Selektive Empörung auf höchstem Niveau : Werte-Partner Kolumbien versinkt in Gewalt


Seit der Selbst­er­nen­nung Juan Guai­dós zum vene­zo­la­ni­schen Inte­rims­prä­si­den­ten ist auf den trans­at­lan­ti­schen “Part­ner” Kolum­bi­en Ver­lass. An vor­ders­ter Front for­dert Staats­chef Iván Duque Már­quez die Abdan­kung des vene­zo­la­ni­schen Prä­si­den­ten Nicolás Madu­ro und erkann­te als einer der ers­ten Guai­dó als Über­gangs­prä­si­den­ten an. Am Diens­tag erklär­te Duque dann, dass alle Maß­nah­men ergrif­fen wer­den müss­ten, um die “Dik­ta­tur in Vene­zue­la” zu been­den. So weit das gepfleg­te Nar­ra­tiv von Kolum­bi­en als Mit­glied der ver­meint­li­chen “inter­na­tio­na­len Gemein­schaft” im Kampf gegen das Unrecht.

Gleich­zei­tig han­delt es sich bei die­ser all­zu simp­len For­mel um ein wei­te­res und kaum mehr zu über­bie­ten­des Bei­spiel für die zyni­sche, geo­po­li­tisch moti­vier­te, selek­ti­ve Sor­ge um “Men­schen­rech­te”, “Frei­heit” und “Demo­kra­tie”. Da ist es auch kei­ne Über­ra­schung, dass die gesam­te Band­brei­te der soge­nann­ten Qua­li­täts­me­di­en der ekla­tan­ten Dop­pel­mo­ral so gut wie kei­ne Auf­merk­sam­keit schenkt.

Kolum­bia­ni­sche Koka­in­pro­duk­ti­on erreicht neu­en Höchst­stand

Dabei ist Kolum­bi­en Schau­platz gleich meh­re­rer beun­ru­hi­gen­der Ent­wick­lun­gen. So erlebt etwa die Koka­in­pro­duk­ti­on aktu­ell einen gewal­ti­gen Auf­schwung. Obwohl Duque in einer Rede beton­te, dass es an der Zeit sei, “den Dro­gen­han­del zu zer­schla­gen”, bekommt die Regie­rung das Dro­gen­pro­blem nicht in den Griff. Die Flüs­se San Juan und Naya sind zwei der wich­tigs­ten Dro­gen­han­dels­rou­ten Kolum­bi­ens, und die loka­len Gemein­den wer­den von bewaff­ne­ten Grup­pen ter­ro­ri­siert, die um die Kon­trol­le ihres Lan­des kämp­fen. Die Flüs­se befin­den sich auf bei­den Sei­ten von Buen­aven­tu­ra, dem Haupt­ha­fen des Lan­des und trans­por­tie­ren Koka­in­lie­fe­run­gen von Fel­dern und Labors tief im kolum­bia­ni­schen Dschun­gel bis zur Pazi­fik­küs­te, von wo aus sie ihre Rei­se in Rich­tung der inter­na­tio­na­len Märk­te antre­ten – jene der USA und Euro­pas ein­ge­schlos­sen.

Wir wis­sen, dass sich alle ver­schie­de­nen Akteu­re auf dem Fluss bewe­gen, und es gibt Kämp­fe zwi­schen ihnen, um die­se Regi­on zu kon­trol­lie­ren, damit sie ihr Pro­dukt trans­por­tie­ren kön­nen. Wenn es kei­ne Dro­gen­händ­ler gäbe, wür­den wir so leben wie vor 15 oder 20 Jah­ren. Wir wür­den in Frie­den leben”, erklär­te etwa Dago­ber­to Pre­tel, Spre­cher der loka­len Gemein­de Cabe­ce­ras.

