Großmäulig” – Andrej Hunko zu von der Leyens Festhalten an Russland-Sanktionen


Die Beden­ken von der Ley­ens bezüg­lich der im Bau befind­li­chen Erd­gas-Pipe­line Nord Stream 2 und ihre Äuße­rung, die “Ent­bün­de­lung” des Pro­jekts sei erst der ers­te Schritt, kri­ti­sier­te der Lin­ken-Poli­ti­ker im Gespräch mit RT Deutsch eben­so scharf.

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RT Deutsch


Milliardenverluste für Deutschland : Politiker und Unternehmer fordern Ende der Russland-Sanktionen


Fünf Jah­re Russ­land-Sank­tio­nen haben der Wirt­schaft in Ost­deutsch­land deut­lich mehr gescha­det als den Unter­neh­men im Wes­ten. Nach einer aktu­el­len Auf­stel­lung des Ost-Aus­schus­ses der Deut­schen Wirt­schaft ging von 2013 bis 2018 das Han­dels­vo­lu­men Sach­sens mit 72,5 Pro­zent am stärks­ten zurück, in den fünf ost­deut­schen Län­dern (ohne Ber­lin) zusam­men waren es durch­schnitt­lich 28,7 Pro­zent. In West­deutsch­land schrumpf­te der Waren­aus­tausch dage­gen nur um 17,0 Pro­zent.

Auch wenn Sach­sen ein Aus­rei­ßer ist, ist der deutsch-rus­si­sche Han­del auch in Sach­sen-Anhalt (minus 24,0 Pro­zent), Bran­den­burg (minus 20,4 Pro­zent) und Thü­rin­gen (minus 19,9 Pro­zent) seit 2013 über­durch­schnitt­lich gesun­ken. Die Unter­neh­men in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­zeich­ne­ten dage­gen eine Stei­ge­rung um 28,7 Pro­zent. Der Bun­des­durch­schnitt liegt bei minus 19,7 Pro­zent.

Der Geschäfts­füh­rer des Ost-Aus­schus­ses, Micha­el Harms, führt das star­ke Gefäl­le vor allem dar­auf zurück, dass ost­deut­sche Maschi­nen­bau­er sehr stark auf Russ­land aus­ge­rich­tet waren.

Das sind kei­ne Groß­kon­zer­ne, das sind alles Mit­tel­ständ­ler, und die Aus­fäl­le haben dann schon eine enor­me Bedeu­tung”, sag­te er der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. “Es gibt Maschi­nen­bau­er aus Ost­deutsch­land, die ganz ver­zwei­felt bei uns ange­ru­fen haben, weil der Ver­lust von Groß­pro­jek­ten sie in arge wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten bringt.”

Harms beton­te aber, dass der Rück­gang im Han­del die Sank­ti­ons­fol­gen nicht eins zu eins abbil­de. Es gebe auch indi­rek­te Effek­te :

Vie­le deut­sche Fir­men sagen zum Bei­spiel, in solch einem poli­ti­schen Umfeld schie­ben wir ein stra­te­gi­sches Inves­ti­ti­ons­pro­jekt in Russ­land auf die lan­ge Bank. Oder die rus­si­sche Regie­rung sagt : Wir ori­en­tie­ren uns dann doch lie­ber in Rich­tung Chi­na. Die­se Effek­te sind sehr schwer zu bezif­fern.”

Sach­sens Regie­rungs­chef Micha­el Kret­sch­mer (CDU) plä­dier­te am Mitt­woch erneut für den Abbau der Straf­maß­nah­men.

Die Lösung des Ukrai­ne-Kon­flikts ist wich­tig, und wir müs­sen dafür alles tun ; die Sank­tio­nen haben uns da aber kei­nen Schritt wei­ter­ge­bracht”, sag­te er der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Dres­den.

Kret­sch­mer zufol­ge set­zen die ost­deut­schen Län­der auf eine enge Zusam­men­ar­beit mit Russ­land.

Dar­an führt kein Weg vor­bei. Rich­tig war, dass Russ­land sein Stimm­recht im Euro­pa­rat zurück erhal­ten hat und Deutsch­land den Bau der Erd­gas­lei­tung Nord Stream 2 for­ciert. Als nächs­tes muss der Abbau der Sank­tio­nen erfol­gen.”

