Wo ein Verstand ist, ist auch ein Weg : Elefant kippt Elektrozaun um und läuft ungestört weiter


Ein Förs­ter aus Indi­en hat am 4. Novem­ber auf Twit­ter ein Video mit einem klu­gen Ele­fan­ten ver­öf­fent­licht, das nun ein Inter­net-Hit ist. Die Auf­nah­me zeigt einen Dick­häu­ter, der sich einem Elek­tro­zaun nähert und einen der Pfos­ten umkippt, um unge­stört sei­ner Wege zu gehen.

Ele­fan­ten gehen, wohin sie wol­len. Der solar­be­trie­be­ne Elek­tro­zaun mit einer Span­nung von 5.000 Volt war eigent­lich dazu gedacht, sie auf­zu­hal­ten. Ihre Intel­li­genz macht sie klug genug, um die­ses Hin­der­nis zu durch­bre­chen”, steht im Tweet.

Der Bei­trag hat vie­le Kom­men­ta­re gesam­melt. Ein Nut­zer erzähl­te sei­ner­seits, dass die Rüs­sel­tie­re die Elek­tro­zäu­ne im Jalda­pa­ra-Natio­nal­park tes­ten, indem sie Zwei­ge auf die Dräh­te wer­fen. Der indi­sche Förs­ter Susan­ta Nan­da reagier­te auf den Kom­men­tar mit einem ande­ren Video, das die­se Infor­ma­tio­nen belegt. 

Nach Anga­ben der Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Ele­phant Voices haben Ele­fan­ten ein gutes Gedächt­nis, erken­nen ihre Art­ge­nos­sen und Men­schen, fer­ti­gen und benut­zen ein­fa­che Werk­zeu­ge, sind empa­thiefä­hig und haben offen­bar eine Vor­stel­lung vom Tod.

Mehr zum The­ma — Umwelt­be­wuss­ter als man­che Men­schen : Affe stillt Durst und dreht danach Was­ser­hahn zu

RT Deutsch


Machen Sie weiter so!“: Militärexperte Braun hat nach „mehr Auslandseinsätzen“ einen Deal für AKK


Nach dem umstrit­te­nen Vor­schlag von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er zu mehr Bun­des­wehr­ein­sät­zen im Aus­land lässt der Mili­tär­ex­per­te Rai­ner Braun kein gutes Haar an der CDU-Che­fin. Der auf „eige­nen stra­te­gi­schen Inter­es­sen“ beru­hen­de Vor­stoß sorgt bereits für Dis­kus­sio­nen. In die­ser Hin­sicht gibt Braun AKK einen beson­de­ren Tipp.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken


Russische Überhorizont-Radare können Stealth-Flugzeuge erkennen – Flugabwehr wird weiter ausgebaut


Russ­lands Über­ho­ri­zont-Radar­sta­tio­nen (OTH-Radar) des Typs “Pod­solnuch” (dt.: Son­nen­blu­me) befin­den sich – neben Fern­ost Russ­lands und am Kas­pi­schen Meer – nun­mehr auch an der Ost­see im Ein­satz. Dies gab Kirill Maka­row bekannt, Lei­ter des NPK NIIDAR (Wis­sen­schafts- und For­schungs­in­sti­tut für Lang­stre­cken-Funk­kom­mu­ni­ka­ti­on) in Mos­kau, wo die­se Sys­te­me ent­wi­ckelt wur­den. Maka­row erklär­te in einem Inter­view mit RIA Nowos­ti :

Wir bau­en Ober­flä­chen­wel­len­ra­da­re zur Früh­erken­nung von Schif­fen und Flug­ob­jek­ten. Das sind Radar­sta­tio­nen vom Typ ‘Son­nen­blu­me’. Sie sind bereits in Betrieb und über­schau­en drei Rich­tun­gen – von Rus­sisch Fern­ost, vom Kas­pi­schen Meer aus­wärts und ins Bal­ti­kum hin­ein. Dar­über hin­aus erkun­den wir neue Wege wie … ver­wand­te Tech­no­lo­gi­en mit elek­tro­ma­gne­ti­scher Strah­lung im Tera­hertz-Fre­quenz­be­reich.

Die­ses Radar­prin­zip ist in der Lage, Luft- und Ober­flä­chen­zie­le außer­halb des übli­chen Radar­ho­ri­zonts (also der maxi­ma­len Ent­fer­nung für nor­ma­le Rada­re) zu erken­nen und zu ver­fol­gen. Der Clou : Selbst wenn die Ziel­ob­jek­te pas­si­ve Tarn­tech­no­lo­gi­en ein­set­zen, wer­den sie mit annä­hernd der­sel­ben Reich­wei­te geor­tet wie gewöhn­lich Flug­ob­jek­te auch. Die­se Reich­wei­te beträgt laut der NIIDAR-Web­site – bei der Export­ver­si­on – bis zu 500 Kilo­me­ter für Flug­ge­rä­te in einer Flug­hö­he von min­des­tens drei Metern und bis zu 400 Kilo­me­ter für See­zie­le – je nach Grö­ße. Die Sys­te­me kön­nen bis zu 200 Ober­flä­chen- und 100 Luft­zie­le gleich­zei­tig ver­fol­gen und Luft­raum und Gewäs­ser in einem Azi­mut-Win­kel von 120° über­wa­chen. Die Leis­tungs­da­ten der Ver­sio­nen für das eige­ne Mili­tär unter­lie­gen der Geheim­hal­tung.

Russische Überhorizont-Radare können Stealth-Flugzeuge erkennen – Flugabwehr wird weiter ausgebaut

Im Jahr 2013 wur­de die ers­te “Podsolnuch”-Radarstation von der Kas­pi­schen Flot­til­le in Dienst gestellt und hat seit dem Jahr 2014 an einer Rei­he von mili­tä­ri­schen Übun­gen teil­ge­nom­men. Im August 2018 wur­de im Rah­men einer Übung der Flot­til­le eine neue Tak­tik namens “Die Wand” getes­tet, die es ermög­licht, den Bereich der Ziel­erfas­sung noch zu erwei­tern. Der Pres­se­dienst­lei­ter des Süd­li­chen Mili­tär­be­zirks Wadim Astaf­jew erklär­te :

Eine spe­zi­el­le Metho­de für den For­ma­tio­nen­auf­bau von Schif­fen und Flug­zeu­gen der Auf­klä­rungs- und Kampf­flie­ge­rei, ver­bun­den mit den Fähig­kei­ten der küs­ten­ge­bun­de­nen Ortungs­mit­tel – des Über­ho­ri­zont-Ober­flä­chen­wel­len­ra­dars “Sonnenblume‑E” – und der Flug­ab­wehr­ra­ke­ten­sys­te­me “Buk-M3”, ermög­licht es, die Ortungs­reich­wei­te für tief­flie­gen­de Zie­le deut­lich zu erhö­hen.

Wie Exper­ten fest­stel­len, geben die­se und ande­re neue Radar­sys­te­me Russ­land einen Vor­teil bei der Früh­erken­nung mög­li­cher Angrif­fe.

So plant – laut Maka­row – das For­schungs­in­sti­tut bis Ende des Jah­res auch die Über­ga­be des ers­ten Exem­plars der Über­ho­ri­zont-Radar­an­la­ge des Typs “Con­tai­ner” an die rus­si­schen Streit­kräf­te :

Die­se Radar­sta­ti­on nutzt das Phä­no­men der Refle­xi­on von Radio­wel­len im Deka­me­ter-Fre­quenz­be­reich durch die Iono­sphä­re (Anm.: in Russ­land trägt die­ses Phä­no­men den Namen Kaba­now-Effekt). Doch die­ses Radar hat einen soge­nann­ten “blin­den Fleck” von 900 Kilo­me­ter Brei­te. Daher wur­de beschlos­sen, die Radar­sta­ti­on im Lan­des­in­ne­ren auf­zu­bau­en, um so mit der Sta­ti­on aus siche­rer Ent­fer­nung den Luft­raum der Nach­bar­län­der über­wa­chen zu kön­nen.

Außer­dem lau­fen Arbei­ten an Sys­te­men, die in der Lage sein wer­den, Flug­droh­nen aus Kunst­stoff oder Holz zu erken­nen, so Maka­row wei­ter :

Jedes Mate­ri­al bie­tet eine effek­ti­ve Streu­ober­flä­che – selbst wenn es aus Holz ist, selbst wenn es aus Kunst­stoff besteht. Was wir ent­wi­ckeln, wird es uns ermög­li­chen, auch sol­che Droh­nen zu erken­nen.

Unüber­wind­ba­res Luft­ver­tei­di­gungs­sys­tem

Die­se Ent­wick­lun­gen ermög­li­chen, ein effek­ti­ves und zusam­men­hän­gen­des Luft- und Welt­raum­ver­tei­di­gungs­sys­tem auf­zu­bau­en, erklär­te Igor Korott­schen­ko, Chef­re­dak­teur der Zeit­schrift Nazio­nal­na­ja Obo­ro­na (dt.: Natio­na­le Ver­tei­di­gung):

Alle die­se Ent­wick­lun­gen zie­len dar­auf ab, in Russ­land ein zuver­läs­si­ges Luft- und Welt­raum­ver­tei­di­gungs­sys­tem zu erschaf­fen. Natür­lich lie­fern Rada­re die Pri­mär­in­for­ma­tio­nen. Daher bie­ten neue Ent­wick­lun­gen in der Radar­tech­no­lo­gie Russ­land eine Rei­he von ent­schei­den­den Vor­tei­len bei der Früh­erken­nung mög­li­cher Rake­ten- und Droh­nen­an­grif­fe und der Ziel­erfas­sung für Flug­ab­wehr­sys­te­me zwecks Bekämp­fung sol­cher Angrif­fe.

