo­kra­ti­sche Pro­gram­mie­rung dann doch noch von Arte, wo vor den Wah­len die vier­stün­di­ge (!) Doku­men­ta­ti­on “Mis­si­on Wahr­heit – Die New York Times und Donald Trump” prä­sen­tiert wur­de. Die­ser extrem über­lan­ge Wer­be­clip für ein umstrit­te­nes Medi­um zeich­net das kit­schi­ge Trug­bild von den unab­hän­gi­gen Haupt­stadt-Repor­tern, die nun mutig für die “Demo­kra­tie” (der Demo­kra­ten) auf­ste­hen. Die Nach­Denk­Sei­ten stel­len dazu fest : “Dass die­ser Auf­stand aber erst mit Trump ein­setz­te und dass er sich nicht auf die dra­ma­ti­schen Kriegs­ver­bre­chen der Trump-Geg­ner bezieht, wird nicht pro­ble­ma­ti­siert.” Neben­bei wird die “Doku” genutzt, um die unse­riö­sen Kam­pa­gnen der New York Times zu “Rus­sia-Gate” als bewie­sen und gerecht­fer­tigt dar­zu­stel­len. Wer etwa die (Geheimdienst-)Quellen der New York Times sind, die die­se anti­rus­si­sche Pro­pa­gan­da unter­füt­tern und befeu­ern, wird in dem Film nicht beleuch­tet.

Kriegs­ver­bre­cher als Moral­apos­tel

Wer die Heu­che­lei der poli­ti­schen und media­len Trump-Geg­ner the­ma­ti­siert, lan­det schnell im Topf der Trump-Unter­stüt­zer. Dar­um sei hier fest­ge­stellt : Die Kri­tik in die­sem Text bezieht sich auf die Rein­wa­schung eines hoch­be­las­te­ten “guten Ame­ri­ka” — dadurch soll nicht die Poli­tik Trumps ent­las­tet wer­den. Für die beson­ders kri­ti­sche Beleuch­tung der US-Demo­kra­ten gibt es einen wei­te­ren Grund : Die Dar­stel­lung Donald Trumps als das Böse schlecht­hin ist eta­bliert und wird medi­al nicht ange­zwei­felt. Das ist — von extre­men Aus­wüch­sen in der Anti-Trump-Pro­pa­gan­da abge­se­hen — gera­de noch zu ver­tre­ten. Zur offe­nen Heu­che­lei wird die Pra­xis erst dadurch, dass als mas­si­ve Kriegs­ver­bre­cher ver­däch­tig­te Vor­gän­ger dem US-Prä­si­den­ten als “guter” Kon­trast gegen­über­ge­stellt wer­den.

Das Phä­no­men, dass sich die gro­ßen Medi­en aktu­ell von den eige­nen Kriegs-Lügen (“Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen” im Irak, “Volks­auf­stand” in Syri­en) in klei­nen Schrit­ten distan­zie­ren, und dass sich damit die eigent­li­chen Erfin­der der Fake-News-Kam­pa­gnen nun hin­ter der “Frat­ze Trump” ver­ste­cken wol­len, wur­de in die­ser Woche beson­ders stra­pa­ziert. Die­se Mecha­nis­men wur­den zwar schon mehr­fach bloß­ge­stellt — jedoch sel­ten von Akteu­ren mit dem poli­ti­schen Gewicht eines Sig­mar Gabri­el, an des­sen lich­te Momen­te hier erin­nert wer­den soll :

Die Nai­vi­tät der deut­schen Redak­teu­re

Die taz hadert natür­lich mit dem jüngs­ten US-Wahl­er­geb­nis, kommt am Ende aber zu einer rich­ti­gen Ein­schät­zung : “Eigent­lich hät­ten die Kon­gress- und Gou­ver­neurs­wah­len zur Mit­te der ers­ten Amts­zeit Donald Trumps eine rich­ti­ge Ohr­fei­ge für die­sen Prä­si­den­ten wer­den müs­sen. Wer so hef­tig hetzt, so viel lügt und so radi­kal spal­tet wie er, hät­te nicht nur eine Wel­le, son­dern einen Tsu­na­mi an Gegen­stim­men ver­dient. Den gab es aber bei­lei­be nicht. Trump hat abso­lut kei­nen Grund, die­se Wah­len als gro­ßen Dämp­fer zu emp­fin­den.”

Mehr zum The­ma — Bun­des­pres­se­kon­fe­renz : Mehr Wider­sprü­che zu Weiß­hel­men und Tilo Jung als devo­ter Stich­wort­ge­ber

Die in deut­schen Medi­en vor­herr­schen­de Nai­vi­tät beim The­ma USA illus­triert dage­gen ein Arti­kel in der Leip­zi­ger Volks­zei­tung, den man auch ver­se­hent­lich als Sati­re wahr­neh­men könn­te. Gesun­gen wird das alte Lied vom guten und sich selbst hei­len­den Ame­ri­ka : “Ein uraltes Regel­werk hat sich soeben ein­drucks­voll bewährt. Die Zwi­schen­wah­len stut­zen den US-Prä­si­den­ten auf Nor­mal­maß zurück und zwin­gen ihn an den Ver­hand­lungs­tisch. (…) Gegen­sei­ti­ge Kon­trol­len, ‘Checks and Balan­ces’, gehö­ren zu den Mar­ken­zei­chen der ame­ri­ka­ni­schen Ver­fas­sung. Ame­ri­ka mel­det sich zurück – in einer neu­en, aus­ge­wo­ge­ne­ren Grund­stim­mung.”

