Hannover nicht mehr mit SPD-Oberhaupt – Türkischstämmiger Grünen-Politiker wird Oberbürgermeister


Die Stich­wahl fand am Sonn­tag statt. Der 38-jäh­ri­ge Belit Onay setz­te sich mit 52,9 Pro­zent der Stim­men gegen den CDU-Bewer­ber Eck­hard Scholz durch. Der lang­jäh­ri­ge VW-Mana­ger kam auf 47,1 Pro­zent. Im ers­ten Wahl­gang kam es zu einem Kopf-an-Kopf-Ren­nen. Mit jeweils 32,2 Pro­zent der Stim­men waren Scholz und Onay am 27. Okto­ber in die Stich­wahl ein­ge­zo­gen. Der Grü­nen-Poli­ti­ker hat­te gera­de mal 50 Stim­men mehr als der CDU-Kan­di­dat. Der SPD-Kan­di­dat Marc Hans­mann konn­te im ers­ten Wahl­gang ledig­lich 23,5 Pro­zent der Stim­men auf sich ver­ei­nen und lan­de­te damit auf Platz drei.

Für die Sozi­al­de­mo­kra­ten stellt dies eine her­be Nie­der­la­ge dar. Mit dem Grü­nen-Poli­ti­ker als neu­em Ober­bür­ger­meis­ter endet nach 73 Jah­ren nun die SPD-Vor­herr­schaft in der nie­der­säch­si­schen Haupt­stadt. Beson­ders bit­ter : Der Lan­des­vor­sit­zen­de, Minis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil, war bis 2013 selbst Ober­bür­ger­meis­ter von Han­no­ver. Die nie­der­säch­si­sche Haupt­stadt ist nun nach Frei­burg, Darm­stadt und Stutt­gart die vier­te Groß­stadt, die ein Ober­haupt aus den Rei­hen der Son­nen­blu­men-Par­tei bekommt. Im Stadt­rat regiert die SPD mit den Grü­nen und der FDP.

Ich wer­de mit der Ver­wal­tung ein Team bil­den, um Pro­jek­te umzu­set­zen”, kün­dig­te er am Wahl­abend an.

CDU-Kon­tra­hent Scholz gra­tu­lier­te Onay zum Wahl­sieg :

Ich bin davon über­zeugt, er wird ein sehr wür­di­ger Ober­bür­ger­meis­ter”, sag­te Scholz und bedank­te sich bei sei­nem Team für einen sen­sa­tio­nel­len Wahl­kampf.

Rat­haus­af­fä­re führ­te zu vor­zei­ti­ger Ober­bür­ger­meis­ter­wahl 

Aus­lö­ser der vor­zei­ti­gen Wahl war die soge­nann­te Rat­haus­af­fä­re, die den bis­he­ri­gen Ober­bür­ger­meis­ter Ste­fan Schos­tok (SPD) zum Rück­tritt zwang. Die Staats­an­walt­schaft hat­te Ende April gegen ihn sowie sei­nen dama­li­gen Büro­chef und den sus­pen­dier­ten Kul­tur- und frü­he­ren Per­so­nal­de­zer­nen­ten Ankla­ge erho­ben – wegen schwe­rer Untreue. Es geht um unrecht­mä­ßi­ge Gehalts­zu­la­gen für den Büro­chef und den frü­he­ren Feu­er­wehr­chef. Schos­tok soll laut Ankla­ge davon erfah­ren haben, ohne die­se Prak­ti­ken zu been­den. Ob und wann es zu einem Pro­zess kommt, hat das Land­ge­richt noch nicht ent­schie­den.

Den Schwer­punkt der Poli­tik des neu­en Ober­haupts dürf­ten Ver­kehr und Mobi­li­tät dar­stel­len. Dem­nach ist eines der Zie­le des 38-Jäh­ri­gen eine auto­freie Innen­stadt bis 2030. Dafür plant er, das Ein-Euro-Ticket für Bus und Bahn ein­zu­füh­ren, um weni­ger Abga­se, Staus und Lärm in der Stadt zu errei­chen. Zudem will der Grü­nen-Poli­ti­ker mehr Platz für Rad­fah­rer schaf­fen. 

Knapp ein Drit­tel der Bevöl­ke­rung von Han­no­ver hat aus­län­di­sche Wur­zeln

Belit Onay sitzt seit 2013 im Land­tag. Davor war der Jurist Mit­glied der Grü­nen-Rats­frak­ti­on in Han­no­ver. E ist bun­des­weit das ers­te Ober­haupt einer Lan­des­haupt­stadt mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Onay wur­de in Gos­lar als Sohn tür­ki­scher Zuwan­de­rer gebo­ren. In Han­no­ver lebt er seit sei­nem Stu­di­um. Knapp ein Drit­tel der Bevöl­ke­rung der nie­der­säch­si­schen Haupt­stadt hat inzwi­schen aus­län­di­sche Wur­zeln, bei jun­gen Men­schen unter 18 jeder Zwei­te. Sei­ne Her­kunft küm­me­re die wenigs­ten, mein­te Onay. “Ent­schei­dend ist, wo wir hin­wol­len.”

Auch in ande­ren deut­schen Städ­ten gibt es bereits Bür­ger­meis­ter mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund oder gar aus­län­di­scher Staats­bür­ger­schaft. So etwa in Bonn den CDU-Poli­ti­ker mit indi­schen Wur­zeln Ashok-Alex­an­der Srid­ha­ran oder den Dänen Claus Ruhe Madsen (par­tei­los) in Ros­tock. 

