Brasilien vor der Wahl : Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen linkem und rechtem Kandidaten


von Maria Mül­ler

Am 7. Okto­ber wird in Bra­si­li­en der nächs­te Prä­si­dent gewählt. Das bis­he­ri­ge Kopf-an-Kopf-Ren­nen zwi­schen Fer­nan­do Had­dad von der Arbei­ter­par­tei (PT) und dem rechts­ex­tre­men Kan­di­da­ten Jair Bol­so­na­ro von der Sozi­al­li­be­ra­len Par­tei scheint sich all­mäh­lich zuguns­ten von Had­dad zu ent­schei­den. Dabei wür­de der aggres­siv auf­tre­ten­de Bol­so­na­ro laut neu­es­ten Umfra­ge­er­geb­nis­sen des Insti­tuts Ibo­pe beim ers­ten Wahl­gang den ers­ten Platz mit 28 Pro­zent der Wäh­ler­gunst bele­gen, wäh­rend sein Riva­le Had­dad auf 22 Pro­zent käme. Erst in der zwei­ten Run­de wür­de der PT-Kan­di­dat sei­nen Kon­kur­ren­ten um sechs Pro­zent über­flü­geln und damit die Regie­rung Bra­si­li­ens über­neh­men.

Nach­dem das Obers­te Wahl­ge­richt den inhaf­tier­ten Ex-Prä­si­den­ten und bis­he­ri­gen Favo­ri­ten Lula da Sil­va vom Wahl­kampf aus­ge­schlos­sen hat­te, über­nahm der weit­aus jün­ge­re, ehe­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter von São Pau­lo, Fer­nan­do Had­dad, des­sen Rol­le als Kan­di­dat der PT. Had­dad war in der Amts­zeit Lulas (2003−2010) Erzie­hungs­mi­nis­ter. Rund 40 Pro­zent der Wäh­ler, die sich Lula mit sei­ner lan­gen Regie­rungs­er­fah­rung zurück ins Prä­si­den­ten­amt wün­schen, kön­nen oder wol­len sich nicht ohne Wei­te­res umori­en­tie­ren und Had­dad das glei­che Ver­trau­en ent­ge­gen­brin­gen.

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Doch bei­de arbei­ten eng zusam­men. Lula bemüht sich, Had­dads Wahl­kam­pa­gne aus sei­ner Gefäng­nis­zel­le her­aus zu unter­stüt­zen. Er wür­de im Fall einer neu­er­li­chen PT-Regie­rung Had­dad bera­tend zur Sei­te ste­hen, auch wenn er wei­ter­hin in Haft bleibt. Had­dad erklär­te, dass der Ex-Prä­si­dent in jedem Fall “ein gro­ßer Bera­ter” sein wer­de. “Er ist ein bestän­di­ger Ver­mitt­ler zwi­schen allen Spit­zen der Par­tei und wird die­se Auf­ga­be stets erfül­len, egal was pas­siert”, ver­si­cher­te er, ohne genau­er fest­zu­le­gen, wel­che Rol­le Lula in einer künf­ti­gen Regie­rung aus­üben könn­te.

Die Anhän­ger der PT und der lin­ken und sozia­len Bewe­gun­gen ver­tei­len indes mas­sen­haft Pla­ka­te mit der Paro­le : “Had­dad ist Lula ! Wir alle sind Lula!” Immer mehr Men­schen kom­men zu Had­dads Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen, was dar­auf hin­deu­tet, dass ein Sieg der PT trotz aller Hin­der­nis­se doch noch mög­lich ist. 

Die übri­gen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten blei­ben in den Umfra­gen weit hin­ter Had­dad und Bol­so­na­ro zurück. Nach ihnen ran­giert an drit­ter Stel­le der Kan­di­dat Ciro Gomes von der pro­gres­si­ven Demo­kra­ti­schen Arbei­ter­par­tei mit elf Pro­zent, gefolgt von dem kon­ser­va­ti­ven Geral­do Alck­min von den Sozi­al­de­mo­kra­ten Bra­si­li­ens, des­sen Stimm­an­teil inzwi­schen auf acht Pro­zent anwuchs. Die Umwelt­schüt­ze­rin Mari­na Sil­va sack­te von sechs auf fünf Pro­zent ab, da die evan­ge­li­schen Sek­ten und Kir­chen sich von ihr abwand­ten und ihren Gläu­bi­gen nun den Rechts­au­ßen Bol­so­na­ro emp­feh­len.

Frau­en könn­ten den Aus­schlag geben

Die Stim­men der weib­li­chen Wäh­ler könn­ten den Aus­schlag geben, wer den Sieg davon­trägt. Nach einer Umfra­ge des Insti­tuts Data­fol­ha haben sich 51 Pro­zent der bra­si­lia­ni­schen Frau­en noch nicht für einen Kan­di­da­ten im ers­ten Wahl­gang ent­schie­den. Davon wol­len 38 Pro­zent ungül­tig wäh­len oder einen lee­ren Wahl­zet­tel abge­ben. Das sind rund 40 Mil­lio­nen der ins­ge­samt 145 Mil­lio­nen Wahl­be­rech­tig­ten.

Ande­rer­seits hat die Hälf­te der Bra­si­lia­ne­rin­nen bereits bestä­tigt, dass sie Bol­so­na­ro nicht wäh­len wer­den. Gegen­wär­tig wächst eine Kam­pa­gne von Frau­en gegen Bol­so­na­ro, die von der berühm­ten bra­si­lia­ni­schen Sän­ge­rin Danie­la Mer­cu­ry ange­führt wird. Ande­re popu­lä­re Künst­le­rin­nen schlos­sen sich an. Vor allem in den sozia­len Netz­wer­ken wächst die Bewe­gung stark an.

Hun­dert­tau­sen­de haben sich auf Face­book für die “Demons­tra­tio­nen gegen Bol­so­na­ro” am 29. Sep­tem­ber ange­mel­det. Ins­ge­samt 2,9 Mil­lio­nen Frau­en sind Mit­glie­der der Online-Initia­ti­ve “Frau­en ver­eint gegen Bol­so­na­ro”. Danie­la Mer­cu­ry ver­öf­fent­lich­te ein Video auf Insta­gram, in dem sie dazu auf­ruft, ihn nicht zu wäh­len :

Nicht ihn – weil er ein Macho ist. Nicht ihn – weil er ein Homo­pho­ber ist. Nicht ihn – weil er ein Ras­sist ist. Nicht ihn – weil er einen Rück­schlag für unse­re Demo­kra­tie bedeu­tet.

Lulas mög­li­che Begna­di­gung im Zen­trum der Kam­pa­gne der PT-Geg­ner

Had­dads Geg­ner wie­der­um ver­su­chen, des­sen Sym­pa­thie­wer­te zu unter­gra­ben, indem sie behaup­ten, er wer­de im Fall sei­ner Prä­si­dent­schaft Lula begna­di­gen und damit die Straf­lo­sig­keit för­dern. Lula selbst hat sich jedoch bereits gegen eine Begna­di­gung aus­ge­spro­chen :

Ich bin zu Unrecht inhaf­tiert und muss des­halb frei­ge­las­sen wer­den. Das will ich vor Gericht bewei­sen. Ich will kei­nen Gna­den­weg.

Had­dad äußer­te sich im glei­chen Sinn : “Es wird kei­ne Begna­di­gung geben.” Doch sei­ne Geg­ner unter­stel­len ihm das Gegen­teil und stel­len das The­ma in den Vor­der­grund ihrer Kam­pa­gne, um Wäh­ler­schich­ten der Mit­te von der PT abzu­spal­ten. Had­dad ver­sucht den Spa­gat, einer­seits die tra­di­tio­nel­len Wäh­ler der PT zufrie­den­zu­stel­len, die wol­len, dass Lula frei­kommt. Ande­rer­seits muss er auch die Mit­tel­klas­se Bra­si­li­ens für sich gewin­nen, denn sie könn­te im zwei­ten Wahl­gang für einen Sieg aus­schlag­ge­bend sein.