Es wird hart und häss­lich wer­den“

Mehr Rea­li­täts­sinn bewei­sen da die euro­päi­schen Nach­barn. “Es wird hart und häss­lich wer­den”, unkt etwa Die Pres­se aus Öster­reich und fährt fort : “Das anste­hen­de Fazit des Son­der­er­mitt­lers Robert Muel­ler zur soge­nann­ten Russ­land-Con­nec­tion des Trump-Teams wird zum Klein­krieg aus­ar­ten, samt dem Ruf nach einem Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren des Prä­si­den­ten. (…) Wer gedacht hat, der Gip­fel an Dem­ago­gie sei erreicht, irrt also.” Dai­ly Sabah aus der Tür­kei pro­gnos­ti­ziert : “Des­halb wer­den eben­die­se Wahl­er­geb­nis­se Trump direkt dazu ver­lei­ten, mit sei­ner aggres­si­ven Poli­tik, mit der er die Wah­len zu gewin­nen glaub­te, wei­ter­zu­ma­chen.” Und auch 24Chasa aus Bul­ga­ri­en sieht ver­tief­te Grä­ben in den USA : “Die Wahl an sich wird nichts bewir­ken, außer dass sich der Kampf zwi­schen Repu­bli­ka­nern und Demo­kra­ten in den USA ver­schärft.”

Eine wei­te­re Bot­schaft der Zwi­schen­wah­len : Trumps Erfolg ist kei­ne Ein­tags­flie­ge. Dass die­ser Erfolg – so wie in Deutsch­land jener der AfD – auf dem Ver­sa­gen der einst “links” genann­ten Par­tei­en beruht, ist inzwi­schen ein All­ge­mein­platz : Das pseu­do­lin­ke Lager hat mit der Hin­wen­dung zum Neo­li­be­ra­lis­mus erst das Feld eröff­net, auf dem sich Akteu­re wie Trump und AfD als pseu­do­so­zia­le “Alter­na­ti­ve” für den “Klei­nen Mann” pro­du­zie­ren kön­nen.

Medi­en und Alt­par­tei­en über­las­sen Migra­ti­ons­pakt der AfD

Der Migra­ti­ons­pakt der UNO wur­de in die­ser Woche nun doch im Par­la­ment und in den Medi­en dis­ku­tiert — nach­dem das umstrit­te­ne Ver­trags­werk von deut­schen Poli­ti­kern und Redak­teu­ren wochen­lang tot­ge­schwie­gen wur­de — außer von Nor­bert Hae­ring. Wen wun­dert es noch, dass es die AfD war, die sich dank­bar des The­mas schließ­lich bemäch­tig­te und damit erneut wich­ti­ge Punk­te im Kampf um die Her­zen ver­wirr­ter Bür­ger machen konn­te ? Ein­mal mehr haben also die “Alt­par­tei­en” ein wich­ti­ges und die Men­schen umtrei­ben­des The­ma fahr­läs­sig und selbst­zer­stö­re­risch den “Popu­lis­ten” über­las­sen, ein­fach indem sie untä­tig geblie­ben sind.

Dass eine The­ma­ti­sie­rung aber nicht gleich seriö­se Infor­ma­ti­on bedeu­tet, demons­trier­te in die­ser Woche — bei­spiel­haft für zahl­rei­che deut­sche Medi­en — der Köl­ner Stadt­an­zei­ger : “Für Par­tei­en wie die AfD wäre es logi­scher, für den UNO-Migra­ti­ons­pakt zu wer­ben, anstatt ihn zu ver­teu­feln. Schließ­lich hat er zum Ziel, Wirt­schafts­mi­gra­ti­on zu ver­hin­dern, und wenn sie doch statt­fin­det, sie steu­ern zu kön­nen.” Die­se Aus­sa­ge ist min­des­tens frag­wür­dig, und sie deckt sich mut­maß­lich nicht mit dem Ver­trags­werk. Doch die Zei­tung beweist auch Rea­li­täts­sinn : “Das gibt der Gru­sel­kam­pa­gne der AfD Schub : Die Par­tei hat das The­ma aus ihren Echo­kam­mern her­aus­ge­holt und auf die Tages­ord­nung des Bun­des­tags gesetzt – und alle über­rum­pelt.” War­um der Köl­ner Stadt­an­zei­ger das The­ma nicht sel­ber früh­zei­tig aus den Echo­kam­mern geholt hat, fra­gen sich die Redak­teu­re nicht — schließ­lich hät­ten auch sie selbst die nun beklag­te “Über­rum­pe­lung” ver­hin­dern kön­nen.

Die durch die Debat­te um den Migra­ti­ons­pakt aus­ge­lös­ten Ver­un­si­che­run­gen im ehe­mals “links” genann­ten Lager und die ange­wand­ten Pro­pa­gan­da­tech­ni­ken the­ma­ti­siert in die­ser Woche das Por­tal Swiss Pro­pa­gan­da Rese­arch : “Die eta­blier­ten Medi­en wan­del­ten sich mit­hin kei­nes­wegs von ‘rechts’ nach ‘links’, son­dern sie blie­ben trans­at­lan­tisch. Frü­her gegen Sozial­progressive, heu­te gegen National­konservative : Po­li­tische Geg­ner und Gehil­fen tausch­ten die Rol­len, doch das geo­po­li­ti­sche Ziel blieb das­sel­be – und die media­len Tech­ni­ken eben­so.”

