Lenín Moreno : “Maduro und Correa stecken hinter diesem Putschversuch”


Der ecua­do­ria­ni­sche Prä­si­dent Lenín More­no hat erklärt, dass sowohl der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent Rafa­el Cor­rea als auch der vene­zo­la­ni­sche Prä­si­dent Nicolás Madu­ro für die aktu­el­le Kri­se in Ecua­dor ver­ant­wort­lich sind.

Madu­ros Statt­hal­ter hat zusam­men mit Cor­rea sei­nen Plan zur Desta­bi­li­sie­rung akti­viert”, sag­te der Prä­si­dent im natio­na­len Radio und Fern­se­hen.

More­no beschrieb Madu­ro und Cor­rea als “kor­rupt” und auf der Flucht vor der Jus­tiz.

Sie sind die­je­ni­gen, die hin­ter die­sem ver­such­ten Staats­streich ste­hen”, füg­te er hin­zu und bekräf­tig­te, dass die Men­schen, die zur Gewalt auf­sta­cheln, “bezahlt und orga­ni­siert” wer­den.

Der Prä­si­dent beschul­dig­te auch ande­re Poli­ti­ker, an dem Kom­plott betei­ligt zu sein, dar­un­ter den ehe­ma­li­gen Außen­mi­nis­ter Ricar­do Pati­ño.

Ver­le­gung des Regie­rungs­sit­zes

In sei­ner Erklä­rung kün­dig­te More­no die Ver­le­gung des Regie­rungs­sit­zes von der Haupt­stadt Qui­to in die Küs­ten­me­tro­po­le Gua­ya­quil im Süd­wes­ten des Lan­des an.

Ich bin in die Stadt Gua­ya­quil umge­zo­gen, und ich habe den Regie­rungs­sitz in die­se gelieb­te Stadt ver­legt, ent­spre­chend den mir über­tra­ge­nen ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Befug­nis­sen”, sag­te der Prä­si­dent inmit­ten der hef­ti­gen Pro­tes­te in der Haupt­stadt.

Das Staats­ober­haupt bekräf­tig­te, dass er “den Frie­den und die Ruhe der Ecua­do­ria­ner” vor sein eige­nes Wohl gestellt hat.

Die Plün­de­run­gen, der Van­da­lis­mus und die Gewalt zei­gen, dass es hier eine orga­ni­sier­te poli­ti­sche Absicht gibt, die Regie­rung zu desta­bi­li­sie­ren und die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge und demo­kra­ti­sche Ord­nung zu zer­stö­ren”, sag­te er.

Die Dumm­hei­ten haben ein Ende”

More­no dank­te den Streit­kräf­ten und der Poli­zei des Lan­des für den Schutz der “Rech­te und der Ruhe der Bür­ger”.

Wir wer­den immer jeg­li­ches Blut­ver­gie­ßen ver­mei­den”, sag­te der Prä­si­dent.

Zugleich bekräf­tig­te er sei­ne Posi­ti­on gegen­über den aktu­el­len Beein­träch­ti­gun­gen der öffent­li­chen Ord­nung.

Ich wer­de nicht nach­ge­ben, weil das Rich­ti­ge kei­ne Abstu­fun­gen hat”, so More­no.

Das Staats­ober­haupt nann­te die Abschaf­fung der Treib­stoff­sub­ven­tio­nen “eine his­to­ri­sche Ent­schei­dung”, die den Schmugg­lern “Hun­der­te von Mil­lio­nen US-Dol­lar” ein­brach­te.

Ich ver­si­che­re Ihnen, dass wir, so schwer es auch erschei­nen mag, das Rich­ti­ge getan haben”, äußer­te der Prä­si­dent.

More­no erklär­te, dass die­se Ent­schei­dung das Wohl­erge­hen der Wirt­schaft und die Posi­ti­on des US-Dol­lars als natio­na­le Wäh­rung schüt­zen wird. “Die Dumm­hei­ten, die Res­sour­cen des Staa­tes zu ver­schwen­den, haben ein Ende”, füg­te er hin­zu.

Zuneh­men­de Pro­tes­te – nächt­li­che Aus­gangs­sper­re

Am 7. Okto­ber wur­de Ecua­dor lan­des­weit an sei­nem fünf­ten Tag der Pro­tes­te gegen die “Paque­ta­zo” genann­ten Maß­nah­men­pa­ke­te von Prä­si­dent More­no erschüt­tert. Eini­ge der Demons­tran­ten tauf­ten ihren Auf­ruhr als “Revo­lu­ti­on der Dumm­hei­ten” als Anspie­lung auf die Wor­te, mit denen sich der Prä­si­dent selbst auf die “Fau­len und Die­be” bezog und vom Ende der “Dumm­hei­ten” sprach.