Der Kan­di­dat der Rech­ten über Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gung und Arbeits­rech­te

Der Kan­di­dat der Rech­ten, Jair Bol­so­na­ro, wur­de vor zehn Tagen auf einer Wahl­ver­an­stal­tung von einem unbe­kann­ten Atten­tä­ter mit einem Mes­ser atta­ckiert und befin­det sich der­zeit noch im Kran­ken­haus auf dem Weg der Gene­sung. Der ehe­ma­li­ge Fall­schirm­sprin­ger und Reser­ve­of­fi­zier der Streit­kräf­te ver­spricht, den Staat abzu­bau­en, Minis­te­ri­en abzu­schaf­fen und die meis­ten Staats­un­ter­neh­men, dar­un­ter der Erd­öl­gi­gant Petro­bas, zu pri­va­ti­sie­ren.

Bol­so­na­ro ver­tritt extre­me bis skur­ri­le Ansich­ten und wur­de bereits mehr­fach wegen Hass­re­den ange­klagt. Im Fol­gen­den eini­ge Bei­spie­le, dar­un­ter sei­ne Aus­sa­gen zur Mili­tär­dik­ta­tur in Bra­si­li­en (1964−1985):

Der Feh­ler der Dik­ta­tur war es, zu fol­tern anstatt zu töten. (Inter­view mit dem Radio­sen­der Jovem Pan, Juni 2016)

In der Zeit der Dik­ta­tur hät­ten sie 30.000 kor­rup­te Leu­te erschie­ßen müs­sen, ange­fan­gen mit Prä­si­dent Fer­nan­do Hen­ri­que Car­do­so, das wäre ein gro­ßer Gewinn für die Nati­on gewe­sen. (TV Band­ei­ran­tes, Mai 1999)

Wäh­rend der Sit­zung der Abge­ord­ne­ten­kam­mer im April 2016, bei der die Amts­ent­he­bung der PT-Prä­si­den­tin Dil­ma Rouss­eff ein­ge­lei­tet wur­de, wid­me­te Bol­so­na­ro sei­ne Stimm­ab­ga­be dem im Vor­jahr ver­stor­be­nen pen­sio­nier­ten Oberst Car­los Alber­to Bril­han­te Ustra. Ustra war wäh­rend der Mili­tär­dik­ta­tur Lei­ter des Fol­ter­zen­trums des berüch­tig­ten Geheim­diens­tes DOI-CODI. Unter sei­ner Regent­schaft wur­den Hun­der­te Men­schen zu Tode gefol­tert. “Für das Andenken an Oberst Ustra, ich stim­me mit ja!”, ver­kün­de­te Bol­so­na­ro im Par­la­ment.

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Sei­nen Geg­nern droh­te er bei einer Kund­ge­bung am 1. Sep­tem­ber 2018 im Bun­des­staat Acre :

Wir wer­den die Anhän­ger der Arbei­ter­par­tei in Acre erschie­ßen.

Der Spre­cher Bol­so­na­ros sag­te spä­ter, dass es “wie immer ein Witz war”. Zum Ver­hält­nis von Staat und Reli­gi­on sag­te Bol­so­na­ro :

Gott steht über allem. Die­se Sache mit dem kon­fes­si­ons­frei­en Staat exis­tiert nicht. Der Staat ist christ­lich, und wem es nicht passt, der kann gehen. Die Min­der­hei­ten müs­sen sich den Mehr­hei­ten unter­ord­nen. (Ver­an­stal­tung in Paraí­ba, Febru­ar 2017)

Laut dem Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten gibt es in Bra­si­li­en zu vie­le Arbeits­rech­te :

Es ist ein Unglück, in unse­rem Land mit sei­nen vie­len Arbeits­rech­ten Unter­neh­mer zu sein. Was denkt der Chef, wenn er einen Mann oder eine Frau ein­stel­len soll ? Mist, die­se Frau hat einen Ring am Fin­ger, die wird bald schwan­ger wer­den, sechs Mona­te Schwan­ger­schafts­ur­laub, wer bezahlt die Rech­nung ? Der Unter­neh­mer ! Am Ende zieht er das von der Sozi­al­ver­si­che­rung ab, doch der Arbeits­rhyth­mus wur­de unter­bro­chen. Und wenn sie zurück­kommt, hat sie einen Monat mehr Urlaub. Sie arbei­tet fünf Mona­te im Jahr. (Inter­view mit Zero Hora, Dezem­ber 2014)

Zu der Abge­ord­ne­ten der PT Maria do Rosá­rio sag­te er:” Ich wür­de dich nicht ver­ge­wal­ti­gen, weil du es nicht ver­dienst!” Im Dezem­ber 2014 erklär­te er gegen­über Zero Hora :

Sie ver­dient es nicht, ver­ge­wal­tigt zu wer­den, weil sie so häss­lich ist. Sie ist nicht mein Typ, ich wür­de sie nie ver­ge­wal­ti­gen. Ich bin kein Ver­ge­wal­ti­ger, aber wenn ich es wäre, wür­de ich es nicht machen, weil sie es nicht ver­dient.

Homo­se­xu­el­len wünscht Bol­so­na­ro den Tod :

Ich könn­te einen homo­se­xu­el­len Sohn nicht lie­ben. Ganz ehr­lich : Es wäre mir lie­ber, mein Sohn stirbt durch einen Unfall, als dass er mit einem Schnauz­bär­ti­gen ankommt. (Inter­view im Play­boy, Juni 2011)

Ange­sichts sol­cher Äuße­run­gen zu den ver­schie­de­nen gesell­schaft­li­chen Pro­ble­men ver­wun­dert es, wie Bol­so­na­ro trotz­dem einen so gro­ßen Zuspruch der Wäh­ler­schaft auf sich ver­ei­ni­gen kann. Ob die­ser groß genug ist, um ihn in das Prä­si­den­ten­amt zu beför­dern, wird sich bei der Wahl am 7. Okto­ber bezie­hungs­wei­se spä­tes­tens am 28. Okto­ber im zwei­ten Wahl­gang zei­gen. 

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RT Deutsch


USA vs. Venezuela : Wortgefecht zwischen Trump und Maduro auf der UN-Vollversammlung


von Maria Mül­ler 

US-Prä­si­dent Donald Trump nutz­te sei­ne Rede vor der 73. UN-Voll­ver­samm­lung, um klar­zu­stel­len, dass er der Boss ist. “Ame­ri­ca first” lau­te­te auch hier die Devi­se. Die Bot­schaft an die Regie­run­gen der Welt war klar : ent­we­der sie ver­hal­ten sich im Sin­ne der USA, oder sie haben mit Kon­se­quen­zen zu rech­nen. Finan­zi­el­le Unter­stüt­zun­gen, wel­cher Art auch immer, müs­sen mit poli­ti­schem Gehor­sam hono­riert wer­den. Ansons­ten wünscht sich Trump eine gute Zusam­men­ar­beit mit den Völ­kern der Welt. Er bestä­tig­te die Gül­tig­keit der Mon­roe-Dok­trin, mit der Latein­ame­ri­ka frü­her zum “Hin­ter­hof der USA” degra­diert wur­de. Damit weist er beson­ders den Ein­fluss Russ­lands und Chi­nas in Latein­ame­ri­ka kate­go­risch zurück.

