Doppelmoralist des Tages : CSU-Minister Scheuer verantwortet 65 laufende Enteignungsverfahren


Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Sven Kind­ler (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) hat die Bun­des­re­gie­rung gefragt, wie vie­le lau­fen­de Ent­eig­nungs­ver­fah­ren zum Zwe­cke des Bun­des­fern­stra­ßen­baus es der­zeit gibt. Laut Dar­stel­lung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur unter CSU-Minis­ter Andre­as Scheu­er sind der­zeit “ins­ge­samt 65 lau­fen­de [Enteignungs-]Verfahren gemel­det. 35 davon betref­fen den Bau von Bun­des­au­to­bah­nen und 30 den Bau von Bun­destra­ßen”. 

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Die Ent­eig­nun­gen wer­den mit Ver­weis auf Para­graph 19 des Bun­des­fern­stra­ßen­ge­set­zes begrün­det, dem­zu­fol­ge Ent­eig­nun­gen zuläs­sig sind, “soweit sie zur Aus­füh­rung eines fest­ge­stell­ten oder geneh­mig­ten Bau­vor­ha­bens not­wen­dig” sind und ent­spre­chend Arti­kel 14 des Grund­ge­set­zes dem “Woh­le der All­ge­mein­heit” die­nen. Die genann­ten 65 Ent­eig­nungs­ver­fah­ren lau­fen der­zeit in ins­ge­samt zehn Bun­des­län­dern.

Gegen­über dem Tages­spie­gel erklär­te Kind­ler :

Wenn es dar­um geht, neue über­flüs­si­ge Auto­bah­nen durch­zu­drü­cken, haben CDU, CSU und FDP kei­ne Pro­ble­me mit der Ent­eig­nung von Pri­vat­leu­ten und Bau­ern. Geht es aber um die Ver­ge­sell­schaf­tung gro­ßer Immo­bi­li­en­kon­zer­ne, die ihre Markt­macht für Preis­trei­be­rei aus­nut­zen, heu­len sie laut auf.

Die Fra­ge der Ent­eig­nung von Immo­bi­li­en­kon­zer­nen, die wie zum Bei­spiel die bör­sen­no­tier­te Woh­nungs­ge­sell­schaft “Deut­sche Woh­nen SE”, ihre Markt­macht nach­weis­lich miss­brau­chen, sorgt der­zeit für hef­ti­ge Debat­ten. Unter Ver­weis auf Arti­kel 15 des Grund­ge­set­zes (GG) ver­sucht die Ber­li­ner Initia­ti­ve “Deut­sche Woh­nen ent­ei­ge­nen” einen Volks­ent­scheid durch­zu­füh­ren, um Kon­zer­ne mit über 3.000 Woh­nun­gen in Ber­lin zu ent­eig­nen und so den Wohn­raum zu ver­ge­sell­schaf­ten. Ziel ist ein Stopp rasant stei­gen­der Mie­ten und der dar­aus resul­tie­ren­den sozia­len Ver­drän­gun­gen. Arti­kel 15 des GG besagt : 

Grund und Boden, Natur­schät­ze und Pro­duk­ti­ons­mit­tel kön­nen zum Zwe­cke der Ver­ge­sell­schaf­tung durch ein Gesetz, das Art und Aus­maß der Ent­schä­di­gung regelt, in Gemein­ei­gen­tum oder in ande­re For­men der Gemein­wirt­schaft über­führt wer­den. Für die Ent­schä­di­gung gilt Arti­kel 14 Abs. 3 Satz 3 und 4 ent­spre­chend.

Die Immo­bi­li­en-Lob­by­par­tei FDP strebt ange­sichts die­ser poten­zi­el­len Bedro­hung der Pro­fit­in­ter­es­sen ihrer Mit­glie­der eine Grund­ge­setz­än­de­rung im Bun­des­tag und Bun­des­rat an, um Arti­kel 15 ersatz­los zu strei­chen. So erklärt FDP-Chef Lind­ner : 

Arti­kel 15 passt nicht zur sozia­len Markt­wirt­schaft. Er ist ein Ver­fas­sungs­re­likt und wur­de aus gutem Grund nie ange­wandt. Ihn abzu­schaf­fen, wäre ein Bei­trag zum sozia­len Frie­den und wür­de die Debat­te wie­der auf das Wesent­li­che len­ken. 

Mehr zum The­ma — FDP-Chef Lind­ner will per Grund­ge­setz-Ände­rung Ent­eig­nun­gen von Immo­bi­li­en­kon­zer­nen ver­hin­dern

Aller­dings ist unter Ver­fas­sungs­ex­per­ten umstrit­ten, ob Arti­kel 15 über­haupt abge­schafft wer­den kann. Denn die ers­ten 19 Arti­kel des Grund­ge­set­zes, die sich mit den soge­nann­ten Grund­rech­ten beschäf­ti­gen, kön­nen nicht ein­fach abge­schafft wer­den, auch nicht mit einer Zwei-Drit­tel-Mehr­heit. Arti­kel 19, Absatz 2, des Grund­ge­set­zes besagt sehr ein­deu­tig :

In kei­nem Fal­le darf ein Grund­recht in sei­nem Wesens­ge­halt ange­tas­tet wer­den.

