Exportstopp nach Saudi-Arabien : Rheinmetall will Entschädigung


Rhein­me­tall könn­te schon jetzt lie­fern, weil die Export­ge­neh­mi­gung bereits erteilt wor­den sei, sag­te der Mana­ger. Dies wer­de man aber nicht tun, schließ­lich wol­le man im Ein­ver­neh­men mit Ber­lin vor­ge­hen. Aller­dings müs­se die Bun­des­re­gie­rung bald ent­schei­den, ob die bereits erteil­te und bis zum Herbst gül­ti­ge Export­ge­neh­mi­gung ent­zo­gen wer­de oder nicht. “Sie kann nicht sagen, wir ent­schei­den gar nichts”, sag­te Pap­per­ger.

Wird die Geneh­mi­gung ent­zo­gen, wür­de Ent­schä­di­gung ein­ge­for­dert, stell­te Pap­per­ger klar — dafür müs­se man noch nicht mal kla­gen. So eine Zah­lung sehe das Kriegs­waf­fen­kon­troll­ge­setz bei Lie­fe­run­gen vor, deren Aus­fuhr bereits geneh­migt sei und die dann doch noch gestoppt wür­den. Der Auf­trag ist den Anga­ben zufol­ge 136 Mil­lio­nen Euro schwer, nur zehn der 120 Lkw wur­den bereits gelie­fert. Die Sau­dis sei­en sehr zufrie­den mit den Fahr­zeu­gen, es gebe Poten­zi­al für wei­te­re Geschäf­te über die 120 Lkw hin­aus, sag­te Pap­per­ger. (dpa)

Mehr zum The­ma — Regie­rungs­spre­cher : Was Toch­ter­fir­men von Rüs­tungs­kon­zer­nen machen, inter­es­siert uns nicht

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Verschleierte “La Traviata”? Mailänder Scala will saudischen Kulturminister in Vorstand holen


Die Aus­sicht, dass ein Mit­glied der sau­di­schen Königs­fa­mi­lie im Vor­stand eines der renom­mier­tes­ten Thea­ter Ita­li­ens sitzt, hat für so viel Auf­se­hen gesorgt, dass es im Par­la­ment zur Spra­che kam. Mau­ri­zio Gaspar­ri, Mit­glied der Par­tei For­za Ita­lia, sag­te etwa, dass die­se Per­so­nal­ent­schei­dung das Image des Opern­hau­ses beschä­di­gen könn­te. “Unse­re Regie­rung hat auch die Pflicht, die Geschich­te und Iden­ti­tät der Sca­la zu ver­tei­di­gen”, sag­te er. Gaspar­ri bat auch den ita­lie­ni­schen Kul­tur­mi­nis­ter Alber­to Bon­iso­li, die “Ein­schät­zung der Regie­rung” zu die­sem The­ma zu prä­zi­sie­ren.

Alex­an­der Perei­ra, CEO und künst­le­ri­scher Lei­ter der Sca­la, erklär­te jedoch, dass die Ent­schei­dung, Badr bin Abdul­lah bin Moham­med bin Far­han Al Saud an Bord zu holen, eine “gro­ße Chan­ce” für das Thea­ter sei — und dass er den Plan sowohl mit dem Mai­län­der Bür­ger­meis­ter als auch mit Bon­iso­li dis­ku­tiert habe, der bereits sei­nen sau­di­schen Amts­kol­le­gen getrof­fen habe.

Geld oder Men­schen­rech­te ?

Es scheint, dass es bei der Auf­nah­me von Prinz Badr weni­ger um sei­nen kul­tu­rel­len Bei­trag als viel­mehr um den ver­lo­cken­den Reiz geht, in die tie­fen Taschen des Hau­ses Saud zu grei­fen — unab­hän­gig von den Sor­gen um Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in Sau­di-Ara­bi­en. Tat­säch­lich hat sogar Perei­ra zuge­ge­ben, dass sich “sol­che wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten nicht jeden Tag erge­ben”.