Nach Ansicht des Ost-Aus­schus­ses füh­ren die Sank­tio­nen nicht zur Lösung der poli­ti­schen Pro­ble­me. Sie hät­ten “eher die rus­si­sche Éli­te um Prä­si­dent Putin kon­so­li­diert” und kei­ne Fort­schrit­te im Frie­dens­pro­zess für die Ost-Ukrai­ne gebracht, sag­te Harms.

Dann muss man sich natür­lich über­le­gen, inwie­weit sie wirk­lich geeig­net sind, lang­fris­tig die inten­dier­ten poli­ti­schen Zie­le zu errei­chen.”

Der Vor­sit­zen­de des Bun­des­tags-Wirt­schafts­aus­schus­ses Klaus Ernst (Lin­ke) for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, “die Sank­tio­nen gegen Russ­land end­lich zu been­den”.

Wenn das Medi­ka­ment nicht wirkt, hat es kei­nen Sinn, die Ein­nah­me­zeit zu ver­län­gern oder die Dosis zu erhö­hen”, stell­te er fest.

In der Ukrai­ne bekämp­fen sich nach einem Putsch im Jahr 2014 Sepa­ra­tis­ten und ukrai­ni­sche Regie­rungs­trup­pen im Ost­teil des Lan­des. Die Frie­dens­be­mü­hun­gen in dem Kon­flikt wer­den an die­sem Don­ners­tag The­ma bei dem Tref­fen von Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas mit sei­nem rus­si­schen Kol­le­gen Ser­gei Law­row sein.

Die bei­den neh­men auf dem Peters­berg in Königs­win­ter bei Bonn an dem Gesprächs­fo­rum Peters­bur­ger Dia­log teil. Zum ers­ten Mal seit Beginn der Ukrai­ne-Kri­se sind wie­der zwei Außen­mi­nis­ter dabei. Seit dem Amts­an­tritt des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Selens­kij gibt es Hoff­nun­gen, dass der Frie­dens­pro­zess für die Ukrai­ne wie­der in Gang kommt.

(rt deutsch/dpa)

RT Deutsch


Wirtschaft fordert Ende der Russland-Sanktionen (Video)


Nach Sach­sens Minis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mer wol­len auch die Minis­ter­prä­si­den­ten aus Thü­rin­gen, Bran­den­burg und Nie­der­sach­sen die Sank­tio­nen am liebs­ten been­den. Die Bun­des­re­gie­rung aber ist nach wie vor dage­gen.

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Zankapfel Russland-Sanktionen : Erhitzte Debatte nach Kretschmer-Vorstoß


Seit­dem sich Sach­sens Regie­rungs­chef Micha­el Kret­sch­mer (CDU) beim Inter­na­tio­na­len Wirt­schafts­fo­rum in Sankt Peters­burg für einen schritt­wei­sen Abbau hin zu einem Ende der Russ­land-Sank­tio­nen aus­ge­spro­chen hat, will die bun­des­wei­te Dis­kus­si­on bis in alle Rei­hen über die­se “Kon­tro­ver­se” nicht abrei­ßen.

Russ­land ist ein stra­te­gisch wich­ti­ger Part­ner. Für eine bes­se­re Bezie­hung brau­chen wir ein Ende der Sank­tio­nen”, so Kret­sch­mer.

Denn gera­de für die säch­si­sche und ost­deut­sche Wirt­schaft stell­ten die­se ein gro­ßes Pro­blem dar.

Wirt­schafts­sank­tio­nen als Reak­ti­on

Direkt im Anschluss pras­sel­ten unter­schied­lichs­te Mei­nun­gen auf Kret­sch­mer ein. Wäh­rend sei­ne For­de­rung im Osten und unter Wirt­schafts­ex­per­ten auf viel Zustim­mung stößt, gibt es von ande­rer Sei­te har­sche Kri­tik – auch aus den Rei­hen der eige­nen Par­tei.

Die Bun­des­vor­sit­zen­de der CDU, Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, wider­sprach Kret­sch­mer umge­hend :

Die Wirt­schafts­sank­tio­nen sind die Reak­ti­on auf das völ­ker­rechts­wid­ri­ge Ver­hal­ten der rus­si­schen Regie­rung auf der Krim und in der Ost­ukrai­ne”, so Kramp-Kar­ren­bau­er zu der Bild am Sonn­tag. “Solan­ge sich am rus­si­schen Ver­hal­ten dort nichts ändert, gibt es auch kei­nen Spiel­raum für eine Ände­rung in der wirt­schaft­li­chen Zusam­men­ar­beit.”