Mehr zum The­ma — Erneue­rung muss war­ten : SPD sucht die Füh­rung in einem lang­wie­ri­gen Aus­wahl­pro­zess

RT Deutsch


Onkologie wird uns versöhnen”: Russische und deutsche Nuklearmediziner intensivieren Zusammenarbeit


von Wla­dis­law San­kin 

Krebs ist die zweit­häu­figs­te Todes­ur­sa­che der Welt. Allein im Jahr 2018 star­ben nach WHO-Anga­ben 9,6 Mil­lio­nen Men­schen an der Krank­heit. Nahe­zu jeder sechs­te Todes­fall geht auf Krebs zurück. Mit 227.000 Ver­stor­be­nen in Deutsch­land und 271.000 in Russ­land im Jahr 2018 ist Krebs damit auch in jenen Län­dern die zweit­häu­figs­te Todes­ur­sa­che.

In Russ­land hat die Regie­rung die Bekämp­fung von Krebs zu einer natio­na­len Auf­ga­be erklärt und bis zum Jahr 2014 eine Tril­li­on Rubel (umge­rech­net 14,2 Mil­li­ar­den Euro) für die Schaf­fung einer moder­nen Infra­struk­tur mit 500 The­ra­pie­zen­tren zur Ver­fü­gung gestellt. Eine beson­de­re Rol­le soll­te der Ent­wick­lung der Nukle­ar­me­di­zin zukom­men. Hier­bei sind zwölf Zen­tren für die Radio­nu­klidthe­ra­pie vor­ge­se­hen.

Mehr zum The­ma — Krebs auf dem Vor­marsch : 2018 wer­den 9,6 Mil­lio­nen Todes­fäl­le durch Krebs erwar­tet

"Onkologie wird uns versöhnen": Russische und deutsche Nuklearmediziner intensivieren Zusammenarbeit
Die ers­te Ope­ra­ti­on im Zen­trum für Radio­chir­ur­gie des Natio­na­len Medi­zi­ni­schen For­schungs­zen­trums für Radio­lo­gie.

Der Erfah­rungs­aus­tausch mit deut­schen Kol­le­gen zu den fort­schritt­lichs­ten Metho­den der Nukle­ar­me­di­zin ist für die Rus­sen dabei fun­da­men­tal. Die Tagung “Nukle­ar­me­di­zin – die Alche­mie der moder­nen Onko­lo­gie” im Rah­men der Ber­lin Sci­ence Week 2019 am 8. Novem­ber soll­te die wis­sen­schaft­li­che Koope­ra­ti­on im Bereich Medi­zin zwi­schen bei­den Län­dern wie­der zum Leben erwe­cken.

Die Kon­fe­renz wur­de vom Koch-Met­sch­ni­kow-Forum in Zusam­men­ar­beit mit der Rus­si­schen Gesell­schaft für Onko­lo­gie, dem Natio­na­len Medi­zi­ni­schen For­schungs­zen­trum für Radio­lo­gie (NMRRC) beim Föde­ra­len Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on sowie von Rus­atom orga­ni­siert.

In sei­ner Begrü­ßungs­re­de beton­te der Vor­sit­zen­de des Koch-Met­sch­ni­kow-Forums, Prof. Dr. Hel­mut Hahn, dass die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Deutsch­land und Russ­land zur Krebs­be­kämp­fung ein Anlie­gen von höchs­ter Prio­ri­tät sei. So wur­de das ers­te Abkom­men mit der rus­si­schen Sei­te im Jahr 2006 in Anwe­sen­heit der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel und des rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin unter­zeich­net.

Die­se Zusam­men­ar­beit sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aller­dings etwas sta­gniert, räum­te ein wei­te­rer Mit­ver­an­stal­ter, Prof. Andrej Kar­pin vom Natio­na­len Medi­zi­ni­schen For­schungs­zen­trum für Radio­lo­gie, ein. In Russ­land gilt das Mit­glied der Rus­si­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten als infor­mel­ler “Chef-Onko­lo­ge” des Lan­des. Er beton­te :

Auf unse­rem Gebiet spielt Poli­tik kei­ne Rol­le. Es gibt nur die Hete­ro­ge­ni­tät von Tumo­ren. Wir sind einer gemein­sa­men Bedro­hung aus­ge­setzt, und die Onko­lo­gie wird uns ver­söh­nen. Lasst uns zusam­men gegen unse­ren gemein­sa­men Feind kämp­fen.

"Onkologie wird uns versöhnen": Russische und deutsche Nuklearmediziner intensivieren Zusammenarbeit
Prof. Dr. Klaus-Peter Hell­rie­gel und Hel­mut Hahn (1. und 2. von links) und Prof. Dr. Andrej Kaprin vom Natio­na­len Zen­trum für Radio­lo­gie (rechts) zei­gen das unter­zeich­ne­te Koope­ra­ti­ons­ab­kom­men.

Auf der Kon­fe­renz wur­de in fei­er­li­cher Atmo­sphä­re ein Abkom­men zur Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem Koch-Met­sch­ni­kow-Forum und dem NMRRC unter­zeich­net. Ein Abkom­men haben auch zwei rus­si­sche Unter­neh­men, das NMRRC und das staat­li­che Unter­neh­men zur medi­zi­ni­schen Nukle­ar­for­schung Rus­atom, unter­zeich­net – in Ber­lin ! “Wir sind schon seit Lan­gem enge Nach­barn und Part­ner, aber wir wol­len unse­re Freund­schaft auch öffent­lich leben”, sag­te Kaprin beim Pres­se­auf­tritt.

Wel­chen Nut­zen haben bei­de Sei­ten von der Koope­ra­ti­on ? “Wir sind das welt­weit füh­ren­de Unter­neh­men für Pro­to­nen­pro­duk­ti­on. Wir lie­fern in 100 Län­der. Wir ver­ste­hen, dass ohne Infra­struk­tur eine Ent­wick­lung unmög­lich ist”, erklär­te Rus­atom-Chef Alex­an­der Schub­a­now.

Die Rus­sen pro­pa­gie­ren der­zeit stark die tech­ni­sche Sei­te, wäh­rend bei uns der Schwer­punkt auf Mole­ku­lar­ge­ne­tik liegt, und ich den­ke, dass wir uns gegen­sei­tig da aus­tau­schen müs­sen, sag­te der Lei­ter der Sek­ti­on Onko­lo­gie des Koch-Met­sch­ni­kow-Forums, Prof. Klaus-Peter Hell­rie­gel, gegen­über RT.

