Venezolanischer Präsident Maduro : “Trump-Administration will mich töten lassen”


Die US-ame­ri­ka­ni­sche Regie­rung demen­tier­te die Aus­sa­gen Madu­ros umge­hend. Auf Madu­ros Vor­wurf ange­spro­chen, sag­te ein Spre­cher des Natio­na­len Sicher­heits­ra­tes des Wei­ßen Hau­ses, dass die Prä­fe­renz der US-Poli­tik “eine fried­li­che, geord­ne­te Rück­kehr zur Demo­kra­tie in Vene­zue­la” blei­be. Aller­dings ist es unzwei­fel­haft, dass die USA in ihrer Geschich­te mehr­fach an Putsch­ver­su­chen in Latein­ame­ri­ka betei­ligt waren. Zudem berich­te­te die New York Times am 8. Sep­tem­ber die­ses Jah­res, dass Ver­tre­ter der US-Regie­rung mit vene­zo­la­ni­schen Mili­tärs Plä­ne zu einem mög­li­chen Sturz von Prä­si­dent Nicolás Madu­ro erör­tert haben sol­len.

Die vene­zo­la­ni­sche Oppo­si­ti­on erklär­te, Madu­ro erhe­be lächer­li­che Anschul­di­gun­gen, um von sei­ner eige­nen Inkom­pe­tenz abzu­len­ken. Der poten­zi­ell “rei­che Ölstaat” Vene­zue­la lei­det gegen­wär­tig an einer Hyper­in­fla­ti­on, die das Land und sei­ne Bevöl­ke­rung vor enor­me wirt­schaft­li­che und sozia­le Pro­ble­me stellt. Als Hyper­in­fla­ti­on wird eine Situa­ti­on bezeich­net, in der die Prei­se in über­trie­be­ner und unkon­trol­lier­ter Wei­se um mehr als 50 Pro­zent pro Monat stei­gen. Im Novem­ber 2017 betrug die monat­li­che Preis­stei­ge­rungs­ra­te 56,7 Pro­zent. Und seit­dem befin­det sich das Land im Pro­zess der Hyper­in­fla­ti­on. Ihren vor­läu­fi­gen Höhe­punkt erreich­te sie im August 2018 mit einer monat­li­chen Preis­stei­ge­rung von 223,1 Pro­zent.

Einen gewich­ti­gen Anteil an den wirt­schaft­li­chen Pro­ble­men des Lan­des tra­gen die Sank­tio­nen der USA, wie selbst die Madu­ro nicht gera­de freund­lich geson­ne­ne FAZ in 2017 fest­stel­len muss­te. Madu­ro, ein ehe­ma­li­ger Bus­fah­rer und Gewerk­schafts­füh­rer, sag­te in einer Fern­seh­sen­dung am Don­ners­tag­abend, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten hät­ten die Regie­rung im benach­bar­ten Kolum­bi­en gebe­ten, ihn zu töten.

Sie haben vom Wei­ßen Haus den Befehl erhal­ten, Madu­ro zu töten”, sag­te Madu­ro. “Doch sie wer­den nicht ein­mal ein ein­zi­ges Haar von mir berüh­ren”, so Madu­ro wei­ter. Anfang Okto­ber hat­ten sich Madu­ro und US-Prä­si­dent Donald Trump vor der UN-Voll­ver­samm­lung einen ver­ba­len Schlag­ab­tausch gelie­fert. Uner­war­tet bot Trump zugleich aber an, sich mit Madu­ro zu einem direk­ten Gespräch zu tref­fen. Doch dazu kam es nicht.

Mehr zum The­ma — USA vs. Vene­zue­la : Wort­ge­fecht zwi­schen Trump und Madu­ro auf der UN-Voll­ver­samm­lung

RT Deutsch


Niemand will mehr für ihn arbeiten : Macron findet keinen Ersatz für zurückgetretene Minister


Die Beliebt­heit des fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Emma­nu­el Macron lei­det seit dem Som­mer. Den Anfang mach­te der Skan­dal um sei­nen ehe­ma­li­gen Sicher­heits­be­ra­ter. Zuletzt ziel­te der ehe­ma­li­ge Sicher­heits­be­ra­ter Macrons, Alex­and­re Ben­al­la, in einem Sel­fie-Foto mit einer Pis­to­le auf den Kopf einer Frau.