Lin­ke Par­tei­en, die so etwas mit­tra­gen, sind dem Unter­gang geweiht und haben ihn ver­dient“

Wie kei­ne ande­re Zei­tung hat die Ent­wick­lung von “links” nach “trans­at­lan­tisch” die taz voll­zo­gen. Mehr noch : In der pseu­do­lin­ken Publi­ka­ti­on wur­de mitt­ler­wei­le bei­des ver­eint — dort wer­den dann auch etwa US-kri­ti­sche Pazi­fis­ten in die rech­te Ecke gestellt. Ein Arti­kel zur Debat­te um den Migra­ti­ons­pakt gibt der taz  nun ein­mal mehr die Gele­gen­heit, auch die fort­schritt­li­che Gali­ons­fi­gur Sah­ra Wagen­knecht als “rechts” zu dif­fa­mie­ren. Unter dem Titel “Rech­te Stim­mungs­ma­che” erklingt dann aber immer­hin ein wich­ti­ger Satz des Wirt­schafts­blog­gers Nor­bert Häring : “Zustim­mend zitiert Wagen­knecht in ihrer Mail den Schluss­satz von Härings Arti­kel : ‘Lin­ke Par­tei­en, die so etwas mit­tra­gen, sind dem Unter­gang geweiht und haben ihn ver­dient.’ ”

Nun war­tet die Repu­blik, dass Sah­ra Wagen­knecht aus sol­chen Ana­ly­sen des ehe­mals “links” genann­ten Lagers end­lich die Kon­se­quen­zen zieht — und die “#Aufstehen”-Bewegung in eine wähl­ba­re Par­tei mit Wagen­knecht als Spit­zen­kan­di­da­tin umwan­delt !

Russ­land, Russ­land, Russ­land

Die anti­rus­si­sche Pro­pa­gan­da in deut­schen Medi­en dehnt sich zu einer unend­li­chen Geschich­te. Auch wenn die Inten­si­tät in Wel­len hoch- und wie­der her­un­ter­ge­fah­ren wird — so ver­geht doch selbst in Zei­ten, die eher arm an Pro­pa­gan­da sind, kei­ne Woche, ohne dass skan­da­lös unse­riö­se Bei­trä­ge über Russ­land ver­brei­tet wer­den. Posi­tiv ist zu ver­mer­ken, dass vie­le Bür­ger inzwi­schen sen­si­bi­li­siert (oder eher desen­si­bi­li­siert?) sind und die anti­rus­si­sche Pro­pa­gan­da in der gro­ßen Mas­se kaum mehr fruch­tet, wie die Nach­Denk­Sei­ten kürz­lich fest­ge­stellt haben. Für die Chro­nik sei­en hier aber eini­ge will­kür­lich aus­ge­wähl­te Bei­spie­le der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit erwähnt.

Die Süd­deut­sche Zei­tung etwa beschreibt : “Wie rus­si­sche Online­me­di­en die Demo­kra­tie desta­bi­li­sie­ren wol­len.” Die laut Süd­deut­scher Zei­tung “unter­schwel­li­ge Bot­schaft” der in die­sen Medi­en ver­brei­te­ten Vide­os ist gera­de­zu per­fi­de : “Der Wes­ten ist weder gol­den noch demo­kra­tisch.” Dann folgt ein Rund­um­schlag gegen rus­si­sche Aus­lands­me­di­en : “Wäh­rend Radio Sput­nik und der rus­si­sche Staats­fern­seh­sen­der RT in ihren deut­schen Pro­gram­men Ver­schwö­rungs­theo­ri­en ver­brei­ten und auch schon mal rech­te Stim­mungs­ma­che betrei­ben wie jüngst mit einer erfun­de­nen Ver­ge­wal­ti­gung durch Flücht­lin­ge, geben die neu­en Online­me­di­en sich links und kos­mo­po­li­tisch und ver­brei­ten ihre Bot­schaf­ten auf Eng­lisch. Das ver­wirrt so man­chen Inter­view­part­ner. Eine Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te etwa wur­de von Red­fish inter­viewt. Dass sie mit Putins Medi­en­ap­pa­rat gespro­chen hat, wur­de ihr erst spä­ter klar.” Ob sich die betref­fen­de Poli­ti­ke­rin mitt­ler­wei­le vom Schock erholt hat ?

Timo­thy Sny­der — der Medi­en­zom­bie

Zu einem mitt­ler­wei­le läs­ti­gen media­len Unto­ten ent­wi­ckelt sich das Mach­werk “Der Weg in die Unfrei­heit” von Timo­thy Sny­der, das seit einem Monat durch die Feuil­le­tons der trans­at­lan­ti­schen Gazet­ten geis­tert. In die­ser Woche war nun der Deutsch­land­funk an der Rei­he mit einer posi­ti­ven Rezen­si­on : “So pla­ka­tiv man­che von Sny­ders For­mu­lie­run­gen auch klin­gen, er legt umfang­rei­ches Beweis­ma­te­ri­al vor, sei es über die Ver­flech­tun­gen von Trumps gesam­ter Entou­ra­ge mit der rus­si­schen Olig­ar­chie, sei es über die Pro­pa­gan­da­lü­gen im Zusam­men­hang mit der Inva­si­on in die Ukrai­ne.”

