Felix Baumgartner : Österreich verkommt zu einem “Hippie-Staat”


Der öster­rei­chi­sche Extrem­sport­ler Felix Baum­gart­ner hat sein Hei­mat­land in schar­fen Tönen kri­ti­siert. Auf Face­book schrieb Baum­gart­ner, der öster­rei­chi­sche Staat sei ein “Ver­sa­ger, wie er im Buche steht”, und Öster­reich ver­kom­me zu einem “Hip­pie-Staat”. Der Zorn des Sport­lers, der vor allem durch einen Fall­schirm­sprung aus 39 Kilo­me­tern Höhe im Jahr 2012 Bekannt­heit erlangt hat, ent­zün­de­te sich an einer Mas­sen­schlä­ge­rei in Salz­burg in der Nacht zum Sonn­tag.

Auf der Par­ty­mei­le Rudolf­kai am Ran­de der Innen­stadt kam es zu einer Schlä­ge­rei zwi­schen Jugend­grup­pen. Die hin­zu­ge­ru­fe­ne Poli­zei bekam die Situa­ti­on lan­ge Zeit nicht in den Griff und wirk­te gegen­über den aggres­siv auf­tre­ten­den Jugend­li­chen hilf­los. Vide­os des Gesche­hens sorg­ten in Öster­reich für Auf­se­hen und Ent­set­zen. Erst nach Stun­den konn­te die Poli­zei ein aus­ge­spro­che­nes Platz­ver­bot durch­set­zen und den Ort räu­men. Auch das Son­der­ein­satz­kom­man­do Cobra kam zum Ein­satz.

Baum­gart­ner ord­net den “erbärm­li­chen Ein­satz” vom Sonn­tag in einen grö­ße­ren Kon­text ein. Der öster­rei­chi­sche Staat ver­sa­ge beim Schutz sei­ner Bür­ger :

Wenn die­ser dilet­tan­ti­sche und erbärm­li­che Poli­zei­ein­satz Öster­reichs Ant­wort auf ran­da­lie­ren­de Jugend­ban­den ist, dann hat der öster­rei­chi­sche Rechts­staat auf allen Ebe­nen ver­sagt. Er kann oder will sei­ne Bevöl­ke­rung nicht mehr schüt­zen.

Ande­rer­seits sei der Staat sei­nen Bür­gern gegen­über gna­den­los, etwa bei der Durch­set­zung des Rauch­ver­bots. Der Sport­ler bezeich­net dies als schi­zo­phren. Er ver­bin­det sei­nen Kom­men­tar auch mit einer poli­ti­schen Stel­lung­nah­me und kri­ti­sier­te die Koali­ti­ons­ver­hand­lung der ÖVP mit den Grü­nen :

Wäh­rend Kanz­ler Kurz noch mit den Grü­nen Son­die­rungs­ge­sprä­che führt und glaubt, er kön­ne mit Wer­ner Kog­ler das Kli­ma ret­ten, ver­kommt Öster­reich immer mehr zu einem Hip­pie-Staat.

Offen­bar erwar­tet Baum­gart­ner von einer tür­kis-grü­nen Regie­rung eine wei­te­re Ver­schlech­te­rung der von ihm beklag­ten Zustän­de. Baum­gart­ner gilt als Sym­pa­thi­sant der FPÖ und fiel bereits mehr­fach mit kon­tro­ver­sen Aus­sa­gen auf. Auf Face­book erfuhr der Extrem­sport­ler viel Zustim­mung. Vie­le Nut­zer mein­ten, dass es nicht ange­he, dass die Poli­zei sich alles gefal­len las­sen müs­se. Ande­re beton­ten, dass Baum­gart­ner, der aus steu­er­li­chen Grün­den in der Schweiz lebt, sich mit Kri­tik am öster­rei­chi­schen Staat doch bes­ser zurück­hal­ten sol­le.

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Österreich – wer die Wahl hat, hat die Qual


von Pierre Lévy

Am 29. Sep­tem­ber waren 6,4 Mil­lio­nen Wäh­ler in Öster­reich zu den Wahl­ur­nen für einen neu­en Natio­nal­rat geru­fen. 75,1 Pro­zent Wahl­be­rech­tig­te haben teil­ge­nom­men, also knapp fünf Pro­zent weni­ger als bei den letz­ten Wah­len im Okto­ber 2017.

