Zahl der Todesopfer durch Explosion auf Militärbasis in Türkei steigt auf sieben


Nach Anga­ben der staat­li­chen Nach­rich­ten­agen­tur Ana­do­lu ereig­ne­te sich der “Unfall” in einem Muni­ti­ons­de­pot, als mit schwe­ren Waf­fen geschos­sen wor­den sei, wie es unter Beru­fung auf das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um hieß. Auch der tür­ki­sche Staats­chef sprach von einer Explo­si­on wäh­rend eines Artil­le­rie­feu­ers. Nach Anga­ben von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Hulu­si Akar gab es auch in der Nacht zum Sams­tag noch “klei­ne Explo­sio­nen”. Man bemü­he sich dem­nach, Brän­de zu löschen. Der Stütz­punkt liegt im Bezirk Sem­din­li nahe der Gren­ze zum ira­ki­schen Kur­di­stan. Dort hat die Kur­di­sche Arbei­ter­par­tei PKK ihr Haupt­quar­tier. (dpa)

Mehr zum The­ma — Vier Tote und 20 Ver­letz­te bei Explo­si­on auf Mili­tär­ba­sis in Tür­kei

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Tag nach Syrien-Gipfel : Türkei beschießt Kurdenmiliz in Nord-Syrien


Bis­her unter­hält die Tür­kei nur west­lich des Euphrats Besat­zungs­zo­nen, hat aber ange­kün­digt, ihre Akti­vi­tä­ten auch wei­ter nach Osten aus­deh­nen zu wol­len. Die Tür­kei sieht in den mit den USA ver­bün­de­ten kur­di­schen Mili­zen in Nord-Syri­en Ter­ro­ris­ten. Die YPG steht der ver­bo­te­nen kur­di­schen Arbei­ter­par­tei PKK nahe, die in der Tür­kei und Euro­pa als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft ist. In Nord-Syri­en kämpft die YPG gegen die Ter­ror­mi­liz “Isla­mi­scher Staat”.

Beim Gip­fel in Istan­bul hat­te der tür­ki­sche Prä­si­dent Recep Tayy­ip Erdo­gan am Sams­tag gesagt, dass sein Land weder an sei­nen Gren­zen noch in Syri­en Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen dul­den wer­de. Das Tref­fen Erdo­gans mit Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel, Frank­reichs Staats­chef Emma­nu­el Macron und dem rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin ende­te mit einem Beschluss für eine Wie­der­be­le­bung des Frie­dens­pro­zes­ses. (dpa)

Mehr zum The­ma — Putin beim Vie­rer­gip­fel : Der Weg zur syri­schen Ver­fas­sung führt über Sot­schi-Gesprä­che

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Türkei soll mit USA Geheimdeal geschlossen haben


Anka­ra hat mit Washing­ton einen Geheim­deal geschlos­sen, dem zufol­ge der US-ame­ri­ka­ni­sche evan­ge­li­ka­le Pas­tor Andrew Brun­son, der in der Tür­kei wegen Ver­dachts der Betei­li­gung an dem Staats­streich im Jahr 2016 inhaf­tiert wor­den war, in nächs­ter Zeit frei­ge­las­sen wer­den soll. Das berich­te­te der TV-Sen­der NBC News am Frei­tag.
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Türkei : Zwei russische Bürger unter mutmaßlichen IS-Terroristen festgenommen – Medien


Die tür­ki­sche Poli­zei hat sie­ben ver­mut­li­che Mit­glie­der der Ter­ror­grup­pe „Isla­mi­scher Staat“* in der Pro­vinz Kay­se­ri im zen­tra­len Teil des Lan­des fest­ge­nom­men, dar­un­ter zwei Rus­sen. Das mel­det am Don­ners­tag die Nach­rich­ten­agen­tur DHA.
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Fall Chaschukdschi : Türkei erhöht Druck auf Saudi-Arabien — USA fordern gründliche Untersuchung


Im Fall des in Istan­bul ver­schwun­de­nen und mög­li­cher­wei­se ermor­de­ten sau­di-ara­bi­schen Jour­na­lis­ten Dscha­mal Cha­schuk­dschi erhöht Anka­ra den Druck. Zum zwei­ten Mal inner­halb einer Woche bestell­te das tür­ki­sche Außen­mi­nis­te­ri­um den Bot­schaf­ter des ara­bi­schen König­rei­ches ein. Außer­dem bean­trag­ten die tür­ki­schen Behör­den am Mon­tag eine Erlaub­nis, um das Kon­su­lat zu durch­su­chen, wie der Sen­der CNN Türk unter Beru­fung auf diplo­ma­ti­sche Quel­len berich­te­te. Der Fall Cha­schuk­dschi könn­te zu einer diplo­ma­ti­schen Kri­se zwi­schen Anka­ra und Riad füh­ren.

