Moskau fordert Informationen zu britischem Porton-Down-Labor


Der Lei­ter der rus­si­schen Dele­ga­ti­on bei der Orga­ni­sa­ti­on für das Ver­bot von Che­mie­waf­fen (OPCW), Geor­gi Kala­ma­now, hat von Lon­don Offen­le­gung der Infor­ma­tio­nen zur Tätig­keit des bri­ti­schen Labors für Che­mie- und Bio­waf­fen­for­schung Por­ton Down gefor­dert.
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Putins Spiele” und die Qualitätsmedien (X) – Heute : “Moskau, die Ja-aber-Stadt“


von Leo Ensel

Ali­ce Bota, ihres Zei­chens Ost­eu­ro­pa­kor­re­spon­den­tin der Zeit, lei­det an einer kogni­ti­ven Dis­so­nanz“. Jeden­falls in Bezug auf Mos­kau. Das ist natür­lich bedau­er­lich !

Sie wis­sen nicht, was das ist ? Also, für Nicht-Psy­cho­lo­gen : Kogni­ti­ve Dis­so­nanz ist ein inne­rer Spa­gat zwi­schen kon­trä­ren Wahr­neh­mun­gen, den man irgend­wie aus­hal­ten bzw. ver­ar­bei­ten muss. Kann man auch so sagen, aber „kogni­ti­ve Dis­so­nanz“ klingt natür­lich schi­cker.

Im Grun­de nicht wei­ter tra­gisch. Da es in jeder Welt­stadt von allem alles gibt – und davon auch noch­mal das Gegen­teil, eigent­lich eine ganz nor­ma­le ange­mes­se­ne Reak­ti­on auf die ver­wir­ren­de Kom­ple­xi­tät einer Metro­po­le. Und das gilt selbst­ver­ständ­lich auch für die rus­si­sche Haupt­stadt.

Nicht so im Qua­li­täts­me­di­um Zeit Online. Bei Ali­ce Bota wird dar­aus recht gequält die „Ja-aber-Stadt“: „Ja, Mos­kau ist groß­ar­tig – aber die Stadt kann unglaub­lich zeh­rend sein.“ Stimmt haar­ge­nau. Ist aller­dings nicht unbe­dingt ein Allein­stel­lungs­merk­mal von Mos­kau. Lie­be Frau Bota, fah­ren Sie mal nach Mum­bai ! Was glau­ben Sie, wie die­se groß­ar­ti­ge Stadt an Ihnen zeh­ren wird ! Und selbst das geord­ne­te Cha­os von New York City lässt sich ohne eine Rei­he kogni­ti­ver Dis­so­nan­zen nur schwer­lich bewäl­ti­gen.

Ja, Mos­kau ent­wi­ckelt sich atem­be­rau­bend schnell, aber die Ent­wick­lung ist skru­pel­los, oft auf Kos­ten der Schwa­chen, wie der unter­be­zahl­ten Gast­ar­bei­ter.“ Wie schön wäre es für unse­ren Pla­ne­ten, wenn die rus­si­sche Metro­po­le in die­sem Punkt ein­zig­ar­tig wäre ! Um nur mal beim Fuß­ball, um den sich ja gegen­wär­tig alles dreht, zu blei­ben : Glau­ben Sie, die Sta­di­en samt Infra­struk­tur für die Welt­meis­ter­schaf­ten in Süd­afri­ka und Bra­si­li­en oder für die Euro­pa­meis­ter­schaft in der Ukrai­ne wären unter kom­for­ta­ble­ren Bedin­gun­gen errich­tet wor­den ? Von der kom­men­den WM in Katar ganz zu schwei­gen !

Ja, Mos­kau hat groß­ar­ti­ge Restau­rants, aber die rus­si­schen Durch­schnitts­ge­häl­ter von ein paar Hun­dert Euro im Monat erlau­ben nur den wenigs­ten regel­mä­ßi­ge Besu­che.“ Ja, lei­der haben es Luxus­re­stau­rants auf der gan­zen Welt so an sich, dass sie, wenn über­haupt, nur von den Gut­be­tuch­ten regel­mä­ßig besucht wer­den kön­nen. „Jedem nach sei­nen Bedürf­nis­sen“ – das hat schon damals im Kom­mu­nis­mus nicht so rich­tig geklappt ! Aber es gibt auch gute Nach­rich­ten, die Ihnen, da sie ja seit zwei­ein­halb Jah­ren in Mos­kau leben, eigent­lich bekannt sein müss­ten : Gera­de in Mos­kau gibt es näm­lich eine wach­sen­de Zahl – nicht unbe­dingt groß­ar­ti­ger, aber doch – sehr ver­nünf­ti­ger Restau­rants im mitt­le­ren Preis­seg­ment.