In einem Punkt zumin­dest sind sich alle Ana­lys­ten einig : Mit 37,5 Pro­zent aller Stim­men ging die ÖVP (kon­ser­va­ti­ve Rech­te) als kla­rer Sie­ger – und Gewin­ner – her­vor : Bei den Wah­len 2008, 2013 und 2017 erreich­te die­se Par­tei erst 26, danach 24 bzw. 31,5 Pro­zent. Die­ses vori­ge, vor zwei Jah­ren erziel­te Ergeb­nis war bereits bemer­kens­wert, war die Fol­ge eines Blitz­an­griffs, den der damals gera­de erst 31-jäh­ri­ge Sebas­ti­an Kurz auf sei­ne altern­de und sich im Nie­der­gang befind­li­che Par­tei gestar­tet hat­te. Er konn­te so als Jung­star im Mai 2017 erst die Füh­rung der ÖVP erobern, weil er ver­sprach, die “Gro­ße Koali­ti­on” zu been­den. Im Okto­ber 2017 tri­um­phier­te er lan­des­weit bei den Wah­len und über­nahm das Kanz­ler­amt, indem er kur­zer­hand mit der berüch­tig­ten FPÖ ein Bünd­nis schloss – einer Par­tei, die oft als rechts­ra­di­kal ein­ge­stuft wird.

Letz­te­re hat­te ihren Wahl­kampf gegen die Ein­wan­de­rung geführt, ein sehr explo­si­ves The­ma auch in die­sem Land : Hun­dert­tau­sen­de Flücht­lin­ge hat­ten wäh­rend des Höhe­punkts der Kri­se 2015/2016 in Öster­reich Asyl gesucht oder das Land durch­quert. Mit 26 Pro­zent der abge­ge­be­nen Stim­men für die FPÖ wur­de deren Chef, Heinz-Chris­ti­an Stra­che, somit zum Vize­kanz­ler ernannt. Ins­be­son­de­re die Innen- und Außen­mi­nis­te­ri­en wur­den die­ser Par­tei oder ihr zumin­dest nahe­ste­hen­den Per­sön­lich­kei­ten über­tra­gen.

Eine sol­che Alli­anz zwi­schen einem Mit­glied der Euro­päi­schen Volks­par­tei (EVP, als ein bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ves bis natio­nal-rechts­po­pu­lis­ti­sches Par­tei­en­bünd­nis) und der FPÖ als einer Grup­pie­rung, der angeb­lich ganz ein­deu­tig rechts­ex­tre­mer Schwe­fel­ge­ruch anhaf­tet, hat­te es zwar schon zuvor gege­ben, näm­lich zwi­schen 2000 und 2005. Damals boy­kot­tier­te die EU-Füh­rungs­rie­ge noch Öster­reich für der­lei Fre­vel, bevor sich sol­che Hal­tung letzt­lich für Brüs­sel als Fias­ko erwies.

Die Koali­ti­on 2017 wur­de dage­gen in einem ganz ande­ren Kon­text gebil­det. Sie schien bei einer Mehr­heit der Bür­ger beliebt zu sein, zumin­dest bis zu jenem Skan­dal im ver­gan­ge­nen Mai, der sofort “Ibi­za-Gate” getauft wur­de, nach dem Namen der spa­ni­schen Insel, auf der Herr Stra­che in eine sperr­an­gel­wei­te Fal­le getappt war : Eine Frau, die als “Agen­tin”, also Ver­tre­te­rin eines (wie pas­send!) rus­si­schen Olig­ar­chen auf­trat, schlug Herrn Stra­che vor, sei­ne Par­tei im Aus­tausch für wirt­schaft­li­che Pri­vi­le­gi­en zu finan­zie­ren. Herr Stra­che zeig­te sich wirk­lich sehr inter­es­siert. Zwar war alles war von vorn bis hin­ten erfun­den, aber die gut ein­ge­fä­del­te Sze­ne wur­de natür­lich gefilmt. Die Ver­öf­fent­li­chung lös­te natür­lich einen Auf­schrei aus, der den Poli­ti­ker zum Rück­tritt zwang. Und auch sei­ne Par­tei distan­zier­te sich selbst­ver­ständ­lich sofort.

Weni­ge Wochen spä­ter gelang es der ÖVP und FPÖ nicht mehr, ein neu­es Kabi­nett zu bil­den, da Erst­ge­nann­te dra­ko­ni­sche Vor­be­din­gun­gen stell­te. Die FPÖ stimm­te dar­auf­hin – zusam­men mit der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Oppo­si­ti­on – für einen Miss­trau­ens­an­trag gegen Bun­des­kanz­ler Kurz. Die­ser muss­te also zurück­tre­ten und wur­de durch ein rein tech­ni­sches Inte­rims-Kabi­nett ersetzt, das sich um die anste­hen­den Auf­ga­ben küm­mern soll­te.