Der US-Prä­si­dent bekräf­tig­te vor dem UN-Forum sei­ne bis­he­ri­ge Außen­po­li­tik und beton­te die kom­pro­miss­lo­se Hal­tung gegen­über dem Iran, Nord­ko­rea, Syri­en und Vene­zue­la. Infol­ge ern­te­te er Kri­tik von meh­re­ren Staa­ten, die dar­an erin­ner­ten, dass die Grund­sät­ze der Ver­ein­ten Natio­nen auf mul­ti­la­te­ra­len, kol­lek­ti­ven Lösun­gen von Pro­ble­men in einem “gemein­sa­men Haus” aus­ge­rich­tet sei­en.

In Bezug auf Vene­zue­la wie­der­hol­te der US-Prä­si­dent vor Jour­na­lis­ten sei­ne bekann­te Dro­hung :

Alle Optio­nen sind auf dem Tisch, alle. Die har­ten und die weni­ger har­ten. Alle Optio­nen. Und ihr wisst ja, was das bedeu­tet, hart.

Trump kün­dig­te neu­er­li­che Sank­tio­nen an und sprach öffent­lich und völ­lig unge­niert davon, dass ein Mili­tär­putsch gegen Vene­zue­las Prä­si­den­ten Nicolás Madu­ro erfolg­reich sein wür­de. Er ver­kün­de­te, dass spe­zi­ell auf den süd­ame­ri­ka­ni­schen Staats­chef zuge­spitz­te Sank­tio­nen geplant sei­en. Auch die Euro­päi­sche Uni­on wer­de elf wei­te­re Sank­tio­nen gegen Vene­zue­la ver­hän­gen. Gleich­zei­tig zeig­te sich Trump am Mitt­woch­mor­gen jedoch uner­war­tet offen für ein Gespräch mit Madu­ro :

Wenn er hier ist und sich mit mir tref­fen will…ich hat­te das nicht bedacht, das war nicht in mei­nen Plä­nen vor­ge­se­hen. Aber wenn ich den Leu­ten hel­fen kann, dafür bin ich da.

Noch vor einem Jahr hat­te er die Bit­te Madu­ros nach einem Gespräch unter vier Augen abge­lehnt. Damals hat­te das Wei­ße Haus geant­wor­tet, dass das erst mög­lich sei, wenn Vene­zue­la wie­der zur Demo­kra­tie zurück­kehrt.

Am Don­ners­tag sprach der vene­zo­la­ni­sche Prä­si­dent dann 51 Minu­ten lang vor der Voll­ver­samm­lung. Bei die­ser Gele­gen­heit beton­te er sei­ne Bereit­schaft, die Hand aus­zu­stre­cken und einen offe­nen The­men­ka­ta­log mit Trump zu dis­ku­tie­ren.

Zwi­schen uns bestehen abgrund­tie­fe Unter­schie­de aller Art. Doch gera­de die­je­ni­gen mit den größ­ten Dif­fe­ren­zen auf die­ser Welt müs­sen den Dia­log füh­ren. Trump sagt, er sei besorgt und möch­te Vene­zue­la hel­fen. Ich bin bereit, über alles mit ihm in Demut zu spre­chen.

Madu­ro erin­ner­te an das dunk­le 20. Jahr­hun­dert, in dem die USA vie­le Male in Län­dern Latein­ame­ri­kas mili­tä­risch ein­fie­len, Umstür­ze orga­ni­sier­ten, blut­rüns­ti­ge Dik­ta­tu­ren an der Macht erhiel­ten und Boden­schät­ze plün­der­ten. Spon­ta­nen Bei­fall erhielt Madu­ro, als er aus­rief : 

Es ist unser ver­dien­tes Recht, end­lich zu leben und uns selbst zu regie­ren wie wir wol­len ! Es ist unser Recht, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le und wirt­schaft­li­che Sys­te­me zu ent­wi­ckeln, die unse­rer Regi­on und unse­ren eige­nen his­to­ri­schen Wur­zeln ent­spre­chen ! 

Die Migran­ten­kri­se Vene­zue­las sei künst­lich her­bei­ge­führt, um damit eine mili­tä­ri­sche Inter­ven­ti­on in sei­nem Land zu recht­fer­ti­gen. Mil­lio­nen­fa­che Migra­ti­ons­be­we­gun­gen wie die­je­ni­gen aus Afri­ka und dem Nahen Osten nach Euro­pa, oder die aus Mit­tel­ame­ri­ka und Mexi­ko in die USA, bei denen hun­der­te von Men­schen star­ben, wür­den inzwi­schen in den Medi­en und in der inter­na­tio­na­len Poli­tik weit weni­ger the­ma­ti­siert als die vene­zo­la­ni­schen Migran­ten. Doch Vene­zue­la sei auch Auf­nah­me­land für tau­sen­de von Migran­ten und Flücht­lin­ge, beson­ders aus Kolum­bi­en, was uner­wähnt blei­be.

Der vene­zo­la­ni­sche Prä­si­dent nahm dabei auch Bezug auf die von Men­schen­recht­lern kri­ti­sier­ten Maß­nah­men gegen­über nicht regis­trier­ten Ein­wan­de­rern und ihren Kin­dern an der Gren­ze zu den USA :

Auf Anord­nung von Trump hat man 2018 rund 2.000 Kin­der an der US-Gren­ze von ihren Eltern getrennt und in geson­der­ten Auf­fang­la­gern unter pre­kä­ren Bedin­gun­gen allei­ne unter­ge­bracht. Obwohl die Maß­nah­me nach hef­ti­gen Pro­tes­ten in der ame­ri­ka­ni­schen Öffent­lich­keit auf­ge­ho­ben wur­den, leben immer noch meh­re­re hun­dert ver­wais­te Kin­der in sol­chen Lagern, weil ihre Eltern nicht mehr gefun­den wer­den.

Madu­ro erin­ner­te vor der Voll­ver­samm­lung auch an die Tat­sa­che, dass Trump eine Mau­er zwi­schen den USA und Mexi­ko baut, um wei­te­re Migran­ten am Grenz­über­tritt zu hin­dern.

Madu­ro über das auf ihn ver­üb­te Atten­tat

Ein Schwer­punkt sei­ner Rede war das auf ihn am 4. August ver­üb­te Atten­tat : 

Damit soll­te Vene­zue­la ins Cha­os gestürzt wer­den, um eine Mili­tär­in­ter­ven­ti­on an der UN vor­bei zu recht­fer­ti­gen.

Inzwi­schen sei­en 46 Per­so­nen ver­haf­tet wor­den. Alle sei­en gestän­dig und hät­ten vor lau­fen­den Kame­ras die Hin­ter­grün­de geschil­dert. Dem­nach habe der kolum­bia­ni­sche Geheim­dienst zusam­men mit einer ehe­ma­li­gen vene­zo­la­ni­schen Mili­tär­an­ge­hö­ri­gen eine Grup­pe von Vene­zo­la­nern aus­er­wählt und in Kolum­bi­en für das Atten­tat vor­be­rei­tet. Dies sei mit Wis­sen der kolum­bia­ni­schen Regie­rung gesche­hen. Nach dem Atten­tat soll­ten die Betei­lig­ten gemäß die­sen Aus­sa­gen über die Bot­schaf­ten von Kolum­bi­en, Chi­le und Mexi­ko bezie­hungs­wei­se mit deren Diplo­ma­ten­fahr­zeu­gen ins Aus­land gebracht wer­den.

Wei­ter­hin infor­mier­te Madu­ro in sei­ner Rede, Vene­zue­la habe den Bot­schaf­tern der drei Staa­ten ent­spre­chen­des Beweis­ma­te­ri­al über­ge­ben. Die drei Län­der wie­sen die Anschul­di­gung ener­gisch zurück.