Micha­el Roth, Staats­mi­nis­ter für Euro­pa im Aus­wär­ti­gen Amt, ver­wies dar­auf, dass die Sank­tio­nen nicht von Deutsch­land aus­gin­gen und mein­te : “Wir brau­chen die Befrie­dung die­ses Ukrai­ne-Kon­flik­tes, in dem jeden Tag Men­schen ster­ben. Aber wir wol­len auch, dass die Sank­tio­nen so schnell wie mög­lich enden.”

Wolf­gang Ischin­ger, Lei­ter der Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz und Vor­stands­mit­glied der Atlan­tik-Brü­cke, riet Kret­sch­mer hin­ge­gen Nach­hil­fe in Außen­po­li­tik an : “Herr Minis­ter­prä­si­dent, haben Sie einen außen­po­li­ti­schen Bera­ter ? Falls ja, sofort feu­ern!” Andern­falls kön­ne das Aus­wär­ti­ge Amt “sicher einen Fach­mann ver­mit­teln”. Denn Rat, so Ischin­ger selbst­ge­wiss, brau­che Kret­sch­mer, sonst scha­de er sich und den deut­schen außen­po­li­ti­schen Inter­es­sen.

Die ARD-Tages­the­men stel­len im Bei­trag vom Mitt­woch­abend die Nähe der Posi­ti­on Kret­schmers zu jener der AfD dar. Deren Vor­sit­zen­der in Sach­sen, Jörg Urban, beton­te, es gebe nicht nur eine wirt­schaft­li­che, son­dern auch eine per­sön­li­che Nähe im Osten zu Russ­land, so vie­le Ehen sei­en rus­sisch-deutsch. Im Bei­trag wird auch betont, das “blei­ben­de Pro­blem” sei jedoch, dass die Sank­tio­nen auf­grund der “völ­ker­rechts­wid­ri­gen Anne­xi­on der Krim ein­ge­führt” wor­den sei­en und daher laut der Kri­ti­ker Kret­schmers blei­ben müss­ten, bis Russ­land den For­de­run­gen der EU nach­kom­me. Die­se Posi­ti­on ver­trat in der Dis­kus­si­on zuvor Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­mai­er (CDU): “Die Bun­des­re­gie­rung hat wie­der­holt erklärt, dass die Sank­tio­nen so lan­ge in Kraft blei­ben soll­ten, wie die Grün­de für ihr Zustan­de­kom­men fort­be­stehen.” Dass es auch ande­re Mei­nun­gen gebe, sei ein “demo­kra­ti­scher Nor­mal­fall”.

Eige­ne Hal­tung statt Ur-Feind Russ­land

Doch Kret­sch­mer bekräf­tig­te sei­ne Über­zeu­gung mit einem Ver­weis dar­auf, dass die neu­en Bun­des­län­der eine eige­ne Posi­ti­on hät­ten.

Die­je­ni­gen, die sich nun mit erho­be­nem Zei­ge­fin­ger zu Wort mel­de­ten, soll­ten auch zur Kennt­nis neh­men, dass es in den neu­en Bun­des­län­dern eine eige­ne Mei­nung zu die­ser Fra­ge gibt”, sag­te er der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Er füh­re die Debat­te mit einer “gro­ßen posi­ti­ven Zuge­wandt­heit zu Russ­land und zu sei­nen Men­schen”.

In Ost­deutsch­land gebe es eine beson­de­re Sicht­wei­se auf Ost­eu­ro­pa, die aus einer gemein­sa­men Ver­gan­gen­heit stam­me. Zugleich beton­te er die Ver­ant­wor­tung Russ­lands für die Been­di­gung des Ukrai­ne-Kon­flikts.

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In der Tat gibt es tra­di­tio­nell tie­fe, auch geschicht­lich gepräg­te Ver­bin­dun­gen zwi­schen den neu­en Bun­des­län­dern und Russ­land. Dar­über hin­aus ist das Geschäft mit Russ­land seit der Wen­de für ost­deut­sche Unter­neh­men teil­wei­se exis­ten­zi­ell. Das beton­te auch der geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­ter der Niles-Sim­mons Indus­trie­an­la­gen GmbH mit Sitz in Chem­nitz, Hans Nau­mann. Gegen­über der ARD sag­te er, die Kri­tik an Kret­sch­mer käme,

weil die alten Poli­ti­ker ja immer noch den Ur-Feind Russ­land sehen. Russ­land ist kein Feind. Russ­land ist ein Land, das wir unbe­dingt benö­ti­gen.”