Und die kön­nen sich dort immer mehr Men­schen der sich eta­blie­ren­den Mit­tel­schicht durch­aus leis­ten. Zwar nicht immer, aber immer öfter ! Das Glei­che gilt für die vie­len neu­en Restau­rant­ket­ten und Cafés, die ger­ne von jun­gen Leu­ten fre­quen­tiert wer­den. Davon gibt es auch auf dem Arb­at und selbst auf der Tver­ska­ja eine gan­ze Rei­he.

Und für die­je­ni­gen, die noch weni­ger im Porte­mon­naie haben, sich aber wenigs­tens ab und zu mal was gön­nen wol­len, und zwar durch­aus mit Stil, gibt es zum Bei­spiel die „Sto­lo­wa­ja“ im sowjet­nost­al­gi­schen Look im zwei­ten Stock des Luxus­tem­pels GUM, direkt gegen­über von Lenin. Die lan­gen Schlan­gen wie zu Sowjet­zei­ten bewei­sen die Beliebt­heit die­ses preis­wer­ten Imbiss mit typisch rus­si­schen Gerich­ten. Neben­bei : Die­ses sou­vernä­ne selbst­iro­ni­sche Spie­len mit der Sowjet­ver­gan­gen­heit und ihren Reli­qui­en, das man in Russ­land nicht zuletzt bei der Innen­ein­rich­tung von Knei­pen oder Restau­rants öfters mal antrifft, zeugt von gewach­se­nem Selbst­be­wusst­sein !

Ja, Mos­kau ist sehr ordent­lich und sehr sicher – aber dank eines Kon­troll- und Über­wa­chungs­ei­fers, der sich wie ein Schat­ten auf das täg­li­che Leben legt.“ Lie­be Frau Bota, ich kann mich noch gut an die Jel­zin-Zei­ten erin­nern, wo der öffent­li­che Raum in rus­si­schen Städ­ten, nament­lich in Mos­kau, eine höchst unsi­che­re Zone war, die man schnellst­mög­lich durch­quer­te, um sich wie­der in sei­nem Квартира zu ver­bar­ri­ka­die­ren. Heu­te kann man dort völ­lig unbe­hel­ligt zu jeder Tages- und Nacht­zeit gemüt­lich bum­meln oder mit öffent­li­chen Fahr­rä­dern die Stra­ßen durch­que­ren – und die Stadt kann es kri­ti­schen aus­län­di­schen Journalist*innen immer noch nicht recht­ma­chen ! Dabei ist sie doch dank der Fuß­ball-WM gera­de dabei, sich ein wei­te­res Mal neu zu erfin­den.

Sie, lie­be Frau Bota, sind nicht die Ein­zi­ge, die sich ver­wun­dert die Augen reibt und Sie haben es selbst wun­der­bar auf den Begriff gebracht : „Mos­kau fei­ert wäh­rend der WM das Cha­os und erlebt einen wohl­tem­pe­rier­ten Kon­troll­ver­lust!“ Aus­län­di­sche Fans tan­zen nachts mit Ein­hei­mi­schen auf den Stra­ßen, Ticket­ver­käu­fe­rin­nen in den Metro­sta­tio­nen – die übri­gens auch vor­her schon bis­wei­len lächeln konn­ten ! – „ver­su­chen sich in eng­li­schen Gruß­for­meln. In den U-Bah­nen, wo es gewöhn­lich still und leb­los zugeht, reden Men­schen plötz­lich mit­ein­an­der oder sin­gen. Die rus­si­schen Natio­nal­gar­dis­ten, die bis­lang auf Demons­tra­tio­nen durch ihr rabia­tes Vor­ge­hen auf­fie­len, fuch­teln mit Hän­den und Füßen, um Bri­ten zu erklä­ren, wo sie umstei­gen müs­sen. Plötz­lich ist Mos­kau die Stadt, in der es sich mit Leich­tig­keit lebt.“