Mehr zum The­ma — Nach Anschlag auf Prä­si­dent Madu­ro : Vene­zue­la ver­langt Aus­lie­fe­rung mut­maß­li­cher Atten­tä­ter

Des Wei­te­ren beteu­er­te der Staats­chef, das Atten­tat sei laut den Aus­sa­gen der Ver­haf­te­ten von den USA geplant und finan­ziert wor­den. An die­ser Stel­le wie­der­hol­te Madu­ro die Bit­te an die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, den Fall gemein­sam mit Exper­ten des FBI auf­zu­klä­ren. Außer­dem habe er eine unab­hän­gi­ge Unter­su­chungs­kom­mis­si­on der UN bean­tragt. 

In einem ande­ren Teil sei­ner Rede erin­ner­te er an jüngs­te Berich­te der New York Times, nach denen es im August meh­re­re Tref­fen zwi­schen US-Beam­ten und oppo­si­tio­nel­len vene­zo­la­ni­schen Mili­tärs gege­ben habe. Dabei sei­en Plä­ne für einen Mili­tär­putsch dis­ku­tiert wor­den.

Vene­zo­la­ni­sche Regie­rung bald ein Fall für Den Haag ? 

Weni­ge Stun­den nach der Rede von Donald Trump über­gab eine Grup­pe von fünf latein­ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten (Argen­ti­ni­en, Kolum­bi­en, Chi­le, Para­gu­ay und Peru) ein Doku­ment an den Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof in Den Haag. Kana­da hat sich der Initia­ti­ve nach­träg­lich ange­schlos­sen. Dar­in wird die vene­zo­la­ni­sche Regie­rung für Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ver­ant­wort­lich gemacht. Der vene­zo­la­ni­sche Staat sei “ent­we­der nicht wil­lens oder nicht in der Lage”, die dafür Ver­ant­wort­li­chen vor Gericht zu brin­gen.

Die Staats­an­walt­schaft in Den Haag wird eine Unter­su­chung ein­lei­ten und danach ent­schei­den, ob sie eine Ankla­ge eröff­net. Es ist das ers­te Mal in den 16 Jah­ren des Bestehens des Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­ho­fes, dass dort Staa­ten einen ande­ren Staat wegen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ver­kla­gen.

Im Wider­spruch zu der Initia­ti­ve der sechs Staa­ten erklär­te Trump in sei­ner Rede, dass er den Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof nicht aner­kennt :

In Bezug auf die Ver­ei­nig­ten Staa­ten besitzt der Inter­na­tio­na­le Straf­ge­richts­hof weder Rechts­ho­heit, noch Legi­ti­ma­ti­on oder Auto­ri­tät. Wir wer­den nie­mals uns­re Sou­ve­rä­ni­tät einer nicht gewähl­ten und unver­ant­wort­li­chen glo­ba­len Büro­kra­tie über­las­sen.

Mehr zum The­ma — Kolum­bi­en : Beim Ver­hält­nis zu Vene­zue­la geben die USA den Ton an 

RT Deutsch


UN-Vollversammlung : Verbaler Schlagabtausch zwischen Iran und USA eskaliert in New York (Video)


Vor der UNO-Gene­ral­ver­samm­lung am Diens­tag lie­fer­ten sich der US-Prä­si­dent Donald Trump und sein ira­ni­scher Amts­kol­le­ge Hassan Roha­ni einen schwe­ren ver­ba­len Schlag­ab­tausch.

Der US-Prä­si­dent Donald Trump warf der ira­ni­schen Füh­rung vor, sie habe Cha­os, Tod und Zer­stö­rung gesät, sei kor­rupt und berei­cher­ten sich an den Res­sour­cen ihres Lan­des. Auch der ira­ni­sche Prä­si­dent hat­te eini­ges über die US-Poli­tik zu sagen und kon­ter­te, die USA sei­en Fein­de des Frie­dens, die Krieg ver­ur­sa­chen. Wei­ter­hin sei das US-Ver­ständ­nis inter­na­tio­na­ler Bezie­hun­gen auto­ri­tär und die USA betrei­be eine Form des Wirt­schaft­s­ter­ro­ris­mus mit rechts­wid­ri­gen, uni­la­te­ra­len Sank­tio­nen.

Mehr zum The­ma — Auf Kon­fron­ta­ti­on zu USA : EU will mit einem Trick US-Sank­tio­nen gegen Iran umge­hen

RT Deutsch


Zwischen USA und Russland : Idlib bringt die Türkei in Zeitnot


von Dr. Kam­ran Gas­a­nov

Wol­ken tür­men sich über Idlib. Die Ope­ra­ti­on, die die Pro­vinz von Oppo­si­ti­on und Ter­ro­ris­ten säu­bern soll und mit deren Beginn jeden Tag gerech­net wur­de, läuft tat­säch­lich. Die rus­si­sche und die syri­sche Luft­waf­fe bom­bar­die­ren Ter­ro­ris­ten im Süden von Idlib und in Nord-Hama. Aller­dings ist auch klar, dass es ohne Boden­ope­ra­tio­nen unmög­lich ist, Haiʾat Tahr­ir asch-Scham (HTS, ehe­mals al-Nus­ra-Front) und den IS aus der Regi­on zu ver­trei­ben.

Was sind die Zie­le der Luft­an­grif­fe ? Ers­tens sind sie eine Reak­ti­on auf bzw. Ver­gel­tung für ter­ro­ris­ti­sche Anschlä­ge mit Droh­nen auf die syri­sche Armee und die rus­si­sche Mili­tär­ba­sis in Lata­kia. Das rus­si­sche Außen­mi­nis­te­ri­um recht­fer­tig­te die Bom­bar­die­rung Idlibs damit, dass die Mili­tan­ten in die Offen­si­ve gehen könn­ten.

Ter­ro­ris­ten berei­ten eine Offen­si­ve gegen Alep­po und Hama vor”, sag­te die Spre­che­rin des rus­si­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums Maria Sach­a­ro­wa im letz­ten Brie­fing.

Ter­ror­grup­pe HTS zieht sich hin­ter zwölf tür­ki­sche Beob­ach­tungs­stel­len zurück

Zwei­tens die­nen sie der Luft­auf­klä­rung und der Vor­be­rei­tung der Boden­of­fen­si­ve. Und drit­tens kann man die Angrif­fe auch als eine gewoll­te Eska­la­ti­on betrach­ten, die dar­auf abzielt, die Ter­ro­ris­ten, die Oppo­si­ti­on und die Tür­kei unter Druck zu set­zen. Auf dem letz­ten Gip­fel in Tehe­ran, an dem Russ­land, der Iran und die Tür­kei teil­nah­men, konn­te kei­ne Eini­gung über einen Waf­fen­still­stand erzielt wer­den. Wla­di­mir Putin mach­te deut­lich, dass es sinn­los sei, mit Ter­ro­ris­ten zu ver­han­deln. Das heißt, Recep Tayy­ip Erdoğan erhielt kei­ne Garan­ti­en, dass es kei­ne Offen­si­ve gegen Idlib geben wür­de.

Die Tür­kei geriet in “Zeit­not”. Sie hat jetzt fast kei­ne Zeit mehr, die Ter­ro­ris­ten davon zu über­zeu­gen, sich der bewaff­ne­ten Oppo­si­ti­on anzu­schlie­ßen. Die Situa­ti­on wird durch die Tat­sa­che kom­pli­ziert, dass die mäch­tigs­te Kraft in der Regi­on – HTS – sich nicht nur unter Zivi­lis­ten ver­ste­cken und die­se als “mensch­li­che Schutz­schil­de” benut­zen kann, son­dern auch dadurch, dass die Ter­ror­grup­pe sich hin­ter die zwölf tür­ki­schen Beob­ach­tungs­stel­len zurück­zieht – nahe der tür­ki­schen Gren­ze. Das heißt, um HTS zu errei­chen, müss­ten Assad, Russ­land, die schii­ti­schen und pro-ira­ni­schen Mili­zen einer­seits “über die Köp­fe” des tür­ki­schen Mili­tärs sprin­gen und sich ande­rer­seits der tür­ki­schen Gren­ze nähern. Bei­des wäre für Russ­land und die Tür­kei äußerst unan­ge­nehm.