Auch der Ver­band der säch­si­schen Wirt­schaft gab Kret­sch­mer Rücken­de­ckung und sprach von einem posi­ti­ven Signal.

Gun­ther Schnabl, Direk­tor des Insti­tuts für Wirt­schafts­po­li­tik an der Uni­ver­si­tät Leip­zig, beton­te zudem : “Es gibt his­to­ri­sche Bezie­hun­gen.” Wäh­rend die ost­deut­sche Wirt­schaft mit der Come­con (dt. Rat für Gegen­sei­ti­ge Wirt­schafts­hil­fe, RGW) eher in den Ost­block inte­griert war, ori­en­tier­te sich die west­deut­sche Wirt­schaft am west­li­chen Sys­tem. “Die­se Wur­zeln blei­ben.” Vie­le Ost-Fir­men unter­hal­ten bis heu­te gute Wirt­schafts­be­zie­hun­gen nach Russ­land, so Schnabl. Ins­ge­samt sei die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung im Osten nicht so robust wie im Wes­ten, die Löh­ne nach wie vor deut­lich nied­ri­ger.

Da muss man sich an jedem Wachs­tums­an­ker fest­hal­ten.”

Genaue Zah­len über die Ver­lus­te ost­deut­scher Fir­men als Fol­ge der Russ­land-Sank­tio­nen gibt es nicht. Die Aus­wir­kun­gen las­sen sich aber an den Außen­han­dels­bi­lan­zen der Bun­des­län­der leicht able­sen. Für Sach­sen zähl­te Russ­land in den Jah­ren unmit­tel­bar vor Beginn der Sank­tio­nen 2014 zu den Top Ten im Export. Inzwi­schen ist das Land auf den 17. Rang abge­rutscht. 2018 expor­tier­te Sach­sen Waren im Wert von rund 537 Mil­lio­nen Euro in die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on, 2014 waren es noch Erzeug­nis­se im Wert von 1,1 Mil­li­ar­den Euro.

Thü­rin­gen mel­det zwar seit den Sank­tio­nen eine ande­re Ent­wick­lung. Dort erhöh­te sich das Han­dels­vo­lu­men seit 2015 um rund 40 Pro­zent auf knapp 300 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2018. Russ­land ist somit ein wich­ti­ger Export­markt für rund 220 Thü­rin­ger Fir­men, wie Wirt­schafts­mi­nis­ter Wolf­gang Tie­fen­see erklärt. Dar­um sei es wich­tig, die Kon­tak­te nicht abrei­ßen zu las­sen.

Die deut­sche Wirt­schaft spricht sich seit län­ge­rem für einen Aus­bau der Bezie­hun­gen zu Russ­land auf höchs­ter Ebe­ne aus. Anfang des Jah­res hieß es in einem Posi­ti­ons­pa­pier des Ost­aus­schus­ses der Deut­schen Wirt­schaft, dass jähr­li­che EU-Russ­land-Gip­fel und eine Wie­der­auf­nah­me der deutsch-rus­si­schen Regie­rungs­kon­sul­ta­tio­nen hilf­reich wären. Und auch die Tages­the­men erken­nen prag­ma­tisch an, dass die Neu­ori­en­tie­rung Russ­lands zu Chi­na sich lang­fris­tig sehr nach­tei­lig nicht nur auf die Geschäf­te ost­deut­scher Unter­neh­men aus­wir­ken könn­te.

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Doch wur­de Kret­sch­mer auch unter­stellt, die For­de­rung aus wahl­tak­ti­schen Erwä­gun­gen so for­mu­liert zu haben. So echauf­fier­te sich denn auch der haus­halts­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD, Johan­nes Kahrs, dass es “bil­lig” sei, die Auf­ga­be der gemein­sa­men Hal­tung der EU und der deut­schen Außen­po­li­tik dem Wahl­kampf zu opfern. Ob Kahrs auf­grund der ein­hel­li­gen EU- und einer wer­te­ge­lei­te­ten Außen­po­li­tik zuguns­ten der Men­schen in der Ukrai­ne als laut­star­ker Kri­ti­ker der Posi­ti­on Kret­schmers agiert, ist vor allem frag­wür­dig bei einem Blick auf des­sen poli­ti­sche Bilanz als lang­jäh­ri­ger Rüs­tungs­lob­by­ist.