Laut Korott­schen­ko setzt die Flug­ab­wehr am rus­si­schen Mili­tär­flug­platz Hmeimim in Syri­en Radar­an­la­gen ein, die nach eben­die­sen Prin­zi­pi­en funk­tio­nie­ren. Es sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se Ein­rich­tung wie­der­holt von Ter­ror­mi­li­zen ange­grif­fen wur­de, die hier­für selbst­ge­bau­te Flug­droh­nen ver­wen­de­ten. So schos­sen die rus­si­schen Flug­ab­wehr­sys­te­me allein in den letz­ten zwei Jah­ren dort eine rie­si­ge Anzahl 118 unbe­mann­ter Flug­ge­rä­te ab, gab Gene­ral­ma­jor Igor Kona­schen­kow, offi­zi­el­ler Ver­tre­ter des rus­si­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, im Sep­tem­ber bekannt :

Ter­ro­ris­ten ver­such­ten wie­der­holt, das Flug­ab­wehr­sys­tem des Mili­tär­flug­plat­zes Hmeimim zu durch­bre­chen. Apro­pos Zah­len : In zwei Jah­ren wur­den 118 unbe­mann­te Flug­ge­rä­te ter­ro­ris­ti­scher Grup­pie­run­gen zer­stört, dar­un­ter 58 Droh­nen allein seit dem 1. Janu­ar die­ses Jah­res.

Korott­schen­ko beton­te, dass eini­ge der rus­si­schen Luft­ab­wehr­sys­te­me auch zur Ziel­erfas­sung für ande­re Abwehr­sys­te­me die­nen kön­nen, um sol­che Zie­le sofort zu erken­nen und mit ande­ren, dafür am bes­ten geeig­ne­ten Mit­teln zu zer­stö­ren. Der Ana­ly­ti­ker stell­te fest :

Des­halb sind wir heu­te sowohl bei Radar- als auch Flug­ab­wehr­ra­ke­ten­sys­te­men füh­rend. Und die neu­en Daten bestä­ti­gen, dass die­se Arbeit sys­te­ma­tisch, kon­se­quent und ziel­ge­rich­tet erfolgt.

Mehr zum The­ma – NATO will in rus­si­schen A2/AD-Zonen ope­rie­ren – Zugang ver­wei­gert

RT Deutsch


Proteste in Chile gehen weiter : Polizeigewalt gegen Minderjährige (Video)


Die Poli­zei in Chi­le soll Men­schen­rechts­be­ob­ach­ter und Min­der­jäh­ri­ge ange­schos­sen haben. Das mel­den das chi­le­ni­sche Insti­tut für Men­schen­rech­te und die natio­na­le Auf­sichts­be­hör­de für Kin­der­rech­te. Wegen der Pro­tes­te gegen die Regie­rung muss­te Prä­si­dent Sebas­tián Piñe­ra gleich zwei in Chi­le geplan­te inter­na­tio­na­le Kon­fe­ren­zen absa­gen. Betrof­fen sind der für Novem­ber geplan­te Asi­en-Pazi­fik-Gip­fel und der für Dezem­ber geplan­te UN-Kli­ma-Gip­fel.

RT Deutsch


Wir befinden uns im Kriegszustand” — Massenproteste in Chile gehen weiter


von Maria Mül­ler

In dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Land brach am 18. Okto­ber eine Volks­er­he­bung von bis­her unge­kann­tem Aus­maß los. Chi­le kommt bis heu­te nicht zur Ruhe — wes­halb Prä­si­dent Sebas­tián Piñe­ra am Mitt­woch die für Anfang Dezem­ber anbe­raum­te Welt­kli­ma­kon­fe­renz abge­sagt hat, die in der Haupt­stadt San­tia­go de Chi­le statt­fin­den soll­te.

Aus­lö­ser der Pro­tes­te war eine von Piñe­ra erlas­se­ne Ben­zin­preis­er­hö­hung. Doch der Hin­ter­grund ist das von Dik­ta­tor Augus­to Pino­chet ein­ge­setz­te, unge­bro­chen gül­ti­ge Sys­tem, das die sozia­len Rech­te der Bevöl­ke­rung auf ein Mini­mum zurück­ge­schraubt hat und ihre Grund­be­dürf­nis­se ver­ach­tet. 

Kei­ne der Regie­rungs­par­tei­en hat jemals an den von der Dik­ta­tur fest­ge­schrie­be­nen Pri­vi­le­gi­en der extrem rei­chen Eli­ten auf Kos­ten von wei­ten Tei­len der extrem armen Bevöl­ke­rung gerüt­telt. Die Preis­er­hö­hung brach­te das Fass zum Über­lau­fen und ver­ur­sach­te eine der größ­ten sozia­len Kri­sen in der Geschich­te Chi­les.

In der Haupt­stadt San­tia­go de Chi­le, aber auch in gro­ßen und mitt­le­ren Städ­ten wie Anto­fagas­ta, Val­pa­raí­so, Viña del Mar, Copi­apó, Con­cep­ción, Chil­lán, Temu­co und Pun­ta Are­nas kam es zu mas­sen­haf­ten Demons­tra­tio­nen. Allein am 23. Okto­ber fan­den im gan­zen Land 68 über­wie­gend fried­li­che Mobi­li­sie­run­gen statt, an denen sich 464.000 Per­so­nen betei­lig­ten. An die­sem Tag hat­te der zwei­tä­gi­ge Gene­ral­streik begon­nen, der auch am Don­ners­tag erfolg­reich durch­ge­führt wur­de.

Bis jetzt feh­len den Pro­tes­ten poli­ti­sche Füh­rungs­fi­gu­ren. Nie­mand ist an ihrer Spit­ze aus­zu­ma­chen, der das Gan­ze diri­gie­ren wür­de. Die Men­schen mobi­li­sie­ren sich selbst mit­tels der sozia­len Netz­wer­ke über Han­dy. Das brei­te sozia­le Spek­trum reicht von der unte­ren bis zur obe­ren Mit­tel­klas­se, Jugend­li­che, Stu­den­ten, Rent­ner, Eltern mit ihren Kin­dern, Arbei­ter, Künst­ler, Schrift­stel­ler, Pati­en­ten, medi­zi­ni­sches Per­so­nal, die inter­se­xu­el­le Bewe­gung. Auch die Mapu­che-India­ner sind dabei, deren Fah­ne sehr häu­fig unter den Demons­tran­ten zu sehen ist. Offen­bar gilt die­se Indi­ge­nen-Nati­on im Süden Chi­les als Bei­spiel für zähen und lang­at­mi­gen Wider­stand.

Sehr schnell wur­den ers­te For­de­run­gen und kri­ti­sche The­men genannt. Dar­un­ter die hohen Lebens­hal­tungs­kos­ten (San­tia­go ist die zweit­teu­ers­te Stadt in Latein­ame­ri­ka), die nied­ri­gen Ren­ten, die teu­ren Medi­ka­men­te und hohen Kos­ten für eine ärzt­li­che Ver­sor­gung. Außer­dem herrscht eine gene­rel­le Wut auf die gesam­te poli­ti­sche Klas­se. Es gibt kein Ver­trau­en mehr in die staat­li­chen Insti­tu­tio­nen.

Prä­si­dent Sebas­tián Piñe­ra und sein Kabi­nett haben mit einer so über­wäl­ti­gen­den Situa­ti­on nicht gerech­net. Er reagier­te mit här­tes­ter Repres­si­on und rief am 19. Okto­ber den Aus­nah­me­zu­stand aus, nachts herrsch­te ab 20.00 Uhr Aus­gangs­sper­re. Die Poli­zei selbst half dabei mit, Vor­wän­de für eine solch schwer­wie­gen­de Maß­nah­me zu schaf­fen, die es seit der Dik­ta­tur in Chi­le nicht mehr gege­ben hat.

Laut Augen­zeu­gen und Video­auf­nah­men haben Sol­da­ten dafür eigen­hän­dig Bar­ri­ka­den errich­tet und ange­zün­det, Gum­mi­rei­fen zum Ver­bren­nen auf Last­wa­gen trans­por­tiert und abge­la­den, einen Super­markt geplün­dert und ange­zün­det, eine Bank in Brand gesetzt, Fern­se­her aus einem Geschäft geraubt und in Dienst­au­tos abtrans­por­tiert und vie­les mehr. Sie sol­len auch an der Zer­stö­rung von Metro-Sta­tio­nen betei­ligt gewe­sen sein. Inzwi­schen hat der Staats­an­walt Héc­tor Bar­ros fest­ge­stellt :

In meh­re­ren Fäl­len wur­den Brän­de in den nicht öffent­lich zugäng­li­chen Elek­tri­zi­täts­zen­tra­len gelegt, die die Züge mit Strom ver­sor­gen.

