Sea-Watch 3, “Folterstaat” Venezuela, von der Leyen : Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund


von Tho­mas Schwarz

Um das von Wirt­schafts­krieg und Umsturz­ver­su­chen geplag­te Vene­zue­la war es in den ver­gan­ge­nen Wochen rela­tiv ruhig gewor­den. So ruhig, dass man bereits fast an der Ent­schlos­sen­heit und auch an der Fähig­keit der USA zwei­feln konn­te, end­lich wie­der ein­mal im “eige­nen Hin­ter­hof” über Wohl und Wehe von gewähl­ten Regie­run­gen zu bestim­men. In die­ser Woche zeig­te sich : Die­se Ruhe war mut­maß­lich trü­ge­risch – jeden­falls, wenn man die neu­er­li­chen media­len Angrif­fe gegen die Regie­rung Vene­zue­las als Maß­stab nimmt. Denn die haben in den letz­ten Tagen wie­der das gewohn­te Maß erreicht.

UN-Bericht zum “Fol­ter­staat Vene­zue­la”

Bestim­mend waren dabei zwei Vor­gän­ge. Auf der einen Sei­te stand die Rück­kehr des deut­schen Bot­schaf­ters nach Vene­zue­la und eine damit ver­bun­de­ne (vor­schnel­le?) Hoff­nung auf eine (rela­ti­ve) Nor­ma­li­sie­rung der Bezie­hun­gen zwi­schen den Län­dern. Mög­li­cher­wei­se damit im Zusam­men­hang stand aber auf der ande­ren Sei­te eine poli­ti­sche und media­le Offen­si­ve gegen die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung und ihre Sicher­heits­kräf­te. Die­se Offen­si­ve stütz­te sich vor allem auf einen Bericht der UN-Men­schen­rechts­kom­mis­sa­rin Michel­le Bache­let. Dar­in macht sie der Regie­rung Vene­zue­las schwers­te Vor­wür­fe, die etwa das ZDF – wie fast alle gro­ßen Medi­en – über­nom­men hat. Der Sen­der ver­kün­de­te unter der unmiss­ver­ständ­li­chen Über­schrift, “UN-Bericht : Vene­zue­la ist ein Fol­ter­staat”:

Außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tun­gen, Fol­ter, sys­te­ma­ti­sche Unter­drü­ckung der Oppo­si­ti­on und der Ein­satz der Sozi­al­pro­gram­me als Mit­tel der Kon­trol­le : Der Bericht der UN-Men­schen­rechts­kom­mis­sa­rin zur Lage in Vene­zue­la ist ein poli­ti­sches Deba­kel für die sozia­lis­ti­sche Regie­rung von Prä­si­dent Nico­las Madu­ro in Cara­cas.

Zustän­de wie in Syri­en”

Zur (angeb­li­chen) Bestä­ti­gung des Inhalts ver­weist das ZDF auf “renom­mier­te Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen”, die Ähn­li­ches “seit Jah­ren aus und über Vene­zue­la berich­ten” wür­den. Die­ser unkri­ti­schen Hal­tung gegen­über schwers­ten Anschul­di­gun­gen schlos­sen sich fast alle Medi­en an, unter vie­len ande­ren die taz und die Frank­fur­ter Rund­schau. Noch wei­ter als deut­sche Medi­en wag­ten sich aus­län­di­sche Zei­tun­gen vor. So lei­tet die öster­rei­chi­sche Pres­se aus dem Bericht eine “Schre­ckens­herr­schaft des Nicolás Mau­ro” ab. Und für die mexi­ka­ni­sche Zei­tung LA CRONICA DE HOY ist der­weil klar :

In Vene­zue­la wird gefol­tert, und die Ver­ant­wor­tung dafür trägt Nicolás Madu­ro. Die Zah­len aus dem Bericht erin­ner­ten an ein Bür­ger­kriegs­land wie etwa Syri­en. Wie Assad scheut Madu­ro auch nicht davor zurück, auf die eige­ne Bevöl­ke­rung zu schie­ßen.

Die vene­zo­la­ni­sche Zei­tung ANALITICA tritt erstaun­li­cher­wei­se neben­bei den Beweis an, dass die behaup­te­te “Unter­drü­ckung oppo­si­tio­nel­ler Medi­en” anschei­nend noch immer gar kei­ne umfas­sen­de Wir­kung zeigt :

Der Bruch zwi­schen Madu­ro und der über­gro­ßen Mehr­heit der Bevöl­ke­rung ist inzwi­schen voll­stän­dig. Vene­zue­la und Madu­ro pas­sen nicht mehr zuein­an­der. Die Pro­ble­me der Nati­on wer­den nicht von die­sem Régime gelöst wer­den, son­dern sich nur wei­ter ver­schär­fen.

Was sagt denn die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung dazu ?

Und was sagt die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung zu den Vor­wür­fen ? Schwer zu sagen, denn deren kri­ti­sche Stel­lung­nah­me wird, wenn über­haupt, nur selek­tiv und stark ver­kürzt zitiert. Im Gegen­satz zu vie­len ande­ren Medi­en wird die­se Erklä­rung im ZDF wenigs­tens erwähnt, ohne aber die wich­ti­gen Details zu nen­nen :

Die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung hat Ände­run­gen an einem UN-Bericht über Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in ihrem Land ver­langt. Der Bericht von UN-Men­schen­rechts­kom­mis­sa­rin Michel­le Bache­let über Fol­ter, sexu­el­len Miss­brauch und unge­setz­li­che Tötun­gen sei ein­sei­tig und beschrei­be nicht ‘die Wirk­lich­keit in unse­rem Land’, sag­te Vize-Außen­mi­nis­ter Wil­liam Cas­til­lo. Er monier­te schwe­re metho­di­sche Feh­ler und einen Man­gel an Genau­ig­keit.

Wie kam der UN-Bericht eigent­lich zustan­de ?

Wie kam die UN-Kom­mis­sa­rin für Men­schen­rech­te, Michel­le Bache­let, über­haupt zu ihrem ver­nich­ten­den Urteil ? Dazu schreibt die Frank­fur­ter Rund­schau :

Der Bericht Bache­lets grün­det sich im Wesent­li­chen auf ihrem drei­tä­gi­gen Besuch in Vene­zue­la vom 19. bis 21. Juni und Inter­views mit 558 Opfern staat­li­cher Gewalt.

Bache­let hat sich also drei Tage in Vene­zue­la auf­ge­hal­ten und in die­ser Zeit­span­ne das Pen­sum bewäl­tigt, mit etwa 600 “Opfern staat­li­cher Gewalt” zu spre­chen. Inter­es­sant wäre hier, wie dar­aus die ver­zehn­fach­te Zahl von über 5.000 angeb­lich “hin­ge­rich­te­ten” Oppo­si­tio­nel­len wur­de. Und auch, wie Bache­let die Schuld­fra­ge ange­sichts der gewalt­tä­ti­gen Eska­la­tio­nen in Vene­zue­la beant­wor­ten wür­de. Eben­falls inter­es­sant ist, wie der Besuch von Bache­let über­haupt zustan­de kam. Das erfährt man nicht in den gro­ßen Medi­en, son­dern etwa beim Por­tal Ame­ri­ka 21. Dem­nach folg­te die UN-Kom­mis­sa­rin einer Ein­la­dung der Regie­rung Vene­zue­las :

Vene­zue­las Prä­si­dent Nicolás Madu­ro emp­fing Bache­let am Frei­tag im Prä­si­den­ten­pa­last Miraf­lo­res. Die UN-Kom­mis­sa­rin war einer offi­zi­el­len Ein­la­dung der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung gefolgt.

Dazu schrieb Ame­ri­ka 21 :

Die UN-Kom­mis­sa­rin für Men­schen­rech­te, Michel­le Bache­let, hat sich zum Ende ihres drei­tä­gi­gen Besuchs in Vene­zue­la mit einer dif­fe­ren­zier­ten Sicht­wei­se zur aktu­el­len Situa­ti­on in dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Land geäu­ßert. Die ehe­ma­li­ge Prä­si­den­tin Chi­les zeig­te sich nach Tref­fen mit Ver­tre­tern von Regie­rung, Oppo­si­ti­on und Zivil­ge­sell­schaft auf­grund der huma­ni­tä­ren Situa­ti­on des Lan­des besorgt und rief zu einer fried­li­chen Lösung der Kri­se unter Betei­li­gung aller Akteu­re auf. Sie äußer­te jedoch auch mit kla­ren Wor­ten ihre Besorg­nis wegen der nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen durch die ver­häng­ten Wirt­schafts­sank­tio­nen.