Bei den Wah­len vom 29. Sep­tem­ber ging es also auch dar­um, die blei­ben­den Aus­wir­kun­gen des Skan­dals auf die FPÖ zu mes­sen. Mit 16,2 Pro­zent der Stim­men ver­lor sie fast 10 Pro­zent gegen­über 2017. Auch in den Jah­ren 2008 und 2013 lagen ihre Ergeb­nis­se mit 17,5 bzw. 20,5 Pro­zent noch ein wenig höher, was aber den aktu­el­len Rück­schlag immer­hin etwas rela­ti­viert. Ana­ly­sen zufol­ge stimm­ten vie­le ihrer Wäh­ler nun ent­we­der für die Par­tei von Herrn Kurz oder haben sich die­ses Mal ihrer Stim­me ent­hal­ten.

Die Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei befin­det sich aktu­ell dage­gen wei­ter im frei­en Fall – ähn­lich wie ihre gro­ße deut­sche Schwes­ter – näm­lich mit einem his­to­risch nied­ri­gen Wert von 21,2 Pro­zent. Bei den frü­he­ren Wah­len hat­te sie nach­ein­an­der noch 29,2 Pro­zent, 26,8 Pro­zent und 26,9 Pro­zent erreicht. Noch bis in die 2000er Jah­re konn­te sie jedoch mehr als ein Drit­tel der Wäh­ler­stim­men auf sich ver­sam­meln.

Neos, eine von einem Olig­ar­chen geschaf­fe­ne Grup­pie­rung, die sich offen zum Ultra­li­l­bera­lis­mus bekennt, gewann 8,1 Pro­zent der Stim­men, ein Plus also von 2,8 Pro­zent gegen­über 2017 (nach­dem sie bei den bei­den vor­an­ge­gan­ge­nen Wah­len jeweils um die 5 Pro­zent erreicht hat­te).

Und das Ergeb­nis der Grü­nen wur­de von allen Sei­ten als his­to­ri­sche Leis­tung gewür­digt. Sie erhiel­ten 13,8 Pro­zent der Stim­men, ein sat­tes Plus von 10 Pro­zent im Ver­gleich zu 2017. In jenem Jahr wur­den die Öko­lo­gie-Ver­fech­ter noch von ver­hee­ren­den inter­nen Kon­flik­ten geplagt, hat­ten sie doch in den Jah­ren 2008 und 2013 noch 10,4 bzw. 12,4 Pro­zent errun­gen – Wer­te, die nicht sehr weit von ihrem Ergeb­nis von 2019 lie­gen.

Wel­che Part­ner wer­den Herr Kurz und sei­ne Par­tei nun für eine Koali­ti­on aus­wäh­len ? Von die­sem The­ma sind jetzt alle Ana­lys­ten wie beses­sen.

Um eine Mehr­heit zu bil­den, könn­te die ÖVP ihre Bezie­hung zur FPÖ wie­der­be­le­ben wol­len, eine poli­tisch kohä­ren­te Per­spek­ti­ve : Die Pro­gram­me der bei­den Kräf­te unter­schei­den sich nicht sehr stark von­ein­an­der – ins­be­son­de­re im Hin­blick auf eine stren­ge Ein­wan­de­rungs­kon­trol­le und die Wah­rung der öster­rei­chi­schen Iden­ti­tät. Eben­so haben die Wäh­ler vie­le gemein­sa­me Merk­ma­le, ins­be­son­de­re ihre star­ke Ver­wur­ze­lung in Klein­städ­ten und länd­li­chen Gebie­ten.

Ent­täuscht von ihrem Ergeb­nis ver­kün­de­te die FPÖ-Füh­rung jedoch am Tag nach der Wahl, dass sie es nun vor­zie­he, neue Kräf­te als Oppo­si­ti­on zu sam­meln – obwohl sie sich vor den Wah­len noch für eine wei­te­re Koali­ti­on mit der Kurz-Par­tei aus­ge­spro­chen hat­te, “damit die­se kei­ne ‘lin­ke’ Poli­tik betreibt”. Zur Bilanz der schei­den­den Legis­la­tur­pe­ri­ode gehört näm­lich auch, dass beson­ders dra­ko­ni­sche Maß­nah­men gegen die Arbeits­welt ergrif­fen wur­den, beson­ders was grö­ße­re Frei­hei­ten für Unter­neh­men angeht, Über­stun­den ganz nach Belie­ben zu bezah­len und zusätz­li­che Mög­lich­kei­ten zur Ver­län­ge­rung von Arbeits­zei­ten zu nut­zen.