Mehr zum The­ma - Aus­nah­me­zu­stand nach Unru­hen wegen Fahr­preis­er­hö­hun­gen in San­tia­go de Chi­le 

Meh­re­re Groß­brän­de bra­chen in U‑Bahn-Sta­tio­nen aus, obwohl sie seit dem 19.10. bereits geschlos­sen waren und von Sicher­heits­kräf­ten bewacht wur­den. Gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung benö­ti­gen die Metro, um zur Arbeit zu gelan­gen. Die außer­ge­wöhn­li­che Ran­da­le dien­te dann Piñe­ra als Vor­wand dafür, die Mili­tärs auf die Bür­ger zu het­zen. In einer Rede erklär­te er :

Wir befin­den uns im Kriegs­zu­stand gegen den gefähr­lichs­ten aller Fein­de – den inne­ren Feind !

Er griff damit in die Mot­ten­kis­te der Geschich­te – die­ses Kon­zept dien­te den Dik­ta­tu­ren der 70er- und 80er-Jah­re in Latein­ame­ri­ka als Vor­wand für den Ein­satz des Mili­tärs gegen die eige­nen Bür­ger, die es eigent­lich schüt­zen müss­te.

Nun stürm­ten 10.000 Sol­da­ten die chi­le­ni­sche Haupt­stadt, töte­ten, ver­letz­ten, ver­haf­te­ten, ver­ge­wal­tig­ten und lie­ßen ver­schwin­den. Die Bilanz besteht nach neu­es­ten Daten aus 42 Toten, 3.193 Ver­haf­te­ten, 20 Ver­schwun­de­nen, 17 ver­ge­wal­tig­ten Frau­en und 1.092 zum Teil schwer Ver­letz­ten (Natio­na­les Insti­tut für Men­schen­rech­te, Con­stan­za Schon­haut). Zahl­rei­che Ver­haf­te­te wur­den gefol­tert. Es gibt über hun­dert ver­letz­te Poli­zis­ten. Piñe­ra hat 17 Tote offi­zi­ell aner­kannt. Das Men­schen­rechts­in­sti­tut stell­te 88 Anzei­gen gegen den Staat.

Die Mili­tärs waren all­ge­gen­wär­tig Tag und Nacht auf den Stra­ßen, lie­ßen harm­lo­se Pas­san­ten unter Stock­hie­ben Spieß­ru­ten lau­fen, sprüh­ten wild mit Pfef­fer­spray auf die Leu­te oder feg­ten die Stra­ßen mit der Wucht der Was­ser­wer­fer frei. Sie dran­gen will­kür­lich in Häu­ser ein und ver­haf­te­ten mit vor­ge­hal­te­nem Gewehr, wer ihnen in die Que­re kam. Gas­kar­tu­schen war­fen sie in die Men­schen­men­ge, egal, ob sich dar­un­ter Alte, Kran­ke oder Kin­der befan­den.

Bár­ba­ra Figuer­oa, Prä­si­den­tin des mäch­ti­gen Gewerk­schafts­dach­ver­ban­des “Ver­ein­te Arbei­ter­zen­tra­le” (CUT), sag­te gegen­über Jour­na­lis­ten :

Das Ein­zi­ge, was Piñe­ra bis heu­te zustan­de brach­te, ist, das Land zu spal­ten und die Span­nun­gen zu erhö­hen. Heu­te sehen wir auf den Stra­ßen jun­ge Män­ner, die mit einem Gewehr auf die eige­nen Lands­leu­te zie­len. 

Doch dies­mal haben die Men­schen die Angst ver­lo­ren. Trotz der Aus­gangs­sper­re und der mili­tä­ri­schen Prä­senz hat die Bevöl­ke­rung beschlos­sen, die Armee und die Poli­zei her­aus­zu­for­dern. Rie­si­ge Kund­ge­bun­gen auf den Plät­zen, Streik­pos­ten an den Ecken, Töp­fe­schla­gen und Stra­ßen­kon­zer­te, auf denen Hun­der­te die Lie­der des chi­le­ni­schen Wider­stands­sän­gers Vic­tor Jara oder des Vene­zo­la­ners Alí Pri­me­ra anstim­men.

Mehr zum The­ma - Pri­va­tes Ren­ten­sys­tem : Zwei Mil­lio­nen Men­schen pro­tes­tie­ren in Chi­le

Es gab zahl­rei­che gewalt­sa­me Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Mili­tär und Poli­zei, die mit Stein­ha­gel oder Brand­fla­schen atta­ckiert wur­den. In den Zen­tren, aber auch in Rand­be­zir­ken wur­den Bar­ri­ka­den auf­ge­türmt und Gebäu­de in Brand gesetzt, vor allem sol­che aus der Finanz- und Wirt­schafts­welt. Man pro­tes­tiert gegen deren Poli­tik des per­ma­nen­ten Miss­brauchs, gegen den schlecht funk­tio­nie­ren­den öffent­li­chen Dienst, das pri­va­ti­sier­te Gesund­heits- und Bil­dungs­we­sen, das man zu “kau­fen” gezwun­gen ist. Es geht gegen die Wucher­kre­di­te, die hohen Trans­port­kos­ten und schlech­ten Ver­kehrs­mit­tel.

Bei fast allen Akti­vi­tä­ten der Chi­le­nen lau­ert die kor­po­ra­ti­ve Macht, die die Men­schen um ihre Mühen und Arbeit bringt”, erklär­te ein Demons­trant den anwe­sen­den Jour­na­lis­ten.

Die Mehr­heit der Chi­le­nen lebt mit einem häu­fig unbe­zahl­ba­ren Schul­den­berg. Von den Aka­de­mi­kern, die mit zehn­tau­sen­den Dol­lars ihr Stu­di­um finan­zie­ren müs­sen, den Rent­nern, die monat­lich Geld lei­hen, um nicht zu ver­hun­gern, bis hin zu den Fami­li­en, deren Gehäl­ter so nied­rig sind, dass sie kaum die Schul­den vom Vor­mo­nat bezah­len kön­nen. Die über­höh­ten Zin­sen und Stra­fen sei­tens der pri­va­ten Klein­kre­dit­fir­men machen das Gan­ze zum Alp­traum. Auch das erklärt die sozia­le Explo­si­on.

Am 22. Okto­ber, einen Tag vor dem Gene­ral­streik, hat­te Prä­si­dent Piñe­ra eini­ge Zuge­ständ­nis­se an die Bevöl­ke­rung ver­kün­det. Er hoff­te, damit die Ruhe wie­der­her­zu­stel­len.

Die Niedri­gren­ten soll­ten um 20 Pro­zent erhöht, Steu­ern für Rent­ner redu­ziert und ein sub­ven­tio­nier­tes Min­dest­ein­kom­men für Arbei­ter garan­tiert wer­den. Man wol­le die Erhö­hung des Strom­ta­rifs um 9,2 Pro­zent zurück­neh­men. Außer­dem die Unter­neh­men und Groß­ver­die­ner zusätz­lich besteu­ern. Gleich­zei­tig wür­de die Zahl der Par­la­men­ta­ri­er ver­rin­gert, ihre Bezü­ge genau­so gekürzt wie die hohen Beam­ten­ge­häl­ter.

Eine Ver­si­che­rung für hohe Medi­ka­men­ten- und Arzt­kos­ten sol­le ein­ge­führt wer­den, denn in Chi­le ster­ben vie­le Men­schen wegen medi­zi­ni­scher Unter­ver­sor­gung. Kin­der­krip­pen für Fami­li­en mit arbei­ten­den Eltern sol­len ein­ge­rich­tet wer­den, Rechts­schutz und Betreu­ung für die Opfer von Ver­bre­chen. Man will nun die öffent­li­chen Mit­tel bes­ser zwi­schen armen und rei­chen Kom­mu­nen ver­teil­ten.

An die­sem Tag bat der Prä­si­dent das chi­le­ni­sche Volk um Ver­zei­hung, weil er es ver­säumt hat­te, des­sen mise­ra­ble Lebens­be­din­gun­gen “recht­zei­tig zu erken­nen”.

Es ist wahr, dass sich die Pro­ble­me seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten ange­häuft haben und dass wir und die ver­schie­de­nen Regie­run­gen unfä­hig waren, uns die­se Situa­ti­on in ihrem gan­zen Umfang ein­zu­ge­ste­hen. Ich erken­ne das an und bit­te um Ver­zei­hung für die feh­len­de Ein­sicht.

Mehr zum The­ma Wie die Welt­bank die Prä­si­dent­schafts­wah­len in Chi­le mit mani­pu­lier­ten Wirt­schafts­da­ten beein­fluss­te

Wei­te Tei­le der Bevöl­ke­rung emp­fin­gen die Ankün­di­gun­gen Sebas­tián Piñe­ras mit Sor­ge und neu­er­li­chen Beden­ken. Jahr­zehn­te des Ver­rats und der Täu­schun­gen haben in meh­re­ren miss­han­del­ten Genera­tio­nen ein tie­fes Miss­trau­en hin­ter­las­sen.

An irgend­ei­nem Punkt will er uns wie­der täu­schen. (…) Piñe­ra will Zeit gewin­nen, er erwar­tet, dass wir nach Hau­se gehen, ein rei­ner Schach­zug”, war die Reak­ti­on in den sozia­len Netz­wer­ken.

Zwei Tage zuvor hat­te Piñe­ra noch den inne­ren “Kriegs­zu­stand” erklärt, den er auch nach sei­nen Ver­spre­chen und der Selbst­kri­tik auf­rech­ter­hielt. Der Aus­nah­me­zu­stand und die Aus­gangs­sper­re dau­er­ten die gan­ze Woche bis zum Sonn­tag, dem 27.10., an. Schließ­lich nahm Piñe­ra die­se Maß­nah­me zurück, nicht ohne sich vor­her bei der Armee für ihre “guten Diens­te” zu bedan­ken.

