Erdoğan : Operation in Nordsyrien wird weitergehen


Auf dem Rück­flug von einem Ungarn­be­such erklär­te der tür­ki­sche Prä­si­dent Erdoğan gegen­über Jour­na­lis­ten, dass sich die USA und Russ­land nicht an ihre Abma­chun­gen in Nord­sy­ri­en gehal­ten hät­ten. Auf die Rück­fra­ge eines Jour­na­lis­ten, ob dies die Wei­ter­füh­rung der tür­ki­schen Mili­tär­ope­ra­ti­on in Syri­en bedeu­te, ant­wor­te­te er “auf jeden Fall”, wie die tür­ki­sche oppo­si­tio­nel­le natio­na­lis­ti­sche Zei­tung Söz­cü 

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Deutscher Arzt zu türkischer Offensive in Nordsyrien : “Schwerste Übergriffe auf die Bevölkerung”


Mehr zum The­ma — Total­ver­sa­gen des “Wer­te­wes­tens” in Syri­en – Wütend-resi­gnier­tes Ein­ge­ständ­nis der Macher

Dr. Micha­el Wilk und sein Team waren unter ande­rem in Tell Tamer im Ein­satz, einer Stadt an der süd­öst­li­chen Gren­ze des von der Tür­kei okku­pier­ten Gebie­tes. Er berich­tet, dass die Waf­fen­ru­he dort bis heu­te nicht ein­ge­hal­ten wird und bereits zahl­rei­che Zivi­lis­ten getö­tet wur­den.

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Syrien : Russische und syrische Streitkräfte sollen Nordsyrien ab Mittwoch betreten


Nach stun­den­lan­gen Dis­kus­sio­nen ver­kün­de­ten die Prä­si­den­ten Russ­lands und der Tür­kei auf einer gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz die Details ihres Abkom­mens zur Befrie­dung des Syri­en-Kon­flik­tes. So sol­len rus­si­sche und tür­ki­sche Streit­kräf­te gemein­sa­me Patrouil­len durch­füh­ren. Die­se Patrouil­len sol­len sich auf das Gebiet bis zu 30 Kilo­me­ter hin­ter der tür­kisch-syri­schen Gren­ze beschrän­ken. Gleich­zei­tig sol­len rus­si­sche Mili­tär­po­li­zis­ten und syri­sche Grenz­trup­pen das Gebiet Nord­sy­ri­ens, das außer­halb der tür­ki­schen Ope­ra­ti­ons­zo­ne liegt, ab Mitt­woch betre­ten, um sicher­zu­stel­len, dass sich die Kräf­te der Kur­den­mi­liz YPG zurück­zie­hen und ihre Waf­fen abge­ben. Die Tür­kei stimm­te einer Ver­län­ge­rung der Waf­fen­ru­he mit der YPG zu. Die Tür­kei betrach­tet die YPG als Schwes­ter­or­ga­ni­sa­ti­on der dort ver­bo­te­nen PKK.

Auf der Pres­se­kon­fe­renz beton­te Putin erneut, dass sich alle ille­gal in Syri­en sta­tio­nier­ten aus­län­di­schen Kräf­te zurück­zie­hen müss­ten. Der rus­si­sche Prä­si­dent erklär­te, dass die Tür­kei die­se Visi­on tei­le und zudem sich für die ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät Syri­ens aus­ge­spro­chen habe. Putin beton­te eben­falls, dass die syri­sche Regie­rung und die kur­di­schen Kräf­te Ver­hand­lun­gen auf­neh­men müs­sen.

Nach dem Ein­marsch der Tür­kei im Nor­den Syri­ens am 9. Okto­ber hat­te die Tür­kei einen rund 120 Kilo­me­ter lan­gen Strei­fen erobert. Letz­te Woche hat­te die USA einen Waf­fen­still­stand zwi­schen den kur­di­schen Kräf­ten und der Tür­kei ver­mit­telt, der vor­sah, dass sich die YPG bis 22 Uhr Orts­zeit heu­te zurück­zie­hen wür­den. Die Tür­kei hat­te mehr­mals damit gedroht, mit der Offen­si­ve fort­zu­fah­ren, soll­ten sich die YPG-Kämp­fer bis zum Ablauf des Ulti­ma­tums nicht zurück­zie­hen.

Mos­kau hat­te die Tür­kei wie­der­holt dazu auf­ge­ru­fen, Zurück­hal­tung zu üben und kei­ne Schrit­te zu unter­neh­men, die die Sou­ve­rä­ni­tät und ter­ri­to­ria­le Inte­gri­tät des syri­schen Staa­tes sowie eine poli­ti­sche Lösung des Syri­en-Kon­flik­tes scha­den könn­ten.

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Trotz Waffenruhe in Nordsyrien : Türkisches Militär meldet Opfer in eigenen Reihen


Wie die Mili­tär­be­hör­de in Anka­ra am Sonn­tag mit­teil­te, sei­en die Sol­da­ten bei einer Auf­klä­rungs- und Über­wa­chungs­mis­si­on unter ande­rem mit Pan­zer­ab­wehr­waf­fen beschos­sen wor­den. Das tür­ki­sche Mili­tär habe zurück­ge­feu­ert. Die Tür­kei warf der YPG-Miliz ins­ge­samt 20 Ver­stö­ße gegen die Feu­er­pau­se in Nord­sy­ri­en vor.

Am Don­ners­tag hat­te US-Vize­prä­si­dent Mike Pence nach Gesprä­chen in Anka­ra eine Waf­fen­ru­he zwi­schen den Kon­flikt­par­tei­en ver­kün­det. Die Feu­er­pau­se soll­te den Kur­den­mi­li­zen Gele­gen­heit geben, sich aus einem Gebiet auf der syri­schen Sei­te der Gren­ze zurück­zu­zie­hen, in dem die Tür­kei eine soge­nann­te Sicher­heits­zo­ne errich­ten möch­te. Die gemein­sa­me Erklä­rung ließ aller­dings vie­le Fra­gen offen.

