Die Ukraine steht vor einem neuen Minsker Abkommen


von Wla­dils­aw San­kin

Um die Per­spek­ti­ven zur Lösung der Ukrai­ne-Kri­se ana­ly­sie­ren zu kön­nen, muss man zunächst vor allem zwi­schen außen­po­li­ti­schen und innen­po­li­ti­schen Dyna­mi­ken unter­schei­den. Jene Kräf­te im Wes­ten, die den Mai­dan-Putsch ermög­lich­ten, befin­den sich immer noch in wich­ti­gen Posi­tio­nen.

Sie üben über den Mili­tär­in­dus­trie­kom­plex, Par­tei-Büro­kra­ti­en, NGOs, Think­tanks und Medi­en nach wie vor gro­ßen Ein­fluss auf Regie­rungs­ent­schei­dun­gen aus – so bleibt die Poli­tik auch bei einem häu­fi­gen Kabi­nett­wech­sel immer kon­stant. In man­chen Haupt­städ­ten wie Ber­lin sind die Mai­dan-För­de­rer sogar noch an der Macht.

Die­se Kräf­te wol­len die Ukrai­ne als ein EU- und USA-höri­ges mono­e­th­ni­sches Land mit einer natio­na­lis­ti­schen west­ukrai­nisch gepräg­ten Ideo­lo­gie sehen. In die­sem Sze­na­rio soll das Land im Ide­al­fall bis auf den letz­ten Win­kel über Bie­gen und Bre­chen ent­rus­si­fi­ziert wer­den. Die Ursprün­ge die­ser Ideo­lo­gie rei­chen bis ins 19. Jahr­hun­dert zurück. Setzt man Reli­gi­on anstel­le von Nati­on (Grün­dung der Grie­chisch-Katho­li­schen Kir­che), reicht sie sogar bis in die frü­he Neu­zeit.

Der diplo­ma­ti­sche und media­le Druck auf Prä­si­dent Selen­ski, die “Errun­gen­schaf­ten” des Mai­dan nicht auf­zu­ge­ben (“kein Früh­stück für Putin”) sind der Aus­druck dafür. Eine ande­re Schalt­stel­le des Ein­flus­ses ist die Kre­dit­ver­ga­be durch den IFW und Finanz­in­sti­tu­te der EU an die Ukrai­ne. In einer Son­der­po­si­ti­on befin­den sich hohe US-Beam­te. Sie betei­li­gen sich unmit­tel­bar an der Pos­ten­ver­ga­be in Schlüs­sel­po­si­tio­nen wie Staats­an­wäl­ten oder Innen­mi­nis­ter. Ihre Vor­lie­ben hän­gen jedoch von der inner­po­li­ti­schen Situa­ti­on im eige­nen Land ab. 

Die west­li­chen Pro-Mai­dan-Kräf­te blei­ben, jedoch agiert der Wes­ten in der Ukrai­ne-Poli­tik nicht mehr ein­heit­lich. Die gemä­ßig­ten Kräf­te gewin­nen immer mehr an Ein­fluss. Für sie ist der Mai­dan kei­ne Poli­ti­ko­ne, und die Ukrai­ne muss nicht unbe­dingt aus der rus­si­schen Ein­fluss­zo­ne weg­ge­bro­chen wer­den. Die­se Mäßig­keit macht sich inzwi­schen auch in Ber­lin bemerk­bar, zumin­dest, wenn man die Häu­fig­keit der Appel­le zur Nor­ma­li­sie­rung der Bezie­hun­gen zu Russ­land aus ver­schie­de­nen poli­ti­schen Lagern zur Kennt­nis nimmt.

Auch in der Neu­auf­la­ge der Groß­macht­po­li­tik, zumin­dest aus der Sicht von Trump und Macron, ist der Platz der Ukrai­ne jetzt ein ande­rer, als er noch vor fünf Jah­ren gewe­sen ist. Grund : Russ­land hat sich als ernst­zu­neh­men­der inter­na­tio­na­ler Akteur bewährt und muss allein schon aus prag­ma­ti­schen Grün­den bes­ser ein­ge­bun­den wer­den. Zudem gebe es außer der Ein­däm­mung Russ­lands noch ande­re “Bau­stel­len” – wie die Lage im Nahen oder Mitt­le­ren Osten oder der chi­ne­si­sche Auf­stieg zur Super­macht. 

Das bestärkt Russ­land beim Pro­zess der Mins­ker Regu­lie­rung im Kon­flikt­ge­biet der Ost­ukrai­ne. Obwohl die Mins­ker Abkom­men in kei­nem ihrer Punk­te umge­setzt wur­den, blei­ben sie nach wie vor der wich­tigs­te Ori­en­tie­rungs­punkt bei der Kon­flikt­lö­sung. Russ­land sieht den Don­bass mit sei­nen weit­rei­chen­den Auto­no­mie­rech­ten ganz klar als einen Teil der Ukrai­ne. Die­se Rech­te gel­ten vor allem für die Spra­che, die Kul­tur und die Geschichts­pfle­ge. Und das ist es, was die Mins­ker Abkom­men ermög­li­chen.

Die­ses Modell, soll­te es erfolg­reich wer­den, könn­te auch ande­re Tei­le des ukrai­ni­schen Süd­os­tens beein­flus­sen und damit die flä­chen­de­cken­de Ukrai­ni­sie­rung ver­hin­dern. Dies wür­de das Sze­na­rio, wonach die Ukrai­ne zu einer Art Anti-Russ­land wer­den soll, unmög­lich machen, zumal gro­ße Tei­le der ukrai­ni­schen Bevöl­ke­rung kei­nen Bruch mit Russ­land anstre­ben.

Damit sind wir bei der innen­po­li­ti­schen Dyna­mik in der Ukrai­ne. Prä­si­dent Wla­di­mir Selen­ski hat einen gro­ßen Ver­trau­ens­bo­nus und die Mehr­heit im Par­la­ment. Unter sei­nen Wäh­lern gibt es sehr vie­le Men­schen, die die Poli­tik der Ex-Regie­rung nicht mehr wol­len. Dazu gehört auch der radi­kal krie­ge­ri­sche Kurs gegen den Don­bass und Russ­land. Außer­dem ist die russ­land­freund­li­che Oppo­si­ons­platt­form “Fürs Leben” mit nun­mehr 43 Abge­ord­ne­ten im neu­en Par­la­ment mitt­ler­wei­le bes­ser als in den letz­ten fünf Jah­ren ver­tre­ten.