Ja, die Rus­sen kön­nen auch anders ! Die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft hat – und nicht nur in Mos­kau – vie­les in Bewe­gung gebracht. Auch in den Köp­fen. „Viel­leicht wer­den die Rus­sen anzwei­feln, ob im Wes­ten wirk­lich so eine Russo­pho­bie herr­schen kann, wie Poli­ti­ker sie glau­ben las­sen wol­len.“ Mag sein. Viel­leicht wer­den aber auch zahl­rei­che Aus­län­der ihr Bild von Russ­land und den Rus­sen revi­die­ren ! Viel­leicht wer­den sie ja zuhau­se berich­ten, dass auch Rus­sen freund­lich und hilfs­be­reit sein kön­nen, dass sie aus­ge­las­sen auf den Stra­ßen und Plät­zen fei­ern kön­nen, dass – Sen­sa­ti­on!! – sogar rus­si­sche Poli­zis­ten mal lächeln kön­nen, dass rus­si­sche Städ­te längst nicht mehr so her­un­ter­ge­kom­men aus­se­hen wie in den Neun­zi­gern und dass nicht hin­ter jeder Ecke ein Hoo­li­gan lau­ert. Mit einem Wort : Dass Rus­sen ein Groß­ereig­nis wie eine Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft sou­ve­rän und pro­fes­sio­nell stem­men kön­nen. 

Jeden­falls – und in die­sem Punkt tref­fen wir uns, lie­be Frau Bota – gut, dass die­se WM in Russ­land statt­fin­det ! Möch­ten Sie das nicht mal Ihrem Kol­le­gen Stef­fen Dob­bert mit­tei­len, der sich bereits seit über zwei Wochen tap­fer in WM-Aske­se übt ?

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

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Dies haben US-Aufhetzungsversuche gegenüber Kiew und Moskau zur Folge – Abgeordneter


Der Abge­ord­ne­te des ukrai­ni­schen Par­la­ments Jew­ge­ni Mura­jew hat gegen­über dem TV-Sen­der New­sO­ne die Ver­su­che der USA kom­men­tiert, einen Keil zwi­schen die Ukrai­ne und Russ­land zu trei­ben, und die Fol­gen die­ser Akti­vi­tä­ten erläu­tert.
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Westen setzte Erpressung ein“: Moskau zu Erweiterung von OPCW-Mandat


Der Wes­ten hat einen bei­spiel­lo­sen Druck aus­ge­übt, um das erwei­ter­te Man­dat der Orga­ni­sa­ti­on für das Ver­bot che­mi­scher Waf­fen durch­zu­set­zen. Die­se Auf­fas­sung haben Russ­lands Stän­di­ger Ver­tre­ter bei der OPCW Alex­an­der Schul­gin und das Mit­glied des Außen­aus­schus­ses im rus­si­schen Unter­haus Ser­gej Sche­les­njak geäu­ßert.
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Russische Invasion sehr wahrscheinlich”: Moskau wirft Litauens Präsidentin Russophobie & Lügen vor


Die rus­si­sche Abge­ord­ne­te Iri­na Jaro­wa­ja gab ihren Kom­men­tar ab, nach­dem die litaui­sche Prä­si­den­tin Dalia Gry­bau­skai­te kürz­lich in einem Inter­view mit der Zeit­schrift Der Spie­gel behaup­tet hat­te, dass die Wahr­schein­lich­keit einer rus­si­schen Inva­si­on hoch sei und Litau­en sich stän­dig gegen die­se Bedro­hung ver­tei­di­gen müs­se.

Wenn wir anfan­gen, Alle­go­ri­en zu benut­zen, wie Frau Gry­bau­skai­te, dann soll­te sie als Prä­si­den­tin nicht die See­le und das Herz des litaui­schen Vol­kes mit ihren schwar­zen Lügen und ihrer Russo­pho­bie befle­cken, son­dern ihr Gewis­sen und ihren Ver­stand für ver­nünf­ti­ges poli­ti­sches Den­ken und Han­deln ein­set­zen”, schrieb Jaro­wa­ja in einer auf ihrer offi­zi­el­len Web­site ver­öf­fent­lich­ten Erklä­rung.