Der 59 Jah­re alte Jour­na­list, der ver­gan­ge­nes Jahr in die USA ins Exil geflo­hen war, wird nun schon seit fast einer Woche ver­misst. Er betrat das sau­di-ara­bi­sche Kon­su­lat in Istan­bul am Diens­tag, um Papie­re für sei­ne Hoch­zeit abzu­ho­len, war aber nicht wie­der her­aus­ge­kom­men. Sei­ne Ver­lob­te war­te­te nach eige­nen Anga­ben stun­den­lang vor dem Ein­gang auf ihn. Medi­en und Freun­de berich­te­ten dann unter Beru­fung auf tür­ki­sche Ermitt­ler und Regie­rungs­krei­se, Cha­schuk­dschi sei ermor­det wor­den.

Die der tür­ki­schen Regie­rung nahe ste­hen­de Zei­tung Sabah berich­te­te, Spe­zia­lis­ten der Istan­bu­ler Poli­zei und des Geheim­diens­tes MIT gin­gen davon aus, dass Cha­schuk­dschi ermor­det und zwei Stun­den nach Betre­ten des Kon­su­lats in einem schwar­zen Klein­bus mit ver­dun­kel­ten Fens­ter­schei­ben her­aus­ge­bracht wor­den war.

Exper­ten und Diplo­ma­ten zwei­feln an der Dar­stel­lung der sau­di­schen Sei­te 

Sau­di-Ara­bi­en wies die Vor­wür­fe zurück und teil­te mit, Cha­schuk­dschi sei erst nach dem Ver­las­sen des Kon­su­lats ver­schwun­den. Der tür­ki­sche Staats­prä­si­dent Recep Tayy­ip Erdoğan for­der­te am Mon­tag bei einem Besuch in Ungarn, Sau­di-Ara­bi­en müs­se Bewei­se vor­le­gen, soll­te der Jour­na­list das Gebäu­de wirk­lich ver­las­sen haben.

Dem Bot­schaf­ter Sau­di-Ara­bi­ens sei bei sei­ner Ein­be­stel­lung mit­ge­teilt wor­den, dass die Tür­kei eine “voll­stän­di­ge Zusam­men­ar­beit bei den Ermitt­lun­gen” erwar­te, um das Ver­schwin­den Cha­schuk­dschis auf­zu­klä­ren, berich­te­te die Nach­rich­ten­agen­tur Ana­do­lu. Dem­nach wur­de der Bot­schaf­ter schon am Sonn­tag ins Außen­mi­nis­te­ri­um geru­fen.

Die Dar­stel­lung der sau­di­schen Sei­te wird von Exper­ten und Diplo­ma­ten ange­zwei­felt. Zumal das film­rei­fe Ver­schwin­den von Dscha­mal Cha­schuk­dschi in den Augen von Beob­ach­tern kei­nes­wegs nur ein Ein­zel­fall ist, son­dern dem Mus­ter einer immer aggres­si­ve­ren Außen­po­li­tik Riads folgt.

Der heu­te 33-jäh­ri­ge Thron­fol­ger Moham­med bin Sal­man erschien erst 2015 auf der poli­ti­schen Büh­ne. Doch mit dem Wohl­wol­len sei­nes Vaters, dem grei­sen König Sal­man, häuf­te er so viel Macht an, wie sie vor ihm wohl nur Staats­grün­der Ibn Saud hat­te. Als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter ließ er den Jemen-Kon­flikt eska­lie­ren und ist ver­ant­wort­lich für den Tod von Tau­sen­den Zivi­lis­ten durch Bom­bar­de­ments. Prinz Moham­med gilt auch als Initia­tor der Blo­cka­de des benach­bar­ten Emi­rats Katar, die seit 2017 die gan­ze Regi­on unter Hoch­span­nung setzt.

Auch nach innen greift der Thron­fol­ger kom­pro­miss­los durch. Zwar ver­folgt er einen wirt­schaft­li­chen Reform­kurs, mit dem auch eine vor­sich­ti­ge Öff­nung der Gesell­schaft kommt. Wer aber poli­ti­schen Ein­fluss neh­men will, dem droht Haft. Das haben in den letz­ten Jah­ren nicht nur Kle­ri­ker, Geschäfts­leu­te oder Frau­en­recht­ler erfah­ren.