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag kam die Ant­wort “von unten”. Hun­der­te blo­ckier­ten die Zufahrts­stra­ßen der Haupt­stadt San­tia­go. An die­sem Tag leg­ten 1,2 Mil­lio­nen Men­schen die Innen­stadt lahm. “Die größ­te Demons­tra­ti­on seit Ende der Dik­ta­tur”, stell­te Feder­i­co Galen­de, Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät in San­tia­go, fest. Immer mehr Men­schen for­dern inzwi­schen den Rück­tritt des Mul­ti­mil­lo­närs Sebas­tián Piñe­ra, des­sen Popu­la­ri­tät um 80 Pro­zent gesun­ken ist. Auch der Wunsch nach einer neu­en, demo­kra­ti­schen Ver­fas­sung wird immer lau­ter, da die gegen­wär­ti­ge Magna Char­ta seit der Dik­ta­tur unver­än­dert gül­tig blieb.

Piñe­ra ver­braucht das Reper­toire der bür­ger­li­chen Regie­run­gen Schritt für Schritt, um sich selbst an der Macht zu hal­ten. Übers Wochen­en­de wech­sel­te er Tei­le sei­nes Kabi­netts aus, am Mon­tag ver­ei­dig­te er acht neue Minis­ter, dar­un­ter die für Inne­res, Wirt­schaft und Finan­zen. 

Die­ses Team hat die Auf­ga­be, zuzu­hö­ren und den Dia­log für ein gerech­te­res Chi­le zu eröff­nen”, ver­kün­dig­te er bei deren Ver­ei­di­gung.

Piñe­ra hat­te in den Tagen zuvor ver­geb­lich ver­sucht, sich mit Ver­tre­tern der Oppo­si­ti­on zu tref­fen. Die­se woll­ten nicht hin­ter ver­schlos­se­nen Türen ver­han­deln, solan­ge die Regie­rung den öffen­li­chen sozia­len Dia­log ver­wei­ger­te und die Mili­tärs gegen die Bevöl­ke­rung ein­setz­te.

Manu­el Mon­s­al­ve, Abge­ord­ne­ter der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Chi­les, erklär­te :

Die Ereig­nis­se in Chi­le sind schwer­wie­gend. Prä­si­dent Piñe­ra kri­ti­sier­te Nicolás Madu­ro für eine Repres­si­on, die sei­ne eige­ne Regie­rung heu­te in den Stra­ßen Chi­les durch­führt.

Tat­sa­che ist, dass die ver­schie­de­nen Par­tei­en, die seit Ende der Dik­ta­tur Pino­chets regier­ten, ein sozi­al gna­den­lo­ses neo­li­be­ra­les Modell unan­ge­tas­tet fort­setz­ten, gegen alle immer wie­der auf­kom­men­de mil­lio­nen­fa­che Pro­tes­te. 

Die poli­ti­sche Klas­se über­ließ die Wirt­schaft 30 Jah­re lang den Groß­kon­zer­nen, den Inves­ti­ti­ons- und Spe­ku­la­ti­ons­fir­men, die sie letzt­lich finan­zier­ten. Sowohl die Christ­de­mo­kra­ten unter Edu­ar­do Frei als auch die Demo­kra­ti­sche Uni­on unter Ricar­do Lagos und die Sozia­lis­ten unter Michel­le Bache­let waren weder wil­lens noch in der Lage, die gro­ßen Pri­va­ti­sie­run­gen anzu­tas­ten. Ihre Ant­wor­ten bestan­den in ver­deck­ter oder offe­ner Repres­si­on und poli­ti­schen Manö­vern, ihr Dis­kurs : Es gibt kei­ne Alter­na­ti­ve !

Bereits unter Lagos warn­te die Welt­bank in ihrem Bericht über Chi­le vor den Fol­gen der unkon­trol­liert libe­ra­len Wirt­schaft. Sie wies alar­miert auf die hohe Kon­zen­tra­ti­on des Reich­tums in weni­gen Hän­den hin. Dem­nach ist Chi­le bis heu­te eines der Län­der mit der größ­ten sozia­len Ungleich­heit auf der Welt. 

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

Mehr zum The­ma — Pro­tes­te gegen sozia­le Ungleich­heit in Chi­le (Video)

RT Deutsch


Springer-Verlag weiter im freien Fall : Rund 200 Mitarbeiter sollen gehen


Als ers­ter deut­scher Ver­lags­ma­na­ger rief Sprin­ger-Vor­stands­chef Mathi­as Döpf­ner schon vor gut zehn Jah­ren die “digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on” aus und erklär­te gleich­zei­tig : “Print ist tot.” Nun unter­nimmt er einen wei­te­ren Schritt, um Druckerzeug­nis­se zumin­dest in sei­nem Haus end­gül­tig zu beer­di­gen : Bild, Bild am Sonn­tag (BamS), Welt und Welt am Sonn­tag, deren Auf­la­gen­zah­len sich seit Jah­ren im frei­en Fall befin­den, sol­len zwar als Print­ob­jek­te zunächst wei­ter­be­stehen. Fest ste­he aber, so Vor­stands­mit­glied Ste­pha­nie Cas­par, dass eini­ge Redak­tio­nen “enger ver­zahnt” wür­den, etwa Bild und Bild am Sonn­tag.

Sport­in­hal­te sol­len künf­tig “mar­ken­über­grei­fend” für WeltBild und Sport Bild pro­du­ziert wer­den. Die werk­täg­li­chen Aus­ga­ben des preis­güns­ti­ge­ren Able­gers Welt Kom­pakt sowie die Lokal­aus­ga­be Welt Ham­burg (Welt Ber­lin und Welt Mün­chen gibt es schon seit Jah­ren nicht mehr) will der Kon­zern ein­stel­len. Eben­falls ein­ge­stellt wird das Wirt­schafts­ma­ga­zin Bilanz, das in der Wirt­schafts­re­dak­ti­on der Welt auf­ge­hen soll.

Ein­schnit­te auch bei den Mit­ar­bei­tern

Die­se “umfang­rei­chen Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men”, erfor­der­ten laut Cas­par “Ein­schnit­te auch bei den Mit­ar­bei­tern”. Kon­kre­te Zah­len woll­te sie zwar nicht nen­nen, doch der Betriebs­rat geht davon aus, dass rund 200 Redak­teurs­stel­len abge­baut wer­den. In einem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung hat­te Döpf­ner kürz­lich ver­si­chert, dass es dies­mal – im Gegen­satz zu frü­he­ren Spar­run­den – nicht nur “India­ner”, son­dern auch “Häupt­lin­ge” tref­fen wür­de.

Einer die­ser Häupt­lin­ge wird mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit BamS-Chef­re­dak­teu­rin Mari­on Horn sein. Das Ver­hält­nis zwi­schen der ehe­ma­li­gen Chef­re­dak­teu­rin der Ero­tik-Pos­til­le Das neue Wochen­end und Bild-Chef Juli­an Rei­chelt gilt seit lan­gem als zer­rüt­tet. Horns Posi­ti­on wird durch die Zusam­men­le­gung bei­der Zei­tun­gen ohne­hin über­flüs­sig, da Mili­tär-Fan Rei­chelt, der ein Feld­bett im Büro hat und von Mit­ar­bei­tern “Com­man­der” genannt wird, dann auch bei der bis­her rela­tiv eigen­stän­di­gen BamS (rund 60 Mit­ar­bei­ter) das Kom­man­do über­neh­men wird. Wäh­rend Horns sechs­jäh­ri­ger Tätig­keit ver­lor die schon vor­her stark schwä­cheln­de BamS noch­mals 45 Pro­zent im Ein­zel­ver­kauf, stürz­te auf nur noch rund 700.000 ver­kauf­te Exem­pla­re. Einst waren es mal 2,3 Mil­lio­nen.

Niko­las Blo­me vor Absprung zu Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er ?

Doch auch in Rei­chelts direk­tem Umfeld könn­te es für eini­ge eng wer­den : Schon lan­ge wird haus­in­tern über die auf­ge­bläh­te Bild-Füh­rungs­spit­ze geläs­tert. Rei­chelt umgibt sich bis­lang mit 13 stell­ver­tre­ten­den Chef­re­dak­teu­ren, zehn Chef­re­por­tern, einem Dut­zend Res­sort­lei­tern sowie im tech­ni­schen Bereich mit zahl­rei­chen Art­di­rek­to­ren, Chefs vom Dienst, Layout‑, Foto- und Pro­duk­ti­ons­chefs. Einer von Rei­chelts Stell­ver­tre­tern soll schon kurz vor dem Absprung ste­hen. Niko­laus Blo­me, so der Bran­chen­dienst Hori­zont, soll offen­bar einen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pos­ten im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um von Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (CDU) über­neh­men.

Wie nun am Mitt­woch bekannt wur­de, wird auch das von Blo­me ver­ant­wor­te­te Maga­zin­pro­jekt Bild Poli­tik end­gül­tig beer­digt. Wie der Bran­chen­dienst Mee­dia mit Beru­fung auf den Sprin­ger-Ver­lag berich­tet, wird das “Print-Kon­zept von Bild Poli­tik im Zuge der geplan­ten Neu­aus­rich­tung und Struk­tur­maß­nah­men nicht wei­ter­ver­folgt”. Die Test­pha­se für das wöchent­li­che Poli­tik­ma­ga­zin star­te­te Anfang des Jah­res, die letz­te Aus­ga­be erschien Anfang Juli. Vor­stands­mit­glied Ste­pha­nie Cas­par wört­lich :

Wir wol­len Struk­tu­ren, in Berei­chen die nicht mehr wach­sen, ver­klei­nern.

