Ultrageheimer WhatsApp-Chat der Spitzenkandidaten : Was planen AKK, Merz und Spahn ?


Frei­tag und Sams­tag fin­det in Ham­burg der Wahl­par­tei­tag der CDU statt. Die Spit­zen­kan­di­da­ten auf den Par­tei­vor­sitz haben sich schon längst warm­ge­lau­fen, der Show­down zwi­schen Kramp-Kar­ren­bau­er, Merz und Spahn steht unmit­tel­bar bevor. Sput­nik wur­de exklu­siv der ultra­ge­hei­me Chat­ver­lauf der drei Kon­tra­hen­ten zuge­spielt. (Sati­re!)
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CDU-Regionalkonferenz Düsseldorf : Merz und Spahn punkten, Kramp-Karrenbauer blass


In Düs­sel­dorf kamen die Mit­glie­der des Lan­des­ver­ban­des Nord­rhein-West­fa­len zusam­men, um sich ein Bild von den Kan­di­da­ten für den CDU-Chef­pos­ten zu machen.

Fried­rich Merz und Jens Spahn hat­ten einen leich­ten Heim­vor­teil, da sie ihren Hei­mat­ver­band ken­nen. Die­ser Vor­sprung mach­te sich im Lau­fe des Abends bemerk­bar. Merz kas­sier­te bei der Vor­stel­lung und der anschlie­ßen­den Fra­ge­run­de den meis­ten Applaus. Auch Jens Spahn kam gut an. Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er hin­ge­gen wirk­te etwas blass. Sie will die Uni­on als Vor­sit­zen­de wie­der zu Wahl­er­geb­nis­sen von 40 Pro­zent füh­ren : “40 Pro­zent ist die Mar­ge, die wir errei­chen wol­len in Deutsch­land und den Lan­des­ver­bän­den”, sag­te die Kan­di­da­tin für den CDU-Vor­sitz. Fried­rich Merz hat Mus­li­me in Deutsch­land auf­ge­for­dert, das deut­sche Recht ohne Ein­schrän­kun­gen zu akzep­tie­ren. “Es gibt hier kein Scha­ria-Recht auf deut­schem Boden”, sag­te er wäh­rend der Ver­an­stal­tung. Merz und Spahn atta­ckier­ten auch die Grü­nen, die in Umfra­gen der­zeit bei über 20 Pro­zent lie­gen. Es sei “Dop­pel­mo­ral”, wenn die Grü­nen die Rodung des Ham­ba­cher Forsts für den Braun­koh­le­ta­ge­bau mit­be­schlie­ßen, sich aber dann an Bäu­me ket­te­ten, sag­te Spahn. “Wenn es dar­auf ankommt, ist von den Grü­nen nichts zu sehen.” Merz sag­te eben­falls mit Blick auf den Pro­test im Ham­ba­cher Forst : “Die Grü­nen müs­sen ihr Ver­hält­nis zum Gewalt­mo­no­pol die­ses Staa­tes klä­ren.”

RT Deutsch frag­te die ange­reis­ten Mit­glie­der nach ihren Ein­drü­cken.

(dpa/RT)

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RT Deutsch


Jens Spahn : Vom Pharmalobbyisten zum CDU-Hoffnungsträger


Schon seit Jah­ren gilt Spahn als Anwär­ter auf den Pos­ten des Gesund­heits­mi­nis­ters, und nun ist ihm der Streich gelun­gen, auch wenn er sei­ne Ernen­nung der geschäfts­füh­ren­den Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel über­ließ. Nicht umsonst wer­te­ten Beob­ach­ter deren Ent­schei­dung daher weni­ger als geschick­ten Schach­zug denn als Zei­chen der Schwä­che Mer­kels.

Im Vor­feld sei­ner Ernen­nung pro­fi­lier­te sich der desi­gnier­te Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter immer wie­der als “Mer­kel-Kri­ti­ker”. So sprach er etwa auf dem Höhe­punkt der Flücht­lings­kri­se von “einer Art Staats­ver­sa­gen”. Doch auch auf ande­ren Gebie­ten gab sich Spahn bereits als Ken­ner der Mate­rie aus. So etwa im Jahr 2013, als er mit dem Satz “Sol­che Pil­len sind schließ­lich kei­ne Smar­ties” eine Rezept­pflicht für die soge­nann­te “Pil­le danach” for­der­te.