Zuspruch im Osten : Wirt­schaft lei­det seit Jah­ren

Zuspruch für Kret­schmers Hal­tung kam denn auch von jenen Poli­ti­kern, die Ost­deutsch­land ken­nen und reprä­sen­tie­ren.

Der Minis­ter­prä­si­dent von Thü­rin­gen, Bodo Rame­low (Die Lin­ke), der auch Vor­sit­zen­der der Ost-Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz ist, stimm­te zu, dass ein ver­bes­ser­ter Dia­log mit Russ­land und ein Ende der Sank­tio­nen not­wen­dig sei­en. Rame­low erklär­te, Kret­sch­mer han­de­le bei dem The­ma im Inter­es­se der neu­en Bun­des­län­der, deren Wirt­schaft seit Jah­ren unter den Sank­tio­nen lei­de. Außer­dem unter­strich der thü­rin­gi­sche Regie­rungs­chef, dass die vor Jah­ren ein­ge­führ­ten Sank­tio­nen der Ukrai­ne nicht gehol­fen, den neu­en Bun­des­län­dern aber “in jedem Fall” gescha­det haben.

Auch von sei­nen Amts­kol­le­gen aus Bran­den­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern erhielt Kret­sch­mer Rücken­wind.

Diet­mar Woid­ke (SPD), Bran­den­burgs Minis­ter­prä­si­dent, stell­te sich hin­ter sei­nen Kol­le­gen.

Wir brau­chen alle Arten von Dia­log mit Russ­land. Wir haben gegen­über Russ­land eine sehr gro­ße Ver­pflich­tung. Die rührt aus unse­rer deut­schen Geschich­te her”, sag­te der Minis­ter­prä­si­dent Bran­den­burgs dem Fern­seh­sen­der Phoe­nix.

Laut Woid­ke gäbe es zum Dia­log mit Russ­land kei­ne ver­nünf­ti­ge Alter­na­ti­ve, und Deutsch­land habe eine her­aus­ra­gen­de Ver­ant­wor­tung, mit Russ­land auf kul­tu­rel­ler, wirt­schaft­li­cher und sozia­ler Ebe­ne im Gespräch zu blei­ben.

Im Hin­blick auf den Ukrai­ne-Kon­flikt sieht Woid­ke auch Russ­land in der Bring­schuld. “Die Euro­päi­sche Uni­on muss stark blei­ben, und die Sank­tio­nen wer­den dann abge­baut, wenn das Mins­ker Abkom­men von Russ­land Schritt für Schritt erfüllt wird”. Woid­ke fügt hin­zu, “die ost­deut­sche Wirt­schaft ist über­pro­por­tio­nal von den Sank­tio­nen betrof­fen”, da die Ver­bin­dun­gen zu Russ­land stär­ker sei­en. Aus die­sem Grund kön­ne Ost­deutsch­land in der Euro­päi­schen Uni­on und in der NATO eine “Brü­cken­funk­ti­on spie­len”, so Woid­ke.

Manue­la Schwe­sig (SPD), Meck­len­burg-Vor­pom­merns Minis­ter­prä­si­den­tin, sag­te, sie rate bei den Debat­ten über Russ­land zu mehr Beson­nen­heit. Fast 80 Pro­zent der Bür­ger in MV befür­wor­te­ten den Aus­bau der Zusam­men­ar­beit mit Russ­land.

Wir müs­sen weg­kom­men von einer Schwarz-Weiß-Dis­kus­si­on. Was wir brau­chen, sind kon­ti­nu­ier­li­che Zusam­men­ar­beit und kri­ti­scher Dia­log.”

Laut Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU), für den das Mins­ker Abkom­men Grund­la­ge für die Über­win­dung des Kon­flikts sei, spie­gelt der Streit um die Äuße­run­gen Kret­schmers die unter­schied­li­che Hal­tung von Ost und West zu Russ­land wider. “30 Jah­re nach dem Fall der Mau­er kann man fest­stel­len, dass es in der Bevöl­ke­rung der neu­en Län­der eine ande­re Sicht auf Russ­land gibt als in den alten Bun­des­län­dern”, sag­te See­ho­fer der Bild am Diens­tag. “Damit müs­sen wir uns ernst­haft und unauf­ge­regt befas­sen.”