Zu den wich­tigs­ten Bot­schaf­ten von Selen­ski vor der Wahl gehör­te die Been­di­gung des Krie­ges im Don­bass. Er ver­sprach die Rück­füh­rung der in Russ­land wegen Grenz­ver­let­zung fest­ge­setz­ten See­leu­te und ande­rer Per­so­nen. Das ist gesche­hen, und das kann er als poli­ti­schen Erfolg sehen. Er führ­te bereits zwei Tele­fon­ge­sprä­che mit Wla­di­mir Putin. Mit Poro­schen­ko hat er hin­ge­gen im letz­ten Jahr nicht gespro­chen.

Am Tag des Häft­ling­aus­tau­sches sag­te Selen­ski, dass nach der Rück­ga­be der Men­schen nun die “Rück­ga­be der Ter­ri­to­ri­en” anste­he. Damit mein­te er wohl die nicht aner­kann­ten Don­bass-Repu­bli­ken. Doch das sehen die Mins­ker Abkom­men vor. Wich­tig ist, dass Selen­ski sich in die­sem Fall auch als Gewin­ner sieht

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Die Ukraine steht vor einem neuen Minsker Abkommen
“Ter­ri­to­ri­en zurück­ho­len”: Wla­di­mir Selen­ski auf einer Pres­se­kon­fe­renz auf dem Kie­wer Flug­ha­fen am 9. Sep­tem­ber.

Im Moment will Kiew von Auto­no­mie nichts hören. Es drängt aber, “so schnell wie mög­lich”, auf ein Tref­fen im Nor­man­die-For­mat. So ein Tref­fen möch­te auch der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Emma­nu­el Macron. Die Wün­sche Selenskis, die­ses For­mat um die USA und Groß­bri­tan­ni­en zu erwei­tern, sind rea­li­täts­fern. Das letz­te Gip­fel­tref­fen des For­mats Russ­land-Ukrai­ne-Frank­reich-Deutsch­land, das zum ers­ten Mal am 4. Juni bei den Fei­er­lich­kei­ten zum 70. Jah­res­tag der Nor­man­die-Lan­dung im Jah­re 2014 tag­te, fand im Jahr 2016 statt.

Nach so einer lan­gen Pau­se macht ein Tref­fen ohne poli­ti­sche Ergeb­nis­se mit juris­ti­schen Ver­bind­lich­kei­ten kei­nen Sinn. Die Ukrai­ne ist kriegs­mü­de, den Don­bass-Repu­bli­ken ist enor­mer Scha­den zuge­fügt wor­den. Die mensch­li­chen Opfer lie­gen im fünf­stel­li­gen Bereich, etwa zwei Mil­lio­nen Men­schen ver­lie­ßen die Regi­on.

Es wird zwar nicht mehr inten­siv gekämpft. Schar­müt­zel, Sabo­ta­ge­ak­te, Beschuss und Minen­op­fer gibt es aber nach wie vor. In der recht­lich nicht gere­gel­ten Zone und vor allem wegen der Eska­la­ti­ons­ge­fahr sta­gniert vor allem in den abtrün­ni­gen Gebie­ten die Wirt­schaft wei­ter. Das Feh­len der Umwelt­kon­trol­le in der eins­ti­gen Indus­trie­re­gi­on birgt ein wei­te­res unkal­ku­lier­ba­res Risi­ko. Allen ist klar – so kann es nicht wei­ter­ge­hen.

Die Wie­der­her­stel­lung der recht­li­chen Ord­nung mit den Rech­ten einer Auto­no­mie ist die Lösung. Die Auf­he­bung der von Kiew ver­häng­ten Blo­cka­de wür­de vor allem das wirt­schaft­li­che Leben weit über die Regi­on hin­aus wie­der­be­le­ben.

Russ­land strebt die Abtren­nung des Don­bass von der Ukrai­ne nicht an, will aber eine enge Ver­bin­dung mit der Regi­on bei­be­hal­ten. Der nächs­te Schritt in die­ser Rich­tung wäre die schon oft erwähn­te “Stein­mei­er-For­mel”, und dar­über spricht man mitt­ler­wei­le nicht nur in Mos­kau.

Sie sieht Wah­len in der Regi­on nach ukrai­ni­schem Recht und unter Auf­sicht der OSZE vor, mit einer gleich­zei­tig ver­ab­schie­de­ten gesetz­li­chen Garan­tie für einen Son­der­sta­tus. Erst danach soll die Kon­trol­le über die rus­sisch-ukrai­ni­sche Gren­ze an die Ukrai­ne über­ge­ben wer­den.

Mehr zum The­ma — Rote Kar­te für Krieg und Natio­na­lis­mus : War­um die Ukrai­ne Poro­schen­ko abwählt

Kiew hat oft wie­der­holt, dass die Mins­ker Ver­ein­ba­run­gen “nicht im Inter­es­se der Ukrai­ne” sei­en. Aber nun wol­len die Euro­pä­er schnel­ler eine Lösung, und der Druck wächst. Auf dem von Kiew seit nun­mehr 16 Jah­ren ver­an­stal­te­ten Jal­ta-Forum warb am Sams­tag der OSZE-Vor­sit­zen­de Jaros­law Lajčák für die Mins­ker Abkom­men :

Für mich ist die Wie­der­her­stel­lung des Ver­trau­ens die voll­stän­di­ge Umset­zung der Mins­ker Abkom­men, wenn sie trans­pa­rent und ohne poli­ti­sche Spie­le ver­lau­fen. Wir haben einen guten Grund­satz, wie man die Mins­ker Abkom­men rich­tig liest – das ist der Plan von Stein­mei­er. Ich den­ke, es ist eine gute Basis”, sag­te er.

Der US-Son­der­be­auf­trag­te Kurt Wal­ker war auf dem Forum eben­so anwe­send. Über­ra­schend sprach er sich auch für die Umset­zung der Mins­ker Abkom­men, inklu­si­ve bis­lang für Kiew inak­zep­ta­ble Posi­tio­nen wie Amnes­tie und einen “Son­der­sta­tus”, aus.