Zwei Jah­re nach der Unter­zeich­nung eines Frie­dens­ab­kom­mens durch die kolum­bia­ni­sche Regie­rung und den FARC-Rebel­len maro­die­ren etli­che bewaff­ne­te Grup­pie­run­gen durch das Land, um das ent­stan­de­ne Macht­va­ku­um zu fül­len und nun brach­lie­gen­de Dro­gen­fel­der unter ihre Kon­trol­le zu bekom­men. Es wäre zu kurz gegrif­fen, allein die FARC für die Infra­struk­tur des Dro­gen­an­baus ver­ant­wort­lich zu machen, denn seit vie­len Jah­ren spie­len auch kolum­bia­ni­sche Mili­tärs und pro­mi­nen­te rech­te Poli­ti­ker bei der Koka­in­pro­duk­ti­on eine eben­so pro­mi­nen­te wie tra­gi­sche Rol­le.

Mili­tärs, Para­mi­li­tärs, Poli­zei und die Natio­na­le Befrei­ungs­ar­mee ELN sor­gen für einen gewalt­tä­ti­gen All­tag vor allem für die indi­ge­ne afro-kolum­bia­ni­sche Bevöl­ke­rung Kolum­bi­ens. Wie alle genann­ten Akteu­re mischt auch die ELN im Dro­gen­han­del mit, nach­dem sie die Koka-Anbau­flä­chen der FARC über­nahm. Nach UN-Anga­ben erreich­te die kolum­bia­ni­sche Koka­in­pro­duk­ti­on neue Rekord­wer­te, wobei das Land im Jahr 2017, dem letz­ten Jahr, für das ent­spre­chen­de Sta­tis­ti­ken vor­lie­gen, schät­zungs­wei­se 1.379 Ton­nen Koka­in pro­du­zier­te. Das ist ein Anstieg der Koka­in­pro­duk­ti­on um 31 Pro­zent gegen­über dem Rekord­jahr 2016, das einen Anstieg der Koka­in­pro­duk­ti­on um 50 Pro­zent gegen­über 2015 ver­zeich­ne­te.

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Auch Washing­ton ist die Situa­ti­on bekannt, was etwa anhand eines Memo­ran­dums des US-Prä­si­den­ten an den US-Außen­mi­nis­ter aus dem Jahr 2017 deut­lich wird. Wie aus die­sem her­vor­geht, habe die Regie­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten “ernst­haft erwo­gen, Kolum­bi­en als ein Land ein­zu­ord­nen, das nach­weis­lich gegen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus inter­na­tio­na­len Anti-Dro­gen-Abkom­men ver­sto­ßen hat, da der Koka­an­bau und die Koka­in­pro­duk­ti­on in den letz­ten drei Jah­ren außer­or­dent­lich zuge­nom­men haben, ein­schließ­lich des Rekord­an­baus in den letz­ten zwölf Mona­ten”.

Kolum­bi­en wird ver­schont, Vene­zue­la sank­tio­niert

Gleich­zei­tig nahm Washing­ton jedoch Abstand von der Idee, Bogo­tá den Dro­genstem­pel auf­zu­drü­cken, und zwar “weil die natio­na­le kolum­bia­ni­sche Poli­zei und die Streit­kräf­te enge Part­ner der Straf­ver­fol­gungs- und Sicher­heits­kräf­te der Ver­ei­nig­ten Staa­ten in der west­li­chen Hemi­sphä­re sind”.

Zudem bemü­he sich die kolum­bia­ni­sche Regie­rung ja im Kampf gegen den Dro­gen­an­bau. Doch damit nicht genug. Beson­ders bizarr wird die Washing­to­ner Mil­de gegen­über Bogo­tá im Ver­gleich zur Stren­ge gegen­über Cara­cas. In den letz­ten Jah­ren wur­de das Land mit US-Sank­tio­nen über­zo­gen – unter ande­rem wegen angeb­li­cher Ver­wick­lun­gen in den inter­na­tio­na­len Dro­gen­han­del.

Vene­zue­la hat nach­weis­lich gegen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus inter­na­tio­na­len Dro­gen­ab­kom­men ver­sto­ßen”, heißt es unter ande­rem beim Recher­che-Dienst des US-Kon­gres­ses.