Ein wei­te­rer regel­mä­ßi­ger Wie­der­gän­ger in deut­schen Medi­en ist der ange­klag­te rus­si­sche Regis­seur Kirill Serebren­ni­kow. Dass rus­si­sche “Putin-Kri­ti­ker” gar nicht straf­fäl­lig wer­den kön­nen, wur­de in einer frü­he­ren Kolum­ne bereits the­ma­ti­siert : Es bleibt also bei der alten Sicht­wei­se : In Russ­land kann man gar nicht straf­fäl­lig wer­den, es sei denn, man ist ein ‘kor­rup­ter Intim­freund Putins’. Men­schen in Oppo­si­ti­on zur rus­si­schen Regie­rung ste­hen aus west­li­cher Sicht grund­sätz­lich aus Will­kür und zu Unrecht vor Gericht. In die­ser Woche wur­de die­se Sicht­wei­se anläss­lich des Pro­zes­ses gegen den Thea­ter­ma­cher Serebren­ni­kow auf­ge­frischt, etwa in einem von zahl­rei­chen Medi­en über­nom­me­nen emo­tio­na­len Arti­kel der Nach­rich­ten­agen­tur dpa : “Über ein Jahr sitzt der rus­si­sche Thea­ter­ma­cher Kirill Serebren­ni­kow schon in Haus­ar­rest. Trotz­dem hat er gear­bei­tet : In Deutsch­land läuft sein neu­er Film an. Doch in Mos­kau steht er vor Gericht in einem Pro­zess, der selbst ein bit­te­res Thea­ter­stück ist.” In die­sem Text soll über die Schuld oder Unschuld des der Unter­schla­gung ange­klag­ten Serebren­ni­kow nicht gerich­tet wer­den — wohl aber über west­li­che Medi­en, die Beweis­füh­run­gen und Urtei­len vor­grei­fen und dies rein ideo­lo­gisch begrün­den.

Es war nicht alles schlecht

Die um Auf­klä­rung ver­dien­te Pro­pa­gan­da­schau hat nun auch den zuletzt noch ver­blie­be­nen Pro­pa­gan­da­mel­der ein­ge­stellt. Die wich­ti­ge Arbeit an der Haupt­sei­te war bereits vor eini­gen Wochen been­det wor­den, wie RT in einem Nach­ruf bedau­ert hat­te. Der als sprach­lich har­ter und ana­ly­tisch schar­fer Ein­zel­kämp­fer berühmt gewor­de­ne Redak­teur mit dem Pseud­onym “Dok” hat eine letz­te Bot­schaft hin­ter­las­sen :

Mei­ne lie­ben Mit­strei­ter, heu­te Nacht um 0.00 Uhr wer­de ich den Mel­der schlie­ßen. Es wer­den dann rund 220.000 Mel­dun­gen und Kom­men­tie­run­gen sein, die wir hier und zuvor im alten Mel­der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gesam­melt haben. Was für uns alle eine nütz­li­che und berei­chern­de Fund­gru­be war, hat gesell­schaft­lich kei­nen nen­nens­wer­ten Ein­fluss, wenn es nicht aus­führ­lich auf der Front­sei­te auf­ge­ar­bei­tet wird, was – neben pri­va­ten Belan­gen – auch ein Grund ist, das Pro­jekt zu been­den. (…) Mein großer Dank an alle!”

Die­sen Dank kann man nur zurück­ge­ben !

Too Big To Jail

Wer sich ange­sichts des dro­hen­den poli­ti­schen Come­backs des Fried­rich Merz genau­er über des­sen Arbeit­ge­ber Black­Rock infor­mie­ren möch­te, kann das im Lese­tipp der Woche bei Kon­text unter der Über­schrift “Too Big to Jail” tun :

Die Akti­en­an­tei­le stei­gen : Der Finanz­gi­gant Black­Rock drängt auf den lukra­ti­ven Woh­nungs­markt und hat mit Deutsch­land­chef Fried­rich Merz einen mäch­ti­gen Ver­bün­de­ten an sei­ner Sei­te. Für Mie­ter, ins­be­son­de­re von Vono­via und Co., ist das eine wei­te­re Hiobs­bot­schaft. Es sind Sum­men, die jedes Vor­stel­lungs­vermögen über­stei­gen. Mit 6,3 Bil­lio­nen US-Dol­lar ver­wal­tet der welt­weit akti­ve Finanz­dienst­leis­ter Black­Rock ein Vermögen, das fast dop­pelt so groß ist wie das deut­sche Brut­to­in­lands­pro­dukt (3,685 Bil­lio­nen US-Dol­lar). Wäre Black­Rock ein Land, wäre es nach den USA und Chi­na die dritt­größ­te Volks­wirt­schaft des Pla­ne­ten – und das, obwohl das Unter­neh­men erst 1988 gegrün­det wor­den ist. So viel Kapi­tal hat Gewicht : Rund um den Glo­bus schät­zen nicht nur Pri­vat­kun­den, son­dern auch Regie­run­gen die Bera­tungs­leis­tun­gen des Vermögens­ver­wal­ters. Dabei könnten die Dräh­te bald noch kür­zer wer­den. Mit Fried­rich Merz bewirbt sich nun der Auf­sichts­rats­chef von Black­Rock Deutsch­land um den Vor­sitz der CDU, und eines Tages womöglich um die Kanz­ler­schaft. Ver­gan­ge­ne Woche bekun­de­te der Poli­tik-Rück­keh­rer, der einst ankün­dig­te, nicht in die Poli­tik zurück­keh­ren zu wol­len, er sehe hier ‘kei­ner­lei Kon­flikt­la­ge’ ”.

