Krim-Beitritt, Sahra Wagenknecht, Venezuela : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


von Tho­mas Schwarz

Einer der lang­le­bi­gen Medi­en­skan­da­le unse­rer Zeit ist der Umgang mit dem Bei­tritt der Krim zur Rus­si­schen Föde­ra­ti­on, der sich in die­ser Woche zum fünf­ten Mal jährt. Die­ser Skan­dal besteht nicht nur in der ver­zerr­ten Dar­stel­lung des Vor­gangs als “Anne­xi­on” oder gar als “Besat­zung”. Zusätz­lich dazu wer­den durch absur­de Gleich­stel­lun­gen monu­men­ta­le Kriegs­ver­bre­chen rela­ti­viert : So ist es für vie­le deut­sche Redak­teu­re nor­mal, die Hun­dert­tau­sen­den Toten der Krie­ge gegen Afgha­ni­stan, Irak, Liby­en und Syri­en mit der unblu­ti­gen rus­si­schen “Anne­xi­on” der Krim mora­lisch auf­zu­wie­gen – min­des­tens : Man­che Medi­en gehen so weit, beim Ver­gleich zwi­schen rus­si­scher und west­li­cher Außen­po­li­tik einen mora­li­schen Vor­sprung auf west­li­cher Sei­te zu sug­ge­rie­ren.

Ris­se in der Krim-Pro­pa­gan­da

Den fünf­ten Jah­res­tag woll­te man da nicht ver­strei­chen las­sen, ohne medi­al nach­zu­le­gen. Das ist aus Sicht der gro­ßen Medi­en wich­tig, da sich ohne Fort­füh­rung der Kam­pa­gne mit der Zeit unauf­halt­sam eine rea­lis­ti­sche Sicht durch­set­zen wür­de. Ris­se in der west­lich-mono­li­thi­schen Dar­stel­lung des Kon­flik­tes haben sich schon län­ger auf­ge­tan – es ist eini­gen weni­gen Ein­zel­per­so­nen hoch anzu­rech­nen, dass sie eine Schmutz-Kam­pa­gne gegen ihre Per­son ris­kie­ren, indem sie sich den mas­si­ven Mani­pu­la­tio­nen rund um die Vor­gän­ge des Ukrai­ne-Put­sches und dem dar­aus fol­gen­den Krim-Bei­tritt ent­ge­gen­stel­len.

Eine jener Per­so­nen ist der ehe­ma­li­ge Kohl-Bera­ter Horst Teltschik. Teltschik äußert sich zwar lang­fris­tig auch wider­sprüch­lich bis destruk­tiv zum deutsch-rus­si­schen Ver­hält­nis, doch in einem kürz­lich erschie­ne­nen Inter­view mit dem Spie­gel hat er im bemer­kens­wer­ten Klar­text die ukrai­ni­schen Poli­ti­ker als “Lum­pen” bezeich­net und die Hys­te­rie um die Krim stark rela­ti­viert. Das kann Paul “Stahl­helm” Ron­zhei­mer von der Bild-Zei­tung nicht durch­ge­hen las­sen, wie er auf Twit­ter ver­brei­tet :

Man kann von Glück reden, dass Horst Teltschik heu­te nicht mehr in der Poli­tik mit­mischt. Annek­ti­on der Krim ? Ja, schon irgend­wie, aber die ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten sind “Lum­pen”. Gefähr­li­che Rela­ti­vie­run­gen des ehe­ma­li­gen Kohl-Bera­ters. 

Kri­tik­lo­se Büh­ne für ukrai­ni­schen Bot­schaf­ter

In eine ähn­li­che Ker­be schlägt bekann­ter­ma­ßen auch der Spie­gel, der in einem Arti­kel schreibt : “Wie die Krim Putin ver­schluck­te. Vor fünf Jah­ren begann Wla­di­mir Putin, Krieg und Gewalt in den Osten der Ukrai­ne zu tra­gen. Die Ent­schei­dung hat den Kreml­chef, die Rus­sen und ihren Staat ver­än­dert.” Und der Deutsch­land­funk bie­tet dem Bot­schaf­ter der Ukrai­ne, Andrij Mel­nyk, ein kri­tik­lo­ses Forum, in dem er etwa fol­gen­den Unsinn unwi­der­spro­chen abson­dern darf :

Die Krim ist eine offe­ne Wun­de, eine blu­ten­de Wun­de, denn in die­sen fünf Jah­ren ver­wan­del­te die rus­si­sche Besat­zungs­macht die Halb­in­sel in eine Zone der Gewalt­herr­schaft und Recht­lo­sig­keit. Die Men­schen­rech­te wer­den buch­stäb­lich mit FSB-Füßen bru­tal getre­ten. Die Krim­ta­ta­ren, eine gro­ße Min­der­heit, wer­den ver­folgt, fast wie zu Sta­lin-Zei­ten.”