Die Aus­sicht auf ein Bünd­nis mit den Grü­nen (die ihre For­de­run­gen auf die The­men Kli­ma und euro­päi­sche Inte­gra­ti­on, nicht aber auf sozia­le Fra­gen kon­zen­trie­ren) steht im Mit­tel­punkt der Pro­gno­sen. Das lag bereits vor den Wah­len auf dem Tisch, aller­dings in einer Kon­fi­gu­ra­ti­on, die Neos mit ein­be­zo­gen hät­te (was viel dar­über sagt, wie­viel Raum den sozia­len Fra­gen ein­ge­räumt wor­den wäre). Nach der Wahl ver­fü­gen ÖVP und Grü­ne jedoch nun bereits über eine arith­me­ti­sche Mehr­heit, ohne dass ein Drei­er-Bünd­nis erfor­der­lich ist.

Eine sol­che Zwei­er­ko­ali­ti­on gibt es bereits in meh­re­ren Bun­des­län­dern, und sie ent­spricht wahr­schein­lich den Wün­schen der regio­na­len ÖVP-Fürs­ten. Ande­rer­seits wäre dies ein poli­ti­sches Risi­ko für Herrn Kurz, der sei­ne Erfol­ge sei­ner rigo­ro­sen Hal­tung zu Migra­ti­on und Kul­tur­kon­ser­va­tis­mus ver­dankt. Die auf der Grund­la­ge ihres guten Stim­men­an­teils von den Grü­nen gefor­der­ten Bedin­gun­gen schei­nen in die­sem Zusam­men­hang mit der Linie des zukünf­ti­gen Kanz­lers unver­ein­bar zu sein.

Eine letz­te Hypo­the­se spricht von der Bil­dung einer Regie­rung ohne ein sta­bi­les Bünd­nis, bei der Sebas­ti­an Kurz ver­su­chen wür­de, jeweils Ad-hoc-Mehr­hei­ten zu bil­den. Am Tag nach der Wahl woll­te er zunächst so wenig wie mög­lich über sei­ne Absich­ten sagen.

In Brüs­sel zeig­te man indess dis­kre­te Genug­tu­ung, weil “die Popu­lis­ten” in die Oppo­si­ti­on zurück­ge­drängt wur­den, und eini­ge zogen sogar den Ver­gleich mit Ita­li­en, wo die Liga eben­falls über­ra­schen­der­wei­se die Regie­rung ver­las­sen muss­te. Die­se Erleich­te­rung ist umso erwäh­nens­wer­ter, als die FPÖ ein Koope­ra­ti­ons­ab­kom­men mit der Par­tei ‘Eini­ges Russ­land’ (die Wla­di­mir Putin unter­stützt) pflegt. Die euro­päi­schen Staats- und Regie­rungs­chefs erschau­er­ten beson­ders bei der Vor­stel­lung, dass Infor­ma­tio­nen der öster­rei­chi­schen “Diens­te” über das Innen­mi­nis­te­ri­um nach Mos­kau gelan­gen könn­ten. Eini­ge Ana­lys­ten schlie­ßen daher nicht aus, dass womög­lich die deut­schen Diens­te an der Fal­le gegen Herrn Stra­che betei­ligt waren, um jene 2017 ins Leben geru­fe­ne Koali­ti­on auf­zu­lö­sen, zumin­dest um den bei der ÖVP umstrit­te­nen FPÖ-Innen­mi­nis­ter Her­bert Kickl zu ent­fer­nen. Die Fal­le könn­te aber ander­seits auch auf inter­ne oder per­sön­li­che Kon­flik­te inner­halb der FPÖ zurück­zu­füh­ren sein.

Brüs­sel soll­te sich den­noch nicht zu früh freu­en, denn eini­ge Grund­sät­ze der öster­rei­chi­schen Poli­tik wur­den durch die­se Wahl eher bestä­tigt : Der per­sön­li­che Sieg für Sebas­ti­an Kurz, der zwar die Zuge­hö­rig­keit sei­ner Par­tei zur EVP nicht in Fra­ge stellt, aber einen bestimm­ten Flü­gel reprä­sen­tiert ; die FPÖ mit ihrem nicht zu ver­nach­läs­si­gen­den Stim­men­an­teil (höher als der der Grü­nen), die trotz eines Skan­dals von bei­spiel­lo­ser Trag­wei­te noch ihren drit­ten Rang hal­ten konn­te ; und ein erneu­ter, wei­te­ren Nie­der­gang der Sozi­al­de­mo­kra­ten, obwohl die skan­da­lö­se Situa­ti­on für sie eigent­lich von Vor­teil gewe­sen war.