Kürz­lich noch lob­te die UN-Kom­mis­sa­rin Vene­zue­las Regie­rung – Wie kam es zu dem radi­ka­len Sin­nes­wan­del ?

Wei­ter­hin lob­te die UN-Kom­mis­sa­rin damals “die Bereit­schaft der Regie­rung, einer Dele­ga­ti­on den Zugang zu Gefäng­nis­sen zu ermög­li­chen, um die Haft­be­din­gun­gen und den gesund­heit­li­chen Zustand der Inhaf­tier­ten ein­schät­zen zu kön­nen”. Gleich­zei­tig pries die UN-Kom­mis­sa­rin die Bemü­hun­gen der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung, mit­tels von Sozi­al­pro­gram­men im Umfang von 75 Pro­zent des Staats­haus­hal­tes den uni­ver­sel­len Zugang der Bevöl­ke­rung zu den sozia­len Grund­rech­ten sicher­zu­stel­len. Die Ursa­chen für die wirt­schaft­li­che Kri­se, die sich seit dem Jahr 2013 dra­ma­tisch ver­schärft habe, sei­en viel­fäl­tig. Besorgt zeig­te sich Bache­let etwa über die jüngs­ten US-Sank­tio­nen gegen den Export von Erd­öl und den Han­del mit Gold, die die öko­no­mi­sche Kri­se nur ver­schärf­ten. 

Das klingt alles erheb­lich aus­ge­wo­ge­ner als das, was Michel­le Bache­let nun der UNO vor­ge­legt hat. Es scheint also zwi­schen dem Besuch des Lan­des und der Vor­la­ge des Berichts ein radi­ka­ler Sin­nes­wan­del bei der UN-Kom­mis­sa­rin statt­ge­fun­den zu haben. Weder die Ein­la­dung durch die Regie­rung noch die zunächst teils posi­ti­ven Äuße­run­gen Bache­lets spie­geln sich in den aktu­el­len Berich­ten wider.

Das Medi­en­ver­sa­gen der Woche : Büh­ne frei für den “demo­kra­ti­schen” Put­schis­ten  

Der wohl unver­schäm­tes­te Medi­en­bei­trag der Woche zum The­ma Vene­zue­la kommt vom Deutsch­land­funk. Das Inter­view mit dem am Putsch von 2002 betei­lig­ten vene­zo­la­ni­schen Ex-Offi­zier Otto Gebau­er zeigt eine skan­da­lö­se Inter­view­füh­rung. Der gestän­di­ge Put­schist darf hier etwa unwi­der­spro­chen die deut­sche LINKE dif­fa­mie­ren und sich als “Demo­krat” bezeich­nen. Die­ses Doku­ment des media­len Total­ver­sa­gens fin­det sich hier.

Wie sich Gebau­er in Deutsch­land als offi­zi­el­ler Ver­tre­ter vene­zo­la­ni­scher Insti­tu­tio­nen auf­spie­len darf, hat­te RT bereits hier beschrie­ben und kom­men­tiert.

Gutes Timing : Soll UN-Bericht Annä­he­rung mit Vene­zue­la brem­sen ?

Wie gesagt : Die­se Medi­en- und UNO-Offen­si­ve ent­fal­tet sich just zu jenem Zeit­punkt, da sich die Bezie­hun­gen zwi­schen eini­gen EU-Län­dern und der recht­mä­ßi­gen Regie­rung Vene­zue­las zu nor­ma­li­sie­ren schie­nen, wie man erneut fast aus­schließ­lich bei Ame­ri­ka 21 nach­le­sen kann :

Ver­tre­ter des deut­schen Aus­wär­ti­gen Amtes haben sich am Mon­tag mit dem vene­zo­la­ni­schen Vize­au­ßen­mi­nis­ter Yván Gil getrof­fen und damit ein ers­tes diplo­ma­ti­sches Zei­chen der Ent­span­nung in Rich­tung der Regie­rung von Nicolás Madu­ro gesetzt. Die­se reagier­te umge­hend und wider­rief die im März getä­tig­te Aus­wei­sung des deut­schen Bot­schaf­ters in Vene­zue­la, Dani­el Krie­ner. Bereits in der ver­gan­ge­nen Woche war der Außen­mi­nis­ter von Vene­zue­la, Jor­ge Arrea­za, mit sei­nen Amts­kol­le­gen aus Spa­ni­en und Por­tu­gal zusam­men­ge­kom­men. Somit schei­nen eini­ge Mit­glieds­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on (EU) von ihrer umstrit­te­nen Hal­tung abzu­rü­cken, den selbst­er­nann­ten Inte­rims­prä­si­den­ten Juan Guai­dó und die von ihm beru­fe­nen Ver­tre­ter als ein­zig legi­ti­mier­te vene­zo­la­ni­sche Gesprächs­part­ner anzu­er­ken­nen.

Man kann nur hof­fen, dass sich die­se EU-Regie­run­gen nun nicht von der aktu­el­len mut­maß­li­chen Kam­pa­gne durch Medi­en, UNO und Poli­tik brem­sen las­sen.

Von der Ley­en : Die EU-Pos­ten und die Kro­ko­dils­trä­nen für die “EU-Demo­kra­tie” 

Wer sich von der etwa hier beschrie­be­nen Show um die EU-Wahl und die “Spit­zen­kan­di­da­ten” hat beein­dru­cken las­sen, für den muss das fol­gen­de Pos­ten­ge­scha­cher und die Nomi­nie­rung Ursu­la von der Ley­ens ein böses Erwa­chen gewe­sen sein. Die­se For­mu­lie­rung vom “Erwa­chen” setzt aber bereits einen “Schlaf” vor­aus. Jene Bür­ger aber, die für die all­seits ange­stimm­ten Schlaf­lie­der nicht emp­fäng­lich waren, emp­fin­den das aktu­el­le Pokern der Hin­ter­zim­mer ledig­lich als logi­sche Fort­set­zung der leid­lich bekann­ten inter­nen EU-Macht­kämp­fe.

Dass sich die­se des­il­lu­sio­nier­te Hal­tung nicht in den deut­schen Medi­en spie­gelt, ist aller­dings auch erwar­tungs­ge­mäß. So ver­gießt etwa die Neue Osna­brü­cker Zei­tung Kro­ko­dils­trä­nen für die “EU-Demo­kra­tie”:

Die Tat­sa­che, dass Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ursu­la von der Ley­en Jean-Clau­de Juncker beer­ben soll und nicht jemand, der sich bei der Euro­pa­wahl behaup­tet hat, sen­det ein fata­les Signal. Die EU-Len­ker ent­sor­gen ohne Not das Spit­zen­kan­di­da­ten­prin­zip, das doch erst mit für eine stei­gen­de Wahl­be­tei­li­gung gesorgt hat­te.

Der Süd­ku­rier beklagt eben­falls :

Mit Ursu­la von der Ley­en als Nach­fol­ge­rin für Jean-Clau­de Juncker war nun wahr­lich nicht zu rech­nen. Ihre Nomi­nie­rung erlaubt es allen, ihr Gesicht zu wah­ren. (…) Der Haken ist nur, dass sie mit Demo­kra­tie nichts zu tun hat.”

Und auch die Mär­ki­sche Oder­zei­tung erlebt erst jetzt ihr “Erwa­chen”:

Das Par­la­ment, das eben noch einen Ver­trau­ens­vor­schuss erhal­ten hat­te, tor­pe­diert auf bei­spiel­lo­se Wei­se zer­strit­ten den demo­kra­ti­schen Pro­zess, einen Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten zu benen­nen.

Ana­ly­ti­scher geht da schon die Leip­zi­ger Volks­zei­tung ran, die schreibt : 

Ange­la Mer­kel, maul­ten Miss­güns­ti­ge, sei in der EU iso­liert. Des­we­gen kön­ne sie, logisch, auch beim Rin­gen um die Brüs­se­ler Pos­ten nichts durch­set­zen. In Wirk­lich­keit hat die Kanz­le­rin nun einen Rie­sen­er­folg errun­gen. Ihre lang­jäh­ri­ge Ver­trau­te Ursu­la von der Ley­en soll die EU-Kom­mis­si­on füh­ren. Zum ers­ten Mal seit den 50er Jah­ren kommt Deutsch­land in Brüs­sel zum Zug.