Auch CSU-Chef Mar­kus Söder tönt laut­hals :

Ent­eig­nun­gen sind sozia­lis­ti­sche Ide­en und haben mit bür­ger­li­cher Poli­tik nichts zu tun. Wer das Eigen­tum nicht mehr respek­tiert, ändert unse­re Gesell­schaft von Grund auf und schafft nicht mehr Woh­nung dadurch.

RT Deutsch


Diplomat des Tages : US-Botschafter droht Russland mit “200.000 Tonnen Flugzeugträgerdiplomatie”


Die Mas­ke­ra­de ist end­gül­tig vor­bei : Jon Mea­de Hunts­man Jr., US-Bot­schaf­ter in Russ­land, hat sich offi­zi­ell zur Kano­nen­boot-Diplo­ma­tie bekannt – oder viel­mehr “zeit­ge­mäß” zur Flug­zeug­trä­ger-Diplo­ma­tie auf inter­na­tio­na­lem Par­kett. Dafür sei­en gleich zwei­mal 100.000 Ton­nen im Mit­tel­meer unter­wegs, erklär­te Hunts­man in sei­ner Anspra­che an die See­leu­te auf dem Flug­zeug­trä­ger USS “Abra­ham Lin­coln”, von des­sen Brü­cke aus er einem Manö­ver zwei­er Flug­zeug­trä­ger-Grup­pen bei­wohn­te, zusam­men mit der USS “John C. Sten­nis”.

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Sei­ne Bot­schaft rich­te­te die­ser “Meis­ter sei­nes Faches” aller­dings wohl weni­ger an die See­leu­te als an sein diplo­ma­ti­sches Gast­land – Russ­land sol­le sei­ne “welt­wei­ten desta­bi­li­sie­ren­den Hand­lun­gen” ein­stel­len, wenn es “wirk­lich eine Bes­se­rung der Bezie­hung mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten” wol­le, so Hunts­man wei­ter.

Diplomat des Tages: US-Botschafter droht Russland mit "200.000 Tonnen Flugzeugträgerdiplomatie"
Jon Hunts­man, US-Bot­schaf­ter in Russ­land, vor Tref­fen mit Russ­lands Außen­mi­nis­ter Ser­gei Law­row und John Bol­ton, dem Natio­na­len Sicher­heits­be­ra­ter des US-Prä­si­den­ten, Archiv­bild, Mos­kau, Okto­ber 2018

Diplo­ma­tie­ver­dros­sen­heit – pla­gen ihn Selbst­zwei­fel ?

Es ist aller­dings zu befürch­ten, dass die­se Glanz­leis­tun­gen der Diplo­ma­tie von Hunts­man uns nicht mehr lan­ge erhal­ten blei­ben – der US-Ame­ri­ka­ner scheint sei­nes Amtes, das er gera­de ein­mal zwei Jah­re beklei­det, end­gül­tig über­drüs­sig zu wer­den, fin­det offen­bar eben­die­ses Amt selbst über­flüs­sig.

Wenn 200.000 Ton­nen dei­ner Diplo­ma­tie im Mit­tel­meer her­um­kreu­zen – das nen­ne ich mal Diplo­ma­tie, Diplo­ma­tie an der vor­ders­ten Linie – dann bleibt dir nichts mehr zu sagen”,

gab er in Anwe­sen­heit von CNN-Jour­na­lis­ten zum Bes­ten. In einem wei­te­ren Kom­men­tar zu die­ser Art Rücken­de­ckung gab Hunts­man aller­dings einen Hin­weis auf einen wei­te­ren mög­li­chen Grund sei­ner Arbeits­ver­dros­sen­heit – er scheint Zwei­fel an den eige­nen Fähig­kei­ten zu hegen, ohne viel Säbel­ras­seln, also auf klas­sisch diplo­ma­ti­schem Wege, etwas errei­chen zu kön­nen :

[erst] dann hast du das Selbst­ver­trau­en, das du brauchst, um dich hin­zu­set­zen und Lösun­gen für die Pro­ble­me zu suchen, die uns seit vie­len, vie­len Jah­ren tren­nen”, lau­te­te Hunts­mans Bekennt­nis.

Es bleibt nur zu hof­fen, dass Hunts­man so bald wie mög­lich von sei­nem Amt erlöst wird, das ihn offen­bar so sehr über­las­tet.

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RT Deutsch


Spanische Polizei beschlagnahmt über acht Tonnen Haschisch innerhalb eines Tages


Bei der ers­ten Raz­zia in der Stadt La Línea de la Con­cep­ción stell­te die Poli­zei über sechs Ton­nen Haschisch sicher, das im Kel­ler eines Hau­ses ver­steckt wor­den war. Die Beam­ten gelang­ten durch einen gehei­men Gang unter­halb einer Dusch­ka­bi­ne zum Ver­steck. Im Lau­fe des Ein­sat­zes wur­de nur ein Ver­däch­ti­ger fest­ge­nom­men, allen ande­ren gelang die Flucht. Das Video der Fest­nah­me erschien auf dem Mikro­blog­ging­dienst Twit­ter.

Die übri­gen 2,5 Ton­nen Rausch­gift wur­den am sel­ben Tag in der Nähe der Hafen­stadt Alge­ci­ras beschlag­nahmt. Die Täter ver­bar­ri­ka­dier­ten sich im Gebäu­de, es kam zum Schuss­wech­sel mit der Poli­zei. Nach zwei­stün­di­gen Ver­hand­lun­gen stell­ten sich vier Män­ner schließ­lich der Staats­ge­walt und wur­den ver­haf­tet.

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RT Deutsch