Die­ser diplo­ma­ti­sche Druck ließ den ukrai­ni­schen Ver­tre­ter in der Mins­ker Kon­takt­grup­pe Leo­nid Kutsch­ma kla­gen, vor einem bal­di­gem Gip­fel­tref­fen der Ukrai­ne “eins gegen drei” anzu­tre­ten.

Frü­her konn­te sich Prä­si­dent Poro­schen­ko mit innen­po­li­ti­schen Pro­ble­men (Druck der Natio­na­lis­ten) und einer angeb­lich feh­len­den Rada-Mehr­heit für Geset­zes­ab­stim­mun­gen aus der Affä­re zie­hen. Jetzt hat Wla­di­mir Selenk­si alle Hebel in der Hand, inklu­si­ve eines “eige­nen” Par­la­ments, um mit der Umset­zung der Mins­ker Abkom­men zu begin­nen. Die ver­meint­lich unkon­trol­lier­ba­ren Ultra-Natio­na­lis­ten wer­den vom Innen­mi­nis­te­ri­um kon­trol­liert – ihre Nicht­ein­mi­schung kann man mit poli­ti­schem Wil­len eben­so durch­set­zen.

Vie­le Beob­ach­ter des ukrai­ni­schen poli­ti­schen Lebens mer­ken an, dass der Pegel der anti­rus­si­schen Rhe­to­rik bei Ver­tre­tern der neu­en Regie­rung abge­schwächt sei, auch beim neu­en Außen­mi­nis­ter Wadim Pris­tak­jo, wenn man ihn mit dem Ex-Außen­mi­nis­ter Pawel Klim­kin ver­gleicht.

Der Regu­lie­rungs­pro­zess wird noch Jah­re dau­ern. Zu tief sind die Wun­den, vor allem bei der Bevöl­ke­rung in der “sepa­ra­tis­ti­schen” Regi­on, zu stark war und bleibt die Pro­pa­gan­da gegen sie in Kiew. Aber die Chan­cen, dass nach vie­len Jah­ren des Still­stands der Mins­ker Pro­zess bei einem neu­en Tref­fen im Nor­man­die-For­mat Auf­wind bekommt, ste­hen heu­te bes­ser denn je. 

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18 Jahre nach 911 : Al-Kaida droht mit neuen Attacken


Ame­ri­ka ver­ste­he nur die Spra­che der Gewalt, sag­te der Anfüh­rer des Ter­ror­netz­werks in einer am Mitt­woch ver­brei­te­ten Video­bot­schaft :

Wie sie sich gegen uns ver­schwö­ren und zusam­men­schlie­ßen, müs­sen wir sie über­all jagen (…) zu einer Zeit und an einem Ort unse­rer Wahl.

Die USA ver­such­ten, mit den­je­ni­gen zu ver­han­deln, die ihnen Scha­den zufüg­ten. In dem rund 30-minü­ti­gen Video, das mit eng­li­schen Unter­ti­teln ver­se­hen ist, rühmt al-Sawa­hi­ri die Anschlä­ge vom 11. Sep­tem­ber als “geseg­net”. Zugleich ver­ur­teilt er die Aner­ken­nung Jeru­sa­lems als Haupt­stadt Isra­els durch US-Prä­si­dent Donald Trump.

US-Prä­si­dent wie­der­um droh­te am 18. Jah­res­tag der Anschlä­ge poten­zi­el­len künf­ti­gen Angrei­fern mit ver­hee­ren­der Ver­gel­tung. Mit Andach­ten und Schwei­ge­mi­nu­ten gedach­ten vie­le Men­schen in den USA der fast 3.000 Todes­op­fer vom 11. Sep­tem­ber 2001. Am frü­he­ren World Tra­de Cen­ter in New York, wo damals die Zwil­lings­tür­me ein­stürz­ten und heu­te unter ande­rem eine Gedenk­stät­te steht, wur­den die Namen der Opfer vor­ge­le­sen und Schwei­ge­mi­nu­ten abge­hal­ten.

Mehr zum The­ma — Stu­die : Tali­ban-Grün­der leb­te jah­re­lang neben US-Basis in Afgha­ni­stan

Der Ägyp­ter al-Sawa­hi­ri ist der Nach­fol­ger Osa­ma bin Ladens, den US-Eli­te­trup­pen am 2. Mai 2011 in Paki­stan töte­ten. Wie sein Vor­gän­ger lebt er im Unter­grund. Der Al-Kai­da-Chef soll sich im Grenz­ge­biet zwi­schen Afgha­ni­stan und Paki­stan auf­hal­ten.

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(dpa/ rt deutsch)

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Wettrüsten lautet ab jetzt : “Korrekturmaßnahme”! – Der Neusprech des neuen US-Verteidigungsministers


von Leo Ensel

Die USA rei­ben sich die ihnen nicht mehr gebun­de­nen Hän­de. Der INF-Ver­trag war noch nicht kalt, da presch­te bereits der neue US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mark Esper mit der fro­hen Bot­schaft vor, die USA beab­sich­tig­ten, “so schnell wie mög­lich” Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten in Asi­en zu sta­tio­nie­ren.

Natür­lich beeil­te sich Esper gleich zu ver­si­chern, die USA woll­ten kein neu­es Wett­rüs­ten begin­nen. Die mit­lie­fer­te Begrün­dung soll­te man sich mer­ken : Wett­rüs­ten, so die ori­gi­nel­le Begriffs­de­fi­ni­ti­on Espers, bezie­he sich näm­lich im her­kömm­li­chen Sin­ne immer auf einen “nuklea­ren Kon­text”, die geplan­ten Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten dage­gen sei­en – “nur”, so die sub­ku­ta­ne Mes­sa­ge – mit kon­ven­tio­nel­len Spreng­köp­fen aus­ge­stat­tet.

Nur.