"Onkologie wird uns versöhnen": Russische und deutsche Nuklearmediziner intensivieren Zusammenarbeit
Pro­ton-Beschleu­ni­ger “Pro­me­theus” – bahn­bre­chen­de Ent­wick­lung rus­si­scher Wis­sen­schaft­ler.

Nukle­ar­me­di­zin spie­le bei uns in Deutsch­land zwar eine wich­ti­ge, aber eine nicht so ent­schei­den­de Rol­le wie der­zeit in Russ­land, füg­te er ange­sichts der ambi­tio­nier­ten Plä­ne der rus­si­schen Regie­rung hin­zu.

Laut der Pres­se­mit­tei­lung der Ver­an­stal­ter stan­den auf der Kon­fe­renz fol­gen­de The­men im Vor­der­grund : neue Mög­lich­kei­ten der Pro­to­nen­the­ra­pie zur Behand­lung von Erwach­se­nen und Klein­kin­dern, Erfah­run­gen in der Hoch- und Nied­rig­do­sis-Brachythe­ra­pie von Tumo­ren ver­schie­de­ner Loka­li­sa­tio­nen, Radio­nu­klidthe­ra­pie unter Ein­satz moder­ner Medi­ka­men­te, Radio­em­bo­li­sa­ti­on der Leber unter Ver­wen­dung hei­mi­scher Mikro­sphä­ren. 

Wir sehen in unse­ren deut­schen Kol­le­gen hoch­ge­schätz­te, stra­te­gi­sche Part­ner”, sag­te Andrej Kar­pin im Anschluss an die Unter­zeich­nung gegen­über der Pres­se. Dem Ziel der rus­si­schen Regie­rung, die Krebs-Sterb­lich­keits­ra­te in fünf Jah­ren um 185 Pro­zent zu redu­zie­ren, sind Exper­ten am 8. Novem­ber in Ber­lin einen Schritt näher­ge­kom­men. 

Mehr zum The­ma — Welt­kin­der­krebs­tag : Jedes Jahr erkran­ken rund 300.000 Kin­der und Jugend­li­che an Krebs

RT Deutsch


Erdoğan : Operation in Nordsyrien wird weitergehen


Auf dem Rück­flug von einem Ungarn­be­such erklär­te der tür­ki­sche Prä­si­dent Erdoğan gegen­über Jour­na­lis­ten, dass sich die USA und Russ­land nicht an ihre Abma­chun­gen in Nord­sy­ri­en gehal­ten hät­ten. Auf die Rück­fra­ge eines Jour­na­lis­ten, ob dies die Wei­ter­füh­rung der tür­ki­schen Mili­tär­ope­ra­ti­on in Syri­en bedeu­te, ant­wor­te­te er “auf jeden Fall”, wie die tür­ki­sche oppo­si­tio­nel­le natio­na­lis­ti­sche Zei­tung Söz­cü 

RT Deutsch


Der Syrienkrieg wird im Libanon und im Irak fortgesetzt


von Zlat­ko Per­ci­nic

Wie zuvor in Syri­en, neh­men die Pro­tes­te im Liba­non und im Irak immer mehr sek­tie­re­ri­sche For­men an. In bei­den Län­dern herrsch­te eine gespann­te Ruhe zwi­schen Sun­ni­ten und Schii­ten (im Liba­non kom­men noch Chris­ten hin­zu), die gele­gent­lich in Gewalt umschlug. Wäh­rend im Liba­non das Abkom­men von at-Taif 1989 den blu­ti­gen Bür­ger­krieg been­de­te und die poli­ti­sche Teil­ha­be aller Kon­fes­sio­nen sicher­stell­te, war es die US-Inva­si­on im Irak 2003, die Sad­dam Hus­sein stürz­te und den Schii­ten iro­ni­scher­wei­se zum ers­ten Mal den Weg an die Regie­rung ebne­te.

Seit­dem kam es immer wie­der zu blu­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den bei­den Strö­mun­gen des Islam. Ins­be­son­de­re der Irak erleb­te im Jahr 2006 einen Höhe­punkt die­ser Gewalt, als die Sun­ni­ten gewalt­sam ver­such­ten, eine ver­meint­li­che Dik­ta­tur der Schii­ten zu ver­hin­dern. Das Resul­tat war eine Blut­or­gie, die das Stadt­bild von Bag­dad voll­kom­men ver­än­der­te. Ein Jahr spä­ter erleb­te auch der Liba­non eine Erup­ti­on der Gewalt zwi­schen Sun­ni­ten und Schii­ten, die von der radi­ka­len sun­ni­ti­schen Fatah al-Islam aus­ging und von der schii­ti­schen His­bol­lah schließ­lich gestoppt wur­de.

Durch bei­de Ent­wick­lun­gen nahm der regio­na­le Ein­fluss des Iran enorm zu, sehr zum Miss­fal­len der USA, Sau­di-Ara­bi­ens und Isra­els. Nach­dem die direk­te Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Isra­el und der His­bol­lah im Som­mer 2006 aus Sicht eini­ger Län­der, dar­un­ter auch Deutsch­land, nicht zum gewünsch­ten Resul­tat geführt hat­te, sah man mit dem Aus­bruch der Pro­tes­te in Syri­en die Gele­gen­heit gekom­men, durch einen Macht­wech­sel in Damas­kus das Bin­de­glied zwi­schen His­bol­lah und dem Iran zu zer­stö­ren. Damit lie­ße sich nicht nur die “Par­tei Got­tes” schwä­chen, was im Inter­es­se Isra­els und der von Sau­di-Ara­bi­en unter­stütz­ten Alli­anz des 14. März lag, son­dern auch der Ein­fluss Tehe­rans zurück­drän­gen.