Kon­kre­te Bewei­se für die Anschul­di­gun­gen vor­zu­le­gen, hielt das US-Finanz­mi­nis­te­ri­um offen­sicht­lich nicht für not­wen­dig. Der­weil beschrieb das Dro­gen­kon­troll­pro­gramm der Ver­ein­ten Natio­nen (UNDCP) das kolum­bia­ni­sche Mili­tär als einen der “größ­ten Insti­tu­tio­nen im Hero­in- und Koka­in­han­del”. Also just den “engen Part­ner” bei der US-Straf­ver­fol­gung, der seit Jahr­zehn­ten im Rah­men des “Plans Kolum­bi­en” von Washing­ton, ins­be­son­de­re wäh­rend der Clin­ton-Ära, bewaff­net und aus­ge­bil­det wird. Wider bes­se­res Wis­sen, denn gleich­zei­tig führ­te die Defence Intel­li­gence Agen­cy (DIA) etwa den ehe­ma­li­gen kolum­bia­ni­schen Prä­si­den­ten Álva­ro Uri­be “auf einer Lis­te von 104 wich­ti­gen Dro­gen­händ­lern in Diens­ten der kolum­bia­ni­schen Dro­gen­kar­tel­le”.

Doch die omi­nö­se Dop­pel­mo­ral weist dem­nach noch eine wesent­lich zyni­sche­re Dimen­si­on auf, wie etwa Oli­ver Vil­lar in sei­nem Buch “Death Squads and the War on Ter­ror : U.S. Impe­ria­lism and Class Strugg­le in Colom­bia” behaup­tet. Dem­nach sei der Anti-Dro­gen-Kampf der USA in Kolum­bi­en nie dazu bestimmt gewe­sen, den Koka­inab­bau zu been­den, son­dern ledig­lich dazu, Kon­trol­le über die Markt­an­tei­le zu erlan­gen. Dadurch soll­te sicher­ge­stellt wer­den, dass US-Ver­bün­de­te in Kolum­bi­en – wie etwa die kolum­bia­ni­sche Regie­rung, para­mi­li­tä­ri­sche Kräf­te und die wohl­ha­ben­de Éli­te – den Dro­gen­han­del ohne Kon­kur­renz von außen mono­po­li­sie­ren konn­ten.

Men­schen­rech­te” – ein Fremd­wort für die indi­ge­ne Bevöl­ke­rung Kolum­bi­ens

Aller­dings zeich­net nicht nur der Dro­gen­han­del ein äußerst frag­wür­di­ges Bild der mora­li­schen Inte­gri­tät Kolum­bi­ens und sei­ner trans­at­lan­ti­schen Schutz­mäch­te. Vor allem beim The­ma Men­schen­rech­te stel­len die dop­pel­ten Stan­dards kri­ti­sche Beob­ach­ter auf eine har­te Pro­be. So ist das tro­pi­sche Land Schau­platz sys­te­ma­ti­scher Tötung und Mar­gi­na­li­sie­rung der indi­ge­nen und seit jeher dis­kri­mi­nier­ten Bevöl­ke­rung. Davon ist seit dem Jahr 2011 ins­be­son­de­re die größ­te indi­ge­ne Bevöl­ke­rungs­grup­pe betrof­fen, die Wayuu aus der Regi­on Gua­ji­ra, nach­dem die kolum­bia­ni­sche Regie­rung deren ein­zi­ge Was­ser­quel­le zum Vor­teil der größ­ten Koh­le­mi­ne des Lan­des umlei­te­te. Tau­sen­de Ange­hö­ri­ge des indi­ge­nen Vol­kes star­ben an Man­gel an sau­be­rem Trink­was­ser.

Doch wäh­rend sich die trans­at­lan­ti­sche Gemein­schaft und deren Ver­bün­de­te ver­meint­lich über die “huma­ni­tä­re Situa­ti­on” in Vene­zue­la den Kopf zer­bre­chen, stößt das enor­me Leid der Wayuu auf kei­ner­lei demons­tra­ti­ve Anteil­nah­me sei­tens der übli­chen Moral­apos­tel.