Am 9. Okto­ber hat die Tür­kei im Nor­den Syri­ens eine Offen­si­ve gegen die Kur­den­mi­liz YPG gestar­tet, die von ihr als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ange­se­hen wird. Anka­ra begrün­det den Ein­marsch mit dem Recht auf Selbst­ver­tei­di­gung. (dpa)

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Nordsyrien : Gegenseitige Schuldzuweisungen nach Schüssen und Artilleriefeuer trotz Waffenruhe


Trotz des Pakts der USA mit der Tür­kei zum Vor­ge­hen in Syri­en ist es am Frei­tag nahe der nord­sy­ri­schen Grenz­stadt Raʾs al-ʿAin zu Schüs­sen und Artil­le­rie­feu­er gekom­men. Aus einem Teil der Stadt stieg zudem Rauch auf. Der Hin­ter­grund war zunächst eben­so unklar wie die Fra­ge, ob es Opfer oder Schä­den gab.

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Die Tür­kei und kur­di­sche Kämp­fer wie­sen sich gegen­sei­tig die Schuld für die Ver­let­zung der vor­läu­fi­gen Waf­fen­ru­he zu. Das tür­ki­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um warf den Kur­den­mi­li­zen am Sams­tag vor, für 14 Anschlä­ge mit schwe­ren Waf­fen in den Grenz­städ­ten Tall Abyad und Raʾs al-ʿAin ver­ant­wort­lich zu sein. Anka­ra hal­te sich an den mit den USA ver­ein­bar­ten Deal, teil­te das Minis­te­ri­um wei­ter mit. Die vor­läu­fi­ge Waf­fen­ru­he war am Don­ners­tag in Kraft getre­ten.

Die von Kur­den­mi­li­zen ange­führ­ten Syri­schen Demo­kra­ti­schen Kräf­te (SDF) beschul­dig­ten dage­gen die tür­ki­sche Sei­te, die Öff­nung eines huma­ni­tä­ren Kor­ri­dors für die umkämpf­te Grenz­stadt Raʾs al-ʿAin nicht zuzu­las­sen. Die kur­di­sche Selbst­ver­wal­tung hat­te dies gefor­dert, um Zivi­lis­ten und Ver­letz­te in Sicher­heit zu brin­gen.

Akti­vis­ten zufol­ge nah­men die von der Tür­kei unter­stütz­ten Rebel­len Raʾs al-ʿAin am Sams­tag ver­ein­zelt wei­ter­hin unter Beschuss. Dort sei­en im Zuge der Kämp­fe min­des­tens sechs Men­schen ihren Ver­let­zun­gen erle­gen, teil­te die Syri­sche Beob­ach­tungs­stel­le für Men­schen­rech­te mit. Die Rebel­len hät­ten zuvor einen Ärz­te-Kon­voi, der 38 ver­letz­te Zivi­lis­ten und Kämp­fer in Sicher­heit brin­gen soll­te, an der Ein­fahrt nach Raʾs al-ʿAin gehin­dert.

US-Vize­prä­si­dent Mike Pence und US-Außen­mi­nis­ter Mike Pom­peo stün­den in der Pflicht, die Tür­kei zur Ein­hal­tung der Waf­fen­ru­he zu bewe­gen, teil­ten die SDF mit. Die Ver­ein­ba­rung folg­te auf ein Tref­fen von Pence mit dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Recep Tayy­ip Erdoğan in Anka­ra am Don­ners­tag. Pom­peo war Teil der hoch­ka­rä­tig besetz­ten US-Dele­ga­ti­on.

Trotz des anhal­ten­den Kon­takts mit der ame­ri­ka­ni­schen Sei­te und ihren Ver­spre­chen, die­ses Pro­blem zu lösen, gab es kei­ne Fort­schrit­te”, teil­ten die SDF mit.

Die Feu­er­pau­se soll­te den Kur­den­mi­li­zen Gele­gen­heit geben, sich aus einem Gebiet auf der syri­schen Sei­te der Gren­ze zurück­zu­zie­hen, in dem die Tür­kei eine soge­nann­te Sicher­heits­zo­ne errich­ten möch­te. Akti­vis­ten zufol­ge kam es bereits weni­ge Stun­den nach Ver­kün­dung der vor­läu­fi­gen Waf­fen­ru­he rund um Raʾs al-ʿAin wei­ter­hin zu Gra­na­ten­be­schuss und Maschi­nen­ge­wehr­feu­er.

Die Tür­kei hat­te am 9. Okto­ber im Nor­den Syri­ens eine Offen­si­ve gegen die Kur­den­mi­liz YPG gestar­tet, die von ihr als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ange­se­hen wird. Anka­ra begrün­det den Ein­satz mit dem Recht auf Selbst­ver­tei­di­gung.

Am Don­ners­tag hat­ten sich die USA und die Tür­kei auf Schrit­te geei­nigt, die zu einer Beru­hi­gung der Lage in der zuletzt umkämpf­ten Regi­on in den kom­men­den fünf Tagen sor­gen soll. Washing­ton und Anka­ra inter­pre­tier­ten den Pakt jedoch unter­schied­lich : Wäh­rend die USA von einer “Waf­fen­ru­he” spra­chen, lehn­te die Tür­kei die­sen Begriff ab und erklär­te, es gehe um eine “Pau­se” ihrer Offen­si­ve von fünf Tagen, um “Ter­ro­ris­ten” in der Regi­on den Abzug zu ermög­li­chen. Auch war unklar, ob die von der Kur­den-Miliz YPG ange­führ­ten Kämp­fer der SDF die Ver­ein­ba­rung akzep­tie­ren.

Am Don­ners­tag hat­te Pence nach einem Tref­fen mit Erdoğan in Anka­ra erklärt, bin­nen 120 Stun­den sol­le sich die kur­di­sche Miliz YPG aus der Regi­on zurück­zie­hen. Sobald sie sich voll­stän­dig aus der in Nord­sy­ri­en geplan­ten Sicher­heits­zo­ne zurück­ge­zo­gen hät­ten, wer­de das tür­ki­sche Mili­tär sei­nen Ein­satz kom­plett ein­stel­len. Es sei­en US-Sol­da­ten im Ein­satz, um einen fried­li­chen Abzug der YPG zu orga­ni­sie­ren.