Mehr zum The­ma - Merz-Kan­di­da­tur für CDU-Vor­sitz : Sozi­al­dar­wi­nist und Lob­by­ist des Groß­ka­pi­tals

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

RT Deutsch


Merkel-Dämmerung, Merz-Hype, Migrations-Pakt : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


Von Tho­mas Schwarz

Mer­kel muss weg“ – wer hät­te die­sen Satz in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht unter­schrei­ben mögen ? Nun, da die Däm­me­rung der Kanz­le­rin und CDU-Che­fin Ange­la Mer­kel unauf­halt­sam scheint, blei­ben die Wor­te aber so man­chem Beob­ach­ter im Hal­se ste­cken : Wenn die Alter­na­ti­ve zur Anti-Kon­flikt-Kanz­le­rin einer der mut­maß­lich här­tes­ten Agen­ten ist, den die Finanz­wirt­schaft auf­zu­bie­ten hat, wer­den auch Mer­kel-Kri­ti­ker plötz­lich nost­al­gisch.

Das dro­hen­de – und laut Deutsch­land­funk von dubio­sen „Umfra­gen“ flan­kier­te — poli­ti­sche Come­back des Black­Rock-Auf­sichts­rats Fried­rich Merz taucht selbst die neo­li­be­ra­le Mer­kel-Poli­tik in ein rosa­ro­tes Licht. Dem wirkt die taz ent­ge­gen : Nun, da die „Kon­sens-Kanz­le­rin“ ange­zählt sei, kön­ne man end­lich wie­der dar­über strei­ten, „wie eine Euro­zo­ne so gestal­tet wer­den kann, dass nicht haupt­säch­lich Deutsch­land von ihr pro­fi­tiert. Wie wir einen Sozi­al­staat wie­der­her­stel­len kön­nen, der die­sen Namen ver­dient. Und wie man Rei­che in Deutsch­land und Unter­neh­men in Euro­pa dazu zwin­gen kann, sich ange­mes­sen an der Finan­zie­rung des Gemein­wohls zu betei­li­gen“. Dass sich die Zei­tung einen sol­chen Auf­bruch aus­ge­rech­net von Merz erwar­tet, erscheint min­des­tens rät­sel­haft.

Eine gna­den­lo­se Ana­ly­se der Poli­tik der Kanz­le­rin und der Per­son Ange­la Mer­kel ist nötig, um wich­ti­ge Leh­ren für die Zukunft zu zie­hen. Die­se Ana­ly­se aller­dings ging in der oben beschrie­be­nen Nost­al­gie-Wel­le unter – sie muss nach­ge­holt wer­den, wenn die Trä­nen getrock­net sind.

Mer­kel und Merz — Demo­kra­tie­thea­ter und Ver­harm­lo­sung

In der Bericht­erstat­tung zu Mer­kel und Merz zeich­nen sich zwei zen­tra­le, sich gegen­sei­tig aber wider­spre­chen­de Stra­te­gi­en ab : Einer­seits soll sug­ge­riert wer­den, Per­so­nal­ro­cha­den sei­en kein rei­nes Demo­kra­tie-Thea­ter, son­dern eine ech­te inhalt­li­che Ände­rung der Poli­tik sei als Fol­ge zu erwar­ten. Ande­rer­seits sol­len aber Merz’ trans­at­lan­ti­sche Ver­stri­ckun­gen sowie sein Enga­ge­ment bei einer der pro­ble­ma­tischs­ten Fir­men der Welt her­un­ter­ge­spielt wer­den. Das geschieht, indem man den mit sei­ner Per­son ver­bun­de­nen „Auf­bruch“ eben nicht inhalt­lich, son­dern atmo­sphä­risch beschreibt, wie die Welt es vor­macht, die Merz auch noch in der „poli­ti­schen Mit­te“ ver­or­tet : „Denn mit Merz, der immer pola­ri­sie­ren konn­te, steht nicht nur eine Per­son zur Aus­wahl, son­dern ein Poli­tik­stil : Das Her­aus­ar­bei­ten von inhalt­li­chen Dif­fe­ren­zen inner­halb der poli­ti­schen Mit­te (statt demo­sko­pie­ge­trie­bes Abschlei­fen der letz­ten Unter­schie­de) und die Lust auf Kon­tro­ver­se, die den Dis­kurs erst mög­lich macht (statt Wäh­ler­ein­schlä­fe­rung durch Alter­na­tiv­lo­sig­keit).“

Mehr zum The­ma — Wunsch­kan­di­dat der Eli­ten – Ein Kom­men­tar zu Fried­rich Merz

Ver­harm­lo­sung betreibt exem­pla­risch auch die Rhein­pfalz, die zu Merz schreibt : „Er ist ein lee­res Blatt, auf dem man sei­ne Hoff­nun­gen und Vor­stel­lun­gen schrei­ben kann. (…) Weil die Öffent­lich­keit eben nicht weiß, ob Merz fest­ge­legt ist beim Gute-Kita-Gesetz, bei der Müt­ter­ren­te, bei Macrons Euro­pa­plä­nen. Das Publi­kum über­trägt die eige­nen Wün­sche auf Merz.“ Ähn­lich die Rhei­ni­sche Post : „Er parier­te Vor­wür­fe, er sei zu wirt­schafts­nah oder zu lan­ge außen vor gewe­sen, schlag­fer­tig. Inhalt­lich dage­gen gab Merz vor­erst wenig preis, zu den The­men Flücht­lin­ge, Digi­ta­li­sie­rung, Woh­nen kein Wort.“