Dass die Zei­tung mit die­ser Deu­tung mut­maß­lich auf dem Holz­weg ist, hat Jens Ber­ger auf den Nach­Denk­Sei­ten beschrie­ben, der etwa hier und hier den Fall “von der Ley­en” näher beleuch­tet.

Demon­tie­ren Trans­at­lan­ti­ker momen­tan die Trans­at­lan­ti­ke­rin ?

Einen “schwe­ren Macht­kampf” in der EU wünscht sich erstaun­li­cher­wei­se die Süd­deut­sche Zei­tung in fast schon fata­lis­ti­scher Manier her­bei. Die Zei­tung emp­fiehlt den Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten : 

Sie soll­ten von der Ley­en durch­fal­len las­sen. Gewiss, das wür­de in Zei­ten von Bre­x­it, Trump, Kli­ma­wan­del und einem aggres­si­ven Chi­na die EU in einen schwe­ren Macht­kampf stür­zen. Aber da muss Euro­pa durch. Nur eine wirk­lich demo­kra­ti­sche Uni­on, in der die Bür­ger das ent­schei­den­de Wort spre­chen und das Par­la­ment das Macht­zen­trum ist, kann aus künf­tig 27 Staa­ten mit ego­is­ti­schen Regie­run­gen eine Ein­heit for­men und so die genann­ten Her­aus­for­de­run­gen bestehen.

Doch war­um for­dern aus­ge­rech­net die mut­maß­li­chen “Trans­at­lan­ti­ker” von der Süd­deut­schen Zei­tung die­se Höchst­stra­fe für die mut­maß­lich vor­bild­li­che “Trans­at­lan­ti­ke­rin” Ursu­la von der Ley­en ? All­ge­mein irri­tiert aktu­ell ein biss­chen, dass vor allem US-ori­en­tier­te Blät­ter wie SZ oder Spie­gel die doch weit­hin als US-ori­en­tiert beschrie­be­ne Ursu­la von der Ley­en vor der EU-Abstim­mung beson­ders hart kri­ti­sie­ren — bezie­hungs­wei­se ihr “schwe­res Erbe” für die Bun­des­wehr und das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um, wie etwa ganz aktu­ell hier oder hier oder hier zu lesen ist.

Die “Sea-Watch 3” und die Moral

Anläss­lich der vor­über­ge­hen­den Ver­haf­tung der Kapi­tä­nin der “Sea-Watch 3” wur­de in deut­schen Medi­en in die­ser Woche ein wah­res Feu­er­werk des rigo­ro­sen Mora­lis­mus abge­brannt. Das muss in der Gleich­för­mig­keit hier nicht pro­to­kol­liert wer­den. Als Bei­spiel sei etwa ein Gast­bei­trag in der Zeit zitiert : 

Die Pflicht zum Unge­hor­sam gilt nicht nur für tyran­ni­sche oder tota­li­tä­re Sys­te­me. Sie ist das Salz der Demo­kra­tie. Die Bür­ger sind kei­ne Unter­ta­nen. Sie brau­chen ein Gesetz, das die ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Gren­zen über­schrit­ten hat, nicht unter­wür­fig zu akzep­tie­ren. Als ob es natür­lich wäre, die Ret­tung zu einem Straf­tat­be­stand zu machen ! Als ob es eine Selbst­ver­ständ­lich­keit wäre, die Ethik auf den Kopf zu stel­len : Wer sich dazu ver­pflich­tet, Men­schen­le­ben zu ret­ten, macht sich schul­dig, wenn er dies unter­lässt. Eine Umkeh­rung ist nicht akzep­ta­bel.

Das “kal­te” Behar­ren auf dem Rechts­staat

Die­ser anschei­nend ein­deu­ti­gen, dadurch aber nicht weni­ger ver­ein­fa­chen­den Sicht steht ein vie­ler­orts als “kalt” emp­fun­de­nes Behar­ren auf den Regeln des Rechts­staats gegen­über, das eben­falls Züge der Ver­ein­fa­chung trägt. Dazu soll hier bei­spiel­haft aus der Welt zitiert wer­den :

Wenn ein deut­scher Kapi­tän belie­bi­gen Geschlechts das Ver­bot, in einen Hafen zu fah­ren, miss­ach­tet und ein ita­lie­ni­sches Zoll­boot bedrängt, ist das unzwei­fel­haft Wider­stand gegen die ita­lie­ni­sche Staats­ge­walt und straf­bar. Wenn er oder sie ohne Geneh­mi­gung Aus­län­der in den Hafen bringt, ist das zwei­fel­los Bei­hil­fe zur ille­ga­len Ein­wan­de­rung. Der ita­lie­ni­sche Innen­mi­nis­ter Sal­vi­ni, dem mei­ne Sym­pa­thie nicht gehört, fragt nicht zu Unrecht, war­um ein in den Nie­der­lan­den regis­trier­tes und von einer deut­schen Besat­zung betrie­be­nes Schiff die Schiff­brü­chi­gen nicht in die Nie­der­lan­de oder nach Deutsch­land trans­por­tiert. War­um eigent­lich nicht ?

Deutsch­land ver­teilt mal wie­der Noten

Einen zusätz­li­chen Aspekt nennt die taz in einem Gast­kom­men­tar : 

Wie­der mal hat Deutsch­land Noten ver­teilt. Und wie­der mal ist Ita­li­en durch­ge­fal­len. Etwas weni­ger Selbst­ge­rech­tig­keit wür­de Deutsch­land und Euro­pa gut­tun.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

Mehr zum The­ma — “Soli­da­ri­tät” mit Caro­la Racke­te : Die Kro­ko­dils­trä­nen der Moral­apos­tel

RT Deutsch


Krise in Venezuela : Russland und China auf der Suche nach einer diplomatischen Lösung


von Maria Mül­ler

Die jüngs­ten Dia­log­tref­fen in Nor­we­gen und Schwe­den zur Kri­se in Vene­zue­la deu­ten eine Wen­de der west­li­chen Staa­ten im Ver­hält­nis zu Russ­land, Chi­na und Kuba an. Sie haben ver­stan­den, dass beim The­ma Vene­zue­la die Ver­bün­de­ten des süd­ame­ri­ka­ni­schen Staa­tes mit ein­be­zo­gen wer­den müs­sen. Nur die USA hal­ten an ihrer ein­sei­ti­gen Poli­tik fest. Washing­ton ver­sucht wei­ter­hin, alle Regis­ter für eine mili­tä­ri­sche Lösung zu zie­hen – und erreicht damit das poli­ti­sche Gegen­teil.

Der geschei­ter­te Kon­fron­ta­ti­ons­kurs

Sowohl die in Mon­te­vi­deo gegrün­de­te Inter­na­tio­na­le Kon­takt­grup­pe für Vene­zue­la (ICG), bestehend aus EU-Staa­ten und eini­gen süd­ame­ri­ka­ni­schen Regie­run­gen, als auch die Lima-Grup­pe (rechts­ge­rich­te­te latein­ame­ri­ka­ni­sche Regie­run­gen und Kana­da) änder­ten die Tak­tik. Sie haben offen­bar ein­ge­se­hen, dass die bis­he­ri­ge aggres­si­ve US-Linie der “poli­ti­schen Iso­lie­rung” Vene­zue­las, des wirt­schaft­li­chen Ersti­ckens und der Sabo­ta­ge der Infra­struk­tur des Lan­des nicht zum gewünsch­ten Ziel führt.

Im Gegen­teil. Die mehr schlecht als recht hin­ter dem selbst ernann­ten Inte­rims­prä­si­den­ten Juan Guai­dó ste­hen­de Oppo­si­ti­on ver­lor stark an Zuspruch in der Bevöl­ke­rung. Der Auf­ruf zum gewalt­sa­men Umsturz und die Dro­hung mit einer aus­län­di­schen Mili­tär­in­ter­ven­ti­on offen­bar­ten sich als poli­ti­sche Sack­gas­se. Gäbe es heu­te die von Guai­dó gefor­der­ten vor­ge­zo­ge­nen Prä­si­dent­schafts­wah­len – er wür­de sie aller Vor­aus­sicht nach glatt ver­lie­ren.