Der tür­ki­sche Außen­mi­nis­ter Mev­lüt Çavuşoğlu sag­te, es sei ver­ab­re­det, dass die Tür­kei die Kon­trol­le über die geplan­te Sicher­heits­zo­ne über­neh­me. Die Zone sol­le eine Tie­fe von 32 Kilo­me­tern ab der tür­ki­schen Gren­ze haben und auch die Gebie­te öst­lich des Euphrat bis zur ira­ki­schen Gren­ze umfas­sen. Schwe­re Waf­fen der YPG soll­ten ein­ge­sam­melt und deren Stel­lun­gen zer­stört wer­den.

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Die von den YPG ange­führ­ten Syri­schen Demo­kra­ti­schen Kräf­te (SDF) erklär­ten, man wer­de tun, was nötig sei, damit der Pakt funk­tio­nie­re. Das Abkom­men umfas­se aber nicht die Zie­le der tür­ki­schen Offen­si­ve, sag­te SDF-Kom­man­deur Maz­lum Kobanê dem Sen­der Ronahi TV. Es sei begrenzt auf das Gebiet zwi­schen den Grenz­städ­ten Raʾs al-ʿAin und Tall Abyad. Die Tür­kei strebt dage­gen die Ein­rich­tung einer Sicher­heits­zo­ne ent­lang des kom­plet­ten Ver­laufs der tür­kisch-syri­schen Gren­ze an.

Kri­ti­ker von Trumps Abzugs­ent­schei­dung fürch­ten auch, dass IS-Kämp­fer, die bis­lang auf dem Gebiet in Nord­sy­ri­en gefan­gen gehal­ten wur­den, frei­kom­men und neue Anschlä­ge pla­nen könn­ten. Trump hat­te ange­sichts der Kri­tik erklärt, er wer­de die tür­ki­sche Wirt­schaft “voll­stän­dig zer­stö­ren”, soll­te die Tür­kei etwas tun, das er als falsch bewer­te. Erdoğan hat­te zuletzt aller­dings gesagt, US-Sank­tio­nen berei­ten ihm kei­ne Sor­gen. Auch nach dem Abkom­men vom Don­ners­tag erklär­te die tür­ki­sche Sei­te, kei­ner­lei Zuge­ständ­nis­se gemacht zu haben. “Wir haben genau das bekom­men, was wir woll­ten”, sag­te ein Regie­rungs­ver­tre­ter. Trump hin­ge­gen twit­ter­te : “Dies ist ein gro­ßer Tag für die Zivi­li­sa­ti­on.” Mil­lio­nen Men­schen­le­ben wür­den geret­tet.

Laut Reu­ters hielt der zer­brech­li­che Waf­fen­still­stand am Sams­tag, wobei eini­ge tür­ki­sche Mili­tär­fahr­zeu­ge die Gren­ze über­quer­ten. Prä­si­dent Tayy­ip Erdo­gan sag­te am Sams­tag, dass die Tür­kei ihre Offen­si­ve im Nord­os­ten Syri­ens fort­set­zen und die “Köp­fe der Ter­ro­ris­ten zer­schla­gen” wür­de, wenn das Waf­fen­still­stands­ab­kom­men über den Abzug kur­di­scher Kämp­fer aus dem Gebiet nicht voll­stän­dig umge­setzt wür­de. 

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(reuters/ rt deutsch)

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Nahostexperte Ali Özkök : Russland hält Schlüssel für Lösung in Nordsyrien in der Hand


Ali Özkök ist ein in Deutsch­land leben­der Eura­si­en-Ana­lyst mit Schwer­punkt auf den Nahen Osten. Das Gespräch führ­te Den­nis Simon.

Wel­che Kräf­te betei­li­gen sich an der tür­ki­schen Ope­ra­ti­on in Syri­en – sind es über­wie­gend tür­ki­sche Ein­hei­ten oder ara­bi­sche Mili­zen ?

Ins­ge­samt neh­men rund 15.000 Sol­da­ten und Rebel­len an der Offen­si­ve in Nord­sy­ri­en teil, wie US-Ver­tei­di­gungs­be­am­te kürz­lich hoch­rech­ne­ten. Was sicher gesagt wer­den kann : Auf tür­ki­scher Sei­te par­ti­zi­pie­ren zwei tür­ki­sche Pan­zer­bri­ga­den, zwei mecha­ni­sier­te Infan­te­riebri­ga­den, eine Kom­man­do­bri­ga­de, zwei Gen­dar­me­rie-Spe­zi­al­ba­tail­lo­ne, ver­schie­de­ne Spe­zi­al­ein­hei­ten mit rund 6.000 Sol­da­ten und mehr als 5.000 tür­kisch unter­stütz­te Kämp­fer der FSA. Wei­te­re 1.400 Kämp­fer der FSA aus dem Euphrat-Schild-Gebiet in Nord­sy­ri­en wur­den zunächst nach Akça­ka­le ver­setzt und neh­men nun an der Ope­ra­ti­on im Raum Tall Abyad-Raʾs al-ʿAin teil.

Was sind die mili­tä­ri­schen Zie­le der Ope­ra­ti­on ?

Das Haupt­ziel Anka­ras war die Zer­stö­rung der halb­staat­li­chen Auto­no­mie der YPG/PKK in Syri­en. Das Ziel wur­de auch erreicht. Hin­zu kommt, dass Anka­ra mit der Ein­nah­me von Tall Abyad und Raʾs al-ʿAin die geo­gra­fi­sche Ver­bin­dung des Kur­den-Kan­tons Kobanê mit Qamisch­li und Hasa­ka getrennt hat.

Zugleich nutzt die Assad-Regie­rung mit­hil­fe Russ­lands das ent­stan­de­ne Vaku­um aus, um sei­ne eige­ne Prä­senz in Qamisch­li, Hasa­ka, Ain Issa, Tab­qa, Kobanê und Man­bidsch zu stär­ken, was die Auto­ri­tät der YPG/PKK in der Regi­on wei­ter unter­gräbt. Das bedeu­tet, dass sowohl Damas­kus als auch Anka­ra von der Lage pro­fi­tie­ren. Zugleich ver­stärkt die­se Ent­wick­lung Anrei­ze zu einer bila­te­ra­len Annä­he­rung zwi­schen Damas­kus und Anka­ra, was von Mos­kau geför­dert wird.