Dass Mel­nyk sol­che Pro­pa­gan­da ver­brei­tet, ver­wun­dert nicht – das ist sein Job. Wer aller­dings sei­nen Job in dem Gespräch sträf­lich ver­nach­läs­sigt, ist der Inter­view­er Chris­toph Hei­ne­mann. Sein Sen­der Deutsch­land­funk ver­brei­te­te noch wei­te­re Ver­zer­run­gen zum The­ma, etwa zur anste­hen­den Wahl in der Ukrai­ne : “Wenn die Par­la­men­ta­ri­er in Kiew davon spre­chen, dass Prä­si­dent Putin zwang­haft ver­su­che, die Ukrai­ne unter Kon­trol­le zu bekom­men, dann ist das nicht über­trie­ben, meint Kor­re­spon­dent Tho­mas Fran­ke im Deutsch­land­funk Kul­tur.” Fran­ke fährt fort :

Die Ukrai­ne muss­te aus Sicht der rus­si­schen Regie­rung im Cha­os ver­sin­ken. Man muss­te sagen, das han­delt sich um einen faschis­ti­schen Putsch, der US-gesteu­ert ist, auch um die eige­ne Oppo­si­ti­on zu unter­drü­cken und sie vor allen Din­gen im eige­nen Land zu dis­kre­di­tie­ren.

Medi­en, Think-Tanks, Stu­di­en : Die geball­te anti­rus­si­sche Mei­nungs­ma­che

Flan­kie­rend zur Krim-Bericht­erstat­tung konn­te man in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit einen wah­ren Rei­gen an Bei­trä­gen über “rus­si­sche Fehl­in­for­ma­tio­nen” beob­ach­ten. Zum Bei­spiel in den gro­ßen Medi­en : So fragt die Bild-Zei­tung aktu­ell : “War­um tut Goog­le nichts gegen Putins Pro­pa­gan­da?” Der Spie­gel hofier­te kürz­lich die anti­rus­si­schen Info-Akti­vis­ten des Mos­kau­er Por­tals The Insi­der. Und bereits in der ver­gan­ge­nen Woche schei­ter­te ein­mal mehr der ARD-Fak­ten­fin­der beim Fak­ten­fin­den zur Skri­pal-Affä­re :

Als Quel­len nutz­ten RT und Sput­nik auch Autoren von rech­ten Online-Pro­jek­ten, die bei­spiels­wei­se behaup­te­ten, die Ver­gif­tung von Skri­pal habe gar nicht statt­ge­fun­den und sei ein ‘Hoax’, die Vor­la­ge dafür sei ein Fern­seh­dra­ma gewe­sen. Eine wei­te­re beson­ders bizar­re Theo­rie besag­te, dass Ser­gei Skri­pal abhän­gig von Nowit­schok gewe­sen sei und eine Über­do­sis ein­ge­nom­men habe.”

Die alte Lei­er – Putin und die Rech­ten

Zu die­sen “nor­ma­len” Medi­en­bei­trä­gen gesell­ten sich “Stu­di­en” oder ande­re Medi­en­pro­jek­te ein­schlä­gi­ger Think-Tanks. So ver­öf­fent­licht die Web­sei­te EU vs. Dis­in­fo per­ma­nent skan­da­lös gefärb­te “Infor­ma­tio­nen” zu “rus­si­scher Des­in­for­ma­ti­on”. Und das “Kings Col­le­ge” aus Lon­don steu­er­te eine eige­ne “Unter­su­chung” bei, mit dem Titel “Nach­rich­ten als Waf­fe – RT, Sput­nik und ziel­ge­rich­te­te Des­in­for­ma­ti­on”. Als “russ­land-kri­ti­scher” Mini-Think-Tank spielt sich die Zei­tung taz schon lan­ge auf. Nun haben die Redak­teu­re auch das pas­sen­de “Dos­sier” zu die­sem etwas lächer­lich hoch­ge­grif­fe­nen Anspruch ver­fasst : “Putins blaue Hel­fer. Vie­le Rechts­po­pu­lis­ten suchen die Nähe zu Mos­kau. AfD-Poli­ti­kern bringt das Öffent­lich­keit und Auf­wer­tung. Und Russ­land hofft auf die Schwä­chung der EU.” Dass die Sache zwi­schen Putin und den deut­schen Rech­ten nicht gar so ein­fach ist, hät­ten die Redak­teu­re bei den Nach­denk­sei­ten nach­le­sen kön­nen :