Und auch die enor­men finan­zi­el­len Inter­es­sen der bei­den Welt­mäch­te Chi­na und Russ­land in Vene­zue­la, ihre mil­li­ar­den­schwe­ren Inves­ti­tio­nen und Unter­stüt­zun­gen aller Art, kön­nen von den west­li­chen Staa­ten nicht ein­fach igno­riert wer­den.

Die Hal­tung Russ­lands und Chi­nas

Die Hal­tung Russ­lands und Chi­nas war stets auf den Erhalt der inne­ren Sta­bi­li­tät Vene­zue­las aus­ge­rich­tet, aus Prin­zi­pi­en des Völ­ker­rechts und um eine lang­fris­tig ange­leg­te Rück­kehr der Inves­ti­tio­nen zu ermög­li­chen. Seit Jah­ren for­dern sie einen inter­nen Dia­log zur Bei­le­gung der Kri­se in Vene­zue­la und leh­nen jede mili­tä­ri­sche “Lösung” des Kon­flikts ab.

Im April kri­ti­sier­te Russ­lands Außen­mi­nis­ter Ser­gej Law­row scharf die wie­der­auf­er­stan­de­ne Mon­roe-Dok­trin, nach der sich die USA berech­tigt sehen, in “ihrer Hemi­sphä­re” auch mili­tä­risch zu inter­ve­nie­ren. Law­row for­der­te, dass die Sou­ve­rä­ni­tät Vene­zue­las zu respek­tie­ren sei und alle Aktio­nen im Rah­men des inter­na­tio­na­len Rechts statt­fin­den müs­sen.

Mehr zum The­ma — “Die Rus­sen müs­sen raus” – Wort­ge­fecht zwi­schen Pom­peo und Law­row vor Tref­fen in Finn­land

Am 9. Mai, weni­ge Tage nach dem geschei­ter­ten Putsch in Vene­zue­la, sag­te der Spre­cher des chi­ne­si­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums Geng Shuang gegen­über Tele­sur :

Wir bestehen dar­auf, dass die­ses Pro­blem durch einen umfas­sen­den poli­ti­schen Dia­log zwi­schen Regie­rung und Oppo­si­ti­on sowie durch Kon­sul­ta­tio­nen im Rah­men der vene­zo­la­ni­schen Ver­fas­sung gelöst wer­den muss.

Außer­dem beton­te Geng, dass die Inter­na­tio­na­le Kon­takt­grup­pe (ICG) auf ihrem zwei­ten Tref­fen in Cos­ta Rica am 6. und 7. Mai ein­stim­mig eine poli­ti­sche Lösung befür­wor­te­te und eine mili­tä­ri­sche Inter­ven­ti­on ablehn­te. Chi­na wer­de deren Arbeit unter­stüt­zen, erklär­te der Spre­cher.

In Cos­ta Rica beschloss die Staa­ten­grup­pe, den Ex-Prä­si­den­ten der inter­ame­ri­ka­ni­schen Ent­wick­lungs­bank und frü­he­ren uru­gu­ay­ischen Außen­mi­nis­ter Enri­que Igle­si­as als poli­ti­schen Bera­ter und Ver­hand­lungs­lei­ter ein­zu­la­den. Der über 80-jäh­ri­ge Poli­ti­ker ist ohne Zwei­fel einer der bes­ten poli­ti­schen Ken­ner Latein­ame­ri­kas. 

Eine Ände­rung in der Stra­te­gie der west­li­chen Staa­ten

Von nun an ent­wi­ckel­te die ICG eine neue Stra­te­gie, der sich die Lima-Grup­pe rasch anschloss. Arbeits­tei­lig ver­such­ten sie, die wich­tigs­ten Ver­bün­de­ten Vene­zue­las – Russ­land, Chi­na, Kuba und die Tür­kei – in die Dia­log­ver­hand­lun­gen mit ein­zu­be­zie­hen. Man will die jewei­li­gen Inter­es­sen auf den Tisch legen sowie sich auf eine gemein­sa­me Marsch­rou­te eini­gen.

Mehr zum The­ma — Lima-Grup­pe strebt inter­na­tio­na­le Ver­ur­tei­lung von Nicolás Madu­ro an

Wäh­rend US-Außen­mi­nis­ter Mike Pom­peo am 14. Mai in Mos­kau sei­nen rus­si­schen Amts­kol­le­gen Ser­gej Law­row besuch­te, bemüh­te sich die kana­di­sche Regie­rung um ein bes­se­res Ver­hält­nis zu Kuba.

Die kana­di­sche Außen­mi­nis­te­rin Chrys­tia Free­land besuch­te den sozia­lis­ti­schen Kari­bik­staat am glei­chen Tag, um über die Kri­se in Vene­zue­la zu spre­chen. Kubas Prä­si­dent Miguel Diaz-Canel twit­ter­te, er habe mit dem kana­di­schen Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau gespro­chen, der wie­der­um erklär­te, dass sowohl Kana­da als auch die Lima-Grup­pe “aner­ken­nen, dass Kuba poten­zi­ell in der Lage ist, eine posi­ti­ve Rol­le für das Wohl­erge­hen und die künf­ti­ge Sta­bi­li­tät Vene­zue­las zu über­neh­men”.

Auch Kubas Außen­mi­nis­ter Bru­no Rodríguez und die Hohe Ver­tre­te­rin der EU-Außen­po­li­tik, Fede­ri­ca Mog­heri­ni, füh­ren inzwi­schen einen “herz­li­chen” Dia­log über die Kri­se in dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Land. Man habe ver­ein­bart, in Kon­takt zu blei­ben.

Die west­li­chen Staa­ten­grup­pen wer­den ver­su­chen, das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Kuba und der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung unter Prä­si­dent Nicolás Madu­ro zu nut­zen, um sie für die west­li­chen For­de­run­gen zugäng­li­cher zu machen. Ob sie ihrer­seits dazu bereit sind, Abstri­che bei ihrem bis­he­ri­gen ulti­ma­ti­ven For­de­rungs­ka­ta­log zu machen und ihre aggres­si­ve Rhe­to­rik her­un­ter­zu­fah­ren, ist jedoch unklar. 

Denn in der Abschluss­erklä­rung in Cos­ta Rica erwähn­te die Inter­na­tio­na­le Kon­takt­grup­pe die US-Sank­tio­nen mit kei­nem Wort, als ob sie nicht exis­tier­ten. Deren für die vene­zo­la­ni­sche Wirt­schaft desas­trö­sen Fol­gen las­te­ten sie hin­ge­gen aus­schließ­lich Cara­cas an.

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Das ers­te Ver­hand­lungs­tref­fen in Nor­we­gen 

Am 21. Mai wur­de die Welt dann von einem mehr­tä­gi­gen Tref­fen in Nor­we­gen zwi­schen Ver­tre­tern der Regie­rung und Oppo­si­ti­on Vene­zue­las über­rascht. Nach Erklä­run­gen des nor­we­gi­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums gab es im Vor­feld mona­te­lan­ge Son­die­rungs­ge­sprä­che zwi­schen den geg­ne­ri­schen Lagern, doch stets unter dem Man­tel der Ver­schwie­gen­heit. Der nor­we­gi­sche Fern­seh­sen­der NRK teil­te mit, dass die ers­ten Kon­tak­te für ein künf­ti­ges Dia­log­tref­fen in Kuba statt­ge­fun­den hat­ten. 

Zur Erin­ne­rung : Nor­we­gen nahm bei den kolum­bia­ni­schen Frie­dens­ver­hand­lun­gen in Kuba eine Ver­mitt­ler­rol­le ein und wird des­we­gen von Vene­zue­la geschätzt, das als Garan­tie­staat eben­falls dar­an teil­nahm.