Man muss sagen, dass die Tür­kei den Dro­hun­gen und dem Druck Russ­lands, des Iran und Assads in nichts nach­steht. Dut­zen­de Kriegs­ge­rä­te, dar­un­ter auch Pan­zer, wur­den an die syri­sche Gren­ze ver­legt. Die Zahl der Trup­pen an den zwölf Kon­troll­punk­ten in Idlib steigt wei­ter. Anka­ra erhöht nicht nur sei­ne Prä­senz, son­dern lässt auch im benach­bar­ten Tall Rif­aat die Mus­keln spie­len, wo eben­falls die rus­si­sche Mili­tär­po­li­zei sta­tio­niert ist. Am 13. Sep­tem­ber bom­bar­dier­te die tür­ki­sche Luft­waf­fe Posi­tio­nen der kur­di­schen YPG. Vor ein paar Tagen zitier­te die Agen­tur Reu­ters einen hohen Beam­ten in Anka­ra, der erklär­te, dass Assads Angriff auf Idlib als Angriff auf die Tür­kei betrach­tet wer­den wür­de.

Trotz der US-Sank­tio­nen ist Erdoğan gezwun­gen, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten um Unter­stüt­zung zu bit­ten

Es ist bemer­kens­wert, dass Erdoğan, der wegen der Erobe­rung von Ost-Ghu­ta und Dar­aa durch die syri­sche Regie­rung nicht beson­ders wütend war, den­noch Idlib als eigent­li­ches geo­po­li­ti­sches Kern­ge­biet der Tür­kei her­vor­hob. Anka­ra sitzt als Mit­glied sowohl der NATO als auch des “Asta­na-Drei­ecks” zwi­schen den Stüh­len. Trotz der US-Sank­tio­nen ist Erdoğan gezwun­gen, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und sogar Deutsch­land um Unter­stüt­zung zu bit­ten. Drei der Staa­ten sind offi­zi­ell, Ber­lin infor­mell bereit, Rake­ten­schlä­ge gegen Assad durch­zu­füh­ren, falls er Idlib zurück­er­obert. Ein che­mi­scher Angriff wäre nur ein vor­ge­scho­be­ner Anlass für solch einen NATO-Aggres­si­ons­akt.

Da die Inter­es­sen Russ­lands und des Iran einer­seits und der Tür­kei und der NATO ande­rer­seits dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt sind, schließt nie­mand die Mög­lich­keit einer huma­ni­tä­ren Kata­stro­phe aus. Nach Schät­zun­gen der UNO könn­ten min­des­tens 700.000 Men­schen Flücht­lin­ge wer­den und in die Tür­kei und wei­ter nach Euro­pa drän­gen. In Tehe­ran spra­chen Putin und Roha­ni auch über die Not­wen­dig­keit, die Zivil­be­völ­ke­rung in Tehe­ran zu schüt­zen.

Anka­ra und Mos­kau könn­ten in letz­ter Minu­te eine tak­ti­sche Lösung fin­den

Trotz des Mus­kel­spiels könn­ten Anka­ra und Mos­kau in letz­ter Minu­te doch eine tak­ti­sche Lösung fin­den. Die Offen­si­ve wür­de sich aus­schließ­lich auf die Posi­tio­nen von HTS und die des IS beschrän­ken, die der tür­ki­sche Geheim­dienst noch auf­klä­ren sol­le. Obwohl die­se Auf­ga­be in der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on sehr schwer rea­li­sier­bar zu sein scheint. Denn auch wenn die­ser Deal erreicht wer­den soll­te, könn­te nur von einem vor­über­ge­hen­den Abkom­men die Rede sein. Nach­dem Assad die Ter­ro­ris­ten ver­nich­tet hat, wird er frü­her oder spä­ter den Rest von Idlib bean­spru­chen.

Als alter­na­ti­ve Opti­on kann man sich auch ein tür­kisch-ame­ri­ka­ni­sches Zusam­men­spiel vor­stel­len. Dafür wür­den Anka­ra und Washing­ton für eine Wei­le ihre Wider­sprü­che ver­ges­sen, um ein gemein­sa­mes Ziel zu errei­chen – die Auf­recht­erhal­tung eines Anti-Assad-Zen­trums im dicht besie­del­ten Teil Syri­ens. Obwohl Erdoğan die USA in Syri­en als desta­bi­li­sie­rend in jeder Hin­sicht ent­larv­te, benö­tigt er in die­ser Pha­se des Kon­flikts drin­gend den Druck des Pen­ta­gon auf Assad und sei­ne Ver­bün­de­ten, um sie davon abzu­hal­ten, in Idlib ein­zu­mar­schie­ren.

Die Schlacht um Idlib wird wahr­schein­lich die größ­te in der Geschich­te Syri­ens sein

Wie die­se Macht- und diplo­ma­ti­schen Spie­le enden wer­den, hängt von den Ver­hand­lun­gen ab, von denen der Groß­teil hin­ter den Kulis­sen geführt wird. Nur eines ist klar : Die Schlacht um Idlib wird wahr­schein­lich die größ­te in der Geschich­te Syri­ens sein und sowohl das Asta­na-For­mat als auch den Ein­fluss der Tür­kei in Syri­en aufs Spiel set­zen. Die USA ver­lie­ren im Gro­ßen und Gan­zen nichts. Sie haben die Kur­den, den öst­li­chen Euphrat und das Öl.

Mehr zum The­ma — Ser­gei Law­row in Ber­lin : Klar­text zu Syri­en und Ukrai­ne-Kon­flikt

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Chemnitz : Sachlichkeitsvergleich zwischen Links und Rechts


Kurz zusam­men­ge­fasst, kann man die gegen­sei­ti­gen Vor­wür­fe auf fol­gen­de Aus­sa­gen redu­zie­ren : “Alles Nazis ! Nazis raus!” bzw. “Flücht­lin­ge sind kri­mi­nel­ler als Deut­sche ! Migran­ten­flut stop­pen!”

Mehr zum The­ma — MEDIEN het­zen CHEMNITZ ins NAZI NEST | Pau­schal-Jour­na­lis­mus | 451 Grad | 73

Dass die Demons­tran­ten in Chem­nitz zu Unrecht über einen Kamm gescho­ren und pau­schal als Nazis bezeich­net wer­den, ist leicht nach­weis­bar. Auch, dass die Gegen­sei­te viel grö­ße­re media­le und ander­wei­ti­ge Unter­stüt­zung hat, soll­te bis­her jedem auf­ge­fal­len sein. Der Haupt­kri­tik­punkt der Chem­nit­zer — “dem rech­ten Mob wur­de mehr Auf­merk­sam­keit gewid­met als dem Mord selbst” — wird in den Leit­me­di­en nicht wie­der­ge­ge­ben. Genau wie Gewalt­ta­ten, die nur ein­sei­tig beleuch­tet wer­den, obwohl es Gewalt­be­reit­schaft auf Bei­den Sei­ten gibt.

Aller­dings impli­ziert die Beto­nung der Staats­an­ge­hö­rig­keit, dass die Her­kunft der Opfer und der Täter tat­säch­lich der Haupt­grund für die Kri­tik der Trau­ern­den ist. Wür­de es etwas ändern, wenn es statt “Migran­ten erste­chen einen Deut­schen” — “Deut­sche erste­chen einen Migran­ten” hie­ße ? Tat­säch­lich gab es die gan­ze Zeit über auch Mel­dun­gen von schwe­ren Ver­bre­chen, die Deut­sche began­nen haben. Wie zum Bei­spiel der aktu­ell lau­fen­de Pro­zess gegen einen 42-Jäh­ri­gen, der jah­re­lang meh­re­re Mäd­chen sexu­ell miss­braucht hat, oder eine Mel­dung vom 30. August über ein Paar in Des­sau, das eine 25-jäh­ri­ge chi­ne­si­sche Stu­den­tin ver­ge­wal­tig­te und anschlie­ßend zu Tode quäl­te. Einen Auf­marsch mit Pla­ka­ten wie etwa “Wir sind kein Frei­wild!” haben die Fäl­le bis­her nicht aus­ge­löst.