Die indi­ge­nen Ecua­do­ria­ner leh­nen More­nos Abschaf­fung der Sub­ven­tio­nen für Treib­stof­fe ab, da sich die­se dadurch deut­lich ver­teu­er­ten. Die Prei­se für eine Gal­lo­ne Ben­zin und Öko­kraft­stoff klet­ter­ten von 1,85 auf 2,39 US-Dol­lar und die für Die­sel von 1,03 auf 2,29 US-Dol­lar, was in der Sum­me einer Stei­ge­rung um 123 Pro­zent ent­spricht.

Tau­sen­de Ecua­do­ria­ner, die sich in den indi­ge­nen Bewe­gun­gen der Gebirgs­re­gi­on des Lan­des zusam­men­ge­schlos­sen hat­ten, ström­ten am spä­ten Mon­tag­nach­mit­tag in die Haupt­stadt. Ein RT-Team berich­te­te vor Ort von einem der Demons­tra­ti­ons­zü­ge und wur­de Opfer des Trä­nen­ga­ses, das Mili­tär und Poli­zei gegen die Men­schen­men­ge ein­ge­setzt hat­te.

Die Pro­tes­te in Qui­to gin­gen bis in die Nacht auf Diens­tag hin­ein wei­ter. Die Mas­se der Demons­tran­ten ver­sam­mel­te sich in der Nähe meh­re­rer Regie­rungs­ge­bäu­de, wobei eine Grup­pe von ihnen für eini­ge Minu­ten in das Par­la­ment ein­drang. Die Ver­ei­ni­gung der indi­ge­nen Natio­nen Ecua­dors (CONAIE) rief für Mitt­woch zu einem Gene­ral­streik mit Schwer­punkt in der Haupt­stadt auf.

Am Diens­tag ver­häng­te More­no eine nächt­li­che Aus­gangs­sper­re für die Umge­bung der Regie­rungs­ge­bäu­de. Die­se soll­te ursprüng­lich für die Zeit des in der ver­gan­ge­nen Woche aus­ge­ru­fe­nen 60-tägi­gen Aus­nah­me­zu­stands gel­ten. Doch der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof beschränk­te die Dau­er der Aus­gangs­sper­re auf 30 Tage.

Das Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um kün­dig­te mitt­ler­wei­le an, dass der Lehr­be­trieb an allen öffent­li­chen und pri­va­ten Schu­len des Lan­des “bis auf wei­te­res” aus­ge­setzt bleibt.

Sie selbst sind die Put­schis­ten”

Der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent des Lan­des Rafa­el Cor­rea äußer­te sich am Diens­tag in einem Inter­view mit RT zur Situa­ti­on in Ecua­dor und zu den Vor­wür­fen sei­nes Amts­nach­fol­gers gegen ihn und den vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Madu­ro.

Cor­rea sag­te, dass die Erklä­run­gen des ecua­do­ria­ni­schen Prä­si­den­ten “ein Zei­chen der Ent­frem­dung sind, die More­no in sei­ner gesam­ten Regie­rung aus­zeich­nen”. Dem jet­zi­gen Staats­ober­haupt warf er vor, ihn stän­dig für “die schlech­te Wirt­schafts­leis­tung, das Anwach­sen der Unsi­cher­heit und das Schei­tern all sei­ner poli­ti­schen Vor­ha­ben” ver­ant­wort­lich zu machen.

More­nos Aus­sa­gen “kann nie­mand mehr glau­ben”, denn sei­ne Hal­tung “ist wirk­lich Wahn­sinn”, erklär­te der Ex-Prä­si­dent.

Sie sagen, dass wir Put­schis­ten sind und dass wir die Regie­rung desta­bi­li­sie­ren wol­len”, so Cor­rea wei­ter und füg­te hin­zu, dass “sie selbst die Put­schis­ten sind, die die Ver­fas­sung oft und nach Belie­ben gebro­chen haben”.

Sie sind nicht an Demo­kra­tie inter­es­siert. Sie sind dar­an inter­es­siert, wei­ter die Macht und das ecua­do­ria­ni­sche Volk zu kon­trol­lie­ren”, um eine Poli­tik durch­zu­set­zen, “die der gro­ßen Mehr­heit scha­det, aber ihren Geschäf­ten zugu­te kommt (…) Sie sind die­je­ni­gen, die die Demo­kra­tie gestoh­len haben”, sag­te More­nos Amts­vor­gän­ger.