Badr wird dem Thea­ter in den kom­men­den fünf Jah­ren vor­aus­sicht­lich 15 Mil­lio­nen Euro ein­brin­gen, die von einer sau­di­schen Pri­vat­per­son, einer Bank oder einem pri­va­ten Unter­neh­men bezahlt wer­den. Perei­ra wur­de gelobt, weil er seit sei­ner Ernen­nung im Jahr 2014 neue Spon­so­ren gewon­nen und die finan­zi­el­le Lage des Thea­ters ver­bes­sert hat. Aber die Auf­nah­me des sau­di­schen Kul­tur­mi­nis­ters in den Vor­stand könn­te sich als ein Schritt zu weit erwei­sen, da Kri­ti­ker den Vor­stoß kri­ti­sier­ten und auf den schlech­ten Ruf Riads in Bezug auf die Ach­tung der Men­schen­rech­te hin­wie­sen.

Gaspar­ri beton­te, dass Ita­li­en kein Geld aus Riad anneh­men soll­te, ins­be­son­de­re ange­sichts der “jüngs­ten dra­ma­ti­schen Ereig­nis­se” und der “beun­ru­hi­gen­den Vor­fäl­le” — Hin­wei­se auf die Ermor­dung des regie­rungs­kri­ti­schen Jour­na­lis­ten Jamal Khash­og­gi im sau­di­schen Kon­su­lat in Istan­bul, in die der sau­di­sche Kron­prinz Moham­med bin Sal­man ver­wi­ckelt gewe­sen ist, und die Ver­tu­schungs­ver­su­che.

Per­sön­li­che Initia­ti­ve”

Die Idee ist auch bei eini­gen der ande­ren Vor­stands­mit­glie­der nicht gut ange­kom­men. Die Zei­tung Cor­rie­re del­la Sera zitier­te Mit­glie­der, die sag­ten, dass die Ver­hand­lun­gen von Perei­ra “skru­pel­los” und eine “sehr per­sön­li­che Initia­ti­ve” sei­en. Die Vor­stands­mit­glie­der äußer­ten auch sehr diplo­ma­tisch, dass Sau­di-Ara­bi­en “nicht gera­de durch sein demo­kra­ti­sches Gleich­ge­wicht her­vor­sticht”.

Perei­ra behaup­tet, dass tat­säch­lich nur ein Vor­stands­mit­glied gegen das Vor­ha­ben ist, wel­ches am 18. März zum drit­ten Mal in einer außer­or­dent­li­chen Sit­zung dis­ku­tiert wer­den soll.

Die Zusam­men­ar­beit von La Sca­la mit Sau­di-Ara­bi­en wird dort jedoch nicht enden. Perei­ra plant auch, eine Kon­zert­ver­si­on von Giu­sep­pe Ver­dis Oper “La Tra­via­ta” nach Riad zu brin­gen, aber es gibt eini­ge Unklar­hei­ten dar­über, wie sich eine sol­che Vor­stel­lung gestal­ten las­sen könn­te.

Wer­den wir auch eine ver­schlei­er­te Tra­via­ta-Inter­pre­ta­ti­on sehen”, frag­te Feder­i­co Mol­li­co­ne, Mit­glied des Kul­tur­aus­schus­ses des Par­la­ments, und ver­wies dar­auf, dass sau­di­sche Frau­en ver­pflich­tet sind, einen Schlei­er zu tra­gen, der ihre Gesich­ter in der Öffent­lich­keit bedeckt.

Die Mai­län­der Sca­la wird in Riad vor­aus­sicht­lich auch ein neu­es Musik- und Tanz­kon­ser­va­to­ri­um betrei­ben, das im Sep­tem­ber eröff­net wer­den soll. Perei­ra sag­te, dass die Grün­dung einer Aka­de­mie in einem Land, das bis­her kei­ne musi­ka­li­sche Aus­bil­dung ange­bo­ten hat und in dem Tanz ver­bo­ten war, “einen wich­ti­gen Wert für Ita­li­en” hät­te, und stell­te fest, dass es sich um ein Pro­jekt han­delt, das Frank­reich eben­falls “in die Hand neh­men woll­te”.

Prio­ri­tä­ten aus dem Gleich­ge­wicht ?