Für vie­le gro­ße Medi­en ist aus­ge­macht : Russ­land unter­stützt die Rechts­po­pu­lis­ten, um Euro­pa ‘zu spal­ten’. Doch was den­ken Akteu­re der ‘Putin-Par­tei’ tat­säch­lich über AfD und Front Natio­nal ? Eine pro­mi­nen­te rus­si­sche Poli­ti­ke­rin hat nun ein­dring­lich vor den Kon­tak­ten mit Rech­ten gewarnt, da die­se den rus­si­schen Inter­es­sen zuwi­der­lie­fen. Der auf­schluss­rei­che Bei­trag wider­spricht der Deu­tung von der rus­si­schen Begeis­te­rung für Rechts­po­pu­lis­mus.”

Sah­ra Wagen­knecht – Der Rück­zug und die Pro­pa­gan­da

Sah­ra Wagen­knechts ange­kün­dig­ter Rück­zug aus der ers­ten Rei­he der Links­par­tei und der sozia­len Bewe­gung “Auf­ste­hen” muss als betrüb­li­cher, aber – ange­sichts von Par­tei-Mob­bing und Bur­nout – nach­voll­zieh­ba­rer Schritt bezeich­net wer­den. Im Gegen­satz zur weit­ge­hend unse­riö­sen bis bös­ar­ti­gen Kom­men­tie­rung in den deut­schen Medi­en hat der LIN­KEN-Poli­ti­ker Fabio De Masi in einer Face­book-Nach­richt tref­fend geschrie­ben :

Es lässt sich kei­ne gerech­te­re Gesell­schaft bau­en, wenn man von innen ver­här­tet ist und sich unver­zicht­bar fühlt. Nur wer wie Sah­ra die eige­nen Gren­zen erkennt – und was im Leben wirk­lich zählt – ist wirk­lich frei. Man erkennt an Tagen wie die­sen auch sehr schnell, wer über Cha­rak­ter ver­fügt. Es ist die Iro­nie der Geschich­te, dass der Frak­ti­ons­chef der ‘Ellen­bo­gen FDP’ – Chris­ti­an Lind­ner – Sah­ra gute Bes­se­rung wünscht und zumin­dest hier sozia­ler unter­wegs ist als eini­ge Genos­sin­nen und Genos­sen, bei denen jetzt die Sekt­kor­ken knal­len. Aber dar­über kann man auch mil­de lächeln, wenn man das mit dem Spie­gel beher­zigt.”

Die Nach­denk­sei­ten ana­ly­sie­ren die Bericht­erstat­tung zu Wagen­knecht fol­gen­der­ma­ßen :

Fol­gen­de Punk­te ste­chen her­vor : Das öffent­li­che und unbe­grün­de­te Anzwei­feln der von Wagen­knecht ange­führ­ten gesund­heit­li­chen Grün­de, das früh­zei­ti­ge Jubeln über ein ‘Aus’ der Samm­lungs­be­we­gung ‘Auf­ste­hen’, irri­ge Ansich­ten über nun ‘bes­se­re’ Chan­cen für Rot-Rot-Grün und eine ver­früh­te Freu­de über ein Ende des Gra­ben­kamp­fes in der Links­par­tei. Zudem ist fest­zu­stel­len, dass die beson­ders frag­wür­di­gen Kom­men­ta­re von Poli­ti­kern und nicht von Redak­teu­ren stam­men.”