Daher steht die Wie­der­be­le­bung einer gro­ßen Koali­ti­on zwi­schen ÖVP und SPÖ weni­ger auf der Tages­ord­nung als je zuvor. Die­se Kon­fi­gu­ra­ti­on war in Wien jahr­zehn­te­lang übli­che Pra­xis und hat­te letzt­lich zu einer Ableh­nung die­ser tra­di­tio­nel­len Poli­tik geführt, die auf dem fein aus­ta­rier­ten Kon­sens von “Mit­te-Rechts” und “Mit­te-Links” basier­te und damit Vet­tern­wirt­schaft her­bei­führ­te, ein ach so typi­sches Modell von euro­päi­scher Inte­gra­ti­on.

Die Ver­hand­lun­gen zwi­schen den poli­ti­schen Kräf­ten wer­den nun Wochen, viel­leicht sogar meh­re­re Mona­te dau­ern. Bis dahin wird viel Was­ser durch die Donau geflos­sen sein. Und wer weiß, ob am Ende nicht doch wie­der ein ÖVP-FPÖ-Bünd­nis auf der Tages­ord­nung steht ?

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln. 

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Live-Ticker zu den Wahlen in Österreich : ÖVP klarer Wahlsieger, FPÖ und SPÖ abgestürzt


Die kon­ser­va­ti­ve ÖVP mit ihrem Spit­zen­kan­di­da­ten Sebas­ti­an Kurz ist der kla­re Sie­ger der Par­la­ments­wahl in Öster­reich. Die ÖVP erreich­te am Sonn­tag laut Hoch­rech­nun­gen 36,8 Pro­zent der Stim­men. Das ist ein Plus von 5,3 Pro­zent­punk­ten im Ver­gleich zu den Wah­len 2017.

Die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche SPÖ mit Pame­la Ren­di-Wag­ner ver­lor 4,8 Pro­zent­punk­te und kam auf 22 Pro­zent. So schlecht hat die SPÖ bei einer Natio­nal­rats­wahl noch nie abge­schnit­ten. Die FPÖ unter Nor­bert Hofer erziel­te laut Hoch­rech­nung 16,1 Pro­zent. Das ist ein deut­li­ches Minus von fast 10 Pro­zent­punk­ten.

Die zuletzt an der Vier­pro­zent­hür­de geschei­ter­ten Grü­nen pro­fi­tier­ten offen­bar von der Debat­te um den Kli­ma­wan­del und fei­ern ein spek­ta­ku­lä­res par­la­men­ta­ri­sches Come­back. Die Par­tei mit dem Spit­zen­kan­di­da­ten Wer­ner Kog­ler erhielt 14,2 Pro­zent der Stim­men nach 3,8 Pro­zent vor zwei Jah­ren. Die libe­ra­len Neos ver­bes­sern sich um 2,4 Pro­zent­punk­te auf 7,6 Pro­zent. Die Lis­te Jetzt kommt auf 2 Pro­zent und ver­passt den Wie­der­ein­zug in den Natio­nal­rat.

Am Sonn­tag waren 6,4 Mil­lio­nen Öster­rei­cher zur Wahl auf­ge­ru­fen. Da mehr als eine Mil­li­on Stim­men von Brief­wäh­lern erst am Mon­tag aus­ge­zählt wer­den, wird am Sonn­tag­abend von Sei­ten der Wahl­lei­tung nur das Ergeb­nis der Urnen­wahl ver­kün­det. Die Hoch­rech­nun­gen berück­sich­ti­gen aber bereits das vor­aus­sicht­li­che Ergeb­nis der Brief­wahl.

Kurz hat sich bis­her bedeckt gehal­ten, mit wel­chem Part­ner er wei­ter regie­ren möch­te. Eine Fort­set­zung der ÖVP-FPÖ-Koali­ti­on wird laut Umfra­gen von vie­len Wäh­lern am meis­ten gewünscht. Vie­le poli­ti­sche Beob­ach­ter rech­nen mit zähen Ver­hand­lun­gen und einer Regie­rungs­bil­dung erst rund um den Jah­res­wech­sel.