(Die) Wayuu sind die größ­te indi­ge­ne Grup­pe Kolum­bi­ens. Laut einer Regie­rungs-Web­site machen sie über ein Drit­tel der Bevöl­ke­rung von Gua­ji­ra aus, die der­zeit auf eine Mil­li­on Men­schen geschätzt wird und seit min­des­tens 3.000 Jah­ren in der Regi­on lebt. Die Natur, und ins­be­son­de­re das Was­ser, spielt eine wich­ti­ge Rol­le in der Wayuu-Kul­tur,” heißt es über das indi­ge­ne Volk.

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Sie­ben Jah­re nach­dem der Fluss Ran­che­ría – die ein­zi­ge loka­le Süß­was­ser­quel­le – durch den staat­lich errich­te­ten Stau­damm Cer­ca­do umge­lei­tet wur­de, um den Was­ser­be­darf der Koh­le­mi­ne Cer­re­jón zu decken, ist das Schick­sal der Wayuu unge­wis­ser als je zuvor.

Die Mine, deren Slo­gan “Respon­si­ble Mining” (ver­ant­wort­li­cher Berg­bau) lau­tet, ist mit 690 Qua­drat­ki­lo­me­tern die größ­te offe­ne Koh­le­mi­ne Latein­ame­ri­kas. Die ursprüng­lich vom ein­fluss­rei­chen US-Kon­zern Exxon­Mo­bil gegrün­de­te Mine wird nun­mehr von loka­len Toch­ter­ge­sell­schaf­ten des Schwei­zer Unter­neh­mens Glen­core, des bri­tisch-aus­tra­li­schen Unter­neh­mens BHP Bil­li­ton und des bri­tisch-süd­afri­ka­ni­schen Unter­neh­mens Anglo Ame­ri­can betrie­ben. Es ist kein Geheim­nis, dass Minen­be­trei­ber nicht sel­ten mit rechts­ge­rich­te­ten para­mi­li­tä­ri­schen Grup­pen koope­rie­ren – die wie­der­um eng mit der kolum­bia­ni­schen Regie­rung ver­bun­den sind und auch das Leben etwa der Wayuu bedro­hen.

Doch nicht nur die Zukunft der Wayuu ist bedroht. Seit der Amts­ein­füh­rung des kolum­bia­ni­schen Prä­si­den­ten Iván Duque hat sich die bereits pre­kä­re Lage der gesam­ten indi­ge­nen Völ­ker Kolum­bi­ens wei­ter zuge­spitzt. Obwohl erst seit August letz­ten Jah­res an der Macht, berich­te­te El Tiem­po, dass die Mor­de an indi­ge­nen Wort­füh­rern unter der Prä­si­dent­schaft Duques den höchs­ten Stand seit über einem Jahr­zehnt erreich­ten. Nach Anga­ben der Nach­rich­ten­sei­te wur­den in den ers­ten 100 Tagen der neu­en Regie­rung 120 Wort­füh­rer indi­ge­ner Orga­ni­sa­tio­nen und Men­schen­recht­ler ermor­det. Ins­ge­samt wur­den dem­nach 226 Men­schen Opfer von Mord­an­schlä­gen.

Obwohl para­mi­li­tä­ri­sche Grup­pie­run­gen ein seit vie­len Jah­ren bestehen­des Pro­blem Kolum­bi­ens sind, stel­len die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen einen Höhe­punkt dar. Doch auch über die­se dra­ma­ti­schen Ereig­nis­se hül­len aus­ge­rech­net Regie­run­gen den Man­tel des Schwei­gens, die sich ande­rer­seits nicht zu scha­de sind, etwa ver­meint­li­che Mor­de an Oppo­si­tio­nel­len durch die Regie­rung Madu­ro in Vene­zue­la zu gei­ßeln.