Das Tref­fen zwi­schen Ver­tre­tern der vene­zo­la­ni­schen Kon­flikt­par­tei­en fand an einem gehei­men Ort nahe Oslo unter Aus­schluss der Pres­se statt. Immer­hin sind die Teil­neh­mer bekannt. Sei­tens der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung waren Jor­ge Rodríguez, Minis­ter für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Infor­ma­ti­on, sowie der Außen­mi­nis­ter Jor­ge Arrea­za und der Gou­ver­neur von Miran­da, Héc­tor Rodríguez, anwe­send. Für die Oppo­si­ti­on nah­men der frü­he­re Rek­tor des Natio­na­len Wahl­ra­tes, Vicen­te Díaz, der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fach­mann Fer­nan­do Mar­tí­nez Mot­to­la, der Vize­prä­si­dent der Natio­nal­ver­samm­lung, Sta­lin Gon­zá­lez, sowie der Bera­ter Gerar­de Bly­de teil.

Die nor­we­gi­sche Außen­mi­nis­te­rin Ine Erik­sen Sørei­de infor­mier­te nach Abschluss des Tref­fens :

Die Par­tei­en haben ihre Bereit­schaft gezeigt, bei der Suche nach einer ver­ein­bar­ten und ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Lösung für das Land vor­an­zu­kom­men, die poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che und Wahl­fra­gen ein­schließt.

Als ein­zi­ges Pres­se­me­di­um ver­öf­fent­lich­te die Tages­zei­tung ALna­vío in Madrid eini­ge Dis­kus­si­ons­punk­te : einen neu­en Wahl­rat zu schaf­fen, die Ver­fas­sung­ge­ben­de Ver­samm­lung auf­zu­lö­sen, eine grö­ße­re Zahl cha­vis­ti­scher Abge­ord­ne­ter ins Par­la­ment ein­zu­la­den und vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len inner­halb eines Jah­res durch­zu­füh­ren, bei denen Madu­ro kan­di­die­ren kann. Laut Ver­fas­sung sind die nächs­ten Par­la­ments­wah­len 2020 fäl­lig, Prä­si­dent­schafts­wah­len aber erst 2025.

OAS-Sekre­tär Luis Alma­gro unter­gräbt Ver­hand­lungs­pro­zess

Wie bei allen frü­he­ren Ver­hand­lungs­ver­su­chen bemüh­te sich der Gene­ral­se­kre­tär der Orga­ni­sa­ti­on Ame­ri­ka­ni­scher Staa­ten (OAS), Luis Alma­gro, auch die­ses Mal dar­um, die Ver­hand­lun­gen zu blo­ckie­ren. Er erklär­te gleich zu Beginn, das Tref­fen in Oslo sei ein Feh­ler, denn es gehe in Vene­zue­la nicht um einen Kon­flikt zwi­schen zwei Par­tei­en, son­dern um das Ende einer Dik­ta­tur.

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Kaum ertön­te Alma­gros Kri­tik, rela­ti­vier­te Vene­zue­las selbst ernann­ter “Inte­rims­prä­si­dent” Juan Guai­dó die Bedeu­tung sei­ner Teil­nah­me. Es han­de­le sich nicht um einen Dia­log, ver­laut­bar­te er, son­dern um Gesprä­che dar­über, dass Madu­ro sich zurück­zie­hen müs­se, um “das Schlimms­te” zu ver­hin­dern. Das Schlimms­te – damit ist eine mili­tä­ri­sche Inter­ven­ti­on gemeint. Schluss­end­lich ver­kün­de­te Guai­dó dann, das Tref­fen in Oslo sei ergeb­nis­los abge­bro­chen wor­den.

Stra­te­gie der Erpres­sung mit­tels Mili­tär­in­ter­ven­ti­on geht wei­ter

Wäh­rend der Gesprä­che in Nor­we­gen ver­ab­schie­de­te das von der Oppo­si­ti­on domi­nier­te Par­la­ment in Vene­zue­la den Wie­der­ein­tritt in die inter­ame­ri­ka­ni­sche Ver­tei­di­gungs­ge­mein­schaft TIAR. Somit könn­te ein Trup­pen­kon­tin­gent aus ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten, bei­spiels­wei­se aus den USA, Bra­si­li­en und Kolum­bi­en in Vene­zue­la unter dem Eti­kett “mili­tä­ri­sche Unter­stüt­zung” inter­ve­nie­ren und so das inter­na­tio­na­le Recht und die Ver­ein­ten Natio­nen umge­hen.

Das rus­si­sche Außen­mi­nis­te­ri­um reagier­te prompt : Am 27. Mai warn­te Law­row davor, dass bedin­gungs­lo­se Posi­tio­nen gegen­über der Madu­ro-Regie­rung kei­nen Ver­hand­lungs­spiel­raum zulie­ßen : 

Wir for­dern alle betei­lig­ten Staa­ten nach­drück­lich auf, den Beginn des poli­ti­schen Pro­zes­ses in Form von Ver­hand­lun­gen zwi­schen den wich­tigs­ten poli­ti­schen Kräf­ten die­ses Lan­des zu unter­stüt­zen, ohne der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung ulti­ma­ti­ve For­de­run­gen auf­zu­er­le­gen.

Am 5. Juni bezog sich Law­row indi­rekt auf den TIAR-Beschluss der vene­zo­la­ni­schen Natio­nal­ver­samm­lung. Auf Twit­ter schrieb er : “Wir glau­ben, dass gewalt­sa­me Schrit­te in Vene­zue­la, die den UN-Sicher­heits­rat umge­hen, zu einer Kata­stro­phe füh­ren.” Law­row for­der­te die USA auf, den Dia­log nicht zu behin­dern. 

Russ­lands Kon­tak­te zur Oppo­si­ti­on 

In einem Inter­view mit dem rus­si­schen Por­tal RBC offen­bar­te Law­row außer­dem Details über die rus­si­schen Kon­tak­te zu ver­schie­de­nen Ver­tre­tern der vene­zo­la­ni­schen Oppo­si­ti­on. Russ­land habe auf deren Ersu­chen hin mehr­fach Gesprä­che geführt – aller­dings “nur mit der lega­len Oppo­si­ti­on”, wie der Außen­mi­nis­ter beton­te. 

Dabei haben wir stets dar­auf bestan­den, dass ein natio­na­ler Dia­log not­wen­dig ist. Wir sind auch nicht damit ein­ver­stan­den, dass Juan Guai­dó den Dia­log­auf­ruf der Inter­na­tio­na­len Ver­hand­lungs­grup­pe von Mon­te­vi­deo hoch­mü­tig zurück­wies, wäh­rend Prä­si­dent Madu­ro damit ein­ver­stan­den war”, erklär­te Law­row. 

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Beim Gip­fel­tref­fen der Prä­si­den­ten Russ­lands und Chi­nas am 5. Juni in Mos­kau wur­de auch die Vene­zue­la-Fra­ge erör­tert. Wla­di­mir Putin und Xi Jin­ping rie­fen gemein­sam zum poli­ti­schen Dia­log auf und appel­lier­ten an alle Akteu­re des Kon­flikts, sich gegen jede mili­tä­ri­sche Inter­ven­ti­on zu stel­len. 

Putin und Xi sicher­ten eine enge und per­ma­nen­te Zusam­men­ar­beit in der Vene­zue­la-Fra­ge zu und bekun­de­ten die Absicht, die Bezie­hun­gen zu den Län­dern der Regi­on zu ver­tie­fen. 

Inter­na­tio­na­les Ver­hand­lungs­tref­fen in Schwe­den 

Am 14. Juni gab es dann ein neu­es Tref­fen in Schwe­den. Weder Ver­tre­ter der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung noch der Oppo­si­ti­on waren anwe­send. In einer kur­zen Erklä­rung, die auf der offi­zi­el­len Web­site der schwe­di­schen Regie­rung ver­öf­fent­licht wur­de, heißt es : 

Die schwe­di­sche Regie­rung hat in Stock­holm ein Tref­fen mit eini­gen wich­ti­gen inter­na­tio­na­len Akteu­ren orga­ni­siert, um die gegen­wär­ti­gen Bemü­hun­gen um eine fried­li­che, poli­ti­sche und demo­kra­ti­sche Lösung der Kri­se in Vene­zue­la zu unter­stüt­zen und die schwie­ri­ge Situa­ti­on des vene­zo­la­ni­schen Vol­kes zu lin­dern.