Sau­di­sches Geld hat sich bei vie­len Gele­gen­hei­ten als schwer abzu­leh­nen erwie­sen. Nach dem Mord an Khash­og­gi führ­te US-Prä­si­dent Donald Trump ganz offen die Mil­li­ar­den­ge­schäf­te mit Riad als Grund für sei­ne sanf­te Reak­ti­on an.

Unter­des­sen hat der bri­ti­sche Außen­mi­nis­ter Jere­my Hunt kürz­lich Deutsch­land dazu auf­ge­for­dert, das Ber­li­ner Ver­bot von Waf­fen­ex­por­ten nach Riad auf­zu­he­ben, indem er argu­men­tier­te, das habe nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Unter­neh­mens­er­geb­nis­se bri­ti­scher und euro­päi­scher Waf­fen­her­stel­ler.

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Italien will Seidenstraßen-Vereinbarung mit China


Ita­li­en und die EU bekä­men die Gele­gen­heit, euro­päi­sche Stan­dards für Finanz­trans­pa­renz, Recht und Umwelt in die­ses wich­ti­ge Infra­struk­tur­pro­jekt ein­zu­brin­gen, sag­te der Poli­ti­ker. Die Absichts­er­klä­rung sol­le noch im März bei einem Ita­li­en­be­such des chi­ne­si­schen Prä­si­den­ten Xi Jin­ping unter­zeich­net wer­den. Er selbst wer­de Ende April zum zwei­ten Sei­den­stra­ßen-Forum nach Chi­na rei­sen, sag­te Giu­sep­pe Con­te. Natür­lich wer­de er dar­über auch mit den USA in stän­di­gem Dia­log sein.

Mit dem Sei­den­stra­ßen-Pro­jekt will Chi­na Han­dels­we­ge durch Asi­en nach Euro­pa und Afri­ka erschlie­ßen. Es sieht unter ande­rem Inves­ti­tio­nen in Infra­struk­tu­ren wie Bahn­stre­cken und Ver­schie­be­bahn­hö­fe, Tele­kom-Net­ze, Stra­ßen und Häfen vor. Die USA, Japan und diver­se EU-Län­der sehen in dem Pro­jekt auch einen Ver­such Chi­nas, sei­nen Ein­fluss in Eura­si­en und dar­über hin­aus zu erhö­hen. (dpa)

Mehr zum The­ma — Han­dels­um­satz auf Chi­nas Neu­er Sei­den­stra­ße über­steigt 5 Bil­lio­nen US-Dol­lar seit 2013

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Nicht schwarz genug : Will Smith für seine Rolle als Richard Williams kritisiert


Inter­net­nut­zer sagen, es gebe ande­re dun­kel­häu­ti­ge Schau­spie­ler, die zu die­ser Rol­le bes­ser pas­sen, weil sie eine pas­sen­de­re Haut­far­be haben. “Kolo­ris­mus ist wich­tig. Ich mag Will Smith, aber es gibt ande­re schwar­ze Schau­spie­ler für die­se Rol­le”, schrieb der US-Sport­jour­na­list Cla­rence Hill Jr.

Ich mag Will Smith sehr, mehr als jeman­den ande­ren, aber war­um kann die Rol­le nicht Mahers­ha­la Ali oder jemand ande­rer mit einer dunk­le­ren Haut­far­be spie­len — so wie der Mann, der dar­ge­stellt wird, tat­säch­lich ist?”, schrieb der Nut­zer Re Moon. 

Unter Kolo­ris­mus ver­steht man eine Form der Dis­kri­mi­nie­rung von dun­kel­häu­ti­gen Men­schen zuguns­ten der­je­ni­gen mit der hel­le­ren Haut­far­be.