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Sanktionen sind cool, oder ? Europäische Akademie bilanziert Russland-Sanktionen


von Wla­dis­law San­kin 

Die deut­sche NGO “Euro­päi­sche Aka­de­mie” und die FDP-nahe Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung für die Frei­heit sind ein­fluss­rei­che Think­tanks und gel­ten als pro­mi­nen­te Ide­en­ge­ber für Poli­tik und Medi­en. Im Dezem­ber war­ben die bei­den Ein­rich­tun­gen für eine Podi­ums­dis­kus­si­on mit einem viel­ver­spre­chen­den Namen : “Sack­gas­se Sank­tio­nen ? Die Russ­land-Poli­tik der EU auf dem Prüf­stand”.

Aber wie der Mode­ra­tor spä­ter zugab, sorg­te eben­die­se Fra­ge­stel­lung in den sozia­len Medi­en schon im Vor­feld für Kri­tik. Für die einen war es uner­hört, die Sank­tio­nen über­haupt anzu­zwei­feln. Ande­re erkann­ten, vor allem in der Beschrei­bung, die alten Töne, die auf eine Vor­ver­ur­tei­lung Russ­lands schlie­ßen lie­ßen. Wer hat­te denn nun Recht ?

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Schon ein­mal vor­weg : Zu einer hef­ti­gen Debat­te kam es nicht. Die aus­ge­wähl­ten Exper­ten – zwei hoch­ran­gi­ge NGO-Mit­ar­bei­ter und zwei Wirt­schafts­ver­tre­ter – unter­schie­den sich in ihrer Ana­ly­se nur in Nuan­cen von­ein­an­der. Die Plu­ra­li­tät wur­de auf die inter­ak­ti­ve Online-Abstim­mung unter den Besu­chern beschränkt ; Ergeb­nis­se erschie­nen zeit­gleich auf dem Bild­schirm.

Bei der Fra­ge “Sind die Sank­tio­nen gegen Russ­land sinn­voll?” waren zeit­wei­se gar die Geg­ner der Sank­tio­nen in der Über­zahl. Am Ende des Gesprä­ches konn­ten jedoch die Befür­wor­ter zule­gen und die­se Fra­ge knapp für sich ent­schei­den. Anschei­nend haben die Exper­ten den einen oder ande­ren über­zeugt. Denn außer eines deut­schen Ver­tre­ters der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) in Russ­land, der sich eher bedeckt hielt und ledig­lich sag­te, für deren poli­ti­sche Impli­ka­tio­nen habe er viel Ver­ständ­nis, waren die rest­li­chen Gäs­te kla­re Sank­ti­ons-Befür­wor­ter.

Deren Argu­men­te : Sie hät­ten Russ­land womög­lich von wei­te­ren “Erobe­run­gen” in der Ukrai­ne abge­hal­ten. Oder sie sei­en Aus­druck davon, dass man “nicht ein­fach so in ein Land ein­mar­schie­ren darf”. Oder : Ihre Abschaf­fung wür­de einen Gesichts­ver­lust bedeu­ten – leicht zu ver­hän­gen, schwer abzu­schaf­fen. Und schließ­lich hieß es, sie sei­en im Unter­schied zu unklar for­mu­lier­ten exter­ri­to­ria­len und ego­is­ti­schen US-Sank­tio­nen gezielt und kon­kret und zudem an das Ver­hal­ten des zu sank­tio­nie­ren­den Lan­des gebun­den. Also Wer­te­po­li­tik in Form von Straf­maß­nah­men, obwohl es so nicht for­mu­liert wur­de.

Das waren kei­ne neu­en Ansät­ze. Neu war nur die rück­bli­cken­de Fest­stel­lung, dass die Rus­sen die Euro­pä­er doch mehr bräuch­ten als anfangs behaup­tet und daher womög­lich ein grö­ße­res Inter­es­se an der Auf­he­bung der Sank­tio­nen hät­ten als die EU. Und die EU ? Wie kann sie die Sank­tio­nen fal­len las­sen, wo die­se doch der ein­zi­ge Akt in der Außen­po­li­tik der EU waren, bei dem sie ein­drucks­voll Geschlos­sen­heit demons­triert hat ?

Nur aus der Posi­ti­on der Stär­ke her­aus kann die EU über­haupt ernst genom­men wer­den”, sag­te Miri­am Kos­mehl von der Ber­tels­mann Stif­tung und kri­ti­sier­te die ihrer Mei­nung nach der­zeit man­geln­de Geschlos­sen­heit der EU in Ver­tei­di­gungs- und Sicher­heits­fra­gen.