Auch bei die­sem Tref­fen hat­ten Pres­se­ver­tre­ter kei­nen direk­ten Zugang, Dis­kre­ti­on ist ange­sagt. Russ­land sand­te Alex­an­der Scht­sche­ti­nin, Direk­tor für Süd­ame­ri­ka im Außen­mi­nis­te­ri­um. Enri­que Igle­si­as, nun als diplo­ma­ti­scher Ver­tre­ter der euro­päi­schen Kon­takt­grup­pe, fand sich eben­falls ein. Auch UN-Beam­te sowie Ver­tre­ter des Vati­kan, Kubas, der Tür­kei und der Euro­päi­schen Uni­on nah­men teil. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten lehn­ten eine Teil­nah­me ab. Bis­her gibt es kei­ner­lei öffent­li­che Infor­ma­tio­nen über Inhal­te oder Ergeb­nis­se des Tref­fens in Stock­holm.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

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RT Deutsch


Millionen-Blackout in Lateinamerika : Staaten rätseln über Ursachen – Parallelen zu Venezuela ?


Auch Stun­den nach dem flä­chen­de­cken­den Strom­aus­fall in Argen­ti­ni­en und Uru­gu­ay haben die Behör­den kei­ner­lei Erklä­rung für den Black­out. Man­che Betrof­fe­ne zie­hen bereits Par­al­le­len zum Kri­sen­land Vene­zue­la.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken


Hände weg von Venezuela : Gegenveranstaltung zum Maas-Lateinamerikagipfel


von Den­nis Simon

Wäh­rend der deut­sche Außen­mi­nis­ter tags­über sei­ne offi­zi­el­le Latein­ame­ri­ka-Kon­fe­renz ver­an­stal­te­te, die sich als Wer­be­ver­an­stal­tung der deut­schen Indus­trie ent­pupp­te, luden die deut­schen Freun­de des vene­zo­la­ni­schen Vol­kes zum Abend nach Ber­lin in die Ura­nia ein und woll­ten dort eine demons­tra­ti­ve Alter­na­tiv­ver­an­stal­tung star­ten. Dazu hat­te ein brei­tes Bünd­nis auf­ge­ru­fen, dar­un­ter waren unter ande­rem die Tages­zei­tung Jun­ge Welt, die Deut­sche Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei, die Freund­schafts­ge­sell­schaft BRD-Kuba, die Alex­an­der-von-Hum­boldt-Gesell­schaft sowie der Frei­den­ker-Ver­band. Der Saal, in dem die Ver­an­stal­tung statt­fand, war voll. Ins­ge­samt zähl­ten die Ver­an­stal­ter min­des­tens 750 Gäs­te.

Hände weg von Venezuela: Gegenveranstaltung zum Maas-Lateinamerikagipfel

Der ers­te Red­ner war Caro­lus Wim­mer, inter­na­tio­na­ler Sekre­tär der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Vene­zue­las. Wim­mer, der ursprüng­lich aus Mün­chen kommt und Abge­ord­ne­ter des vene­zo­la­ni­schen Par­la­men­tes ist, erklär­te, dass seit dem Jahr 1823 die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka auf der Basis ihrer soge­nann­ten Mon­roe-Dok­trin bean­spru­chen, auch das süd­lich gele­ge­ne Latein­ame­ri­ka zu domi­nie­ren und die Völ­ker Latein­ame­ri­kas nach Belie­ben aus­zu­beu­ten zu dür­fen.

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Allen Anstren­gun­gen der USA und eini­ger euro­päi­scher Regie­run­gen zum Trotz sei heu­te jedoch das inter­na­tio­na­le Kräf­te­ver­hält­nis in Bezug auf den Kon­flikt in Vene­zue­la unter Kon­trol­le. Eine kla­re Mehr­heit von Regie­run­gen habe den Putsch­ver­such Guai­dós nicht legi­ti­miert und erken­ne nach wie vor Nicolás Madu­ro als recht­mä­ßi­gen Prä­si­den­ten an. Unter den Staa­ten, die wei­ter­hin Madu­ro aner­ken­nen, sei­en so “klei­ne und unbe­deu­ten­de Län­der wie Chi­na und Russ­land”, wit­zel­te der deutsch­stäm­mi­ge Vene­zo­la­ner.

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Caro­lus Wim­mer, inter­na­tio­na­ler Sekre­tär der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Vene­zue­las.

Wim­mer räum­te ein, dass die wirt­schaft­li­che Lage in Vene­zue­la schwie­rig sei. Das Land befin­de sich in der Pha­se der Tran­si­ti­on von Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus. Das Kapi­tal benut­ze “alle lega­len und ille­ga­len Mit­tel”, um den Wil­len des vene­zo­la­ni­schen Vol­kes nach Errich­tung einer bes­se­ren Gesell­schaft zu bre­chen.

Der täg­li­che Kampf in Vene­zue­la bewei­se, dass die Mehr­heit der Vene­zo­la­ner den­noch hin­ter der lega­len, gewähl­ten Regie­rung Madu­ros und der boli­va­ri­schen Ver­fas­sung ste­he. Sie sei­en zu zwei Din­gen ent­schlos­sen : Ers­tens das Land und die erkämpf­ten Errun­gen­schaf­ten zu ver­tei­di­gen und zwei­tens alle wei­ter­ge­steck­ten Zie­le, die noch nicht erreicht sind, zu erkämp­fen.

Der zwei­te Red­ner, der in Kolum­bi­en gebo­re­ne Her­nan­do Cal­vo Ospi­na, hielt einen Vor­trag zum The­ma der para­mi­li­tä­ri­schen Ter­rors in sei­nem Hei­mat­land. Ospi­na, der in Frank­reich lebt und sich als Doku­men­ta­rist enga­giert, erklär­te dazu, dass letzt­lich hin­ter dem Nar­koter­ror diver­ser para­mi­li­tä­ri­scher Grup­pen die US-Regie­rung stün­de. Sein Land, in dem vie­le US-Mili­tär­ba­sen sta­tio­niert sei­en, wäre fak­tisch von den USA besetzt.

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Her­nan­do Cal­vo Ospi­na

Als drit­ter Red­ner trat Orhan Akman auf, der beruf­lich Gewerk­schafts­se­kre­tär bei der Gewerk­schaft Ver­di ist. Akman bedau­er­te aus­drück­lich, dass er nicht als Red­ner im Namen sei­ner Gewerk­schaft, son­dern in die­ser Ver­an­stal­tung nur als Ein­zel­per­son spre­chen kön­ne. Er for­der­te die Gewerk­schaf­ten auf, sich wie­der – wie frü­her – kla­rer an die Sei­te all jener Län­der zu stel­len, die von Krieg bedroht wer­den. Akman kri­ti­sier­te den bun­des­deut­schen Außen­mi­nis­ter Hei­ko Maas, der sich nicht scheut, einen “wasch­ech­ten Faschis­ten”, näm­lich den bra­si­lia­ni­schen Prä­si­den­ten Jair Bol­so­na­ro zu tref­fen, und par­al­lel vor­geb­lich in Deutsch­land die AfD zu kri­ti­sie­ren. Das sei unglaub­wür­dig.

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Der kämp­fe­ri­sche Gewerk­schaf­ter for­der­te von den deut­schen Poli­ti­kern, die vene­zo­la­ni­sche Sou­ve­rä­ni­tät zu respek­tie­ren. Akman ver­glich eini­ge Arti­kel der vene­zo­la­ni­schen Ver­fas­sung mit dem BRD-Grund­ge­setz und stell­te fest, dass ers­te­re wesent­lich fort­schritt­li­che­re sozia­le Ele­men­te ent­hal­te, auch aus gewerk­schaft­li­cher Sicht.

Nach den Red­nern dis­ku­tier­ten in einem Panel drei wei­te­re Gäs­te : Ger­hard Mert­schenk vom Ber­li­ner Bünd­nis “Hän­de weg von Vene­zue­la” schil­der­te, wie die Bünd­nis­part­ner schon seit vie­len Wochen jeden Sams­tag gegen den dro­hen­den Putsch­ver­such und gegen die Bestre­bun­gen zu einer Inter­ven­ti­on in Vene­zue­la pro­tes­tie­ren. Patrik Köbe­le, Vor­sit­zen­der der Deut­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, bedank­te sich bei der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on und der Volks­re­pu­blik Chi­na für ihren anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Ein­satz in Vene­zue­la. In Vene­zue­la sei der Kampf des Vol­kes für den Sozia­lis­mus ent­schei­dend. Andrej Hun­ko, der selbst kürz­lich Vene­zue­la zu Gesprä­chen mit allen Sei­ten besucht hat­te, beklag­te, dass Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas Jair Bol­so­na­ro als sei­nen “Freund” bezeich­ne­te. Hun­ko wünsch­te sich von der deut­schen Außen­po­li­tik, dass sie diplo­ma­tisch ver­mit­telnd statt wei­ter US-hörig eska­lie­rend wir­ken wür­de.