Mehr zum The­ma — “Far­big oder Mulat­te?”: IBM unter Beschuss wegen ras­sis­ti­scher Fra­gen im Online-Bewer­bungs­bo­gen

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Wegen Protesten gegen Uploadfilter : EVP will Abstimmung über Urheberrechtsreform vorziehen


Die Euro­päi­sche Volks­par­tei (EVP), der auch die deut­schen Uni­ons­par­tei­en ange­hö­ren, hat offen­bar einen Weg gefun­den, mit den Pro­tes­ten gegen die im Zuge der EU-Urhe­ber­rechts­re­form geplan­te Ein­füh­rung von Upload­fil­tern umzu­ge­hen. Die Abstim­mung über die Reform des Urhe­ber­rechts soll kurz­fris­tig auf nächs­te Woche vor­ge­zo­gen wer­den ; die für einen spä­te­ren Zeit­punkt geplan­ten Pro­tes­te gegen die im Arti­kel 13 ver­an­ker­ten Upload­fil­ter wür­den damit ins Lee­re lau­fen.

Das Büro von EVP-Frak­ti­ons­chef Man­fred Weber demen­tier­te am Diens­tag­mit­tag gegen­über der dpa ein der­ar­ti­ges Vor­ge­hen. Die Über­set­zun­gen des Geset­zes­tex­tes wür­den nicht fer­tig, des­halb wer­de die EVP kein Vor­zie­hen der eigent­lich für Ende März ange­setz­ten Abstim­mung bean­tra­gen.

Der SPD-Abge­ord­ne­te Tie­mo Wöl­ken twit­ter­te dar­auf­hin ein Foto der The­men, die bei der Kon­fe­renz der Prä­si­den­ten der Par­tei­en am Don­ners­tag behan­delt wer­den sol­len. Dar­in erscheint die umstrit­te­ne Urhe­ber­rechts­re­form. “Da haben uns eini­ge von der CDU/CSU im Euro­pa­par­la­ment ange­lo­gen”, so Wöl­ken.

Gegen die Ein­füh­rung von Upload­fil­tern regt sich in- und außer­halb des Euro­pa­par­la­ments erheb­li­cher Wider­stand. Kri­ti­ker befürch­ten Zen­sur im Inter­net und die Ein­schrän­kung der Mei­nungs­frei­heit. Gegen die geplan­te vor­ge­zo­ge­ne Abstim­mung wur­de am Diens­tag­abend in ganz Deutsch­land demons­triert wer­den, unter ande­rem vor der Ber­li­ner CDU-Zen­tra­le.

Unter­des­sen erklär­te Weber am Diens­tag erneut, die Abstim­mung nicht vor­zie­hen zu wol­len. Wöl­ken twit­ter­te dar­auf­hin, die­se Aus­sa­ge erst dann zu glau­ben, wenn Weber sei­nen dies­be­züg­li­chen Antrag zurück­zie­he. Udo Bull­mann, Frak­ti­ons­chef der Sozi­al­de­mo­kra­ten im Par­la­ment, erklär­te am Diens­tag­abend, dass sei­ne Frak­ti­on für eine Vor­ver­le­gung der Abstim­mung nicht zur Ver­fü­gung ste­he.

Mehr zum The­ma — EU-Urhe­ber­rechts­re­form : Gefähr­den Upload­fil­ter die Frei­heit des Inter­nets ?

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EU-Reformpläne : Macron will “Demokratiepolizei” gründen


von Hasan Posd­nja­kow

Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Emma­nu­el Macron hat auf der Web­site des Prä­si­di­al­am­tes einen pro­gram­ma­ti­schen Text zur Zukunft der Euro­päi­schen Uni­on ver­öf­fent­licht. Im Doku­ment, das er “Für einen Neu­be­ginn in Euro­pa” beti­tel­te, warnt er davor, dass “Euro­pa” in gro­ßer Gefahr sei.

Bei­spiel­haft dafür nennt er die demo­kra­ti­sche Ent­schei­dung des bri­ti­schen Vol­kes, aus der EU aus­zu­tre­ten. Er fol­gert aller­dings dar­aus nicht, dass etwa die neo­li­be­ra­le, kapi­tal­freund­li­che Poli­tik der EU oder ihre kriegs­trei­be­ri­sche Poli­tik im Wider­spruch zu den Grund­in­ter­es­sen der Völ­ker der EU-Staa­ten ste­hen und das Staa­ten­bünd­nis daher immer unbe­lieb­ter wird. Nein, schuld sind Lüg­ner und Ver­ant­wor­tungs­lo­se, die über die EU läs­tern :

Wer hat den Bri­ten die Wahr­heit über ihre Zukunft nach dem Bre­x­it gesagt ? Wer hat ihnen gesagt, dass sie kei­nen Zugang mehr zum euro­päi­schen Markt haben wer­den ? … Jene, die mit­tels fal­scher Behaup­tun­gen die Wut der Men­schen aus­nut­zen, ver­spre­chen alles Mög­li­che und des­sen Gegen­teil”

Er beschwört, dass die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve zur EU die “natio­na­lis­ti­sche Abschot­tung” sei, und dass die­se “Fal­le … ganz Euro­pa” bedro­he.