Und ihr Chef Mathi­as Döpf­ner schrieb in einem Brief an die Sprin­ger-Mit­ar­bei­ter, man inves­tie­re “mit geziel­ten Initia­ti­ven für her­aus­ra­gen­den digi­ta­len Jour­na­lis­mus in die Zukunft der Mar­ken Bild und Welt mit Video, Sport und Paid Con­tent”. Mit sei­nem “her­aus­ra­gen­dem digi­ta­len Jour­na­lis­mus” ver­dient Sprin­ger bis­her wenig Geld. Die Inter­net-Gewin­ne stam­men fast aus­schließ­lich aus dem Geschäft mit soge­nann­ten Rubri­ken­an­zei­gen – von Platt­for­men wie Step­stone, Immo­welt oder idealo.de.

Mehr zum The­ma — Bera­tung nötig : Ursu­la von der Ley­en peppt ihren Twit­ter-Auf­tritt mit Fir­ma von Ex-Bild-Chef auf

RT Deutsch


Nach Urteil des Obersten Gerichtshofs : Wie geht es weiter mit dem Brexit ?


von Pierre Lévy 

Die Ent­schei­dung des bri­ti­schen Obers­ten Gerichts­hofs, die am 24. Sep­tem­ber ver­öf­fent­licht wur­de, ist wie eine Bom­be ein­ge­schla­gen. Ein­stim­mig ent­schie­den die elf Rich­ter, dass die vom Pre­mier­mi­nis­ter beschlos­se­ne Aus­set­zung des Par­la­ments für fünf Wochen “rechts­wid­rig” und wir­kungs­los war. Damit hoben sie das Urteil des High Court in Lon­don auf : Die­ser hat­te ent­schie­den, dass eine sol­che Aus­set­zung in die poli­ti­sche (und damit exe­ku­ti­ve) Zustän­dig­keit fällt und nicht in die gericht­li­che.

Infol­ge­des­sen kehr­ten die bri­ti­schen Abge­ord­ne­ten am 25. Sep­tem­ber zur Sit­zung zurück, wäh­rend sie ursprüng­lich für eine fünf­wö­chi­ge Pau­se, in die­sem Fall bis zum 14. Okto­ber, in den Urlaub geschickt wor­den waren. Um sei­ne Ent­schei­dung zu recht­fer­ti­gen, hat­te Boris John­son dar­auf hin­ge­wie­sen, er müs­se sich auf die Rück­kehr des Par­la­ments und das Pro­gramm vor­be­rei­ten, das er ankün­di­gen wer­de, und er erin­ner­te dar­an, dass eine sol­che Aus­set­zung regel­mä­ßig statt­fin­det – nur ihre Dau­er war unge­wöhn­lich.

Die Vor­sit­zen­de des Obers­ten Gerichts­hofs ihrer­seits argu­men­tier­te, dass die­se Par­la­mentspau­se “die Fähig­keit des Par­la­ments, sei­ne demo­kra­ti­schen Funk­tio­nen aus­zu­üben, ohne ratio­na­le Begrün­dung behin­der­te”, und dass die “Aus­wir­kun­gen auf die Grund­la­gen unse­rer Demo­kra­tie extrem waren”. Eine maxi­ma­lis­ti­sche For­mu­lie­rung, die, wört­lich genom­men, äußerst selt­sam klingt.

Denn seit mehr als drei Jah­ren dis­ku­tie­ren Par­la­men­ta­ri­er über den Bre­x­it, ohne dass sich eine Mehr­heit her­aus­bil­det, um die Moda­li­tä­ten für den Aus­tritt aus der Euro­päi­schen Uni­on fest­zu­le­gen – ein Aus­stieg, der am 23. Juni 2016 von den Bür­gern beschlos­sen wur­de. Die gewähl­ten Ver­tre­ter haben die zwi­schen Brüs­sel und der Vor­gän­ge­rin von Boris John­son, The­re­sa May, aus­ge­han­del­te Ver­ein­ba­rung drei­mal abge­lehnt und auch zu acht Alter­na­ti­ven Nein gesagt, die sie sich selbst aus­ge­dacht hat­ten. Vie­le Abge­ord­ne­te ver­fol­gen offen­bar kein ande­res Ziel, als das Urteil des Vol­kes zu kip­pen oder es zumin­dest sei­ner Sub­stanz zu berau­ben.

Der der­zei­ti­ge Bewoh­ner der Dow­ning Street 10 erin­ner­te auch dar­an, dass die Abge­ord­ne­ten zwi­schen dem 14. Okto­ber und dem für den Aus­tritt aus der EU vor­ge­se­he­nen Datum, dem 31. Okto­ber, Zeit gehabt hät­ten, ihre Debat­ten wie­der auf­zu­neh­men. Anfang Sep­tem­ber hat­te eine Mehr­heit von ihnen sogar für einen Text gestimmt, der die Hän­de des Regie­rungs­chefs theo­re­tisch bin­det : Wenn bis zum 19. Okto­ber kei­ne Eini­gung mit Brüs­sel erzielt wür­de, zwingt die­ses Gesetz Herrn John­son, den Euro­päi­schen Rat um eine wei­te­re Ver­schie­bung des Bre­xits auf den 31. Janu­ar zu bit­ten – es wäre die drit­te.

Das Urteil des Obers­ten Gerichts­hofs wird mit­tel- und lang­fris­tig schwer­wie­gen­de Fol­gen für das Kräf­te­ver­hält­nis zwi­schen Regie­rung, Par­la­ment und Jus­tiz haben, in die­sem Land ohne schrift­li­che Ver­fas­sung – schwer­wie­gen­de­re als die kurz­fris­ti­gen auf den Bre­x­it selbst.

Boris John­son nutz­te jeden­falls die Gele­gen­heit des Urteils vom 24. Sep­tem­ber, um erneut Neu­wah­len zu for­dern, der ein­zi­ge Weg, um die Situa­ti­on zu lösen. Die Labour Par­ty ver­tei­dig­te die­se Per­spek­ti­ve seit zwei Jah­ren mit Hän­den und Füßen, bevor sie die­se dann Anfang Sep­tem­ber blo­ckier­te, aus Angst, sie könn­te das Ver­spre­chen von Boris John­son begüns­ti­gen, näm­lich den Bre­x­it bis zum 31. Okto­ber umzu­set­zen, was auch immer geschieht.

Die­ses Aus­tritts­da­tum wur­de zwi­schen Lon­don und den 27 ande­ren Mit­glied­staa­ten auf dem Euro­päi­schen Rat im April ver­ein­bart. Ein Datum, das nur unter zwei Bedin­gun­gen ver­scho­ben wer­den darf : wenn die bri­ti­sche Sei­te dies ver­langt und wenn die Staats- und Regie­rungs­chefs dies ein­stim­mig akzep­tie­ren. Die­se wer­den am 17. und 18. Okto­ber zusam­men­tre­ten.

Herr John­son beton­te, dass er mit der Ent­schei­dung des Gerichts, die Sus­pen­die­rung des Par­la­ments auf­zu­he­ben, nicht ein­ver­stan­den sei, erklär­te aber, er wer­de sie respek­tie­ren. Er bestä­tig­te aber­mals, dass sein Land am 31. Okto­ber die Euro­päi­sche Uni­on ver­las­sen wer­de – mit oder ohne Ver­ein­ba­rung.

Was könn­te im Fall einer Nicht­ver­ein­ba­rung gesche­hen ? Nichts hin­dert bei­spiels­wei­se den Pre­mier­mi­nis­ter dar­an – das ist eine sei­ner Mög­lich­kei­ten –, dem Wort­laut des Tex­tes zu fol­gen, also eine Ver­ta­gung for­mell zu bean­tra­gen und gleich­zei­tig den 27 ande­ren EU-Mit­glied­staa­ten münd­lich mit­zu­tei­len, dass die­ser Weg einen unlös­ba­ren Zustand wie­der in Gang brin­gen und die Unsi­cher­hei­ten noch ein­mal ver­län­gern wür­de. In die­sem Fall könn­ten mög­li­cher­wei­se eini­ge EU-Staats- und Regie­rungs­chefs gegen die­sen Auf­schub­an­trag ein Veto ein­le­gen. Zum Bei­spiel der fran­zö­si­sche Prä­si­dent, der dies bereits im ver­gan­ge­nen April ange­deu­tet hat­te, bevor er sich wider­stre­bend der Posi­ti­on von Ange­la Mer­kel anschloss.

Nach der Ent­schei­dung des Obers­ten Gerichts­hofs jubel­ten die Bre­x­it-Geg­ner in Groß­bri­tan­ni­en, aber auch auf dem gesam­ten alten Kon­ti­nent. Offi­zi­ell freu­en sie sich dar­über, dass in der “ältes­ten par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie der Welt” die “par­la­men­ta­ri­sche Sou­ve­rä­ni­tät” ver­tei­digt wur­de. (Hier sei anzu­mer­ken : Der Begriff “par­la­men­ta­ri­sche Sou­ve­rä­ni­tät” ist zumin­dest eine juris­tisch-poli­ti­sche Kurio­si­tät, da das Volk – nicht sei­ne Ver­tre­ter – der Sou­ve­rän sein soll.) In Wirk­lich­keit freu­en sie sich, dass die Stim­me des letz­te­ren erneut infra­ge gestellt wur­de, denn dar­um geht es doch. So schreibt die Le Mon­de (26.09.19) unver­blümt, dass die par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie durch das Refe­ren­dum 2016 “geschwächt” wur­de. Eine selt­sa­me Demo­kra­tie, die so “geschwächt” wer­den kann … vom Volk.