Mehr zum The­ma — Ex-Grü­ne Ant­je Her­men­au zu Chem­nitz : “Für mich ist das Regie­rungs­ver­sa­gen”

Das Gegen­ar­gu­ment ist auch bekannt : Nie­mand bestrei­tet, dass Deut­sche auch Ver­bre­chen bege­hen, es geht viel­mehr dar­um, dass Migran­ten bzw. Asy­lan­ten dies pro­zen­tu­ell gese­hen in höhe­rem Maße tun. Doch die Lebens­be­din­gun­gen der kri­mi­nel­len Per­so­nen wer­den hier­bei nicht als Argu­ment ange­se­hen. Dabei ist die Mehr­heit der Men­schen in mus­li­mi­schen Län­dern nicht gewalt­tä­tig, genau­so, wie es in der Bun­des­re­pu­blik Deut­sche gibt, die gewalt­tä­tig sind. Um Dani­el H. zu zitie­ren : “Die Natio­na­li­tät ist egal ! Arsch­loch ist Arsch­loch!”

Zudem wird die Dop­pel­mo­ral in rechts­kon­ser­va­ti­ven Krei­sen an fol­gen­der Stel­le igno­riert : Wenn ein deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger ein schwe­res Ver­bre­chen begeht, dann schiebt man das auf sei­ne geis­ti­ge Labi­li­tät. Bei Aus­län­dern hin­ge­gen wird nicht so gewer­tet.

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Waffenruhe zwischen verfeindeten Milizen in Tripolis vereinbart


Dar­über hin­aus soll­ten der inter­na­tio­na­le Flug­ha­fen Miti­ga sowie alle Stra­ßen rund um die Haupt­stadt wie­der geöff­net wer­den. Alle Hand­lun­gen müss­ten unter­las­sen wer­den, die ein Wie­der­auf­flam­men der Kämp­fe nach sich zie­hen könn­ten.

In Tri­po­lis hat­ten riva­li­sie­ren­de Mili­zen seit dem 26. August gegen­ein­an­der gekämpft. Dabei kamen min­des­tens 49 Men­schen ums Leben, wei­te­re 129 wur­den ver­letzt. Die Regie­rung rief den Not­stand zum Schutz der Zivil­be­völ­ke­rung aus.

Seit dem Sturz von Lang­zeit­herr­scher Muammar al-Gad­da­fi im Jahr 2011 herrscht in Liby­en ein Bür­ger­kriegs­cha­os. Zahl­rei­che bewaff­ne­te Grup­pen bekämp­fen sich gegen­sei­tig. Die inter­na­tio­nal aner­kann­te Regie­rung in Tri­po­lis konn­te ihren Ein­fluss kaum über die Haupt­stadt hin­aus aus­deh­nen. (dpa)

Mehr zum The­ma — Kämp­fe in Tri­po­lis : Rund 400 Häft­lin­ge flie­hen aus Gefäng­nis

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Handelsstreit zwischen China und den USA : Chinesische Medien veralbern Trump


Bereits vor Amts­an­tritt hat­te der US-Prä­si­dent Donald Trump den Chi­ne­sen gedroht. Die USA hät­ten, so Trump, Nach­tei­le im Han­del mit Chi­na. US-Fir­men wür­den in Chi­na ihres geis­ti­gen Eigen­tums beraubt. Die neu­es­ten Import­zöl­le von 25 Pro­zent der USA auf chi­ne­si­sche Güter wie Che­mi­ka­li­en, Plas­ti­kerzeug­nis­se und Motor­rä­der betref­fen Waren im Wert von 16 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Die Ant­wort aus Peking folg­te prompt. So wer­den nun Ben­zin, Autos, Stahl und Medi­zin­tech­nik als Impor­te aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten künf­tig in ähn­li­cher Höhe besteu­ert.

Chi­ne­si­sche Pres­se stellt Trumps Poli­tik als infan­til dar

Anläss­lich des Han­dels­streits, vor dem die chi­ne­si­sche Regie­rung die US-Ame­ri­ka­ner immer wie­der mit den Wor­ten gewarnt hat­te, er trä­fe am Ende die US-Bür­ger und nie­man­dem wäre damit gedient, zeig­te das staat­li­che Fern­se­hen Chi­na Glo­bal Tele­vi­si­on Net­work ein Video mit dem Titel “Dan­ke Herr Trump”. In dem drei-minü­ti­gen Video herrscht Trump über ein chao­ti­sches Wei­ßes Haus und ver­folgt eine immer wei­ter iso­lie­ren­de Außen­po­li­tik. Die Mode­ra­to­rin Cheng Lei trug zudem einen offe­nen Brief an Trump vor. In die­sem Brief wird Trump gedankt, denn sein Ver­hal­ten habe gehol­fen, mehr Inves­to­ren nach Chi­na zu locken. Auch sei es für die Bür­ger Chi­nas viel gesün­der, wenn kein Speck und Bour­bon aus den USA mehr nach Chi­na gelie­fert wür­den. Des­halb dank­ten beson­ders die chi­ne­si­schen Ärz­te dem US-Prä­si­den­ten.

Das sar­kas­ti­sche Video ent­spricht gene­rell dem der­zei­ti­gen Ton in der chi­ne­si­schen Pres­se, in wel­cher Donald Trump als Poli­ti­ker mit “kind­li­chen Tak­ti­ken” beschrie­ben wird. Anfang August zeig­te der glei­che Sen­der bereits ein Video, in wel­chem Trump auf der Toi­let­te zu sehen ist und kom­men­tier­te : “Kann mor­gens um 5 Uhr von der Toi­let­te einen Tweet pos­ten, der Dich an sei­ner geis­ti­gen Gesund­heit zwei­feln lässt”. 

Schon im Wahl­kampf von US-Prä­si­dent Donald Trump beschäf­tig­ten sich chi­ne­si­sche Behör­den mit einer ange­mes­se­nen Über­set­zung sei­nes Namens. Die direk­te chi­ne­si­sche Über­set­zung ver­hieß nichts Gutes und wies auf einen hitz­köp­fi­gen Men­schen hin. Es wäre sei­ner­zeit zu unhöf­lich gewe­sen, die Schrift­zei­chen 闖 chuǎng / choang “Ein­bre­chen, einen ver­bo­te­nen Ort betre­ten” oder 撲 pū / pu “Angrei­fen” zu ver­wen­den. In Chi­na heißt Trump jetzt : 特朗普 (Tèlǎng­pǔ). Tai­wan wähl­te eine kür­ze­re Über­set­zung, die leich­ter von der Zun­ge geht 川普 (Chuān­pǔ) und die auch in Hong Kong benutzt wird. 

US-Ame­ri­ka­ner geben sich sie­ges­ge­wiss im Han­dels­streit 

US-Han­dels­mi­nis­ter Wil­bur Ross äußer­te sei­ne Sie­ges­ge­wiss­heit so : 

Natür­lich wer­den sie ein biss­chen Ver­gel­tung üben, (aber wir haben) viel mehr Kugeln als sie. 