Statt ernst­haft auf die Sor­gen der durch desas­trö­se EU-Poli­tik Abge­häng­ten ein­zu­ge­hen, schiebt er die gan­ze Schuld auf omi­nö­se Mani­pu­lie­rer. Gegen genau die­se Mani­pu­la­ti­on “müs­sen wir”, so appel­liert der umstrit­te­ne fran­zö­si­sche Staats­chef, “uns zur Wehr set­zen.” Über­haupt sei die EU ein “ein­zig­ar­ti­ges Pro­jekt für Frie­den, Wohl­stand und Frei­heit.” Nur so könn­ten sich die Mit­glie­der der EU gegen die “aggres­si­ven Stra­te­gi­en der Groß­mäch­te” weh­ren.

Sym­bo­lisch für die EU steht laut Macron unter ande­rem “ein reno­vier­tes Gym­na­si­um, eine neue Stra­ße, ein schnel­ler Zugang zum Inter­net, der end­lich ein­ge­rich­tet wird”. Mil­lio­nen Bun­des­bür­ger hier­zu­lan­de, für die schnel­les Inter­net und 4G noch Fremd­wör­ter sind und deren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­schwin­dig­kei­ten auf dem Niveau der 1990er Jah­re ver­har­ren, wer­den sich wohl jetzt fra­gen, ob Macron je in der Bun­des­re­pu­blik war oder ob Frank­reich in einem ande­ren Jahr­hun­dert lebt als Deutsch­land.

Ein wenig Selbst­lob erlaubt sich der neue Son­nen­kö­nig auch noch. So erklärt er bei­spiels­wei­se :

Ich füh­re (den Kampf für die EU) im Namen Frank­reichs ohne Unter­lass, um Euro­pa vor­an­zu­brin­gen und sein Modell zu ver­tei­di­gen.”

Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent sieht stets dunk­le Ver­schwö­run­gen am Werk und erklärt etwa, dass “bei jeder Wahl frem­de Mäch­te unser Wahl­ver­hal­ten zu beein­flus­sen suchen”. Um sich gegen die­sen unbe­stimm­ten, aber stets prä­sen­ten Feind zu ver­tei­di­gen, schlägt Macron die Grün­dung einer “euro­päi­schen Agen­tur für den Schutz der Demo­kra­tie” vor. Das ist schon ein ver­däch­tig krea­ti­ver Ein­fall ! Im frü­he­ren soge­nann­ten “Ost­block” tru­gen die Geheim­diens­te immer so lang­wei­li­ge, öde Bezeich­nun­gen wie “Minis­te­ri­um für Staats­si­cher­heit” oder ähn­li­ches. Eine neue Geheim­po­li­zei ganz leger als einen Demo­kra­tie­wäch­ter zu bezeich­nen, das ist geni­al ! Die Beam­ten die­ser neu­en Orga­ni­sa­ti­on gleich für die gan­ze EU sol­len die Wah­len in den ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten vor “Hacker­an­grif­fen und Mani­pu­la­ti­on” schüt­zen.

Zudem soll es poli­ti­schen Par­tei­en in der EU ver­bo­ten wer­den, sich durch “frem­de Mäch­te” finan­zie­ren zu las­sen. Und auch eine Inter­net-Zen­sur leuch­tet Macron ein :

Wir müs­sen durch EU-wei­te Rege­lun­gen Hass- und Gewalt­kom­men­ta­re aus dem Inter­net ver­ban­nen, denn die Ach­tung des Ein­zel­nen ist die Grund­la­ge unse­rer Kul­tur der Wür­de.”