(rt deutsch/dpa)

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Sebastian Kurz vor Sieg bei Nationalratswahl in Österreich – ÖVP in Umfragen deutlich vorn


Am Sonn­tag fin­det in Öster­reich die Natio­nal­rats­wahl statt. Und der ehe­ma­li­ge Bun­des­kanz­ler Sebas­ti­an Kurz und sei­ne Öster­rei­chi­sche Volks­par­tei (ÖVP) kön­nen den Umfra­gen zufol­ge mit einem kla­ren Sieg rech­nen. Mit etwa 34 Pro­zent dürf­te die kon­ser­va­ti­ve ÖVP aller Vor­aus­sicht nach sogar mit mehr als zehn Pro­zent­punk­ten vor dem Zweit­plat­zier­ten – der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Öster­reichs (SPÖ) – lie­gen. Laut aktu­el­ler Umfra­ge liegt die SPÖ nun bei rund 23 Pro­zent. Das wären für die ÖVP rund drei Pro­zent­punk­te mehr als 2017, als sie noch auf 31,47 Pro­zent­punk­te kam. Die öster­rei­chi­schen Sozi­al­de­mo­kra­ten wie­der­um dürf­ten zu ihrem Wahl­er­geb­nis von 2017 (26,9 Pro­zent) aller­dings Pro­zent­punk­te ein­bü­ßen. 

Die rech­te FPÖ kommt der­zeit in den Umfra­gen auf rund 21 Pro­zent, die Grü­nen dürf­ten aller Vor­aus­sicht nach mit einem zwei­stel­li­gen Ergeb­nis (elf Pro­zent) wie­der den Sprung ins Par­la­ment schaf­fen. Bei der Wahl 2017 kam die FPÖ auf rund 25,9 Pro­zent, wäh­rend die Grü­nen mit 3,8 Pro­zent knapp an der Vier­pro­zent­hür­de geschei­tert waren. Die Par­tei “Das Neue Öster­reich und Libe­ra­les Forum” (Neos) dürf­te laut Umfra­gen ihr Wahl­er­geb­nis von 2017 (5,30 Pro­zent) um meh­re­re Pro­zen­te ver­bes­sern. Sie liegt nun bei acht Pro­zent. 

Mit wem geht die ÖVP eine Koali­ti­on ein ?

Die ÖVP von Par­tei­chef Kurz war zuletzt stärks­te Kraft im Natio­nal­rat und bil­de­te mit der FPÖ eine Regie­rung. Doch nach ein­ein­halb Jah­ren zer­brach die rechts­kon­ser­va­ti­ve Koali­ti­on. Aus­lö­ser war das soge­nann­te “Ibi­za-Video”. Exper­ten gehen davon aus, dass Kurz nach der Wahl zunächst ein Bünd­nis mit Grü­nen und Neos son­die­ren wird. Ob es mit der FPÖ und ihrem neu­en Chef Nor­bert Hofer doch noch zu einer neu­en Koali­ti­on kommt, ist frag­lich. Im Wahl­kampf hat sich die FPÖ der ÖVP zumin­dest unmiss­ver­ständ­lich ange­dient.

Die Wahl­be­tei­li­gung lag 2017 bei 80 Pro­zent. Am Sonn­tag sind rund 6,4 Mil­lio­nen Öster­rei­cher auf­ge­ru­fen, 183 Abge­ord­ne­te für eine Legis­la­tur­pe­ri­ode von fünf Jah­ren zu wäh­len. Die ers­ten Wahl­lo­ka­le öff­nen um 7.00 Uhr, die letz­ten schlie­ßen um 17.00 Uhr. 

Das öster­rei­chi­sche Maga­zin Fal­ter hat­te anhand inter­ner Daten der ÖVP zuletzt über die Wahl­kampf­kos­ten der Par­tei berich­tet. Dem Maga­zin sol­len Rech­nun­gen, Bud­get­plä­ne, zahl­rei­che Brie­fe und etwai­ge Doku­men­te aus der ÖVP-Zen­tra­le zuge­spielt wor­den sein.

Laut dem Bericht des Fal­ter soll die ÖVP Ende 2017 etwa 18,5 Mil­lio­nen Euro Schul­den bei Ban­ken gehabt haben. Die ÖVP sah sich jedoch als Opfer eines groß ange­leg­ten Hacker-Angriffs. Jus­tiz­mi­nis­ter Cle­mens Jablo­ner bestä­tig­te ver­gan­ge­ne Woche die Aus­sa­ge von Sebas­ti­an Kurz. Der­zeit lau­fen nach Anga­ben Jabloners Ermitt­lun­gen gegen unbe­kannt wegen des Ver­dachts des wider­recht­li­chen Zugriffs auf ein Com­pu­ter­sys­tem und der Daten­be­schä­di­gung zum Nach­teil der ÖVP. Nach der­zei­ti­gem Erkennt­nis­stand führ­te der Ver­däch­ti­ge min­des­tens eine Pass­wort-Ände­rung durch.