Die taz beson­ders schä­big

Neben den Partei-“Freunden” und den gro­ßen Medi­en hat sich die taz in meh­re­ren Bei­trä­gen beson­ders schä­big gegen Wagen­knecht posi­tio­niert : So sei “Auf­ste­hen” doch “von Anfang an ein Ego­pro­jekt” gewe­sen : “Sah­ra Wagen­knecht hat ‘Auf­ste­hen’ genutzt, solan­ge es Auf­merk­sam­keit gene­rier­te. Jetzt ent­sorgt sie die Bewe­gung auf schä­bi­ge Wei­se”, so die taz. Die Zei­tung schreckt nicht mal davor zurück, die Krank­heit Wagen­knechts indi­rekt in Zwei­fel zu zie­hen :

Dass ihr Rück­zug von der Frak­ti­ons­spit­ze mit die­sem poli­ti­schen Schei­tern zusam­men­hängt, liegt auf der Hand – auch wenn Wagen­knecht selbst per­sön­li­che Über­las­tung und ihre gera­de über­stan­de­ne Krank­heit ins Feld führt. Ein schlüs­si­ger Grund, aber auch eine will­kom­me­ne Brü­cke.”

Die Zeit hofft – mög­li­cher­wei­se ver­früht – nun auf ein schnel­les Ende von “Auf­ste­hen”: “Sie ist weg, und das ist auch gut so. Mit Sah­ra Wagen­knecht ver­liert die Samm­lungs­be­we­gung Auf­ste­hen ihr bekann­tes­tes Gesicht. Das ist kein Ver­lust : Als lin­ke Inte­gra­ti­ons­fi­gur ist sie voll­kom­men unge­eig­net.” Dass sich die Welt die­ser Hoff­nung anschließt, ist nicht ver­wun­der­lich : Dem­nach sind nun Lafon­tai­ne und Wagen­knecht “bei­de geschei­tert” und die Samm­lungs­be­we­gung ein “Rohr­kre­pie­rer”. Der Tages­spie­gel fürch­tet, die nun wie­der “freie Radi­ka­le” Wagen­knecht habe bald wie­der mehr Ener­gie für ihre “poli­ti­schen Quer­schüs­se”.

Bei sol­chen Partei-“Freunden” braucht Wagen­knecht kei­ne Fein­de mehr

Noch gif­ti­ger als die gro­ßen Medi­en haben sich aber diver­se Poli­ti­ker geäu­ßert. So schrieb Johan­nes Kahrs (SPD) auf Twit­ter : “Wagen­knecht bleibt lie­gen. Will nicht mehr auf­ste­hen. Die Arbeit sol­len jetzt ande­re machen.” Simon Vaut (SPD) sprach von einer “guten Nach­richt” und füg­te an, Wagen­knechts “natio­na­ler Sozia­lis­mus” sei schäd­lich und Rot-Rot-Grün sei nun ein biss­chen wahr­schein­li­cher gewor­den.

Dem stan­den eini­ge Töne aus der Links­par­tei in nichts nach. Der lin­ke Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und ehe­ma­li­ge Schatz­meis­ter der Par­tei, Tho­mas Nord, sag­te dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND): “Die Art und Wei­se, wie sich Wagen­knecht von Auf­ste­hen ver­ab­schie­det, zeigt, wie wenig Respekt sie vor Leu­ten hat, die ihr nicht mehr nütz­lich erschei­nen. Wenn sie wei­ter ihr eige­nes Süpp­chen kocht, dann wer­de ich sie auch wei­ter kri­ti­sie­ren. Das hat nichts mit Nach­kar­ten zu tun. Die Par­tei muss sich selbst ernst neh­men.” Und die Ber­li­ner Lan­des­vor­sit­zen­de der Links­par­tei, Kati­na Schu­bert sag­te : “Ich neh­me das ver­wun­dert zur Kennt­nis und hof­fe, dass sich jetzt nicht die Men­schen, die tat­säch­lich Hoff­nung in das Pro­jekt gesetzt haben, von der Poli­tik abwen­den. Man darf nicht mit Men­schen und ihren Erwar­tun­gen spie­len.”

Schlamm­schlacht gegen Wagen­knecht

Doch nicht alle Stim­men las­sen die Empa­thie ver­mis­sen. So erin­nert Tim Her­den beim MDR an die Atta­cken gegen Wagen­knecht beim letz­ten Par­tei­tag :

Noch heu­te erschüt­tert mich im Rück­blick das Tri­bu­nal gegen Sah­ra Wagen­knecht auf dem Leip­zi­ger Par­tei­tag im ver­gan­ge­nen Jahr. Wagen­knecht wur­de von Funk­tio­nä­ren der Par­tei für ihre Kri­tik an der Flücht­lings­po­li­tik öffent­lich an den Pran­ger gestellt. Neben der Pflicht des Jour­na­lis­ten zu berich­ten war auch das Gefühl des Fremd­schä­mens, wie eine Par­tei mit ihrer Spit­zen­ge­nos­sin umgeht und eine Par­tei­spit­ze dies zulässt.”