Donald Trump und Mike Pence sind besorgt 

Auch Deutsch­land und die USA haben sich inzwi­schen besorgt um das Schick­sal des Jour­na­lis­ten geäu­ßert. Ein Spre­cher des Aus­wär­ti­gen Amts sag­te, man wol­le sich nicht an Spe­ku­la­tio­nen betei­li­gen, aber alle Betei­lig­ten müss­ten zu einer schnel­len Auf­klä­rung bei­tra­gen. US-Prä­si­dent Donald Trump sag­te am Mon­tag im Wei­ßen Haus : “Ich bin besorgt”. Er hof­fe auf eine posi­ti­ve Lösung.

Im Moment weiß nie­mand etwas dar­über, aber es kur­sie­ren eini­ge böse Geschich­ten. Das gefällt mir nicht.

Auch US-Vize­prä­si­dent Mike Pence zeig­te sich “zutiefst besorgt” über die Berich­te. Soll­ten die­se Nach­rich­ten über den Tod Cha­schuk­dschis wahr sein, wäre dies “ein tra­gi­scher Tag”, twit­ter­te Pence. “Gewalt gegen Jour­na­lis­ten welt­weit ist eine Bedro­hung der Pres­se­frei­heit und der Men­schen­rech­te”, schrieb er und for­der­te Auf­klä­rung. “Die freie Welt hat Ant­wor­ten ver­dient.”

Mehr zum The­ma — Was­ser­trä­ger des Prin­zen : Pri­ce­wa­ter­house­Coo­pers will sau­di­sche Armee moder­ni­sie­ren

Cha­schuk­dschi war ein pro­mi­nen­ter Kri­ti­ker der sau­di­schen Regie­rung. Als er sich in sei­nem Land nicht mehr sicher fühl­te, ging er im Sep­tem­ber 2017 ins Exil in die USA. Dort schrieb er unter ande­rem als Kolum­nist unter dem eng­lisch tran­skri­bier­ten Namen Jamal Khash­og­gi für die Washing­ton Post.

(rt deutsch/dpa)

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Europaparlament streicht Türkei 70 Millionen Euro EU-Finanzhilfen


Das Geld war im EU-Haus­halt als Hil­fen zur Her­an­füh­rung der Tür­kei an die Euro­päi­sche Uni­on reser­viert. Aller­dings war die Sum­me an die Bedin­gung geknüpft, dass Anka­ra bedeu­ten­de Fort­schrit­te bei Rechts­staat­lich­keit, Demo­kra­tie, Pres­se­frei­heit und dem Schutz von Men­schen­rech­ten macht. Die EU-Kom­mis­si­on kam im April zu dem Schluss, dass die Tür­kei sich hier “deut­lich von der Euro­päi­schen Uni­on weg­be­wegt” habe.

Das nicht aus­ge­zahl­te Geld soll nun dem EU-Nach­bar­schafts­in­stru­ment zugu­te­kom­men. Damit wer­den poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che und sozia­le Refor­men in Nach­bar­län­dern der EU geför­dert.

An den Zah­lun­gen an die Tür­kei für die Ver­sor­gung syri­scher Flücht­lin­ge ändert sich nichts. Im Juni hat­te die EU dem Land dafür wei­te­re drei Mil­li­ar­den Euro bewil­ligt. Ein ers­tes, eben­falls drei Mil­li­ar­den Euro schwe­res Hilfs­pa­ket war zuvor auf­ge­braucht wor­den. (dpa)

Mehr zum The­ma — Deut­sche Rüs­tungs­ex­por­te an Anka­ra bre­chen ein

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Irak entfaltet Grenzschutztruppen entlang Grenze zur Türkei


Der ira­ki­sche Natio­na­le Sicher­heits­rat hat in einer von Ober­be­fehls­ha­ber und Pre­mier­mi­nis­ter Hai­der al-Aba­di gelei­te­ten Sit­zung beschlos­sen, die Grenz­schutz­kräf­te ent­lang der gesam­ten ira­kisch-tür­ki­schen Gren­ze zu ent­fal­ten. Dies geht aus einer Mit­tei­lung des Pres­se­diens­tes des ira­ki­schen Pre­miers her­vor.
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Zwischen USA und Russland : Idlib bringt die Türkei in Zeitnot


von Dr. Kam­ran Gas­a­nov

Wol­ken tür­men sich über Idlib. Die Ope­ra­ti­on, die die Pro­vinz von Oppo­si­ti­on und Ter­ro­ris­ten säu­bern soll und mit deren Beginn jeden Tag gerech­net wur­de, läuft tat­säch­lich. Die rus­si­sche und die syri­sche Luft­waf­fe bom­bar­die­ren Ter­ro­ris­ten im Süden von Idlib und in Nord-Hama. Aller­dings ist auch klar, dass es ohne Boden­ope­ra­tio­nen unmög­lich ist, Haiʾat Tahr­ir asch-Scham (HTS, ehe­mals al-Nus­ra-Front) und den IS aus der Regi­on zu ver­trei­ben.