Mehr zum The­maIbi­za-Affä­re : Heinz-Chris­ti­an Stra­che wirft Sebas­ti­an Kurz Wort­bruch vor

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Deutschland verlängert erneut Grenzkontrollen zu Österreich


Deutsch­land ver­län­gert sei­ne Kon­trol­len an der Gren­ze zu Öster­reich erneut um ein hal­bes Jahr. Der Spre­cher des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums, Ste­ve Alter, sag­te am Mitt­woch in Ber­lin, “dass nach wie vor eine hohe Zahl von ille­ga­len Grenz­über­trit­ten fest­ge­stellt” wer­de. An der deutsch-öster­rei­chi­schen Gren­ze habe die Bun­des­po­li­zei in den ers­ten acht Mona­ten die­ses Jah­res 6.749 uner­laub­te Ein­rei­sen regis­triert. In 3.792 Fäl­len sei es zu einer Zurück­wei­sung gekom­men. Im Jahr 2018 waren den Anga­ben zufol­ge 11.464 uner­laub­te Ein­rei­sen auf­ge­fal­len, 6.208 Men­schen wur­den zurück­ge­wie­sen.

Aus Grün­den der Sicher­heit und um Kon­trol­le über das Migra­ti­ons­ge­sche­hen zu haben, wer­de die Bun­des­po­li­zei nun ange­wie­sen, die Kon­trol­len über den 11. Novem­ber hin­aus fort­zu­set­zen. Zudem fin­de an allen ande­ren Grenz­ab­schnit­ten eine “inten­si­ve Schlei­er­fahn­dung” statt.

Zu Spe­ku­la­tio­nen über eine mög­li­che Rück­kehr zu Sam­mel­rück­füh­run­gen per Char­ter­flug­zeug nach Ita­li­en gemäß den soge­nann­ten Dub­lin-Regeln woll­te der Spre­cher nichts sagen. Die­se Regeln legen fest, in wel­chem EU-Staat ein Asyl­be­wer­ber sei­nen Antrag auf Schutz stel­len darf. In Ita­li­en hat­te kürz­lich die Regie­rung gewech­selt.

Eigent­lich gibt es im Schen­gen-Raum, dem 26 euro­päi­sche Län­der ange­hö­ren, kei­ne sta­tio­nä­ren Per­so­nen­kon­trol­len an den Gren­zen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­ten aber meh­re­re Staa­ten eine Aus­nah­me­re­ge­lung genutzt und wie­der teil­wei­se Grenz­kon­trol­len ein­ge­führt. Deutsch­land kon­trol­liert seit Herbst 2015 an der Gren­ze zu Öster­reich, nach­dem sich Zehn­tau­sen­de Flücht­lin­ge und ande­re Migran­ten von Grie­chen­land über die Bal­kan-Rou­te auf den Weg nach West­eu­ro­pa gemacht hat­ten.

Mehr zum The­ma — Eini­gung der EU-Staa­ten : Not­fall­sys­tem zur Ver­tei­lung von Boots­mi­gran­ten

(rt deutsch/dpa)

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Österreich : Täter von Amstetten soll in die Psychiatrie


Senol D., der 38-Jäh­ri­ge, der im Janu­ar 2019 im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Amstet­ten sei­ne Ehe­frau mit 37 Mes­ser­sti­chen töte­te, wird in eine “Anstalt für geis­tig abnor­me Rechts­bre­cher” ein­ge­wie­sen. Die Geschwo­re­nen am Lan­des­ge­richt St. Pöl­ten ent­schie­den am Don­ners­tag, dass der Mann unzu­rech­nungs­fä­hig sei. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Wäre er für schuld­fä­hig befun­den wor­den, hät­te ihm eine Ankla­ge wegen Mor­des gedroht.

Der Öster­rei­cher tür­ki­scher Abstam­mung griff am Nach­mit­tag des 8. Janu­ar nach einem Streit in der gemein­sa­men Woh­nung sei­ne Frau mit einem Mes­ser an und töte­te sie vor der Tür des Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses vor den Augen der gemein­sa­men Kin­der und der Nach­barn. Nach Anga­ben der zustän­di­gen Staats­an­wäl­tin sei es zwi­schen den Ehe­leu­ten zum Streit über ein isla­mi­sches Segens­ge­bet gekom­men.

Immer wie­der habe der Mann auf das Opfer ein­ge­sto­chen, nach Aus­sa­ge einer Nach­ba­rin habe er sich in einem “Blut­rausch” befun­den :

Der hat mich gese­hen und hat wei­ter­ge­tan.

Nach der Tat ging der Mann in sei­ne Woh­nung und ließ sich dort fest­neh­men. Die Frau erlag im Amstet­tener Kran­ken­haus ihren Ver­let­zun­gen.