Um die­ses Ziel zu errei­chen, unter­stütz­ten Län­der, die immer wie­der ihre angeb­li­chen Wer­te hoch­hal­ten, Extre­mis­ten der schlimms­ten Sor­te, die unsäg­li­ches Leid über die syri­sche Bevöl­ke­rung brach­ten und Mil­lio­nen Men­schen zur Flucht trie­ben. Man nahm in Washing­ton, Lon­don, Paris und Ber­lin bil­li­gend in Kauf, dass das einst säku­la­re Syri­en in die Hän­de von sala­fis­ti­schen Isla­mis­ten fällt, nur um eige­ne Inter­es­sen durch­zu­set­zen. Dafür wur­den die­se Grup­pie­run­gen mit sehr viel Geld und noch mehr Waf­fen aus­ge­stat­tet. Auch das NATO-Mit­glied Tür­kei misch­te bei die­sem blu­ti­gen Spek­ta­kel ganz vor­ne mit und wur­de zur Dreh­schei­be inter­na­tio­na­ler Dschi­ha­dis­ten.

Mehr zum The­ma — Syri­en zeigt : Wach­sen­der deut­scher Ein­fluss nicht wün­schens­wert 

Der zeit­lich kor­re­lie­ren­de Aus­bruch von Pro­tes­ten im Irak und im Okto­ber dann auch im Liba­non bie­tet man­chen Län­dern, die die Nie­der­la­ge in Syri­en nicht ver­dau­en kön­nen, die Mög­lich­keit, den Stell­ver­tre­ter­krieg gegen den Iran auf ande­re Gebie­te aus­zu­wei­ten. Das muss nicht zwin­gend hei­ßen, ja es ist sogar eher unwahr­schein­lich, dass eine ähn­li­che Stra­te­gie wie in Syri­en ver­folgt wird. Den­noch gibt es bereits Anzei­chen, dass ver­sucht wird, die Pro­tes­te gezielt von den ursprüng­li­chen For­de­run­gen abzu­len­ken (Kor­rup­ti­on, Miss­wirt­schaft, Macht­miss­brauch) und sie in die alten sek­tie­re­ri­schen Grä­ben zu lei­ten – Sun­ni­ten gegen Schii­ten, mit dem Iran als Schutz­pa­tron der Schii­ten.

Dabei wird Tehe­ran als eine Macht dar­ge­stellt, die völ­li­ge Kon­trol­le über schii­ti­sche Grup­pen wie die His­bol­lah im Liba­non, al-Haschd asch-Schaʿbī (“Volks­mo­bil­ma­chung”) im Irak oder die Huthis im Jemen aus­übt. Will man den Iran schwä­chen, muss man die­ser Logik zufol­ge die­se ira­ni­schen “Pro­xies”, also Stell­ver­tre­ter, schwä­chen. Die­se ver­ein­fach­te Erklä­rung hat aber eine ent­schei­den­de Schwä­che : Sie ent­spricht nicht der Rea­li­tät und igno­riert die lan­des­spe­zi­fi­sche Dyna­mik und die Geschich­te der jewei­li­gen Grup­pie­run­gen. Damit soll nicht gesagt wer­den, dass der Iran über kei­ner­lei Ein­fluss ver­fügt, son­dern dass die­ser Ein­fluss nicht gleich­beu­tend mit tota­ler Kon­trol­le ist.

Im Liba­non igno­rie­ren nahe­zu sämt­li­che west­li­che Medi­en die kom­pli­zier­ten Macht­ver­hält­nis­se zwi­schen Sun­ni­ten, Schii­ten, Dru­sen und Chris­ten sowie das patri­ar­cha­li­sche Sys­tem, das die Poli­tik domi­niert. Jeder Minis­ter ver­fügt über eine eige­ne klei­ne Macht­ba­sis und ent­spre­chen­de Sicher­heits­kräf­te und Unter­stütz­ter, wes­halb sich die Pro­tes­te nicht umsonst unter ande­rem gegen die­se Struk­tu­ren rich­ten. Eine von den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern bevor­zug­te Wahl­re­form schei­ter­te am Ende an deren Ableh­nung durch Samir Geagea, den Vor­sit­zen­den der rechts­ge­rich­te­ten christ­li­chen Par­tei “Liba­ne­si­sche Kräf­te”, und den maro­ni­ti­schen Patri­ar­chen Bécha­ra Pierre Raï. Der von Minis­ter­prä­si­dent Saad Hari­ri nach Aus­bruch der Pro­tes­te in Gang gesetz­te Reform­pro­zess war rich­tig, aber viel zu wenig und viel zu spät.

Dass den USA nicht an einer Stär­kung des Par­la­ments gele­gen ist, unter­strich Außen­mi­nis­ter Mike Pom­peo mit sei­ner For­de­rung, “drin­gend” eine neue Regie­rung zu bil­den. Im Liba­non selbst wird aber eine tech­no­kra­tisch geführ­te und vom Par­la­ment ernann­te Über­gangs­re­gie­rung über­stürz­ten Neu­wah­len vor­ge­zo­gen.

Eine Regie­rung, die wie jene des zurück­ge­tre­te­nen Saad Hari­ri nach Mög­lich­keit voll­stän­dig auf Linie der USA und Sau­di-Ara­bi­ens ist und aktiv gegen den poli­ti­schen Riva­len His­bol­lah vor­geht, ist es, was Washing­ton und Riad vor­schwebt. Um die­ses Ziel zu errei­chen, muss aber der Iran als Sün­den­bock her­hal­ten und der ent­spre­chen­de Bezug zu den Pro­tes­ten her­ge­stellt wer­den. Wie das gehen soll, zeig­te das sau­di­sche New­s­por­tal Al-Hadath, das eine Demons­tran­tin mit liba­ne­si­scher Fah­ne abbil­det, auf der steht : “Liba­non, der Irak und Jemen sind ara­bisch, nicht ira­nisch”. Aller­dings erwies sich die­ses Bild als mani­pu­liert. Im Ori­gi­nal­bild gab es die­se Inschrift auf der Fah­ne nicht.