Sie spielt ein Spiel, das nichts mit Sicher­heit, Völ­ker­recht oder fai­ren poli­ti­schen Regeln zu tun hat”, so die Poli­ti­ke­rin.

Im Gegen­satz zu Gry­bau­skai­te schätzt unser Volk den Frie­den und die Freund­schaft. Und wir wer­den nie ver­ges­sen, dass es das mul­ti­eth­ni­sche Sowjet­volk war, das die Welt vor dem Nazis­mus ver­tei­dig­te”, füg­te sie hin­zu.

Jaro­wa­ja ist seit 2007 Abge­ord­ne­te der Staats­du­ma, und dies ist nicht das ers­te Mal, dass sie auf anti­rus­si­sche Äuße­run­gen von Staats­ober­häup­tern ost­eu­ro­päi­scher Natio­nen ant­wor­tet. Im August 2017 kri­ti­sier­te sie den dama­li­gen pol­ni­schen Außen­mi­nis­ter Witold Wasz­c­zy­kow­ski für des­sen Aus­sa­ge, dass die UdSSR und Nazi­deutsch­land glei­cher­ma­ßen für den Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs ver­ant­wort­lich sei­en. Sie wies dar­auf hin, dass die­se Posi­ti­on mit rechts­ex­tre­mer Pro­pa­gan­da von Nazi-Apo­lo­ge­ten über­ein­stim­me.

Kurz davor hat­te die Abge­ord­ne­te das pol­ni­sche Gesetz, das die Zer­stö­rung von Denk­mä­lern der Roten Armee in Polen ermög­lich­te, als “ein Ver­bre­chen gegen die eige­ne Nati­on” und einen ver­rä­te­ri­schen Schritt gegen die­je­ni­gen bezeich­net, die Euro­pa von den Nazis befrei­ten.

RT Deutsch


Syrien : 40 Tonnen Chemikalien auf Territorium von Terroristen entdeckt – Moskau


Mehr als 40 Ton­nen Gift­stof­fe sind in Gebie­ten Syri­ens ent­deckt wor­den, die kürz­lich von Ter­ro­ris­ten befreit wur­den. Das erklär­te der Chef der ABC-Abwehr­trup­pen Russ­lands, Igor Kiril­low. Die OPCW-Orga­ni­sa­ti­on wies ihm zufol­ge mehr­mals die Bit­ten der syri­schen Regie­rung zurück, Inspek­tio­nen in Lagern mit Che­mi­ka­li­en der Kämp­fer zu unter­neh­men.
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Trump erwägt Treffen mit Präsident Putin — Sicherheitsberater Bolton in Moskau erwartet


Wir erwä­gen die Mög­lich­keit” einer Sit­zung mit Putin im Juli, sag­te Trump als Ant­wort auf die Fra­ge eines Repor­ters im Wei­ßen Haus am Don­ners­tag. Unter­des­sen beton­te Kreml-Spre­cher Dmi­tri Pes­kow gegen­über Repor­tern in Mos­kau, dass ein kon­kre­tes Tref­fen noch nicht beschlos­sen wur­de.

Wenn und falls wir bereit sind, wer­den wir die Ankün­di­gung machen”, sag­te er.

Zwei mög­li­che Sze­na­ri­en für das Tref­fen sind ent­we­der vor oder nach dem NATO-Gip­fel in Brüs­sel im Juli oder nach Trumps Besuch in Groß­bri­tan­ni­en am 13. Juli, sag­te eine nament­lich nicht genann­te Quel­le dem Nach­rich­ten­por­tal Bloom­berg am Mitt­woch.

Die Gesprä­che über ein Tref­fen wur­den bekannt­ge­ge­ben, nach­dem der Spre­cher des Natio­na­len Sicher­heits­ra­tes des Wei­ßen Hau­ses, Gar­rett Mar­quis, am Don­ners­tag in einem Tweet bestä­tigt hat, dass der US-ame­ri­ka­ni­sche Sicher­heits­be­ra­ter John Bol­ton nächs­te Woche Russ­land besu­chen wird, um ein “poten­zi­el­les Tref­fen” zwi­schen Trump und Putin zu bespre­chen.