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(v.l.n.r.) Andrej Hun­ko, André Scheer (Mode­ra­ti­on), Ger­hard Mert­schenk, Patrik Köbe­le.

Als Ehren­gast trat der vene­zo­la­ni­sche Außen­mi­nis­ter Yván Gil in der Ver­an­stal­tung auf. Die Maß­nah­men der US-Regie­rung und ihrer Ver­bün­de­ten gegen Vene­zue­la sei­en außer­or­dent­lich hart. Nur Kuba habe ähn­li­ches erlebt. Er schil­der­te aus­führ­lich, wel­che Sank­tio­nen und Beschlag­nah­mun­gen Washing­ton gegen Vene­zue­la unter­nahm und wei­ter for­ciert. Er beton­te zudem die wert­vol­len Ver­diens­te der Boli­va­ria­ni­schen Revo­lu­ti­on in Vene­zue­la. In Vene­zue­la fin­de ein Klas­sen­kampf statt, der alle betref­fe.

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Der vene­zo­la­ni­sche Vize­au­ßen­mi­nis­ter Yván Gil.

Zuletzt wur­de der vene­zo­la­ni­sche Außen­mi­nis­ter Jor­ge Arrea­za mit einer Audio­bot­schaft aus Oslo zuge­schal­tet. Er bedank­te sich für die Unter­stüt­zung und stell­te klar, dass die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung den Frie­den und Dia­log sucht. 

Neben den Red­nern prä­sen­tier­ten unter­schied­li­che Künst­ler und Musik­grup­pen diver­se Facet­ten des Reich­tums der latein­ame­ri­ka­ni­schen Musik.

RT Deutsch


Venezuela : Maduro schlägt Neuwahlen für Parlament vor


Madu­ro äußer­te sei­ne Absich­ten in einer Rede am Mon­tag, auf dem er erneut sei­ne Bereit­schaft zu fried­li­chem polit­si­chen Dia­log mit der Oppo­si­ti­on beton­te. Tei­le die­ser hat­te in den ver­gan­ge­nen Wochen mehr­fach ver­sucht, sich mit Gewalt an die Macht zu put­schen. Die Streit­kräf­te des Lan­des blie­ben der demo­kra­tisch gewähl­ten Regie­rung jedoch loy­al und ver­hin­der­ten somit grö­ße­res Blut­ver­gie­ßen. 

Das Par­la­ment, in dem die Oppo­si­ti­on domi­niert, wur­de im poli­ti­schen Pro­zess an den Rand gedrängt, nach­dem eine ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung beru­fen wur­de, die auf­grund von poli­ti­schen Sabo­ta­ge­ver­su­chen des Par­la­ments vie­le legis­la­ti­ve Rech­te auf sich selbst über­trug. In der ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung stel­len die Regie­rungs­par­tei­en eine Mehr­heit dar.

Soll­te der selbst­er­nann­te “Inte­rims­prä­si­dent” bei den Par­la­ments­wah­len ver­lie­ren, wür­de es sei­nen Ver­su­chen, an die Staats­spit­ze zu gelan­gen, ein Ende berei­ten. Bis­her sind­al­le sei­ne Ver­su­che, sich zu eta­blie­ren, im San­de ver­lau­fen.

RT Deutsch


Venezuela : Regierung und Opposition leiten in Norwegen Annäherung ein


Eine Dele­ga­ti­on der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung und Füh­rer der poli­ti­schen Oppo­si­ti­on des süd­ame­ri­ka­ni­schen Lan­des haben ers­te Schrit­te der Annäh­rung für einen gemein­sa­men Dia­log in der nor­we­gi­schen Haupt­stadt Oslo ein­ge­lei­tet.

Laut dem Por­tal AlNa­vío, das von in Spa­ni­en leben­den Latein­ame­ri­ka­nern betrie­ben wird, nah­men an dem Tref­fen auf­sei­ten der Regie­rung von Nicolás Madu­ro der Gou­ver­neur der Pro­vinz Miran­da Héc­tor Rodríguez und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mi­nis­ter Jor­ge Rodríguez teil. Ver­tre­ter der vene­zo­la­ni­schen Oppo­si­ti­on waren der ehe­ma­li­ge Abge­ord­ne­te der Natio­nal­ver­samm­lung (Asam­blea Nacio­nal) Gerar­do Bly­de und Fer­nan­do Mar­tí­nez Mot­to­la, ein frü­he­rer Minis­ter der Regie­rung von Car­los Andrés Pérez. Geplant ist wei­ter­hin die Teil­nah­me des zwei­ten Vize­prä­si­den­ten der Natio­nal­ver­samm­lung, Sta­lin Gon­zá­lez.

Der Mel­dung zufol­ge über­neh­men vier euro­päi­sche Poli­ti­ker die Rol­le der Ver­mitt­ler.

Nor­we­gen war ein wich­ti­ger Akteur beim Dia­log­pro­zess in Havan­na zwi­schen den ehe­ma­li­gen Revo­lu­tio­nä­ren Streit­kräf­ten Kolum­bi­ens (FARC) und der kolum­bia­ni­schen Regie­rung, der zu einem Frie­dens­ab­kom­men zwi­schen den Par­tei­en führ­te.

Ers­te Annä­he­rung nach der Selbst­er­nen­nung zum Prä­si­den­ten

Anfäng­lich hat­te kei­ne der bei­den Par­tei­en die Eröff­nung eines Dia­logs offi­zi­ell bestä­tigt. Doch zwi­schen­zeit­lich gibt es dies­be­züg­li­che Stel­lung­nah­men sowohl sei­tens der Regie­rung als auch der Oppo­si­ti­on.

Ich kann bestä­ti­gen, dass es Gesprä­che gibt, aber ich kann nicht ins Detail gehen”, sag­te der Bot­schaf­ter Vene­zue­las bei den Ver­ein­ten Natio­nen in Genf, Jor­ge Vale­ro, am Don­ners­tag. Er bestä­tig­te, dass Dele­ga­tio­nen der vene­zo­la­ni­schen Regie­rung und der Oppo­si­ti­on Annä­he­run­gen für einen Dia­log gestar­tet haben. Gegen­über der Pres­se füg­te er hin­zu, dass die Gesprä­che mit der “demo­kra­ti­schen Oppo­si­ti­on” statt­fin­den und nicht mit den “Mario­net­ten des US-ame­ri­ka­ni­schen Impe­ri­ums”.

Es ist die ers­te Annä­he­rung zwi­schen der Oppo­si­ti­on und der Regie­rung in Vene­zue­la, seit sich der Abge­ord­ne­te und Prä­si­dent der Natio­nal­ver­samm­lung Juan Guai­dó im Janu­ar selbst zum “Inte­rims­prä­si­den­ten” erklärt hat. Die­ser bestä­tig­te zwar, dass er sei­ne Reprä­sen­tan­ten zu die­ser Annä­he­rung nach Nor­we­gen ent­sandt hat, doch er sag­te, dass “es kei­ne Ver­hand­lun­gen gibt”.

Mexi­ko und Uru­gu­ay haben seit der Selbst­er­mäch­ti­gung Guai­dós und der dadurch aus­ge­lös­ten aktu­el­len poli­ti­schen Kri­se in Vene­zue­la vor­ge­schla­gen, in einem mehr­stu­fi­gen Pro­zess (“Mecha­nis­mus von Mon­te­vi­deo”) einen Dia­log zu eröff­nen, um die Dif­fe­ren­zen zu über­win­den.

Guai­dó hat­te sich als Oppo­si­ti­ons­füh­rer bis­lang einem sol­chen Dia­log ver­wei­gert, wäh­rend Prä­si­dent Madu­ro sich immer offen für einen Ver­hand­lungs­pro­zess gezeigt hat­te.