Wird sich die tür­ki­sche Armee an das selbst erklär­te Limit von 30 Kilo­me­tern hal­ten, oder hat der tür­ki­sche Prä­si­dent Recep Tayy­ip Erdoğan mög­li­cher­wei­se grö­ße­re Ambi­tio­nen ?

Die Tür­kei wür­de sich ger­ne ent­lang der Höhe der M4-Auto­bahn nach Osten und Wes­ten aus­wei­ten, und sie könn­te es mili­tä­risch durch­set­zen, aber die Kos­ten einer sol­chen Expan­si­on auf poli­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Sei­te könn­ten die geo­po­li­ti­schen Gewin­ne zumin­dest für den Moment über­stei­gen. Anka­ra spielt lang­fris­tig. Die Tür­kei wird die­se Aus­gangs­la­ge nut­zen, um auch lang­fris­tig den Ver­lust der Halb­staat­lich­keit des syri­schen PKK-Able­gers als Ter­ror­pro­blem für die natio­na­le Sicher­heit zu eta­blie­ren. Damit kon­trol­liert Anka­ra die Eska­la­ti­ons­dy­na­mik am Boden.

Außer­dem wer­den die Kon­troll­ver­hält­nis­se der Regio­nen Kobanê und Man­bidsch in der Tür­kei inten­siv dis­ku­tiert. Erdoğan sag­te bereits, dass die Tür­kei Kobanê nicht ein­neh­men, die Regi­on aber ein­krei­sen will, was prak­tisch einer Ein­nah­me gleich­kommt, da die YPG/PKK eben in die­sem Raum von allen Sei­ten iso­liert wären. Dafür muss sich Anka­ra aller­dings mit Russ­land über die Auf­tei­lung von Man­bidsch in Ein­fluss­zo­nen eini­gen. Tür­ki­sche Sol­da­ten zie­hen aus dem nord­west­li­chen Zip­fel der Regi­on Man­bidsch bis­lang nicht ab, wäh­rend Assad sei­ne eige­ne Prä­senz aus­wei­tet. Sicher­heits­quel­len zufol­ge hat die Tür­kei in Man­bidsch 4.000 FSA-Rebel­len sta­tio­niert. Die diplo­ma­ti­schen Dräh­te lau­fen bei Putin gera­de heiß.

Inwie­fern ergibt sich Kon­flikt­po­ten­zi­al mit den stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen ande­rer in Syri­en akti­ven Staa­ten, etwa dem Iran, den USA und Russ­land ?

In Bezug auf den Iran ist zu sagen, dass der Iran in der Tat über die Schwä­chung der US-Prä­senz in Syri­en erfreut sein soll­te. Tehe­ran könn­te durch die Schwä­chung der YPG/PKK die Land­rou­te über den Irak und Syri­en in den Liba­non künf­tig stär­ker aus­bau­en und damit Isra­el vor neue Her­aus­for­de­run­gen stel­len. Wir wis­sen aber auch, dass der Iran sei­ne Prä­senz bis­her auch so behaup­ten konn­te.

Zeit­gleich wer­den Stim­men laut, die von einem maxi­ma­lis­ti­schen Ansatz aus­ge­hen. Das bedeu­tet für eini­ge im ira­ni­schen Estab­lish­ment, dass eine stär­ke­re Prä­senz der Tür­kei in Syri­en auf Kos­ten des ira­ni­schen Ein­flus­ses gehen wird, was auch sicher­lich der Fall sein wird. Daher grei­fen auch Hard­li­ner aus dem Iran die Tür­kei an. Dabei soll­te nicht ver­ges­sen wer­den, dass der Iran selbst prag­ma­ti­sche Bezie­hun­gen zur PKK unter­hält und die­se auch im Irak unter­stütz­te, wäh­rend Kur­den im eige­nen Land unter­drückt wer­den.

Fakt ist aller­dings, dass die Optio­nen des Iran, gegen die Tür­kei vor­zu­ge­hen, gegen­wär­tig limi­tiert sind, da die Tür­kei ira­ni­schen Unter­neh­men erlaubt, teil­wei­se in die Tür­kei über­zu­sie­deln, was für Tehe­ran die Umge­hung von US-Sank­tio­nen bedeu­tet.

In den USA droh­te Trump nach dem “grü­nen Licht” für eine tür­ki­sche Ope­ra­ti­on die evan­ge­li­ka­li­sche und pro-israe­li­sche Lob­by zu ver­lie­ren. Ange­sta­chelt von Vize­prä­si­dent Mike Pence, sprach Trump dann nach weni­gen Tagen ernst­haf­te Dro­hun­gen aus, kom­bi­niert mit einem Mini-Sank­ti­ons­pa­ket, das Anka­ra signa­li­sie­ren soll, es in Syri­en nicht zu über­trei­ben.

Die USA brau­chen im Grun­de ihre mili­tä­ri­schen Posi­tio­nen in Nord­sy­ri­en nicht mehr, die tat­säch­lich vom Auf­bau her auch nur tak­ti­scher Natur waren. Der IS wur­de besiegt, und des­halb waren auch die US-Trup­pen da. Schaut man genau hin, haben die USA eigent­lich Man­bidsch an Assad und Russ­land über­ge­ben und Anka­ra außen vor gelas­sen. Dar­über hin­aus strei­ten sich Inter­es­sen­grup­pen, wie sich die US­-Prä­senz umfunk­tio­nie­ren lässt, damit auch ande­re Län­der wie Isra­el und Sau­di-Ara­bi­en ihre geo­po­li­ti­schen Zie­le gegen den Iran errei­chen kön­nen, wäh­rend sich die Tür­kei die Zäh­ne aus­bei­ßen soll.

Es ist lei­der Fakt, dass die USA die Tür­kei mit­tels Sank­tio­nen erheb­lich unter wirt­schaft­li­chen Druck set­zen kön­nen. Daher kön­nen die USA auch das Tem­po der tür­ki­schen Bewe­gun­gen in Syri­en bestim­men, was es für die Tür­kei schwie­rig macht, gegen ihren Erz­feind im gewünsch­ten Maß vor­zu­ge­hen.