Als Lei­se­tre­ter gilt der als “kon­ser­va­ti­ver Hoff­nungs­trä­ger” gehan­del­te Spahn ohne­hin nicht. So soll der 37-Jäh­ri­ge bereits auf dem Gym­na­si­um als Berufs­wunsch Bun­des­kanz­ler ange­ben habe.

Mit einem für einen ambi­tio­nier­ten Poli­ti­ker nicht unwich­ti­gen Gespür für Stim­mun­gen wand­te er sich etwa auch gegen die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft, for­der­te ein Bur­ka-Ver­bot oder ein Islam-Gesetz. Über Sinn und Unsinn der Spahn­schen For­de­run­gen lässt sich wohl genau­so treff­lich strei­ten wie über die eigent­li­chen Moti­ve Spahns, der­lei emo­tio­nal auf­ge­la­den The­men auf­zu­grei­fen, die oft­mals außer­halb sei­nes eigent­li­chen Res­sorts lagen.

So viel Frei­raum dürf­te ihm der neue Pos­ten als Gesund­heits­mi­nis­ter nicht mehr bie­ten. Nun wird er sich womög­lich mit der SPD über die Finan­zie­rung des Gesund­heits­sys­tems strei­ten müs­sen. Als Gesund­heits­mi­nis­ter wür­de er der Bevöl­ke­rung wohl zähe Kom­pro­mis­se unter­brei­ten müs­sen, die sich nicht so gut ver­kau­fen las­sen.

Viel­leicht zählt dies zum Kal­kül Mer­kels, um ihren par­tei­in­ter­nen Kri­ti­ker an die Lei­ne zu neh­men. Auch der Pfle­ge­not­stand wird auf dem Auf­ga­ben­zet­tel des desi­gnier­ten Minis­ters ste­hen. Der SPD-Fach­po­li­ti­ker Karl Lau­ter­bach ließ bereits durch­bli­cken, dass es nun auf Taten und weni­ger auf Wor­te ankom­men dür­fe :

Im Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um zählt das Hand­werk, die Geset­ze müs­sen funk­tio­nie­ren. Dar­auf haben wir in der Ver­gan­gen­heit immer sehr viel Wert gelegt. Dar­auf wird es auch für ihn ankom­men.

Spahn kün­dig­te bereits ent­schlos­se­ne Maß­nah­men gegen den Fach­kräf­te­man­gel in der Pfle­ge an. Er wol­le dafür sor­gen, dass der Beruf attrak­ti­ver wer­de, sag­te er :

Wir wer­den die Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten erhö­hen, die Bezah­lung und die Tarif­bin­dung in der Pfle­ge ver­bes­sern.

Pfle­ge sei das gro­ße The­ma, “das jeden in Deutsch­land bewegt”. Das sah auch bereits Ange­la Mer­kel so. Immer­hin mach­te die­se den Pfle­ge­not­stand als einen der Grün­de für den enor­men Wahl­er­folg der AfD bei den ver­gan­ge­nen Bun­des­tags­wah­len aus.

Kon­ser­va­tiv ist er, über die not­wen­di­ge Exper­ti­se ver­fügt er eben­falls, doch ob er bei sei­ner Arbeit stets vom gesund­heit­li­chen Wohl der Bür­ger getrie­ben ist, steht auf einem ande­ren Blatt.

Zumin­dest ruht Spahns Kom­pe­tenz im Gesund­heits­sek­tor auch auf einem ande­ren Fun­da­ment. So grün­de­te der bis­he­ri­ge par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um 2006 mit dem befreun­de­ten Lob­by­is­ten Max Mül­ler und dem Lei­ter sei­nes Abge­ord­ne­ten­bü­ros Mar­kus Jas­per eine “Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts” (GbR), der wie­der­um die Agen­tur “Poli­tas” gehör­te.

Laut dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin Focus beriet Poli­tas schwer­punkt­mä­ßig Kun­den aus dem Phar­ma- und Medi­zin­sek­tor. Poli­tas warb dem­nach mit guten Kon­tak­ten zum Bun­des­tag :

Ganz gleich, ob es um eine Anhö­rung, ein Hin­ter­grund­ge­spräch oder um eine Ple­nar­de­bat­te geht : Wir sind für Sie dabei.