Aber die Zei­ten sind vor­bei, in denen die Stim­me des Vol­kes so ein­fach miss­ach­tet oder gar ver­spot­tet wer­den konn­te. Die Ent­schei­dung des Gerichts­hofs ist zwar eine poli­ti­sche Nie­der­la­ge für den Pre­mier­mi­nis­ter. Die­je­ni­gen, die sich dar­über freu­en, ver­ges­sen aber buch­stäb­lich die Mil­lio­nen Bri­ten, die die­ser uner­träg­li­che Zustand ein­fach nur noch anwi­dert und ver­är­gert : dass ihre Ent­schei­dung, die EU zu ver­las­sen, immer noch nicht umge­setzt ist. Es ist die­ses unge­heu­re Unrecht, das Boris John­son zu been­den ver­spro­chen hat.

Ob in einem Monat oder in vier Mona­ten, die­je­ni­gen, die heu­te fei­ern, wer­den ent­täuscht sein.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

Mehr zum The­ma — Boris John­son glaubt an Deal mit EU – und ver­gleicht Groß­bri­tan­ni­en mit Hulk

RT Deutsch


Weiter für Gerechtigkeit kämpfen” – Kanada und der Völkermord an Indigenen


von Maria Mül­ler

In Kana­da wur­den über 4.200 Frau­en und Mäd­chen der Volks­grup­pen Inu­it und Métis wäh­rend der letz­ten vier Jahr­zehn­te ermor­det, ent­führt oder ver­ge­wal­tigt. Nur dank der uner­müd­li­chen Arbeit einer Grup­pe von indi­ge­nen Frau­en, die jahr­zehn­te­lang gegen die Straf­lo­sig­keit bei die­sen Ver­bre­chen ankämpf­te, kam es schließ­lich zu einer umfas­sen­den offi­zi­el­len Unter­su­chung.

Im Juni über­reich­te Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau den anwe­sen­den Ange­hö­ri­gen der Opfer und Ver­tre­te­rin­nen der Eth­ni­en per­sön­lich den über 1.000 Sei­ten star­ken Bericht der Unter­su­chung und erklär­te vor lau­fen­den Mikro­fo­nen, dass Kana­da die Bezeich­nung “Völ­ker­mord” akzep­tiert. Denn der Bericht reicht bis in die Ver­gan­gen­heit zurück, in die Zeit der kolo­nia­len Ver­fol­gung der Urein­woh­ner.

Wir akzep­tie­ren das Ergeb­nis der Unter­su­chung. Es han­delt sich um einen Geno­zid. Wir wer­den alles dafür tun, um die­se immer noch andau­ern­de natio­na­le Tra­gö­die zu been­den”, so Tru­deau.

Michel­le Audet­te, Mit­glied der Unter­su­chungs­kom­mis­si­on und der Frau­en­grup­pe, die uner­schüt­ter­lich nach der Wahr­heit such­te, sprach mit ein­dring­li­chen Wor­ten bei der Über­ga­be der Stu­die zu den Anwe­sen­den : “Die Opfer wur­den vor Gericht nur als ‘die India­ne­rin’ bezeich­net, ihre Namen hat man nicht erwähnt. Dabei sind sie Men­schen, wun­der­vol­le Geschöp­fe, sie haben einen Namen!”

Audet­te erin­ner­te an eine ihrer scho­ckie­ren­den Erfah­run­gen mit loka­len Jus­tiz­be­hör­den :

Das Schlimms­te war deren Schwei­gen, als wir ihnen die Doku­men­te mit den Recher­chen über die Mor­de vor­leg­ten. Sie saßen regungs­los da, sag­ten kein Wort und schau­ten uns nur an.

Ers­te offi­zi­el­le Unter­su­chung des kolo­nia­len Völ­ker­mor­des

Vor drei Jah­ren hat­te Tru­deau eine staat­li­che Unter­su­chung der Ver­bre­chen gegen die kana­di­schen Indi­ge­nen ange­ord­net und damit ein Wahl­kampf­ver­spre­chen ein­ge­löst. Es ist die ers­te offi­zi­el­le Unter­su­chung der ras­sis­ti­schen Straf­ta­ten in der Geschich­te Kana­das. Zuta­ge trat ein sys­te­ma­ti­sches Ent­wur­zeln, Ver­trei­ben und Ermor­den der Ange­hö­ri­gen der “First Nati­ons” (“Ers­ten Natio­nen”).

Eine bis heu­te in den Insti­tu­tio­nen vor­herr­schen­de kolo­nia­le Staats­rai­son ist dafür ver­ant­wort­lich, und “eine über Jahr­hun­der­te bewusst prak­ti­zier­te Regie­rungs­po­li­tik, die einen Geno­zid bewirk­te”, so die beauf­trag­te Unter­su­chungs­kom­mis­si­on. Ihr Lei­ter Mari­on Bul­ler sag­te :

Unse­re Arbeit kam zu einem Ergeb­nis, dem wir uns nicht ent­zie­hen kön­nen : es han­delt sich um einen kolo­nia­len Geno­zid. Er ist Teil der Geschich­te Kana­das.

Jetzt haben wir für alle Zweif­ler 1.071 Sei­ten, um den Völ­ker­mord zu bewei­sen”, erklär­te Tru­deau bei dem fei­er­li­chen Akt. Eine kri­ti­sche Revi­si­on der Geschich­te Kana­das und sei­nes Umgangs mit der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung sei not­wen­dig.

Bei der drei Jah­re andau­ern­den Unter­su­chung wur­den gut 2.000 Fami­li­en befragt. Vie­le von ihnen haben sich ver­ge­bens bemüht, den Ver­bleib ihrer ver­miss­ten Müt­ter, Töch­ter oder Schwes­tern zu klä­ren. Dar­an hat auch die Unter­su­chun­gen nichts ändern kön­nen, die bis­lang kei­ne Fäl­le auf­ge­klärt und mög­li­che Täter ermit­telt hat. Auch blieb der Gewalt­in­dex in Kana­da unver­än­dert hoch.

Man­che Fami­li­en und Indi­ge­nen-Orga­ni­sa­tio­nen erar­bei­te­ten Ände­rungs­vor­schlä­ge für die kana­di­sche Gesell­schaft und ihre Insti­tu­tio­nen. Dazu zäh­len eine grö­ße­re Betei­li­gung der Urein­woh­ner in Regie­rungs­äm­tern, in der Jus­tiz und der Ver­wal­tung.

Laut Mari­on Bul­ler ver­bin­det die Ver­bre­chen eine Gemein­sam­keit :

Trotz der unter­schied­li­chen Umstän­de, unter denen die Ver­bre­chen statt­fan­den, haben sie unter­ein­an­der eine Gemein­sam­keit : alle Ermor­de­ten und Ver­schwun­de­nen waren wirt­schaft­lich, sozi­al und poli­tisch aus­ge­grenzt. Alle waren von Ras­sis­mus und Frau­en­hass betrof­fen, die tief in der kana­di­schen Gesell­schaft ver­an­kert sind.

Die Gefahr, ent­führt, ver­ge­wal­tigt und ermor­det zu wer­den, ist unter indi­ge­nen Frau­en 16 Mal so hoch wie in der euro­pä­isch-stäm­mi­gen Bevöl­ke­rung Kana­das. Dabei wer­den 47 Pro­zent aller Ver­bre­chen gegen indi­ge­ne Frau­en nicht auf­ge­klärt. Die Gewalt­ta­ten kon­zen­trie­ren sich auf die Groß­städ­te Toron­to und Van­cou­ver.

Poli­zei zeig­te kaum Inter­es­se an Ermitt­lung der Täter

Eini­ge der lang­jäh­ri­gen Frau­en­ak­ti­vis­tin­nen wie Amber O’Ha­ra, Bever­ley Jacobs und Ter­ri Brown, die schon vor vier­zig Jah­ren began­nen, nach den Spu­ren der Ver­schwun­de­nen oder nach ihren Todes­um­stän­den zu suchen, berich­te­ten gegen­über der Unter­su­chungs­kom­mis­si­on von ihren Erfah­run­gen.

Tau­sen­de von Fäl­len sei­en dem­nach von der Poli­zei unge­nü­gend unter­sucht wor­den. Nach Berich­ten der Ange­hö­ri­gen wur­den sie fälsch­li­cher­wei­se als Selbst­mor­de ein­ge­ord­net bezie­hungs­wei­se als Unfäl­le oder als Tod infol­ge natür­li­cher Ursa­chen. Zudem dis­kri­mi­nier­te die Poli­zei die Opfer als alko­hol- oder dro­gen­ab­hän­gig, als Pro­sti­tu­ier­te, als Opfer zwei­ter Klas­se. Ähn­lich recht­fer­ti­gend behaup­te­ten Behör­den, 60 Pro­zent der Mor­de gin­gen auf das Kon­to von nahen Bekann­ten oder Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, also Täter aus dem indi­ge­nen Umfeld.