Isra­el hat ange­sichts der Span­nun­gen etwa in Bezug auf die Hamas kein Inter­es­se an einer Stär­kung der Tür­kei. Isra­el weiß : Schwächt Anka­ra den PKK-Fak­tor, dann geht das mit einer Stär­kung der Tür­kei in der ara­bi­schen Welt ein­her. Anders als Sau­di-Ara­bi­en und die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te hin­ter­fragt Anka­ra tat­säch­lich die israe­li­sche Paläs­ti­na-Poli­tik. Für Isra­el wäre es kata­stro­phal, wenn neben dem Iran künf­tig auch noch die indus­tri­ell viel ent­wi­ckel­te­re Tür­kei Druck auf­baut. Daher wird Isra­el alles tun, damit der kur­di­sche Fak­tor in Syri­en auch in Zukunft eine Rol­le spielt, auch im Sin­ne der Frag­men­tie­rung der Zen­tral­re­gie­rung und der Schwä­chung des ira­ni­schen Ein­flus­ses.

Russ­land hat gelernt, dass es sich im Nahen Osten nie­mals nur auf eine Sei­te eines Kon­flik­tes schla­gen soll. Nur so kann es fle­xi­bel und zugleich zweck­dien­lich eige­ne Inter­es­sen durch­set­zen. Das führt jedoch auch dazu, dass im Tür­kei-PKK-Kon­flikt Fra­ge­zei­chen grö­ßer wer­den, wenn Anka­ra immer nur den hal­ben Kuchen kriegt, was irgend­wann als dop­pel­tes Spiel gewer­tet wer­den könn­te. Ande­rer­seits bedeu­tet auch das schon für Anka­ra zumin­dest kurz­fris­tig, dass die Koope­ra­ti­on mit Russ­land gewinn­brin­gend sein kann.

Inzwi­schen spielt Russ­land eine wach­sen­de Rol­le als Ver­trau­ens­an­ker für die Tür­kei. Wäh­rend die USA unter Trump in diplo­ma­ti­schen und gene­rell bila­te­ra­len insti­tu­tio­nel­len Fra­gen einen immer ambi­va­len­te­ren Zick­zack­kurs fah­ren, bei dem nicht klar ist, ob nun Trump oder CENTCOM das Sagen hat, gewinnt Russ­land als Media­tor mas­siv an Zustim­mung.

Fakt ist, umso tie­fer die Tür­kei in Syri­en ein­dringt, umso mehr ver­langt Mos­kau auch ein Ent­ge­gen­kom­men der Tür­kei bei rus­si­schen Inter­es­sen. Kurz­fris­tig kann sich Russ­land dar­auf freu­en, sei­nen Ein­fluss auf US-kon­trol­lier­te Gebie­te aus­zu­wei­ten. Lang­fris­tig muss Russ­land zuse­hen, dass es sei­ne wach­sen­de mili­tä­ri­sche Stel­lung auch in ech­te poli­ti­sche Gewin­ne ummün­zen kann. Das geht mit der Tür­kei, die im Grun­de die mili­tä­ri­sche Oppo­si­ti­on in Syri­en kon­trol­liert. Damit sind bei­de Sei­ten auf­ein­an­der ange­wie­sen, wenn es dar­um geht, ihre poli­ti­schen Zie­le lang­fris­tig zu errei­chen.

Ein gutes Zei­chen ist der Besuch von Prä­si­dent Erdoğan dem­nächst in Russ­land, wo Putin einen Sicher­heits­gip­fel mit der syri­schen Regie­rung ein­lei­ten will. Putin hat das Ada­na-Abkom­men im Sinn, das vor allem Assad hel­fen wird, die Kon­trol­le über die syri­sche Gren­ze zurück­zu­ge­win­nen. Dafür muss es für die Tür­kei einen Aus­gleich geben, der aus­ge­han­delt wird. Damit die­ses Sze­na­rio glaub­wür­dig wird, muss Assad erst bewei­sen, dass er die YPG/PKK nicht ein­fach nur in den Win­ter­schlaf ver­set­zen will. Soll­te es kom­men wie in Tal Rif­aat nach der tür­ki­schen Afrin-Offen­si­ve, wo sich YPG/PKK frei bewe­gen kön­nen, wird Anka­ra nur schwer­lich von einer Koope­ra­ti­on mit Assad zu über­zeu­gen sein.

Euro­pa ist poli­tisch gespal­ten und konn­te nur knapp eine gemein­sa­me Stel­lung­nah­me durch­brin­gen. Spa­ni­en und Ungarn gel­ten als pro­tür­kisch ein­ge­stellt, wäh­rend Deutsch­land und Frank­reich kei­ne Gele­gen­heit ver­strei­chen las­sen, ihren Unmut kund­zu­tun. Beson­ders die ehe­ma­li­ge Kolo­ni­al­macht Frank­reich, die über Syri­en herrsch­te, fühlt sich gekränkt, weil Anka­ra dafür sorg­te, dass neben US-Trup­pen auch fran­zö­si­sche Spe­zi­al­ein­hei­ten aus Nord­sy­ri­en abzie­hen müs­sen.

Daher wird erwar­tet, dass Frank­reich ver­su­chen wird, den Druck auf diplo­ma­ti­scher und geo­po­li­ti­scher Ebe­ne hoch­zu­hal­ten. Wahr­schein­lich wird sich der fran­zö­sisch-tür­ki­sche Gegen­satz im Zypern- und Liby­en-Kon­flikt dadurch umso mehr ver­stär­ken.

Wel­che Aus­wir­kun­gen wird der tür­ki­sche Angriff auf die Bezie­hun­gen zwi­schen der PYD/YPG und der syri­schen Regie­rung haben ?