Fried­rich Merz : „Unbe­schrie­be­nes Blatt“ statt radi­ka­ler Finanz-Lob­by­ist

Die zitier­ten Medi­en tun so, als sei Merz ein unbe­schrie­be­nes Blatt, über den es noch nicht viel zu recher­chie­ren und zu berich­ten gebe — dabei gibt es kaum eine Per­son, die ähn­lich offen und radi­kal den Sozi­al­staat ablehnt und mit ähn­lich dubio­sen Fir­men gear­bei­tet hat, wie etwa „Trans­pa­ren­cy Inter­na­tio­nal“ in der Frank­fur­ter Rund­schau fest­stellt : „‚Fried­rich Merz wird den Mit­glie­dern der CDU erklä­ren müs­sen, wie er sich in sei­nen diver­sen Funk­tio­nen in der Finanz­wirt­schaft für ein gesell­schaft­lich ver­ant­wort­li­ches Han­deln sei­ner Auf­trag­ge­ber ein­ge­setzt hat – etwa als Auf­sichts­rat der Pri­vat­bank HSBC Deutsch­land, die in Cum-Ex-Geschäf­te ver­wi­ckelt war‘, sag­te die Trans­pa­ren­cy-Vor­sit­zen­de Edda Mül­ler.’“

Und im Gegen­satz zu fast allen gro­ßen Medi­en dekon­stru­iert Wer­ner Rüge­mer end­lich den Mythos von Merz’ Steu­er­erklä­rung, die auf einen Bier­de­ckel pas­sen sol­le : „Merz arbei­tet als Anwalt und Bera­ter für Kon­zer­ne, nicht zuletzt für den größ­ten Akti­en­ei­gen­tü­mer der gegen­wär­ti­gen Welt, Black­Rock, des­sen Steu­er­erklä­run­gen meh­re­re tau­send Sei­ten lang sind. (…) Bei­spiel : Allein der 5,02 Pro­zent Black­Rock-Akti­en­an­teil am Braun­koh­le-Ver­bren­ner RWE AG ist auf 154 Brief­kas­ten­fir­men ver­teilt, die auf den Namen Black­Rock lau­ten, und domi­zi­liert sind in einem knap­pen Dut­zend Finan­z­oa­sen zwi­schen Dela­ware, Luxem­burg, den Nie­der­lan­den und den Cayman Islands.“

Merz-Kan­di­da­tur beflügelt den Dax“

In wes­sen Diens­ten das „lee­re Blatt“ Fried­rich Merz ganz offen­sicht­lich steht und welch eine unheim­li­che Finanz-Welt­macht Black­Rock dar­stellt, erklärt schließ­lich der Deutsch­land­funk :

Die Anzahl der Unter­neh­men, in die Black­Rock das Geld der Anle­ger inves­tiert hat, liegt bei rund 15.000. Und dar­un­ter ist so ziem­lich alles, was Rang und Namen hat. Natür­lich hält Black­Rock auch Antei­le an gro­ßen Börsen­kon­zer­nen hier­zu­lan­de, und das nicht zu knapp : Fast neun Pro­zent am Immo­bi­li­en­kon­zern und Dax Mit­glied Vono­via, Bay­er, Deut­sche Post, Alli­anz, Münch­ner Rück, Eon, BASF, Deut­sche Börse, Deut­sche Bank – die Lis­te lie­ße sich belie­big fort­set­zen.“

Ange­sichts die­ses wirt­schafts-radi­ka­len Hin­ter­grunds von Merz ist eine Nach­richt aus dem New­sti­cker der Tages­schau also alles ande­re als über­ra­schend : „Die Spe­ku­la­tio­nen auf Bewe­gung in der Gro­ßen Koali­ti­on gab dem deut­schen Akti­en­markt zusätz­li­chen Anschub. Ins­be­son­de­re die mög­li­che Kan­di­da­tur des wirt­schafts­na­hen Fried­rich Merz beflü­gel­te den Dax.“

Das dröh­nen­de Schwei­gen zum UN-Migra­ti­ons­pakt

Inter­es­sant war das auch in die­ser Woche fort­ge­setz­te dröh­nen­de media­le Schwei­gen zum geplan­ten Migra­ti­ons­ab­kom­men der UN. Immer­hin wis­sen wir seit der Ein­la­dung des ARD-Chef­re­dak­teurs Kai Gniff­ke bei der AfD, wann er gedenkt, das Abkom­men zu the­ma­ti­sie­ren : „Das Datum (der Unter­zeich­nung des Abkom­mens) ist der 11.12. Da bin ich sehr sicher, dass wir da noch berich­ten wer­den.“ Zu dem The­ma kann man die Bei­trä­ge von Nor­bert Hae­ring emp­feh­len, der hier die Fol­gen für Deutsch­land skiz­ziert und die media­le Arbeits­ver­wei­ge­rung zum Abkom­men the­ma­ti­siert. Im Abkom­men wird übri­gens auch den Medi­en eine kla­re Rol­le zuge­wie­sen :

Förde­rung unab­hän­gi­ger, objek­ti­ver und hoch­wer­ti­ger Bericht­erstat­tung von Medi­en, auch indem Medi­en­leu­te ent­spre­chend sen­si­bi­li­siert und unter­rich­tet wer­den und indem in ethi­sche Berichts­stan­dards und Wer­bung inves­tiert wird. Strei­chung finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung für Medi­en­häu­ser, die sys­te­ma­tisch Into­le­ranz, Frem­den­feind­lich­keit, Ras­sis­mus und ande­re For­men der Dis­kri­mi­nie­rung gegen Migran­ten befördern, in vol­lem Respekt für die Frei­heit der Pres­se.“ 