Das Bild, wel­ches im Sep­tem­ber publik wur­de, ent­stand wäh­rend der Prä­si­dent­schafts-Wahl­kam­pa­gne Macrons. Für die Waf­fe hat­te er kei­ne Geneh­mi­gung. Ent­las­sen wur­de Ben­al­la im Früh­som­mer, nach­dem ein Video von ihm auf­tauch­te, in wel­chem er als Poli­zist ver­klei­det auf Demons­tran­ten ein­prü­gel­te. Danach kam es zusam­men mit einem Mit­ar­bei­ter der Regie­rungs­par­tei La Répu­bli­que en Mar­che und Poli­zis­ten zu Ver­haf­tun­gen. 

Macron wird vor­ge­wor­fen, Ben­al­la zu lan­ge in Schutz genom­men zu haben. Unge­klärt bleibt auch, wes­halb Ben­al­la wäh­rend sei­ner Tätig­keit für Macron so vie­le Pri­vi­le­gi­en besaß. Das Image des Prä­si­den­ten lei­det seit­her, und die Suche nach Minis­tern für die Umbil­dung des Kabi­netts scheint eine immer schwe­re­re Auf­ga­be zu wer­den. 

Nach dem Rück­tritt des Umwelt­mi­nis­ters Nico­las Hulot war Macron gezwun­gen, den Rück­tritts­wunsch sei­nes Innen­mi­nis­ters Gérard Col­lomb zu akzep­tie­ren. Das Ziel Col­lombs ist es, 2020 bei den Kom­mu­nal­wah­len in Lyon anzu­tre­ten. Der Rück­tritt Col­lombs ist der sieb­te Abgang eines Kabi­netts­mit­glieds unter Macrons Prä­si­dent­schaft. 

Erst nach sei­ner Rück­rei­se aus Arme­ni­en will Emma­nu­el Macron nun die neue Auf­stel­lung sei­nes Kabi­netts bekannt­ge­ben. Macron wies dar­auf hin, dass er sich die Zeit neh­men wol­le, um die neue Regie­rung in Ruhe zu bil­den. Laut fran­zö­si­schen Nach­rich­ten wer­den die Minis­te­ri­en für Land­wirt­schaft und Kul­tur sowie der Minis­ter­pos­ten für ter­ri­to­ria­len Zusam­men­halt ersetzt wer­den. 

Eine unbe­nann­te Quel­le aus der fran­zö­si­schen Regie­rung sag­te der Nach­rich­ten­agen­tur AFP am Diens­tag : 

Es wird neue Gesich­ter geben, Abgän­ge. Und eini­ge Leu­te wer­den ihre Jobs inner­halb der Regie­rung wech­seln. 

Die schwie­rigs­te Auf­ga­be für Macron wird wei­ter­hin sein, einen neu­en Innen­mi­nis­ter zu fin­den. Es wird ver­mu­tet, dass Chris­to­phe Cas­ta­ner an die Stel­le von Colomb tre­ten könn­te. Der Macron-Ver­trau­te Richard Fer­rand : 

Wir brau­chen fri­schen Wind. 

Am Diens­tag zog es die Fran­zo­sen auf die Stra­ße. Wäh­rend Macron auf einer Start-up-Kon­fe­renz sprach, wur­de drau­ßen gegen ihn demons­triert. Dabei grif­fen die Demons­tran­ten Sät­ze auf, mit denen Macron sei­ner­zeit selbst einen arbeits­lo­sen Fran­zo­sen rüg­te, wie : “Na, immer noch kei­ne Arbeit gefun­den ? Dann mal rüber auf die ande­re Sei­te.” Die Mehr­heit der Fran­zo­sen hält ihren der­zei­ti­gen Prä­si­den­ten für zu arro­gant. Nur 23 Pro­zent der fran­zö­si­schen Bür­ger — laut einer You­Gov-Umfra­ge — sehen ihren Prä­si­den­ten noch posi­tiv. 

Pro­test gegen Macrons Poli­tik : Demons­trant nach Zusam­men­stö­ßen blut­über­strömt

RT Deutsch


Sängerin Taylor Swift will für Opposition stimmen – Trump findet ihre Musik nicht mehr so toll


In der Ver­gan­gen­heit woll­te ich mei­ne poli­ti­sche Hal­tung nicht öffent­lich zum Aus­druck brin­gen. Jetzt füh­le ich mich aber anders. Ich kann nicht mehr Mar­sha Black­burn unter­stüt­zen. Ihr Wahl­ver­hal­ten im Kon­gress ent­setzt mich und macht mir Angst. (…) Ich wer­de Phil Bre­de­sen für den Senat und Jim Coo­per für das Reprä­sen­tan­ten­haus unter­stüt­zen”, schrieb Swift auf Insta­gram.