Ähn­li­ches kann man auch im Irak beob­ach­ten. Auch dort rich­te­ten sich die Pro­tes­te ursprüng­lich gegen Kor­rup­ti­on und die sek­tie­re­ri­sche Zusam­men­set­zung der Regie­rung von Minis­ter­prä­si­dent Adil Abd al-Mah­di, die Demons­tran­ten for­der­ten ihn zum Rück­tritt auf. In man­chen Gebie­ten gab es auch Pro­tes­te gegen den Iran und des­sen ver­meint­li­chen Ein­fluss auf die Regie­rung in Bag­dad. Mah­di ver­sprach, die gefor­der­ten Refor­men auf den Weg zu brin­gen und auch sein Kabi­nett mit neu­tra­len Minis­tern zu beset­zen. Ob das aus­reicht oder er am Ende den glei­chen Weg wie sein Amts­kol­le­ge in Bei­rut gehen muss, wer­den die nächs­ten Tage zei­gen.

Wäh­rend im Liba­non die Pro­tes­te bis­her wei­test­ge­hend fried­lich geblie­ben sind, gab es im Irak seit Anfang Okto­ber über 250 Todes­op­fer. Vie­le davon star­ben durch geziel­te Schüs­se von Scharf­schüt­zen und im Kugel­ha­gel der Sicher­heits­kräf­te. Aller­dings bestrei­tet die Regie­rung in Bag­dad, dass die unter der Kon­trol­le der Regie­rung ste­hen­den Sicher­heits­kräf­te an den Schüs­sen betei­ligt waren. Schnell wur­de das Gerücht ver­brei­tet, dass es sich dabei um ira­ni­sche Kämp­fer der Al-Quds-Ein­heit han­deln könn­te, nach­dem deren Kom­man­deur, Gene­ral­ma­jor Qas­sem Sol­ei­ma­ni, bereits am zwei­ten Tag der Pro­tes­te in Bag­dad gesich­tet wur­de.

In der für Schii­ten hei­li­gen Stadt Ker­be­la wur­den vie­le Trans­pa­ren­te gese­hen, die sich gegen “Baathis­ten” rich­ten. Seit der US-Inva­si­on wur­de die Baath-Par­tei von Sad­dam Hus­sein in den Unter­grund getrie­ben, wo sie dann dem spä­te­ren Sie­ges­zug des soge­nann­ten Isla­mi­schen Staa­tes den Boden berei­te­te. Vie­le ehe­ma­li­ge rang­ho­he Offi­zie­re der ira­ki­schen Armee lei­te­ten die Offen­si­ven des IS.

Bemer­kens­wert ist, dass in bei­den Län­dern – im Liba­non wie im Irak – der Iran und des­sen Ein­fluss gebrand­markt wird, aber die jewei­li­ge Rol­le Sau­di-Ara­bi­ens (vor allem im Liba­non) und der USA völ­lig aus­ge­klam­mert wird. Umso mehr, als es sich dabei gera­de um jene Kräf­te han­delt, die am eif­rigs­ten die Nach­rich­ten ver­brei­ten, dass Tehe­ran bei den Pro­tes­ten am meis­ten zu ver­lie­ren hat und des­halb dazu geneigt sein könn­te, aktiv ein­zu­grei­fen. Dabei ist es nicht der Iran, der am meis­ten zu ver­lie­ren hat, son­dern es sind die Men­schen im Irak und im Liba­non, die eigent­lich gegen Kor­rup­ti­on, Miss- und Vet­tern­wirt­schaft auf die Stra­ße gegan­gen sind. 

RT Deutsch bemüht sich um ein brei­tes Mei­nungs­spek­trum. Gast­bei­trä­ge und Mei­nungs­ar­ti­kel müs­sen nicht die Sicht­wei­se der Redak­ti­on wider­spie­geln.

Mehr zum The­ma — US-Mili­tär­spre­cher : Blei­ben wei­ter­hin in Syri­en und im Irak – Bis es den IS nicht mehr gibt

RT Deutsch


Russische Überhorizont-Radare können Stealth-Flugzeuge erkennen – Flugabwehr wird weiter ausgebaut


Russ­lands Über­ho­ri­zont-Radar­sta­tio­nen (OTH-Radar) des Typs “Pod­solnuch” (dt.: Son­nen­blu­me) befin­den sich – neben Fern­ost Russ­lands und am Kas­pi­schen Meer – nun­mehr auch an der Ost­see im Ein­satz. Dies gab Kirill Maka­row bekannt, Lei­ter des NPK NIIDAR (Wis­sen­schafts- und For­schungs­in­sti­tut für Lang­stre­cken-Funk­kom­mu­ni­ka­ti­on) in Mos­kau, wo die­se Sys­te­me ent­wi­ckelt wur­den. Maka­row erklär­te in einem Inter­view mit RIA Nowos­ti :

Wir bau­en Ober­flä­chen­wel­len­ra­da­re zur Früh­erken­nung von Schif­fen und Flug­ob­jek­ten. Das sind Radar­sta­tio­nen vom Typ ‘Son­nen­blu­me’. Sie sind bereits in Betrieb und über­schau­en drei Rich­tun­gen – von Rus­sisch Fern­ost, vom Kas­pi­schen Meer aus­wärts und ins Bal­ti­kum hin­ein. Dar­über hin­aus erkun­den wir neue Wege wie … ver­wand­te Tech­no­lo­gi­en mit elek­tro­ma­gne­ti­scher Strah­lung im Tera­hertz-Fre­quenz­be­reich.