Eines ist klar : Die USA und Russ­land als Groß­mäch­te sind sich einig, dass man kei­ne domi­nie­ren­de Regio­nal­macht im Nahen Osten haben will, da eine sol­che Ent­wick­lung als Ein­schnit­te auf eige­ner Sei­te gewer­tet wird. Das gilt für Sau­di-Ara­bi­en und den Iran, aber auch für die Tür­kei. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob die Tür­kei Teil der NATO ist. Umso mehr sich die Regio­nal­mäch­te die Zäh­ne aus­bei­ßen, umso bes­ser kön­nen sich Groß­mäch­te in Sze­ne set­zen und ihre Tätig­keit als Media­tor oder Schutz­macht wirt­schaft­lich oder mit­tels regio­na­len Ein­flus­ses ver­gü­ten las­sen. Wäh­rend bei­spiels­wei­se die USA die Ölex­port­ab­hän­gig­keit als Achil­les­fer­se des Iran aus­ge­macht haben, ist die Achil­les­fer­se der Tür­kei die ter­ro­ris­tisch-sepa­ra­tis­ti­sche PKK, die durch­aus als geo­po­li­ti­sches Instru­ment miss­braucht wer­den kann, um Anka­ra emp­find­lich zu tref­fen.

Die Fra­ge, die sich stellt, ist, wel­che Vor­stel­lun­gen Assad und Russ­land in Bezug auf die YPG/PKK tei­len. Assad wird wie die Tür­kei kein Inter­es­se an auto­no­men Struk­tu­ren der Orga­ni­sa­ti­on haben. Allein schon des­halb, weil im von den YPG kon­trol­lier­ten Gebiet gro­ße Ölre­ser­ven und wich­ti­ge frucht­ba­re Böden zu fin­den sind, die wich­tig sind, um das kriegs­ge­schüt­tel­te Land zu sta­bi­li­sie­ren.

Ande­rer­seits kon­trol­liert die Tür­kei mit Flücht­lin­gen in Ana­to­li­en und im Euphrat-Schild-Gebiet, Afrin und Idlib zusam­men fast genau­so vie­le Syrer wie Assad. Anka­ra ist neben Russ­land maß­geb­lich dar­an betei­ligt, die Ver­fas­sung Syri­ens neu zu schrei­ben. Das heißt, dass Anka­ra kon­kret dar­über ent­schei­den kann, wie die Zukunft Assads aus­sieht. Idlib, Afrin, das Euphrat-Schild-Gebiet und nun die neu ein­ge­nom­me­nen Gebie­te ver­lei­hen Anka­ra am Ver­hand­lungs­tisch mit Russ­land gute Kar­ten, um eige­ne Vor­stel­lun­gen über die neue Ver­fas­sung Syri­ens auch tat­säch­lich gegen Mos­kau durch­zu­set­zen.

Die Tür­kei betrach­tet Syri­en unter Füh­rung der Assad-Fami­lie als Bedro­hung für die eige­ne natio­na­le Sicher­heit. Anka­ra möch­te des­halb eine mög­lichst freund­li­che Ver­fas­sung schaf­fen, die es Anka­ra erlaubt, künf­tig enger mit Syri­en zusam­men­zu­ar­bei­ten. Schon im Kal­ten Krieg benutz­te Damas­kus die PKK, um den NATO-Staat Tür­kei unter Druck zu set­zen, was für viel böses Blut sorg­te. Auch in Zukunft wird sich Damas­kus die­se Trumpf­kar­te nicht neh­men las­sen. Des­halb wer­den die YPG/PKK von Assad im bes­ten Fall in den Win­ter­schlaf ver­setzt. Sie wer­den sich unter limi­tier­ten Umstän­den immer ein gewis­ses Rück­zugs­ge­biet in Syri­en bewah­ren kön­nen.

Ein sol­ches Sze­na­rio wie­der­um wird eine völ­li­ge Nor­ma­li­sie­rung der Bezie­hun­gen zwi­schen Anka­ra und Damas­kus auf abseh­ba­re Zeit ver­hin­dern. Anka­ra wird sei­ner­seits ver­su­chen, sei­nen Ein­fluss auf Nord­sy­ri­en nicht kom­plett auf­zu­ge­ben.

Russ­land ist sich die­ser Situa­ti­on sehr wohl bewusst. Es liegt an Mos­kau, gemein­sa­me Nen­ner zu ver­mit­teln, die mit­tel­fris­tig durch­setz­bar sind. Auf die­se Wei­se las­sen sich lang­fris­ti­ge Erfol­ge auf­bau­en.

Was wer­den die län­ger­fris­ti­gen Kon­se­quen­zen der Ope­ra­ti­on für die tür­ki­sche Innen­po­li­tik sein ange­sichts der poten­zi­ell wach­sen­den Zahl von Ver­lus­ten in Syri­en und des gesell­schaft­li­chen tür­kisch-kur­di­schen Kon­flikts ?

Anka­ra hat in den letz­ten Jah­ren viel dazu­ge­lernt. Die tür­ki­sche Regie­rung macht die PKK nicht mehr nur noch zu ihrem Pro­blem, son­dern auch zu einem Pro­blem zwi­schen Kur­den und der PKK, wie wir bei den jüngs­ten Pro­tes­ten gegen die PKK-Rekru­tie­rungs­po­li­tik im Süd­os­ten der Tür­kei gese­hen haben. Anka­ra ver­folgt auch die Poli­tik, Kur­den in die wirt­schaft­li­che Wert­schöp­fung sowie poli­ti­sche Mei­nungs­bil­dung bewusst mit ein­zu­bin­den, solan­ge sie nicht mit der sepa­ra­tis­ti­schen PKK in Ver­bin­dung ste­hen. Außer­dem hat sich die HDP in den letz­ten Jah­ren zuneh­mend zu einer lin­ken, eher tür­ki­schen Par­tei gewan­delt, was auch eine Art Selbst­schutz ist. Dabei muss man auch der Tat­sa­che ins Auge schau­en, dass der PKK-Kon­flikt in der Tür­kei ein Relikt aus dem Kal­ten Krieg ist, der nicht been­det wur­de. Weni­ger als um einen star­ren Tür­ken-Kur­den-Kon­flikt han­delt es sich eher um einen Flü­gel­kampf zwi­schen radi­ka­len Lin­ken und dem Staat. Meh­re­re Grün­dungs­mit­glie­der der PKK waren Tür­ken.