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I’m wri­ting this post about the upco­m­ing mid­term elec­tions on Novem­ber 6th, in which I’ll be voting in the sta­te of Ten­nes­see. In the past I’ve been reluc­tant to publicly voice my poli­ti­cal opi­ni­ons, but due to several events in my life and in the world in the past two years, I feel very dif­fer­ent­ly about that now. I always have and always will cast my vote based on which can­di­da­te will pro­tect and fight for the human rights I belie­ve we all deser­ve in this coun­try. I belie­ve in the fight for LGBTQ rights, and that any form of discri­mi­na­ti­on based on sexu­al ori­en­ta­ti­on or gen­der is WRONG. I belie­ve that the sys­temic racism we still see in this coun­try towards peop­le of color is ter­ri­fy­ing, sicke­n­ing and pre­va­lent. I can­not vote for someo­ne who will not be wil­ling to fight for digni­ty for ALL Ame­ri­cans, no mat­ter their skin color, gen­der or who they love. Run­ning for Sena­te in the sta­te of Ten­nes­see is a woman named Mar­sha Black­burn. As much as I have in the past and would like to con­ti­nue voting for women in office, I can­not sup­port Mar­sha Black­burn. Her voting record in Con­gress appalls and ter­ri­fies me. She voted against equal pay for women. She voted against the Reaut­ho­ri­za­ti­on of the Vio­lence Against Women Act, which attempts to pro­tect women from domestic vio­lence, stal­king, and date rape. She belie­ves busi­nes­ses have a right to refu­se ser­vice to gay cou­ples. She also belie­ves they should not have the right to mar­ry. The­se are not MY Ten­nes­see values. I will be voting for Phil Bre­de­sen for Sena­te and Jim Coo­per for House of Rep­re­sen­ta­ti­ves. Plea­se, plea­se edu­ca­te yours­elf on the can­di­da­tes run­ning in your sta­te and vote based on who most clo­se­ly rep­res­ents your values. For a lot of us, we may never find a can­di­da­te or par­ty with whom we agree 100% on every issue, but we have to vote any­way. So many intel­li­gent, thought­ful, self-pos­ses­sed peop­le have tur­ned 18 in the past two years and now have the right and pri­vi­le­ge to make their vote count. But first you need to regis­ter, which is quick and easy to do. Octo­ber 9th is the LAST DAY to regis­ter to vote in the sta­te of TN. Go to vote.org and you can find all the info. Hap­py Voting ! 🗳😃🌈

Публикация от Tay­lor Swift (@taylorswift)

Als die Repor­ter den US-Prä­si­den­ten nach den poli­ti­schen Äuße­run­gen der Sän­ge­rin befragt hat­ten, deren Wer­ke Trump angeb­lich hoch schätzt, ant­wor­te­te Trump, dass er ihre Musik ab jetzt um 25 Pro­zent weni­ger möge.

Mehr zum The­ma — “Ich wür­de das gut machen”: Golf-Lieb­ha­ber Trump rech­net sich in Box­kampf mit Putin Chan­cen aus

RT Deutsch


Indien will S-400 im Milliardenwert erwerben


Wäh­rend des Staats­be­suchs des rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin in Indi­en soll ein Ver­trag zum Kauf von fünf Regi­men­ten der S-400 Rake­ten­ab­wehr­sys­te­me im Wert von fünf Mil­li­ar­den US-Dol­lar unter­zeich­net wer­den, erklär­te der Prä­si­den­ten­be­ra­ter Juri Uscha­kow am Diens­tag.
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Interview : Zwei serbische Blogger über ihr Land und EU : “Niemand will nur billige Arbeitskraft sein”


Von Moj­ra Bozic

Aus­län­di­sche Inves­ti­tio­nen stei­gen, Arbeits­lo­sen­zahl sinkt : Ser­bi­en geht es in den letz­ten Jah­ren rela­tiv gut. RT Deutsch sprach dar­über mit Mil­jan Tanić, Jour­na­list und Dol­met­scher, und Neman­ja Palek­sić, Poli­to­lo­ge.