Duque tritt in die Fuß­stap­fen sei­nes Vor­gän­gers Álva­ro Uri­be

Der­weil ist nicht bekannt, dass der kolum­bia­ni­sche Prä­si­dent Ivan Duque ange­mes­se­ne Maß­nah­men ergrif­fen hät­te, um die eige­ne indi­ge­ne Bevöl­ke­rung vor töd­li­chen Über­grif­fen effek­tiv zu schüt­zen. Das hal­ten Beob­ach­ter für wenig ver­wun­der­lich, han­de­le es sich bei Duque doch um den Wunsch­nach­fol­ger und Pro­te­gé des ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten Álva­ro Uri­be. Ehe­ma­li­ge Kom­man­deu­re der rech­ten Todes­schwa­dron AUC behaup­ten, dass Uri­be “der Kopf der para­mi­li­tä­ri­schen Grup­pie­run­gen Kolum­bi­ens” gewe­sen sei, die wie­der­um von meh­re­ren US-Kon­zer­nen finan­ziert wor­den sei­en.

Uri­be, von 2002 bis 2010 Prä­si­dent Kolum­bi­ens und ein enger Ver­bün­de­ter des ehe­ma­li­gen US-Prä­si­den­ten Geor­ge W. Bush, war dem­nach auch per­sön­lich in die Orga­ni­sie­rung eines Mas­sa­kers ver­wi­ckelt, des­sen Durch­füh­rung einer rechts­ge­rich­te­ten para­mi­li­tä­ri­schen Grup­pe zur Last gelegt wird. Doch nicht nur Uri­be ver­brei­te­te dem­zu­fol­ge den Hauch des Todes. Uri­bes Cou­sin Mario, eben­falls Poli­ti­ker, wur­de beschul­digt, Todes­schwa­dro­nen mobi­li­siert zu haben, um den Sieg Uri­bes bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len im Jahr 2002 zu sichern. Uri­bes Bru­der wur­de im Jahr 2016 wegen Grün­dung einer rechts­ge­rich­te­ten para­mi­li­tä­ri­schen Grup­pe ver­haf­tet.

Unter Uri­bes Prä­si­dent­schaft mas­sa­krier­te das kolum­bia­ni­sche Mili­tär Tau­sen­de von Zivi­lis­ten. Eine gewis­se Auf­merk­sam­keit erlang­te der “Fal­se Positives”-Skandal, bei dem das kolum­bia­ni­sche Mili­tär schät­zungs­wei­se 5.000 Zivi­lis­ten erst in Gue­ril­la-Klei­dung steck­te, um die Men­schen dann zu ermor­den. Anschlie­ßend kas­sier­te man dann das von der Uri­be-Regie­rung zuge­si­cher­te Kopf­geld.

Die Skru­pel­lo­sig­keit des Álva­ro Uri­be erklärt, war­um bereits unter des­sen Prä­si­dent­schaft die Mord­ra­te an indi­ge­nen Wort­füh­rern und Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten mit 1.912 Mor­den im Jahr 2003 ihren damals his­to­ri­schen Höchst­stand erreich­te. In fata­ler Tra­di­ti­on bekun­de­ten die rech­ten Para­mi­li­tärs auch Duque ihre Treue, wozu auch gehört, oppo­si­tio­nel­le und pro­gres­si­ve Kräf­te als “mili­tä­ri­sche Zie­le” zu “ver­nich­ten”.

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Mit Bezug auf die ent­spre­chen­den staat­li­chen Par­al­lel­struk­tu­ren in Kolum­bi­en erklär­te der inhaf­tier­te Para­mi­li­tär Sal­va­to­re Man­cu­so bereits im Jahr 2012 unver­blümt :

Wir (die Para­mi­li­tärs) haben uns bei den Wah­len der Sena­to­ren und Abge­ord­ne­ten enga­giert, die uns eine sol­che Macht ver­lie­hen haben, dass wir sogar die Prä­si­dent­schafts­wah­len beein­flus­sen konn­ten. (…) All dies mit dem Ziel, poli­ti­sche Macht in den Regio­nen zu erlan­gen, um unse­re Posi­ti­on als De-fac­to-Staat zu fes­ti­gen.