Die­ses Radar­prin­zip ist in der Lage, Luft- und Ober­flä­chen­zie­le außer­halb des übli­chen Radar­ho­ri­zonts (also der maxi­ma­len Ent­fer­nung für nor­ma­le Rada­re) zu erken­nen und zu ver­fol­gen. Der Clou : Selbst wenn die Ziel­ob­jek­te pas­si­ve Tarn­tech­no­lo­gi­en ein­set­zen, wer­den sie mit annä­hernd der­sel­ben Reich­wei­te geor­tet wie gewöhn­lich Flug­ob­jek­te auch. Die­se Reich­wei­te beträgt laut der NIIDAR-Web­site – bei der Export­ver­si­on – bis zu 500 Kilo­me­ter für Flug­ge­rä­te in einer Flug­hö­he von min­des­tens drei Metern und bis zu 400 Kilo­me­ter für See­zie­le – je nach Grö­ße. Die Sys­te­me kön­nen bis zu 200 Ober­flä­chen- und 100 Luft­zie­le gleich­zei­tig ver­fol­gen und Luft­raum und Gewäs­ser in einem Azi­mut-Win­kel von 120° über­wa­chen. Die Leis­tungs­da­ten der Ver­sio­nen für das eige­ne Mili­tär unter­lie­gen der Geheim­hal­tung.

Russische Überhorizont-Radare können Stealth-Flugzeuge erkennen – Flugabwehr wird weiter ausgebaut

Im Jahr 2013 wur­de die ers­te “Podsolnuch”-Radarstation von der Kas­pi­schen Flot­til­le in Dienst gestellt und hat seit dem Jahr 2014 an einer Rei­he von mili­tä­ri­schen Übun­gen teil­ge­nom­men. Im August 2018 wur­de im Rah­men einer Übung der Flot­til­le eine neue Tak­tik namens “Die Wand” getes­tet, die es ermög­licht, den Bereich der Ziel­erfas­sung noch zu erwei­tern. Der Pres­se­dienst­lei­ter des Süd­li­chen Mili­tär­be­zirks Wadim Astaf­jew erklär­te :

Eine spe­zi­el­le Metho­de für den For­ma­tio­nen­auf­bau von Schif­fen und Flug­zeu­gen der Auf­klä­rungs- und Kampf­flie­ge­rei, ver­bun­den mit den Fähig­kei­ten der küs­ten­ge­bun­de­nen Ortungs­mit­tel – des Über­ho­ri­zont-Ober­flä­chen­wel­len­ra­dars “Sonnenblume‑E” – und der Flug­ab­wehr­ra­ke­ten­sys­te­me “Buk-M3”, ermög­licht es, die Ortungs­reich­wei­te für tief­flie­gen­de Zie­le deut­lich zu erhö­hen.

Wie Exper­ten fest­stel­len, geben die­se und ande­re neue Radar­sys­te­me Russ­land einen Vor­teil bei der Früh­erken­nung mög­li­cher Angrif­fe.

So plant – laut Maka­row – das For­schungs­in­sti­tut bis Ende des Jah­res auch die Über­ga­be des ers­ten Exem­plars der Über­ho­ri­zont-Radar­an­la­ge des Typs “Con­tai­ner” an die rus­si­schen Streit­kräf­te :

Die­se Radar­sta­ti­on nutzt das Phä­no­men der Refle­xi­on von Radio­wel­len im Deka­me­ter-Fre­quenz­be­reich durch die Iono­sphä­re (Anm.: in Russ­land trägt die­ses Phä­no­men den Namen Kaba­now-Effekt). Doch die­ses Radar hat einen soge­nann­ten “blin­den Fleck” von 900 Kilo­me­ter Brei­te. Daher wur­de beschlos­sen, die Radar­sta­ti­on im Lan­des­in­ne­ren auf­zu­bau­en, um so mit der Sta­ti­on aus siche­rer Ent­fer­nung den Luft­raum der Nach­bar­län­der über­wa­chen zu kön­nen.

Außer­dem lau­fen Arbei­ten an Sys­te­men, die in der Lage sein wer­den, Flug­droh­nen aus Kunst­stoff oder Holz zu erken­nen, so Maka­row wei­ter :

Jedes Mate­ri­al bie­tet eine effek­ti­ve Streu­ober­flä­che – selbst wenn es aus Holz ist, selbst wenn es aus Kunst­stoff besteht. Was wir ent­wi­ckeln, wird es uns ermög­li­chen, auch sol­che Droh­nen zu erken­nen.

Unüber­wind­ba­res Luft­ver­tei­di­gungs­sys­tem

Die­se Ent­wick­lun­gen ermög­li­chen, ein effek­ti­ves und zusam­men­hän­gen­des Luft- und Welt­raum­ver­tei­di­gungs­sys­tem auf­zu­bau­en, erklär­te Igor Korott­schen­ko, Chef­re­dak­teur der Zeit­schrift Nazio­nal­na­ja Obo­ro­na (dt.: Natio­na­le Ver­tei­di­gung):

Alle die­se Ent­wick­lun­gen zie­len dar­auf ab, in Russ­land ein zuver­läs­si­ges Luft- und Welt­raum­ver­tei­di­gungs­sys­tem zu erschaf­fen. Natür­lich lie­fern Rada­re die Pri­mär­in­for­ma­tio­nen. Daher bie­ten neue Ent­wick­lun­gen in der Radar­tech­no­lo­gie Russ­land eine Rei­he von ent­schei­den­den Vor­tei­len bei der Früh­erken­nung mög­li­cher Rake­ten- und Droh­nen­an­grif­fe und der Ziel­erfas­sung für Flug­ab­wehr­sys­te­me zwecks Bekämp­fung sol­cher Angrif­fe.