Ihr beschäf­tigt euch im Pod­cast “Berich­te aus Dis­ney­land” mit dem All­tags­le­ben in Ser­bi­en, Pro­ble­men, dem Ein­fluss der Poli­tik auf den “klei­nen Mann”. War­um “Dis­ney­land”?

Mil­jan : Ich habe für das ehe­ma­li­ge Radio Jugo­sla­wi­en gear­bei­tet, in der deutsch­spra­chi­gen Redak­ti­on. Ich bemerk­te, wie hier Poli­ti­ker oder aus­län­di­sche Offi­zi­el­le – wie die ehe­ma­li­ge Chef­an­klä­ge­rin des Haa­ger Tri­bu­nals, Car­la del Pon­te – die unmög­lichs­ten Din­ge ohne jeg­li­che Fol­gen sagen oder tun kön­nen. Also wie in Dis­ney­land. Ich begann mit mei­nem Blog 2006 – “Dopi­si iz Diz­ni­len­da”, “Berich­te aus Dis­ney­land” –, um ein­fach Frust abzu­las­sen. Spä­ter kam Neman­ja dazu, und dar­aus ent­stand der Pod­cast. Wir sind sozu­sa­gen “Kor­re­spon­den­ten aus Dis­ney­land”, wie uns Freun­de nun spa­ßes­hal­ber nen­nen.

Ihr lebt in Bel­grad, das in letz­ter Zeit in west­li­chen Medi­en als ange­sag­te Metro­po­le des West­bal­kans dar­ge­stellt wird. Wie wür­det ihr die Stadt beschrei­ben ?

Neman­ja : Bel­grad ist immer noch das Zen­trum aller Ereig­nis­se auf dem Gebiet Ex-Jugo­sla­wi­ens. Es zieht vie­le Men­schen an, teils als exo­ti­sches Rei­se­ziel, teils als Metro­po­le. Es scheint jedoch, als begrei­fe Bel­grad immer noch nicht, dass es auch Besu­cher gibt, die kein Ser­bisch spre­chen. Freun­de aus dem Aus­land bekla­gen sich immer, dass sie sich hier schwer ver­stän­di­gen könn­ten. Aber auch das wird bes­ser. Wo es aber auch mit den größ­ten Metro­po­len der Welt mit­hal­ten kann, ist, dass man hier immer was zu tun, sehen und erle­ben hat.

Mil­jan : Bel­grad ist der ers­te Ort, an dem ich mich seit Anfang des Bos­ni­en­kriegs wirk­lich zu Hau­se füh­le. Ich lie­be die Natur­schön­hei­ten – zwei gro­ße inter­na­tio­na­le Flüs­se, ein rie­si­ger See, Wäl­der, Parks –, aber ich hät­te schon ger­ne mehr Ord­nung. Die Men­ta­li­tät der Men­schen ist aber ein­fach so, wie sie ist. Wir mögen nicht wie Deut­sche brav in der Schlan­ge ste­hen, und für jeman­den wie mich, der teil­wei­se in Deutsch­land auf­ge­wach­sen ist, ist das sehr ner­vig. Aber die Stadt ist tat­säch­lich irgend­wie offe­ner gewor­den.

Wie wür­det ihr Ser­bi­en aktu­ell beschrei­ben ? Das Land strebt in die EU, aber die Koso­vo-Fra­ge beherrscht der­zeit die öffent­li­che Debat­te. Vie­le Ana­ly­ti­ker mei­nen, ohne Aner­ken­nung des Koso­vo kön­ne es kei­ne EU-Mit­glied­schaft für Ser­bi­en geben.

Neman­ja : Schrit­te vor­wärts sieht man etwa in der Wirt­schaft oder bei der Arbeits­lo­sen­zahl. Aber auch da kann man die Fra­ge stel­len, zu wel­chem Preis dies erzielt wird. Was aber Rechts­staat­lich­keit, demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen, Pres­se­frei­heit angeht – da ist die Situa­ti­on wirk­lich alar­mie­rend. Die Ver­fas­sung wird tag­täg­lich ver­letzt, Ver­tre­ter der Regie­rung über­schrei­ten ihre Befug­nis­se, das Par­la­ment ist nur eine “Abstimm-Maschi­ne”.