Espers Neu­sprech­de­fi­ni­ti­on ist aus zwei­er­lei Grün­den uner­hört : Folgt man dem US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, dann hat es zum Bei­spiel vor dem Ers­ten Welt­krieg zwi­schen der deut­schen Kai­ser­li­chen Mari­ne und der bri­ti­schen Roy­al Navy gar kein Wett­rüs­ten zur See gege­ben – die Riva­li­tät fand schließ­lich nicht im “nuklea­ren Kon­text” statt ! Und zwei­tens sug­ge­riert Esper, alle Waf­fen­sys­te­me unter­halb der nuklea­ren Schwel­le sei­en, da nicht “wett­rüs­tungs­fä­hig”, eigent­lich gar nicht so schlimm !

Viel­leicht hat­te der neue Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter im Ein­ar­bei­tungs­tru­bel ja noch kei­ne Gele­gen­heit, sich Fotos von den in Schutt und Asche lie­gen­den euro­päi­schen und sowje­ti­schen Städ­ten nach dem – bekannt­lich, bis auf die US-“Feldversuche” über Hiro­shi­ma und Naga­sa­ki, “nur” mit kon­ven­tio­nel­len Waf­fen aus­ge­tra­ge­nen – Zwei­ten Welt­krieg anzu­se­hen. Es sei ihm drin­gend ans Herz gelegt, damit er weiß, wel­ches Aus­maß an Zer­stö­rung auch außer­halb des “nuklea­ren Kon­tex­tes” mit her­kömm­li­chen Waf­fen­sys­te­men ange­rich­tet wer­den kann !

Esper hat­te für den so unpas­sen­den Begriff “Wett­rüs­ten” auch bereits ein Alter­na­tiv­wort parat. Es lau­tet “Kor­rek­tur­maß­nah­me” und bezieht sich auf den Skan­dal, dass den Chi­ne­sen erlaubt ist, was den USA noch bis letz­ten Frei­tag über drei Jahr­zehn­te lang ver­bo­ten war : die Her­stel­lung und Sta­tio­nie­rung land­ge­stütz­ter Kurz- und Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten.

Dass die chi­ne­si­schen Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten auf­grund man­geln­der Reich­wei­te für das Ter­ri­to­ri­um der Ver­ei­nig­ten Staa­ten über­haupt kei­ne Bedro­hung dar­stel­len – was umge­kehrt sehr wohl der Fall wäre –, irri­tiert den Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter offen­sicht­lich nicht im Min­des­ten. Ver­fü­gen doch die USA, wie über­all auf dem Glo­bus, auch in Asi­en über zahl­lo­se Mili­tär­stütz­punk­te, die es zu schüt­zen gilt !

Stut­zig macht aller­dings Espers Ankün­di­gung, die eben noch ver­bo­te­nen Rake­ten­sys­te­me auch noch “so schnell wie mög­lich” zu sta­tio­nie­ren. Offen­bar haben die USA seit dem 2. August gigan­ti­sche Kapa­zi­tä­ten aus dem Boden gestampft, land­ge­stütz­te Kurz- und Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten in atem­be­rau­ben­dem Tem­po zu pla­nen und zu pro­du­zie­ren. Ein Schelm, wer da auf die Idee käme, die­se Sys­te­me sei­en bereits seit Län­ge­rem in der Pipe­line – die USA hät­ten mit­hin selbst schon seit gerau­mer Zeit gegen den INF-Ver­trag ver­sto­ßen !

Dass Esper schließ­lich die Sta­tio­nie­rung ame­ri­ka­ni­scher Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten in Asi­en aus­ge­rech­net im zeit­li­chen Umfeld der Jah­res­ta­ge der Atom­bom­ben­ab­wür­fe von Hiro­shi­ma und Naga­sa­ki ver­kün­de­te, ver­leiht sei­ner Mes­sa­ge eine ganz beson­ders deli­ka­te Note. Der nicht nur lin­gu­is­tisch ver­sier­te neue US-Außen­mi­nis­ter ist eben ein sen­si­bler Schön­geist mit aus­ge­präg­tem Sinn für Ästhe­tik !

PS :

Übri­gens war Esper bei sei­ner Suche nach geeig­ne­ten “Hosts” für die geplan­te “Kor­rek­tur­maß­nah­me” bis­lang noch nicht son­der­lich erfolg­reich. In Aus­tra­li­en jeden­falls heims­te er sich prompt eine Abfuhr ein. Offen­bar ist man dort – wie ver­mut­lich auch anders­wo – nicht gewillt, sich durch die USA zur Ziel­schei­be machen zu las­sen. Auch nicht durch eine Sta­tio­nie­rung “nur” kon­ven­tio­nel­ler Waf­fen­sys­te­me !

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

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Wechsel in US-Regierung : Trump ernennt neuen Geheimdienstkoordinator


In der US-Regie­rung steht der nächs­te Per­so­nal­wech­sel an. US-Prä­si­dent Donald Trump gab am Sonn­tag auf Twit­ter bekannt, dass Geheim­dienst­ko­or­di­na­tor Dan Coats sei­nen Pos­ten am 15. August räu­men wird. Sein Nach­fol­ger wer­de der repu­bli­ka­ni­sche Abge­ord­ne­te John Rat­clif­fe.

Schon län­ger gab es Berich­te, wonach Trump mit Coats unzu­frie­den sei. Rat­clif­fe gilt als treu­er Gefolgs­mann des Prä­si­den­ten. In der ver­gan­ge­nen Woche erlang­te er Auf­merk­sam­keit, als er den frü­he­ren Son­der­er­mitt­ler Robert Muel­ler in einer Kon­gress­an­hö­rung aggres­siv zu des­sen zwei­fel­haf­ten Unter­su­chun­gen in der soge­nann­ten Russ­land-Affä­re befrag­te. Trump soll von Rat­clif­fes Auf­tritt beein­druckt gewe­sen sein.

Der Prä­si­dent dank­te Coats auf Twit­ter für des­sen “groß­ar­ti­gen Dienst für das Land”. Rat­clif­fe wer­de als frü­he­rer Staats­an­walt das Land zu Gro­ßem inspi­rie­ren, schrieb Trump.

Der Direk­tor der natio­na­len Nach­rich­ten­diens­te hat die Auf­ga­be, die ver­schie­de­nen Geheim­diens­te der USA zu koor­di­nie­ren. Das Amt hat Kabi­netts­rang. Coats hat­te das Amt seit März 2017 inne. Zuvor war er unter ande­rem von 2001 bis 2005 ame­ri­ka­ni­scher Bot­schaf­ter in Deutsch­land gewe­sen.