Laut Gut­ach­ten lei­det der Täter an einer “anhal­ten­den wahn­haf­ten Stö­rung”. Gut­ach­te­rin Sig­run Roß­ma­nith erklär­te, sie habe kaum mit dem 38-Jäh­ri­gen spre­chen kön­nen :

Er hat mich aber schon beim ers­ten Kon­takt auf­ge­for­dert, zum Islam zu kon­ver­tie­ren.

Auch vor Gericht sag­te der Täter, nach­dem der Täter ihn zum Her­gang des Gesche­hens befragt hat­te, zum Rich­ter nur :

Es wäre bes­ser, wenn Sie zum Islam kon­ver­tie­ren.

Zu der Tat woll­te er sich nicht äußern. Bereits vor der Tat war Senol D. durch Ver­su­che auf­ge­fal­len, sei­ne Umge­bung zum Islam zu bekeh­ren. Weih­nachts­markt­be­su­chern soll er den Punsch weg­ge­nom­men haben, weil die­ser unis­la­misch sei. Er soll ver­sucht haben, Rau­cher, Bier­trin­ker und sogar einen katho­li­schen Geist­li­chen zum Islam zu bekeh­ren. Zahl­rei­che Beschwer­den gin­gen über ihn ein. Die Behör­den ver­häng­ten Ord­nungs­stra­fen, hat­ten aber bis zur Tat kei­ne Hand­ha­be, gegen ihn vor­zu­ge­hen, weil er nicht gewalt­tä­tig in Erschei­nung getre­ten war.

Die Gut­ach­te­rin erklär­te, dass sich der Mann in den ver­gan­ge­nen Jah­ren radi­ka­li­siert habe, in der Fol­ge sei es bei ihm zu der “wahn­haf­ten Erkran­kung” gekom­men. Auch zum Zeit­punkt der Tat habe die­se Krank­heit vor­ge­le­gen, aus ihrer Sicht sei der Täter des­halb unzu­rech­nungs­fä­hig. Auch die Pro­gno­se sei ungüns­tig, sie hal­te den Mann für “extrem gefähr­lich”, so Roß­ma­nith wei­ter.

Die Geschwo­re­nen schlos­sen sich der Mei­nung der Psych­ia­te­rin an. Sie bejah­ten ein­stim­mig die Haupt­fra­ge nach Mord und ent­schie­den eben­so ein­stim­mig, dass der Täter bei der Tat unzu­rech­nungs­fä­hig gewe­sen sei. In sei­ner abschlie­ßen­den Erklä­rung stell­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter fest, dass der Mann für eine beding­te Ein­wei­sung zu gefähr­lich sei. Die Staats­an­wäl­tin ver­zich­te­te auf Rechts­mit­tel.

Mehr zum The­ma — Öster­reich : Asyl­be­wer­ber ersticht Sozi­al­amts­lei­ter

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Umfrage in Österreich : 40 Prozent für Kurz als Bundeskanzler


Könn­ten die Öster­rei­cher ihren Bun­des­kanz­ler selbst wäh­len, wür­den sich 40 Pro­zent für den ÖVP-Chef Sebas­ti­an Kurz ent­schei­den, wäh­rend sei­ne Par­tei bei 35 Pro­zent liegt. 23 Pro­zent wür­den für die Sozi­al­de­mo­kra­ten (SPÖ) und 20 Pro­zent für die Frei­heit­li­che Par­tei Öster­reichs (FPÖ) stim­men.

Die Ibi­za-Affä­re hat dem Image von Kurz schein­bar nicht gescha­det. Das soge­nann­te “Ibi­za-Video” hat­te zum Sturz der Regie­rung von Sebas­ti­an Kurz geführt.

In die­sem zu sehen sind der ehe­ma­li­ge FPÖ-Chef Heinz-Chris­ti­an Stra­che und eine jun­ge Frau, die sich als rus­si­sche Olig­ar­chen-Nich­te aus­gibt. Die­se ver­spricht im Gegen­zug für wirt­schaft­li­che Vor­tei­le Spen­den an die FPÖ. Der­zeit wird geprüft, ob die “Ibi­za-Affä­re” in Ver­bin­dung mit der Ver­nich­tung von Daten auf Fest­plat­ten durch einen Mit­ar­bei­ter des Bun­des­kanz­ler­amts steht. 

Die Grü­nen kämen auf elf Pro­zent, die Neos auf acht Pro­zent. Die Umfra­ge mit 182 Teil­neh­mern führ­te die öster­rei­chi­sche Zei­tung Kurier gemein­sam mit dem Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut OGM durch. 

RT Deutsch