Die Koso­vo-Fra­ge ist aber älter als die EU-Fra­ge – auch älter, als es die Regie­rung dar­stel­len möch­te. Was die Regie­rung bzw. Prä­si­dent Alek­san­dar Vučić zu sagen mei­det, ist aber, wie­so jetzt die Fra­ge der end­gül­ti­gen Lösung so inten­si­viert wur­de. Vie­le ande­re Fäl­le unge­lös­ter Bezie­hun­gen dau­ern viel län­ger, und nie­mand hat es eilig, sie zu lösen – Zypern zum Bei­spiel. Unse­re Regie­rung möch­te aber neu­es­ten Erklä­run­gen zufol­ge eine eth­ni­sche “Abgren­zung”. Das ist immer Glatt­eis.

Mil­jan : Ich fin­de, die EU wür­de als heuch­le­risch daste­hen, wenn sie von Ser­bi­en ver­langt, das Koso­vo anzu­er­ken­nen, da fünf EU-Län­der das auch nicht getan haben. Was ich aber beson­ders trau­rig fin­de, ist Fol­gen­des : Die meis­ten Ser­ben wol­len das Koso­vo zurück­ha­ben, aber ohne Alba­ner. Denn zwei Mil­lio­nen Alba­ner könn­ten bedeu­tend die Poli­tik beein­flus­sen und gar einen Prä­si­den­ten wäh­len. Und man will doch kei­nen alba­ni­schen Prä­si­den­ten Ser­bi­ens haben, oder ?

Die Men­schen den­ken, dass es noch wie im Mit­tel­al­ter ist und im Koso­vo nur Ser­ben leben oder zumin­dest in der Mehr­heit sind, aber gleich­zei­tig wis­sen sie, dass es nicht so ist. Was aber auf jeden Fall wich­tig ist, ist, die Kon­trol­le über die ser­bi­schen Kul­tur- und Reli­gi­ons­denk­mä­ler zu behal­ten.

Wie wür­det ihr die Stim­mung im Land bezüg­lich des EU-Bei­tritts ein­schät­zen ? Mit­te der 2000er-Jah­re waren fast 90 Pro­zent mei­ner Freun­de in Ser­bi­en für die EU. Heu­te habe ich das Gefühl, vie­le sind müde gewor­den von die­sem Hin und Her.

Neman­ja : Es ist offen­sicht­lich, dass die Unter­stüt­zung für den EU-Bei­tritt abnimmt, und das seit Jah­ren. Dafür gibt es ver­schie­de­ne Grün­de. Aus der ser­bi­schen Per­spek­ti­ve gibt es immer weni­ger Inter­es­se, weil nach 18 Jah­ren die­ses Ziel immer wei­ter erscheint. Vie­le den­ken, dass Ser­bi­en ewig vor den Toren der EU ste­hen wird, wie die Tür­kei. Vie­le Unter­stüt­zer des Bei­tritts sind letzt­lich in die EU aus­ge­wan­dert. Dazu kommt die Tat­sa­che, dass die­je­ni­gen Poli­ti­ker, die für den EU-Bei­tritt waren, arro­gant und ver­ant­wor­tungs­los waren, was bei den Wah­len 2012 bestraft wur­de, was wie­der­um zusätz­lich die Idee der Euro­in­te­gra­ti­on schwächt.

Mil­jan : Man­che von uns sind von der EU ent­täuscht – es herrscht das Gefühl vor, dass Brüs­sel immer neue Auf­ga­ben für Bel­grad kre­iert, um uns ein­fach hin­zu­hal­ten. Dabei kom­men vie­le Fir­men aus der EU nach Ser­bi­en, bekom­men Sub­ven­tio­nen vom Staat und bezah­len Arbei­ter gar drei- bis vier­mal weni­ger, als sie es in den eige­nen Län­dern tun müss­ten. Wir wol­len nur glei­che Rech­te wie EU-Bür­ger, und uns wird immer kla­rer, dass es dazu nicht kom­men wird. Nie­mand will nur bil­li­ge Arbeits­kraft sein.

Der ser­bi­sche Prä­si­dent Alek­san­dar Vučić, ein ehe­ma­li­ger Ultra­na­tio­na­list, der nun als Pro­eu­ro­pä­er auf­tritt, möch­te der gro­ße Moder­ni­sie­rer Ser­bi­ens sein. Die Unter­stüt­zung in der Bevöl­ke­rung hat er. War­um ?