Mehr zum The­ma — Dif­fa­mie­ren ! Distan­zie­ren ! Die Lin­ken-Spit­ze im Spal­tungs­mo­dus

Die­se Auf­for­de­run­gen zei­gen schon Wir­kung, die sich etwa in dem Phä­no­men äußert, dass in der Debat­te um das Abkom­men stand­haft der Unter­schied zwi­schen „Flücht­lin­gen“ und „Arbeits­mi­gran­ten“ ver­wischt wird – wenn die­se Debat­te über­haupt zuge­las­sen wird. Dass sich hin­ter den schö­nen Wor­ten von der Gren­zen­lo­sig­keit ein radi­ka­les neo­li­be­ra­les Kon­zept ver­birgt, wird auch in die­ser Woche von kei­nem gro­ßen Medi­um the­ma­ti­siert.

Die Grü­nen als neo­li­be­ra­le Medi­en-Dar­lings

Die in der letz­ten Kolum­ne pro­phe­zei­te media­le Hil­fe­stel­lung für die Grü­nen wird fort­ge­führt und sie hat mut­maß­lich auch das Ergeb­nis der Hes­sen­wahl beein­flusst. In der Kolum­ne wur­de die­se Medi­en-Stra­te­gie als „nach­voll­zieh­bar“ beschrie­ben, weil dadurch “die neo­li­be­ra­le Pha­se noch über den Nie­der­gang der SPD hin­aus ver­län­gert wer­den“ kön­ne. Die­se Ver­mu­tung wur­de nun in der dies­wö­chi­gen Bericht­erstat­tung zur Hes­sen­wahl bestä­tigt, in der die Grü­nen als beju­bel­te und „unum­strit­te­ne Sie­ger“ vom Platz gehen.

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Neben der Unter­stüt­zung der Grü­nen als SPD-Ersatz ziel­ten in die­ser Woche zahl­rei­che Arti­kel dar­auf ab, den Nie­der­gang der Alt­par­tei­en als die Fol­ge von „Streit“ zu deu­ten. Denn, so die taz in Anspie­lung auf die Gro­ße Koali­ti­on : „Nie­mand wählt gern ein miss­mu­ti­ges Durch­ein­an­der.“ Der ent­schei­den­de Vor­teil der Grü­nen bestehe dar­um zur­zeit dar­in, “dass sie ihre Macht­fra­gen in Bund und Land geklärt haben. Sie sind mit sich im Rei­nen, ja regel­recht ange­törnt von Hype und Einig­keit“.

Die furcht­ba­re Einig­keit der Alt­par­tei­en

Einig­keit“ und „geklär­te Macht­fra­gen“ als Qua­li­täts­kri­te­ri­en der Demo­kra­tie ? Die­se Deu­tung kann nur als absurd bezeich­net wer­den. Im Gegen­teil, kann man davon aus­ge­hen, dass es gera­de die furcht­ba­re Einig­keit der Alt­par­tei­en unter­ein­an­der ist, die die Men­schen zu „Alter­na­ti­ven“ treibt, wie etwa die Nach­denk­sei­ten ange­sichts der jüngs­ten Anne-Will-Talk­show schrei­ben : „Nichts könn­te fal­scher sein als das bei Anne Will ein­mal mehr ver­brei­te­te Man­tra von den Bür­gern, die genug vom poli­ti­schen Streit hät­ten. (…) Gera­de­zu sehn­süch­tig war­ten sie auf Poli­ti­ker, die einen ech­ten inhalt­li­chen Kon­flikt begin­nen wür­den, die sich trau­en wür­den, end­lich wie­der die Sys­tem­fra­ge zu stel­len. Das wird von CDU, SPD, FDP und Grü­nen stand­haft und selbst­zer­stö­re­risch ver­wei­gert.“

Hei­ner Flass­beck hat das Phä­no­men auf sei­nem Blog nun eben­falls unter­sucht :

Wo es schein­bar kei­ne Alter­na­ti­ve gibt, wäh­len die Bür­ger plötzlich Alter­na­ti­ven – selbst wenn sie sich nur so nen­nen wie die Grü­nen oder die AfD. So ist Trump an die Macht gekom­men und so wur­de ges­tern in Bra­si­li­en eine Kari­ka­tur von einem Poli­ti­ker zum Präsiden­ten gewählt, nur weil er ver­spricht, alles anders zu machen. Eine poli­ti­sche Éli­te, die auf bei­den Augen wirt­schafts­blind durch die Gegend tau­melt, ist weder in Hes­sen noch in Bra­si­li­en mit einer sta­bi­len Demo­kra­tie ver­ein­bar.“

LINKE kei­ne Alter­na­ti­ve mehr

Die LINKE ist dage­gen eine Par­tei, die schein­bar nicht merkt, dass sie gar nicht mehr als Alter­na­ti­ve wahr­ge­nom­men wird. Statt des­sen übt sie sich in Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung : »Wir zie­hen gestärkt in den Land­tag ein«, beju­bel­te Par­tei­che­fin Kat­ja Kip­ping die Hes­sen­wahl, wie das Neue Deutsch­land unter der Über­schrift „LINKE holt ihr bis­her stärks­tes Ergeb­nis bei einer Hes­sen-Wahl“ berich­tet. Da muss erst Jens Ber­ger Was­ser in den Wein gie­ßen : „In abso­lu­ten Zah­len hat die Links­par­tei in Hes­sen im Ver­gleich zur Bun­des­tags­wahl im letz­ten Jahr 90.000 Stim­men – das ist ein gan­zes Drit­tel – ver­lo­ren.“