Rief der Links­par­tei-Chef zum Mob­bing auf ?

Die­se Berich­te über inter­nes Mob­bing und den ange­kün­dig­ten Rück­zug las­sen wie­der­um an ein Zitat des LIN­KEN-Chefs Bernd Riex­in­ger von 2017 den­ken, an das Jens Ber­ger auf den Nach­denk­sei­ten erin­nert hat :

Sah­ra ist lei­der nicht auf­zu­hal­ten als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de. Man kann sie nicht ein­fach abschie­ßen. Sah­ra muss gegan­gen wer­den und dar­an arbei­ten wir. Wenn wir sie immer wie­der abwat­schen und sie merkt, sie kommt mit ihren Posi­tio­nen nicht durch, wird sie sicher von allei­ne gehen.”

Wel­che Per­so­nen in der Links­par­tei die­ser Mob­bing-Auf­for­de­rung angeb­lich Fol­ge geleis­tet haben, das lis­tet ein Insi­der in der Bild-Zei­tung auf :

Die Stim­mung in der Frak­ti­on ist uner­träg­lich. Der Mob­bing-Ter­ror gegen Wagen­knecht und Dagde­len geht auf kei­ne Kuh­haut. In der Frak­ti­on zie­hen Bernd Riex­in­ger, Kat­ja Kip­ping, Caren Lay, Anke Dom­scheit-Berg, Sabi­ne Lei­dig, Cor­ne­lia Möh­ring und Mar­ti­na Ren­ner per­ma­nent über sie her.”

Vene­zue­la : Scha­den­freu­de und Sabo­ta­ge

Beim seit Wochen domi­nie­ren­den The­ma Vene­zue­la gibt es drei Ent­wick­lun­gen. Zum einen die Fort­füh­rung der skan­da­lö­sen Pro­pa­gan­da für einen Sturz des Prä­si­den­ten Nicolás Madu­ro. Die­se Linie reprä­sen­tiert unter zahl­rei­chen ande­ren gro­ßen Medi­en etwa der Spie­gel, wenn er mit kaum ver­hoh­le­ner Scha­den­freu­de ver­mel­det, Vene­zue­la sei nach dem dubio­sen Strom­aus­fall “zurück in der Stein­zeit”. Madu­ros “im Volk belieb­ter Wider­sa­cher Guai­dó” wür­de “Miss­wirt­schaft, man­geln­de War­tung und Kor­rup­ti­on” für den Strom­aus­fall ver­ant­wort­lich machen, so der Spie­gel. Und das Maga­zin behaup­tet ein­fach mal : “Die meis­ten Exper­ten stim­men ihm zu.” Dass der Strom­aus­fall mut­maß­lich auf Sabo­ta­ge zurück­zu­füh­ren ist, erscheint in den meis­ten Arti­keln nur als absur­de Ver­schwö­rungs­theo­rie der Regie­rung.

Eine ande­re Ent­wick­lung ist eine bemer­kens­wer­te Absatz­be­we­gung der New York Times von der US-Pro­pa­gan­da zu Vene­zue­la. Die Zei­tung greift etwa die offi­zi­el­le Ver­si­on der “durch die Regie­rung in Brand geschos­se­nen” Hilfs­lie­fe­run­gen an. Bei dem The­ma sind die Redak­teu­re offen­sicht­lich hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen ihren Anti­pa­thi­en gegen Trump einer­seits und jenen gegen Madu­ro ande­rer­seits.