Von den Video-Platt­for­men und sozia­len Medi­en wur­de das Video am Mitt­woch nach kur­zer Zeit wie­der gelöscht. In Washing­ton wer­den Ver­tre­ter der chi­ne­si­schen Regie­rung mit Offi­zi­el­len der US-Regie­rung zusam­men­kom­men, um über den Han­dels­streit zu ver­han­deln. Zahl­rei­che US-Unter­neh­men warn­ten Donald Trump davor, wei­te­re Import­zöl­le gegen Chi­na zu ver­hän­gen. Peking will sich an die Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO) wen­den und dort gegen die USA kla­gen. Bereits im Juli leg­ten sie Beschwer­de bei der WTO ein. Die US-Regie­rung droh­te an, im kom­men­den Monat (nun zum drit­ten Mal) wei­te­re Zöl­le gegen chi­ne­si­sche Pro­duk­te im Umfang von 200 Mil­li­ar­den Dol­lar zu ver­hän­gen. Die US-Import­zöl­le wer­den auch in Län­dern wie Malay­sia und Indo­ne­si­en spür­bar wer­den. Denn hier wer­den vie­le Zwi­schen­pro­duk­te her­ge­stellt, bevor sie in Chi­na im Sin­ne einer End­mon­ta­ge ver­wer­tet wer­den. 

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Streit zwischen Athen und Moskau : Griechenland wirft Russland Einmischung in Mazedonien vor


Grie­chen­land ver­ur­teilt die Aus­wei­sung diplo­ma­ti­scher Mit­ar­bei­ter aus Mos­kau. Aus dem grie­chi­schen Außen­mi­nis­te­ri­um hieß es am Frei­tag :

(Russ­lands Ent­schei­dung Anfang der Woche ist) will­kür­lich und eine rei­ne Ver­gel­tungs­maß­nah­me, die nicht auf Bewei­sen beruht.

Die Aus­wei­sung war eine Reak­ti­on auf die grie­chi­sche Aus­wei­sung zwei­er rus­si­scher Diplo­ma­ten im Juli. Zudem unter­sag­ten die grie­chi­schen Behör­den zwei rus­si­schen Diplo­ma­ten die Ein­rei­se. Die diplo­ma­ti­sche Kri­se wur­de dadurch aus­ge­löst, dass Athen rus­si­sche Diplo­ma­ten beschul­dig­te, Kir­chen­ver­tre­ter, Bür­ger­meis­ter und ande­re Insti­tu­tio­nen in Grie­chen­land zu bestechen sowie Pro­tes­te in Maze­do­ni­en zu schü­ren. Russ­land habe das Ziel ver­folgt, die Eini­gung im Streit zwi­schen Maze­do­ni­en und Grie­chen­land zu ver­hin­dern. Der rus­si­sche Bot­schaf­ter in Athen And­rei Maslow bezeich­ne­te die Vor­wür­fe als “unsin­nig”.

Maze­do­ni­en ver­sucht, den Namens­streit mit Athen bei­zu­le­gen. Eine Regi­on im Nor­den Grie­chen­lands heißt eben­falls Maze­do­ni­en. Ein Abkom­men, dem­zu­fol­ge das Land auf dem Bal­kan offi­zi­ell den Namen Nord-Maze­do­ni­en tra­gen soll, führ­te zu Pro­tes­ten. Die Namens­ge­bung soll einer Ver­wechs­lung mit der nord­grie­chi­schen Pro­vinz vor­beu­gen. Grie­chen­land gibt im Gegen­zug sein Veto gegen die Annä­he­rung Nord-Maze­do­ni­ens an EU und NATO auf.

In einer Erklä­rung der grie­chi­schen Regie­rung heißt es :

Es ist offen­sicht­lich, dass eini­ge Rus­sen — glück­li­cher­wei­se nur eini­ge — glau­ben, sie könn­ten in Grie­chen­land agie­ren, ohne die Geset­ze und Regeln zu respek­tie­ren, und sogar Dro­hun­gen äußern.

Am 30. Sep­tem­ber kön­nen die Bür­ger Maze­do­ni­ens in einer Volks­be­fra­gung zum Namens­streit abstim­men. Die Fra­ge wird lau­ten : “Sind Sie für die Mit­glied­schaft in EU und NATO durch die Annah­me des Abkom­mens zwi­schen Maze­do­ni­en und Grie­chen­land?”

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Die AfD-Außenpolitik : Zwischen Friedensdiktion und Machtprojektion


von Hasan Posd­nja­kow

In den Medi­en wie auch in der eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on hebt sich die AfD vor allem mit ihrer Asyl- und Migra­ti­ons­po­li­tik her­vor. Ein wei­te­res Poli­tik­feld, das inhalt­lich eigent­lich eng mit die­sem ver­knüpft ist, wird jedoch kaum beach­tet : Die Außen­po­li­tik. Erst die desas­trö­se Außen­po­li­tik und Außen­wirt­schafts­po­li­tik der west­li­chen Staa­ten ver­ur­sach­te die gewal­ti­gen Migra­ti­ons­be­we­gun­gen, die wei­te Tei­le Afri­kas und des Nahen Ostens erfasst haben.

Wenn die Außen­po­li­tik der AfD über­haupt Beach­tung fin­den, wird sie meist auf eine angeb­li­che Nähe zum rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin redu­ziert. Es soll der Ein­druck ent­ste­hen, es hand­le sich bei der AfD um eine “kremlge­lenk­te” Par­tei, wie es im NATO-Neu­sprech heißt. Dabei ist die Par­tei selbst mit­ver­ant­wort­lich für die ver­wor­re­ne öffent­li­che Wahr­neh­mung, räumt sie doch die­sem The­ma — unbe­wusst oder bewusst (?) — nur eine unter­ge­ord­ne­te Prio­ri­tät in ihrer Pres­se­ar­beit ein.

Als eine rela­tiv neue Oppo­si­ti­ons­par­tei, die zudem kei­ne Regie­rungs­ver­ant­wor­tung trägt, kann die AfD nicht anhand ihrer Taten, son­dern nur auf der Grund­la­ge ihrer eige­nen Pro­gram­ma­tik sowie nun­mehr auch des (Abstimmungs-)Verhaltens ihrer Abge­ord­ne­ten gemes­sen wer­den.

Die zwei­fel­los rechts­na­tio­na­le Par­tei führt in ihren zen­tra­len Doku­men­ten, wie dem Grund­satz­pro­gramm und dem Wahl­pro­gramm, ihre außen- und mili­tär­po­li­ti­schen Posi­tio­nen auf. Dort fin­den sich zwei unter­schied­li­che, gera­de­zu gegen­läu­fi­ge Ansät­ze.

Einer­seits erhebt die AfD For­de­run­gen, die für eine fried­li­che Außen­po­li­tik spre­chen soll­ten. So lehnt sie etwa die Ein­mi­schun­gen in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten ande­rer Staa­ten ab. Zudem for­dert sie, dass NATO-Ein­sät­ze grund­sätz­lich “unter einem UN-Man­dat” statt­fin­den sol­len, und zwar “nur, wenn deut­sche Sicher­heits­in­ter­es­sen berück­sich­tigt wer­den.” Wei­ter for­dert die Par­tei den Abzug aller Atom­bom­ben aus Deutsch­land. Die AfD plä­diert dafür, “Kon­flik­te in Euro­pa fried­lich zu regeln” und setzt sich für eine Wie­der­an­nä­he­rung an Russ­land ein.

Im Wahl­pro­gramm für die Bun­des­tags­wah­len 2017 schreibt sie :

Die AfD bekennt sich zu den Wer­ten der Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen und des Völ­ker­rechts.”