Mili­tä­risch hat die PKK selbst das Pro­blem, dass sie kei­ne Ant­wort auf die erfolg­rei­che Droh­nen-Dok­trin der Tür­kei hat. Das heißt, dass sich die PKK momen­tan in der Tür­kei und im Irak mili­tä­risch in der Defen­si­ve befin­det. Soll­te die PKK mer­ken, dass die Situa­ti­on unhalt­bar wird, muss sie sich ent­schei­den, ob sie den Ter­ror wie­der in die tür­ki­schen Städ­te trägt. Das wie­der­um wür­de dem Image der PKK und auch der YPG mas­siv scha­den. Außer­dem wür­de jeder wei­te­re Schritt der HDP, die PKK zu ver­tei­di­gen, einen Schritt in Rich­tung Par­tei­ver­bot bedeu­ten. Die Tür­kei wäre gezwun­gen, ihre Anti-Ter­ror-Dok­trin in Syri­en und vor allem im Irak noch wei­ter aus­zu­deh­nen.

Der gro­ße Ver­lie­rer einer Eska­la­ti­on zwi­schen dem Staat und der ter­ro­ris­ti­schen PKK wäre die kur­di­sche Bevöl­ke­rung, die immer stär­ker auch von der wirt­schaft­li­chen Durch­drin­gung Ana­to­li­ens pro­fi­tie­ren möch­te. Regio­nen wie Gazi­antep, Hatay oder Urfa stei­gern von Jahr zu Jahr ihr Wirt­schafts­po­ten­zi­al.

Die­se Ope­ra­ti­on ist bei ande­ren Staa­ten weit­ge­hend auf Kri­tik gesto­ßen. Hat Erdoğan sich mit die­sem Schritt diplo­ma­tisch iso­liert und muss er Kon­se­quen­zen etwa von der NATO oder der EU fürch­ten, oder agiert er mit der zumin­dest pas­si­ven Rücken­de­ckung der Groß­mäch­te ?

Die USA und Russ­land haben die Offen­si­ve bis zu einem gewis­sen Maß gebil­ligt. In Euro­pa lau­fen vor allem Deutsch­land und Frank­reich sturm. In die­sen Län­dern ist aber auch die PKK als Orga­ni­sa­ti­on wie auch als Lob­by sehr stark und kann über poli­ti­sche Par­tei­en ihr eige­nes Nar­ra­tiv sehr gut for­mu­lie­ren. Hin­zu kommt die Gefahr, dass die PKK mit ihren über 14.000 Mit­glie­dern den Kon­flikt auch auf deut­schen Stra­ßen aus­trägt, wenn Deutsch­land bei­spiels­wei­se die Tür­kei nicht “bestraft”.

Ein gutes Bei­spiel für die Lage der EU ist Groß­bri­tan­ni­en. Wegen der Bre­x­it-Ver­hand­lun­gen hat Lon­don im Grun­de kein Inter­es­se an den Ent­schei­dun­gen Frank­reichs oder Deutsch­lands. Den­noch wur­de es gezwun­gen, ein Waf­fen­em­bar­go zu ver­hän­gen. Auch hier wird das nicht den gewünsch­ten Erfolg erzie­len, weil die Tür­kei mitt­ler­wei­le rund 70 Pro­zent ihrer mili­tä­ri­schen Sys­te­me selbst her­stellt.

Die NATO denkt nicht mal wirk­lich dar­über nach, die Tür­kei aus dem Bünd­nis zu wer­fen, weil das bedeu­ten wür­de, dass die kom­plet­te Süd­flan­ke weg­bre­chen wür­de. Die NATO wäre in eini­gen Regio­nen ohne die Tür­kei gar nicht über­le­bens­fä­hig, dar­un­ter auf dem Bal­kan, im Kau­ka­sus, im Nahen Osten, im Schwar­zen Meer, im Mit­tel­meer und in Soma­lia. Wer wäre bereit, das Vaku­um zu fül­len ?

Die Ent­wick­lung zer­stört vor allem eines : Ver­trau­en. Die Tür­kei wird künf­tig noch stär­ker ver­su­chen, die Zahl ihrer befreun­de­ten Staa­ten zu erhö­hen, und sich daher noch inten­si­ver Asi­en zuwen­den.

Dan­ke für das Gespräch.

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Nordsyrien : Russische Truppen patrouillieren zwischen türkischem und syrischem Militär


Mit der tür­ki­schen Mili­tär­of­fen­si­ve in Syri­en will Anka­ra kur­di­sche Ein­hei­ten mit Ver­bin­dun­gen zu kur­di­schen Mili­tan­ten in der Tür­kei von der Gren­ze zurück­drän­gen und eine Schutz­zo­ne in Syri­en errich­ten.

In die­ser könn­ten dann auch die­je­ni­gen syri­schen Flücht­lin­ge ange­sie­delt wer­den, die sich bis­lang in der Tür­kei auf­ge­hal­ten haben. Kri­ti­ker wer­fen dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Recep Tayy­ip Erdoğan eth­ni­sche Säu­be­rung vor.

Nach UN-Anga­ben sind bereits 160.000 Men­schen in dem umkämpf­ten Gebiet auf der Flucht, dar­un­ter 70.000 Kin­der. Laut kur­di­schen Behör­den liegt die Zahl der Ver­trie­be­nen sogar bei 275.000. Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen haben ihre inter­na­tio­na­le Beleg­schaft aus Flücht­lings­la­gern im Nord­os­ten abge­zo­gen. 

Am Diens­tag gab Russ­land bekannt, dass sei­ne Trup­pen zwi­schen dem tür­ki­schen und dem syri­schen Mili­tär nahe der nord­sy­ri­schen Stadt Man­bidsch patrouil­lie­ren. Aus der Erklä­rung des rus­si­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums geht her­vor : 

Die Mili­tär­po­li­zei patrouil­liert wei­ter die nord­west­li­chen Gren­zen des Bezirks Man­bidsch ent­lang der Berüh­rungs­li­nie der Streit­kräf­te Syri­ens und der Tür­kei.