Chi­na reicht Vene­zue­la die Hand

Eine drit­te Ent­wick­lung beleuch­tet die sonst eher ver­steck­te, aber wohl durch­aus essen­zi­el­le Rol­le Chi­nas im Kampf um Vene­zue­la. So ver­mel­det das Medi­um Nik­kei Asi­an Review, dass Chi­na Hil­fe bei der Bewäl­ti­gung des Zusam­men­bruchs der vene­zo­la­ni­schen Strom­ver­sor­gung leis­ten wol­le und Sabo­ta­ge am Werk sieht :

Chi­na hat ange­bo­ten, Vene­zue­la bei der Wie­der­her­stel­lung sei­nes zusam­men­ge­bro­che­nen Strom­net­zes zu hel­fen, und unter­stützt gleich­zei­tig die Behaup­tung von Prä­si­dent Nicolás Madu­ro, dass die Strom­aus­fäl­le durch Sabo­ta­ge ver­ur­sacht wur­den. ‘Chi­na ist bereit, Hil­fe und tech­ni­sche Unter­stüt­zung für die Wie­der­her­stel­lung des Strom­sys­tems zu leis­ten’, sag­te der Spre­cher des Außen­mi­nis­te­ri­ums, Lu Kang, am Mitt­woch vor Jour­na­lis­ten in Peking. ‘Wir sind besorgt, dass der Unfall durch einen Cyber­an­griff auf das vene­zo­la­ni­sche Strom­netz ver­ur­sacht wur­de’, sag­te Lu. ‘Wir hof­fen, dass die vene­zo­la­ni­sche Sei­te die Ursa­che des Unfalls so schnell wie mög­lich her­aus­fin­den und die nor­ma­le Strom­ver­sor­gung und sozia­le Ord­nung wie­der­her­stel­len wird.’ ”

Jens Ber­ger hat zu die­sem Vor­gang ange­merkt :

Tech­ni­sche Hil­fe für ‘Ame­ri­kas Hin­ter­hof’. Die geo­stra­te­gi­schen Kar­ten wer­den zur Zeit neu gemischt und der Wes­ten ver­liert von Tag zu Tag sei­nen selbst auf­ge­stell­ten mora­li­schen Anspruch. Wäh­rend die USA und eine von Deutsch­land ange­führ­te EU die Faust bal­len und mit Gewalt dro­hen, reicht Chi­na die hel­fen­de Hand.”

Jah­res­tag des Koso­vo­kriegs : Mani­pu­la­ti­on durch Ver­schwei­gen

Das letz­te The­ma soll einen Aspekt behan­deln, der weit in der Ver­gan­gen­heit liegt, des­sen bal­di­ger 20. Jah­res­tag aber aktu­ell mit star­ken media­len Mani­pu­la­tio­nen ver­bun­den ist : der Krieg der NATO gegen Jugo­sla­wi­en um das Koso­vo. Die media­le Ver­zer­rung äußert sich hier vor allem durch Ver­schwei­gen – so wird die Ent­ste­hung, der Ver­lauf und die vor­be­rei­ten­de Medi­en­kam­pa­gne nicht the­ma­ti­siert. Wer den Koso­vo­krieg also ver­ste­hen möch­te, ist auf die sehr infor­ma­ti­ve Rei­he von RT dazu ange­wie­sen (hier, hier oder hier), oder etwa auf einen kürz­li­chen Bericht der Nach­denk­sei­ten :

Als am 24. März 1999 die Bom­ben der NATO-Flug­zeu­ge auf Ser­bi­en/­Rest-Jugo­sla­wi­en nie­der­gin­gen, war eine ande­re Schlacht bereits geschla­gen wor­den : die gegen die rea­lis­ti­sche Dar­stel­lung des Kon­flikts um das Koso­vo. Die Pro­pa­gan­da, die von zahl­rei­chen deut­schen Redak­teu­ren und Poli­ti­kern zur Ver­zer­rung der Sicht auf Ser­bi­en, auf die ‘Befrei­ungs­ar­mee des Koso­vo’ (UÇK) und den ser­bi­schen Prä­si­den­ten Slo­bo­dan Miloše­vić auf­ge­wen­det wur­de, kann als ein Höhe­punkt der Mani­pu­la­ti­on durch Mas­sen­me­di­en bezeich­net wer­den (…) Die Mei­nungs­ma­che vor den Bom­bar­die­run­gen war erfolg­reich : Trotz des ille­ga­len Angriffs­cha­rak­ters des Koso­vo­krie­ges stimm­te der Bun­des­tag einer Betei­li­gung am 16. Okto­ber 1998 zu. Ihre Zustim­mung ver­wei­gert haben unter ande­rem Oskar Lafon­tai­ne, Gre­gor Gysi, Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger und Wil­ly Wim­mer.”