Was sind die Zie­le der Luft­an­grif­fe ? Ers­tens sind sie eine Reak­ti­on auf bzw. Ver­gel­tung für ter­ro­ris­ti­sche Anschlä­ge mit Droh­nen auf die syri­sche Armee und die rus­si­sche Mili­tär­ba­sis in Lata­kia. Das rus­si­sche Außen­mi­nis­te­ri­um recht­fer­tig­te die Bom­bar­die­rung Idlibs damit, dass die Mili­tan­ten in die Offen­si­ve gehen könn­ten.

Ter­ro­ris­ten berei­ten eine Offen­si­ve gegen Alep­po und Hama vor”, sag­te die Spre­che­rin des rus­si­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums Maria Sach­a­ro­wa im letz­ten Brie­fing.

Ter­ror­grup­pe HTS zieht sich hin­ter zwölf tür­ki­sche Beob­ach­tungs­stel­len zurück

Zwei­tens die­nen sie der Luft­auf­klä­rung und der Vor­be­rei­tung der Boden­of­fen­si­ve. Und drit­tens kann man die Angrif­fe auch als eine gewoll­te Eska­la­ti­on betrach­ten, die dar­auf abzielt, die Ter­ro­ris­ten, die Oppo­si­ti­on und die Tür­kei unter Druck zu set­zen. Auf dem letz­ten Gip­fel in Tehe­ran, an dem Russ­land, der Iran und die Tür­kei teil­nah­men, konn­te kei­ne Eini­gung über einen Waf­fen­still­stand erzielt wer­den. Wla­di­mir Putin mach­te deut­lich, dass es sinn­los sei, mit Ter­ro­ris­ten zu ver­han­deln. Das heißt, Recep Tayy­ip Erdoğan erhielt kei­ne Garan­ti­en, dass es kei­ne Offen­si­ve gegen Idlib geben wür­de.

Die Tür­kei geriet in “Zeit­not”. Sie hat jetzt fast kei­ne Zeit mehr, die Ter­ro­ris­ten davon zu über­zeu­gen, sich der bewaff­ne­ten Oppo­si­ti­on anzu­schlie­ßen. Die Situa­ti­on wird durch die Tat­sa­che kom­pli­ziert, dass die mäch­tigs­te Kraft in der Regi­on – HTS – sich nicht nur unter Zivi­lis­ten ver­ste­cken und die­se als “mensch­li­che Schutz­schil­de” benut­zen kann, son­dern auch dadurch, dass die Ter­ror­grup­pe sich hin­ter die zwölf tür­ki­schen Beob­ach­tungs­stel­len zurück­zieht – nahe der tür­ki­schen Gren­ze. Das heißt, um HTS zu errei­chen, müss­ten Assad, Russ­land, die schii­ti­schen und pro-ira­ni­schen Mili­zen einer­seits “über die Köp­fe” des tür­ki­schen Mili­tärs sprin­gen und sich ande­rer­seits der tür­ki­schen Gren­ze nähern. Bei­des wäre für Russ­land und die Tür­kei äußerst unan­ge­nehm.

Man muss sagen, dass die Tür­kei den Dro­hun­gen und dem Druck Russ­lands, des Iran und Assads in nichts nach­steht. Dut­zen­de Kriegs­ge­rä­te, dar­un­ter auch Pan­zer, wur­den an die syri­sche Gren­ze ver­legt. Die Zahl der Trup­pen an den zwölf Kon­troll­punk­ten in Idlib steigt wei­ter. Anka­ra erhöht nicht nur sei­ne Prä­senz, son­dern lässt auch im benach­bar­ten Tall Rif­aat die Mus­keln spie­len, wo eben­falls die rus­si­sche Mili­tär­po­li­zei sta­tio­niert ist. Am 13. Sep­tem­ber bom­bar­dier­te die tür­ki­sche Luft­waf­fe Posi­tio­nen der kur­di­schen YPG. Vor ein paar Tagen zitier­te die Agen­tur Reu­ters einen hohen Beam­ten in Anka­ra, der erklär­te, dass Assads Angriff auf Idlib als Angriff auf die Tür­kei betrach­tet wer­den wür­de.