In den sozia­len Medi­en zir­ku­lie­ren bereits Video­auf­nah­men vom rus­si­schen Mili­tär in der Regi­on :

Die Kur­den hat­ten nach Abzug des US-Mili­tärs eine Über­ein­kunft mit den syri­schen Streit­kräf­ten getrof­fen, damit die­se an der Gren­ze zur Tür­kei für Sicher­heit sor­gen. 

Die USA ver­häng­ten Sank­tio­nen gegen die tür­ki­schen Ver­tei­di­gungs- und Ener­gie­mi­nis­te­ri­en sowie gegen drei hohe Regie­rungs­be­am­te. US-Prä­si­dent Donald Trump droht damit, wei­te­re Sank­tio­nen zu ver­hän­gen, soll­te es kei­nen Waf­fen­still­stand geben. Erdoğan jedoch denkt nicht dar­an, sei­ne Plä­ne auf­zu­ge­ben. Bald, so kün­dig­te er an, wer­de man das Gebiet von Man­bidsch bis zur Gren­ze des Irak gesi­chert haben. US-Mili­tär­spre­cher Oberst Myles B. Caggins III woll­te am Diens­tag nicht dar­über Aus­kunft ertei­len, ob syri­sche Trup­pen in Man­bidsch ein­mar­schiert sei­en. 

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Nordsyrien : Russland fordert Anstrengungen zur Verhinderung einer humanitären Katastrophe


Russ­land for­dert alle an den Hand­lun­gen in Syri­en betei­lig­ten Par­tei­en auf, Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung einer huma­ni­tä­ren Kata­stro­phe im Nord­os­ten des Lan­des aus­zu­ar­bei­ten. Das erklär­te Gene­ral­ma­jor Ale­xei Bakin, Chef des rus­si­schen Zen­trums für die Aus­söh­nung der Kon­flikt­par­tei­en in Syri­en, am Sonn­tag. Er sag­te :

Sie­ben Gefäng­nis­se für Mili­tan­te des Isla­mi­schen Staa­tes und min­des­tens acht Lager für Bin­nen­ver­trie­be­ne, dar­un­ter Ehe­frau­en und Kin­der von Extre­mis­ten, befin­den sich in den von der so genann­ten Auto­no­men Ver­wal­tung kon­trol­lier­ten Gebie­ten Nord- und Ost­sy­ri­ens. Nach Anga­ben der Ver­ein­ten Natio­nen könn­ten sich bis zu 120.000 Men­schen in den Lagern und Gefäng­nis­sen auf­hal­ten.

Laut Bakin wer­den in die­sen Lagern und Gefäng­nis­sen Men­schen mit 72 Natio­na­li­tä­ten aus 36 Län­dern fest­ge­hal­ten. Die­se Ein­rich­tun­gen wer­den von den durch die USA unter­stütz­ten Demo­kra­ti­schen Kräf­ten Syri­ens bewacht. Er beton­te :

Es besteht eine rea­le Gefahr, dass vie­le Zivi­lis­ten, die sich in Flücht­lings­la­gern auf­hal­ten, an Hun­ger und Krank­hei­ten ster­ben.

Wir rufen alle Par­tei­en auf, kei­ne Zeit zu ver­schwen­den, um Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung einer huma­ni­tä­ren Kata­stro­phe in Ost­sy­ri­en aus­zu­ar­bei­ten. Das Pro­blem der Ret­tung von Flücht­lin­gen und Zivi­lis­ten muss drin­gend gelöst wer­den.

Der Gene­ral­ma­jor wies auch auf die Gefahr hin, dass sich Kämp­fer des Isla­mi­schen Staa­tes aus den von den Demo­kra­ti­schen Kräf­ten Syri­ens kon­trol­lier­ten Gefäng­nis­sen befrei­en könn­ten. Dies wür­de die Situa­ti­on in der Regi­on dra­ma­tisch ver­schlim­mern, sag­te Bakin und füg­te hin­zu :

Alle an der syri­schen Eini­gung betei­lig­ten Par­tei­en müs­sen Maß­nah­men ergrei­fen, um ein sol­ches Sze­na­rio zu ver­hin­dern.

Anfang der Woche ver­öf­fent­lich­te das rus­si­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um auf sei­ner Web­site eine Kar­te der Flücht­lings­la­ger und Gefäng­nis­se für Mili­tan­te im Nord­os­ten Syri­ens. Wie aus der Ver­öf­fent­li­chung her­vor­geht, wer­den bis zu 14.650 Men­schen in Gefäng­nis­sen fest­ge­hal­ten, dar­un­ter etwa 9.000 in asch-Schad­da­di, 1.600 in al-Haul und etwa 1.100 in al-Hasa­ka.

Dar­über hin­aus befin­den sich nach Anga­ben des rus­si­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums in acht Flücht­lings­la­gern ins­ge­samt fast 106.000 Men­schen. Das größ­te Lager befin­det sich in al-Haul, in dem sich bis zu 68.600 Per­so­nen auf­hal­ten. Bis zu 17.000 Bin­nen­ver­trie­be­ne wer­den in Kamisch­li nahe der tür­ki­schen Gren­ze beher­bergt. Etwa 8.200 Men­schen befin­den sich im Lager al-Isha und etwa 7.200 im Lager al-Aris­hah.

Am 9. Okto­ber star­te­te Anka­ra eine Offen­si­ve in Nord­sy­ri­en, die mit Luft­an­grif­fen auf kur­di­sche Stel­lun­gen begann. Ziel ist die Ein­rich­tung einer Sicher­heits­zo­ne in Nord­sy­ri­en zum Schutz der tür­ki­schen Gren­ze. Dar­über hin­aus könn­ten syri­sche Flücht­lin­ge sicher aus der Tür­kei in die­ses Gebiet zurück­keh­ren, so Anka­ra. Syri­ens Nach­rich­ten­agen­tur SANA bezeich­ne­te den tür­ki­schen Mili­tär­ein­satz als Aggres­si­on.

Am Sonn­tag teil­ten syri­sche Kur­den mit, dass sie eine Eini­gung mit Damas­kus über den Ein­satz syri­scher Regie­rungs­trup­pen ent­lang der Gren­ze zur Tür­kei erzielt hät­ten.

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