Coats hat­te in sei­ner Amts­zeit mehr­fach Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit Trump – und trug sie auch öffent­lich aus. So hat­te der Geheim­dienst­ko­or­di­na­tor im Janu­ar erklärt, dass der Iran sei­ner Ein­schät­zung nach momen­tan nicht an Atom­waf­fen arbei­te. Der Prä­si­dent wider­sprach und unter­stell­te den Diens­ten Ahnungs­lo­sig­keit. 

Coats warn­te auch mehr­fach vor angeb­li­chen Cyber­an­grif­fen Russ­lands. Geheim­dienst­be­rich­te über die angeb­li­che Ein­mi­schung Russ­lands in den US-Wahl­kampf 2016 hat­te Trump stets ange­zwei­felt. Im Gegen­satz zu Trump gilt Coats dem poli­tisch-media­len Estab­lish­ment des Wes­tens als “seri­ös”.

Mit dem Abge­ord­ne­ten Rat­clif­fe hat Trump nun einen Nach­fol­ger aus­er­ko­ren, der ihm wohl­ge­son­nen ist. Der 53-Jäh­ri­ge, der seit dem Jahr 2015 für Texas im Reprä­sen­tan­ten­haus sitzt, liegt inhalt­lich ganz auf der Linie Trumps. Nach Berech­nun­gen der Nach­rich­ten­sei­te FiveThir­ty­Eight votier­te er bei Abstim­mun­gen im Kon­gress in rund 91 Pro­zent aller Fäl­le im Sin­ne des Prä­si­den­ten.

Bei der Anhö­rung von Robert Muel­ler im Jus­tiz­aus­schuss in der ver­gan­ge­nen Woche warf Rat­clif­fe dem frü­he­ren Son­der­er­mitt­ler vor, sei­ne Befug­nis­se über­schrit­ten zu haben. Es sei nicht sei­ne Auf­ga­be gewe­sen, im Abschluss­be­richt fest­zu­stel­len, ob Trump sich der Jus­tiz­be­hin­de­rung schul­dig gemacht habe oder nicht. Muel­ler hat­te bei der Anhö­rung sehr unsi­cher gewirkt und den Ein­druck erweckt, sei­nen eige­nen Bericht nicht zu ken­nen.

Der 53-jäh­ri­ge Rat­clif­fe muss noch offi­zi­ell vom Prä­si­den­ten für das Amt nomi­niert wer­den. Der Senat muss die Per­so­na­lie dann noch bestä­ti­gen.

Mehr zum The­ma — Beam­ter des Wei­ßen Hau­ses schreibt in New York Times : Ich bin Teil des Wider­stands gegen Trump

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Wetterleuchten am australischen Wohnungsmarkt – Vorboten einer neuen Krise ?


Die Ver­lus­te bei Woh­nungs­ver­käu­fen auf dem aus­tra­li­schen Kon­ti­nent erreich­ten im März die­ses Jah­res ein Sechs­jah­res­hoch. Fast 32 Pro­zent der Woh­nun­gen im Zen­trum von Mel­bourne wur­den mit einem durch­schnitt­li­chen Ver­lust von 44.000 Aus­tra­li­scher Dol­lar unter ihrem ursprüng­li­chen Anschaf­fungs­preis ver­kauft. Vor einem Jahr lag die Ver­lust­quo­te bei knapp unter 28 Pro­zent.

Es ist nicht nur das Stadt­zen­trum von Mel­bourne, in dem die Eigen­tü­mer ihre Lie­gen­schaf­ten mit Ver­lust ver­kau­fen. In den öst­li­chen Vor­or­ten der Stadt hat sich die Ver­lus­tra­te bei Woh­nungs­ver­käu­fen bereits auf 12 Pro­zent mehr als ver­dop­pelt und liegt in eini­gen Stadt­tei­len sogar bei 24 Pro­zent. Auch Tei­le von Syd­ney sind stark betrof­fen. So wur­den im März-Quar­tal des ver­gan­ge­nen Jah­res nur 1,3 Pro­zent der Immo­bi­li­en in Strath­field mit Ver­lust ver­kauft – in den ers­ten drei Mona­ten des Jah­res 2019 waren es bereits mehr als 20 Pro­zent.

Zum Ver­gleich : Vor einem Jahr wur­de nicht eine ein­zi­ge Immo­bi­lie, die in der Bota­ny Bay von Syd­ney den Besit­zer wech­sel­te, mit Ver­lust ver­kauft. Im März­quar­tal die­ses Jah­res waren es fast 14 Pro­zent. Aus­tra­li­en­weit war mehr als jeder fünf­te Woh­nungs­ver­kauf im ers­ten Quar­tal mit einem Ver­lust ver­bun­den, was die höchs­te Ver­lust­quo­te seit dem Jahr 1990 dar­stellt.

Wäh­rend die Märk­te in Syd­ney und Mel­bourne merk­lich schwä­cher gewor­den sind, sind sie weit von den Pro­ble­men ent­fernt, mit denen wei­te­re Groß­städ­te kon­fron­tiert sind. So liegt die Ver­lust­quo­te bei Ver­käu­fen von Lie­gen­schaf­ten im Zen­trum von Perth bei 60 Pro­zent ; fast die Hälf­te aller Ein­hei­ten im Groß­raum der Stadt wer­den mit Ver­lust ver­kauft. In Bris­bane sieht es nicht bes­ser aus. Rund 35 Pro­zent der Ein­hei­ten wur­den im März mit Ver­lust ver­kauft.

Exper­ten­schät­zun­gen nach wer­den die Gesamt­ein­bu­ßen im aus­tra­li­schen Immo­bi­li­en­markt die­ses Jahr eini­ge hun­dert Mil­lio­nen Aus­tra­li­sche Dol­lar betra­gen. Ten­denz stei­gend.