Cor­rea ver­wies auf eine “ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Lösung” für die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on, die ihm zufol­ge dar­in besteht, die “Wah­len vor­zu­zie­hen und das Volk abstim­men zu las­sen”.

So wer­den Kon­flik­te in einer Demo­kra­tie gelöst : an der Wahl­ur­ne”, beton­te der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent.

Das frü­he­re Staats­ober­haupt bezeich­ne­te die Art und Wei­se, wie die Leit­me­di­en sei­nes Lan­des über die dor­ti­gen Ereig­nis­se berich­ten, als “beschä­mend”:

Es ist obszön, wie sie die Unter­drü­ckung ver­ber­gen. Das Land wird von einer gewal­ti­gen Kri­se erschüt­tert, und sie sen­den wei­ter­hin Sei­fen­opern und Zei­chen­trick­fil­me.

Mehr zum The­ma — Pro­tes­te gegen Preis­er­hö­hun­gen bei Treib­stof­fen : Ecua­dor ver­hängt Aus­nah­me­zu­stand (Video)

Der Pakt mit dem IWF – “Rei­nes Mär­chen”

Cor­rea warf der Regie­rung sei­nes Amts­nach­fol­gers und ehe­ma­li­gen Vize­prä­si­den­ten zudem vor, über die Höhe der Staats­schul­den zu lügen, um einen Pakt mit dem IWF zu recht­fer­ti­gen, zu dem die umstrit­te­nen Maß­nah­men gehö­ren, die sie der Bevöl­ke­rung auf­zu­zwin­gen ver­su­chen.

Das ist ein rei­nes Mär­chen”, sag­te Cor­rea und warf sei­nen poli­ti­schen Geg­nern vor, “von Anfang an das Wirt­schafts­pro­gramm ver­ra­ten zu haben”, um zu ver­su­chen, “den Neo­li­be­ra­lis­mus durch­zu­set­zen” und damit die Macht­grup­pen zufrie­den zu stel­len, die More­no unter­stüt­zen.

Die­se Grup­pen wol­len den Neo­li­be­ra­lis­mus, das ‘Jeder ist sich selbst der Nächs­te’ und die Mini­mie­rung des Staa­tes”, so der Ex-Prä­si­dent.

Das frü­he­re Staats­ober­haupt beklag­te, dass sein Land “seit 14 Jah­ren” nicht sol­chen har­ten Wirt­schafts­maß­nah­men aus­ge­setzt war.

Mehr zum The­ma — Über 350 Fest­nah­men bei Trans­port­streik in Ecua­dor

RT Deutsch


Assange betrieb Zentrum für Spionage” — Ecuadors Präsident Moreno kontert Ex-Präsidenten Correa


Wiki­Leaks-Grün­der Juli­an Assan­ge habe mehr­mals die Bedin­gun­gen sei­nes Auf­ent­halts in der ecua­do­ria­ni­schen Bot­schaft in Lon­don ver­letzt und ver­sucht, sich von dort aus in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten ande­rer Län­der ein­zu­mi­schen. Dies sag­te der ecua­do­ria­ni­sche Prä­si­dent Lenín More­no gegen­über der Zei­tung The Guar­di­an.

Unser Haus, das sei­ne Türen öff­ne­te, kann nicht zum Zen­trum für Spio­na­ge wer­den. Die­ses Ver­hal­ten ver­stößt ein­deu­tig gegen die Asyl­be­din­gun­gen. Unse­re Ent­schei­dung ist daher nicht will­kür­lich und basiert auf dem inter­na­tio­na­len Recht”, so More­no.

Die Vor­gän­ger­re­gie­rung in Qui­to habe zuge­las­sen, dass von der Bot­schaft in Lon­don aus in die “Pro­zes­se ande­rer Staa­ten” ein­ge­grif­fen wer­de. Laut More­no soll Assan­ge Bot­schafts­mit­ar­bei­ter schlecht behan­delt und recht­li­che Schrit­te ange­droht haben.

Als Bei­spiel für die jüngs­te Ein­mi­schung nann­te er die Ver­öf­fent­li­chung gehei­mer Doku­men­te aus dem Vati­kan im Janu­ar die­sen Jah­res. “Lei­der gibt es Indi­vi­du­en, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Pri­vat­sphä­re ande­rer Men­schen zu ver­let­zen”, so More­no. Dabei beton­te er, dass der Ent­zug des Asyls für den Wiki­Leaks-Grün­der eine sou­ve­rä­ne Ent­schei­dung gewe­sen sei :

Wir tref­fen kei­ne Ent­schei­dun­gen auf­grund äuße­ren Drucks sei­tens eines ande­ren Staa­tes.