Die Ein­stim­mig­keit des Jah­res 2014, als die Sank­tio­nen zum ers­ten Mal beschlos­sen wur­den, habe die Rus­sen so über­rascht und womög­lich ihr Ver­hal­ten kor­ri­giert.

Die­se Logik funk­tio­niert aller­dings nur dann, wenn man von der eige­nen Unschuld bzw. der Schuld der Gegen­sei­te über­zeugt ist. Die Ver­an­stal­ter boten nicht ein­mal die gerings­te Mög­lich­keit, die Sache anders­her­um oder wenigs­tens etwas selbst­kri­tisch zu sehen. Die­se Vor­aus­set­zung für das herr­schen­de Nar­ra­tiv drück­te sich am deut­lichs­ten in der Fra­ge­stel­lung ans Publi­kum aus :

Wie soll die EU auf rus­si­sche Regel­ver­stö­ße reagie­ren ?

Wel­che Regeln, von wem und für wen geschrie­ben und wie sonst in der Pra­xis ange­wen­det, fragt man sich. Aber wie konn­te man sei­ne Zwei­fel in nur einem Wort aus­drü­cken ? Denn mehr war als Ant­wort nicht zuge­las­sen. Es sei denn, man schreibt : “wel­che­ver­stoeße”, was der Autor die­ser Zei­len auch getan hat. Die Ant­wort schim­mer­te dann zehn Minu­ten in Form von Stich­wör­tern wie “pro­vo­kant”, “aggres­siv” oder “aus­ge­gli­chen” auf dem Bild­schirm.

Den­noch, vom Podi­um waren durch­aus auch neue Töne zu hören. Der rus­si­sche Syri­en­ein­satz gilt mitt­ler­wei­le auch im deut­schen poli­ti­schen Main­stream als akzep­tiert. Russ­land sei in dem nah­öst­li­chen Land ledig­lich eine “Möch­te­gern-Ord­nungs­macht” und kei­ne wah­re, lau­te­te im Grun­de der schärfs­te Vor­wurf. Eini­ge Gäs­te lob­ten die rus­si­sche Diplo­ma­tie sogar für ihre aus­ge­klün­gel­te Balan­ce-Poli­tik und gute Exper­ti­se bezüg­lich der Regi­on. Seit­dem Russ­land zu Syri­en mit Deutsch­land am Tisch sitzt, ist die­se Wahr­neh­mung durch­aus mehr­heits­fä­hig gewor­den, dies hat die Dis­kus­si­on ein­drück­lich bestä­tigt.

Und schließ­lich Nord Stream 2, das angeb­lich “umstrit­te­ne” Pro­jekt. Kei­nes­wegs SPD-nah, haben die Exper­ten fast ein­stim­mig die poli­ti­schen Gesprä­che zu Nord Stream 2 als ver­spä­tet bewer­tet. Das Pro­jekt sei schon im Bau, der Rück­zug sei nun nicht mehr zu bewerk­stel­li­gen, selbst wenn man wol­le. Und – auch so viel Gas wür­de am Ende nicht rei­chen, sodass man dann doch genau­so gut den ukrai­ni­schen Tran­sit nut­zen kön­ne. Außer­dem, wie Ute Koch­low­ski-Kad­ja­ia vom Ost-Aus­schuss anmerk­te, sei Deutsch­land auch nach der Fer­tig­stel­lung der Pipe­line nicht ver­pflich­tet, das Nord-Stream-Gas zu kau­fen, das Risi­ko trü­gen also die Rus­sen.

Mehr zum The­ma — Israe­li­scher Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter : Zer­fal­len­de EU nicht in der Posi­ti­on, uns zu schul­meis­tern

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Deutsche Unternehmen könnten zu den Verlierern der neuen Russland-Sanktionen werden


Im schlimms­ten Fall könn­ten die Ver­lus­te der Unter­neh­men fast 1,5 Mil­li­ar­den Euro betra­gen”, so die Han­dels­lob­by. Der gesam­te deut­sche Geschäfts­auf­bau in Russ­land wer­de durch den Druck der USA als Gei­sel genom­men, so der Vor­sit­zen­de der Kam­mer, Mat­thi­as Schepp.