Aber nicht nur die finan­zi­el­len Ein­bu­ßen bei Immo­bi­li­en­ver­käu­fen sind signi­fi­kant. Die Gesamt­zahl der Immo­bi­li­en, die im Rah­men von Ver­stei­ge­run­gen an neue Besit­zer gin­gen, hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr um mehr als ein Drit­tel ver­rin­gert. Ver­käu­fer, die es sich leis­ten kön­nen, wol­len nicht in einen abflau­en­den Markt ver­kau­fen. Daher bewegt sich die Gesamt­zahl der aktu­el­len Ver­kaufs­in­se­ra­te auf dem Niveau zu Zei­ten der glo­ba­len Finanz­kri­se – und das bei einem poten­zi­ell unver­än­der­ten Anbie­ter­markt. Soll­ten die Prei­se aller­dings wei­ter fal­len und die für Ver­käu­fer sehr wich­ti­ge, preis­ba­sier­te psy­cho­lo­gi­sche Hal­te­schwel­le unter­schrit­ten wer­den, könn­te es in der Fol­ge zu Panik­ver­käu­fen kom­men – mit unge­ahn­ten Kon­se­quen­zen für den aus­tra­li­schen Woh­nungs- und Finanz­markt.

Mehr zum The­ma Älte­re Men­schen und Gering­ver­die­ner beson­ders betrof­fen : Wohn­kos­ten in Deutsch­land stark gestie­gen

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USA : Trump will offenbar neuen Atomdeal mit Iran (Video)


Donald Trump möch­te mög­li­cher­wei­se einen eige­nen Atom­deal mit dem Iran aus­han­deln. Das unter Barack Oba­ma unter­schrie­be­ne Abkom­men hat mit dem Rück­zug der USA fak­tisch sei­ne Bedeu­tung ver­lo­ren.

Ob der Iran jedoch mit einem wan­kel­mü­ti­gen Prä­si­den­ten wie Donald Trump neu ver­han­deln möch­te, das ist mehr als frag­lich.

Mehr zum The­ma — Nach wei­te­ren US-Droh­ge­bär­den : Ira­ni­sches Mili­tär zeigt sich kampf­be­reit

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Die Krim, fünf Jahre danach : Reise in die “Neuen Bundesländer” Russlands – Ankunft in Simferopol


von Paul Loewe

Auf die Krim willst du ? Na, pri­ma!” Sta­nis­law, ein alter rus­si­scher Freund von mir, grinst mich an. “Dort fah­re ich seit über zwan­zig Jah­ren hin. Jeden Som­mer. Aber pass auf : Die sind da Jahr­zehn­te zurück ! Kein Wun­der : Da wur­de ja frü­her nie inves­tiert – immer nur raus­ge­holt!” Wir genie­ßen gera­de eine abend­li­che Rund­fahrt auf der Mosk­wa. Lang­sam tuckert das klei­ne Schiff an der Christ-Erlö­ser-Kathe­dra­le vor­über.

Aber es soll doch dort so wun­der­schön sein ! Die ita­lie­ni­sche Land­schaft : die Ber­ge, das Meer, die Schlös­ser, Vil­len und Sana­to­ri­en, der Wein … Sehn­suchts­ort der Dich­ter. Das ist doch das sowje­ti­sche, äh : rus­si­sche Arka­di­en ! Ich schaue etwas ver­dutzt. “Ist es auch. Aber schlech­ter Ser­vice. Kei­ne Kun­den­freund­lich­keit ; nicht so wie bei uns in Mos­kau ! Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis stimmt nicht. Unter uns : Ist in Anta­lya bes­ser ! Und eine ganz ande­re Men­ta­li­tät. Weni­ger pünkt­lich und zuver­läs­sig, die Leu­te. Alles halt zurück­ge­blie­ben!”

Russ­lands “Neue Bun­des­län­der” 

Klin­gelt es bei Ihnen ? Kommt Ihnen da etwas bekannt vor ? – Bin­go ! Genau so spra­chen die West­deut­schen nach dem Mau­er­fall über die Ver­hält­nis­se in der DDR ! Dass der Bei­tritt der Krim zur Rus­si­schen Föde­ra­ti­on vor fünf Jah­ren – im Wes­ten nach wie vor uni­so­no als völ­ker­rechts­wid­ri­ge Anne­xi­on bezeich­net – in Russ­land aus­ge­rech­net “Wie­der­ver­ei­ni­gung” genannt wird, lenkt die Asso­zia­tio­nen in die­sel­be Rich­tung. Soll­te es etwa ana­lo­ge Pro­ble­me in Russ­lands “Neu­em Oblast” plus der Stadt mit dem Son­der­sta­tus, Sevas­to­pol, geben wie bei uns nach dem 3. Okto­ber 1990 ? Immer­hin dürf­te auch der “Auf­bau Süd” einer Regi­on von fast der Grö­ße Bel­gi­ens den rus­si­schen Steu­er­zah­ler eini­ges kos­ten ! Gibt es nun in Russ­land womög­lich auch Pola­ri­sie­run­gen zwi­schen “Nor­disund “Süd­is”? “Bes­sern­or­dis” aus Mos­kau, die den zurück­ge­blie­be­nen “Süd­is” in Sim­fero­pol, Feo­dos­si­ja und Kertsch gedul­dig erklä­ren, wo es jetzt lang­geht ? Folg­te der Anfangs­eu­pho­rie etwa auch hier auf allen Sei­ten ein Kat­zen­jam­mer, als es an die berühm­ten “Mühen der Ebe­ne” ging ? 

Mehr zum The­ma — Ukrai­ne for­dert inter­na­tio­na­len Sta­tus für die Stra­ße von Kertsch

Je mehr ich dar­über nach­den­ke, des­to mehr “Musik” scheint mir in die­sem Ver­gleich drin­zu­ste­cken ! War­um sich die heu­ti­ge Krim nicht mal durch die Bril­le der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung anse­hen ? Noch ein Grund mehr also, hin­zu­fah­ren !