Die­sen grund­sätz­lich posi­ti­ven Aus­sa­gen ste­hen aller­dings ande­re pro­gram­ma­ti­sche Punk­te ent­ge­gen, die ers­te­re min­des­tens rela­ti­vie­ren. Im Grund­satz­pro­gramm spricht die AfD sich für eine “Gesamt­stra­te­gie” zur Außen- und Sicher­heits­po­li­tik aus, die die “natio­na­len Inter­es­sen und das Wohl des deut­schen Vol­kes” berück­sich­ti­gen müs­se. Das Pro­blem ist : Wer defi­niert die natio­na­len Inter­es­sen ? Wie wer­den sie defi­niert ? Die Par­tei stellt zudem auch die NATO-Mit­glied­schaft Deutsch­lands kei­nes­wegs in Fra­ge :

Die Mit­glied­schaft (in) der NATO ent­spricht den außen- und sicher­heits­po­li­ti­schen Inter­es­sen Deutsch­lands, soweit sich die NATO auf ihre Auf­ga­be als Ver­tei­di­gungs­bünd­nis beschränkt.”

Eine wich­ti­ge und stets wie­der­keh­ren­de Kom­po­nen­te der AfD-Außen- und Mili­tär­po­li­tik ist die For­de­rung, die Bun­des­wehr zu stär­ken und die Rüs­tungs­aus­ga­ben zu erhö­hen. Ganz im Gegen­satz zu den For­de­run­gen der Frie­dens­be­we­gung, u.a. den Wehr­etat nicht wei­ter zu erhö­hen, spricht sich die AfD dafür aus, “die mili­tä­ri­schen Fähig­kei­ten der deut­schen Streit­kräf­te wie­der­her­zu­stel­len.” Dabei sol­le die Bun­des­wehr auch wei­ter­hin nicht allei­ne auf die Lan­des­ver­tei­di­gung aus­ge­rich­tet sein : Die Bun­des­wehr müs­se auch “in erfor­der­li­chem Maß zur Bünd­nis­ver­tei­di­gung und Kri­sen­vor­sor­ge” bereit sein. Die Auf­rüs­tung der Bun­des­wehr sei wich­tig, damit Deutsch­land von den ande­ren NATO- und EU-Staa­ten sowie den ande­ren glo­bal agie­ren­den Mäch­ten “als gleich­be­rech­tig­ter Part­ner” wahr­ge­nom­men wer­de.

Rüdi­ger Lucas­sen, ver­tei­di­gungs­po­li­ti­scher Spre­cher der AfD, kri­ti­sier­te die geplan­ten Erhö­hun­gen des Wehr­etats als nicht aus­rei­chend :

Der wich­tigs­te Auf­trag der Bun­des­wehr, die Lan­des- und Bünd­nis­ver­tei­di­gung, kann damit nicht erfüllt wer­den. Die Stei­ge­rungs­ra­te bis 2022 nimmt sogar ab. So wird die Bun­des­re­gie­rung ihre NATO-Zusa­ge von zwei Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes nie­mals ein­hal­ten kön­nen.”

Die Par­tei hält fest, dass es eine “wich­ti­ge Auf­ga­be deut­scher Außen- und Sicher­heits­po­li­tik” sei, die Ver­pflich­tun­gen gegen­über den ande­ren NATO-Staa­ten zu erfül­len. Damit ist unter ande­rem gemeint, das von der NATO vor­ge­ge­be­ne Ziel, min­des­tens zwei Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP) für Mili­tär­aus­ga­ben zu ver­wen­den, zu erfül­len. Eine wei­te­re For­de­rung der AfD lau­tet, die NATO so zu refor­mie­ren, “dass sie die Sicher­heit in Euro­pa und an sei­ner Peri­phe­rie gewähr­leis­ten” kann.

Die anvi­sier­te enge­re Mili­tär­ko­ope­ra­ti­on inner­halb der EU lehnt die AfD nicht grund­sätz­lich ab :

Die mili­tä­ri­sche Zusam­men­ar­beit in der EU muss in der Tat gestärkt wer­den, vor allem an den EU-Außen­gren­zen, aber nicht in immer neu­en Struk­tu­ren”, erklär­te der AfD-Abge­ord­n­ter Sieg­bert Droese Ende Juni.

Vor den Bun­des­tags­wah­len im letz­ten Jahr for­mu­lier­te die Par­tei unver­hoh­len expli­zit :

Die AfD for­dert den dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Zugang zu aus­län­di­schen Import- und Export­märk­ten für deut­sche Unter­neh­men. Dazu gehö­ren auch der Zugang zu Roh­stof­fen und die Frei­heit der Han­dels­we­ge.”

Die Pas­sa­ge erin­nert an die For­mu­lie­run­gen im Weiß­buch der Bun­des­wehr, wo ähn­li­ches fest­ge­hal­ten wird. Schon im Jahr 1992 bekräf­tig­te die dama­li­ge Bun­des­re­gie­rung in den “Ver­tei­di­gungs­po­li­ti­schen Richt­li­ni­en”, dass zu den “legi­ti­men natio­na­len Inter­es­sen” Deutsch­lands auch die „Auf­recht­erhal­tung des frei­en Welt­han­dels“ und der unge­hin­der­te Zugang “zu Märk­ten und Roh­stof­fen in aller Welt” gehö­ren.

Das Abstim­mungs­ver­hal­ten der AfD-Frak­ti­on im Bun­des­tag spie­gelt die­se Wider­sprüch­lich­keit : Zwar lehn­te die Par­tei vie­le Aus­lands­ein­sät­ze der Bun­des­wehr ab, den­noch stimm­ten die AfD-Abge­ord­ne­ten für die Bun­des­wehr-Mis­si­on vor Soma­lia sowie für die Ein­sät­ze im Mit­tel­meer.

Ins­ge­samt wäre es daher falsch, die AfD als Frie­dens­par­tei zu sehen. Sie strebt kei­nen Bruch mit den eta­blier­ten mili­ta­ris­ti­schen Macht­struk­tu­ren an. Kann es etwa einen dau­er­haf­ten Frie­den geben, wenn man nicht bereit ist, mit dem Kriegs­trei­ber­bünd­nis NATO zu bre­chen ? Alar­mie­rend ist erst recht die AfD-For­de­rung, die Rüs­tungs­aus­ga­ben sogar noch mehr als von der Bun­des­re­gie­rung ange­kün­digt zu erhö­hen. Schon bei einer Anhe­bung auf zwei Pro­zent des BIPs wür­de allein Deutsch­land bereits mehr aus­ge­ben als Russ­land. Hin­zu kämen noch alle ande­re NATO-Staa­ten, allen vor­an die Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Hin­ter den wohl­klin­gen­den Äuße­run­gen der AfD ver­ste­cken sich die­sel­ben geo­stra­te­gi­schen Macht­pro­jek­tio­nen, die auch die eta­blier­ten bür­ger­li­chen Par­tei­en befür­wor­ten.

Über­ein­stim­mend mit den ande­ren bür­ger­li­chen Par­tei­en strebt die AfD an, die mili­tä­ri­sche und wirt­schaft­li­che Macht Deutsch­lands für omi­nö­se “natio­na­le Inter­es­sen” ein­zu­set­zen. Dabei kann es wohl defi­ni­tiv nicht im Inter­es­se der abso­lu­ten Mehr­heit des deut­schen Vol­kes sein, Dut­zen­de von Mil­li­ar­den von Euro für eine — wie von den eta­blier­ten Par­tei­en behaup­te­te, aber letzt­lich hal­lu­zi­nier­te — Bedro­hung sei­tens Russ­lands aus­zu­ge­ben. Oder, wie von der AfD gefor­dert, für die “Lan­des­ver­tei­di­gung”. Haben wir etwa eine Inva­si­on Luxem­burgs, ange­führt von “Ischias”-Juncker, zu befürch­ten ? Oder sol­len uns neu­er­dings mal die Nie­der­län­der angrei­fen, die kei­ne eige­nen Pan­zer mehr haben, son­dern statt­des­sen bei pres­sie­ren­der Not­la­ge die Bun­des­wehr-Pan­zer benut­zen wür­den ?

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