Neman­ja : Weil er alle gro­ßen Medi­en kon­trol­liert, weil die Oppo­si­ti­on schwach und zer­split­tert und stän­di­gen Angrif­fen der regie­rungs­treu­en Medi­en aus­ge­setzt ist. Die Wäh­ler sind es gewöhnt, immer für die amtie­ren­den Par­tei­en zu stim­men, weil für vie­le ihre Jobs vom Staat selbst abhän­gen. Die Unter­stüt­zung liegt aber in abso­lu­ten Zah­len bei 25 bis 30 Pro­zent. Die Regie­rung tut zudem alles, um unent­schlos­se­ne Wäh­ler von den Urnen fern­zu­hal­ten, hat aber eine eige­ne treue Wäh­ler­ar­mee.

Mil­jan : Ich bin ent­täuscht davon, dass vie­le Men­schen in mei­ner Umge­bung ihn unter­stüt­zen und stän­dig das Man­tra wie­der­ho­len : ‘Aber er tut wenigs­tens was, macht doch nichts, dass er nicht der Bes­te ist!’ Vučić redet nur dar­über, wie er etwas macht. Aber er hat das so per­fekt gemeis­tert, dass er die Men­schen ein­fach in sei­nen Bann zieht. Mir macht das ein wenig Angst. Wenn jemand, der all das gesagt und gemacht hat, was er in den Neun­zi­gern gesagt und gemacht hat, nach so kur­zer Zeit so viel Macht haben kann, da ist es doch kein Wun­der, dass wir Ser­bi­en “Dis­ney­land” nen­nen.

Ist sei­ne Popu­la­ri­tät Fol­ge des Han­delns pro­west­li­cher Par­tei­en wie der Demo­kra­ti­schen Par­tei ? Die Kor­rup­ti­on wur­de lei­der auch von ihnen nicht bekämpft. Ganz im Gegen­teil.

Neman­ja : Der Kampf gegen Kor­rup­ti­on ist ein Mythos, alle wer­den immer an der Front sein, aber nie­mand wird jemals den Kampf anfan­gen, weil Kor­rup­ti­on wahr­schein­lich die am schwie­rigs­ten heil­ba­re Krank­heit einer Gesell­schaft ist. Auch jetzt scheint es, als wür­de man lie­ber des Koso­vo ent­sa­gen, als die Macht auf­zu­ge­ben.

Mil­jan : Das Wir­ken die­ser Par­tei­en ist sicher einer der Grün­de. Aber ich wür­de auch Ein­flüs­se von außen nicht aus­schlie­ßen, die sich hin­ter den Kulis­sen abspie­len. Ich wer­de nie ver­ste­hen kön­nen, war­um Län­der wie Deutsch­land ihn und sei­ne Art der Regie­rungs­füh­rung unter­stüt­zen.

Ser­bi­en, aber auch der gan­ze West­bal­kan ist mit einer erneu­ten Aus­wan­de­rungs­wel­le kon­fron­tiert. Wer geht und war­um ?

Neman­ja : Men­schen sind müde von allem, von schlecht bezahl­ten Jobs, schlech­ter Stim­mung, vom Gefühl der Hoff­nungs­lo­sig­keit. In den Neun­zi­gern wan­der­ten Hoch­ge­bil­de­te in den Wes­ten aus, die aber dort dann schlecht bezahl­te kör­per­li­che Arbeit beka­men. Jetzt wan­dern alle aus – Fah­rer, Hand­wer­ker, medi­zi­ni­sches Per­so­nal. Die Mit­tel­schicht ver­lässt uns, die ohne­hin am meis­ten gefähr­det war.

Mil­jan : Die Leu­te haben ein­fach die Nase voll und wol­len für sich und ihre Kin­der eine bes­se­re Zukunft. Völ­lig legi­tim, was mich angeht.

Wür­det ihr Ser­bi­en ver­las­sen ?

Neman­ja : Es wäre schön, eine Zeit­lang in einem Land zu leben, wo der Job nicht von der Mit­glied­schaft in einer Par­tei abhängt, wo man mit der Hälf­te des Gehalts den gan­zen Urlaub bezah­len kann, wo Medi­en nicht stän­dig mit Krieg dro­hen usw. Ich hät­te das aber gern hier, wo mei­ne Freun­de und Fami­lie leben und wo ich mich am wohls­ten füh­le.