Genau­er : hin­zu­flie­gen. Denn der Land­weg durch die Ukrai­ne wäre reich­lich kom­pli­ziert … (By the way : Schon wie­der eine Ana­lo­gie zu den deut­schen Ver­hält­nis­sen ! Wer als DDR-Oppo­si­tio­nel­ler zu Zei­ten der deut­schen Tei­lung nach West­deutsch­land frei­ge­kauft wur­de und anschlie­ßend mal West­ber­lin besu­chen woll­te, weiß, wovon ich rede.) Vom Mos­kau­er Flug­ha­fen Domo­de­do­wo ist man dage­gen völ­lig pro­blem­los in zwei­ein­halb Stun­den in Sim­fero­pol, der Haupt­stadt der Krim – han­delt es sich doch aus rus­si­scher Per­spek­ti­ve um einen Inlands­flug. Die ukrai­ni­sche Sicht ist aller­dings etwas anders : Wer auf die­se Wei­se Arka­di­en bereist, macht sich für Kiew des ille­ga­len Grenz­über­tritts” schul­dig und kann Schwie­rig­kei­ten – vom Ein­rei­se­ver­bot bis zur Straf­ver­fol­gung – bekom­men, wenn er das nächs­te Mal in die Ukrai­ne ein­rei­sen will. Wer also spä­ter ein­mal Lem­berg, Czer­no­witz, Kiew oder Odes­sa besu­chen möch­te, soll­te etwas auf­pas­sen !

Ham­bur­ger Novem­ber­wet­ter in Arka­di­en 

Das ultra­mo­der­ne Flug­ha­fen­ge­bäu­de in Sim­fero­pol, eine Koope­ra­ti­on von rus­si­schen und süd­ko­rea­ni­schen Archi­tek­ten, wur­de vor einem Jahr eröff­net. Man hat­te mir gesagt, ich kön­ne von dort mit dem Trol­ley­bus direkt ins Stadt­zen­trum fah­ren. Ich ver­las­se die Ein­gangs­hal­le – und : schreck­lichs­tes Ham­bur­ger Novem­ber­wet­ter schlägt mir ent­ge­gen ! Sie­ben Grad kühl ist es hier Mit­te April, der Him­mel mit schwar­zen Wol­ken ver­han­gen, dich­ter Dau­er­nie­sel­re­gen, man kann kaum die Hand vor Augen sehen, so dun­kel ist es. Das also ist das viel­be­sun­ge­ne Arka­di­en, Sehn­suchts­ort von Tau­ri­ern, Grie­chen, Sky­then, Römern, Goten, Hun­nen, Tata­ren, Genue­sen und Vene­zia­nern, Osma­nen, Rus­sen und Nazi­deut­schen ! Ver­dreh­te Welt : In Mos­kau war es zwar etwas küh­ler, aber es herrsch­te wol­ken­lo­ser Him­mel und Son­nen­schein – und hier in Arka­di­en …

Der Trol­ley­bus : ein muse­ums­rei­fes Gefährt, ver­mut­lich aus den Sech­zi­gern, die zer­schlis­se­nen Sit­ze mit den aus­ge­lei­er­ten Sprung­fe­dern alle unbe­greif­li­cher­wei­se völ­lig tief gela­gert, die Stoß­dämp­fer könn­te man ruhig auch mal erneu­ern. Immer­hin, für gan­ze 17 Rubel kommt man inner­halb einer Stun­de bis ins Zen­trum ! Bus­fah­rer und Pas­sa­gie­re, alle deut­lich schlech­ter ange­zo­gen als die Men­schen in Mos­kau, hel­fen dem etwas des­ori­en­tier­ten Deut­schen, der sich hier zunächst wie auf einem frem­den Pla­ne­ten fühlt, sehr freund­lich wei­ter. Drau­ßen, soweit ich bei die­sem Wet­ter etwas erken­nen kann, step­pen­ar­ti­ge Land­schaft und fast über­all Stra­ßen­ar­bei­ten. In der Nähe des zen­tra­len Lenin-Plat­zes muss ich aus­stei­gen, und nach eini­gem Nach­fra­gen fin­de ich den Weg zu mei­nem Hotel. 

Dort ange­kom­men gab es die ers­te Über­ra­schung : Man kann auf der Krim offen­sicht­lich doch mit Kre­dit­kar­te bezah­len ! Und ich hat­te in Erin­ne­rung, die­ses Sys­tem wür­de auf­grund des west­li­chen Sank­ti­ons­re­gimes nicht funk­tio­nie­ren. Mein Zim­mer : in der Tat Sowjet­look pur ! Nur das Aller­nö­tigs­te, dunk­les Mobi­li­ar, abge­wetz­ter Tep­pich, lan­ge alt­mo­di­sche Vor­hän­ge am rie­si­gen Fens­ter. Und das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis stimmt zumin­dest hier tat­säch­lich nicht ! Dafür ist es aller­dings sau­ber.

Du hät­test das mal frü­her sehen sol­len!” 

Gegen 22:00 Uhr streu­ne ich noch etwas durch das fast men­schen­lee­re Zen­trum Sim­fero­pols. Und muss auf­pas­sen, dass ich in der Dun­kel­heit nicht immer wie­der durch die Stra­ßen­lö­cher, die gro­ßen Abstän­de zwi­schen den Beton­plat­ten auf den Bür­ger­stei­gen oder die hohen Trot­toir­kan­ten ins Stol­pern kom­me. Der Kon­trast zu Mos­kau ist deut­lich : Im Zen­trum der rus­si­schen Haupt­stadt sind mitt­ler­wei­le die meis­ten Stra­ßen und Häu­ser reno­viert, vie­les jetzt auch recht fuß­gän­ger­freund­lich gestal­tet. Hier in der Haupt­stadt der Krim sehen auch die Lebens­mit­tel­ge­schäf­te noch aus wie zu Sowjet­zei­ten. Irgend­wie erin­nert mich alles etwas an Kischin­jow in Mol­da­wi­en oder Tiras­pol in Trans­nis­tri­en.

Am nächs­ten Mor­gen besucht mich Anna. Vor weni­ger als zwei Mona­ten hat­te ich die jun­ge in Sim­fero­pol gebo­re­ne und seit fünf Jah­ren in Deutsch­land ver­hei­ra­te­te Rus­sin im Zug durch Süd­deutsch­land ken­nen­ge­lernt. Etwa zwan­zig Minu­ten lang unter­hiel­ten wir uns ange­regt ; sie erzähl­te mir, woher sie kommt, und ich mein­te, auf die Krim wür­de ich auch ger­ne mal fah­ren, mich aber nicht so recht trau­en … Nun wird sie mir die ers­ten Tage den Ein­stieg hier erleich­tern. Für mor­gen hat sie bereits eine Fahrt mit ihren Eltern ans Meer nach Jew­pa­tori­ja geplant, wo man die Spu­ren der mul­ti­eth­ni­schen Geschich­te der Krim auf engs­tem Raum besich­ti­gen kann, und über­mor­gen steht ein Gespräch mit ihrem Bru­der, der in der Stadt­ver­wal­tung arbei­tet, auf dem Pro­gramm. Zwan­zig Minu­ten Zug­be­kannt­schaft – und nun ist sie mein Schutz­en­gel mit­ten auf der annek­tier­ten, will sagen : wie­der­ver­ei­nig­ten Krim. So etwas bringt nur eine rus­si­sche Frau fer­tig !