Ver­gan­ge­ne Woche berich­te­te das Wall Street Jour­nal, dass Deutsch­land pla­ne, US-Prä­si­dent Donald Trump zu bit­ten, deut­sche Unter­neh­men von den neu­en US-Sank­tio­nen gegen Russ­land zu ver­scho­nen.

Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel wer­de das The­ma noch im April bei Trump anspre­chen, schrei­ben US-Medi­en.

Die Deutsch-Rus­si­sche Han­dels­kam­mer warn­te, dass deut­sche Unter­neh­men, die in Russ­land tätig sind, enge Part­ner­schaf­ten mit Unter­neh­men und Ein­zel­per­so­nen unter­hiel­ten, die in der jüngs­ten Run­de der US-Sank­tio­nen ins Visier genom­men wur­den. Der rus­si­sche Auto­mo­bil­kon­zern GAZ Group, der Metall­ur­gie- und Ener­gie­kon­zern Reno­va, die glo­ba­le Alu­mi­ni­um­mar­ke RUSAL und Gaz­prom-Chef Ale­xei Mil­ler sind Schlüs­sel­fi­gu­ren bei Geschäfts­ab­schlüs­sen deut­scher Unter­neh­men in Russ­land.

Han­dels­kam­mer-Chef Schepp ist davon über­zeugt, dass die Sank­tio­nen ledig­lich zum Nach­teil der deut­schen Inves­to­ren aus­fal­len. Russ­land sei nicht iso­liert, und wenn sei­ne euro­päi­schen Part­ner von Geschäf­ten mit dem Land abge­schnit­ten wür­den, wür­den asia­ti­sche Unter­neh­men nicht zögern, sie zu erset­zen, gab Schepp zu beden­ken.

Wenn deut­sche und US-ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men bei ihrer Arbeit in Russ­land auf Hür­den sto­ßen, wer­den asia­ti­sche Unter­neh­men, vor allem chi­ne­si­sche Fir­men, nach und nach die freie Nische beset­zen”, so Schepp.

Es ist der­zeit nicht klar, wel­che Aus­wir­kun­gen die enge­re Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem ‘rus­si­schen Bären’ und dem ‘chi­ne­si­schen Dra­chen’ lang­fris­tig auf west­li­che Inter­es­sen haben könn­te”, füg­te der Kam­mer-Ver­tre­ter aus Deutsch­land hin­zu.

Auch der Deut­sche Aus­schuss für Ost­eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­be­zie­hun­gen kri­ti­sier­te die Sank­tio­nen und erklär­te in einer Bot­schaft an RT :

Deut­sche Unter­neh­men befürch­ten einen kurz­fris­ti­gen Ver­lust des lau­fen­den Geschäfts­be­triebs in drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he. Dar­über hin­aus kann zum Bei­spiel die kurz­fris­ti­ge Kün­di­gung von Ver­trä­gen mit Lie­fe­ran­ten zu Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­len ent­lang der gesam­ten Pro­duk­ti­ons­ket­te füh­ren, da zunächst ein Ersatz (in glei­cher Qua­li­tät) gefun­den wer­den muss. Ein Unter­neh­men kann auch von direk­ten Sank­tio­nen betrof­fen sein, wenn es als Ver­mitt­ler die Pro­duk­te eines Unter­neh­mens auf der Sank­ti­ons­lis­te an ein US-Unter­neh­men oder einen US-Bür­ger ver­kauft.

Kon­kur­ren­ten aus Chi­na, Japan und Süd­ko­rea könn­ten zusätz­li­che Markt­an­tei­le gewin­nen, wenn Deutsch­land sie ver­lie­re. Der Bericht emp­fiehlt Bun­des­re­gie­rung und EU, ihren Wider­stand gegen die extra­ter­ri­to­ria­le Anwen­dung der US-Sank­tio­nen deut­lich zu machen und EU-Unter­neh­men bei Bedarf vor Sank­tio­nen zu schüt­zen.

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Italiener finden Weg zu legaler Umgehung der Russland-Sanktionen


Ita­lie­ni­sche Fir­men fin­den nun offen­bar eine Mög­lich­keit, die Anti-Russ­land-Sank­tio­nen durch den Han­del mit Dritt­län­dern wie bei­spiels­wei­se Tune­si­en zu umge­hen. Details erfuhr Sput­nik von dem ita­lie­ni­schen Unter­neh­mer und Chef der Han­dels­kam­mer der Maghreb-Län­der und Russ­lands, Fran­ces­co Lo Iudi­ce.
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