Stein­mei­er lobt vor Ort “Leis­tun­gen” Kolum­bi­ens

Der­weil emp­fing der Part­ner der trans­at­lan­ti­schen Staa­ten­welt und kolum­bia­ni­sche Prä­si­dent am Mon­tag Bun­des­prä­si­dent Frank- Wal­ter Stein­mei­er. Doch wer nun hofft, dass das deut­sche Staats­ober­haupt als mora­li­sche Instanz zumin­dest “mah­nen­de Wor­te” gegen­über Duque fand, wird bit­ter ent­täuscht. Anstatt Duque die Levi­ten zu lesen, wür­dig­te der Bun­des­prä­si­dent “die Leis­tun­gen” Kolum­bi­ens und des­sen Nach­bar­land Ecua­dor “für ihre Hil­fe­leis­tun­gen an Flücht­lin­ge aus Vene­zue­la”.

Ent­gan­gen ist Stein­mei­er offen­sicht­lich, dass Kolum­bi­en laut dem Jah­res­be­richt 2018 des UN-Flücht­lings­hilfs­werks UNHCR mit etwa “7,7 Mil­lio­nen das Land mit den welt­weit meis­ten inter­nen Flücht­lin­gen” ist.

Die meis­ten von ihnen sind Klein­bau­ern aus der pazi­fi­schen Küs­ten­re­gi­on und der Grenz­re­gi­on zu Vene­zue­la”, heißt es dazu auf der Nach­rich­ten­sei­te Amerika21.

Um dem lang­sa­men Tod des eige­nen Vol­kes durch Unter­ernäh­rung, Was­ser­man­gel und durch ver­schmutz­tes Was­ser über­tra­ge­ne Krank­hei­ten zu ent­kom­men, zieht es die kolum­bia­ni­schen Wayuu der­weil ins­be­son­de­re zu den Wayuú in Vene­zue­la. Die­se sind bekannt für ihre Unter­stüt­zung des soge­nann­ten Cha­vis­mo und der von Madu­ro geführ­ten Regie­rung. Die von den USA unter­stütz­ten Pro­tes­te in Vene­zue­la bezeich­ne­ten sie als gewalt­tä­ti­ge Aus­schrei­tun­gen “mit dem Ziel, Cha­os zu schaf­fen”. Das Stein­mei­er auch dar­über nicht infor­miert zu sein schien, kann ihm der­weil nicht zwangs­läu­fig zur Last gelegt wer­den. 2017 ver­brei­te­te sich zumin­dest die Nach­richt, dass die Unter­stüt­zung Madu­ros durch die Wayuu bei west­li­chen Medi­en weit­ge­hend auf tau­be Ohren stieß, weil sie “nicht mit dem anti-vene­zo­la­ni­schen Nar­ra­tiv der Medi­en über­ein­stimmt”.

Dafür fand der Bun­des­prä­si­dent wei­te­re sal­bungs­vol­le Wor­te für Kolum­bi­en.

Wir soll­ten auf die­se bei­den Län­der schau­en, weil sich in den letz­ten Jah­ren viel Posi­ti­ves ent­wi­ckelt hat”, wuss­te der Bun­des­prä­si­dent zu ergän­zen um sor­gen­voll zu ergän­zen, dass unter den gegen­wär­ti­gen Umstän­den “mit Blick auf die schwie­ri­ge Nach­bar­schaft in Vene­zue­la (…) auch vie­les wie­der bedroht” sei.

Stein­mei­er zeig­te sich über­zeugt, nur wenn ein neu­er Prä­si­dent “auf einer glaub­wür­di­gen, legi­ti­men Grund­la­ge” und damit durch eine ehr­li­che Wahl das Amt inne­ha­be, wer­de es neue Hoff­nung auf eine Zukunft für die Men­schen in Vene­zue­la geben.