Mehr zum The­ma — Ukrai­ni­scher Gene­ral­stabs­chef : Ukrai­ne ver­lor Krim lan­ge vor dem Jahr 2014

Die Häu­ser und Stra­ßen hier sind nicht reno­viert ? Du hät­test das mal frü­her sehen sol­len!” Gemeint sind die Zei­ten, als die Krim noch zur Ukrai­ne gehör­te. “Die Ukrai­ne hat doch jahr­zehn­te­lang kein Geld hier inves­tiert!” Ich möch­te wis­sen, wie die Mit­te der Acht­zi­ger­jah­re im Zen­trum der Krim gebo­re­ne Rus­sin das Ende der Sowjet­uni­on, die Zeit der Ukrai­ne und die Ereig­nis­se seit dem Kie­wer Mai­dan erleb­te. “Dass es die Sowjet­uni­on nicht mehr gab”, erzählt Anna, “merk­te ich, als plötz­lich kei­ne Mul­ti­ki’ (sowje­ti­sche Zei­chen­trick­fil­me, die sich all­sei­ti­ger Beliebt­heit erfreu­ten) im Fern­se­hen mehr lie­fen ! Statt­des­sen Matt­schei­be. In unse­rer Schul­klas­se waren wir fast nur Rus­sen, bis auf ein paar Tata­ren. Auch unse­re Leh­rer waren Rus­sen. Wir erfuh­ren aber so gut wie nichts über rus­si­sche Geschich­te oder gar über die Geschich­te der Krim. Auch rus­si­sche Lite­ra­tur wur­de nur rudi­men­tär und spä­ter nur noch als Fremd­li­te­ra­tur gelehrt. So woll­te es der Kie­wer Lehr­plan, der für die gesam­te Ukrai­ne galt. Wir Rus­sen hier, und wir bil­den hier auf der Krim mehr als zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung, fühl­ten uns kul­tu­rell fremd­be­stimmt !

Natür­lich gab es auch Vor­tei­le im Lehr­pro­gramm, die unse­re Alters­ge­nos­sen in Russ­land wahr­schein­lich nicht hat­ten. So beka­men wir in der Ober­stu­fe (2001−2002) einen Eng­lisch­leh­rer direkt aus den USA. Was kann für Jugend­li­che bes­ser sein als ein Nati­ve Speaker ! Sehr bald aber leg­te er uns ganz selt­sa­me Fra­ge­bö­gen vor, mit Fra­gen wie : ‘Haben Sie Respekt vor Ihrem Prä­si­den­ten ? Kön­nen Sie sich einen Krieg zwi­schen Russ­land, Weiß­russ­land und der Ukrai­ne vor­stel­len?’ Es dau­er­te nicht lan­ge, bis wir ihn ‘Spy’ nann­ten. Soweit ich mich erin­ne­re, hat er uns außer den ver­däch­ti­gen Umfra­gen und Auf­sät­zen kei­ne wei­te­ren Auf­ga­ben gestellt.”

Fort­set­zung folgt

Mehr zum The­ma - “Wie 36 Eif­fel­tür­me”: Die Krim-Brü­cke in Zah­len — Clip zum Jah­res­tag der Eröff­nung

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Vorsitzende des britischen Unterhauses tritt nach neuen Plänen von Theresa May zurück


Andrea Lead­som gilt als enge Ver­trau­te der bri­ti­schen Pre­mier­mi­nis­te­rin. In ihrem Schrei­ben an May, wel­ches sie über Twit­ter ver­öf­fent­lich­te, nann­te Lead­som die Grün­de für ihren Rück­tritt. 

Dar­in schreibt sie, dass sie im Kabi­nett geblie­ben ist, um “für den Bre­x­it zu kämp­fen”. Es hät­te “unbe­que­me Kom­pro­mis­se” auf die­sem Weg gege­ben, und The­re­sa May habe stets ihre “ent­schie­de­ne Unter­stüt­zung und Loya­li­tät” gehabt, um den Bre­x­it abzu­schlie­ßen. 

Doch Lead­som glaubt nach dem 10-Punk­te­plan, den die Pre­mier­mi­nis­te­rin ges­tern ange­kün­digt hat­te, nicht mehr dar­an, dass die­ser neue Ansatz dem Geis­te des Refe­ren­dums von 2016 noch ver­pflich­tet ist. Ins­be­son­de­re glau­be sie nicht dar­an, dass das Ver­ei­nig­te König­reich “wirk­lich sou­ve­rän” nach dem neu­en Plan wäre. Und sie habe stets klar­ge­macht, dass sie ein zwei­tes Refe­ren­dum für “gefähr­lich spal­tend” hält. Des­halb kön­ne sie die Regie­rung, die “bewusst solch ein Zuge­ständ­nis” macht, nicht län­ger unter­stüt­zen. Zudem ris­kie­re die­ser Schritt, dass die “Uni­on (Ver­ein­tes Königreich/Anm.) unter­gra­ben” wird.

Mehr zum The­ma — The­re­sa May : Par­la­ment soll über ein neu­es Refe­ren­dum ent­schei­den kön­nen

Des­halb kön­ne sie als Vor­sit­zen­de des Unter­hau­ses den Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ten für die mor­gi­ge Abstim­mung nicht einen Geset­zes­ent­wurf mit “neu­en Ele­men­ten” unter­brei­ten, den sie selbst “fun­da­men­tal ablehnt”. Sie sieht sich des­halb nicht mehr in der Lage, ihrer Ver­pflich­tung als Lord Pre­si­dent of the Coun­cil and Lea­der of the House of Com­mons nach­zu­kom­men und schei­det aus der Regie­rung aus.

RT Deutsch