Mehr zum The­ma — 20 Jah­re seit NATO-Angriffs­krieg gegen Jugo­sla­wi­en : Ter­ror-Paten und die letz­te Chan­ce

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

RT Deutsch


Sacharowa : Stromausfall in Venezuela von außen arrangiert


Die unmit­tel­ba­ren Voll­stre­cker der Aggres­si­on wuss­ten Bescheid über “alle Algo­rith­men und Schwach­stel­len” des vene­zo­la­ni­schen Strom­net­zes, füg­te sie hin­zu. “Genau die­se Men­schen sowie die Ver­ur­sa­cher der Sabo­ta­ge tra­gen die Ver­ant­wor­tung für den Tod der Men­schen, auch der­je­ni­gen, die in Kran­ken­häu­sern ohne Strom­ver­sor­gung star­ben”.

Sach­a­ro­wa beton­te, dass Atta­cken auf lebens­wich­ti­ge Infra­struk­tur­ob­jek­te vom Wes­ten in “hybri­den Krie­gen” oft ver­wen­det wer­den.

Mehr zum The­ma — Strom­aus­fall in Vene­zue­la : Schü­ler und Arbei­ter blei­ben zu Hau­se

RT Deutsch


Venezuela plant militärische Maßnahmen zum Schutz strategischer Einrichtungen


Nach einer Rei­he von Strom­aus­fäl­len im Land wer­den die vene­zo­la­ni­schen Streit­kräf­te Übun­gen zum Schutz stra­te­gi­scher Ein­rich­tun­gen durch­füh­ren, so Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Padri­no López am Mitt­woch. Auf sei­nem offi­zi­el­len Twit­ter-Kanal schrieb er :

Um den Sieg unse­res Vol­kes ange­sichts der Aggres­si­on gegen die natio­na­le Strom­ver­sor­gung zu sichern, hat Prä­si­dent Nicolás Madu­ro die natio­na­len boli­va­ria­ni­schen Streit­kräf­te (FANB) ange­wie­sen, an die­sem Sams­tag und Sonn­tag die ‘Ana Kari­na Rote’-Übungen durch­zu­füh­ren, um die Men­schen und stra­te­gi­sche Anla­gen zu schüt­zen.

Am 7. März waren min­des­tens 20 der 23 vene­zo­la­ni­schen Bun­des­staa­ten ohne Strom. Vene­zue­las staat­li­ches Ener­gie­un­ter­neh­men Cor­poelec ver­kün­de­te, dass der Strom­aus­fall durch einen Unfall im Was­ser­kraft­werk Simon Boli­var ver­ur­sacht wur­de. Exper­ten sagen, dass der Unfall in sei­nem Aus­maß bei­spiel­los gewe­sen sei.

Am Don­ners­tag erklär­te der vene­zo­la­ni­sche Minis­ter für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Infor­ma­ti­on Jor­ge Rodríguez, dass die Strom­ver­sor­gung auf dem gesam­ten Ter­ri­to­ri­um des Lan­des wie­der­her­ge­stellt wor­den sei.

RT Deutsch


Regierung spricht von Anschlag : Mehrere Öltanks in Venezuela explodiert


Zeit­gleich mit der Wie­der­her­stel­lung der Strom- und Was­ser­ver­sor­gung in Vene­zue­la sind im Osten des Lan­des zwei Erd­öl­tanks explo­diert. Die Regie­rung spricht von einem neu­en Anschlag auf die Ener­gie-Infra­struk­tur des Lan­des. Wie der vene­zo­la­ni­sche Erd­öl­mi­nis­ter Manu­el Que­ve­do auf Twit­ter mit­teil­te, wur­den Erd­öl-Lager­tanks der Anla­ge Petro San Félix im Ori­no­ko-Gür­tel ange­grif­fen. Fotos zei­gen die bren­nen­den oder bereits aus­ge­brann­ten Tanks.

Que­ve­do teil­te kei­ne Ein­zel­hei­ten über den Umfang der Schä­den mit, benann­te aber klar die aus sei­ner Sicht Ver­ant­wort­li­chen : den US-Sena­tor Mar­co Rubio und den vene­zo­la­ni­schen Abge­ord­ne­ten und selbst­er­nann­ten Über­gangs­prä­si­den­ten Juan Guai­dó. Opfer soll es bei den Explo­sio­nen und den sich anschlie­ßen­den Brän­den nicht gege­ben haben.