Par­al­lel zu die­ser Annäh­rung ver­folgt der radi­kals­te Teil der Oppo­si­ti­on, ange­führt von der rech­ten Par­tei Vol­un­tad Popu­lar (“Wil­le des Vol­kes”), wei­ter­hin sei­nen Plan, die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung zu stür­zen. So bestä­tig­te Guai­dó am Diens­tag ein Tref­fen zwi­schen sei­nem “Gesand­ten” und dem Ober­be­fehls­ha­ber des Süd­kom­man­dos der US-ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­te (SOUTHCOM), das für den kom­men­den Mon­tag geplant ist. Dabei soll es “um den Beginn von Gesprä­chen für eine Koope­ra­ti­on” im mili­tä­ri­schen Bereich gehen, die von den USA ange­bo­ten wur­de.

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Für deut­sche Unter­ti­tel bit­te die Unter­ti­tel­funk­ti­on auf You­Tube akti­vie­ren.

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Um Demokratie nach Venezuela zu bringen” — Guaidó-“Gesandter” trifft sich mit Pentagon-Beamten


Der Prä­si­dent der vene­zo­la­ni­schen Natio­nal­ver­samm­lung, wel­che in dem latein­ame­ri­ka­ni­schen Land fak­tisch kei­ne Macht besitzt, stell­te im Janu­ar die Prä­si­dent­schaft von Nicolás Madu­ro in Fra­ge. Das Mili­tär und die brei­te Öffent­lich­keit unter­stüt­zen wei­ter­hin die Regie­rung Madu­ros. Rund 40 Län­der, allen vor­an die USA, sag­ten dage­gen umge­hend Juan Guai­dó ihre Unter­stüt­zung zu. 

Auf einer jüngs­ten Pres­se­kon­fe­renz bestä­tig­te Guai­dó : 

Das Tref­fen wird am Mon­tag statt­fin­den. Ich den­ke, dass es im Außen­mi­nis­te­ri­um sein wird, und unser Bot­schaf­ter wird uns das Ergeb­nis die­ses Tref­fens mit­tei­len.

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Car­los Vec­chio, der als “Gesand­ter” Guai­dós in den USA agiert, schick­te am Wochen­en­de ein Schrei­ben an US-Admi­ral Craig S. Fal­ler von SOUTHCOM, in wel­chem er um ein “Tref­fen mit einer tech­ni­schen Dele­ga­ti­on bat”, um die Demo­kra­tie in Vene­zue­la wie­der­her­zu­stel­len. 

Vec­chi­os Schrei­ben auf Twit­ter : 

Das United Sta­tes Sou­thern Com­mand (SOUTHCOM) ist das Süd-Kom­man­do der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Es führt u.a. alle mili­tä­ri­schen Ope­ra­tio­nen der USA in Latein­ame­ri­ka und in der Kari­bik. Das Per­so­nal umfasst neben 130 zivi­len Mit­ar­bei­tern, 850 mili­tä­ri­sche Mit­ar­bei­ter.

US-Admi­ral Fal­ler sag­te, er “freue sich” dar­auf, dar­über zu dis­ku­tie­ren, wie die USA die “zukünf­ti­ge Rol­le” der Dis­si­den­ten bei der “Wie­der­her­stel­lung der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung” unter­stüt­zen könn­ten. Die legi­ti­me Regie­rung von Nicolás Madu­ro beschul­digt die USA seit lan­gem, ver­fas­sungs­wid­rig in Vene­zue­la einen Regime­wech­sel erzwin­gen zu wol­len. Die Vize­prä­si­den­tin Del­cy Rodríguez sag­te Anfang der Woche : 

Wir leh­nen das Schrei­ben eines der Put­schis­ten ab, in dem er um eine mili­tä­ri­sche Inter­ven­ti­on in Vene­zue­la im Namen einer Grup­pe von Put­schis­ten bit­tet (und) die ter­ro­ris­ti­sche Akti­vi­tä­ten durch­füh­ren, um Ver­wir­rung zu stif­ten und unser Hei­mat­land (ver­su­chen zu) desta­bi­li­sie­ren. 

In Washing­ton ist man der Ansicht, durch einen Macht­wech­sel mit Guai­dó an der Spit­ze Vene­zue­la zu einer Demo­kra­tie zu ver­hel­fen. 

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Venezuela : Stellvertreter des Oppositionsführers Juan Guaidó festgenommen


Im Macht­kampf in Vene­zue­la hat­te Edgar Zam­bra­no letz­te Woche ver­sucht, das Mili­tär auf die Sei­te der Oppo­si­ti­on und des selbst­er­nann­ten Inte­rims­prä­si­den­ten Juan Guai­dó zu brin­gen. Gemein­sam mit dem Opp­po­si­ti­ons­füh­rer Leo­poldo López und eini­gen Sol­da­ten such­te er den Luft­waf­fen­stütz­punkt La Car­lo­ta in der Haupt­stadt Cara­cas auf. Sein Ver­such, das Mili­tär umzu­stim­men, schei­ter­te jedoch. 

Vor sei­ner Fest­nah­me schrieb Zam­bra­no auf Twit­ter, dass sein Auto vor der Par­tei­zen­tra­le von Ver­tre­tern des vene­zo­la­ni­schen Geheim­diens­tes Sebin umstellt wor­den sei : 

Als wir uns gewei­gert haben aus­zu­stei­gen, haben sie einen Kran geholt, um uns mit Gewalt direkt nach Heli­coide (die Geheim­dienst­zen­tra­le) zu brin­gen. 

Nach Berich­ten wur­de er in dem Auto sit­zend abge­schleppt, da er sich gewei­gert hat­te aus­zu­stei­gen. 

Über die Fest­nah­me äußer­te sich Guai­dó auf Twit­ter : 

Wir war­nen das Volk Vene­zue­las und die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft : Das Régime hat den ers­ten Vize-Prä­si­den­ten (der Natio­nal­ver­samm­lung) ent­führt. 

Rund 50 Län­der spra­chen Guai­dó ihre Unter­stüt­zung aus, allen vor­an die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka. Nach Abbruch der diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen mit Vene­zue­la im März unter­zeich­ne­ten die USA mit der Schweiz im fol­gen­den Monat einen Ver­trag, wor­in sich die Schweiz bereit erklärt, die US-Inter­es­sen in diplo­ma­ti­schen und kon­su­la­ri­schen Ange­le­gen­hei­ten in Vene­zue­la zu über­neh­men. Bis­lang wur­de das jedoch noch nicht umge­setzt. Die Regie­rung des gewähl­ten Prä­si­den­ten Nicolás Madu­ro sieht die Inter­es­sen der USA an einem Füh­rungs­wech­sel in Vene­zue­la des­sen rei­chen Öl-Vor­kom­men geschul­det. Alle Ver­su­che der USA, das Mili­tär gegen Madu­ro auf­zu­brin­gen, schei­ter­ten bis­her. Der US-Außen­mi­nis­ter Mike Pom­peo warf auch der rus­si­schen Regie­rung vor, Vene­zue­la kon­trol­lie­ren zu wol­len. 

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Venezuela : Die Missachtung internationalen Rechts durch die USA erschwert eine Lösung (Video)


Die Kri­se in Vene­zue­la köchelt wei­ter vor sich hin. Der selbst­er­nann­te Über­gangs­prä­si­dent Juan Guai­do ist offen­bar nicht in der Lage, ohne eine aus­län­di­sche Inter­ven­ti­on die Macht im Land zu über­neh­men. Eine sol­che Inter­ven­ti­on ist bis­her jedoch aus­ge­blie­ben.
Auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne gibt es zwar Gesprä­che, doch erwei­sen sich die unter­schied­li­chen Her­an­ge­hens­wei­sen als unüber­brück­ba­res Hin­der­nis. Wäh­rend sich die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on am inter­na­tio­na­len Recht ori­en­tiert, favo­ri­sie­ren die Ver­ei­nig­ten Staa­ten eine Durch­set­zung ihrer Inter­es­sen am Recht vor­bei. Ver­hand­lun­gen gestal­ten sich ent­spre­chend schwie­rig.
Auch Guai­do gerät zuneh­mend unter Druck. Sei­ne stän­di­gen Miss­erfol­ge dürf­ten ihn bald jeder Unter­stüt­zung sei­ner Anhän­ger berau­ben.

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