Im Jahr 2015 for­der­ten die Ver­ein­ten Natio­nen Kana­da auf, die aktu­el­le und his­to­ri­sche Ver­fol­gung der kana­di­schen India­ner offi­zi­ell zu unter­su­chen. Ein Jahr nach sei­nem Wahl­sieg gab Jus­tin Tru­deau dann den Auf­trag für die Unter­su­chung. 

Metho­den des kolo­nia­len Völ­ker­mor­des

Die Unter­su­chung, die den “kolo­nia­len Völ­ker­mord” in der kana­di­schen Geschich­te doku­men­tiert, beleuch­tet bei­spiels­wei­se die “bio­lo­gi­sche Kriegs­füh­rung” um das Jahr 1700. Damals schenk­ten die Kolo­ni­al­kräf­te den indi­ge­nen Grup­pen mit der Pocken­krank­heit infi­zier­te Decken.

In den Jah­ren um 1750 zahl­te die auf­stre­ben­de Kolo­nie von Neu­schott­land Kopf­geld für die Skalps (abge­zo­ge­ne Kopf­haut) der Mi’k­maq-Indi­ge­nen. Die gesam­te Bevöl­ke­rung der Beo­t­huk von Neu­fund­land wur­de in den 1820er Jah­ren “voll­stän­dig aus­ge­löscht”, heißt es in der Unter­su­chung.

Im Jahr 1870 ver­wei­ger­te die Regie­rung den India­nern in den Prä­ri­en Nah­rungs­mit­tel, als die­se in Hun­gers­not gerie­ten. Die in Reser­va­ten fest­ge­hal­te­nen India­ner­völ­ker, die sich nicht mehr durch Jagd ernäh­ren konn­ten und ihrer Über­le­bens­tra­di­tio­nen beraubt waren, wur­den durch jah­re­lang unzu­rei­chen­de Lebens­mit­tel­ra­tio­nen sehr geschwächt. Eine Tuber­ku­lo­seepi­de­mie raff­te Tau­sen­de dahin.

In den 1920er Jah­ren hat man ein Inter­nats-Schul­sys­tem geschaf­fen, um India­ner­kin­der von ihren Fami­li­en zu tren­nen und sie in Reli­gi­on und Spra­che der euro-kana­di­schen Gesell­schaft zu indok­tri­nie­ren. Unter­ernäh­rung, Schlä­ge, sexu­el­ler Miss­brauch und medi­zi­ni­sche Zwangs­ex­pe­ri­men­te – die Schu­len waren der reins­te Hor­ror für die Indi­ge­nen und exis­tier­ten gan­ze ein­hun­dert Jah­re lang. Etwa 75 Pro­zent der indi­ge­nen Kin­der und Jugend­li­chen leb­ten in die­sen Ein­rich­tun­gen. Das Ergeb­nis war vor allem eine zer­stör­te Iden­ti­tät, eine als min­der­wer­tig dekla­rier­te Kul­tur der Indi­ge­nen, mit ent­spre­chen­den psy­cho­lo­gi­schen Fol­gen.

Schwe­re trau­ma­ti­sche Fol­gen für die Indi­ge­nen

Sol­che und ande­re Erfah­rung haben schwe­re trau­ma­ti­sche Kon­se­quen­zen unter den Völ­kern her­vor­ge­ru­fen, die über Genera­tio­nen fort­dau­ern. Die Unter­su­chung stellt nun fest, dass sie die Vor­aus­set­zun­gen für die Ermor­dung und das Ver­schwin­den­lass­sen der vie­len India­ner­frau­en- und Mäd­chen geschaf­fen haben.

Die staat­li­che Sta­tis­tik­be­hör­de stell­te zwi­schen 2011 und 2016 fest, dass die Selbst­mord­ra­te unter den Indi­ge­nen drei­mal so hoch ist wie unter den nicht-indi­ge­nen Kana­di­ern. Unter den Inu­it ist sie 6 bis 11 Mal so hoch.

Des Wei­te­ren deckt der Bericht auf, dass es immer noch offi­zi­el­le Richt­li­ni­en gibt, um indi­ge­ne Kul­tu­ren und Völ­ker in Kana­da zu eli­mi­nie­ren.

Der Staat hat es ver­säumt, Frau­en vor Aus­beu­tung und Men­schen­han­del zu schüt­zen, Todes­fäl­le in Poli­zei­ge­wahr­sam zu ver­hin­dern und iden­ti­fi­zier­te Mör­der dar­an zu hin­dern, wei­ter zu mor­den”, so ein Mit­glied der Kom­mis­si­on.

Seri­en­mör­der unter den Augen der Poli­zei

Denn es stell­te sich her­aus, dass bereits erkann­te Täter auf frei­em Fuß blie­ben und unter den Augen von Poli­zei und Jus­tiz wei­ter­hin Frau­en umbrin­gen konn­ten. So der Fall des Seri­en­mör­ders Robert Pick­ton, auf des­sen Farm­ge­län­de Dut­zen­de Ske­let­te gefun­den wur­den. Er hat 49 Mor­de ein­ge­stan­den, doch Opfer­fa­mi­li­en las­ten ihm ins­ge­samt 70 Fäl­le an. 

Oder der Fall von Shawn Lamb. Er wur­de 2013 wegen dem Mord an zwei indi­ge­nen Frau­en ver­ur­teilt. Opfer­fa­mi­li­en schrei­ben ihm jedoch noch mehr Mor­de zu.

Kin­der wer­den ihrer kul­tu­rel­len Umge­bung ent­ris­sen

Zu den Geno­zid-Metho­den gehört auch, indi­ge­ne Kin­der aus ihrem Kul­tur­kreis zu ent­fer­nen, um sie in nicht-indi­ge­nen Pfle­ge­fa­mi­li­en unter­zu­brin­gen. Auch zahl­rei­che Zwangs­ste­ri­li­sa­tio­nen an indi­ge­nen Frau­en wur­den durch­ge­führt. Die chro­ni­sche Unter­fi­nan­zie­rung staat­li­cher Dienst­leis­tun­gen in Gebie­ten mit einem erhöh­ten Anteil an India­ner­be­völ­ke­rung ver­stärk­te deren Erfah­rung, aus ihrem eige­nen Land aus­ge­schlos­sen zu sein.

Oder der immer noch gül­ti­ge Zusatz zum India­ner­ge­setz von 1924, der es den Indi­ge­nen unter­sagt, Rechts­an­wäl­te im Fall von Land- und Rechts­an­sprü­chen zu bestel­len. Sie müs­sen dafür eine amt­li­che Erlaub­nis vor­wei­sen.

Qajaq Robin­son, ein wei­te­res Mit­glied der Unter­su­chungs­kom­mis­si­on, sag­te, dass Jus­tin Tru­deau und sei­ne Minis­ter sofort damit begin­nen könn­ten, Ver­än­de­run­gen ein­zu­lei­ten. Unter ande­rem die staat­li­chen Richt­li­ni­en und Pro­to­kol­le zu ändern, die Frau­en­dis­kri­mi­nie­rung im India­ner­ge­setz auf­zu­he­ben, die Opfer zu ent­schä­di­gen und die staat­li­chen Grund­leis­tun­gen gegen­über Indi­ge­nen zu sichern.

End­lich Augen und Ohren öff­nen

Lau­rie Odjick, deren Toch­ter Mai­sy als Jugend­li­che im Sep­tem­ber 2008 in Que­bec ver­schwun­den war, hofft, der Bericht wür­de “die Augen Kana­das öff­nen, um end­lich zu sehen und end­lich zu hören, was den indi­ge­nen Frau­en und Mäd­chen gesche­hen ist”.

Ich weiß, dass wir als Fami­li­en es nicht zulas­sen wer­den, dass man sie ver­gisst. Wir müs­sen wei­ter für Gerech­tig­keit kämp­fen.

Der Sena­tor Mur­ray Sin­c­lair, Vor­sit­zen­der der Wahr­heits- und Ver­söh­nungs­kom­mis­si­on (TCR), erklär­te, der kul­tu­rel­le Völ­ker­mord sei nur ein Aspekt des Ver­bre­chens gegen die Mensch­lich­keit :

Die Schu­len fern­ab der India­ner­ge­bie­te und die Gewalt gegen indi­ge­ne Frau­en und Mäd­chen waren Teil die­ses Gesamt­kon­zepts, um indi­ge­ne Völ­ker aus dem Land zu ver­ban­nen, ihnen ihre Kul­tur zu neh­men und sie aus ihren Gemein­den zu ver­trei­ben. 

Ein Dia­log über Ver­söh­nung sei nicht mög­lich, solan­ge die Men­schen nicht wüss­ten, wor­über sie sich aus­söh­nen soll­ten. Und der Völ­ker­mord sei “ein Teil des­sen, was wir ver­ste­hen müs­sen. Wir müs­sen uns dar­über aus­söh­nen”, so Sin­c­lair. 

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln. 