Trotz der US-Sank­tio­nen ist Erdoğan gezwun­gen, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten um Unter­stüt­zung zu bit­ten

Es ist bemer­kens­wert, dass Erdoğan, der wegen der Erobe­rung von Ost-Ghu­ta und Dar­aa durch die syri­sche Regie­rung nicht beson­ders wütend war, den­noch Idlib als eigent­li­ches geo­po­li­ti­sches Kern­ge­biet der Tür­kei her­vor­hob. Anka­ra sitzt als Mit­glied sowohl der NATO als auch des “Asta­na-Drei­ecks” zwi­schen den Stüh­len. Trotz der US-Sank­tio­nen ist Erdoğan gezwun­gen, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und sogar Deutsch­land um Unter­stüt­zung zu bit­ten. Drei der Staa­ten sind offi­zi­ell, Ber­lin infor­mell bereit, Rake­ten­schlä­ge gegen Assad durch­zu­füh­ren, falls er Idlib zurück­er­obert. Ein che­mi­scher Angriff wäre nur ein vor­ge­scho­be­ner Anlass für solch einen NATO-Aggres­si­ons­akt.

Da die Inter­es­sen Russ­lands und des Iran einer­seits und der Tür­kei und der NATO ande­rer­seits dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt sind, schließt nie­mand die Mög­lich­keit einer huma­ni­tä­ren Kata­stro­phe aus. Nach Schät­zun­gen der UNO könn­ten min­des­tens 700.000 Men­schen Flücht­lin­ge wer­den und in die Tür­kei und wei­ter nach Euro­pa drän­gen. In Tehe­ran spra­chen Putin und Roha­ni auch über die Not­wen­dig­keit, die Zivil­be­völ­ke­rung in Tehe­ran zu schüt­zen.

Anka­ra und Mos­kau könn­ten in letz­ter Minu­te eine tak­ti­sche Lösung fin­den

Trotz des Mus­kel­spiels könn­ten Anka­ra und Mos­kau in letz­ter Minu­te doch eine tak­ti­sche Lösung fin­den. Die Offen­si­ve wür­de sich aus­schließ­lich auf die Posi­tio­nen von HTS und die des IS beschrän­ken, die der tür­ki­sche Geheim­dienst noch auf­klä­ren sol­le. Obwohl die­se Auf­ga­be in der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on sehr schwer rea­li­sier­bar zu sein scheint. Denn auch wenn die­ser Deal erreicht wer­den soll­te, könn­te nur von einem vor­über­ge­hen­den Abkom­men die Rede sein. Nach­dem Assad die Ter­ro­ris­ten ver­nich­tet hat, wird er frü­her oder spä­ter den Rest von Idlib bean­spru­chen.

Als alter­na­ti­ve Opti­on kann man sich auch ein tür­kisch-ame­ri­ka­ni­sches Zusam­men­spiel vor­stel­len. Dafür wür­den Anka­ra und Washing­ton für eine Wei­le ihre Wider­sprü­che ver­ges­sen, um ein gemein­sa­mes Ziel zu errei­chen – die Auf­recht­erhal­tung eines Anti-Assad-Zen­trums im dicht besie­del­ten Teil Syri­ens. Obwohl Erdoğan die USA in Syri­en als desta­bi­li­sie­rend in jeder Hin­sicht ent­larv­te, benö­tigt er in die­ser Pha­se des Kon­flikts drin­gend den Druck des Pen­ta­gon auf Assad und sei­ne Ver­bün­de­ten, um sie davon abzu­hal­ten, in Idlib ein­zu­mar­schie­ren.

Die Schlacht um Idlib wird wahr­schein­lich die größ­te in der Geschich­te Syri­ens sein

Wie die­se Macht- und diplo­ma­ti­schen Spie­le enden wer­den, hängt von den Ver­hand­lun­gen ab, von denen der Groß­teil hin­ter den Kulis­sen geführt wird. Nur eines ist klar : Die Schlacht um Idlib wird wahr­schein­lich die größ­te in der Geschich­te Syri­ens sein und sowohl das Asta­na-For­mat als auch den Ein­fluss der Tür­kei in Syri­en aufs Spiel set­zen. Die USA ver­lie­ren im Gro­ßen und Gan­zen nichts. Sie haben die Kur­den, den öst­li­chen Euphrat und das Öl.

Mehr zum The­ma — Ser­gei Law­row in Ber­lin : Klar­text zu Syri­en und Ukrai­ne-Kon­flikt

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