Bei sei­nem Besuch wan­del­te der Bun­des­prä­si­dent auf den Spu­ren des Natur­for­schers Alex­an­der von Hum­boldt, des­sen Latein­ame­ri­ka­rei­se vor 220 Jah­ren Anlass für den Besuch des Bun­des­prä­si­den­ten in Kolum­bi­en war. Über den For­scher wuss­te er unter ande­rem zu berich­ten, dass die­ser “zu einer neu­en Sicht auf die Natur und die Welt gelangt” sei “sowie zu der Fest­stel­lung, dass alles zusam­men­hängt”. Die nächs­te Sta­ti­on auf der prä­si­dia­len Rei­se ist Ecua­dor – eben­falls ein “Part­ner” der trans­at­lan­ti­schen Front gegen den vene­zo­la­ni­schen “Dik­ta­tor” Nicolás Madu­ro.

Mehr zum The­ma — Ecua­dors Ex-Prä­si­dent Cor­rea warnt vor US-Mili­tär­ak­ti­on in Vene­zue­la

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Bayern versinkt im Schnee : Katastrophenfall auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen


Bad Tölz-Wolf­rats­hau­sen ist nach den Krei­sen Mies­bach, Berch­tes­ga­de­ner Land und Traun­stein der vier­te Land­kreis in Bay­ern, in dem der Kata­stro­phen­fall aus­ge­ru­fen wur­de. “Die Kata­stro­phen­schutz­be­hör­de koor­di­niert nun die Ein­sät­ze der Ret­tungs- und Ein­satz­kräf­te sowie wei­te­rer Dienst­stel­len und kann gege­be­nen­falls auch noch ein­mal zusätz­li­che Hil­fe zum Bei­spiel von Sei­ten der Bun­des­wehr anfor­dern”, sag­te Land­rat Josef Nie­der­mai­er. (dpa)
Mehr zum The­ma — In den Schnee­mas­sen gefan­gen : Der klei­ne Ort Jachen­au ist von der Außen­welt abge­schnit­ten

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Weil Bucht zu schnell zufror : kanadische Stadt versinkt im Chaos gestrandeter Robben (Video)


Die Tie­re konn­ten nach einem Strand­gang aus Gewäs­sern nahe der Stadt nicht in den Oze­an zurück­keh­ren, weil das Was­ser in der ver­gan­ge­nen Woche uner­war­tet zufror. Exper­ten zufol­ge könn­te die Geschwin­dig­keit, mit der die Bucht zuge­fro­ren ist, die Tie­re des­ori­en­tiert und sie dazu ver­an­lasst haben, sich ins Lan­des­in­ne­re zu bewe­gen, anstatt in Rich­tung offe­ner Gewäs­ser.

Bil­der in den sozia­len Medi­en zei­gen Rob­ben, die auf Stra­ßen und gro­ßen Schnee­ver­we­hun­gen gestran­det sind.

Rob­ben sind auf der Stra­ße, Rob­ben sind in den Haus­ein­fahr­ten der Leu­te, auf den Hin­ter­hö­fen, den Park­plät­zen, in den Ein­gän­gen, in den Geschäf­ten”, zitiert BBC die Bür­ger­meis­te­rin der Stadt, Shei­la Fitz­ge­rald.

Es wächst die Sor­ge, dass die Tie­re ver­hun­gern wer­den, wenn sie nicht von Wild­tier­be­am­ten ins Meer zurück­ge­bracht wer­den. “Sie sind vier oder fünf Mei­len vom Meer ent­fernt und wahr­schein­lich am Ver­hun­gern”, schrieb ein Zeu­ge auf Twit­ter.

Der Stadt­rat hat die kana­di­sche Zen­tral­re­gie­rung um Hil­fe gebe­ten. Man hofft auf Hil­fe des kana­di­schen Depart­ment of Fishe­ries and Oce­ans (DFO), das nun ein­grei­fen und die Tie­re ret­ten soll.

Mehr zum The­ma – Wei­te Rei­se : Frau fin­det Rob­ben­ba­by im eige­nen Gar­ten sechs Kilo­me­ter vom Strand ent­fernt

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