Obwohl im sel­ben Zeit­raum bereits einer der füh­ren­den CDU-Gesund­heits­po­li­ti­ker, konn­te Spahn kei­ner­lei Inter­es­sen­kon­flikt aus­ma­chen. Sei­ne unbe­frie­di­gen­de Ver­tei­di­ung ließ etli­che Fra­gen offen. So etwa über die Poli­tas-Kun­den. Spahn erklär­te ledig­lich, dass Kun­den aus unter­schied­li­chen Bran­chen in lan­des-, bun­des- und euro­pa­po­li­ti­schen Fra­ge­stel­lun­gen bera­ten wor­den sei­en. Auch über sei­ne Bezie­hung zu sei­nem Lob­by-Kom­pa­gnon Max Mül­ler ver­lor er kein Wort.

Mül­ler und Mar­kus Jas­per hat­ten neben Poli­tas min­des­tens zu einer zwei­ten Lob­by­agen­tur “Kon­takt”, der im Jahr 2002 gegrün­de­ten KPW. Nach Infor­ma­tio­nen von “Lob­by­con­trol” war Mül­ler bis Anfang 2008 deren Geschäfts­füh­rer, bevor er Che­f­lob­by­ist für den Phar­ma­groß­händ­ler Cele­sio wur­de. Im Okto­ber 2008 folg­te dem­nach Spahns Büro­lei­ter Mar­kus Jas­per als Geschäfts­füh­rer.

Der Chef der Links­par­tei Bernd Riex­in­ger erin­ner­te in die­sem Zusam­men­hang dar­an, dass Spahn in sei­ner ehe­ma­li­gen Funk­ti­on als gesund­heits­po­li­ti­scher Spre­cher der CDU/CSU “der Tür­öff­ner für die Phar­ma­in­dus­trie” gewe­sen sei. Zumin­dest nach Ansicht Riex­in­gers könn­te die Phar­ma­lob­by womög­lich bald über “einen dienst­wil­li­gen Für­spre­cher im Kabi­nett” ver­fü­gen.

Bereits 2005 war Spahn an wich­ti­gen gesund­heits­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen betei­ligt, bei denen er markt­ra­di­ka­le Ten­den­zen erken­nen ließ, etwa wenn es um mil­li­ar­den­schwe­re Ein­schnit­te im Gesund­heits­sek­tor ging. Im Jahr 2008 mach­te er sich dann zusam­men mit dem FDP Euro­pa-Poli­ti­ker Jor­go Chat­zimarka­kis für eine Libe­ra­li­sie­rung des Apo­the­ken­mark­tes stark.

Mehr zum The­ma : Pro­zess um Daten­klau im Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um : Staats­an­walt spricht von “Muni­ti­on für Lob­by­is­ten”

Lobbypedia.de infor­miert des Wei­te­ren über eine mut­maß­li­che Nähe Spahns zum Ver­band der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV). Dem­nach über­nah­men Spahn und Johan­nes Sing­ham­mer (CSU) im Novem­ber 2012 ein Posi­ti­ons­pa­pier der CDU/CSU gegen die von den Grü­nen gewünsch­te Bür­ger­ver­si­che­rung wort­wört­lich von der PKV. So etwa die PKV-Pas­sa­ge zum “schö­nen Namen ‘Bür­ger­ver­si­che­rung’ ”, hin­ter der sich dem­nach aller­dings das Gegen­teil ver­ber­ge :

(…) aus­nahms­lo­se Zwangs­mit­glied­schaft, mehr staat­li­che Bevor­mun­dung und Büro­kra­tie, beschränk­ter Leis­tungs­ka­ta­log für alle, weni­ger Selbst­be­stim­mung, weni­ger Wett­be­werb, kei­ne Nach­hal­tig­keit.

Die von der SPD gewünsch­te soge­nann­te Bür­ger­ver­si­che­rung ist nach zähen Ver­hand­lun­gen kein Teil des erar­bei­te­ten Koali­ti­ons­ver­trag, den sowohl CDU/CSU als auch die Genos­sen der SPD als Erfolg ver­bu­chen. SPD-Gesund­heits­ex­per­te Lau­ter­bach will jedoch wei­ter für das Pro­jekt kämp­fen.

RT Deutsch