Mehr zum The­ma — Regie­rung : Strom­ver­sor­gung in Vene­zue­la kom­plett wie­der­her­ge­stellt

Der Minis­ter rich­te­te auf Twit­ter schwe­re Vor­wür­fe gegen die USA, die­se woll­ten Vene­zue­la — im Gegen­zug für ihre gewalt­tä­ti­ge Unter­stüt­zung für Guai­dó — sei­ner Res­sour­cen berau­ben :

Die Grin­gos wol­len kei­nen öko­no­mi­schen Aus­tausch, sie wol­len Vene­zue­la sei­ner natür­li­chen Res­sour­cen berau­ben, sie wol­len die Ölfel­der. Für die Vene­zo­la­ner emp­fin­den sie Ver­ach­tung!!!

Seit dem 7. März ist Vene­zue­la zur Ziel­schei­be einer Rei­he von Cyber-Atta­cken, so auf das Was­ser­kraft­werk El Guri, gewor­den. Die Regie­rung Vene­zue­las erklär­te, dass die­se Sabo­ta­ge­ak­te mit einer Tech­no­lo­gie durch­ge­führt wur­den, über die nur die USA ver­füg­ten. Das Ziel sei gewe­sen, durch die Her­bei­füh­rung eines lan­des­wei­ten Strom­aus­falls Unzu­frie­den­heit zu schü­ren und die Stim­mung der Vene­zo­la­ner gegen den Prä­si­den­ten Nicolás Madu­ro zu wen­den.

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USA ziehen restliche US-Diplomaten aus Venezuela ab


Abge­se­hen von der tie­fen poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Kri­se lei­det Vene­zue­la seit Tagen an mas­si­ven Strom­aus­fäl­len. Die Regie­rung von Staats­chef Nicolás Madu­ro macht dafür einen von den USA geplan­ten Hacker­an­griff ver­ant­wort­lich. Der selbst ernann­te Über­gangs­prä­si­dent Juan Guai­dó spricht hin­ge­gen von feh­len­der War­tung, Kor­rup­ti­on und Miss­ma­nage­ment.

Madu­ro hat­te im Janu­ar die diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen zu den USA abge­bro­chen. Er reagier­te damit auf die Unter­stüt­zung Washing­tons für sei­nen Wider­sa­cher Guai­dó, der sich am 23. Janu­ar zum Inte­rims­prä­si­den­ten erklärt hat­te. Ein Groß­teil des US-Bot­schafts­per­so­nals hat­te dar­auf­hin Vene­zue­la ver­las­sen, eine klei­ne Beset­zung blieb aber in der Bot­schaft in Cara­cas bestehen. (dpa)

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Venezuela : Selbsternannter Präsident Guaidó fordert offen ausländische Militärintervention (Video)


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Ver­schie­de­ne Spit­zen­po­li­ti­ker der Ver­ei­nig­ten Staa­ten geben wei­ter­hin an, bezüg­lich Vene­zue­las lie­gen alle Optio­nen auf dem Tisch. Die Unter­stüt­zung für eine sol­che Akti­on fällt jedoch eher klein aus. Selbst inner­halb der vene­zo­la­ni­schen Oppo­si­ti­on ist eine Inter­ven­ti­on umstrit­ten.

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Stromausfall in Venezuela : Bereits 15 Nierenpatienten gestorben


Der seit Don­ners­tag­abend andau­ern­de lan­des­wei­te Strom­aus­fall in Vene­zue­la hat tra­gi­sche Fol­gen nach sich gezo­gen : Min­des­tens 15 Men­schen kos­te­te er bereits das Leben. Die Regie­rung in Cara­cas geht von einem Cyber­an­griff aus und macht die USA dafür ver­ant­wort­lich.
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Weltbank : Venezuela muss US-Ölkonzern Milliarden-Entschädigung zahlen


Vene­zue­la kann die Ent­schei­dung noch anfech­ten. Bei dem seit über zehn Jah­ren andau­ern­den Streit geht es um die Über­nah­me von Ölfel­dern durch die Regie­rung des dama­li­gen Prä­si­den­ten Hugo Chá­vez. Das Welt­bank-Tri­bu­nal hat­te die Akti­on schon im Jahr 2013 als unrecht­mä­ßi­ge Ent­eig­nung bewer­tet. (dpa)

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