Kreml-Spre­cher Dmi­tri Pes­kow bestä­tig­te, dass Mos­kau einen Besuch von Bol­ton in Russ­land erwar­tet.

Soweit wir wis­sen, wird ein sol­cher Besuch tat­säch­lich statt­fin­den. Das ist alles, was wir im Moment sagen kön­nen”, sag­te Pes­kov am Don­ners­tag den Repor­tern.

Trump hat­te bis­her zwei Tref­fen mit Putin, die bei­de im ver­gan­ge­nen Som­mer auf dem G20-Gip­fel in Ham­burg statt­fan­den.

RT Deutsch


Fiesta Mexicana in Moskau : Ein Stimmungsbericht zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko


von Ivan Rodi­o­nov

Nur kein Stress, ich glau­be Euch auch ohne Papie­re”, sagt die jun­ge Poli­zis­tin vor dem Dreh­kreuz am Ein­gang zum U-Bahn­hof Smo­len­s­ka­ja, als ich nach mei­ner Fan-ID in den Taschen fische. Wir ste­hen mit­ten in einer Trau­be glück­li­cher, aber etwas rat­lo­ser Mexi­ka­ner — und die Beam­tin fügt mit brei­tem, strah­len­dem Lächeln hin­zu : “Viel Spaß und viel Glück”, wobei sie mit ihrer Dienst­kar­te den Zugang frei­macht und uns durch­winkt. Freie Fahrt für Fuß­ball-Fans.

Die rus­si­sche Poli­zei, sonst für ihre Gries­grä­mig­keit und Rup­pig­keit bekannt, zeigt ihre mensch­li­che, ja char­man­te Sei­te. Ein klei­ner per­sön­li­cher Wow-Moment zum Abschluss des Tages, an dem es vie­le “Wows” gab — und ein Stück Fuß­ball­ge­schich­te geschrie­ben wur­de : Mexi­ko gewann zum ers­ten Mal gegen Deutsch­land bei einer WM.

In einem toben­den und tosen­den Lusch­ni­ki-Sta­di­on, wel­ches — mit über 78.000 Men­schen bis an den Rand voll — an die­sem Abend wohl eben­so in Mexi­ko-Stadt hät­te lie­gen kön­nen. Noch mexi­ka­ni­scher gin­ge es kaum. Obwohl zwei Blö­cke deut­scher Fans rein zah­len­mä­ßig gut hät­ten dage­gen­hal­ten kön­nen. Sie setz­ten aber akus­tisch kei­ne gro­ßen Akzen­te und beschränk­ten sich auf das Fah­nen­schwen­ken. Aber der Rei­he nach.

Drei Stun­den vor dem Spiel in der U-Bahn : Mexi­ka­ner sind über­all. Sie lau­fen die Roll­trep­pen auf und ab, machen Grup­pen-Fotos, skan­die­ren sich warm und fah­ren sorg­los in alle Rich­tun­gen. Das unter­ir­di­sche Echo trägt ihre Sprech­chö­re durch die Gän­ge und Bahn­stei­ge. “Ale­ma­nia” ist her­aus­zu­hö­ren. Ich fra­ge mich, wie sie ihre rie­si­gen Som­bre­ro-Hüte über den Atlan­tik gebracht haben : als Hand­ge­päck ? Klei­ne deut­sche Grup­pen bemü­hen sich, zusam­men zu blei­ben, lesen Weg­be­schrei­bun­gen auf den Smart­pho­nes und kon­zen­trie­ren sich dar­auf, in den rich­ti­gen Zug ein­zu­stei­gen.

Fiesta Mexicana in Moskau: Ein Stimmungsbericht zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko

Zwei Stun­den vor dem Spiel am Lusch­ni­ki-Sta­di­on : Die Men­schen­men­ge ist schon dicht gedrängt, fließt aber frei durch brei­te Sicher­heits-Kor­ri­do­re. Flan­kiert von Bar­rie­ren, dahin­ter auch der Poli­zei, die aber eher unauf­dring­lich im Hin­ter­grund bleibt. Auf­fal­lend vie­le Chi­ne­sen fin­den sich in den deut­schen Tri­kots, das deut­sche Team bekommt Sup­port aus Asi­en — das ist etwas über­ra­schend. Die Orga­ni­sa­ti­on ist her­vor­ra­gend. Die vie­len Volon­tä­re schei­nen sich um jeden Ein­zel­nen per­sön­lich küm­mern zu wol­len, rufen sich die Stimm­bän­der wund und eilen sofort zu Hil­fe : ein Job für jun­ge Leu­te. Und trotz­dem : Hin­ter dem Sicher­heits-Laby­rinth am Ein­gang grüßt alle eine reso­lu­te Oma in der roten Volon­tär-Wes­te und weist die Fans zu den Sicher­heits­kon­trol­len wei­ter. Kurz davor rei­chen die Mexi­ko-Fans in der Schlan­ge eine Plas­tik-Fla­sche her­um. “Mine­ral­was­ser still” steht dar­auf auf Rus­sisch. Die Flüs­sig­keit hat aber eine ver­däch­ti­ge stroh­gel­be Far­be. “Tequi­la!” — sagt einer im Halb-Flüs­ter­ton. Was immer es ist, es muss schnell geleert wer­den bei gefühl­ten 30 Grad, Fla­schen dür­fen nicht rein.

Fiesta Mexicana in Moskau: Ein Stimmungsbericht zum WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko

Auf dem Sta­di­on-Gelän­de blickt der guss­ei­ser­ne Lenin vom hohen Sockel aus auf das bun­te Trei­ben zu sei­nen Füßen. Das Sta­di­on war ursprüng­lich 1956 nach ihm benannt wor­den — wie so ziem­lich alles, was Maß­stab hat, von der legen­dä­ren Metro über die mit elf Kilo­me­tern längs­te Mos­kau­er Süd-West-Aus­fall­stra­ße bis hin zur höchs­ten staat­li­chen Aus­zeich­nung für beson­de­re Ver­diens­te in der Wis­sen­schaft und Kul­tur.

Eine Blas­ka­pel­le spielt eine ziem­lich abge­fah­re­ne Cover-Ver­si­on von “Lucky”. Ein deut­scher Fan macht recht sou­ve­rä­ne Moves, deut­sche Tri­ko­lo­re über den Schul­tern, im inter­na­tio­na­len klat­schen­den und fil­men­den Kreis.

Eine Stun­de vor dem Spiel, in der Fan-Kur­ve hin­ter dem Tor, wel­ches in der ers­ten Hälf­te dem deut­schen Team zufällt : Das Sta­di­on ist schon halb­voll — und füllt sich mit jeder Minu­te wei­ter. Das mexi­ka­ni­sche Grün domi­niert. Auf den Tri­bü­nen bil­det sich eine pan­ame­ri­ka­ni­sche Alli­anz : Bra­si­lia­ner, Argen­ti­ni­er, Kolum­bia­ner stim­men in die mexi­ka­ni­schen Gesän­ge ein. Die meis­ten set­zen sich gar nicht, vie­le tan­zen in den Gän­gen. Die deut­schen Fans packen die schwarz-rot-gol­de­nen Fah­nen aus und machen Sel­fies mit Plas­tik­be­chern alko­hol­frei­en Bud­wei­sers in der Hand, die ein­zi­ge von der FIFA zuge­las­se­ne Bier-Sor­te.

Als Ers­ter kommt Manu­el Neu­er aus den Kata­kom­ben auf den Rasen, gefolgt von den bei­den Ersatz-Tor­war­ten. Er absol­viert sei­ne Auf­wärm-Ein­hei­ten im Sech­zeh­ner — und der deut­sche Block hin­ter dem Tor erwacht zum Leben. Dann kommt aber die mexi­ka­ni­sche Mann­schaft her­aus und eine Wel­le rollt durch das Sta­di­on, in der Laut­stär­ke einer star­ten­den Staf­fel Jum­bo-Jets, sofern die­se über­haupt in Staf­feln flie­gen wür­den.