Mil­jan : Ich muss sagen, defi­ni­tiv jein. Ger­ne wür­de ich in einem “nor­ma­len” Land leben, aber ich bin jetzt schon in einem Alter, wo man sich ver­an­kert fühlt, man hat Rou­ti­ne, Freun­des­krei­se, die man nicht ein­fach auf­ge­ben will und kann.

Ist der Gra­ben zwi­schen den Natio­nen Ex-Jugo­sla­wi­ens auch mehr als 20 Jah­re nach den Bür­ger­krie­gen in Kroa­ti­en und Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na immer noch groß, oder spie­len die Poli­ti­ker immer wie­der die natio­na­lis­ti­sche Kar­te, weil sie kei­ne ande­re Poli­tik machen kön­nen und wol­len ?

Neman­ja : Unglaub­lich, aber die­ser Gra­ben ist in den letz­ten Mona­ten grö­ßer denn je – ange­fan­gen beim Erfolg Kroa­ti­ens bei der Fuß­ball-WM und der Sie­ges­fei­er mit einem ultra­na­tio­na­lis­ti­schen Sän­ger bis zu den natio­na­lis­ti­schen Tönen, was die Lösung des Koso­vo-Pro­blems angeht. Die Situa­ti­on nach den Krie­gen der Neun­zi­ger wirkt viel gelas­se­ner, und das ist gera­de das, was depri­mie­rend ist. Man fragt sich : Wie und wo haben wir 20 Jah­re ver­lo­ren ? Wenn man aber sieht, wer auf allen Sei­ten regiert, dass das alles die glei­chen Poli­ti­ker aus den schon erwähn­ten Neun­zi­gern sind, stellt sich dann die Fra­ge, ob sie über­haupt in der Lage sind, eine ande­re Sto­ry zu erzäh­len.

Mil­jan : Ich fin­de es abso­lut erschre­ckend, dass es heu­te ange­spann­ter wirkt als vor zehn bis 15 Jah­ren. Und auch die Tat­sa­che, dass auf der Polit­büh­ne immer noch die glei­chen Poli­ti­ker sind, die teils für den Hor­ror des Krie­ges unse­rer Kind­heit ver­ant­wort­lich sind – da ist man natür­lich sprach­los.

Mehr zum The­ma -Neue Span­nun­gen zwi­schen Koso­vo-Alba­nern und Ser­bi­en

RT Deutsch


EXKLUSIV zur Bayernwahl : Linke will CSU maximal ärgern


Erst­mals in der Geschich­te könn­te im Okto­ber die Lin­ke in den baye­ri­schen Land­tag gewählt wer­den. Die Par­tei liegt in Umfra­gen knapp an der Fünf-Pro­zent-Hür­de. Ihr Ein­zug wäre eine maxi­ma­le Nie­der­la­ge für die CSU, sagt der lin­ke Spit­zen­kan­di­dat Ates Gür­pi­nar. Sput­nik hat mit ihm über sei­ne Plä­ne und die baye­ri­sche Par­tei­en­land­schaft gespro­chen.
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Gadget-Mania : Passagier will Handy im Cockpit aufladen – des Fluges verwiesen


Der Vor­fall war noch vor Abflug der Maschi­ne gesche­hen. Ört­li­che Medi­en berich­te­ten, der Mann sei betrun­ken gewe­sen. Nach einer Ver­neh­mung durch die Poli­zei in Mum­bai (frü­her Bom­bay) kam er dem­nach wie­der auf frei­en Fuß.

Vor­fäl­le in Flug­zeu­gen sind in Indi­en kei­ne Sel­ten­heit. Indi­sche Pas­sa­gie­re gel­ten unter Flug­be­glei­tern als schwie­rig. Ein mög­li­cher Grund ist, dass vie­le von ihnen kei­ne oder wenig Flug­er­fah­rung haben und die Regeln nicht ken­nen. Durch das Wirt­schafts­wachs­tum wird die Mit­tel­schicht in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land grö­ßer und es gibt immer mehr Flü­ge. Vie­le Inder haben also erst seit kur­zem die Mög­lich­keit, zu flie­gen. (dpa)

Mehr zum The­ma — Panik an Bord : Mann fliegt zum ers­ten Mal und hält den Aus­gang für die Klo­tür

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