Noch­mals am Bei­spiel der Anne-Will-Talk­show wur­de auch das Phä­no­men beschrie­ben, dass sich die Akteu­re, die die Poli­tik und die Pro­pa­gan­da der letz­ten Jahr­zehn­te und damit die gegen­wär­ti­gen Ver­hält­nis­se (sei­en es Rechts­ruck, Syri­en­krieg, Pfle­ge­not­stand oder Alters­ar­mut) geprägt haben, nun öffent­lich weiß­wa­schen : Mit dem Ver­weis auf die „Frat­ze AfD“ sol­le von der eige­nen Ver­ant­wor­tung von CDU, SPD, FDP und Grü­nen abge­lenkt wer­den :

Die eige­ne Exis­tenz soll als ‚letz­ter Schutz‘ vor den sel­ber ver­ur­sach­ten gesell­schaft­li­chen Erschüt­te­run­gen erschei­nen. Die Wäh­ler­wan­de­run­gen inner­halb des Par­tei­en-Quar­tetts können als poli­tisch fol­gen­lo­se Demo­kra­tie-Kos­me­tik betrach­tet wer­den. Zu einer ech­ten inhalt­li­chen Umkehr ist kei­ne der bei Anne Will ver­tre­te­nen Par­tei­en bereit.“

Es war nicht alles schlecht

Als will­kom­me­nes, wenn auch gro­bes Gegen­ge­wicht zum Tenor der gro­ßen deut­schen Medi­en sei im Lese­tipp der Woche die aktu­el­le Aus­ga­be des Rot­fuchs emp­foh­len. Zwar hat die all­um­fas­sen­de und radi­ka­le Stim­mungs­ma­che gegen Russ­land schein­bar leicht nach­ge­las­sen – es fin­den sich in den Main­stream-Medi­en aber noch immer jede Woche ver­zer­ren­de Pro­pa­gan­da-Stü­cke wie die­se Buch­re­zen­si­on des Deutsch­land­funk über die Russ­land im eiser­nen Griff hal­ten­de orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät.

Mehr zum The­ma — Mer­kel in Kiew, Deutsch­land in Mos­kau

Sol­che Bei­trä­ge sind wie eine gewohnt ten­den­ziö­se Phoe­nix-Doku Mosa­ik­stei­ne einer Tak­tik, die Ängs­te schü­ren und Rüs­tung recht­fer­ti­gen soll. Das stellt auch der Rot­fuchs fest, der schreibt : „Krieg beginnt lan­ge vor dem Krieg“. Das Online-Medi­um fährt fort :

Krieg beginnt lan­ge vor dem Krieg

Es gehört seit eini­gen Jah­ren zum Ritu­al des Wes­tens, Ruß­land als angeb­li­chen Ver­ur­sa­cher des neu­en kal­ten Krie­ges erbar­mungs­los anzu­kla­gen und mit Sank­tio­nen zu bestra­fen. In Leug­nung aller aggres­si­ven Hand­lun­gen des Wes­tens gegen­über Ruß­land (…) wer­den das rus­si­sche Reagie­ren und Ruß­lands Sicher­heits­maß­nah­men als bedroh­lich und frie­dens­ge­fähr­dend dar­ge­stellt. Es scheint auf den ers­ten Blick ver­wun­der­lich, daß 28 Jah­re nach dem Zer­fall der Sowjet­macht, nach der Geburt eines modi­fi­zier­ten Kapi­ta­lis­mus mit natio­na­len rus­si­schen Attri­bu­ten, nach dem Weg­fall eines poli­ti­schen und sozi­alökono­mi­schen Gegen­pols zur west­li­chen impe­ria­lis­ti­schen Alli­anz eine sol­che schar­fe Kon­fron­ta­ti­on ent­ste­hen konn­te.“

RT Deutsch


UN-Staaten einigen sich auf Entwurf für weltweiten Migrationspakt — USA außen vor


Die USA sind nach UN-Anga­ben als ein­zi­ger der 193 UN-Mit­glied­staa­ten aus den Ver­hand­lun­gen aus­ge­tre­ten. Er hof­fe, dass die USA aber “frü­her oder spä­ter” dem Abkom­men bei­tre­ten wür­den, sag­te Gene­ral­se­kre­tär Antó­nio Guter­res. Die USA sei­en selbst “Migra­ti­ons­land”. Auch Ungarn sieht den Ver­trag kri­tisch und will kom­men­de Woche in einer Regie­rungs­sit­zung ent­schei­den, ob es bei­tritt.

Das Doku­ment ist recht­lich nicht bin­dend, hat aber star­ken Sym­bol­cha­rak­ter. Der 34 Sei­ten lan­ge Migra­ti­ons­pakt soll hel­fen, Flücht­lings­strö­me bes­ser zu orga­ni­sie­ren und Rech­te der Betrof­fe­nen zu stär­ken. Dar­in ist von “geteil­ter Ver­ant­wor­tung” sowie “gegen­sei­ti­gem Ver­trau­en, Ent­schlos­sen­heit und Soli­da­ri­tät” die Rede. “Kein Land kann die Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen die­ses welt­wei­ten Phä­no­mens allein ange­hen”, heißt es in dem Papier. (dpa)

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RT Deutsch