Am Anfang des­sel­ben Abschnit­tes hat­te er frei­lich noch beschwo­ren, dass “das euro­päi­sche Modell” auf der “Frei­heit des Men­schen” und der “Viel­falt der Mei­nun­gen” beruht. Wer defi­niert eigent­lich, was genau als Hass- oder Gewalt­kom­men­tar ein­ge­stuft wird ? Viel­leicht eine neue euro­päi­sche Agen­tur für poli­ti­sche Kor­rekt­heit ? Die Viel­falt der Mei­nun­gen fin­det ihr Ende dann eben doch, wenn der Mei­nungs­äu­ße­rer es wagt, außer­halb des vom Möch­te­gern-Son­nen­kö­nig geneh­mig­ten Rah­mens zu tre­ten. Dann wird er aus sozia­len Medi­en aus­ge­sperrt oder bekommt ein EU-zer­ti­fi­zier­tes und somit demo­kra­tie­freund­li­ches Gum­mi­ge­schoss gegen sein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­ter­face, sinn­bild­lich also gegen Hän­de oder Gesicht.

Über­haupt scheint der fran­zö­si­sche Prä­si­dent die Lösung in einer Art “Flucht nach vorn” zu sehen. Neben der EU-Demo­kra­tie­po­li­zei möch­te er auch eine “gemein­sa­me Grenz­po­li­zei” und gleich noch ein Asyl-Amt auf EU-Ebe­ne. Auch ein “Euro­päi­scher Rat für inne­re Sicher­heit” darf in den küh­nen Wahn-, par­don, Reform­vor­stel­lun­gen von Macron nicht feh­len. Ob dann der Hohe Rat die Sicher­heit auch jener Tau­sen­den ver­letz­ten fran­zö­si­schen Demons­tran­ten garan­tiert ? Ob er ver­hin­dert, dass Hun­der­te ihre Augen, Hän­de oder sons­ti­ge Orga­ne ver­lie­ren, auf­grund men­schen­ver­ach­ten­den Gewalt­ein­sat­zes durch die Poli­zei ?

Auch für die inter­na­tio­na­le Poli­tik hat Macron fro­he Bot­schaft. Er for­dert, die Mili­tär­aus­ga­ben noch wei­ter zu erhö­hen, ganz im Ein­klang mit den “sanft­mü­ti­gen Emp­feh­lun­gen” der USA gegen­über den rest­li­chen NATO-Staa­ten. Auch sol­len Unter­neh­men in der EU bestraft oder gar ver­bo­ten wer­den kön­nen, “die unse­re stra­te­gi­schen Inter­es­sen und unse­re wesent­li­chen Wer­te unter­gra­ben”. Ein kla­re­res Signal der Lust zu strei­ten hät­te man wohl an Chi­na und Russ­land nicht sen­den kön­nen.

Außer einer vagen Idee einer EU-wei­ten “sozia­len Grund­si­che­rung”, ver­bun­den mit einem einer­seits EU-weit gel­ten­den, ande­re­seits aller­dings län­der­spe­zi­fi­schen Min­dest­lohn, hat der fran­zö­si­sche Prä­si­dent sozi­al­po­li­tisch nichts zu ver­kün­den. Der Grie­che ist genüg­sam.

Sein groß­an­ge­leg­tes Pro­jekt für die kom­men­den EU-Wah­len will Macron mit einer Schein­be­tei­li­gung der Bevöl­ke­rung in Form von “Bür­ger­pa­nels” schmü­cken. Auch Pla­ce­bo soll ja bis­wei­len angeb­lich Wun­der wir­ken. Sol­che von den Poli­ti­kern selbst aus­ge­wähl­ten Gre­mi­en spie­geln frei­lich in kei­ner Wei­se Demo­kra­tie wider, weder die rea­le sozia­le Zusam­men­set­zung des Vol­kes noch des­sen poli­ti­sche Ansich­ten. Kri­ti­sche Fra­gen sind auch weder erwünscht noch zu erwar­ten.

Macrons Reform­vor­ha­ben lässt sich leicht zusam­men­fas­sen : Viel Gere­de und nichts dahin­ter.

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

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