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Anpfiff : Zwi­schen Anpfiff und Abpfiff liegt ein gefühl­ter Augen­blick, eine Zeit-Zip-Datei, extrem stark kom­pri­miert. In den ers­ten zwei Minu­ten gleich zwei Tor­chan­cen auf bei­den Sei­ten. Die Deut­schen wer­den bei jedem Ball­kon­takt aus­ge­buht. Bei mexi­ka­ni­schem Ball­be­sitz schal­ten die Tri­bü­nen fast in Über­schall­ge­schwin­dig­keit um. Was sofort ins Auge fällt : Die mexi­ka­ni­schen Spie­ler haben kei­nen Min­der­wer­tig­keits­kom­plex gegen­über dem Welt­meis­ter. Sie sind offen­bar auf das deut­sche Spiel tak­tisch bes­tens vor­be­rei­tet, agie­ren frech und selbst­be­wusst, las­sen dem deut­schen Auf­bau­spiel fast kei­nen Platz. Sie erobern vie­le Bäl­le im Mit­tel­feld und boh­ren sich durch die deut­sche Abwehr-Linie mit schnel­len Kon­tern. Die Innen­ver­tei­di­gung hält die­sen Angrif­fen recht sou­ve­rän stand. Rechts aber, hin­ter Kim­mich, klafft eine Lücke, gut sicht­bar aus mei­ner Posi­ti­on — viel­leicht sogar bes­ser als aus jener von Joa­chim Löw. Die Mexi­ka­ner neh­men die Ein­la­dung ger­ne an, und so braut sich auch das Tor zusam­men, über die halb-lin­ke Sei­te.

Die Seis­mo­gra­phen regis­trie­ren im Augen­blick des 1:0 ver­mut­lich ein Beben in gerin­ger Stär­ke im Mos­kau­er Süd-Wes­ten. Danach folgt zuerst eine etwas ein­falls­lo­se Druck-Pha­se der deut­schen Mann­schaft. In der zwei­ten Hälf­te, nach der Ein­wechs­lung von Reus, wird der deut­sche Ansturm immer gefähr­li­cher. Der Ball ver­lässt kaum noch die mexi­ka­ni­sche Hälf­te. Den Mexi­ka­nern geht die Pus­te aus. Ihr Trai­ner wech­selt Ver­tei­di­ger ein. Der Druck steigt, aber auch die Hek­tik. Mexi­ko spielt die letz­te hal­be Stun­de nur noch gegen die Zeit und ver­tei­digt mit selbst­lo­sem Ein­satz die Null. Der mexi­ka­ni­sche Kee­per erwischt einen sei­ner bes­ten Tage. Der Ball will ein­fach nicht rein in den Kas­ten von Ochoa. Die Quint­essenz der deut­schen Frus­tra­ti­on scheint die gel­be Kar­te zu sein, die Hum­mels sich tief in der mexi­ka­ni­schen Hälf­te holt — ohne jede Not. Abpfiff. Das deut­sche Team geht sich, sicht­lich betre­ten, noch bei den Fans zu bedan­ken. Die Mexi­ka­ner schei­nen es immer noch nicht so rich­tig glau­ben zu kön­nen, dass sie gewon­nen haben, als ob sie sich gern knei­fen las­sen woll­ten, um sich zu über­zeu­gen, es sei real. Es fühlt sich wohl wie Glücks-Ohn­macht an. 

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Eine hal­be Stun­de nach dem Spiel : Das acht­zig­tau­send­köp­fi­ge Men­schen­meer fließt aus dem Sta­di­on. Die Orga­ni­sa­ti­on ist unglaub­lich, fast schon ver­däch­tig gut. Kei­ne Gedrän­ge, kein Her­um­ir­ren, kei­ne unnö­ti­gen Sper­ren. Gut sicht­ba­re Weg­wei­ser-Schil­der zei­gen die Rich­tung zu den nächs­ten U-Bahn­hö­fen an. Volon­tä­re mit Mega­fo­nen auf Hoch­sit­zen erklä­ren in pas­sa­blem Eng­lisch, wie man am bes­ten dort­hin kommt. Eini­ge deut­sche Fans ver­su­chen mit den Poli­zis­ten zu dis­ku­tie­ren. Die­se schüt­teln nur die Köp­fe. Ich fra­ge, ob ich hel­fen kann. Sie sagen, sie wol­len “da rüber, auf die ande­re Sei­te”. Aber den gewünsch­ten kur­zen Weg ver­sperrt ein drei Meter hoher Zaun. Lenin blickt von sei­nem Sockel der bun­ten Fan-Inter­na­tio­na­le hin­ter­her. Mos­kau macht sich gefasst auf den latein­ame­ri­ka­ni­schen Kar­ne­val. 

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