RT Deutsch


Kleinkrieg im britischen Parlament – No-Deal-Szenario nach Niederlage für Johnson weiter möglich


Die Geg­ner eines unge­ord­ne­ten EU-Aus­tritts im bri­ti­schen Par­la­ment haben Pre­mier­mi­nis­ter Boris John­son eine erneu­te Nie­der­la­ge berei­tet. Die Abge­ord­ne­ten stimm­ten am Mitt­woch in zwei­ter Lesung mehr­heit­lich für ein Gesetz, das einen No-Deal-Bre­x­it am 31. Okto­ber ver­hin­dern soll. Sie konn­ten ihre Mehr­heit gegen­über dem Vor­tag sogar noch um zwei Stim­men aus­bau­en. Am Diens­tag hat­te John­son bereits eine deut­li­che Nie­der­la­ge kas­siert, als es dar­um ging, ob das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren statt­fin­den kann.

Spal­tun­gen des Par­la­ments auch inner­halb der Kon­ser­va­ti­ven

John­son muss­te am Abend damit rech­nen, dass der Gesetz­ent­wurf auch in drit­ter Lesung durch­geht. Mit der Abstim­mung wird erst nach 20 Uhr (MESZ) gerech­net. Für die­sen Fall will der Pre­mier noch am sel­ben Abend über eine Neu­wahl am 15. Okto­ber abstim­men las­sen.

Die Chan­cen des Pre­mier­mi­nis­ters, sich damit durch­zu­set­zen, ste­hen jedoch schlecht. Um eine Neu­wahl aus­zu­ru­fen, ist eine Zwei­drit­tel­mehr­heit der Abge­ord­ne­ten not­wen­dig. Die Oppo­si­ti­on hat bereits ange­kün­digt, dass sie erst für eine Neu­wahl stim­men wird, wenn ein EU-Aus­tritt ohne Abkom­men vom Tisch ist.

Bevor das Gesetz gegen den No Deal in Kraft tre­ten kann, muss es auch noch das Ober­haus pas­sie­ren. Dort lau­ern meh­re­re Fall­stri­cke. Bre­x­it-Hard­li­ner könn­ten ver­su­chen, mit einer Flut von Anträ­gen und Fili­bus­ter (Dau­er­re­den) viel wert­vol­le Zeit zu ver­schwen­den.

Daher haben die No-Deal-Geg­ner bereits am Mitt­woch eine Tages­ord­nungs­de­bat­te anbe­raumt mit dem Ziel, die Rede­zeit im Ober­haus aus­nahms­wei­se zu begren­zen. Die Vor­la­ge wur­de umge­hend zum Ziel einer Antrags­flut aus den Rei­hen der Bre­x­it-Hard­li­ner. Erwar­tet wur­de, dass die Debat­te min­des­tens bis spät in die Nacht andau­ert.

Das Gesetz gegen den unge­re­gel­ten EU-Aus­tritt soll John­son dazu brin­gen, eine drei­mo­na­ti­ge Ver­län­ge­rung der Bre­x­it-Frist zu bean­tra­gen, soll­te bis zum 19. Okto­ber kein Abkom­men mit der EU rati­fi­ziert sein. Der Antrag müss­te dann von den übri­gen 27 EU-Mit­glied­staa­ten ein­stim­mig gebil­ligt wer­den.

John­son bleibt beim Man­tra : Aus­stieg “kom­me, was wol­le”

John­son will Groß­bri­tan­ni­en am 31. Okto­ber aus der Staa­ten­ge­mein­schaft füh­ren, “kom­me, was wol­le”. Er hofft, Brüs­sel damit zu Zuge­ständ­nis­sen bei dem bereits drei­mal im Unter­haus geschei­te­ren Bre­x­it-Deal brin­gen zu kön­nen.

Für die Geg­ner eines unge­re­gel­ten Bre­x­it gab es indes­sen einen Rück­schlag : Das obers­te schot­ti­sche Zivil­ge­richt wies eine Kla­ge gegen die von John­son erwirk­te mehr­wö­chi­ge Zwangs­pau­se des Par­la­ments ab. Das Gericht fühlt sich für die­se Streit­fra­ge nicht zustän­dig, wie bri­ti­sche Medi­en aus dem Gerichts­saal in Edin­burgh berich­te­ten.

Geklagt hat­ten etwa 75 Par­la­men­ta­ri­er. Sie sehen in der von John­son ange­streb­ten wochen­lan­gen Schlie­ßung des Unter­hau­ses vor dem EU-Aus­tritt des Lan­des Ende Okto­ber eine unzu­läs­si­ge Ein­schrän­kung des Par­la­ments. Sie leg­ten umge­hend Beru­fung ein. Bereits am Don­ners­tag soll es dazu eine Anhö­rung geben. Ähn­li­che Kla­gen wur­den auch vor Gerich­ten im nord­iri­schen Bel­fast und in Lon­don ein­ge­reicht.

Am Don­ners­tag soll­te der Fall vor dem High Court in der bri­ti­schen Haupt­stadt ver­han­delt wer­den. Ein letzt­in­stanz­li­ches Urteil dürf­te aber am Ende der Supre­me Court fäl­len. Der Kla­ge in Lon­don hat­te sich auch der kon­ser­va­ti­ve Ex-Pre­mier­mi­nis­ter John Major ange­schlos­sen.

Mehr zum The­ma — Bre­x­it und kei­ne Ende : Der Insel-Kol­ler

John­son hat­te bei Köni­gin Eliza­beth II. bean­tragt, das Par­la­ment in Lon­don von Mit­te Sep­tem­ber bis Mit­te Okto­ber zu sus­pen­die­ren, um in einer neu­en Sit­zungs­pha­se sein Regie­rungs­pro­gramm vor­zu­le­gen. Der Schritt ist so kurz vor dem EU-Aus­tritts­da­tum Ende Okto­ber höchst umstrit­ten. Die Geg­ner eines unge­re­gel­ten EU-Aus­tritts ste­hen unter gro­ßem Zeit­druck.

Die Bun­des­re­gie­rung möch­te die Aus­ein­an­der­set­zun­gen im bri­ti­schen Unter­haus nicht kom­men­tie­ren. Regie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert sag­te in Ber­lin :

Die Bun­des­re­gie­rung beob­ach­tet die Abläu­fe im bri­ti­schen Par­la­ment mit Inter­es­se.

John­son for­dert Ände­run­gen am EU-Aus­tritts­ver­trag und betont, die Chan­cen dafür sei­en gestie­gen. Doch hat die EU-Sei­te bis­her ledig­lich gesagt, falls John­son kon­kre­te neue Vor­schlä­ge mache, wer­de man sie sich anschau­en. Dabei geht es um Alter­na­ti­ven zu der Garan­tie­klau­sel für eine offe­ne Gren­ze in Irland, zum soge­nann­ten Back­stop. Noch war­tet die EU-Kom­mis­si­on aber auf die Vor­schlä­ge aus Lon­don.

Not­fall­pla­nun­gen für No-Deal-Sze­na­rio

Bei einem unge­re­gel­ten Bre­x­it will die EU beson­ders hart getrof­fe­nen Mit­glied­staa­ten, Unter­neh­men und Arbeit­neh­mern mit bis zu 780 Mil­lio­nen Euro hel­fen. Das Geld soll aus zwei bestehen­den Hilfs­fonds kom­men, sag­ten EU-Beam­te am Mitt­woch. Die­sen Vor­schlag der EU-Kom­mis­si­on müss­ten das Euro­pa­par­la­ment und die Mit­glied­staa­ten aller­dings noch abseg­nen.

Ange­sichts der Lage in Lon­don blei­be ein EU-Aus­tritt ohne Abkom­men am 31. Okto­ber ein “mög­li­cher, wenn auch nicht erstre­bens­wer­ter Aus­gang”. Alle “Inter­es­sen­trä­ger” sei­en erneut auf­ge­for­dert, sich auf ein No-Deal-Sze­na­rio vor­zu­be­rei­ten. Für Unter­neh­men ver­öf­fent­lich­te die Kom­mis­si­on eine Check­lis­te mit Hin­wei­sen etwa zu künf­ti­gen Regeln, Geneh­mi­gun­gen, Zöl­len und Steu­ern. Wer als Bür­ger eine Fra­ge hat, kann gebüh­ren­frei beim Call Cen­ter Euro­pe Direct anru­fen.

Die EU-Kom­mis­si­on brach­te auch Not­fall­pla­nun­gen für drei neur­al­gi­sche Bre­x­it-Punk­te auf den letz­ten Stand : Über­gangs­re­geln für Güter‑, Per­so­nen- und Luft­ver­kehr, um am 1. Novem­ber in jedem Fall die wich­tigs­ten Ver­bin­dun­gen auf­recht­zu­er­hal­ten ; das Ange­bot einer Rege­lung auf Gegen­sei­tig­keit für Fang­rech­te bri­ti­scher und euro­päi­scher Fischer ; und das Ange­bot an Groß­bri­tan­ni­en, auch in Zukunft an EU-Pro­gram­men teil­zu­neh­men, wenn das Land wei­ter in den EU-Haus­halt zahlt.

Wie die EU im Fal­le eines unge­re­gel­ten Bre­x­it Kon­trol­len an der iri­schen Gren­ze ver­mei­den will, ist nach wie vor unklar. Die im Aus­tritts­ab­kom­men vor­ge­se­he­ne Back­stop-Lösung sei dafür die “ein­zi­ge Opti­on, die gefun­den wur­de”, erklär­te die Kom­mis­si­on. Bei einem Aus­tritt ohne Ver­trag wäre die­se aber hin­fäl­lig

Mehr zum The­ma — Bri­ti­scher Pre­mier­mi­nis­ter John­son stellt sich dem Par­la­ment im Streit um den Bre­x­it (Video)

(dpa/ rt deutsch)

RT Deutsch