Der ehe­ma­li­ge Staats­chef Ecua­dors Rafa­el Cor­rea hat­te nach der Fest­nah­me von Assan­ge gegen­über dem TV-Sen­der RT  erklärt, dass der Ent­zug von Ass­an­ges Asyl eine “Rache für die gegen ihn [More­no] erho­be­nen Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe” sei. Er ver­wies dar­auf, dass die Platt­form Wiki­Leaks ent­spre­chen­de Bewei­se — Doku­men­te, Kor­re­spon­denz und Kon­to­aus­zü­ge — publik gemacht hat­te.

Cor­rea wies auch dar­auf hin, dass Assan­ge seit dem Jahr 2017 ecua­do­ria­ni­scher Staats­bür­ger sei und die Fest­nah­me von Assan­ge durch die bri­ti­sche Poli­zei auf dem Ter­ri­to­ri­um der Bot­schaft nicht nur ein Ver­stoß gegen das Völ­ker­recht, son­dern auch gegen die ecua­do­ria­ni­sche Ver­fas­sung sei. Nicht er, Rafa­el Cor­rea, habe ihm Asyl gewährt, son­dern der Staat Ecua­dor, so der Ex-Prä­si­dent. 

Gegen­über der Zei­tung The Guar­di­an wies More­no die­se Vor­wür­fe zurück und sag­te, dass sein Vor­ge­hen in Bezug auf Assan­ge nicht mit dem Leak ver­bun­den sei.

Außer­dem bestand er dar­auf, dass die Ent­schei­dung, mit den Bri­ten zusam­men­zu­ar­bei­ten und Assan­ge aus der Bot­schaft zu ent­fer­nen, eine sou­ve­rä­ne Ent­schei­dung sei­ner Regie­rung gewe­sen und ihm von kei­ner exter­nen Macht auf­ge­zwun­gen wor­den sei.

Er war ein Gast, dem eine wür­di­ge Behand­lung ange­bo­ten wur­de. Aber er hat­te weder das Grund­prin­zip der Gegen­sei­tig­keit für das Land, das ihn will­kom­men hieß, ver­stan­den, noch die Bereit­schaft, das Pro­to­koll [aus] dem Land, das ihn auf­ge­nom­men hat­te, anzu­neh­men. Der Ent­zug sei­nes Asyls erfolg­te unter strik­ter Ein­hal­tung des Völ­ker­rechts”, sag­te More­no.

Schmutz­kam­pa­gne gegen Assan­ge”

Deut­sche und spa­ni­sche Abge­ord­ne­te ver­such­ten unter­des­sen am Mon­tag ver­geb­lich, Assan­ge im Gefäng­nis zu besu­chen. Hei­ke Hän­sel und Sevim Dagde­len (bei­de von der Par­tei Die Lin­ke) hat­ten aber nur eine Besuchs­ge­neh­mi­gung für die Bot­schaft, wie eine Spre­che­rin der Par­tei in Ber­lin sag­te. Von­sei­ten des Gefäng­nis­ses habe es kei­ne Ant­wort gege­ben. Auch die spa­ni­sche Grü­nen-Euro­pa-Abge­ord­ne­te Ana Miran­da war ver­geb­lich nach Lon­don gereist.

Das Ver­hal­ten der Regie­rung Ecua­dors gegen­über Assan­ge sei ein “ekla­tan­ter Ver­stoß gegen das Völ­ker­recht”, hieß es in einer gemein­sa­men Mit­tei­lung der drei Poli­ti­ke­rin­nen. Sie spra­chen von einer “Schmutz- und Ver­leum­dungs­kam­pa­gne” gegen den 47-Jäh­ri­gen.

Der gebür­ti­ge Aus­tra­li­er war am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag von der bri­ti­schen Poli­zei in der ecua­do­ria­ni­schen Bot­schaft fest­ge­nom­men wor­den, nach­dem das Land sein poli­ti­sches Asyl auf­ge­ho­ben hat­te. Assan­ge war vor fast sie­ben Jah­ren in die diplo­ma­ti­sche Ver­tre­tung geflüch­tet.

Die USA wer­fen Assan­ge Ver­schwö­rung mit der Whist­leb­lo­we­rin Chel­sea Man­ning vor, um ein Pass­wort eines Com­pu­ter­netz­werks der Regie­rung zu kna­cken. Man­ning hat­te Wiki­Leaks im Jahr 2010 — damals noch als Brad­ley Man­ning — hun­dert­tau­sen­de gehei­me Mili­tär­do­ku­men­te zukom­men las­sen. Es ging dabei unter ande­rem um Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen wäh­rend der US-Mili­tär­ein­sät­ze im Irak und in Afgha­ni­stan.

RT Deutsch