Laut Korott­schen­ko setzt die Flug­ab­wehr am rus­si­schen Mili­tär­flug­platz Hmeimim in Syri­en Radar­an­la­gen ein, die nach eben­die­sen Prin­zi­pi­en funk­tio­nie­ren. Es sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se Ein­rich­tung wie­der­holt von Ter­ror­mi­li­zen ange­grif­fen wur­de, die hier­für selbst­ge­bau­te Flug­droh­nen ver­wen­de­ten. So schos­sen die rus­si­schen Flug­ab­wehr­sys­te­me allein in den letz­ten zwei Jah­ren dort eine rie­si­ge Anzahl 118 unbe­mann­ter Flug­ge­rä­te ab, gab Gene­ral­ma­jor Igor Kona­schen­kow, offi­zi­el­ler Ver­tre­ter des rus­si­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, im Sep­tem­ber bekannt :

Ter­ro­ris­ten ver­such­ten wie­der­holt, das Flug­ab­wehr­sys­tem des Mili­tär­flug­plat­zes Hmeimim zu durch­bre­chen. Apro­pos Zah­len : In zwei Jah­ren wur­den 118 unbe­mann­te Flug­ge­rä­te ter­ro­ris­ti­scher Grup­pie­run­gen zer­stört, dar­un­ter 58 Droh­nen allein seit dem 1. Janu­ar die­ses Jah­res.

Korott­schen­ko beton­te, dass eini­ge der rus­si­schen Luft­ab­wehr­sys­te­me auch zur Ziel­erfas­sung für ande­re Abwehr­sys­te­me die­nen kön­nen, um sol­che Zie­le sofort zu erken­nen und mit ande­ren, dafür am bes­ten geeig­ne­ten Mit­teln zu zer­stö­ren. Der Ana­ly­ti­ker stell­te fest :

Des­halb sind wir heu­te sowohl bei Radar- als auch Flug­ab­wehr­ra­ke­ten­sys­te­men füh­rend. Und die neu­en Daten bestä­ti­gen, dass die­se Arbeit sys­te­ma­tisch, kon­se­quent und ziel­ge­rich­tet erfolgt.

Mehr zum The­ma – NATO will in rus­si­schen A2/AD-Zonen ope­rie­ren – Zugang ver­wei­gert

RT Deutsch


Nazi-Massaker in sowjetischem Kinderheim mit 214 Opfern wird neu untersucht


Zu Beginn des Gro­ßen Vater­län­di­schen Krie­ges war das sowje­ti­sche Kin­der­heim mit cir­ca 300 Kin­dern und Erzie­hern aus der Stadt Sim­fero­pol auf der Krim nach Jeisk in der Regi­on Kras­no­dar eva­ku­iert wor­den. Dies bestä­ti­gen die von der Nach­rich­ten­agen­tur RIA Nowos­ti ent­schlüs­sel­ten Akten. Ende Som­mer 1942 wur­de die Stadt von den Nazis besetzt.

Offi­zi­el­len Ermitt­lungs­be­rich­ten sowie Augen­zeu­gen­be­rich­ten zufol­ge soll das SS-Son­der­kom­man­do 10a mit Sturm­bann­füh­rer Kurt Christ­mann an der Spit­ze in den Jah­ren 1942 bis 1943 Ver­nich­tungs­ein­sät­ze in die­sem Gebiet durch­ge­führt haben.

Zur Aus­stat­tung des Ein­satz­kom­man­dos zähl­ten unter ande­rem mobi­le Gas­kam­mern, die bei regel­mä­ßi­gen Ver­gel­tungs­ak­tio­nen gegen die ein­hei­mi­sche Bevöl­ke­rung ein­ge­setzt wur­den. Am 9. und 10. Okto­ber 1942 wur­den 214 Heim­kin­der von den Mit­glie­dern des SS-Son­der­kom­man­dos 10a in Jeisk unter der Lei­tung des Gesta­po-Ober­leut­nants Bede­de­cker, des Stadt­kom­man­dan­ten Kand­ler und des Gesta­po-Arz­tes Strauch hin­ge­rich­tet. Ihre Lei­chen wur­den ein Jahr spä­ter bei der Befrei­ung der Stadt in einem Mas­sen­grab ent­deckt.

Eines der ent­hüll­ten Doku­men­te bezieht sich auf die Ergeb­nis­se der Unter­su­chung des Mas­sen­gra­bes. Dem­nach habe die Unter­su­chungs­kom­mis­si­on kei­ne Schuss­wun­den oder Ver­stüm­me­lun­gen an den Lei­chen fest­ge­stellt. Ein ande­rer Bericht deu­tet dar­auf hin, dass meh­re­re Tote kör­per­li­che Behin­de­run­gen auf­ge­wie­sen hät­ten. Das offi­zi­el­le Gut­ach­ten schluss­fol­ger­te, dass die Opfer an den Gasen in den Ver­nich­tungs­wa­gen erstickt waren.

In der Nach­kriegs­zeit wur­den meh­re­re Ange­hö­ri­ge der Wehr­macht, dar­un­ter auch Kurt Christ­mann, wegen ihrer Betei­li­gung an Kriegs­ver­bre­chen ver­ur­teilt. Bede­de­cker, Kand­ler, Strauch und vie­len ihren Mit­strei­tern gelang es jedoch, der Stra­fe zu ent­ge­hen.

Die Spre­che­rin des rus­si­schen Ermitt­lungs­ko­mi­tees Swet­la­na Petren­ko bestä­tig­te die Wie­der­eröff­nung des Ver­fah­rens. Dem Beschluss der Behör­de lie­ge ihr zufol­ge das Lon­do­ner Sta­tut der Nürn­ber­ger Pro­zes­se zugrun­de, laut dem “Ver­nich­tung und Mor­de an der Zivil­be­völ­ke­rung vor und im Krieg Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit gleich­ge­stellt wer­den, für die es kei­ne Ver­jäh­rungs­frist gibt”.

Mehr zum The­ma — Ein schä­bi­ges Stück Russo­pho­bie : EU-Beschluss setzt Kom­mu­nis­mus mit Nazis­mus gleich

RT Deutsch


Neuster Französischer Atomreaktor wird zum „Fiasko“ – Paris alarmiert über Bericht


Mit dem neus­ten soge­nann­ten Euro­päi­schen Druck­was­ser­re­ak­tor, kurz EPR, woll­te Frank­reich neue Maß­stä­be in der Atom­kraft set­zen. Doch das Pro­jekt stockt. Seit dem Bau­be­ginn im Jahr 2007 kam es immer wie­der zu Pan­nen. Kri­ti­sche Stim­men wer­den lau­ter – auch in der fran­zö­si­schen Poli­tik.
Sput­nik Deutsch­land – Aktu­el­le Top-News und Ana­ly­sen : Fotos, Vide­os, Info­gra­fi­ken


Washington wird nervös : Putin will jetzt Afrika “destabilisieren” und “ausbeuten”


Am Mitt­woch beginnt in Russ­land das ers­te Rus­sisch-Afri­ka­ni­sche-Forum mit tau­sen­den Teil­neh­mern. Schon längst ver­folgt die Wer­te­ge­mein­schaft Russ­lands Akti­vi­tä­ten in Afri­ka im Bereich Rüs­tung und Roh­stof­fe arg­wöh­nisch. Doch : Kon­kur­renz belebt das Geschäft, und Russ­land ist vor Ort will­kom­men.

Das Signal könn­te deut­li­cher nicht sein : Am Mitt­woch beginnt das ers­te Russ­land-Afri­ka-Forum in der rus­si­schen Schwarz­meer­stadt Sot­schi. Es ist ein his­to­ri­sches Gip­fel­tref­fen mit teil­neh­men­den Staats­chefs aus 47 afri­ka­ni­schen Län­dern und ins­ge­samt 10.000 Teil­neh­mern. Es geht um Roh­stof­fe, stra­te­gi­sche Part­ner­schaf­ten und neue Märk­te.

Die ehe­ma­li­gen Kolo­ni­al­staa­ten und Washing­ton sehen sich somit neben Chi­na mit einem wei­te­ren Kon­kur­ren­ten auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent kon­fron­tiert. Die Mono­pol­stel­lung als “Part­ner Afri­kas” ist somit end­gül­tig Geschich­te.

Trotz diver­ser eige­ner Mili­tär­ein­sät­ze war die west­li­che Staa­ten­ge­mein­schaft zudem nicht in der Lage, die aus­ufern­de isla­mis­ti­sche Gewalt erfolg­reich zu bekämp­fen. Im Gegen­teil : Immer mehr extre­mis­ti­sche Mili­zen und IS-Able­ger trei­ben in Afri­ka ihr Unwe­sen. Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung sta­giert eben­falls vie­ler­orts. Etli­che afri­ka­ni­sche Staa­ten wen­den sich daher nun auch Russ­land zu.

Der­weil ver­fol­gen die USA die Akti­vi­tä­ten Russ­lands auf dem euro­päi­schen Nach­bar­kon­ti­nent mit Arg­wohn und war­nen vor der “desta­bi­li­sie­ren­den Rol­le Russ­lands”, da auch Mos­kau sei­nen geo­po­li­ti­schen Ein­fluss vor Ort wei­ter aus­baut.

Quel­len­ver­zeich­nis :

Afri­ca Cen­ter For Stra­te­gic Stu­dies : Recom­men­ded US Respon­se to Rus­si­an Activi­ties in Afri­ca

Are­va : In Niger

CGTN Afri­ca : Afri­can sta­tes keen on nuclear power genera­ti­on

Com­bat­ting Ter­ro­rism Cent­re at West­point : The Isla­mic Sta­te in Afri­ca : Esti­ma­ting Figh­ter Num­bers in Cells Across the Con­ti­nent

Deutsch­land­funk : Russ­lands geo­po­li­ti­sche Inter­es­sen in Afri­ka

Eurac­tiv : Russ­land baut mili­tä­ri­sche Prä­senz in Afri­ka auf

Gate­way — Indian Coun­cil on Glo­bal Rela­ti­ons : Rus­sia returns to Afri­ca

Guar­di­an : Lea­ked docu­ments reveal Rus­si­an effort to exert influ­ence in Afri­ca

Insti­tut français des rela­ti­ons inter­na­tio­na­les : Russia’s “Gre­at Return” to Afri­ca ?

Kon­rad Ade­nau­er Stif­tung : Ein alter Bekann­ter ist wie­der da -

Rus­si­sche Mili­tär­ko­ope­ra­tio­nen in Afri­ka

RT Deutsch : Pen­ta­gon außer Kon­trol­le ? — Geheim­nis­krä­me­rei um Afri­ka-Ein­sät­ze des US-Mili­tärs (Video)

RT Deutsch : Russ­lands Han­dels­um­satz mit afri­ka­ni­schen Staa­ten wuchs im Jahr 2018 um über 17 Pro­zent

Rt Deutsch : Russ­land ver­mit­telt Frie­dens­pro­zess in Zen­tral­afri­ka — Dar­auf­hin schickt Paris Waf­fen in die Regi­on

RT Deutsch : Ver­tei­di­gung “urei­ge­ner Inter­es­sen”: Bun­des­wehr soll in Mali und Niger blei­ben

Rus­sia-Afri­ca-Sum­mit : Sum­mit and Eco­no­mic Forum
Rus­sia-Afri­ca

TAZ : Frie­den schaf­fen mit mehr Waf­fen

The Inter­cept : U.S. Gene­rals Worry About Rising Rus­si­an and Chi­ne­se Influ­ence in Afri­ca, Docu­ments Show

The Inter­cept : U.S. Mili­ta­ry Says It Has a “Light Foot­print” in Afri­ca. The­se Docu­ments Show a Vast Net­work of Bases

The Sun : From Rus­sia with blood

United Sta­tes Afri­ca Com­mand : 2018 Pos­tu­re State­ment

Tass-Rus­si­an News Agen­cy : Putin — Rus­sia rea­dy to com­pe­te for coöpe­ra­ti­on with Afri­ca

Neue Züri­cher Zei­tung : Waf­fen, Mili­tär­be­ra­ter, Lan­de­rech­te : Russ­land baut sei­nen Ein­fluss in Afri­ka ziel­stre­big aus

RT Deutsch